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2.9 Ensheimer Topographie


Extra-Service: Die Kartierung des Ensheimer Banns durch den nassau-saarbrückischen Geometer Georg Valentin Knoertzer


Der nassau-saarbrückische Geometer Georg Valentin Knoertzer hat in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine wunderbare handkolorierte Karte des Ensheimer Bannes geschaffen. Die vorliegende Karte stammt vermutlich aus den Jahren 1762 bis 1765. In diesen drei Jahren war der Ensheimer Bann "renovirt" worden, wobei, wie aus einer 1792 gemachten Eingabe der Gemeinde an das Kloster hervorgeht, auch "Bannbücher und general Cart" angelegt worden waren. (Tritz, 263)

Auf der Karte ist der Kleine Stiefel nicht mehr als wadgassischer Besitz enthalten; demnach ist die Karte nach 1755/59/62 entstanden: In dieser Zeit gab es einen Grenzkonflikt zwischen dem Kloster Wadgassen und den Grafen von Nassau-Saarbrücken, nachdem letztere 1755 einseitige Grenzregulierungen und Vermessungen vorgenommen hatten, wodurch Wadgassen einen großen Walddistrikt verloren hatte. Eine Klage vor dem Reichskammergericht gab Wadgassen Recht: Nassau-Saarbrücken wurde dazu verurteilt, bis zu einer entgültigen Entscheidung alle Manipulationen im klösterlichen Walddistrikt am Kleinen Stiefel zu unterlassen und an Wadgassen 200 Gulden Schadensersatz zu zahlen. Daß der Kleine Stiefel ein interessanter Besitz war, ist in einer Denkschrift von 1758 nachzulesen: "Der Kleine Stiefel besteht in 212 Morgen hoher Waldungen, mit Eichen und Buchen wohl versehen..." Im Jahre 1759 kam es dann zu einem gütlichen Vergleich zwischen dem Kloster und Nassau-Saarbrücken, in dem alle Streitigkeiten beigelegt werden sollten, auch in Sachen Kleiner Stiefel, der nun vom Kloster an die Saarbrücker Grafen abgetreten wurde. Hinsichtlich der gemeinsamen Grenze auf Bischmisheimer Bann wurde beschlossen: 

  "...jedoch soll es bey der Stutzischen Linie von dem drey Bännigen Bannstein bei der Thalmühle bis an den Kleinen Stiefel sein Verbleiben haben, und sollen die zu dieser Linie nicht gehörige Steine ausgehoben, und weggeschaffet, auch die Wießen und Aecker, in deren Besitz sowohl das Closter, als auch einige Particuliers von Reichenborn und Sengst von anno Siebenzehn Hundert Fünf und Fünfzig gewesen. wiederum eingeräumet, und abgetretten werden, vor die fructus perceptos ab sollen dem Closter fünfhundert Gulden durch die Fürstliche Cammer bezahlet werden." (Tritz, 149)
Im Jahr 1762 schließlich wurde der Kleine Stiefel und der Rentrisch offiziell von Nassau-Saarbrücken in Besitz genommen.

Knoertzer hat die Karte im Maßstab von "810 Ruthen" angefertigt; in Klammer hat jemand anderes später hinzugefügt: "Diese Ruthe hat 10 Quadratmeter." Welchem heutigen Maßstab die Vermessungsgrundlage von Knoertzer entspricht, ist nicht einfach zu ermitteln, denn die Rute war ein in deutschen Landen häufiges, aber auch sehr unterschiedliches Längenmaß: so maß die alemannische Rute beispielsweise 4,584 m, die Frankfurter Rute 3,558 m oder die rheinische Rute gar 7,393 m. (In der Landgrafschaft Hessen-Homburg war die Rute ein Raummaß und betrug 6,640 Kubikmeter.)

Wie die Herausgeber der Ensheimer Ortschronik, Helmut und Alexander Wilhelm, 87 berichten, hat Knoertzer nicht nur den Bann vermessen, sondern auch die wadgassischen Lagerbücher geführt. In diesen Lager- oder Saalbüchern wurden die Rechte und Einkünfte der Abtei vermerkt.

Nach der Vertreibung der wadgassischen Mönche im Zuge der Französischen Revolution im Jahre 1793 gelangte der wadgassische Besitz für eine Übergangszeit in den Besitz der Gemeinde Ensheim, fiel aber später an den französischen Staat. Dessen für Ensheim zuständiger Kommissar ordnete im Jahre 1802 die Anlage von neuen Katastern, den sog. Sektionsregistern, an, die Grundlage für die Erhebung der neuen Grundsteuern (anstelle des alten Zehnten) wurden.

Sie haben die Möglichkeit, dieses großartige Zeugnis der Ensheimer Geschichte ganz oder ausschnittsweise herunterzuladen:

PS: Auf der Karte ist auf der rechten Randseite ein schwer leserbarer Vermerk vom 11. Mai 1842 enthalten; außerdem gibt es auf der Karte etliche Vermerke in dünner Schrift, die deshalb meist nicht oder nur schwer zu entziffern sind. Sie stammen mit Sicherheit auch aus dem 19. Jahrhundert.

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Last update: 22.04.2004