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Extra-Info: Die Bedeutung des Gemeindewaldes im 17. und 18. Jahrhundert


Der Wald hatte im 17. und 18. Jahrhundert mehrere Funktionen, die in der Regel zielgruppenabhängig waren:

Für die Bauern hatte der Wald folgende Funktionen:

1. der Wald als Holzlieferant:

  1. Brennholzlieferant: das war vor allem das sog. Abfallholz (Reisig, Stock- und Lagerholz sowie Windbruchholz). Im Jahr 1766 wurden in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken im Schnitt 4 Festmeter Brennholz pro Haushalt verheizt.
  2. Bauholzlieferant: für Fachwerkhäuser, Scheunen und Ställe
  3. Holzlieferant für die Herstellung landwirtschaftlicher Geräte (Rechen, Holzpflug etc.)
  4. Holz zum Kalkbrennen (zur Bodenverbesserung)

2. der Wald zur landwirtschaftlichen Nutzung:

  1. Nutzung der Rottheckenkultur als Ergänzung der Getreideanbauflächen (dadurch wurde übrigens die Holzproduktion erheblich beeinträchtigt!)
  2. Nutzung zum Vieheintrieb bzw. als Waldweideland (Dies war notwendig als ergänzende Fütterung für Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde.)

3. der Wald als "eiserne Reserve" für Notfälle

Für die Waldgewerbetreibenden war der Wald nicht minder wichtig, denn er sorgte fast ausschließlich für ihr Einkommen. Hier kann man folgende Berufsgruppen unterscheiden:

Außerdem werden Eichenlohe und Harz produziert. Diese Waldgewerbetreibenden lebten übrigens meist im Wald, zum Beispiel am Wohnplatz Triangel oder Kleiner oder Großer Stiefel.

Für die adligen Waldbesitzer war der Wald aus diesen Gründen wichtig:

  1. Einkünfte aus dem Holzverkauf und der Verpachtung
  2. Waldbesitz als großes Jagdrevier

Durch das starke Bevölkerungswachstum in der Grafschaft Saarbrücken im 18. Jahrhundert war auch der Holzbedarf entsprechend stark gestiegen. So hat sich zwischen 1701 und 1766 die Bevölkerung von ca. 8.400 auf 26.160 Einwohner verdreifacht, was parallel auch für den Holzverbrauch galt: Anstieg von 11.200 fm auf 34.800 fm. Weil der Wald nur ausgeplündert wurde, aber praktisch keine Rekultivierungsmaßnahmen vorgenommen wurden, waren die gräflichen Wälder gegen Ende des 18. Jh. in einem trostlosen Zustand.

LIT: Uwe Eduard Schmidt. Der Holländerholzhandel auf der Saar. Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial-, Umwelt- und Forstgeschichte. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, Band XLVI (1998), S. 67 - 98


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