SAGEN-HAFTES
ENSHEIM

Sagen und Geschichten rund um den alten Ensheimer Bann

In Ensheimer Mundart

neu erzählt

von

Paul Glass


 Meiner Frau Ingrid gewidmet

 


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis                                                            3

Vorwort                                                                         6

Eine Bannbeschreibung von 1458                                 11

Einleitung                                                                     12

1. Der Mönch im Hopgarten                                          24

2. Der Einlass begehrende Prämonstratenser                  27

3. Die unterirdischen Gänge im Allmend                         30

4. Der unterirdische Gang nach Wadgassen                   33

5. Die Klostermühle bei Ensheim                                   36

6. Vetter Lorenz, der Köhler                                         39

7. Die Donnerkeile                                                        42

8. Die drei Wiesenfräulein                                              44

9. Die Heidenklamm bei der Gassenmühle                     46

10. Der Schlapphut                                                       48

11. Eine ernste Warnung am Karfreitag                          49

12. Der verrückte Grenzstein                                         53

13. Das Pferd ohne Kopf                                              55

14. Das Pferd ohne Kopf bei Nussweiler                       57

15. Die Parforce-Jagd auf dem Nussweiler Bann           59

16. Die Geisterpost                                                       61

17. Das Kreuz am Ensheimer Weg                                65

18. Der „Riesentisch“ auf dem Großen Stiefel                68

19. Der Riese auf dem Großen Stiefel                            70

20. Der wilde Jäger des Stiefels                                     75

21. Der unheimliche Jäger des Stiefels                            77

22. Die Geisterkutsche                                                  80

23. Der Bauer und der Schatz                                       84

24. Die Sage vom Ritter Heim                                       88

25. Das Schlossfräulein vom Großen Stiefel                   94

26. Der Schloßgarten auf dem großen Stiefel                 96

27. Die vergessene Schlüsselblume                              100

28. Die gelben Schlüsselblumen                                   102

29. Der Elfentanzplatz auf dem Stiefel                          104

30. Der Raubritter auf dem Stiefeler Schloss                105

31. Der Däiwel als Wildsau                                         110

32. Herr Rapp und seine Frau                                     113

33. Das gespenstige Pferd ohne Kopf                          115

34. Die Krimhildespill                                                  117

35. Der Spuk in der Schnapphahner-Dell                     119

36. Der nächtliche Ackerer bei Ponsheim                     120

37. Die weiße Katze bei Eschringen                             122

38. Die Wasserjungfer von Eschringen                         124

39. Die Blinde vom Lorenzenborn                               127

40. Das Silberglöcklein von Eschringen                        129

41. Die verhexte Mühle in Eschringen                          131

42. Die Propstei                                                          133

43. Der Geist des Ordensmannes von Wadgassen       134

44. Der Aufschneider aus Ensheim                               135

45. De Schbichafuggs unn de Makulmes                      137

Anhang                                                                      139

Literaturverzeichnis                                                     199

Verzeichnis der Abbildungen                                      203

Über den Autor                                                          204

 


Vorwort

Dieses Buch ist einem puren Zufall zu verdanken. Ich hatte zwar auf meiner Webseite bereits einige Sagen aus Ensheim und Umgebung veröffentlicht, die ich in der Ortschronik von Helmut und Alexander Wilhelm[1] scheinbar erstveröf-fentlicht fand, aber danach habe ich mich mit dem Thema Sagen nicht weiter beschäftigt.

Zu Beginn des Jahres 2003 habe ich zufällig beim Internet-auktionshaus eBay ein Büchlein entdeckt, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog: die Saarlandsagen eines gewissen August Diehl[2]. Ich habe das schmale Bändchen schließlich ersteigert und war über den Inhalt sehr über-rascht. Von den vierzehn darin veröffentlichten Geschich-ten spielten nicht weniger als die Hälfte auf dem früheren Ensheimer Bann[3]. Mein Interesse an Ensheimer Sagen war geweckt...

Wenig später erstand ich auf gleichem Wege noch das Büchlein von H. B. Schiff mit dem Titel Pifferjokob und Trommelsepp[4], das ebenfalls eine Reihe von „Sagen und Geschichten von der Saar“ enthält – allerdings meist recht gekürzt.

Nun begann ich zu recherchieren und habe weitere Sagen aus Ensheim und Umgebung zusammengetragen, die zum Teil erstmals 1867 veröffentlicht wurden. Auffallend ist, dass viele Sagen in den vergangenen hundert Jahren gleich mehrfach publiziert wurden und dass die Texte über Jahr-zehnte oft identisch geblieben sind: das heißt also, dass etliche Autoren nur von ihren Vorgängern abgeschrieben haben... Aber es gab auch Autoren, die manche Sagen neu bearbeitet, gewissermaßen literarisiert oder poetisiert und so die ursprüngliche Fassung verändert haben.

All diese Sagen rund um Ensheim haben mich fasziniert, zumal mir die meisten bisher nicht bekannt waren. Ich habe mir vorgestellt, mit welchen Worten sie wohl von unseren Vorfahren den Kindern damals erzählt worden sind und habe beschlossen, diese Sagen auf Ensemma Pladd, also in unserer schönen und ausdrucksstarken Mundart nachzuer-zählen. Natürlich hat sich unsere Mundart seit den letzten Jahrzehnten schon sehr verändert, aber im Kern sind doch viele der Ausdrucksweisen in Ensheim zum Glück erhalten geblieben.

Damit auch interessierte Nicht-Ensheimer die Geschichten lesen und verstehen können, führe ich von jeder Sage zu-nächst die schriftdeutsche Fassung und anschließend die mundartliche Version auf.

Die mundartliche Fassung wird vermutlich auch für Mund-artsprecher aus Ensheim anfangs ein paar Probleme be-reiten, obwohl ich mich um eine möglichst einheitliche Schreibweise bemüht habe[5]. Über die Art und Weise der Verschriftung lässt sich trefflich streiten; wichtig scheint mir aber nach wie vor, ein einmal gewähltes System mög-lichst konsequent beizubehalten.

Aufgrund der unterschiedlichen Quellen habe ich mich dazu entschlossen, die jeweilige wahrscheinliche „Urfassung“ zur Grundlage meiner mundartlichen Übersetzungen zu machen und gleichzeitig ausgewählte andere bereits publizierte Versionen in der schriftdeutschen Fassung im Anhang auf-zuführen, denn ich denke, es ist für den Leser auch interessant, die Varianten oder gekürzten Fassungen ken-nenzulernen. Außerdem mag der Leser danach selbst ent-scheiden, welche Version ihm am meisten zusagt: die ur-sprüngliche oder die poetisierende Fassung.

Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, die Sagen für meine Leser zu analysieren[6], sondern gehe von einem mündigen und interessierten Leser aus, der sich seine eigenen Gedanken zu den einzelnen Sagen macht. Wer dazu weitere Anregungen und Hilfestellung braucht, möge sich das ausgezeichnete Buch von Helmut Seebach[7] zu Gemüte führen oder auf die schon etwas ältere Dissertation von Hildegunde Prütting[8] aus dem Jahr 1948 zurückgreifen...

Ich bedanke mich bei allen, die mich bei dieser Arbeit unterstützt haben, vor allem bei den freundlichen und immer hilfsbereiten Angestellten der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer, Herrn Viktor Carl, Hainfeld für die freundliche Abdruckgenehmigung seiner Ensheimer Sagen[9] und natür-lich bei meiner Frau Ingrid, die wegen dieses Buches wieder mal viel auf mich verzichten musste...

Und nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern viel Spaß mit den über vierzig sagen-haften Geschichten vom alten Ensheimer Bann[10] bzw. aus Ensheim und Umgebung! Begreifen wir den Sagenschatz vom alten Ensheimer Bann als einen wahren Schatz unserer Vorfahren, den wir in unseren Köpfen künftig gut bewahren sollten, bevor er wieder allzu leicht der Vergessenheit anheim fällt!

Ihr

Paul Glass

Abb. 2: Die „General-Charte“ vom Ensheimer Bann um 1765


Eine Bannbeschreibung von 1458[11]

Nemmelich gehe der bann ahn dem Hagedorn biß vff die Alde Bach; von der Aldenbach biß hinabe vff die brücke; von der brucken biß vff die Keenmiel zu dem Krummenbaume; von dem Krommenbaume biß zu den Funffbaumen; von den Funffbaumen biß zu Geerdenbaum; von Geerdenbaume biß zu der Machren; von der Machren biß hinden ahn Fechinger waldt, da steyt ein steyn; von dem steyn vmmerme ahn dem Drauscher vff hinden ahn daß Rore ahn die Eyche, von der Eychen biß in Rorebach die Eyche; vndt von der Eichen biß ahn die Nerdenbach, da steyt ein steyn; von dem steyn vmmehrme heruff biß uber den born, Breydenborn Borne; von Breydenborn Born biß vf Königßborn biß vmmerme daher in zwischen den von Oenßheyn vndt den von Bischoffheym biß ahn Escherßdall[12] uber den born; von dem borne biß ahn Gyrßnist; von Gyrßnist biß zu dem Hubeysen; von dem Hubeysen biß zu dem Kaldenborn, von Kaldenborn biß zwischen die zwene Styffel vf biß oben of Styffel, da steyt ein steyn; von dem steyn von dem steyn biß hinden ahn Styffel biß ahn die Kromme Eyche; von der Eychen biß zu Bruder Mullen; von Bruder Mullen niß ahn den Langen Steyn[13]; von dem Langen Steyn Mullen Dall heruff biß ahn den Heytenberg; von dem Heytenberg vmmerme heruff biß zu der Dollen Eychen, waß der riest hie her inngewenden mag; Folckerß Dall herinn, Denkerß Dall heruff biß zu der ysengruben; von der ysengruben biß zu dem Heytenbaum; von dem Heytenbaum biß zu dem Geyßbaum; von dem Geyßbaum biß zu dem Dieffenborn; von Dieffenborn biß Kirckelborn; abe biß nieden ahn Kirckelbach, sa steyt ein born; von dem born da herüber biß ahn Geyleyrant, da steyt marck und masse; den rant herauß biß hinden ahn die Wolffßgrube, da steyt ein steyn; von dem steyn wieder ahn den vorgenanten Hagedorn."


Einleitung

Für dieses Buch habe ich alle bisher veröffentlichten Sagen ausgewählt, die in Ensheim bzw. auf dem alten Ensheimer Bann[14] spielen oder die einen Bezug zu Ensheim haben.

Zunächst kommen die Sagen, die im Dorf selbst spielen, dann jene, die den alten Ensheimer Bann bis zum Ende der bayerischen Zeit 1918 betreffen und schließlich weitere Sagen mit sonstigem Bezug zu Ensheim.

Als Präsentationsprinzip habe ich das folgende Verfahren gewählt: Zunächst führe ich den am frühesten nachweis-baren Originaltext auf und füge danach die mundartliche Variante hinzu.

Im Anhang am Ende des Buches werden dann Textvarianten aufgeführt, die mir bei meinen Recherchen bekannt gewor-den sind und die ich für interessant genug halte, nochmal publiziert zu werden.

Sagen aus Ensheim und Umgebung wurden nach heutigem Forschungsstand erstmals 1867 in der Bavaria von Ludwig Schandein[15] der Leserschaft präsentiert[16]. Schandein, op. cit., 278 beklagt das Fehlen eines „literarischen Brenn-punktes der Pfalz. Wie manches Schriftmal hätte gerettet, wie manche mündliche Kunde noch aufgezeichnet werden können unter Leitung geeigneter Kräfte!“ Und bereits der verdiente Volkskundler Schandein sieht das Problem der Authentizität: „Und was unsere wenigen Sammlungen bieten, das ist nicht immer verlässig, die Darstellung selbst nicht unbefangen, nicht einfach genug, das Ganze planlos, das Einzelne gar oft poetisch verwässert und solchergestalt in das Volk übergegangen. Echte, dem heimischen Boden entsprossene Sagen in strengbehüteter Reinheit zu finden, wäre wohl ein ausnehmendes Glück.“ Und als Fazit hält er fest: „Mit Bedauern sieht der Forscher manches wissen-schaftlich Unbenützte verschwinden. Wir stehen bereits auf dem Boden, einer anderen, Neues verheißenden Zeit.

Schandein führt erstmals die beiden Zwergsagen auf, die später die willkürlichen Titel „Die Klostermühle bei Ens-heim“ und „Das Graumännchesloch“ bekommen. Auch er-wähnt er zwei Sagen zum Schlossfräulein auf dem Großen Stiefel und zum dort befindlichen Riesentisch.

Friedrich Wenz greift 1884 in seiner „Volkskunde von Baiern“[17] nur eine Ensheimer Sage von Schandein wieder auf: die Sage des Köhlers Vetter Lorenz[18], der durch die Hilfe eines Zwerges oder Berggeistes zu einem reichen Mann wurde.

Interessanterweise steht in der interessanten Broschüre von Jakob Grentz, einem gebürtigen Ensheimer, mit dem Titel „Ensheim vor 60 Jahren“[19], die er 1894 veröffentlichte, nichts über die Sagen, die man sich in Ensheim seinerzeit erzählte. Dabei war doch der Lehrer und Lokalhistoriker Grentz von dem pädagogischen Grundsatz überzeugt: „Nichts nimmt der Schüler leichter und freudiger auf, als das, was als lebendiges Wort aus dem Born der persön-lichen Eigenart seines geliebten Lehrers flißet, die es versteht, sich jedem Individuum anzupassen und – dies wird durch bloßes Auswendiglernen der toten Buchstaben eines Buches niemals erreicht werden.“[20]

So wie der Lehrer Grentz hier der lebendigen Geschichts-erzählung das Wort redet, darf man wohl davon ausgehen, dass auch die lokalen Sagen im Unterricht[21] behandelt worden sind. Schade nur, dass die früheren Ensheimer Lehrer diese Sagen und Geschichten nicht aufgezeichnet haben.

Heinrich Nießen erwähnt in seinen „Sagen und Geschichten des Saarthales“[22] keine Sagen mit Ensheimer Bezug, wahr-scheinlich, weil er sich ausschließlich auf Sagen links und rechts der Saar konzentriert hatte.

Der nächste Sagensammler, der auch Ensheimer Sagen aufführte, war Friedrich Wilhelm Hebel, der erstmals 1906[23] und dann nochmals 1912[24] eine umfangreiche Sagensamm-lung zuwege brachte. Diese Sammlung habe ich zusammen mit der noch zu nennenden Sammlung von Lohmeyer als wesentliche Grundlage für dieses Buch ausgewählt.

In jener Zeit gab es bereits zwei Initiativen, die zum syste-matischen Sammeln der alten Sagen aufriefen, darunter von Hebel selbst und von dem Volkskundler Albert Becker.[25]

Wolfgang Krämer, der bekannte Chronist und Lokalhist-oriker aus St. Ingbert, publizierte 1918 ein schmales Bänd-chen über die „Sagen vom Großen Stiefel bei St. Ingbert“, in dem er die bisher veröffentlichten Sagen über den magi-schen Berg kritisch untersuchte.[26]

1924 veröffentlichte der saarländische Volkskundler Karl Lohmeyer die „Sagen des Saarbrücker und Birkenfelder Landes“ in einer zweiten stark erweiterten Auflage[27], bevor sich 1929 der Hofer-Verlag aus Saarbrücken im 7. Heft der Reihe „Was die Alten erzählten“ der „schönsten Sagen aus der Saarpfalz“[28] annahm.

Im Jahre 1934, rechtzeitig vor der Saarabstimmung im Januar 1935, besorgte August Diehl eine dem national-sozialistischen Zeitgeist folgende Ausgabe ausgewählter „Saarlandsagen“ – jenes Buch, das als erstes meine Auf-merksamkeit in Sachen Sagen erregte und das zum Impuls für diese Arbeit werden sollte.[29] Darin besang Diehl das „hohe Lied der deutschen Saar[30] und stellte fest:

Für die deutsche Urbürtigkeit des Saarvolkes ist seine Sage der ewig gültige, durch nichts zu erschütternde Zeuge.[31]

Ganz klar, dass dieses Büchlein im Abstimmungskampf Stimmung zugunsten der Deutschen Front machen sollte... Für Diehl war entscheidend: „Sage ist Ahnenkult, Sage ist Artbekenntnis, Sage ist Schollentreue.[32]

Ein Jahr später (1935) besorgte Karl Lohmeyer eine Neu-auflage seiner 1919 erstmalig erschienenen Sagensamm-lung unter dem Titel „Die Sagen von der Saar, Blies, Nahe, vom Hunsrück, Soon- und Hochwald“[33], deren Veröffent-lichung sicher auch im Zusammenhang mit der im gleichen Jahr erfolgten Saarabstimmung gesehen werden muss, zumal Lohmeyer ausdrücklich und sehr pathetisch festhält, „daß die Monate um die Abstimmungszeit 1934/35 gerade die ergiebigsten im Sagensammeln gewesen sind, als das mächtig anschwellende Gefühl nationalen Stolzes sich wieder im Saarland, wie stets in Zeiten der Gefahr, in so hellem Lichte zeigte, was denn auch erfreulicherweise bei dieser Sammlung eine bleibende Auswirkung und damit ein Denkmal gefunden hat.[34]

Abb. 3: Cover der „Saarlandsagen“ von A. Diehl (1934)

1943 publizierte Franz Fahnemann ebenfalls ein entspre-chend dem nationalsozialistischen Zeitgeist stark gefärbtes Werk, in dem er auch den „Riesen Kreuzmann“ und die „Wassernixe von Eschringen“ aufführte, aber insgesamt nur

eine kleine Auswahl saarländischer Sagen bot.[35]

Die erste Nachkriegsausgabe von Karl Lohmeyer nahm 1952 die Inhalte der drei Vorkriegssammlungen wieder auf[36] und wurde drei Jahre später durch einen Ergän-zungsband mit 300 weiteren Sagen komplettiert.[37]

Im Jahr 1977 veröffentlichten der Ensheimer Oberlehrer Helmut Wilhelm und sein Sohn Alexander im Rahmen der Ensheimer Ortschronik einige Sagen, wobei sie sich zwar auf älteres Material stützten, aber die konkreten Quellen verschwiegen.[38]

1978 erschien ein schmales Bändchen von Hans Bernhard Schiff, der allerdings die entsprechenden Sagen nur in stark verkürzter Form darbot.[39]

Im gleichen Jahr erschien eine weitere Ausgabe der Sagen-sammlung von Lohmeyer als Jubiläumsausgabe zu seinem 100. Geburtstag.[40]

Zehn Jahre später besorgte Helge Dettmer in einer Exklusiv-Ausgabe für die Saarbrücker Zeitung eine weitere Sagen-sammlung mit dem Titel „Sagen, Märchen und Legenden aus dem Saarland“, wobei er als Quellen die bereits genannten Sagensammlungen benutzte.[41]

1994 veröffentlichte Werner Karg im Zusammenhang mit der Ortsgeschichte von Bischmisheim auch einige Sagen und Legenden aus unserem Untersuchungsgebiet, wobei er sich bei dem bereits genannten Lohmeyer bedient hat.[42]

Im Jahr 2000 erschien die Neuauflage einer umfassenden Sagensammlung von Victor Carl mit dem Titel „Pfälzer Sagen und Legenden“, der auch die saarländischen und hier insbesondere die Ensheimer Betreffe mit berücksichtigt.[43]

Nicht zu vergessen das neue Medium Internet. Im World Wide Web wurde im Jahre 2000 das Projekt Gutenberg[44] initiiert, in dessen Rahmen auch Sagen aus unserem Untersuchungsbereich im Web veröffentlicht wurden. Mitt-lerweile scheint aber diese interessante Webseite nicht mehr zugänglich zu sein[45].

Soweit der kleine Überblick über die bisherigen Veröffent-lichungen, wobei ich mich für die mundartliche Übersetzung nach Möglichkeit auf die authentischeren Texte der frühen Jahre stützen werde.[46]


Aber was ist nun eigentlich eine Sage?

Schon die Gebrüder Grimm, die Urväter der deutschen Sagensammlungen[47], die zwischen 1816 und 1818 ihre „Deutschen Sagen“ veröffentlicht haben, haben die Sage definiert als das „Gesagte, das Ausgesprochene“, also das, was man vom Hörensagen kennt: „ein[en] Bericht, von einem zum anderen weitergegeben“ bzw. eine „Über-lieferung, mit allem Wahrheits- und Autoritätsgehalt, der zu einer solchen Überlieferung dazugehört“.[48]

Für sie war die Sage eine „notwendig mündliche Dar-stellung, auf eine Gemeinschaft von Zuhörern bezogen, ihre schriftliche Aufzeichnung ist entweder nur ein Mittel der Bewahrung oder aber sie bedeutet eine literarische Weiter-entwicklung.“[49]

Eine Sage – so sahen es schon die Profis aus dem frühen 19. Jahrhundert – soll zunächst über ein Ereignis berichten und dabei aber alle möglichen erzählerischen Elemente auf sich vereinigen: also Spannung erzeugen, den Leser überraschen, auch durchaus erschüttern, Erklärungen bieten, den Leser vor einem bestimmten Verwalten warnen und ihn in einem gewissen Sinne erziehen.[50]

In ihren „Deutschen Sagen“ präsentierten die Gebrüder Grimm viele unterschiedliche Themen, Motive und Protago--nisten, die meist auch in den Sagen dieses Buches auf-tauchen: Riesen, Zwerge, Nixen, Berggeister, Jungfrauen, Schloßherrinnen, Jäger, „wilde Frauen“, Hexen, Teufel, Gruben, Höhlen, Berge, Felsen, Riesensteine, Wälder, Schätze – alles Dinge, welche die Fantasie unserer Vor-fahren in hohem Maße angesprochen haben, zumal sich in all diesen Volkssagen der Volksglauben des Mittelalters wiederfinde. Nehmen wir nur das Beispiel des Waldes. Die Menschen, die in den Waldsagen auftauchen, waren intensive Nutzer des Waldes, waren mit ihm untrennbar verbunden: als Holzsammler, Holzfäller, Reisigsammler, Schweinehirten, Köhler, Schütz, Förster usw. Oft waren gerade die Wälder Grundlage der Herrschaft eines Grundherrn. Ihm lag daran, den Wald zu tabuisieren, um den schädlichen Waldfrevel, aber auch um unnötige Unglücksfälle zu verhindern. Deshalb haben gerade Wald-sagen oft einen ganz speziellen Warncharakter.[51]

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Sagen bieten also ein „buntes Bild der Volksliteratur, die gleichzeitig die Geschichte des Landes wie die Phantasie des Volkes widerspiegelt, Sitten und Gebräuche ebenso schildert wie religiöse und abergläubische Vorstellungen des Alltags.[52]

Und es ist Seebach zuzustimmen, der meint: „Sagen sind Modelle zur Lebensbewältigung. In ihnen spricht sich, wie in Volksdichtung überhaupt, gültige Lebenserfahrung von Generationen aus. Sagen sind nicht wirklichkeitsfremd und nicht wirklichkeitsverfälschend. Vielmehr sagen sie uns etwas über die geistig-seelische Befindlichkeit, die wirt-schaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen ihrer Zeit aus, wenn man sie ‚richtig’ zu lesen versteht.[53]

Dabei sind sie in der Regel „lokalisiert, das heißt, sie haften an bestimmten Örtlichkeiten, sind deshalb meistens nur in der unmittelbaren Umgebung dieser Örtlichkeiten bekannt.“

Für unser Untersuchungsgebiet ist dies der alte Ensheimer Bann aus der Zeit um 1750, wo Ensheim eine jeweils gemeinsame Grenze mit den Einwohnern von Eschringen, Bischmisheim, Scheidt, St. Ingbert, Hassel, Oberwürzbach, Heckendalheim, Ommersheim und Ormesheim hatte.[54]


Sagen aus Ensheim und Umgebung


1.   
Der Mönch im Hopgarten[55]

In alter Zeit, als die Wadgasser Mönche in Ensheim waren und das Hofgut der Abtei Wadgassen bewirtschafteten, stürzte sich aus dem Mittelbau ein Mönch[56] aus dem dritten Stock herunter. Er geht noch heute im Hopgarten (Hof-garten) umher und zeigt sich am Abend vor Allerheiligen in der Zeit von 6 - 8 Uhr, während die Glocken läuten. - Kein Ensheimer wäre zu bewegen, in dieser Zeit den Garten zu betreten.

