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Extra-Info: Sengscheid und Reichenbrunn


Sengscheid und Reichenbrunn im Jahre 1797

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Dieser Ausschnitt entstammt der sehr interessanten und detailfreudigen Schmitt'schen Karte von Südwestdeutschland, Blatt 1, Maßstab ca. 1:57.600. Sie ist Teil einer ganzen Reihe von topographischen Aufnahmen des k.u.k. Generalquartiermeisterstabes unter der Leitung des Generalmajors Johann Heinrich von Schmitt aus dem Jahre 1797.

Die Karte ist nach Westen orientiert. Sengscheid erscheint in der ins Schriftdeutsche gebrachten Form "Sengst" (aus: Sengschd), und Reichenbrunn wird noch in der damals üblichen Form als "Reichenborn" aufgeführt.

Ein interessantes Detail am Rande: Die Karte weist im Bereich von Ensheim und Eschringen eine Lücke auf, weil die Kartierungsarbeiten aufgrund des damaligen Koalitionskrieges der Österreicher gegen Frankreich nicht abgeschlossen werden konnten.

Das Original der handkolorierten Karte liegt im Kriegsarchiv Wien. Eine gelungene Reproduktion der Karte aus dem Jahre 1986 ist beim Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz erhältlich. Sie ist jedem Bliesgau- und Saarpfalz-Forscher zu empfehlen!

Sengscheid und Reichenbrunn in einer topographischen Karte von 1955

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Der Maßstab beträgt 1:25.000.

Sengscheid und Reichenborn gehörten seit dem 13. Jahrhundert zum Besitz des Klosters Wadgassen und waren sicherlich seit dieser Zeit auch besiedelt. In den Wirren des 30jährigen Krieges sind diese Wohnplätze zur Wüstung geworden. Die Phase der Wiederbesiedelung beginnt um 1700. Das Schöffenweistum von 1702 zählte für Reichenbrunn vier Haushaltsvorstände auf. (Daten, 2,3 KB). Etwas später scheint auch Sengscheid wiederbesiedelt worden zu sein. Zwischen 1717 und 1734 wohnte hier beispielsweise Ägidius Duschin mit seiner Frau Anna Gertrud. Der Name ist eine Verballhornung des französischen Namen Duchêne und wurde später zum noch heute geläufigen Familiennamen Eich. Viele der Neusiedler stammten aus Frankreich und dem französischsprachigen Teil des heutigen Belgien (Wallonien). Dies gilt auch für weitere kleine Wohnplätze in der Nähe: auf dem Großen Stiefel, auf dem Kleinen Stiefel (Triangel) und auf dem Staffel.

Literaturtip: Thomas Degro: Die Einwohner von Sengscheid und Reichenbrunn vor 1800. Burgdorf 1995

Am 27. April 1779 wurde zwischen Ensheim, Sengscheid und Reichenborn ein Vertrag geschlossen, demzufolge die drei Orte von nun an eine Gemeinde bilden. Michael Tritz (op. cit., 262) schreibt dazu:

"Die Gemeindsleute von Sengscheid und Reichenborn sollen die im Vertrage von 1759 von Ensheim übernomme Klosterschuld tragen helfen, dafür auch an den vom Kloster der Gemeinde übertragenen 50 Morgen ihren Anteil haben; sie zahlen, wie in Ensheim üblich, jetzt alle, und in der Folge die Neuverheirateten, ein Gemeindeeinstandsgeld von einem Reichsthaler. Die Unterhaltung der Gemeindehäuser und -brunnen soll 'auß denen Gemeindsalimenter und -gütern bezahlt werden.'"

Auch nach den Umwälzungen im Rahmen der Französischen Revolution blieben Sengscheid und Reichenbrunn bei Ensheim und wurden zusammen mit Ensheim, Eschringen, Ommersheim, Aßweiler und Heckendalheim in die neugeschaffene Bürgermeisterei Ensheim integriert.

Sengscheid gehört seit dem 1. Juli 1937 zur Stadt St. Ingbert, Reichenbrunn seit 1. April 1937 zur Gemeinde Oberwürzbach.


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Last update: 26.01.2016