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De Hämel 

Vorgestellt von Friedel Hoffmann, Ensheim.




Lesung anläßlich. des 50. Jahrestages der Bombennacht in Ensheim, vorgetragen im Dankgottesdienst am 14. März 1995 von Frau Gretel Kautz in der kath. Pfarrkirche in Ensheim.
 

Vor 50 Jahren, in der Nacht vom 14. zum 15. März 1945 ging ein Trommelfeuer über Ensheim nieder. Man sprach von 1000 Einschlägen in der Stunde. Es war schrecklich. Wir rückten noch enger zusammen und beteten. "Wir", das waren 9 Erwachsene und 12 Kinder. Die Hämeler glaubten sich in dem Gewölbe des Bierkellers unter "Eiche Saal" sicherer als zu Hause. Herr Robert Bläs, der Eigentümer, betreute uns und wir fühlten uns geborgen. Doch als das Gebäude selbst 9 Einschläge trafen, war unsere Hoffnung lebend hier raus zu kommen, gesunken.

Unsere Mütter versprachen in ihrer Not, eine Mutter Gottes Statue auf dem Ormesberg zu errichten, falls wir diesen elenden Krieg überleben sollten.

Mit ein paar versprengten deutschen Soldaten und dem sogenannten Volkssturm, der auch hier einquartiert war, haben wir alle ohne Verletzung diese furchtbare Nacht überstanden. Der nächste Morgen war gespenstig ruhig, bis plötzlich gegen 14.00 Uhr zwei amerikanische Soldaten in der Tür standen. Wir hatten unbeschreibliche Angst und weinten. Doch niemandem geschieht ein Leid. Das Nötigste durften wir mitnehmen und wurden mit den anderen Dorfbewohnern, die auch zu Hause geblieben waren, in die Häuser Fohs, Huter und Fleisch in der Franzstraße untergebracht, ungefähr 500 Personen. Niemand durfte sein Quartier verlassen. Die Männer vom Volkssturm trieb man in den Hof der Bauunternehmung Walle in der Eschringer Straße, von wo sie den Weg in die Gefangenschaft antraten; manche sogar bis Südfrankreich und USA. Nachdem die Amerikaner ohne Widerstand den Westwall durchbrochen hatten, bestand für die Bevölkerung keine Gefahr mehr. Die Vorräte gingen zur Neige und man beschloß, uns in mehrere Häuser zu verteilen. Aber es mußte ein Vertrauensmann gefunden werden, der die Verantwortung für uns übernimmt. Schweren Herzens nahm Herr Gustav Dederichs dieses Amt an. Wir waren ihm alle sehr dankbar und siedelten in die Kirchenstraße um. Auch dort wurden wir von Soldaten bewacht und keiner durfte in sein eigenes Haus. Herr August Breuer kochte uns in einem großen Topf Suppe oder Eintopf, so daß wir täglich eine warme Mahlzeit hatten, was anfangs nicht der Fall war. Endlich, nach acht Tagen versammelten wir uns in der Kirche, wo man uns die freudige Nachricht mitteilte, daß wir alle nach Hause könnten. - - 50 Jahre. -

Hoffen und beten wir, daß der Friede erhalten bleibt.


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