De Mench vumm Hobbgaade

Frieha, als die Wadgassa Ordenslied in Ensemm ware unn doo ‘s werdvolle Eijedumm vumm Klooschda Wadgasse bewirtschafd honn, hadd sich e Mench ussem dridde Schdogg vumm Middelbou vunn da ald Probschdei erunna-felle gelass. Wie sich die Lied in Ensemm vazehle, solla aa

Abb. 4: Die Propstei und der Hofgarten in Ensheim 1846

noch häidsedaas im Hobbgaade erumlaafe... unn besun-naschd onn Alla|hääliche in da Zidd vunn seggs bis achd Uhr, wonn die Glogge dunn lille, de Däiwel oon-schdelle. In sälla Zidd häddma känn Ensemma kinna vaschwäddse, emoll in de Hobbgaade eninnsegehn.


2.   
Der Einlass begehrende Prämonstratenser
[57]

Die Propstei Ensheim[58] war einst eine Art Sommerresidenz für den Abt von Wadgassen. Länger als ein halbes Jahr-tausend wirkten hier die Prämonstratenser und brachten den Ort und seine Umgebung zu schöner Blüte. Die Mönche trugen ein weißes, wollenes Ordenskleid und einen weißen Hut und diese Kleidung mag sich einst recht malerisch in Ensheim ausgewirkt haben.

Bis auf den heutigen Tag hat sich unter dem Volk die Sage erhalten, dass jetzt noch der Geist des Klosters in Gestalt eines weiß gekleideten Mönches mit umgestülpter Kapuze zur Mitternachtsstunde vor die Pforte kommt, um, an dem Seil des Glöckchens ziehend, Einlass zu begehren. Nachdem ihm nicht geöffnet wird, soll er, den Kopf melancholisch schüttelnd, still und betrübt weiter wandern, um nach eini-gen Nächten wieder zu erscheinen.

Abb. 5: Die Propstei Ensheim um 1800

De Mench, däär wo imma in die Probschdei eninngelass wolld wärre

Frieha waa die Probschdei Ensemm e Aad Summa|residäns fa de Abd vunn Wadgasse gewään. Die Prämonschdradänsa waare meh als finnefhunnadd Johr in Ensemm unn honn ’s Dorf unn sinn Umgeechend uffbliehe gelass. Dass komma aa onn dänne viele Dinga grad in däär doo Geechend siehn, fa dänne iehr Widdschda|lääwe joo wahrscheins die Menche va|ondwordlich waare.

Die Menche in Ensemm honn e wissi Kudd uss Woll oon-gehaad unn uffem Kobb e wissa Hudd, unn wahrscheins hadd sich die doo Kläälung in unn um Ensemm sällmools gons gudd gemach, wäll dass so scheen suwwache ussge-siehn hadd.

Bis häid hadd sich unna de Ensemma die Geschichd erhall, dass, solong, wie de alde Bou vunn da Probschdei noch geschdonn hadd, de Klooschda|gääschd naachds um zwellef onns Door kumm wär, oongedoon wie e Mench meddera wiss Kudd unnera Kabudds iwwam Gnouse, hädd doo omm Sääl vumm Gleggelche gezoo unn hädd erinnwille. Wällem awwa nimmools jemond uffgemach hädd, solla, leis unn meddeme Gesichd wie Trippsdrillche widdschda|gewon-nadd sinn, wobäia de Kobb imma truurich geschiddeld hädd, awwa noh e baa Nächd wära donn doch imma willa kumm unn hädd sich gewiesd.


3.   
Die unterirdischen Gänge im Allmend[59]

Im Allmend auf dem Ensheimer Bezirk, glaubt das Volk, hätten in uralten Zeiten Ritter gewohnt und von da aus bis in das eine Viertelstunde davon entfernte Hedrichsfeld unterir-dische Gänge angelegt, und durch die komme jetzt dasselbe Wasser, das in den Löchern im Allmend hineinlaufe, in der Letthohl am Hedrichsfelde wieder heraus.

Als das älteste Haus in Ensheim gilt eine Schmiede, die in der Nähe des Schulhauses steht und der Sage nach auf dem Grund eines uralten zerstörten Gebäudes errichtet ist; da-selbst fand sich einmal unter der Grundmauer bei einem Anbau um 1840 ein Hufeisen von ungewöhnlicher Gestalt, wobei Menschen- und Pferdeknochen gelegen haben sollen. In dieser Gegend soll im Mittelalter eine Ritterburg gestan-den haben.

Abb. 6: Das Dorf Ensheim auf der Bannkarte um 1765

Die unna|irdische Gäng im Allmänd

Im Allmänd uffem Ensemma Bonn – so glääwes die Lied – hälle in gons alde Zidde Ridda ge|unnadd unn sie hälle vunn doo uss bis ins Hedrichsfäld, dass wo e Vierdelschdunn se Fuuß devoon wägg läid, unna|irdische Gäng oongeleed. Durch sälliche Gäng gähng jeddse ’s sälwe Wassa, dass wo in die Lecha im Allmänd eninnelaafe dudd, in da Läddhohl omm Hedrichsfeld willa erusskumme.

Abb. 7: Von der Schessheck bis zum Hedrichsfeld (um 1765)

’S äldeschde Huss in Ensemm soll e Schmidd sinn, die wo gons näggschd bäi da Schuul schdedd unn die, wiema seed, uffem Bollem vunneme uralde kabudde Huss uffgeboud woor isch. Ma hadd doo emool um achzeehunnaddvierzich unna da Grundmuur bäieme Oonbou e aarich großes How-wiese gefunn unn Gnoche vunn Lied unn Päär hälle aa debäi gelää. In da Umgeechend soll im Middelalda e Riddaburch geschdonn honn.


4.   
Der unterirdische Gang
nach Wadgassen

In Ensheim gab es früher eine Propstei des Klosters Wadgassen[60]. Zu dieser Propstei gehörte ein großer Hofgarten[61], der mit einer hohen Mauer aus Bruchsteinen ummauert war und darin ein Klostergebäude, von dessen Keller aus ein unterirdischer Gang bis nach Wadgassen führen sollte.[62] Dieses Klostergebäude[63] gelangte nach dem Ende des Klosters Wadgassen während der französischen Revolution mit weiteren Gebäuden wie dem Hohen Bau später in den Besitz der aufstrebenden Firma Adt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren von diesem Kloster-gebäude nur noch die Außenmauern stehen geblieben. Der Eingang zu diesem unterirdischen Gang wurde am unteren Ende des Marktweges vermutet. Tatsächlich führte eine Art Treppe in einen Gewölbekeller, der allerdings verschüttet war. Uns Kinder hat die Vorstellung, dass es einen Geheim-gang bis zum früheren Kloster nach Wadgassen geben soll, sehr fasziniert. Immer wieder haben wir – verbotenerweise – auf diesem Terrain nachgeschaut, ob wir nicht diesen Eingang finden könnten, aber ich muss gestehen, dass uns immer recht schnell der Mut verließ, sobald es in dem Keller auch nur eine Spur zu düster wurde...

In den frühen 1960er Jahren wurden schließlich die Mauer-reste des ehemaligen Klostergebäudes abgerissen und an gleicher Stelle ein Parkhaus der Firma Hager errichtet. So bleibt es für immer ein Geheimnis, ob dieser Geheimgang je tatsächlich oder nur in der Phantasie unserer Vorfahren und in der unsrigen existiert hat.

De unna|irdische Gong noh Wadgasse

In Ensemm hadds frieha e Probschdei vumm Klooschda Wadgasse gänn. Zuu sällicha Probschdei hadd e großa Gaade gehärrd, de Hobbgaade, um dänne e hoochi Muur uss Wiggaschbärcha Schdään gemuurd waa. Doodrinn hadd e Huss geschdonn, unn vumm Kella vunn dämm Huss, so honnse frieha vazehld, wär e unna|irdischa Gong bis noh Wadgasse gong. Nohdämms zinda da fronnseesch Revo-ludsjoon känn Klooschda Wadgasse meh gänn hadd, isch sälliches Huss medd dänne gonse onnarre Hiesa vunn da Probschdei onn Adde kumm, die wo dass alles kaaf honn.

Nohm zwädde Wäldgriech honn vunn sällichem Huss nurre noch die Usse|muure geschdonn. Ma hadd imma gesaad, de Inngong zu dämm unna|irdische Gong wär omm unnarre Änn vumm Märgdwee. Doo waa aa so e Aad Träbb gewään, die in e Gewölbekella gong isch, awwa däär waa gons vaschudd. Mier Kenn honn uns sällmools imma aarich Gedongge iwwa dänne Gong gemach, däär wo bis zumm alde Klooschda in Wadgasse gong wär. Unn imma willa homma, obwohl mas vabodd gridd honn, in däär Ruin nohgeluud, ob ma nidd dänne Inngong finne kinnde, awwa ich muss zuugänn, ma honn imma aarich Moores gehaad, sowie’s nurre e Schdurme duschda woor isch.

In de Sächzicha Johre sinn donn die Usse|muure vumm alde Klooschda abgerobbd woor, unn Haachasch honn omm sälwe Plädds e Paaghuss geboud. Jeddse kinne ma nie meh wisse, ob’s dänne Gong emool gänn hadd olla nidd bezie-hungswies ob sich unsarre Voorfahre dännesäll nurre ussgedängkd gehaad honn.


5.   
Die Klostermühle bei Ensheim
[64]

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts stand am Siedelwald[65] eine Mühle[66], ein Eigen des Klosters Wadgassen. Der Vormann des Pächters war gut darauf gefahren, dieser aber musste verderben. Die Sache ging so. Der Müller war einmal an seinem Weiher beschäftigt, da hört er plötzlich ein Wimmern, wie den Hilferuf eines ertrinkenden Knaben. Er zog aus dem Wasser ein wunderliches Geschöpf mit dickmächtigem, uraltem Kopfe, die Füße waren wie die einer Gans. Das verunglückte Wesen pflegte der Müller mit aller Sorgfalt im eigenen Hause.

Als nun der Kleine wieder genesen, führte er seinen Erretter zu jener gefährlichen Stelle und zeigte ihm den boshaften Nix, der ihn beim Baden ins Wasser gestoßen. Dieser Unhold war ein großer, klotzaugiger Frosch, der sich eilends im Schilfe verkroch. Endlich entdeckte sich der Kleine als eines der vielen Zwerglein, welche im benachbarten Gum-berberg[67] wohnen, und war verschwunden. Seitdem aber wuchs sichtlich das Vermögen des Müllers, als grundreicher Mann zog er sich bald vom Geschäfte zurück. Sein Nach-folger aber war diesen Zwerglein nicht hold, er wollte sie vertreiben durch Gewalt oder List. Statt ihnen einmal einen schweren Stein vor eines ihrer Fuchslöcher zu wälzen, schalt er sie „Gänsfüßler!“ und gab dem Stein einen Stoß, daß er den Berg hinabfuhr wie weit. Die Zwerglein schwu-ren ihm ewige Rache – und von der Stunde an war Glück und Segen von seinem Haushalt gewichen. – Er mußte die Mühle verlassen.

Die Kloschdamiehl bäi Ensemm

Omm Oonfong vumm fuchzehnde Jaahunnadd hadd omm Siedelwald e Miehl geschdonn, die wo em Kloschda Wad-gasse gehärrd hadd. De Voorgänga vumm doomooliche Pächda hadd gulle Geschäfde gemach, awwa däär doo isch bonggrodd gong. Unn zwaa waa die Sach die:

De Milla hadd emool grad onn sinnem Weiha geschaffd, alsa uff äämool e Pinnse unn Äänse gehärrd hadd; ’s hadd sich so oongehorchd, als ob e Biebche, dass wo omm Vasuffe isch, um Hilf grische gähng. Doo halla e komisches Männche ussem Wassa gezoo, dass hadd e gons digga unn alda Gnouse gehaad unn Fieß wie e Gons. De Milla hadd sich donn um dass va|uungliggde Männche im eije Huss so gudd gekimmadd, dasses ball willa gesund waa. Doodenoh haddne däär Klään onn dass gefährliche Plädds gefiehrd unn hallem dänne beese Niggsarich gewiesd, däär woo ne bäim Baale ins Wassa geschdubbd hadd. Sällicha Niggudd waa e Mordsgrodd medd richdiche Kludds|aue, die sich dabba in de Binse vaschdeggeld hadd. Donn hadd däär Klään ändlich varood, dassa änna vunn dänne viele Zwärche wäär, die wo im Gumberbärch gons in Näh unnarre – unn furd waara! Zinda|dämm isch de Milla imma richa woor, unn alsa gons rich waa, halla die Miehl willa abgänn. Däär Milla, däär woo noh em uff die Miehl kumm isch, waa awwa nidd gudd zu dänne Zwärche unn haddse medd alla Gewald unn medd e Huffe Schlänse vadriewe wille. Alse ne mool gefrood honn, obba ne nidd e schwära Schdään voor änns vunn iehre Fuggslecha wänsele kinnd, halla se als „Gonsfießla“ va-schull unn haddem Schdään e Ronnd gänn, so dass däärsäll wie widd de Bärch enunnagekucheld isch. Doo honn die Zwärche geschwoor: „Dier gämma’s!“, unn zwaa fa all Zidde – unn vunn doo ab halla känn Gligg meh medda Miehl gehaad, wässwääa se hadd misse uffgänn.


6.   
Vetter Lorenz, der Köhler[68]

Gleich Gutes geschah Vetter Lorenz[69], dem Köhler. Der saß eines Abends im Wald[70] vor seiner Hütte, sein kärgliches Mahl war schon verzehrt, aber den Rest, den sog. „Gottes-theil“, hatte er wie gewöhnlich zur Seite gestellt. Da steht ein Männlein vor ihm und bittet um eine kleine Erfrischung. Es war ein seltsames Wesen, es reichte dem Köhler bis kaum an die Kniee, hatte einen gewaltigen Kopf mit eis-grauem Barte und funkelnden Augen, darauf eine Zipfel-kappe, um die Schulter einen Schnappsack, die Hand hielt einen dicken knolligen Stock. Der Köhler willfahrte und führte seinen seltsamen Gast endlich zur Ruhe. In der Nacht wird Lorenz geweckt. Das Männlein, eine Kienfackel in der Hand, führte ihn bergab und bergauf bis an den Gränzstein des Bischmisheimer Bannes. Hier gab sich der Führer als ein Zwerglein aus dem Gumbersteine zu erkennen und sprach: „Grabe hier an dieser Stelle hinunter und verwerthe das unscheinbare Gestein!“ Mit einem „Glück auf!“ war der Kleine verschwunden. Der Köhler machte es also und ward ein grundreicher vielbeneideter Mann. Der Abt des Klosters Wadgassen, welchem „das Recht auf alle Mineralia unter der Erde auf Ensheimer Banne“[71] zustand, wollte das Schür-fen nunmehr auf eigene Rechnung betreiben. So aber woll-ten es die Zwerge nicht. Der Abt ließ graben und graben, und statt des erwünschten Gewinnes erhielt er nichts als lau-ter leeres, taubes Gestein.

De Fella Loräns, de Kehla

Em Fella Loräns, em Kehla, isch aa so äbbes Gulles bas-sierd. Däärsäll hadd äänes Owe(n)ds im Wald voor sinna Hidd gehuggd. Sinn aamseeliches Naachdässe halla schunn gewomschd gehaad, awwa de Räschd, de Goddesdääl, wie ma seed, halla wie gewehnlich uff die Sidd geschdelld. Doo schdedd uff äämool e Männche voorem unn hadd äbbes fa se dringge gewilld. ’S waa e komisches Männche; ’s ischem Kehla biss kumm onn die Gnie gong, hadd e Mordsgnouse gehaad unn e Baad so groo wie Iss, die Aue honn gefunggeld, uffem Deez halla e Bimbelkabb gehaad, um die Schulla e Lobbsagg unn in da Honnd halla e digga va-gnordselda Schdegge gehaad. De Kehla haddem se ässe unn se dringge gänn unn hadd sinn säldsomma Gaschd donn ins Bedd gebrung. Midde in da Naachd isch de Loräns wach woor. Dass Männche hadd e Holsfaggel in da Honnd gehaad unn isch meddem de Bärch erunna unn willa enuff, bisse onn de Bonnschdään vumm Bischmissa Bonn kumm sinn. Doo halla donn gesaad, er wäär änna vunn dänne Zwärche ussem Gumbaschdään unn hadd gemännd: „Du onn dämm doo Plädds enunna|graawe unn du die Schdään eruffholle, aa wännse noh niggs usssiehn!“ Er hadd noch „Gligg uff!“ gesaad unn schunn waara furd. De Kehla hadd alles so gemach, wie’sem de Zwärch gesaad hadd unn waa ball schunn e richa Monn, uff dänne all onnarre aarich nillich ware. Jeddse hadd de Owwaschde vumm Klooschda Wad-gasse, dämm alles gehärrd hadd, wass im Bollem isch, sälwa noh dänne Schdään graawe wille. Dass hadd dänne Zwärche awwa gaa nidd gefall. Unn de Abd hadd graawe unn graawe gelass, awwa ma hadd nurre ludda Schdään gefunn, die gons daab unn niggs wärrd waare.


7.   
Die Donnerkeile
[72]

Auf den Bännen von Bischmisheim und Ensheim treten häufiger Steinbeile, -waffen und –werkzeuge zu Tage. Das Volk nennt sie hier wie anderwärts Donneräxte oder Donnerkeile. Man hegte dabei die Vorstellung, der nieder-schlagende Blitz bestehe aus einer harten und festen Stein-masse, und diese dringe so tief in die Erde ein, daß sie erst nach vielen Jahren durch eine unbekannte Kraft, mittelst welcher sie jedes Jahr mehrere Klafter[73] sich erhebe, auf die Oberfläche zurückkehre und in diesen verschiedenen Formen zum Vorschein komme. Die Landleute schreiben diesen Steinen eine geheimnisvoll wirkende Kraft zu und streichen damit besonders die Euter der Kühe, wenn solche im Zustand der Entzündung sind.

Die Dunna|käile

Uff de Bänn vunn Bischmisse unn Ensemm dudd ma degga mool Schdäänbäile, Schdäänwaffe unn Schdäänwergzäich finne. Die Lied soon doo wie aa onnaschdwoo Dunna|äggsd olla Dunna|käile dezuu. Ma hadd sich voorgeschdelld, de Blidds, däär wo innschleed, wäär uss haadem unn feschdem Schdäänmatrijal, unn dassäll gähng so dief in de Bollem eninn, dass das Matrijal erschd noh e Huffe Johre willa onn die Owwafläch käm unn zwaa in gons unnaschiedliche Furme. Wässwää dass so isch, wääsma nidd, awwa durch die Krafd, die doo wirge dudd, gähng sich das Matrijal jeeles Johr e baa Klaffda im Bollem noh owwe schaffe. Die Buure soon, sälliche Schdään gähnge hääle, awwa sie wisse nidd, fa wass dass so isch. Sie holle die Schdään, wänn e Kuh e Weh onn da Idda hadd unn dunn donn die Iddarre demedd innschdriche.


8.   
Die drei Wiesenfräulein
[74]

Früh vor Tagesanbruch mähte am Siedelwalde ein Bauer seine Wiese. Da vernimmt er auf einmal ein liebliches Klingen und Singen wie Stimmen der Vögel zugleich traten aus dem Nebel drei Jungfrauen des zartesten Alters hervor, in langen weißen Gewanden, und tanzten einen wunder-seltsamen Tanz. Die eine trug einen silbernen Halbmond auf der Stirn. Plötzlich krähte der Hahn auf der nahen Mühle, und im Nu war die Erscheinung verschwunden, doch mit einem Gelächter, daß dem Bauern fast graute. Später fand er an jener Stelle die sogenannten „Hexenringe“, die zur Herbstzeit auf Anger und Wiese vorkommenden Kreise von großen und kleinen Pilzen, dort in der Gegend „Hundsfischd oder Bovist“ genannt.

Die dräi Elfe uff da Wies

Frieh omm Morje hadd e Buur omm Siedelwald sinn Wies gemähd. Doo halla uff äämool e baa wunnascheene Teen unn e Singe gehärrd wie Vochelschdimme, unn ussem Näwwel sinn dräi junge Minschelcha erusskumm, die longe wisse Klääla oongehaad honn unn e gons komischa Dons uffgefiehrd honn. Die ään hadd uff da Schdier e silwana Halbmoond gehaad. Uff äämool hadd de Goggelhohn vunn da Miehl, die wo gons in da Näh waa, gegrähd – unn schunn waare die dräi vaschwunn, unn doodebäi honnse gelachd, dass sich de Buur hadd näggschd färchde misse.

