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3.0 Ensheimer Genealogie

Basis-Info


3.4 Die Zivilstandsregister der Gemeinde Ensheim

Die katholischen Kirchenbücher von Ensheim brechen, wie andernorts auch, im Jahr 1798 einfach ab: der letzte Eintrag im Taufregister datiert vom 7.10. (Heinrich Anselinger), die letzte Heirat wird unter dem 3.7. festgehalten (Johann Mohr oo Marg. Bauer), der letzte Sterbefall am 30. 8. beurkundet. Die kirchlichen Eintragungen beginnen erst wieder im Jahre 1803. Es besteht also hier eine Lücke von fast fünf Jahren.

Bekanntlich wurden am 23. September 1798 in den im Rahmen der Französischen Revolution zu Frankreich gelangten saarländischen Gemeinden die Zivilstandsregister (ZR) eingeführt. Schließen diese neuen Register nun diese Lücke? Mitnichten.

Einer "Übersicht (des Stadtarchivs Saarbrücken) über die Aufbewahrung der bis zum 31.12.1875 geführten Zivilstandsregister" ist zu entnehmen, daß für Ensheim und Eschringen die ZR erst ab 1800 im Standesamt Saarbrücken II (Brebach) bzw. (mikroverfilmt) im Stadtarchiv Saarbrücken vorliegen. So wurden der erste Geburtsakt erst am 2. Vendémiaire IX (24.09.1800) (Marie Jung), die erste Heirat (als Nr. 2!) am 3. Ventôse IX (22.02.1801) (Franz Xaver Breunig oo Johannetta Jung) und der erste Sterbeakt am 7. Vendémiaire IX (29.09.1800) (Mathias Quirin) beurkundet. Also doch eine Lücke? Wo sind nun die Eintragungen für die Jahre VII und VIII, also für die Zeit vom 22.09.1798 bis zum 22.09.1800, abgeblieben? Im Stadtarchiv galten die entsprechenden Akten als verschollen.

Bei einem Besuch des Standesamtes Saarbrücken-Brebach im Herbst 1995 machte mich der freundliche Standesbeamte auf eine alte Akte mit Bezug auf Ensheim aufmerksam: eine wirklich alte Aktenmappe in erbarmungswürdigem Zustand mit einer Reihe loser eingelegter Akten für Ensheim, Eschringen und auch Ommersheim für die Jahre 7 und 8 der Französischen Republik! Meine spontane Freude wich allerdings recht schnell einer gewissen Ernüchterung, als ich den schlechten Zustand dieser Akten sah und zudem bald feststellen mußte, daß die Beurkundungen offensichtlich doch nicht vollständig sind.

  Jahr VII Jahr VII Jahr VII Jahr VIII Jahr VIII Jahr VIII
Register Geburten Heiraten Sterbefälle Geburten Heiraten Sterbefälle
Ensheim R: ja E:41 dt. R: ja E:6 dt. R: ja E:28 dt. ? ? ?
Eschringen R: ja E:4 dt. R: ja E:3 dt. R: ja E: 0! R: ja E:4 dt. ? R: ja E: 0 !

R = Register vorhanden; E = Einträge; dt. = in deutscher Sprache

Für das Jahr VII (22.09.1798 - 21.09.1799) liegen für Ensheim also diverse Einträge in den neugeschaffenen Zivilstandsregistern vor, für das Jahr VIII (22.09.1799 - 22.09.1800) dagegen nicht. Die Zivilstandsregister aus dieser Zeit sind leider nicht mehr auffindbar, so daß eine Lücke von einem ganzen Jahr hingenommen werden muß

Dagegen liegen die Zivilstandsregister ab 22.09.1800 sowohl im Standesamt Saarbrücken II (Brebach) als auch im Stadtarchiv Saarbrücken zur Einsichtnahme bereit.

Generell wird Einsicht bis zum Jahr 1875 gewährt, es sei denn, man kann unmittelbare Verwandtschaftsverhältnisse mit den gesuchten Personen geltend machen: dann darf man auch die Zivilstandsregister späteren Datums einsehen.

Die Zivilstandsregister von 1800 - 1875 liegen auch mikroverfilmt im Stadtarchiv Saarbrücken vor; eine Fernleihe in ein anderes Archiv ist gegen Übernahme aller Kosten möglich.

Leider sind nicht alle Jahrgänge gleich gut dokumentiert: Lücken gibt es zu Beginn der Einführung des Zivilstandsregisters und in Zeiten feindlicher Besetzung, zum Beispiel 1813/14 im Rahmen der Napoleonischen Kriege.

Da Ensheim den Status einer Mairie hat (zugehörig zum Arrondissement communal de Sarrebruck und damit zum Département de la Sarre) finden sich in den Zivilstandsregistern von Ensheim in den ersten Jahren auch Einträge der Nachbargemeinden Eschringen, Rittersmühle, Reichenbrunn, Heckendalheim, Ommersheim und Assweiler.

Bis Ende 1814 werden die Register französisch geführt, ab 1815 werden sie deutsch weitergeführt. Die letzte Eintragung des von den Franzosen eingesetzten Bürgermeisters Breunig datiert vom 15. Oktober 1815; ab dem 17. Oktober 1815 war sein Nachfolger Dercum im Amt, eingesetzt von den österreichischen und bayerischen Truppen, die Ensheim und Umgebung zu dieser Zeit verwalteten.

Die Einträge des Jahres 1816 werden noch ohne Vordruck vorgenommen; sie sind aber mit einem amtlichen Stempel "K.K. oesterreichische und Koen. Bayerische Administration auf dem linken Rheinufer" gekennzeichnet. Ab 1817 werden wieder amtliche Vordrucke für die Eintragungen benutzt.

Beispiele aus den Ensheimer Zivilstandsakten

NEU: Die Daten der Auswärtigen in den Zivilstandsregistern online oder zum Download!


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Last update: 19.10.2015            © Paul Glass 1997-2015