Schbääla halla onn sällichem Plädds die, wie ma so seed, „Häggse|ring“ gefunn – dass sinn grooße unn kleine Pilse, die im Härbschd in Grääse uff da Wies uffträäle unn die in sällicha Umgeechend „Hunnsfischd olla Bowischd“ hääsche.


9.   
Die Heidenklamm bei der Gassenmühle

Auf dem Weg von Ensheim zur Gassenmühle kommt man an einem kleinen Geländeeinschnitt vorbei, der im Volks-mund „Hääleklomm“ (Heidenklamm) heißt. Hier sollen in der Zeit der Missionierung der Gegend „Heiden[75]“, also gottlose Menschen gelebt haben, die sich der Missionierung hartnäckig widersetzt haben. Nachts sollen sie immer wieder in der Klamm auftauchen und vorübergehende Passanten erschrecken.

Noch vor vierzig Jahren [um 1960] hat man uns Kindern strengstens verboten, diesen unheiligen Ort aufzusuchen.[76]

Die Hääleklomm bäi da Gasse|miehl

Uffem Wää vunn Ensemm zurr Gassemiehl kimmd ma onneme klääne Innschnidd linggahonnd omme Bärch voorbäi, däär wo bäi de Lied „Hääleklomm“ hääschd. Doo solle in da Zidd, wo die kaddolische Missjoonare kumm sinn, „Hääle“ gelääbd honn, also Lied, die wo onn känn Godd unn känn Gebodd geglääbd honn unn die wo aa nidd honn wille kaddolisch wärre. Wie die Lied vazehle, kummese naachds imma in die Klomm unn dunn doo die Lied vaschregge mache, die doo voorbäilaafe.

Noch voor vierdsich Johr hadd ma uns Kenn medd alla Schdräng vabodd, sich onn sällichem Plädds uffsehalle.


10.                    
Der Schlapphut[77]

Am Ausgang des St. Ingberter Waldes auf dem Wege nach Ensheim geht der „Schlapphut“. Er begegnet dem Wanderer auf der Berghöhe im Nebel, springt ihm auf den Rücken und reitet ihn bis zum Ensheimer Hof, wo er verschwindet.

De Schlabbe

Ussgongs vumm Dingmadda Wald uffem Wää noh Ensemm gedd de Schlabbe erum. Er duddem Wonnarra uff da Heh im Näwwel begääne, duddem uff de Buggel hubbse unn duddne donn biss zumm Ensemma Hof rille, bissa doo willa abhaue dudd.


11.                    
Eine ernste Warnung am Karfreitag[78]

Zwischen Heckendalheim und dem Ensheimerhof liegt in der Gemarkung „Die Weiden“ die sogenannte Buchs-blumenkaul. Man sieht nichts von ihr, bis man unmittelbar vor ihr steht. In ihr selbst aber wächst nur einiges Gestrüpp und auch wilde Obstbäume, die mit ihren Gipfeln schon ein wenig aus der 3 – 4 Meter tiefen „Kaul“ herauslugen. Entstanden mag sie wohl dadurch sein, daß in ganz alter Zeit die Bewohner von Heckendalheim hier, auf dieser Kalkhöhe, Steine brachen, vielleicht schon zum Kalk-brennen. Jedenfalls ist dieser verödete, tiefe wenn auch kleine Steinbruch – er ist ja nur eine große Kaul – besonders in der Morgen- oder Abenddämmerung ein wenig unheim-lich.

Nun war es noch vor den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts [vor 1880; PG] Sitte, daß die Bauern auch am Karfreitag aufs Feld gingen, ihre Arbeiten zu verrichten, genau so wie an jedem andern Wochentag auch. Und so fuhren, es mag wohl schon vor 1875 gewesen sein, zwei Heckendalheimer Bauern an die Buchsblumenkaul zum Ackern. Sie dachten sich dabei wirklich weiter nichts Böses, weil sie am Karfreitagmorgen sich anschickten, ihren Acker zu pflügen. Die übrige Familie war ja nach Ommersheim zum Gottesdienst gegangen, die mochte für sie mitbeten, bei ihnen ging halt die Feldarbeit vor.

Und so begannen sie denn mit ihrer Arbeit. Der Acker aber lief ganz auf die „Kaul“ zu, bei der sie jedesmal umwenden mußten. Aber schon, als sie das erste Mal an die Kaul kamen und in die Senkung hinunterschauten, erschraken sie nicht wenig und auch die Pferde wurden unruhig. Denn unten auf dem Grund sahen sie einen todesstarren Priester liegen in seinen feierlichen Gewändern des heiligen Kar-freitags. In der Hand hielt er einen Kelch und seine Augen waren starr und unheimlich dräuend auf die beiden ge-richtet.

Wenn ihnen auch das Blut in den Adern zu gefrieren drohte, so kehrten sie doch wie im Zwange schweigend den Pflug um und arbeiteten weiter. Auch als sie das nächste Mal an die Kaul kamen, zeigte sich ihnen dasselbe warnende Bild, dieselbe Vision. Aber sie konnten nicht aufhören, uner-bittlich mußten sie fertig pflügen, und jedesmal beim Um-wenden in die Kaul hinabschauen. Man kann es wohl verstehen, daß sie bleich und verstört nach dem Pflügen ins Dorf zurückkamen. Und es leben noch Leute, die sie auf ihrer Heimfahrt sahen und die auch bestimmt noch wissen, daß von den beiden niemals einer mehr den „Finger am Karfreitag krumm machte“, so kräftig waren beide durch das gespenstige Gesicht geheilt.

E ärnschdi Waanung omm Kaafräidaa

Zwische Daalem unnem Ensemmahof läid uffem Bonn „Die Wille“ die, wiema so seed, Buchsblummekull. Vunn däär sidd ma niggs, biss ma grad devoor schdedd. In däär Kull sälwa sidd ma nurre Geschdribb unn aa wilde Obschdbääm, die medd iehre Schbiddse schunn e Schdurme uss däär dräi biss vier Määla dief Kull erussluue. Wahrscheins isch die Kull doodurch ändschdonn, dass gons frieha die Lied vunn Daalem uff sällicha Heh Wiggaschbärcha Schdään, also Kalgschdään gebroch honn, die se vielleichd zumm Kalg-bränne gebrichd honn. Allewää isch däär zugewaggsene diefe wänn aa nurre klääne Schdäänbruch – er ischoo nurre e grooßi Kull – e Schdurme unhäämlich – besunnaschd wänns Daa olla duschda wärrd.

In de achdsicha Johre vumm näinzehnde Johrhunnadd sinn die Buure aa omm Kaafräidaa gewehnlich uffs Fäld gong fa se schaffe, so wie onn de onnarre Wuche|daa aa. Unn so sinn emool – es waa waascheins schunn voor achzeh-hunnaddfinnefe|siwwesich – zwei Daalema Buure in die Buggsblummekull zumm Zaggarre gefah. Sie honn widdschda onn niggs Beeses gedängkd, dasse omm häälich Kaafräidaa|morje honn iehre Ägga zaggarre wille. De Reschd vunn da Famillich waa joo noh Ummasche in die Kirch gong; die honn joo foorse meddbääle kinne; bäi iehne isch hald die Ärwedd uffem Schdigg voorgong.

Unn so honnse medd iehra Ärwedd oongefong. ’S Schdigg isch awwa äwe uff die Kull zuugelaaf. Awwa schunn wie se s’erschdemool onn die Kull kumm sinn unn in die Kull enunna|geluud honn, sinnse nidd winnich vaschrogg, unn aa die Päär sinn uunruich woor. Wäll unne uffem Bollem honnse e doola Paschdoor läie gesiehn, däär hadd sinn fäine Mässgewänna fa de Kaafräidaa oongehaad unn waa schunn gons schdragg. In da Hond halla e Kelch gehall unn sinne Aue waare gons uff die zwei Buure ussgerichd – richdich uunhäämlich waa’s. Ballnäggschd wäärne’s Bluud in de Oodarre inngefroor, awwa als ob se’s missde, honnse imma oohne äbbes se schwäddse de Pluuch umgedrääd unn honn widdschda geschaffd. Wie se’s näggschdemool willa onn die Kull kumm sinn, honnse willa ’s sälwe gesiehn. Awwa sie honn nidd uffhärre kinne, sie honn dass Schdigg färdich zaggarre misse, unn jeelesmool honnse bäim Wänne inn die Kull enunna luue misse. Dässwää komma’s wahrscheins nohvollziehe, dasse nohm Zaggarre gons wiss unn vaschdeerd ins Dorf seriggkumm sinn. Es sinn noch Lied omm Lääwe, die wo se uffem Hämmwää gesiehn honn unn die sich beschdimmd noch ändsinne, dass vunn dänne zwei känna meh e Finga omm Kaafräidaa grumm gemach hadd, so gudd waare die zwei durch dänne Gääschd gehääld.

 


12.                    
Der verrückte Grenzstein[79]

Die Ausdehnung der Äcker kennzeichnet man seit altersher durch Grenzsteine. Sie dürfen nie versetzt werden[80]. Ein habsüchtiger Bauer tat es auf dem Ensheimer Bann aber doch. Das mußte er schwer büßen. Denn es dauerte nicht lange, so starb der Übeltäter, und von nun an mußte er allnächtlich als Gespenst mit einem Grenzstein auf dem Kopfe umgehen. Ohne Ruhe schleppte er ihn auf dem Dorfgelände umher. Immer seufzte und stöhnte er, und von Zeit zu Zeit rief er laut: 'Wo soll ich ihn hinlegen?' Schauer-lich drang dann dieser Ruf durch die stille Nacht.

In einer Märznacht sah ihn der Nachtwächter des Dorfes. Der war ein mutiger Mann, näherte sich ganz allmählich dem Gespenst und rief ihm schließlich zu: 'Setze den Stein wieder schnell dorthin, wo du ihn weggenommen hast!' Gleich darauf hörte der Nachtwächter einen lauten Plumps. Von da ab herrschte wieder Ruhe auf Ensheims Fluren.

De variddschde Bonnschdään

Die Greeß vunn de Schdigga haddma schunn zinnda longa Zidd medd Bonnschdään maggierd. Unn die derf ma nidd va|seddse. E traawesicha Buur hadds awwa uffem Ensemma Bonn doch emool gedoon. Unn dass halla schwär biese misse. Wäll ’s hadd nidd long geduurd, donn hadd däär Niggudd de Leffel abgänn, unn vunn doo ab halla jeed Naachd als Gääschd meddeme Boonschdääm uffem Gnouse erumlaafe misse. Imma hallane im gonse Dorf erumgetraa, unn känn Ruh halla gehaad. Imma halla gepinnsd unn geännsd unn allegebodd halla haad gegresch: „ Wo sollich ne hienleeje?“ Ma hadd sich färchde kinne, so grusselich hadd sich sällicha Ruuf inda Naachd oongehärrd...

Innera Naachd im Märds haddne de Ensemma Naachd-wächda gesiehn. Däär hadd gaa känn Moores gehaad, isch gons longsomm uff dänne Gääschd zuugong unn haddem donn zuugeruuf: „Hugg de Schdään dabba willa doohien, vunn wodene geholl hasch(d)!“ Glich druff hadd de Naachd-wächda gehärrd, als ob äbbes e gons Haades erunnage-plumpsd wäär. Unn vunn doo ab waa willa Ruh uffem Ensemma Bonn.


13.                    
Das Pferd ohne Kopf[81]

Mein Urgroßvater stammt aus Fechingen. Als er noch ein junger Bursche war, ging er nach Ensheim freien. Oft war es spät in der Nacht, wenn er sich auf den Heimweg machte. Das war an einem Abend wieder der Fall. Als er in den Wald eintrat, schlug es auf der Ensheimer Kirchenuhr zwölf. Es war eine mondhelle Nacht. Als er aus dem Wald heraustrat, sah er links auf dem Acker ein gesatteltes Pferd. „Ei, das trifft sich gut“, sagte er sich, „da kommst du ja auf gute Weise nach Hause.“ Er schwang sich auf das Pferd. Da erkannte er plötzlich, daß das Tier keinen Kopf hatte. Schon ging es aber mit ihm in rasendem Galopp den steilen Berg hinab, dem Wischbach zu, so daß ihm Hören und Sehen vergingen. Auf den Wiesen im Tal angekommen, ließ er sich herunterfallen. Das Pferd aber sprang in den Bach und war verschwunden. Da hörte er eine Stimme: „Das hat dir der Teufel getan.“ Hätten ihm nicht noch nach Tagen die Knochen geschmerzt, hätte er das ganze Erlebnis für einen Traum gehalten.

’S Pärrd oohne Kobb

Minn Urgrooßbabbe isch uss Fechinge. Alsa noch e junga Bursch waa, ischa noh Ensemm fräie gong. Degg waa’s schunn schbääd in da Naachd, alsa sich uff de Hämmwää gemach hadd. Äänes Owends waa dass willa de Fall. Alsa in de Wald eninngong isch, hadds uff da Uhr vunn da En-semma Kirch grad zwelleff geschlaa. Die Naachd waa vumm Moond gons lichd. Alsa ussem Wald erusskumm isch, halla linggahonnd uffem Schdigg e Pärrd medd Saddel schdehn gesiehn. „Ei, dass isch awwa gudd“, halla sich gesaad, „doo kummich joo scheen kämm unn muss aa nidd laafe.“ Er isch uffs Päärd gegrawweld, unn uff äämool halla gemärgd, dass dass Vieh gaa känn Kobb gehaad hadd. Awwa schunn isch’s meddem im Galobb de Bärch enunna geroosd, uff de Wischbach zuu, dassem Siehn unn Härre vagong isch. So wiea uff de Wies unna im Daal oonkumm isch, halla sich erunnafelle gelass. ’S Pärrd isch awwa in de Bach geschbrung unn waa vaschwunn. Doo halla uff äämool e Schdimm gehärrd: „Dass hadda de Däiwel gedoon!“ Wännem nidd noch noh Daa die Gliche wehgedoon hälle, hälla dass gonse fa e Troom gehall.


14.                    
Das Pferd ohne Kopf bei Nussweiler[82]

Viel erzählt man sich auch vom „Nußweiler Bann“, einer Gemarkung der Heckendalheimer Bauern. Darin sollen, wie in der benachbarten „Lindweiler“ Gemarkung, ehemals wieder zwei reiche Dörfer gestanden haben, Nußweiler im Schatten seiner mächtigen alten Nußbäume und ihm gegen-über Lindweiler, das voll prächtiger Linden grünte. Und beim Dorf Ommersheim erhebt sich auf einer Höhe auch der Nußweiler Hof, dem man, obwohl erst 1870 erbaut, doch diesen uralten Namen zur Erinnerung gab. Der „Nußweiler Bann“ aber liegt auf der linken Seite der Kirkelbach, das Ensheimer „Geerlen“, ein unheimlicher düsterer Wald von dunkelnden Tannen, auf der rechten Seite. Von Nußweiler also herauf kommt an bestimmten Tagen ein Pferd ohne Kopf gegen Heckendalheim zu. Auch sitzt ein Reiter darauf, der jedoch nicht zu erkennen ist.

’S Päärd oohne Kobb bäi Nusswilla

Aa vumm Nusswilla Bonn – dass isch de Bonn vunn de Daalema Buure – dudd ma sich aarich Zäich vazehle. Doo solle mool wie uffem Lindwilla Bonn grad denääwe in friehere Zidde zwei riche Derfa geschdonn honn: Nusswilla im Schadde vunn sinne alde Nussbääm unn grad gähngeniwwa Lindwilla, e Derfche meddeme woonvoll wunnascheene griene Linde. Unn bäi Ummasche schdedd owwe uff da Heh aa noch e Hof, de Nusswilla Hof, dämma dänne alde Noome fa Erinnerung gänn hadd, obwoohla erschd achzehhunnaddsiwwezich geboud woor isch. De Nusswilla Bonn läid linggahonnd vunn da Kirgelbach, ’s Ensemma Geerle – e uunhäämlicha duschdarra Wald medd dunggle Donne – isch uff da rächd Sidd. Onn beschdimmde Daa kimmd vunn Nusswilla härre gähng Daalem zuu e Pärrd oohne Kobb. Doo huggd aa e Reida druff, dänne wo ma awwa nidd varoole konn.


15.                    
Die Parforce-Jagd auf dem Nussweiler Bann[83]

Eine Bauersfrau von Heckendalheim erzählte mir auch noch unlängst von einem sonderbaren Erlebnis, das sie auf Nuß-weiler als kleines Mädchen hatte. Sie war damals an einem Sonntagmorgen mit den Kühen auf der Weide, als plötzlich von Nußweiler heraus die „Proforschjagd“ angesaust kam. Sie hörte deutlich in der Luft ihr lautes Hundebellen, das Pferdegetrappel und „Hjüh“ rufen. Die ganze Jagd kam auf sie zu, die Kühe jagten mit „peelricht“ aufgerichteten Schwänzen davon, doch da war die „Proforschjagd“ schon über sie hinweg. Ihr Vater, das war mein Großvater, war höchst erstaunt, als er plötzlich die Kühe den Hanfberg herabrasen sah und konnte keine Erklärung finden, bis seine Tochter atemlos und halb zerschlagen auch zu Hause ankam.

Die Proforsch-Jachd uffem Nusswilla Bonn

E Buurschfrau vunn Daalem hadd ma voor kurdsem vazehld, wassa als kläänes Mähle uff Nusswilla bassierd isch. Sällmools waase onneme Sunnda|morje medde Kieh uff da Wääd, als uff äämool vunn Nusswilla härre die Pro-forschjachd oongeroosd kumm isch. Sie hadd gons genau gehärrd, wie die Hunn haad gebälld honn, wie die Päär gekläbbadd honn unn wie jemond Hüh geruuf hadd. Die gons Jachd isch richd uff sie zuukumm, die Kieh honn die Schwäns pielrichd in die Lufd geschdelld unn sinn dabba ab, awwa donn waa die Proforschjachd aa schunn willa furd. Iehr Babbe – dass waa minn Grooßbabbe – isch ussem Schdaune nimmeh russkumm, alsa uff äämool gesiehn hadd, wie die Kieh de Honnefdbärch erunna|roose unn hadd sich aa nidd dängge kinne, wass doo bassierd isch, biss donn sinn Dochda hämmkumm isch, gons hennam Uchdem unn halwa kabudd.


16.                    
Die Geisterpost
[84]

Ein reicher Heckendalheimer Kalkbauer, der des öfteren seiner Kalkgeschäfte halber aus dem Bayerischen in das damalige Preußische[85] hinüber mußte, war auch wieder einmal kurz vor Weihnachten von dort auf dem Heimweg. Die Sonne war gerade untergegangen, als er an das Ende des Staffeler Waldes kam – (der Staffel ist der Berg südwestlich von St. Ingbert, auf den die Straße, die gemeinhin mit Staffel bezeichnet wird, durch einen wunderbaren Wald hinauf in den Gau führt). –

Da hörte er hinter sich die Postkutsche[86] den Staffel herauffahren, und weil er gerne noch vor der Dunkelheit zu Hause sein wollte, entschloß er sich, sie anzuhalten. Merk-würdig kam es ihm zwar vor, daß der Postillon in seiner leuchtend blauen bayrischen Uniform, der Johann[87] von Ensheim, den er gut kannte, heute so sonderbar auf dem Bocke saß und daß die Kutsche leer war. Trotzdem rief er dem Johann zu, anzuhalten, was jener jedoch gar nicht zu bemerken schien, und im selben Tempo weiterfuhr. Ein wenig betroffen schaute der Kalkbrenner dem Johann nach, der heute wohl nicht ganz bei Troste sein mußte, sah ihn plötzlich vom Wege abbiegen und, o heiliger Schreck, die steile Böschung der Rheinfels mit der Kutsche in das tief eingeschnittene Ensheimer Tal hinabfahren. Ganz er-schrocken griff nun der Michel ein wenig rascher aus – und hörte nach einigen Schritten wieder die Post hinter sich den Berg heraufrumpeln. Donnerwetter, dachte nun der Michel, da ist ja wirklich was los, schaute um und sah den Ens-heimer Johann wahrhaftig lachend auf dem Bock sitzen; im Kasten hinter ihm aber grüßten ihn freundlich ein paar Landsleute. Halb verstört hält er auch diesmal wieder die Post an, stieg zum Johann auf den Bock und wußte eigent-lich immer noch nicht, woran er war. Der Postillon brachte ihn schließlich doch zum Erzählen und klärte ihn dann auch über den seltsamen Vorfall auf, daß nämlich schon des öfteren in seinen langen Dienstjahren, allerdings nur im Advent, diese Geisterpost vorangefahren sei, den einen oder anderen Reisenden angeführt habe, um dann die hohe Böschung hinabzusausen. Für den Fall, daß sie dem Michel noch einmal begegnen sollte, möge er sie nur herzhaft anrufen, bei sich aber still ein Vaterunser beten. Sei es die richtige, so werde sie schon halten, die falsche könne ihm dann aber auch keinen Schaden bringen.

Die Gääschda|poschd

E richa Kalgbuur uss Daalem, däär wo wäll sinne Kalg-geschäfdcha degga ussem Bayrische eniwwa ins Präißische hadd misse, däär waa emool willa vunn doo uffem Hämm-wää, ’s waa kurds voor Greschdaa. Die Sunn waa grad unnagong, alsa onns Änn vumm Schdaffel kumm isch (De Schdaffel isch däär Bärch im Siedweschde vunn Dingmadd, uff dänne die Schdrooß, zu däär ma gemäänahonnd nurre Schdaffel seed, durch e wunnascheena Wald enuff in de Gau gedd.)

Doo halla henna sich die Poschdkuddsch de Schdaffel eruff-fahre gehärrd, unn wälla gons gäär noch voorm Duschda| wärre hadd wille dehämm sinn, halla gedänggd, die hallich oon. ’S ischem zwaa komisch voorkumm, dass de Poschdill-joon in sinna bayrisch Uniform, die woo richdich bloo geläichd hadd – de Jochonn uss Ensemm, dänne woa gudd gekännd hadd – dissmool so komisch uffem Bugg gehuggd hadd unn ussadämm die Kuddsch läär waa. Awwa er haddem Jochonn troddsdääm zuugeruuf, dassa haldmache soll, wass awwa däärsäll schinns gaa nidd meddgridd hadd, unn äänfach im sälwe Tämbo widdschdagefahr isch. De Kalkbränna haddem Jochonn schunn e bissje lädds nohge-luud unn hadd sich gedänggd, dass däärsäll häid wahr-scheins e gulla Schdurme nääwe da Kabb läie dudd. Uff äämool halla gesiehn, wie däärsäll vumm Wää abgeboo unn – ach, du häälicha Schdrohsagg – medda Kuddsch die  Beschung vunn da Rheinfels gäälinge ins Ensemma Daal enunnagefah isch, dass wo joo aarich dief inngeschnied isch. De Michel waa gons vaschrogg unn isch e Schdurme longsomma gelaaf – unn schunn halla noh e baa Schridde die Poschd willa henna sich de Bärch eruff|rumbele gehärrd. Dunnawälla, hadd de Michel jeddsde gedänggd, doo isch joo richdich äbbes loss, hadd sich erumgewännd unn gesiehn, dassde Ensemma Jochonn tatsächlich uffem Bugg gehuggd unn gelachd hadd; im Kaschde hennam honnem e baa Lied uss da Umgeechend fräindlich die Zidd gebodd. Er waa aarich lädds unn hadd aa disstuur willa die Poschd oongehall unn isch zumm Jochonn enuff uff de Bugg gegrawweld, awwa eijendlich halla imma noch nidd gewissd, woa droon isch. De Poschdilljoon hadd awwa donn schunn wisse wille, wass meddem loss isch unn hadd sich vunnem vazehle gelass, wassa grad gesiehn gehaad hadd, unn däärsäll haddem donn gesaad, dass die Gääschda-poschd in sinne longe Dienschdjohre schunn degga medd dämm ääne olla onnarre Passaschier voorgefahr wär, um donn die hooch Beschung enunna|se|roose - awwa nurre im Adwänd. Unn er haddem de Rood gänn, fallsem die Kuddsch nochemool je gähng begääne, donn sollda gons kuraschierd noha ruufe, awwa häämlich sollda e Vaada|unsa bääle. Wänn’s die richdich wäär, donn gähngse schunn haldmache, unn wänn’s die falsch wäär, donn kinnd’sem awwa aa nidd schaale.


17.                    
Das Kreuz am Ensheimer Weg[88]

Auf der Straße von St. Ingbert nach Ensheim bei einer Wegkreuzung stand bis vor kurzem ein uraltes, morsches Eichenkreuz, das jetzt durch ein neues ersetzt ist. Von der Entstehung dieses alten Kreuzes aber geht diese Sage.

Vor mehr als hundert Jahren trieb an einem schwülen Som-mernachmittag ein Landmann sein Ochsengespann dem Gehöft Reichenbrunn zu. Er hatte es eilig; denn der Abend war nahe und am Himmel stieg schwarzes Gewölk drohend herauf und schon hörte er dann und wann den Donner grollen. Da, als die Zugochsen an die Wegkreuzung kamen, blieben sie plötzlich halten. Umsonst schwang der ver-zweifelte Bauer, der seine Wagenladung noch rasch vor dem Gewitter in Sicherheit bringen wollte, die Peitsche. Die sonst so willigen Tiere blieben stehen und waren von der verrufenen Stelle nicht mehr fortzubringen. Ein fürchter-licher Regenschutt hub an. Unaufhörlich krachte und blitzte es um ihn und gleichzeitig ward eine solche Finsternis, daß er keinen Schritt mehr weit sehen konnte. Da entblößte der Bauer das Haupt und gelobte, wenn Gott ihn aus dieser Gefahr errette, solle ihm dieser verrufene Kreuzweg ein geweihter Ort sein, an dem er ein Kreuz errichten werde. Und sogleich zog das Gespann an, das Gewitter hörte auf und er brachte seine Fuhre unversehrt unter Dach. Und alsbald kündete ein hohes Kreuz von der wunderlichen Geschichte und Errettung.

’S Gridds omm Ensemma Wää

Uff da Schdrooß vunn Dingmadd noh Ensemm hadd biss voor kurdsem onnera Gräidsung e uraldes, halwa vafulldes Eiche|gridds geschdonn, wo se awwa jeddsde e noues hiengeschdelld honn. Ich willoch emool vazehle, wie sällich aldes Gridds doohien kumm isch.

Voor meh als hunnadd Johr hadd e Buur sinn Oggse|ge-schbonn uff Reichebrunn zuugedrieb – ’s waa onneme schmuuliche Nohmidda im Summa. ’S haddem prässierd, wäll ’s isch schunn ball duschda woor unn omm Himmel sinn gons schwaadse Wolge häärgezoh unn ab unn zuu halla’s aa schunn dimmele gehärrd – ’s waa zumm Färchde! Als die Oggse onn die Gräidsung kumm sinn, sinnse uff ää-mool schdehn geblieb. De Buur, däär wo sinn Fuhr noch dabba voorm Gewidda hadd wille hämmbringe, hadd die Gääschel geschlaa, awwa fa umsunschd. Die Oggse, die sunschd imma gudd gehärrd honn, honn sich äänfach nimmeh geribbeld unn sinn onn dääm komische Plädds schdehn geblieb. Unn schunn hadds e Mordsschudd gänn. Ummne rumm hadds die gons Zidd gedimmeld unn gebliddsd, unn’s waa aa so duschda, dassa noch nidd e Schridd widd hadd luue kinne. Doo halla sinn Kabb abgedoon unn em Härrgodd hooch unn häälich vaschbroch, dassa onn däär Gräidsung doo e Gridds uffschdelle gähng, wännem de Härrgodd jeddsde hälfe gähng. Unn uff äämool honn die Oggse willa vooronn gemach, ’s Uunwälla hadd uffgehärrd unn er hadd sinn Fuhr trugge unn oohne Schaale hämm in die Schier gebrung. Unn nidd long denoh hadd onn sällichem Plädds e hooches Gridds geschdonn unn hadd vumm Wunna vazehld, wie de Härrgodd dämm Buur gehulf hadd.


Abb. 8: Der Große Stiefel auf der Bannkarte um 1765

1= Stiefeler Schloss; 2= Stiefelfels; 3= Grumbachtal; 4= Sengscheid;

5= Weg von St. Ingbert nach Ensheim (Staffel); 6= „Hänsel und Gretel“


18.                    
Der „Riesentisch“ auf dem Großen Stiefel[89]

Am Großen Stiefel, dem kegelförmigen Berge bei Ensheim, heißt die Felsenplatte „Riesentisch“; hier habe vor Zeiten der fürchterliche Riese Kreuzmann gehaust, welcher Men-schen einfing und verzehrte.

Abb. 9: Der Stiefel mit dem „Riesentisch“[90] (2001)

Abb. 10: Der Stiefel auf dem Großen Stiefel (2001)

De Riese|disch uffem Grooße Schdiwwel

Omm Grooße Schdiwwel, dämm Bärch, däär e Furm wie e Kechel hadd unn in da Näh vunn Ensemm isch, hääschd e beschdimmdi Felspladd „Riese|disch“. Ma dudd vazehle, doo hädd gons frieha de Griddsmonn, e gons wuschda Ries, gehuusd unn däär hädd imma Lied gefong unn häddse hennahäär gewomschd.


19.                    
Der Riese auf dem Großen Stiefel[91]

Vor alten Zeiten wohnte einmal droben auf dem Großen Stiefel ein gräulicher Riese, der so stark war, daß er die stärksten Waldbäume wie Hanf ausreißen und Felsenstücke so groß wie kleine Häuser aufheben konnte, was man an dem Riesentisch dort an der Seite des Stiefels, gegen das Mühlthal hin, sehen kann, den er sich gemacht hat.

Der Riese lebte von Menschenfleisch und hieß Kreuzmann und zwar vielleicht deshalb, weil er den Menschen soviel Leid und Kreuz machte, da er doch ein gottloser Heide war. Von Zeit zu Zeit stieg er von seinem Berge herab in die Thäler, wo die Bauern in Hütten wohnten, und raffte ohne Unterschied alle Menschen zusammen, deren er habhaft werden konnte und schleppte sie auf den Großen Stiefel, wo er sie in einen großen hölzernen Käfig einsperrte, bis er Hunger bekam. Die Leute sollen in dem Käfig oft so arg geschrieen haben, daß man es weithin habe hören können. Darüber habe sich der Riese aber gefreut und habe gesagt: „Wie schön meine Vögel pfeifen!“

Wenn er Hunger bekam und eine Mahlzeit halten wollte, nahm er einen oder mehrere Menschen heraus, um dieselben zu schlachten. Auf seinem Felsentisch verzehrte er sodann dieselben, nachdem er sie vorher auf der Felsenplaine, an deren Ende sein Tisch stand, gebraten hatte.

Lange Zeit trieb so der Riese sein Unwesen, da ermannten sich endlich die Leute, denen er doch bald zu arg machte, und beschlossen ihn anzugreifen. Man wartete den Zeit-punkt ab, da er eine Mahlzeit gehalten hatte, weil er ge-wöhnlich darauf einige Tage fest zu schlafen pflegte. Da thaten sich die Leute zusammen und schleppten Stroh, Reisig und Gehölz um den Thurm, wo der Riese schlief, und zündeten es an, um denselben zu ersticken. Als der Rauch in das Gemach eindrang, wo der Riese schlief, wurde er aber von demselben wach und hielt ihn für einen etwas dicken Waldnebel. Der Rauch aber kitzelte den Riesen in der Nase, daß er plötzlich niesen mußte, was aber ein solches Getöse verursachte, daß die Leute erschrocken den Berg hinab-flüchteten.

Aus seinem Gemache tretend, um frische Luft zu schöpfen, gewahrte er jedoch alsbald das angezündete Feuer und merkte nun, was man mit ihm vorhatte. Da wurde er sehr zornig und ergriff das nächste Beste, was ihm in die Hände kam, seinen Wetzstein, und wollte ihn auf seine Feinde schleudern. Der Wetzstein fuhr sausend durch die Luft und fiel ohne jemand zu beschädigen, da er über die Menschen weit hinwegflog, aufs Renntriesch, mit der Spitze in die Erde, wo er zum Wahrzeichen neben dem Bache heute noch zu sehen ist.

Der Riese aber stolperte, als er den Berg herablaufen wollte, um mit einem Baume die Feinde zu erschlagen, über einen Stein und stürzte betäubt nieder.

Als dies die Feinde sahen, liefen die beherztesten derselben herbei und schlugen ihn vollends tot. Und begruben ihn in ein tiefes Loch und deckten seine Leiche solange mit Steinen zu, bis daraus ein kleiner Berg entstand, der heute noch das Riesengrab heißt.

De Ries uffem Grooße Schdiwwel

Gons frieha hadd owwe uffem grooße Schdiwwel e Ries ge|unnadd, däär so kräfdich waa, dassa im Wald die diggschde Bääm wie Honnefd hadd ussrisse unn Felsbrogge so groß wie klääne Hiesa hadd hoochhewwe kinne, unn dass komma noch onn dämm Riese|disch siehn, dänna sich onn da ään Sidd vumm Schdiwwel, zumm Miehledaal hien, gemach hadd.

Sällicha Ries hadd Lied gewomschd unn hadd Griddsmonn gehääschd. Vielleichd dässwää, wälla fa die Lied so e Gridds waa, semoola doch e Hääd waa, däär wo onn känn Härrgodd geglääbd hadd. Vunn Zidd zu Zidd ischa vunn sinnem Bärch in die Dääla erunnagelaaf, doo, wo die Buure in iehre Hidde ge|unnadd honn, unn doo halla all Lied inngefong, diea hadd grien kinne, gons egal, wääne, unn hadd se donn uff de Grooße Schdiwwel getraa, woa se in e Mordskeewich uss Hols eninngeschbärrd hadd, bissa Kohl-dommb gridd hadd. Ma seed, die Lied hälle in dämm Keewich degg so grusslich gebäärd, dass ma dass wie widd hädd härre kinne. Awwa dass hädd dämm Ries niggs ussgemach; im Gääedääl, däär hädd sich gefräid unn hädd gesaad: „Wie scheen minne Vechel piffe!“

Wänna Kohldommb gehaad hadd, halla änna olla aa e baa Lied erussgeholl fa se iwwa|se|mache. Donn halla se uff sinnem Felse|disch gewomschd, nohdämma se voorhäär uff dämm ääwene Felsschdigg, wo omm Änn aa sinn Disch geschdonn hadd, gebruddscheld hadd.

Uff die Aad hadd däär Ries e longi Zidd sinne Niggul-lichkääde gemach, biss die Lied in da Umgeechend omm Schluss all iehr Kuraasch sesomme geholl honn unn uss-gemach honn, dänne Ries oonsegriffe. Sie honn donn gewaad, bissa gewomschd gehaad hadd, wälla gemääna-honnd denoh e baa Daa hadd raddse misse. Donn honn sich die Lied sesomme gedoon, honn Schdroh, klääne Äschdja unn Schdeggelcha um de Turm vadääld, doo, wo de Ries geschloof hadd; donn honnse’s oongeschdeggd, fa dass de Ries hadd solle vaschdigge. Als de Qualm in das Burch-zimma gezoh isch, wo de Ries geraddsd hadd, ischa awwa devoon wach woor unn hadd gemännd, dass wäär e bissje dichda Waldnäwwel. De Qualm haddne in da Gumschel gekiddseld, dassa uff äämool hadd niese misse. Unn dass waa donn so e Ballaawa, dass die Lied gons vaschrogg sinn unn de Bärch willa enunna|geweddsd sinn.

Wiea donn uss sinnem Burchzimma eruss isch, fa Lufd se holle, donn halla erschd dass Fier aachd geduun, unn jedds(d)e erschd ischem uffgefall, wass die Lied doo meddem eijendlich voorhonn. Doo ischa awwa wie roosend woor unn hadd ’s Näggschdbeschde, wassa hadd kinne in die Gnoodsche grien, geholl, nämlich sinn Weddsschdään, unn hadd ne dänne Lied, die ne oongegreff honn, hennahäär geplaggd. De Weddsschdään isch meddeme Affezonnd durch die Lufd gefloo unn isch uffs Renntriesch gefall, woa medda Schbidds im Bollem schdägge blieb isch. Er hadd nimmond äbbes gedoon, wälla widd iwwa die Lied driwwa-gefloo isch. Häid sidd ma ne noch nääwem Bach als Wahr-zeiche vunn Rentrisch.

Voor ludda Raasch isch de Ries donn iwwa e digga Fels-brogge geschdolld, alsa de Bärch erunnagerännd isch, fa sinne Geechna meddeme Boom doodseschloon unn isch uff die Fräss gefall – donn halla doo gelää wie dood.

Als sinne Geechna dass gesiehn honn, sinn die medd de greeschd Kuraasch dabba bäigeschbrung unn honne gons doodgeschlaa. Donn honn se ne inneme diefe Loch begrab unn honn sinn doola Kärrba solong medd Schdään zuugedeggd, biss doodruss e klääna Bärch woor isch, däär wo häidsedaas noch „Riesegrab“ hääschd.

Abb. 11: Die Stiefeler Schlossruine und der Stiefel
auf dem Großen Stiefel (um 1765)

 


20.                    
Der wilde Jäger des Stiefels[92]

Vom großen Stiefel, dem Rodensteine der Saar- und Blies-gegend, zieht dem wütenden Heere voran der wilde Jäger, ein gewisser Freiherr von Maltitz[93], welcher allenthalben noch im Umkreise spukt. Sein Jagdbereich erstreckt sich von Staffel und Stiefel über das Scheidter-, Sulzbach- (Malditzeberg bei Dudweiler) und Köllertal bis in das Prims- und Neustadter Tal, und die Kinder schreckt man bis auf den heutigen Tag mit dem Rufe: „O wei, der Maltitz kommt!

Im Scheidter- und Sulzbachtal ist Maltitz aber nicht nur Anführer der im Herbststurm durch die Wälder und Felder brausenden „proforschen Jagd“, er erscheint auch zu ande-ren Zeiten, und sogar am hellen Mittag, als langer, hagerer, steinalter Förster. Gewöhnlich sitzt er dann bewegungslos auf einem Grenzstein am Waldesrand, bis ihn die Leute, die auf dem Felde arbeiten, entdecken und sich zuraunen: „Der Maltitz, der ewig Jär, do owwen am Wald huckt’r!“ Ehe sich die Leute aber recht umsehen, ist er wieder verschwunden.[94]

 


21.                    
Der unheimliche Jäger des Stiefels[95]

Um das Jahr 1856, als sie an einem Tag von der Arbeit auf dem Hüttenwerk befreit waren, beschlossen sie, sich im Wald am Stiefel eine Fuhre dürres Holz zu machen und beschieden einen Verwandten zum Abholen des Holzes zur gewissen Stunde am bezeichneten Ort mit der Kühfuhre einzutreffen.

Sie gingen hierauf in den Stiefeler Wald und trafen am östlichen Abhang des Stiefels, ungefähr 100 Schritte von seinem höchsten Punkt einen dürren, eichenen, noch auf der Wurzel stehenden Stumpen, der einige Tragläste Holz abwerfen mochte. Sie schickten sich gleich an mit ihren Äxten diesen Stamm, dessen oberer Theil abgebrochen und schon weggebracht war, zu fällen. Sie hieben von beiden Seiten fleißig darauf los, aber trotz der guten Schneiden ihrer Äxte ging nicht ein einziger Hieb ein und unter der Wurzel dieses Stammes pummert, rumpelt und poltert es bei jedem Hieb, als wolle der ganze Stiefel auf einmal zusammenstürzen. Es wird ihnen angst und bang, der Angstschweiß rieselt in starken Tropfen von der Stirn, sie laßen zu gleicher Zeit mit ihren Hieben nach, blicken sich ängstlich verwundert in stummfragender Miene gegenseitig an und gewahren urplötzlich vor sich stehend den oben-beschriebenen alten Jäger.

Wer vermag ihren Schrecken zu beschreiben? Schneller als man denken kann, ergreifen sie die Flucht, rennen gleich einem gehetzten Reh den Berghang herab und treffen unten auf der Ebene die bestellte Kühfuhre, die sie schnell um-kehren und unverrichteter Sache nach Hause eilen, mit dem festesten Vorsatz, auf dem Stiefel kein Brandholz mehr zu sammeln, das sie bis heute auch gehalten.

De uunhäämliche Jäächa vumm Schdiwwel

Ums Johr achzehhunnadd|seggse|fuchzich honn zwei Hidde| arweida känn Schichd gehaad. Dässwää honnse ussgemach, in de Wald omm Schdiwwel se gehn fa e Woon voll durres Hols se mache. Medd eme Vawonde honnse e Zidd uss-gemach, woa se meddeme Oggse|geschbonn hadd abholle solle.

Donn sinnse in de Schdiwwela Wald unn sinn omm eschd-liche Abhong, schdigga hunnadd Schridd vumm heggschde Punggd ewägg, uffe durra Eiche|schdurdse geschdooßd, däär wo noch uff da Wurdsel geschdonn hadd unn uss dämma beschdimmd e baa Määda Hols hädd erussgrien kinne. Sie honn aa glich oongefong, dänne Schdurdse, vunn dämm ’s owwarre Schdigg schunn abgebroch unn furd-geschaffd woor waa, umsemache. Vunn allezwei Sidde honnse druff lossgehau, awwa obwoohl iehre Äggsd gulle Schnille gehaad honn, isch noch nidd änna Schlaach ins Hols eninngong, unn unna da Wurdsel vunn dämm Schdomm hadds bäi jeelem Schlaach gerumbeld unn gebolladd, als gähng de gonse Schdiwwel uff äämool sesomme bräche. Donn honnse sich aarich gefärchd, de Ongschdschwääß ischne in digge Trobbe die Schdier erunnagelaaf unn sie honn zurr sälb Zidd uffgehärrd uff dänne Schdomm innseschloon unn honn sich gons va-wunnadd unn vagellschdadd oongeluud. Uff äämool sinnse e alda Jäächa vooroon sich schdehn. Olägg, wass honnse sich gefärchd! So dabba honn die zwei gaa nidd nohdängge kinne, wie die denoh abgehau sinn! Wie e geheddsdes Reh sinnse de Bärch enunnagerännd unn honn unne ’s Fuhrwärg getroff, dass wo’se beschdelld gehaad honn. Dass honnse umwänne gelass, donn sinnse dabba hämm, oohne Hols unn sie honn sich geschwoor, iehr Läbbdaa uffem Schdiwwel känn Schierhols meh se raffe – unn doodroon honnse sich bis häid gehall.

 


22.                    
Die Geisterkutsche[96]

Im Holzsammeln begriffen auf dem höchsten Punkt des Stiefel gewahrten die Leute eine mit 4 Rappen bespannte Chaise, die im sausenden Galopp des zu dem Schloßplatz führenden Wegs gleichsam flog mit dem vollsten Hufschlag und Chaisengeprassel. Auf dem Platze angelangt hielt die Chaise plötzlich still und man hat Muße mit den staunend aufgerissenen Augen sich alles genau zu besehen. Die Chaise sehr groß, nach einer noch nie gesehenen Façon gebaut, ist reich verziert mit Beschlägen [aus] Silber; Kasten und Holzwerk dunkelgrün lackiert; schwarzes Lederwerk; vorn [ist] ein Bock, worauf in dunkelblauen Röcken reich mit Silberlitzen verziert, rothen ebenso verzierten Westen, weißen Halsbinden und Handschuhen, hohen Napoleons-hüten ein Kutscher und ein Bedienter sitzen. In einem Sitz hinten an der Chaise sitzen zwei in grüne Jägeruniformen, mit goldenen Litzen besetzt, runden auf einer Seite aufge-krämpten Hüten mit grünem Federbusch gekleidete Per-sonen, die man für Leibjäger halten kann. Die 4 Rappen, wunderschön in Bau und Haltung, sind mit Zuggeschirr beladen, dessen sämtliches Schnallenwerk von Silber [ist]. Und das ganze Geschirr strotzt von silbernen Rosetten.

Bei dem Anhalten der Chaise steigt rasch der Bediente vom Bock, ebenso die 2 Jäger von ihrem Sitz. Bei jedem dieser beiden letzteren bemerkt man zur linken Seite einen reich verzierten Hirschfänger, an schwarz lackierter Lederkuppel über die rechte Schulter hängend. Die Jäger stellen sich in militärische Achtung und der Bediente öffnet rasch den Kutschenschlag. Aus dem Kasten steigen in gravitätischer Haltung, mit Achtung gebietenden, trotzigen Mienen 4 wunderschöne Damen mit gepuderter Kopffrisur, seidenen Kleidern von dem glänzendsten hellblauen Stoff, die am Oberkörper eng anliegen, die Brust aber stark hervortreten lassen, mit kurzen weiten Schiffärmeln, unter denen ein feiner mit Spitzen verzierter weißer Gace-Ärmel erblickt wird. Der Rock ist auffallend weit, blendend weiße Strüm-pfe zieren die Beine und zierlich geformte Schuhe von blauem Saffian schließen die Füße ein. Jede dieser Damen trägt eine schwere goldene Kette um den bloßen Nacken.

Zugleich steigen 4 Herren aus der Chaise, deren Alter man nicht genau bestimmen kann, wegen ihrer gepuderten Kopffrisur, gleich wie bei den Damen. Nur soviel ist bemerkbar, daß ihre Gesichtszüge eine regelmäßige Schön-heit haben. Diese Herren treten ebenfalls ernst und mürrisch heraus, verbeugen sich gravitätisch gegen die Damen, die es in zierlichen Komplimenten erwidern. Diese Herren tragen blaue Fräcke mit langen Schößen, hochgelbe Westen, weiße zierlich gefaltete Chemisetten, schwarze Halsbinden, blen-dend weiße, bis unter die Knie reichende Hosen, weiße Strümpfe und Schuhe von schwarzem Glanzleder mit silbernen Schnallen.

Freundliche Blicke werden gegenseitig unter den Damen und Herren gewechselt, sie reichen sich die Hände, bilden einen Kreis und beginnen in dieser Stellung einen Tanz, der nach und nach rascher wird und endlich so schnell, daß man kaum mehr die Personen zu unterscheiden vermag. Dieser Tanz mag ungefähr 10 Minuten angedauert haben, als plötzlich in bemessenen, langsamen und gravitätischen Schritten den südöstlichen Abhang des Stiefels ein alter Mann heraufschreitet, der gleich beim ersten Anblick einen Jäger erkennen läßt an Kleidung und Wesen. Aus seinem bartlosen fahlgrauen Gesicht blitzen 2 funkelnde Augen, seine Kopfbedeckung ist ein etwas niedriger runder Hut, auf der rechten Seite aufgekrämpt und an dieser Krämpe stecken einige Federn wilder Vögel. Ein Überrock von grauem Wolltuch mit grünem Kragen und Aufschlägen, gelben mit Jagdfiguren verzierten Knöpfen, eine dunkelgrüne Weste mit einer Reihe gelber, gleichfalls so verzierter Knöpfe, die geschlossen ist bis an die schwarze Halsbinde, graue Wolltuchhosen und bis über die Knie ragende schwarze, plumpe Lederstiefel schließen die hagere, lange, aber kräftig aussehende Gestalt dieses Jägers ein, der auf der linken Seite einen Jagdsack, sogenannten Büchsenranzen, und unter diesem einen Hirschfänger trägt, und auf der rechten Schulter nachlässig eine schwere Büchse hängen hat.

Bei dem Herannahen dieses Jägers fliegen die im sausenden Reigen begriffenen Herren und Damen auseinander, huschen rasch in die umfangreiche Chaise, Bedienter und Jäger dieser Herrschaften fliegen nach geschlossenem Kutschenschlag rasch auf ihre Sitze und in sausendem Galopp huscht die Chaise gleichsam wie im Flug mit ihrer Beladung davon, deren Gerassel nach wenigen Minuten gänzlich verhallt ist, worauf dann der erschienene alte Jäger, der dem Verschwinden der Chaise mit scharfem Blick nachgesehen, auch plötzlich verschwunden ist.[97]

 

23.                    
Der Bauer und der Schatz
[98]

Das ehemalige Schloß auf dem Großen Stiefel bei St. Ingbert war einst die Behausung gefürchteter Ritter, die nur vom Stegreife lebten. Als sie ihr Wesen aber gar zu arg trieben, wurden sie ausgehoben und als Räuber gehenkt; ihre Burg fiel der Zerstörung anheim. Ihre Schätze jedoch konnten nicht gefunden werden und ruhen noch heute, von bösen Geistern bewacht, im Innern des Berges.

Vor vielen, vielen Jahren suchte ein reicher Bauer, dessen Sinn nur nach Geld und Gut stand, den Schatz zu haben. In dunkler Nacht grub er ganz allein auf der Höhe des Berges und stieß nach harter Arbeit auf eine eiserne Kiste. Er legte sie völlig bloß; da sprang auch schon der Deckel auf und blankes, glitzerndes Gold lachte ihm entgegen. In seiner Freude stieß der Bauer einen lauten Jubelschrei aus. Damit aber versank unter fürchterlichem Getöse der Schatz und von unsichtbarer Hand bekam der Schatzgräber eine so gewaltige Ohrfeige, daß er betäubt zu Boden stürzte.

In der Kühle des Morgens kam er wieder zu Bewußtsein. Als er über das Geschehen nachdachte, gewahrte er, daß jede Spur seiner nächtlichen Arbeit verschwunden war. An der Stelle der von ihm ausgeworfenen Grube sah sein Auge gewöhnlichen Waldesboden, mit Laub und Moos bedeckt. Seine Werkzeuge, an denen kein Stückchen Erde haftete, lehnten in der Nähe an einem Baume.

Als er noch sann und sann, hörte er über sich lauten Flügelschlag und von einem Baume herab erklang ein so teuflisches Hohnlachen, daß es ihm durch Mark und Bein ging. Schreckerfüllt eilte er in wilder Flucht den Berg hinab; seine Werkzeuge flogen ihm nach und fanden sich einige Tage später am Fuße des Berges. Der Bauer selbst aber verfiel in ein hitziges Fieber und schwebte wochenlang zwischen Tod und Leben. Wieder genesen, war er ein ganz anderer als früher und ließ sich genügen an dem, was er hatte.

De Buur unn de Schadds

Im alde Schloss uffem Grooße Schdiwwel bäi Dingmadd honn frieha Ridda geunnadd, die nurre vunn Niggullich-kääde gelääbd honn unn voor dänne sich all Lied gefärchd honn. Alses medd dänne iehre Däiweleräie imma wuschda woor isch, hadd ma die Räiwa ussgehaab unn iehne de Kobb erunnagemach unn iehr Burch hadd ma abgerobbd. Awwa die gonse Schädds hadd ma sällmools nidd gefunn unn so läid häid noch alles innewänsich im Bärch, unn beese Gääschda dunn druff uffpasse.

Voor gons viele Johre hadd emool e richa Buur, däär wo nurre imma onn de Mummes gedänkgd hadd, vasuuchd, dänne Schadds se hewwe. In da Naachd – ’s waa gons duschda – halla gons ellään owwe uff da Heh vumm Schdiwwel gegrab(d). Er hadd sich aarich vabloddse misse, awwa donn halla ächd e Keschd uss Iese gefunn. Er hadd se gons fräigeleed unn schunn isch de Deggel uffgeschbrung unn blongges Gold, dass wo aarich geglänsd hadd, ischem ins Au geschdoch. Voor ludda Fräid hadd däär Buur gons haad gegresch, unn donn hadds grusslich gebolladd, unn de Schadds isch willa mierniggs, dierniggs im Bollem va-schwunn. Ussadämm hadd irchendjemond dämm Schadds-grääwa so vamässe onn de Bagge geschlaa, dassa halwa dämmsch waa unn hiengefall isch.

Wälls morjens so kiehl waa, ischa willa zu sich kumm. Alsa driwwa nohgedängkd hadd, wass eijendlich passierd isch, halla aachd gedoon, dass vunn sinna Ärwedd midde in da Naachd niggs, awwa aa gaa niggs meh se siehn waa. Onn dämm Plädds, woa dass Loch gegrab hadd, halla nurre noch hunnsgewehnlicha Waldbollem gesiehn, medd Laab unn Muus owwedruff. Sinn Wärgzäich, onn dämm noch nidd e Bousche Bollem gehungk hadd, hadd omme Boom gons näggschd debäi degähnggelehnd.

Alsa noch imma hien unn häär, voor unn srigg iwwaleed hadd, halla iwwa sich e haada Flichelschlaach gehärrd unn vunneme Boom erunna hadd jemond so grusslich unn wuschd gelachd, dassem dass durch Maarich unn Bään gong isch. Dodaal vaschrogg ischa de Bärch enunnageweddsd oohne e Paus se mache, sinn Wärgzäich ischem nohgefloo und ma hadds e paa Daa schbääla omm Fuuß vumm Bärch gefunn. De Buur sälwa hadd hennahäär schwäär Fiewa gridd, hadd wuchelong uffem Ribbschdrongk gelää unn hädd umms Känne de Leffel abgänn. Alsa willa gudd waa, waara e gons onnarra als frieha unn waa medd dämm sefriele, wassa gehaad hadd.

 


24.                    
Die Sage vom Ritter Heim[99]

In jenen alten Zeiten, als noch die Bewohner unserer Gegenden umher Heiden waren, sollen auf sieben der höchsten Berge des Landes, nämlich auf dem Hohen oder Großen Stiefel, auf der Gemarkung von Ensheim, auf dem Roten oder Schafskopfe, dem ersteren gegenüber, auf der Gemarkung von St. Ingbert, auf dem Berge, worauf das fürstliche nassauische Jagdschloß Neuhaus lag, auf dem Hölsberge bei Biesingen, auf dem Höcherberge bei Neun-kirchen und noch auf zwei anderen nicht mehr bekannten Punkten sieben christliche Ritter gewohnt und unter sich, gegen die feindlichen Angriffe und Überfälle der Heiden, ein Bündnis zu Schutz und Trutz gemacht haben. Auf den hohen Warten ihrer Burgen sollen sie lange Stangen aufge-stellt, an dieselben große Pechkränze befestigt und dieselben zur Zeit der Not angezündet haben, um die Verbündeten so zur Hilfe herbeizurufen.

Die Sage nennt als damaligen Herrn des Stiefeler Schlosses den Ritter Heim. Dieser Ritter soll sehr reich und nament-lich Eigentümer aller Ortschaften der ganzen Umgegend gewesen sein, deren Namen nach seinem Namen sich auf „heim“ endigen, wie Ensheim, Bischmisheim, Ommers-heim, Ormesheim, Bebelsheim und andere mehr. Einer seiner Verbündeten habe Weiler geheißen und sei Herr aller Ortschaften gewesen, deren Namen auf „weiler“ ausgehen. Ritter Heim, heißt es weiter, habe eine Tochter gehabt, welche aus innerem Antriebe sich mit Erlaubnis ihrer Eltern in das damals schon bestehende Kloster oder Stift St. Arnual habe aufnehmen lassen, aber nicht lange danach gestorben sei und auch in der Stiftskirche begraben liege.


Abb. 12: Karte des Ensheimer Bannes 1751

Nach dem Absterben seiner Tochter sei auch der Ritter bald gestorben und habe seine Frau allein auf dem Hohen Stiefel zurückgelassen. Nicht lange soll sie aber daselbst nach ihres Gemahles und Kindes Tod mehr geweilt, sondern alsbald ihre Leute abgeschafft haben und nach Saarbrücken zum Grafen Weilburg gezogen sein, um bei diesem den Rest ihrer Tage zu verleben; doch habe sie auch hier die ersehnte Ruhe nicht gefunden und sei nach Verlauf eines Jahres ebenfalls in das Kloster St. Arnual getreten. Als aber auch sie nach mehreren Jahren sich ihrem Ende nahe gefühlt, habe sie den Bischof von Bischofs- oder Bischmisheim zu sich an ihr Sterbelager bescheiden lassen, um demselben ihren letzten Willen zu verkünden.

Dieser sei alsbald angekommen, habe das Testament der Gräfin eigenhändig niedergeschrieben und bei sich ver-wahrt, worauf letztere endlich ebenfalls gestorben und neben ihrer Tochter begraben worden sei.

Diesem Testamente habe das Stift St. Arnual seine ur-sprünglichen großen Reichtümer zu verdanken. Der Graf Weilburg habe den Großen und Kleinen Stiefel auf der Gemarkung der Gemeinde Ensheim, diese Gemeinde aber alle auf ihrer Gemarkung liegenden Waldungen, mit Aus-nahme der beiden erstgenannten Distrikte, und die Ge-meinde Bischofsheim, den Grumbacher Hang, den Hoch-wald und noch mehrere andere auf ihrem Banne liegende Waldungen und außerdem noch schöne Weidgerechtig-keiten in einem großen Theile der Ensheimer Waldungen erhalten. Wirklich übte auch die Gemeinde Bischmisheim solche Gerechtigkeiten auf dem Banne Ensheim aus.[100] – Von diesem Testamente erzählt die Sage ferner: Als in spätern Zeiten die Reformation Eingang gefunden, habe der Bischof von Bischofsheim flüchten und in der Eile alle seine Papiere zurücklassen müssen, weil man ihm nach dem Leben getrachtet habe. – Nicht lange nachher habe sich eine Gelegenheit ergeben, wo die besagte Ge-meinde von diesem Testamente Gebrauch habe machen müssen.

Der damalige Graf von Saarbrücken, welcher nicht habe begreifen können, wie es gekommen, daß eine Bauern-gemeinde so schöne Waldungen besitze, habe die Gemeinde Bischmisheim in ihren Rechten angefochten, dieselben auf jede nur denkliche Weise geschmälert und unter allerlei nichtigen Vorwänden derselben ein Stück Wald um das andere entrissen. Dagegen habe Bischmisheim protestiert und es endlich vor dem Reichskammergericht zu Speyer zum Prozeß kommen lassen, der aber durch die Sachwalter des Grafen immer in die Länge gezogen worden, bis endlich die Stadt Speyer gegen Ende des 17. Jahrhunderts abge-brannt sei, wobei mit dem größten Teile des reichs-kammerlichen Archivs auch das von der Gemeinde Bisch-misheim produzierte Testament nebst anderen Beweis-stücken vernichtet worden sei. Die Gemeinde habe hierauf zu Wetzlar ihren Prozeß verloren.

Als der Abt des Klosters Wadgassen, unter welchem die Propstei Ensheim stand, dieses gesehen, habe er das nämliche Spiel mit der Gemeinde Ensheim getrieben und derselben zu Wetzlar einen Prozeß an den Hals geworfen, den dieselbe in den wesentlichen Punkten wegen Mangels an schriftlichen Beweisen gleichfalls verloren habe. So sei dieser Gemeinde nach der Hand der Kleine Stiefel[101], den sie sich früher erworben hatte, vom Kloster wieder entrissen und an den Fürsten zu Saarbrücken verhandelt worden, und ebenso auch die anderen durch das Testament erhaltenen Waldungen.

In Wirklichkeit war denn auch die Gemeinde Ensheim mit dem Staate noch vor einigen Jahren (c. 1840) in einem Rechtstreit befangen, welcher schon vor länger als hundert Jahren angefangen, aber zu keinem Ende geführt worden war. Als jedoch in neuerer Zeit der Gegenstand des Pro-zesses geteilt wurde, gewann die Gemeinde Ensheim den Prozeß gegen den Staat und damit ein Grundstück von fast tausend Nürnberger Morgen Landes.

 


25.                    
Das Schlossfräulein vom Großen Stiefel[102]

Im Schloßgarten der ehemaligen Burg auf dem großen Stiefel (bei Ensheim) zeigt sich bisweilen das „Schloß-fräulein“, die fromme Tochter des guten Ritters Heim, des Gründers der Burg und des Wohlthäters der ganzen Um-gegend, der wie König Dagobert unter ähnlichen Verhält-nissen von seinen Bauern einmal gerettet worden. Wenn phantastisch geformte Nebel über den Berg hinziehen, heißt es: das Schloßfräulein suche ihre Rosen. Von ihrem glück-bringenden Walten folgende Sage.

In den Weiler Sengscheidt (Ensheimer Gemarkung)[103] kam vor Zeiten ein vornehmer Fremder, sein zweijähriges Töchterlein in den Mantel gehüllt, und fand freundliche Herberge bei den redlichen Leuten, wo er auch sein Leben verbrachte. Der Hirte des Dorfes war dem Kinde besonders zugethan. Am Tage vor Weihnachten sah er im Schloß-garten oben einen wundervoll blühenden Rosenstrauch, er brach einige Rosen, schenkte sie dem Kinde, das wand sich ein Kränzlein daraus, und bewahrte dieses als ein Glück-zeichen von der Schloßjungfrau in ihrem Kasten. Das Kind erwuchs zur holdseligsten Jungfrau und ward die ersehnte Braut des Grafen von Saarbrücken. Am Hochzeitstage holte sie ihre Rosen hervor, und sieh – es war ein Kranz von lauter Gold und Edelgestein.

’S Schlossfroolein vumm Grooße Schdiwwel

(...) Voor longe Zidde isch e fäina awwa frimmda Monn noh Sengschd, eme klääne Derfche uffem Ensemma Bonn, kumm unn hadd e Dechdache debäigehaad, zwei Johr ald unn in e Monndel inngewiggeld. Ehrliche Lied honnse uff-genomm, unn er hadd sinn gonses Lääwe bäi dänne va-brung. De Dorfhird hadds besunnaschd meddem Kennd gehaad. Omm Daa voor Greschdaa halla owwe im Schloß-gaade e Rose|schdogg gesiehn, däär wo wunnavoll gebliehd hadd. Er hadd e baa Rose abgebroch unn hadd se dämm Kennd gänn. Dassäll hadd sich e Gränsje druss gemach unn hadd dass wie e Talismonn vunn da Schloßjungfrau in sinnem Kaschde medda Ussschdier uffgehaab. Uss dämm Kennd isch e wunnascheenes Minsch woor unn zumm gulle Schluss isch’s die Brudd vumm Graf vunn Saabrigge woor. Omm Hochziddsdaa hadds sinne Rose erussgeholl unn – oläggs in da Kabb – jeddsde waa’s e Grons uss ludda Gold unn Edelschdään.

 


26.                    
Der Schloßgarten auf dem großen Stiefel[104]

Die Burg auf dem „Großen Stiefel“ bei St. Ingbert war längst schon zerfallen und wildes Gestrüpp wucherte in dem ehemaligen Schloßgarten. Da kam ein Mädchen aus einer nahen Ortschaft an die Halden des Berges um würzige Waldbeeren für die Mutter zu suchen, die krank und siech daheim in der ärmlichen Hütte lag.

Trotz aller Mühe konnte das Kind, das immer weiter den Berg emporstieg, nichts finden. Als es die Höhe erreichte, sah es mit Staunen in der Nähe des Schlosses statt niedrigen Gesträuches einen herrlichen Garten mit Blumen und Früchten. Seine Verwunderung wuchs noch mehr, als sich eine stattliche Frauengestalt in prächtigem Gewande näherte. Die Erscheinung winkte der Kleinen, die zögernd und furchtsam in den Garten folgte. Dort wurde ihr be-deutet, das Körbchen mit den schönsten und würzigsten Beeren zu füllen. Rasch pflückten die kleinen Hände und bald hatte das Mädchen genug. Dann aber brach die Dame die herrlichsten Rosen ab und gab sie dem Kinde in die Schürze, bis diese nichts mehr fassen konnte. Hierauf gebot sie dem Mädchen alles der Mutter zu bringen.

Die Beschenkte stammelte ihren Dank und trat eilend den Heimweg an. Erfreut empfing die Mutter ihren Liebling; sie hatte sich schon sehr um ihn gesorgt und gefürchtet, es möchte ihm im wilden Forst ein Leid begegnet sein. Wie erstaunte sie aber, als das Kind seine Gaben vor ihr ausbreitete und sein Erlebnis erzählte.

Die Mutter aß von den saftigen Beeren und fühlte sich sofort erfrischt und von neuem Leben beseelt. Mit den Rosen schmückten beide die ärmliche Stube. Als sie aber am Morgen erwachten, die Mutter vollkommen gesund, da hatten sich in der Nacht die Rosen in eitel Gold verwandelt. Die Beglückten eilten auf den Berg, um der gütigen Spenderin zu danken. Der schöne Garten jedoch mit seinen Beeren- und Blumenbeeten war verschwunden und an seiner Stelle wucherten wieder wilde Hecken.

Glück und Segen zogen mit den Gaben der gütigen Fee in das Häuschen der Armen ein. Das Mädchen erblühte zur lieblichen Jungfrau, deren Schönheit weithin bekannt wurde. Ein Ritter der Umgegend führte sie als Burgfrau auf sein Schloß; aber nie erfüllte Hochmut ihre Seele.

De Schlossgaade uffem Grooße Schdiwwel

Die Burch uffem Grooße Schdiwwel bäi Dingmadd waa schunn längschd vafall unn de frieharre Schlossgaade waa gons vawood. Doo isch e Mähle ussem Derfche näggschd debäi zumm Schdiwwel kumm, fa im Wald wirdsiche Ärdbeere fa die Momme se suuche, die wo dehämm dood-schdärwensgrongk in da aamseelich Hidd gelää hadd.

Dass Kennd hadd gesuuchd wie bleed unn isch imma widdschda de Bärch enuffgegrawweld, awwa ’s hadd ään-fach niggs gefunn. Alses donn owwe uff die Heh kumm isch, hadds medd grooße Aue gons näggschd bäim Schloss oonschdadd Uungrudd unn Geschdribb e härrlicha Gaade medd Blumme unn Beere gesiehn. ’S waa noch meh vawunnadd, als e scheenes Wäibsminsch medd wunna-scheene Klääla uffs zuu kumm isch. Dass Minsch hadd dämm klääne Mädelche gewungk, unn ääs isch iehr longsomm unn medd e bissje Mores in de Gaade nohgelaaf. Donn haddem die Frau gesaad, dasses sich die schennschde unn wirdsichschde Beere bräche unn sich sinn Kerbche ruich vollmache kinnd. Dabba honn die klääne Hänn die Beere gebroch, unn schunn ball hadd dass Mähle genungk devoon gehaad. Donn hadd dass fäine Minsch die wunna-schennschde Rose abgebroch unn haddse dämm Mähle ins Schirdsje geleed, soviel, biss kämmeh eninngong sinn. Donn hadd ääs dämm Kennd gesaad, ’s solld alles sinna Momme hämmbringe.

Dass Mähle hadd sich grusslich bedongkd, hadd awwa kumm Worde gefunn unn isch dabba hämm bäi die Momme. Die hadd sich gefräid, dass iehr Schäddsje willa doo waa; sie hadd sich schunn Gedongge gemach gehaad unn hadd Ongschd gehaad, dassem im diefe Wald äbbes bassierd wär. Awwa wass haddse fa große Aue gemach, als dass Kennd all dass Dinges voora ussgebrääd hadd, wasses vunn däär fäin Frau gridd hadd, unn vazehld hadd, wasses im Wald alles erlääbd hadd.

Die Momme hadd vunn dänne safdiche Beere gäss unn hadd sich uff emool aarich bessa gefiehld unn hadd willa Lääwe in sich gridd. Medd dänne Rose honnse allezwei iehr aamseelich Schdubb va|schennadd. Wie se awwa omm Morje denoh wach woor sinn, waa die Momme willa gons uff da Heh – unn die Rose honn sich unna da Naachd in richdiches Gold vawonneld. Die zwei Minscha, die so rich beschänggd woor sinn, sinn donn dabba uff de Schdiwwel gelaaf, um däär giwwegäwwich Madomm deggmools märsi se soon. Awwa däär scheene Gaade medd sinne Beere- unn Blumme|länncha waa veschwunn unn onn sinnem Plädds sinn willa wilde Hegge gewuchadd.

Medd dänne Gaawe vunn da giwwegäwwich Frau isches Gligg ins Hissje vunn dänne aame Lied inngezoo. Ussem Mähle isch noh unn noh e wunna|scheenes Minsch woor, unn ma hadd wie widd drumrum devoon vazehld, wass dass fa e scheenes Mähle wär. E Ridda uss da Umgeechend hadds donn gehäijeraad unn als Burchfrau medd uff sinn Schloss geholl, awwa nie im Lääwe hadd’s vagäss, wo’s häärkumm isch.


27.                    
Die vergessene Schlüsselblume[105]

Vor langen Zeiten stand auf dem Großen Stiefel bei St. Ingbert ein prächtiges Schloß und nach seiner Zerstörung sah man noch die Ruinen davon aus dem Boden. Ins-besondere schauten die Umwohner oft nach dem Türlein, das in ein Gewölbe führte und stets verschlossen war. Gar viel wurde von ihm erzählt, daß es einen Raum hinter sich berge, der ganz mit Reichtum und Pracht angefüllt sei.

Da war einmal ein armer Schäfer, der fand einst am Abhange des Berges eine Schlüsselblume von lauterem Golde. Gleich dachte er an das Türlein, brach die Blume und eilte zur alten Pforte. Er öffnete sie und trat ein. Wie staunte er, als er in einem großen, hellerleuchteten Saale stand, in dem unermeßliche Reichtümer angehäuft waren. Den biedern Schäfer packte die Habsucht und er stopfte sich die Taschen voll. Bei seiner Rückkehr aber vergaß er den Schlüssel und merkte das erst, als er im Freien war. Rasch will er zurück; da braust es wie ein Sturmwind aus dem Berge, donnernd schließt sich die Pforte und schlägt noch dem Schäfer den Absatz des Schuhes weg. Dennoch eilt der schwer Beladene freudig heim zu den Seinen. Als er aber nachschaut, hat er nur Steine in den Taschen.


28.                    
Die gelben Schlüsselblumen[106]

Am Südabhange des Großen Stiefel bei St. Ingbert, unter-halb der spärlichen Schloßruine, wächst sehr zahlreich die Waldschlüsselblume. Früher als an anderen Orten öffnen sich dort ihre gelben Blüten.

Vor langen, langen Jahren an einem Vorfrühlingstage, als noch der Schnee ringsum in den Rinnen und Schluchten der Berge lag, erging sich hier eine Jungfrau. Kummer und Leid bedrückten ihre Seele; denn ihr Bräutigam, ein flotter Jägersmann, hatte sie verlassen, weil es ihr an irdischem Gute fehlte, und dafür eine reiche Bauerntochter gefreit. Die Arme besaß nicht Vater und Mutter, nicht Bruder und Schwester, denen sie ihre Not klagen und bei denen sie Trost finden konnte. In der stillen Einsamkeit des Waldes weinte sie sich aus.

Da fiel ihr Blick auf die gelben Schlüsselblumen. Sie pflückte eine Blüte und wollte gehen. Doch der Blumenflor ließ sie nicht mehr los; sie nahm immer weiter und weiter davon und immer mehr vergaß sie Kummer und Leid. Es war schon Abend, als sie mit einem mächtigen Strauße in ihrem Hüttlein ankam. Müde begab sie sich zur Ruhe, indem sie ihre Seele Gott und seinen heiligen Engeln befahl.

Am andern Morgen war ihr erstes nach den Blumen zu sehen. Doch was sollte sie erblicken? Alle die gelben Blütensterne hatten sich in der Nacht in pures, blinkendes Gold verwandelt. Das Wunder sprach sich bald herum, so geheim sie es auch hielt; doch jedermann gönnte der Braven ihr Glück.

Sie zog später nach der nahen Stadt, wo sie die Frau eines angesehenen Bürgers wurde und mit ihrem Reichtum viel Gutes stiftete. Der ungetreue Jäger aber hatte das erlangte Vermögen verpraßt und fand einen bösen Tod im Walde.

Jedes Jahr pflücken seitdem junge und alte Menschenkinder von den schönen Schlüsselblumen am „Stiefel“; allein das Wunder, das dazumal geschah, hat sich nicht wiederholt.


29.                    
Der Elfentanzplatz auf dem Stiefel[107]

Von der eigenartigen Felsbildung des Riesentisches auf dem Stiefel, also einer großen Steinplatte, die auf einem Fels-klotz schwebt, erzählt man sich die liebliche Sage, daß unsere Vorfahren darauf einst Elfen tanzen sahen. Und auch heute noch sollen sie in Mondnächten dafür empfänglichen Augen sichtbar sein.


30.                    
Der Raubritter auf dem Stiefeler Schloss[108]

Als das Schloß auf dem Stiefel zerfallen war, kam eines Tages ein fremder Ritter mit seinen Mannen in diese Gegend, stellte die Burg wieder her und machte sie zu seinem Wohnsitze. Man wußte nicht mehr, woher er kam, nur, daß er Reppert heiße, war bald bekannt. Das Volk aber nannte ihn wegen der viele Überfälle und Räubereien, mit denen er die ganze Gegend unsicher machte, den „Schnapp-hahn“.[109]

In einem engen, fast finsteren Tälchen, von Ausläufern des Stiefels gebildet, stand eine von den Untergebenen des Ritters betriebene Waffenschmiede und die sogenannte Brudermühle[110]. Heute liegt dort das Dorf Rentrisch[111]. Hier lauerte der Raubritter den vorüberziehenden Reisenden auf. Weit und breit war diese Stelle gefürchtet und mancher Reisende mußte unfreiwillig ins Burgverließ des Raub-schlosses wandern. Lange machte Reppert durch sein Un-wesen die ganze Gegend unsicher.

Doch sollte ihn auf einmal das Schicksal ereilen. Einst hatte er eine Jungfrau aus dem Dorfe Scheidt geraubt und hielt sie auf seinem Schlosse gefangen. Da ward er plötzlich von einer bösen Krankheit befallen und da das böse Gewissen ihn peinigte, so fürchtete er überall Gift und Verrat. Niemand durfte weder ein- noch ausgelassen werden. Bei Nacht verwahrte er die Burgschlüssel unter seinem Haupte. Von Arzneien wollte er, aus Furcht vergiftet zu werden, nichts wissen. Die Gefangene bat ihn, nach Saarbrücken zu einem Heilkünstler gehen zu dürfen, um einen Heiltrunk für ihn bereiten zu lassen. Anfangs wollte er darauf nicht eingehen, als aber nach zunehmender Krankheit keine andere Wahl mehr blieb, ließ er sie gehen. In Saarbrücken bereitete man einen Schlaftrunk für denselben und als er bei ihrer Rückkehr gierig zwei Flaschen davon leerte, schlief er so fest ein, daß der lauteste Trompetenschall ihn nicht aufgeweckt haben würde. Draußen aber harrten schon die Kriegsknechte und auf das verabredete Zeichen drangen diese in das Schloß und knebelten den schlafenden Ritter und brachten ihn nach Saarbrücken. Als er in der frischen Luft erwachte, erkannte er, daß er ein verlorener Mann sei. Im Triumphe führte man ihn durch die Stadt, wo er bald durch das Henkerbeil vom Leben zum Tod befördert wurde. Die Burg aber wurde zerstört und liegt seitdem in Trüm-mern.

De Raubridda uffem Schdiwwela Schloss

Als dass Schloss uffem Schdiwwel vafall waa, isch äänes Daas e frimmda Ridda medd sinne Männa in die Geechend kumm, hadd die Burch willa in die Räih gemach unn isch denoh doo woohne geblieb. Ma hadd nimmeh gewissd, woa häärkumm isch, nurrem dassa gähng Reppert hääsche, dass hadd ma schunn ball vazehld. Awwa die Lied honn Schnabbhohn zuu em gesaad, wälla medd sinne viele Iwwa-fäll unn Räiwaräije die gons Geechend uunsicha gemach hadd.

Inneme winnich brääle, fasch duschdarre Däälche bäim Schdiwwel hadd e Waffeschmidd geschdonn, die vumm Ridda sinne Unnadoone betrieb woor isch, unn die, wie ma sellmools gesaad hadd, Bruulamiehl. Häidsedaas läid doo ’s Derfche Rentrisch. Onn dämm Plädds hadd däär Raubridda imma dänne Lied uffgeluurd, die wo doo voorbäikumm sinn. Im gonse Umgrääs hadd ma sich voor sällichem Plädds gefärchd unn so monnicha Monn, däär doo longsgerääsd isch, isch in de Bolles vunn da Burch gewonnadd, noodierlich gähng sinn Wille. De Rebbadd hadd durch sinne Däiweleräie die gons Umgeechend uunsicha gemach.

Doch donn hadd ne doch noch sinn Schiggsal getroff. Voor Johre halla e junges Minsch uss Schääd gefong unn uff sinnem Schloss inngeschbärrd. Uff äämool ischa gons bees krongk woor, unn wällne sinn schlächdes Gewisse aarich gepinnichd hadd, halla imma Ongschd gehaad, ma kinnd ne vagifde olla varoole. Nimmond isch erinngelass woor unn aa nimmond enuss. Iwwa Naachd halla die Burchschlissele unna sinnem Deeds vaschdeggeld. Vunn Middelcha gähng sinn Gronggedd wollda gaa niggs wisse, voor ludda Ongschd, ma gähng ne vagifde. Dass Minsch, dass imma noch inngeschbärrd waa, hadd ne gefrood, ob’s nidd noh Saabrigge zuume Brucha gehn dirfd, fa e Häälmiddelche forne mache se lonn. Omm Oonfong wollda nidd druff inngehn, awwa nohde ischa imma meh grongk woor, donn halla känn onnarra Usswää meh gehaad unn hadd’s gehn gelass.

In Saabrigge hadd ma donn e Schloofdrungk fa dänne Ridda sesommegemischd unn alsa doodevoon zwei Buddele guurich gesoff hadd, wie ’s willa doo waa, ischa so feschd inngeschloof, dass ma gons haad hädd täädarre kinne, däär wäär nidd wach woor. Druss honn schunn die Lonns-gnächde gewaad unn wie se’s Zeiche gridd honn fa de Oongriff, donn sinnse ins Schloss eninn unn honn de Ridda, däär immer noch geschloof(d) hadd, gegnewweld unn donn noh Saabrigge geschaffd. Alsa druss onn da frisch Lufd willa zuu sich kumm isch, halla aachd gedoon, dassa jeddse e valoorena Monn waa. Ma hadd ne durch die gons Schdadd gefiehrd unn sich grusslich meddem gekääsd, unn kurds denoh hadd ma’m de Kobb abgeschlaa. Die Burch hadd ma kabudd gemach und zindadämm sinn nurre noch e baa alde Muure iwwarich blieb.


31.                    
Der Däiwel als Wildsau[112]

Ae Bouer ous’m Gau is emol mit ’me Waan voll Kohle de Staffel eruff gefahr. Säi Buw hat om Waan gehukt, er selwer is näweher gang. Ach, war daß ’n aaremselig Fahreräi! Wo heecher als se enoff komm sin, wo raulicher als ’s gang hat un mitsderlätscht wollts ball gar nimmeh gehn. Do fangt der Bouer aan se fluche: „Ae Himmelheiligkreizmilljoone-dunnerkäil soll so e Gefehrts verschlaon. Do sidd m’rsch widder

Bergenunner helfe all Heilige drigge,

 Bergenoffer awwer kä Däiwel!

Das lätscht Wort war noch nit se gudds ous’m Moul gewään, do rouschts in de Hecke, ä pechschwarzi Riese-wildsou springt erous, schießt unner de Waon un is wie’s Gewidder mit dämm vaschwunn. Wammer dänne Bouer sällemols gestoch hätt, hätt’r nit geblut, so verschrock warer. Awwer männen’r, er hätt sich gänn? Nitt om’s Verrecke! Päär on Waan sin fleede, hat’r gedenkt. On der Buw? – „Ganz egal“, saad’r. „Hat der Däiwel die Fuhr geholl, kann’r aach de Bowwe holle!“

Wie’r jetzde off die Ääwening (Ebene) komm is, ei!, do steht die Fuhr als wann nix passiert wär on säi Buowwe kaut seelevergniegt ann’re Bodderschmeer.

Säit der Zäit hat der Bouer ’m Däiwel kä Vorwirf meh gemacht. Awwer jedesmol, wanner die Geschicht vonn der Wildsau verzehlt hat, hat’r zumm Schluß immer gesaad: „Siehnersch, ihr Läit, der Däiwel is nit so schwarz als wie m’rne an die Wand moolt!“

De Däiwel als Willsou

E Buur ussem Gau isch emool meddem Woon voll Kohle de Schdaffel eruff gefahr. Sinn Buub hadd uffem Woon gehuggd, äär sälwa isch nääwehäär gong. Ach, waa dass e aamseelich Fahreräi! Je heecha se enuffkumm sinn, umso roulicha isch’s gong unn medda längkd wolld’s ball gaa nimmeh gehn. Doo hadd däär Buur oongefong se schille: „E Himmelhäälichgriddsmilljoonedunnakääl soll so e Woon vaschloon! Doo sidd ma’s doch willa

Bärchenunna hälfe all Hääliche drigge,

bärchenuff awwa känn Däiwel.“

’S leddschde Word waa noch nidd se gudds ussem Mull gewään, doo raschelds in da Hegg, e pächschwardsi Willsou schbringd eruss, schießd unna de Woon unn isch wie’s Gewidda medd dämmsäll vaschwunn. Wämma dänne Buur sällmools geschdoch hädd, hälla nidd gebluud, so vaschrogg waara. Awwa männena, er hädd sich gänn? Nidd um’s Varegge! Päär unn Woon sinn furd, halla gedänggd. Unn de Buub? – „Gons egal“, halla gesaad. „Hadd de Däiwel die Fuhr geholl, konna aa de Buub holle!“[113]

Wiea donn uff die Ääwing kumm isch, ei, doo schdedd die Fuhr als wonn niggs bassierd wär unn sinn Buub dudd medd Plässier e Budda|schmeer womsche.

Zindadämm hadd däär Buur em Däiwel känn Voorwirf meh gemach. Awwa jeelesmool, wonna die Geschichd vunn der Willsou vazehld hadd, halla omm Änn imma gesaad: „Sinna, iehr Lied, de Däiwel isch nidd so schwaads als wie ma ne onn die Wonnd moole dudd!“


32.                    
Herr Rapp und seine Frau[114]

In dem stimmungsvoll „In der Seng“ in einer niedern Felswand und in eine Nische darin eingehauenen Zwei-götterbild eines seitlichen Waldtales vor Sengscheidt, das man ehemals auch „Im Sengelter“ nannte und das sich gegenüber des Sagenberges vom Stiefel auf seiner Rück-seite, also noch in einem Seitental des so lieblichen Grum-bachtales befindet, will das Volk „Herrn Rapp und seine Frau“ oder „Hänsel und Gretel“ erkennen und benennt es mit diesem Namen.

Ehemals trug es am Kopf auch die Buchstaben IR und die Jahreszahl 1711 eingehauen, was heute [1955; PG] voll-kommen ausgewittert ist. Im späten 18. Jahrhundert aber benannte man dies keltische Heiligtum, mit Bezug auf den hier in dieser Gegend und um Ensheim so begüterten Abt von Wadgassen, den Abtsfelsen....


 

Abb. 13: „Hänsel und Gretel“[115] (2001)


33.                    
Das gespenstige Pferd ohne Kopf[116]

In der Hirtenwiese, einem Waldwiesentälchen zwischen Rentrisch und Sengscheidt, zeigt sich in manchen Nächten das unheimliche „Pferd ohne Kopf“. Meistens läßt es den Wanderer unbehelligt seines Weges ziehen, besonders wenn es allein ist. Sind aber mehrere oder gar viele solcher Pferde beisammen, was auch vorkommt, dann stellen sie sich dem Wanderer in den Weg, ja sie versperren ihm direkt den Durchgang. So mußte z. B. ein Bauer aus Sengscheidt – der „alt Kruwwel selig“ war’s - , als er wieder einmal nachts auf dem Heimweg von Rentrisch an die Hirtenwiese kam, einfach wieder umkehren, denn die Pferde ließen ihn nicht durch. Großjokobs Jakob hat ihn dann mit der Laterne ohne Anstoß bis ans Sengscheidter Feld gebracht.

’S Pärrd oohne Kobb

In da Hirdewies, eme Wiesedäälche im Wald zwische Rentrisch und Sengschd, sidd ma in monniche Nächd ’s uunhäämliche „Pärrd oohne Kobb“. Mänschdens lissd’s die Wonnarra in Ruuh unn äänfach widdschdagehn, besun-naschd wänn’s ellään isch. Wänn awwa meh olla sogaa e Huffe vunn dänne Päär sesomme sinn, wass aa voorkimmd, donn schdelle die sich em Wonnarra in de Wää unn dunnem diräggd de Durchgong vaschbärre. So haddemool e Buur uss Sengschd – de ald Kruwwel seelich – willa rumwänne misse, alsa naachds uffem Hämmwää vunn Rentrisch onn die Hirdewies kumm isch, wäll die Päär honne nidd durchgelass. Großjokobs Jääb hadd ne donn medda Schdall-lonnda biss onns Sengschda Fäld gebrung.


34.                    
Die Krimhildespill[117]

Unterhalb des Stiefels bei Scheidt und in Rentrisch ragt an uralter Straße der mit dem geheimnisvollen Namen aus Nibelungenzeiten begabte Krimhildespill oder auch im 16., 17. und 18. Jahrhundert wohl „Grimolde Pfeil“ genannte Stein auf. Das ist eine viereckige Spitzsäule aus keltischer Zeit, die etwa fünf Meter über die Erde und ungefähr ebenso tief in dieselbe reicht und deren Alter man wie das des Gollensteins ob Blieskastel, auf 4000 Jahre schätzt. (...)

Abb. 14: Der Spellenstein in Rentrisch[118]

Dieser von so manchen Geheimnissen umwitterte Spillen-stein[119] soll dann eben der Sage nach dem auf dem großen Stiefel hausenden Riesen Kreuzmann als Wetzstein gedient haben, wenn er seine Schwerter schliff oder seine Messer schärfte, mit denen er seine Menschenopfer auf dem „Riesentisch“, jener eigenartigen Felsenbildung auf dem Gipfel seines Berges schlachten wollte. Auch erzählt man, daß er ihn einmal in Wut vor seinen Verfolgern und vor seinem jähen Ende vom Stiefel ihnen nach zu Tal geworfen habe, wobei er sich hier in Rentrisch dann erst in die Erde eingebohrt habe...


35.                    
Der Spuk in der Schnapphahner-Dell[120]

Frauen aus Rentrisch scharrten einmal Laub im Walde und gingen dann, die gefüllten Laubtücher auf dem Kopfe, durch die Schnapphahner-Dell wieder dem Dorfe zu. Da „trabbte“ es hinter ihnen, wie wenn jemand raschen Schrittes nachkäme. Sie blieben stehen und sahen sich um, aber kein Mensch war weit und breit. Als sich dasselbe Spiel noch ein paarmal wiederholte, bekamen sie es mit der Angst zu tun und liefen schreiend auf die St. Ingberter Straße hinunter. Die Alten daheim aber meinten, das käme öfter vor, das wäre der Schnapphahn gewesen.

Die Gääschda in da Schnabbhohnedell

Wäibslied uss Rentrisch honn emool Laab im Wald geschärrd unn sinn donn medd de gefillde Laabdiecha uffem Kobb durch die Schnabbhohne-Dell willa in Richdung Dorf gong. Doo hadd sich’s hennane oongehorchd, wie wonn jemond iehne dabba hennahäär gähng laafe. Sie sinn schdehn geblieb unn honn sich umgeluud, awwa ’s waa nimmond doo widd unn brääd. Als dass Schbielche noch e baamool abgelaaf isch, honnse sich gefärchd unn sinn medd aarich Geplärr uff die Dingmadda Schdrooß gerännd. Dehämm die Alde honn gemännd, dass gähng degga voor-kumme, dass wär de Schnabbhohn gewään.


36.                    
Der nächtliche Ackerer bei Ponsheim[121]

Geht man von Eschringen nach Ormesheim, so hat man rechter Hand einen ziemlichen Hang. Leute aus Eschringen, die zu später Nachtstunde von Ormesheim zurückkamen, sahen an diesem Hang einen großen Mann zackern (pflügen). Mit lautem Hoo und Hüh und mit gräßlichem Fluchen[122] trieb er seine Pferde an. Ein Mann, der mit dem Pastor von Ensheim des Weges ging, sah auch den Spuk und wie die Pferde sich aufbäumten und trotz Fluchen und Hott und Hüh nicht von der Stelle kamen. Er sagte zu dem Pfarrer: „Dem da droben müßte man doch helfen, sonst kommt er gar nicht mehr vom Fleck.“ Doch der Pfarrer antwortete: „Laß den nur seine Arbeit allein schaffen. Dem kann keiner mehr helfen.“[123]

De Zaggarra bäi Punsemm

Gedd ma vunn Eschringe noh Ormese, donn isch rächda-honnd e zimmlicha Hong. Lied, die schbääd in da Naachd vunn Eschringe noh Ormese serigggong sinn, honn onn sällichem Hong e grooßa Monn zaggarre gesiehn. Medd laudem Hodd unn Hieh unn medd gräßliche Fliech halla sinne Päär oongedrieb. E Monn, däär meddem Paschdoor vunn Ensemm doo longs gong isch, hadd aa dänne Gääschd gesiehn unn hadd aa meddgridd, wie die Päär geschoud honn unn trodds em Fluuche unnem Hott unn Hieh nidd vumm Plädds kumm sinn. Er hadd donn zumm Paschdoor gesaad: „Dämm doo drowwe mißdma doch hälfe, sunschd kimmd däär gaa nimmeh vumm Plädds!“ Awwa de Pasch-door hadd nurre gemännd:“ Lass dänne nurre sinn Ärwedd ellään schaffe. Dämm konn känna meh hälfe!“


37.                    
Die weiße Katze bei Eschringen[124]

Am Südwestausgang des Dorfes Eschringen, dort, wo heute der Straßenbahnhof[125] steht, ist ein steinernes Brückchen, das über den sogenannten Kimbach führt. Da war es in alter Zeit auch nicht geheuer. Allerlei Spukgetier soll sich dort herumgetrieben haben. Eine Frau von Eschringen, die noch lebt, erzählte, daß sie zur Nachtzeit dort vorbeikam. Als sie über die Brücke wollte, stand eine große weiße Katze vor ihr. Die Katze war so groß wie ein Tisch. Die Katze ließ sie nicht weitergehen und als sie sich umwandte, um zurück-zugehen, stand die Katze wieder vor ihr. Sie mochte sich drehen, wohin sie wollte, immer stand die riesige Katze vor ihr. Das dauerte an die drei Stunden, bis die Katze ver-schwand.

Die wiss Kadds vunn Eschringe

Omm siedweschdliche Ussgong vunn Eschringe, doo, wo häid ’s Debbo schdedd, isch e Briggelche uss Schdään, dass iwwa die Kimbach gedd. Doo waa’s ääm frieha aa nidd imma gons äänaduuns. E Huffe Gääschda soll sich doo naachds erumgetrieb honn. E Wäibsminsch uss Eschringe, dass noch omm Lääwe isch, hadd vazehld, dasses doo mool naachds voorbäikumm isch. Alses iwwa die Brigg wolld, hädd e grooßi wissi Kadds voorem geschdonn, so grooß wie e Disch. Die Kadds hädd’s nidd widdschdagehn gelass unn wie ääs sich umgewännd hädd, fa seriggsegehn, hädd die Kadds schunn willa voorem geschdonn. Ääs hädd sich drääe unn wänne kinne, grad wie’s gewilld hadd – imma hädd die Mordskadds voorem geschdonn. Dass hädd onn die dräi Schdunne geduurd, biss die Kadds willa furd gewään wär.


38.                    
Die Wasserjungfer von Eschringen[126]

Bei Eschringen in tiefer Waldeinsamkeit war ein grundloser Sumpf, Seerosen erblühten in Fülle. Des Schultheißen bild-schönen Sohn zog es häufig dahin. Er hatte von der geheim-nisvollen Wasserjungfer vernommen, welche tief unten wohne im kristallenen Palaste. Als er einmal wieder dort war, da regte sich eine der Seerosen, aus den Blättern des Kelches tauchte ein wunderholdes Wesen empor, halb Kind und halb Jungfrau, und winkte ihm verlangend entgegen. Er streckte die Arme nach ihr und versank mit ihr in die Tiefe. Groß war die Trauer im Dorfe. Des Jünglings Pflegevater, der Ritter Waldeck von Bos, kam mit seinem Hauskaplan, um durch dessen Beschwörungssegen den See zu ent-zaubern. Drauf ergriff der Ritter sein Schwert und hieb eine der schönsten Seerosen ab. Mit dem Schlage entströmte Blut dem abgehauenen Stengel und ertönte zugleich ein durchdringender übermenschlicher Schrei – die Wassernixe war todt.[127]

Die Wassaniggs vunn Eschringe

Bäi Eschringe gons dief im Wald waa e diefa Weiha gewään. Doo honn e woonvoll Seerose gebliehd. Em Birja-meischda sinn schamonnda Buub isch doo effdasch hien-gong. Er hadd gehärrd, doo wäär e Wassaniggs, die wo dief unne im Wassa gähng woohne. Alsa willa mool doo waa, doo hadd sich änni vunn dänne Seerose geribbeld, uss de Blella vumm Kelch isch e wunnascheenes Wese, halwa Kennd, halwa Jungfrau, erusskumm unn hadd dännesäll gons doordich gemach. Däär Buub hadd donn sinne Aame noh em ussgeschdreggd unn schunn ischa meddem unna-gong. Oh, wass honnse im Dorf getruurd! De Fleechbabbe vunn dämm Buub, de Ridda Waldeck vunn Bos, isch medd sinnem Husskabloon onn de Weiha kumm, um dänne See zu sääne unn doodurch dänne Zauwa uffsehewwe. De Ridda hadd donn sinn Schwärrd geholl unn hadd änni vunn de schennschde Seerose abgeschlaa. Meddem Schlaach isch uss dämm abgeschlaane Schdängel Bluud erussgelaaf unn zur sälb Zidd hadd ma jemond gons vamässe grische gehärrd, wie normaalawies känn Minsch grische dudd – die Wassaniggs waa dood.


39.                    
Die Blinde vom Lorenzenborn[128]

Bei Eschringen steht die St. Lorenzkapelle, in einer Nische hinter dem Altare bewahrte sie des Heiligen Bild. Unten bei der Mühle sprudelt der Lorenzenborn. Hier lebt vor Zeiten mit ihrer Enkelin eine alte Wittwe. Von dem übernächtigen Spinnen war die Arme fast erblindet. Einmal in später Mitternacht fand ein halberstarrtes altes Mütterlein bei ihr Herberge und Erquickung. Des Morgens bestrich die Fremde der Kranken die Augen und rieth ihr, sich siebenmal des Tages zu waschen mit frischem Wasser aus dem Born der Mühle. Die Großmutter genaß wie durch ein Wunder. Als eines Tages das Mägdlein mit dem Kruge wieder zum Brunnen gekommen, fuhr es erschrocken zurück: denn aus der Tiefe des Wassers schaute ein Antlitz sie an, so hold und so freundlich wie das eines Engels, und diese Erscheinung wiederholte sich ihr bei jedem Gang an den Brunnen. Man untersuchte den Quell und zog aus dem Schlamme heraus das Bild des hl. Laurentius und brachte es zur Kapelle. Der Brunnen war ein Heilwasser für vielerlei Leiden...[129]


40.                    
Das Silberglöcklein von Eschringen[130]

Die St. Lorenzkapelle war vor Zeiten ein herrliches Kirch-lein, der zierliche Thurm trug ein silbernes Glöcklein von wunderhellem, seltsam ergreifendem Klang. Da brach ein Krieg aus, des Heiligen Bild ward vom Feinde in’s Wasser geworfen, das Glöcklein vor dem verfolgenden Schwarme in die Tiefe des sumpfigen Baches versenkt, da wo der Finkelrechweg vorbeiführt. Der Sumpf ist verschwunden, und niemand weiß mehr die Stelle, wo man das Glöcklein hinabgesenkt hatte. Doch alljährlich in den Tagen des Maies, wenn zu Abend die Betglocken läuten und in der hl. Adventszeit hört man den Silberton seines Läutens wie aus weiter verlorener Ferne, und es gemahnt uns sein Klang wie ein Gruß aus längst verschollenen Tagen. Wohl haben sie oft nach dem Glöcklein gegraben, aber vergeblich. Ein alter Klosterbruder hat aber gesagt: Sobald in der Gemeinde des Dorfes die altererbte Zwietracht zu schwinden beginnt, hebt sich das Glöcklein um einige Fuß und wird endlich am Festtage allgemeiner Versöhnung auf der Oberfläche erscheinen.[131]


41.                    
Die verhexte Mühle in Eschringen[132]

Peter Bauer, Müller, und dessen Ehehälfte, wollen schon seit Jahren bemerkt haben, daß ihre Kühe verhext seien, weil die Milch von denselben sowenig Rahm, Butter und Käse gibt. Um diesem Umstande abzuhelfen - ohne der natürlichen Ursache nachzugehen - entschloss sich der Müller auf Zureden seiner Frau, seine Zuflucht zu dem wegen der bey Andreas Braun im verflossenen Winter entdeckten Dieberey in Eschringen ein gewisses Re-nommée, gekommen, königlich bayerischen Soldaten Baptist Riedlein, Füssilier, gegenwärtig in Saargemünd, sich in Garnison befindend zu nehmen.

Der Soldat erschien wirklich verwichenen Donnerstag, den 31. des Monats nachts auf der Eschringer Mühle und soll nach Aussagen des Müllers eine Hexe in selbiger Nacht zum Erscheinen auf der Mühle gezwungen haben, in welchem das Verzeichnis aller in der Gemeinde sich befindlichen Hexen stehen.

Den anderen Morgen machte die Müllerin Lärm. Im Dorf seien sieben Hexen, und dies seien die vornehmsten Bauern-weiber. In der ganzen Gegend erhob sich nun der aber-gläubische Lärm von Hexerey. Die Weiber glaubten sich nicht wenig durch den Ehrentitel ‘Hexe’ in ihrer Ehre gekränkt und nahmen denselben als Beschimpfung an. Sie wollten auch die Ursache, warum der Müller von seinen Kühen keine Butter und Rahm erhalten hat, auf folgende Art - welche auch die richtige ist - erklären: Der Müller habe vier bis fünf weibliche Hausgenossen, welche wie allgemein bekannt, gerne Kaffee trinken. Damit nun der Müller nicht jedes Mal erfahren sollte, wenn Kaffee getrunken würde, so wird er heimlich gemacht und so käme er um seinen Rahm, weil derselbe von seinen eigenen Hausgenossen zum Kaffee verwendet werde. Um ihr Spiel ungehindert forttreiben zu können, seien dieselben schlimm genug, den Müller auf den Gedanken zu bringen, als seien die Kühe verhext.

Dem sey nun, wie wolle. Das abergläubische dumme Geschwätz des Peter Bauer, welches zu Unfrieden in den Familien der Gemeinde Anlass gegeben hat, dann durch Fortsetzung desselben wirklich sich in ehrenrührigen Beleidigungen ausartete, gehört von der Obrigkeit geahndet.


42.                    
Die Propstei[133]

Von den großen und tiefen Kellern der heutigen Wirtschaft zur Kanone[134] in der Propsteigasse, also der Stelle, wo sich ehemals die Propstei der Abtei Wadgassen befand, führt der Volkssage nach ein unterirdischer Gang[135] nach dem Deutschhaus, durch den sich Mönche mit Nonnen getroffen haben sollen, um ihre Gelage zu halten.

Im Hause selbst zeigte sich noch im vorigen Jahrhundert häufig ein schwarzer Pudel, der unruhig und knurrend auf und ab lief. Geistliche, die man kommen ließ, sollen ihn dann gebannt haben.


43.                    
Der Geist des Ordensmannes von Wadgassen[136]

Dicht neben der ehemaligen großen und schönen Barock-kirche des Klosters Wadgassen, mit der heute leider eine der wichtigsten Bauten dieser Epoche dem Saargebiet verloren ist[137], dehnte sich ein stattliches Bauwerk der Abtei aus, das heute als Beamtenwohnung dient. In diesem Gebäude zeigte sich seit langen Jahren der Geist eines Ordensmannes, der vor 200 Jahren gelebt hat.

Noch in den letzten Jahren soll er einer Frau erschienen sein, die in einem Zimmer geschlafen hat. Als sie erwachte, sah sie den Ordensmann in weißem Gewande, mit schwar-zem Hut und schwarzem Vollbart im Zimmer stehen. Aus Angst sprach sie ihn nicht an. Die folgende Nacht schlief ihr Bruder in demselben Zimmer. Auch diesem erschien der Geist in derselben Gestalt. Als der Mann dann einen Stiefel nach ihm warf, verschwand er und wurde nicht mehr gesehen, sodaß man annimmt, daß er nun durch diesen Wurf erlöst ist.


44.                    
Der Aufschneider aus Ensheim

Den „Rissa“, einen ortsbekannten Aufschneider aus Ens-heim, habe ich auch noch gekannt. Er wohnte in der Franzstraße in Ensheim, im Haus neben Andreas Frenzel. Meine Güte, was hat der aufgeschnitten! Mein Vater hat mir immer wieder Geschichten vom „Rissa“ erzählt.

So hatte er mal erzählt, er habe seine Anzugsjacke zum Auslüften auf die Bühne gehängt, und als er ein paar Tage später wieder hinaufgenommen sei, hätte er nur noch die Knöpfe auf dem Kleiderhaken vorgefunden, alles andere hätten die Motten aufgefressen!

Oder so hat er einmal erzählt, er sei mit dem Motorrad auf der Flughafenstraße von Fechingen nach Ensheim gefahren; da sei eine Biene gekommen, habe sich auf den Reifen gesetzt und ihn platt gestochen.

Ja, solche Sachen hat der „große Lausbub“ erzählt, dem konnte man nichts glauben...

De Rissa uss Ensemm

De Rissa honnich aa noch gekännd. Däär hadd nääwe Fränsels Onndrees gewoohnd, in da Fronsschdrooß. Olägg, hädd däär gerobbd! De Babbe hadd imma willa Dinga vumm Rissa vazehld.

So hadd de Rissa mool rumvazehld, er hädd äämool sinn Jubbe zumm Liffde uff de Schbicha uff de Hooge gehungk, unn wiea noh e paa Daa willa enuff kumm wär, hälle nurre noch die Gnebb omm Hooge gehungk, alles onnarre hälle die Modde gefräss!

Olla so halla mool vazehld, er wär memm Puddscha uff da Fluuchhaaweschdrooß vunn Fechinge noh Ensemm gefah – doo wär e Bien kumm, hädd sich midde uff de Rääf gehuggd unn häddem pladd geschdoch.

Joo, so Dinga hadd däär Luusgliggadd vazehld; dämm hasche niggs glääwe kinne...


45.                    
De Schbichafuggs unn de Makulmes[138]

Zu Zeiten der autoritären Erziehung brauchten die Eltern auch in Ensheim Druckmittel, mit denen sie den ungehor-samen Kindern drohen und Angst einjagen konnten, um sie zu einem anderen oder besseren Verhalten zu veranlassen.

Aus meiner eigenen Kindheit ist bei mir noch die Er-innerung an den Schbichafuggs (Speicherfuchs) bezie-hungsweise an den Makulmes noch sehr lebendig. War man ungehorsam, wurde einem unverhüllt gedroht: „Glich kimmd de Schbichafuggs unn helld dich!“ oder „Glich kimmd de Makulmes und helld dich!“ Jede dieser Droh-ungen hat uns Kinder schwer beeindruckt und in der Regel eine rasche Verhaltensveränderung im Sinne unserer Eltern bewirkt. Oft hat die bloße Bemerkung, von Mutter oder Vater scheinbar nebenbei bemerkt, gefruchtet: „Wännde nidd folliche dusch(d), kimmd de Makulmes! Bass nurre uff!

Die treuen Erziehungshelfer Schbichafuggs und Makulmes sollten außerdem verhindern, dass man Orte betreten hat, die für Kinder tabu waren, angefangen vom Speicher (Sic!) unter dem Dach, von bestimmten Kellerräumen oder ähn-lichen Dingen: „Blibb ussem Luschdhissje vunn Wuddse-schnissjes eruss, sunschd helld dich de Schbichafuggs!


Anhang

Alle Texte werden hier in der Originalorthographie und –zeichensetzung wiedergegeben.

1.        Der Mönch im Hopgarten[139]

In alter Zeit, als die Wadgasser Mönche in Ensheim waren und das Hofgut der Abtei Wadgassen bewirtschafteten, stürzte sich aus dem Mittelbau ein Mönch aus dem dritten Stock herunter. Er geht noch heute im Hopgarten (Hofgarten) umher und zeigt sich am Abend vor Allerheiligen in der Zeit von 6 - 8 Uhr, während die Glocken läuten. - Kein Ensheimer wäre zu bewegen, in dieser Zeit den Garten zu betreten. Auch in dem ganzen herrschaftlichen Bau aus der Zeit der Abtei ist es nicht recht geheuer. Oft wollen hier Bewohner des Nachts schleichende Schritte gehört und gesehen haben, wie sie die Türklinke vom Schlaf-zimmer herabdrückte.

2.        Der Mönch im Hopgarten[140]

In alter Zeit, als die Wadgasser Mönche in Ensheim waren und das Hofgut der Abtei Wadgassen bewirtschafteten, stürzte sich aus dem Mittelbau ein Mönch aus dem dritten Stock herunter. Er geht noch heute im Hopgarten (Hofgarten) umher und zeigt sich am Abend vor Allerheiligen in der Zeit von 6 - 8 Uhr, während die Glocken läuten. - Kein Ensheimer wäre zu bewegen, in dieser Zeit den Garten zu betreten. Auch in dem ganzen herrschaftlichen Bau aus der Zeit der Abtei ist es nicht geheuer, der dann später an die alte Dosenmacherfamilie Adt kam, die aus Frauenberg gegen die Bliesmündung stammt. Oft wollen hier Bewohner des Nachts schleichende Schritte gehört und gesehen haben, wie sie die Türklinke vom verschlossenen Schlafzimmer herabdrückte.

3.        Der Mönch im Hoppgarten[141]

In alter Zeit, als die Wadgasser Mönche in Ensheim waren und den reichen Besitz der Abtei Wadgassen dort bewirtschafteten, stürzte sich aus dem Mittelbau der alten Propstei ein Mönch aus dem dritten Stock herunter. Nach alter Überlieferung soll er noch heute im Hoppgarten umgehen ... und besonders an Allerheiligen in der Zeit von 6 bis 8 Uhr, während die Glocken läuten, sein Unwesen treiben. Kein Ensheimer war zu jener Zeit zu bewegen, den Garten zu betreten. Aber auch in dem ganzen herrschaftlichen Bau aus der Zeit der Abtei war es nicht geheuer, der dann später an die alte Dosenmacherfamilie Adt kam... Oft wollen hier Bewohner des nachts schleichende Schritte gehört und manche auch gesehen haben, wie sich die Türklinke vom verschlossenen Schlaf-zimmer herabdrückte.

4.        Der Mönch, der umgehen muß[142]

Einst bewirtschafteten Mönche der Abtei Wadgassen das Hofgut ihres Klosters in Ensheim. Eines Tages stürzte sich ein Mönch aus dem dritten Stock der Propstei hinunter. Er geht seitdem um und ist besonders am Abend vor Allerheiligen zwischen sechs und acht Uhr, wenn die Glocken läuten, zu sehen. Niemand traut sich zu der Zeit in den Hofgarten, weil dort der Mönch sein Unwesen treibt.

Auch sonst war es dort nicht geheuer, denn des Nachts vernahm man schleichende Schritte, und eine Hand drückte die Klinke der Schlaf-zimmertür herab.

 

5.        Der Einlass begehrende Prämonstratenser[143]

Die Propstei Ensheim war einst eine Art Sommerresidenz für den Abt von Wadgassen. Länger als ein halbes Jahrtausend wirkten hier die Praemonstratenser und brachten den Ort und seine Umgebung zu schöner Blüte. Und das alles wirkte so nach, dass selbst die reichen Sagen gerade dieser ganzen Gegend in gewissem Sinne noch eine erhaltene Einheit bilden, an deren Weiterleben so doch wohl diese Ordensgeistlichen ihren verdienten Anteil haben, während sich derartige Volksüberlieferungen weit weniger in benachbartem, evangelischem Gebiet so vollkommen erhielten.

Die Mönche trugen ein weißes, wollenes Ordenskleid und einen weißen Hut und diese Kleidung mag sich einst recht malerisch in Ensheim ausgewirkt haben.

Bis auf den heutigen Tag hat sich unter dem Volk die Sage erhalten, dass jetzt noch der Geist des Klosters in Gestalt eines weiß gekleideten Mönches mit umgestülpter Kapuze zur Mitternachtsstunde vor die Pforte kommt, um, an dem Seil des Glöckchens ziehend, Einlass zu begehren. Nachdem ihm nicht geöffnet wird, soll er, den Kopf melancholisch schüttelnd, still und betrübt weiter wandern, um nach einigen Nächten wieder zu erscheinen.

6.        Der Einlass begehrende Prämonstratenser [144]

Die Propstei Ensheim war einst eine Art Sommerresidenz für den Abt von Wadgassen. Länger als ein halbes Jahrtausend wirkten hier die Prämonstratenser und brachten den Ort und seine Umgebung zu schöner Blüte. Und das alles wirkte so nach, dass selbst die reichen Sagen gerade dieser ganzen Gegend in gewissem Sinne noch eine erhaltene Einheit bilden, an deren Weiterleben so doch wohl diese Ordensgeistlichen ihren verdienten Anteil haben.

Die Mönche trugen ein weißes, wollenes Ordenskleid und einen weißen Hut und diese Kleidung mag sich einst recht malerisch in und um Ensheim ausgewirkt haben.

Bis auf den heutigen Tag aber hat sich unter dem Volk die Sage erhalten, daß, solange das Gebäude der alten Propstei noch stand (sie wurde im 2. Weltkrieg beschädigt und nach dem Kriege schließlich abgerissen, da sich niemand um die Restauration des Gebäudes kümmerte), der Geist des Klosters in Gestalt eines weiß gekleideten Mönches mit umgestülpter Kapuze zur Mitternachtsstunde vor die Pforte kam, an dem Seil des Glöckchens zog und Einlass begehrte. Da ihm nie geöffnet wurde, soll er, den Kopf traurig schüttelnd, still und betrübt weitergewandert sein, um aber nach einigen Nächten doch wieder zu erscheinen.

7.        Im weißen Ordenskleid[145]

Mönche brachten unserem Land viel Segen. Sie kultivierten das Land und erwarben sich auch um das Wohlergehen der Bewohner große Verdienste. Ähnlich war es auch in Ensheim und Umgebung, wo die Prämonstratenser von ihrer Propstei aus länger als ein halbes Jahr-tausend für Land und Volk wirkten. Heute noch soll sich einer der Mönche im weißen Ordenskleid zur Mitternacht zeigen. Er tritt an die Pforte der Propstei, zieht am Glöckchen und begehrt Einlass. Doch niemand öffnet ihm, weshalb er enttäuscht und betrübt weiterwandert, um es nach einigen Tagen erneut zu versuchen.

8.        Das Volk glaubt und weiß es deshalb[146]

Das Volk glaubt fest daran, daß im Allmend bei Ensheim einst Ritter wohnten. Sie hatten unterirdische Gänge angelegt, vom Allmend bis nach dem Hedrichsfeld. Das älteste Haus in Ensheim ist eine Schmiede. Sie soll auf den Fundamenten eines uralten Hauses gestanden haben. Hufeisen von abnormer Größe wurden dort schon gefunden, auch Pferde- und Menschenknochen. Eine Ritterburg sei dort gestanden, sagt das Volk.


9.      Die guten Zwerge[147]

Nicht weit von Ensheim am Siedelwald stand zu Anfang des 15. Jahrhunderts eine Mühle, dem Kloster Wadgassen gehörig. Darin wohnte einst ein Müller, dem das Glück hold war, so daß er es zu etwas brachte. Und das kam so:

Eines Tages war er an dem Mühlenweiher beschäftigt, da hörte er plötzlich ein Wimmern wie den Hilferuf eines ertrinkenden Knaben. Rasch sprang er hinzu und zog aus dem Wasser ein wunderliches Geschöpf mit dickmächtigem, uraltem Kopfe und Füßen wie die einer Gans. Mit aller Sorgfalt pflegte er das verunglückte Wesen in seinem Hause. Als der Kleine wieder genesen war, führte er seinen Erretter zum Weiher und zeigte ihm den boshaften Nix, der ihn beim Baden ins Wasser gestoßen hatte. Dieser Unhold war ein großer, klotzaugiger Frosch, der sich eilends im Schilfe verkroch. Endlich gab sich der Kleine als eines der vielen Zwerglein zu erkennen, welche im benachbarten Gumberberg wohnen, und verschwand. Seitdem aber wuchs das Vermögen des Müllers zusehends und als grundreicher Mann zog er sich bald vom Geschäfte zurück.

Sein Nachmann war den Zwergen nicht gut gesinnt und wollte sie durch Gewalt und List vertreiben. Einmal sollte er ihnen einen schweren Stein vor eines ihrer Fuchslöcher wälzen, da schalt er sie „Gänsfüßler“ und gab dem Stein einen Stoß, daß er den Berg hinabfuhr wie weit. Die Zwerglein schwuren ihm ewige Rache und von der Stunde wich das Glück von des Müllers Haushalt und er mußte bald darauf die Mühle verlassen.

10.    Die guten Zwerge im Gumberberg bei Ensheim[148]

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts stand am Siedelwald eine Mühle, die dem Kloster Wadgassen gehörte. Das Kloster hatte die Mühle an einen Müller verpachtet. Eines Tages war der Müller an seinem Weiher beschäftigt. Plötzlich hörte er ein Wimmern, wie wenn es der Hilferuf eines ertrinkenden Knaben wäre. Da sich etwas regte, griff er zu und zog aus dem Wasser ein wunderliches Geschöpf, einen kleinen Kerl mit dickmächtigem, uraltem Kopfe. Die Füße waren wie die einer Gans. Der Müller pflegte das verunglückte Wesen mit aller Sorgfalt im eignen Hause. Als nun der Kleine genesen war, führte er seinen Erretter zu jener gefährlichen Stelle und zeigte ihm den boshaften Nix, der ihn beim Baden ins Wasser gestoßen hatte. Dieser Unhold war ein großer klotzäugiger Frosch, der sich eilends im Schilfe verkroch. Endlich entpuppte sich der Kleine als eines der vielen Zwerglein, welche im benachbarten Gumberberg wohnen, und verschwand. Seitdem aber wuchs sichtlich das Vermögen des Müllers. Als grundreicher Mann zog er sich bald vom Geschäfte zurück. Sein Nachfolger aber war diesen Zwerglein nicht hold. Er wollte sie mit Gewalt oder List vertreiben. Statt ihnen einmal einen schweren Stein vor eines ihrer Fuchslöcher zu wälzen, schalt er sie „Gänsfüßler!“ und gab dem Stein einen Stoß, daß er den Berg hinabfuhr, weit weg. Die Zwerglein schwuren ihm ewige Rache, und von der Stunde an war Glück und Segen von seinem Haushalt gewichen. – Er mußte die Mühle verlassen.

11.    Die Klostermühle bei Ensheim[149]

In alter Zeit stand in der Ensheimer Gegend eine einsame Mühle[150], die heute[151] verfallen ist. Sie gehörte dem Kloster Wadgassen[152] und war an einen tüchtigen Müller verpachtet, der ganz allein sein Handwerk darin betrieb. Denn es war ein armer Mann, und er konnte sich keine Knechte halten. Auch brachte die kleine Mühle nicht viel ein. Wenn er seinen Pachtschilling bezahlt hatte, blieb ihm gerade noch das übrig, was er zum Leben brauchte. Das verdroß den braven Mann keineswegs. Er war zufrieden und immer bei guter Laune.

Als er einmal an einem nebelgrauen Tage das Gebälk am Mühlenwehr ausbesserte, hörte er ein schrilles Geschrei wie von einem Kinde. Es kam aus den Binsen am Ufer des Mühlteiches und klang gerade so, als ob dort ein Kind am Ertrinken wäre. Schnell sprang der Müller hinzu und watete stracks ins Wasser hinein; denn er sah, daß dort etwas zappelte. Er faßte das sonderbare Ding mit beiden Händen und kehrte mit ihm triefnass ans Ufer zurück. Es war wirklich ein lebendiges Wesen, aber wie merkwürdig sah es aus. Es glich einem alten Manne und war doch nur drei viertel Ellen hoch. Dabei hatte es einen ungeheuer großen Kopf. Der saß auf einem zierlichen dürren Körperchen. Auch hatte der kleine Kerl einen Buckel und einen langen schneeweißen Spitzbart. Sein durchnässtes Kittelchen aus grauem Zeug war von sonderbarem Schnitt. Über sein fahles, runzliches Gesicht fielen wirre Haarsträhnen, die vom Wasserschlamm beschmutzt waren. Das Kerl-chen war barhaupt. Weit im Mühlteich sah der Müller seine graue Zipfelkappe schwimmen und das knorrige Eichenstöckchen.

Der Kleine zitterte vor Kälte. Er hustete röchelnd das schlammige Wasser aus der Brust, das er eingeschnappt hatte. Der Müller nahm das absonderliche Wesen behutsam auf den Arm und trug es nach der Mühle. Dabei bemerkte er zu seiner großen Verwunderung, daß der kleine Mann Gänsefüße hatte, die breit und gelb aus dem Hosenbein heraushingen. Nun wußte er, daß es kein Menschlein war, was er da im Arm hatte. Aber er sagte nichts darüber, sondern tat so, als ob er die Mißgestalt gar nicht sähe.

In der Mühle heizte er den Kachelofen ein. Er legte den Kleinen in sein eigenes Bett und kochte ihm einen heißen Tee von Minzkraut. Die Kleider des Männleins wurden am Ofen getrocknet; der Müller gab ihm einstweilen eine von seinen Jacken, worin er sich bis über den Kopf einhüllen konnte. Trotzdem bekam es Fieber, und eine Woche lang lag es krank in des Müllers Stube. Der bezog während dieser Zeit sein Lager auf der Ofenbank. Er labte den Kranken mit Milch, Eiern und Pfann-kuchen, schlachtete auch ein Hühnchen und brachte ihn auf diese Weise wieder zu Kräften.

Bald begann der Kleine mit seinem Pflegevater zu plaudern. Er verriet ihm, daß er ein Wichtel sei und mit gar vielen seinesgleichen im Gumberberge[153] hause. Zuweilen käme er in den Mühlgrund herab. Im Mühlteich wohne ein Nix. Der sei ihm schon lange feind und habe ihn hinterrücks ins Wasser gestoßen. Dem Müller gefiel das behagliche Geplauder mit seinem Wichtel so gut, daß er ihm vorschlug, eine Zeitlang bei ihm zu bleiben. Der Kleine aber meinte, es ging leider nicht, und schon am folgenden Tage, nachdem er vom Krankenlager aufgestanden war, nahm er Abschied von seinem Retter. Es fiel ihm gar nicht ein, auch nur ein einziges Wörtlein des Dankes zu sagen für all die Mühe, die der hilfreiche Mann aufgewendet hatte, doch der gutmütige Müller merkte das nicht einmal. Er holte die Zipfelkappe und das Stöckchen, die er mittlerweile aus dem Mühlteich herausgefischt hatte, und händigte beides seinem scheidenden Freunde aus. Der ergriff mit heller Freude sein geliebtes Wanderstöckchen. Die Zipfelkappe schob er unter den Latz seines Kittels.

Sie verließen zusammen die Mühle; denn der Müller wollte seinen Gast bis an den Rand des Waldes begleiten. Als sie am Mühlteich vorüberkamen, zeigte der Wichtel dem Müller den Platz, wo ihn der Nix vom Mühldamm gestoßen hatte, und richtig, wie sie näher kamen, hüpfte plötzlich ein ungeheurer Frosch mit garstigen Glotzaugen vor ihnen in das Binsengesträuch, dass ihnen das Wasser ins Gesicht spritzte. Da lachte der Wichtel und wischte sich mit seinem Barte die nass gewordene Nase. Der Müller aber drohte dem Wasserunhold mit der Faust, um ihm zu zeigen, dass der Kleine jetzt einen Beschützer habe. Dann reichte der Wichtel dem Müller die kleine, dürre Hand und sah ihm so freundlich in die Augen, als ob er noch etwas wüsste, was er ihm jetzt nicht sagen dürfe. Der Müller drückte wehmütig die Wichtelhand; denn er dachte daran, wie mutterseelenallein er jetzt wieder auf seiner Mühle hausen müsse. Eben wollte er dem Scheidenden noch ein liebes Wort sagen und ihn fragen, ob er nicht einmal wiederkommen könne, da zog der Wichtel die Kappe aus dem Wams und setzte sie auf. Im gleichen Augenblick war er verschwunden. Es war natürlich eine Tarnkappe, wie sie dieses Volk zu tragen pflegt.

Traurig ging der Müller nachhause. Um seine Einsamkeit zu vergessen, arbeitete er noch fleißiger als sonst in der Mühle und in dem kleinen Hausgarten, der dazu gehörte. Bald gingen allerart merkwürdige Dinge vor. Über Nacht waren die Säcke aufgestapelt. Das Mühlrad war ge-putzt. Wenn er anderwärts beschäftigt war, schüttete jemand das Getreide in den Trichter, sodass die Mühle niemals leer lief. Auch wurde das Mehl so blendend rein und gut, wie es keine andere Mühle herstellen konnte. Bald musste er allen Bauern in der Gegend das Getreide mahlen und wurde, obwohl er keinen Knecht hatte, immer damit fertig. Sein Garten warf dreifache Ernten ab. Der Hühnerhof brachte soviel Eier, dass er den größten Teil verkaufen musste. In wenigen Jahren war der Müller ein wohlhabender Mann. Da zog er nach einem Städtchen an der Saar, um im Alter noch ein wenig mit den Menschen beisammen zu sein.

Sein Nachfolger, dem der Abt von Wadgassen die Mühle[154] nun verpachtete, war ein ganz anderer Mensch. Der wollte schnell an der guten Wirtschaft, die er übernahm, ein reicher Mann werden. Und da er habsüchtig war, war er auch geizig. Von der Hilfe des Wichtelvolkes wollte er nichts wissen, denn er fürchtete, die Männlein könnten ihm ein Stück Brot, ein Ei, ein paar Äpfel oder sonst etwas stehlen. Und das gönnte er ihnen nicht. Wenige Tage, nachdem er die Mühle bezogen hatte, sah er ein graues Männchen auf der Halde über dem Mühlwehr. Es war da ein Loch in der Erde, und der Kleine mühte sich vergeblich, einen Stein davor zu rollen. Da kam es zum Müller getrippelt und bat ihn, den Stein vor das Loch zu legen. Es war ein Felsstück, das der starke Mann leicht hätte auf dem Arm tragen können. Der aber gab dem Stein einen Fußtritt, dass er den Abhang hinab ins Tal kollerte, und schlug dazu ein Hohngelächter an. Er nannte das Wichtelvolk ein Diebespack, schimpfte es Gänsefüßler, die ihm vom Leibe bleiben sollten. Er wusste nicht, dass diese Kerlchen ebenso rachsüchtig sein können, wie sie hilfreich sind, und dass Gänsefüßler für sie die schwerste Beleidigung ist.

Und sie haben sich gerächt. Sein Mehl wurde immer schlechter. Die Mühldämme rutschten ab, das Wehr brach durch. Alle paar Tage blieb das Mühlrad stehen, weil sich etwas eingeklemmt hatte. Im Garten wollte nichts wachsen. Die Hühner legten keine Eier mehr. In Jahresfrist war die Mühle so heruntergewirtschaftet, dass der Abt den Müller davonjagte. Der schied als ein bettelarmer Mann und wurde Land-streicher.

12.    Die guten Zwerge[155]

Am Siedelwald zu Ensheim stand vor Zeiten eine Mühle. Eines Tages war der Müller am Weiher und fischte. Da hörte er plötzlich ein Wimmern, als rufe ein Knabe um Hilfe. Er spähte umher und fand ein Männlein, das sich an einem Binsenhalm festhielt. Er besann sich nicht lange, griff zu und zog aus dem Wasser ein wunderliches Geschöpf. Es war nur fußhoch, hatte einen dickmächtigen, uralten Kopf und Füße wie eine Gans. Das Männlein blutete aus mehreren Wunden.

Als es vor Schmerz stöhnte, hob es der Müller auf und trug es in sein Haus. Er wusch ihm die Wunden aus und pflegte es sorgsam Tage und Wochen. Gerne hätte er gewußt, wer das seltsame Wesen sei, aber das Männlein sprach nichts. Als er genesen war, bat es den Müller, mit ihm zum Teich zu gehen. An der Stelle, wo der Müller das Männlein gefun-den hatte, saß ein häßlicher Nix. Er sah aus wie ein Frosch, war giftgrün und hatte große Glotzaugen. Als das Männlein ihn erblickte, rief es: 'Das ist der Bösewicht, der mich ertränken wollte!' Aber da machte der Nix einen mächtigen Satz und war im Wasser verschwunden.

Nun gab sich der Kleine endlich zu erkennen und sprach: 'Ich bin der Zwerg vom Gumbersberg.' Jetzt wußte der Müller genug. Er führte den Zwerg zu seiner Höhle und half ihm, den schweren Stein vom Eingang wegzuwälzen. Das Männlein bedankte sich und verschwand eilends im Berg.

Als der Müller am andern Morgen in die Mühle ging und das Korn mahlen wollte, da war es schon fein säuberlich gemahlen. Der Müller wunderte sich sehr. Als aber in der nächsten Nacht das gleiche geschah, blieb er abends auf, um zu sehen, wie sich das zutrage. Als nun im Dorf die Mitternachtsglocke schlug, ging die Tür auf, und das Zwerglein erschien und mit ihm sechs andere Zwerge. Sie machten sich eilends ans Mahlen und kaum waren drei Stunden vergangen, da waren sie fertig.

Nun wußte der Müller, wem er den Segen zu verdanken hatte. Er ließ die Männlein in der Mühle schalten und walten. Nach kurzer Zeit war der Müller ein reicher Mann geworden. Er nahm sein Vermögen und verließ die Mühle, denn nun brauchte er nicht mehr zu arbeiten.

Der Nachfolger des Müllers aber war den Zwergen nicht hold. Als er eines Tages am Weiher stand, sah er, wie zahlreiche Männlein sich im Wasser tummelten. 'Geht mir aus dem Teich, ihr Schmutzfinke!' schrie er sie an. 'Ihr trübt mir das Wasser!' Eilends verschwanden die Männchen. Aber gar manches Mal kamen sie heimlich, um in dem klaren Wasser des Teiches zu baden und ihre Kleider zu waschen, die arg schmutzig waren von der Arbeit im Bergwerk. Doch der Müller sann, wie er die Zwerge vertreiben konnte.

Bald wußte er Rat. Er wälzte einen großen, schweren Stein vor den Eingang der Höhle. Er glaubte, die Zwerge seien darin und er hätte sie nun gefangen. Aber da sah er zu seinem Schrecken, wie sie eben den Berg heraufkamen. Wie erschraken sie, als sie den mächtigen Stein vor dem Eingang ihrer Höhle gewahrten. Sie baten den Müller, er möge doch den Stein wieder entfernen. Der falsche Müller schob den Stein wieder zur Seite. Kaum waren die Zwerge in der Höhle verschwunden, da setzte er den Stein wieder vor den Eingang, lachte teuflisch und rief: 'So, hab ich euch nun, ihr Gänsfüßler! Bleibt in eurem Loch und kommt mir nicht wieder heraus!' Da schworen die Zwerge dem Müller ewige Rache, und vom Tage an wichen Segen und Glück von dem Hause des Müllers. Sein Gut zerrann ihm zwischen den Händen, und bald mußte er als Bettler die Mühle verlassen.

13.    Die hilfsbereiten Zwerge[156]

Am Siedelwald in der Nähe von Ensheim stand einst eine Mühle, die dem Kloster Wadgassen gehörte. Der Pächter war ein Mann tätiger Nächstenliebe und ein Mann, dem jedes Unternehmen glückte und der es zu etwas brachte. Warum er so schnell und ohne Rückschlag reich wurde, mag er selbst erzählen: „Eines Tages arbeitete ich am Mühlen-weiher. Da vernahm ich einen Schrei, wie wenn ein Knabe in höchster Not um Hilfe gerufen hätte. Schnell sprang ich am Ufer entlang und entdeckte eine Gestalt, die schon nahe am Ertrinken war. Doch wie erstaunt war ich, als ich das Wesen, das vor mir auf der Wiese lag, betrachtete. Es hatte einen unheimlich dicken Kopf und Füße wie die einer Gans. Der Körper war nicht größer als der eines Knaben. Ich lud mir den Zwerg auf die Schultern und trug ihn ins Haus, legte ihn ins Bett und pflegte ihn so lange, bis er wieder aufstehen und zu seinesgleichen zurückkehren konnte. Doch zuvor nahm mich der Zwerg bei der Hand und zeigte mir den bösen Nix, einen großen Frosch, der ihn ins Wasser gestoßen hatte. Ich erfuhr, daß die Wohnung des Kleinen und seiner Genossen im Gumberberg sei. Damit war der Zwerg verschwunden, wie wenn ihn der Erdboden verschluckt hätte.

Seit dem Tage wuchs mein Vermögen zusehends, und bald konnte ich die Mühle meinem Nachfolger übergeben. Der war den Zwergen feindlich gesinnt. Sie baten ihn, er möge ihnen doch einen schweren Stein vor den Eingang wälzen. Trotzdem ich ihm riet, diesem Wunsch nachzukommen, lachte er nur, gab dem Stein einen Tritt, daß er den Abhang hinunter-kollerte und schalt die Zwerge Gänsefüßler. Das hätte er nicht tun sollen, denn Zwerge sind nur hilfsbereit, wenn man sie nicht hintergeht und sie nicht beschimpft und auslacht. Seit dem Tage verließ ihn das Glück, sein Geschäft kam zum Erliegen. Als bettelarmer Mann verließ er die Mühle.“

14.    Die guten Zwerge von Ensheim[157]

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts stand am Siedelwald bei Ensheim eine Mühle, die dem Kloster Wadgassen gehörte. Der frühere Pächter hatte gut darauf gewirtschaftet, sein Nachfolger aber mußte zugrunde gehen. Die Sage erzählt:

Ein Müller war einmal an seinem Weiher beschäftigt, da hörte er plötzlich ein Wimmern, das wie der Hilferuf eines ertrinkenden Kindes klang. Rasch griff er zu und zog ein wunderliches Geschöpf mit dickmächtigem Runzelkopf aus dem Wasser; die Füße des Wesens waren wie die einer Gans. Der Müller pflegte das verunglückte Geschöpf mit aller Sorgfalt im eigenen Hause. Als der Kleine wieder genesen war, führte er seinen Retter zu jener gefährlichen Stelle, an der er fast ertrunken wäre, und zeigte ihm den boshaften Nix, der ihn beim Baden ins Wasser gestoßen hatte. Dieser Unhold war ein großer klotzäugiger Frosch, der sich eilends im Schilf verkroch, als er die beiden herankommen sah. Schließlich rief der Kleine hervor, er sei eines der vielen Zwerglein, die im benachbarten Gumberberg wohnten, und dann war er verschwunden. Der Müller hatte jedoch dem kleinen Zwergenvolk nichts zu Leide getan.

Seitdem aber wuchs das Vermögen des Müllers sichtlich an; als steinreicher Mann zog er sich später vom Geschäfte zurück. Sein Nachfolger aber konnte diese Zwerglein nicht leiden, er wollte sie mit Gewalt oder List vertreiben. Statt den Zwergen einen schweren Stein vor eins ihrer Fuchslöcher zu wälzen, schalt er sie "Gänsfüßler!" und gab dem Stein einen Stoß, daß er weit den Berg hinabkollerte. Die Zwerglein schworen ihm ewige Rache, und seither waren Glück und Segen aus seinem Haushalt gewichen. Der Pächter mußte die Mühle verlassen und als armer Mann in die Fremde ziehen.

15.    Vetter Lorenz[158]

Vetter Lorenz, der Köhler, saß eines Abends im Wald vor seiner Hütte, sein kärgliches Mahl war schon verzehrt, aber den Rest, den sog. „Gottestheil“, hatte er wie gewöhnlich zur Seite gestellt. Da steht ein Männlein vor ihm und bittet um eine kleine Erfrischung. Es war ein seltsames Wesen, es reichte dem Köhler bis kaum an die Kniee, hatte einen gewaltigen Kopf mit eisgrauem Barte und funkelnden Augen, darauf eine Zipfelkappe, um die Schulter einen Schnappsack, die Hand hielt einen dicken knolligen Stock. Der Köhler willfahrte und führte seinen seltsamen Gast endlich zur Ruhe. In der Nacht wird Lorenz geweckt. Das Männlein, eine Kienfackel in der Hand, führte ihn bergab und bergauf bis an den Gränzstein des Bischmisheimer Bannes. Hier gab sich der Führer als ein Zwerglein aus dem Gumbersteine zu erkennen und sprach: „Grabe hier an dieser Stelle hinunter und verwerthe das unscheinbare Gestein!“ Mit einem „Glück auf!“ war der Kleine ver-schwunden. Der Köhler machte es also und ward ein grundreicher vielbeneideter Mann.

16.    Das Graumännchensloch[159]

Vetter Lorenz, der Köhler, saß eines Abends im Walde vor seiner Hütte im Escherstal bei Ensheim und verzehrte sein kärgliches Mahl. Den Rest, den sogenannten Gottestheil, stellte er wie gewöhnlich zur Seite. Da trat ein graues Männlein vor ihn und bat um eine kleine Erfrischung. Das seltsame Wesen reichte dem Köhler bis kaum an die Knie, hatte einen gewaltigen Kopf und darauf eine Zipfelkappe, einen eisgrauen Bart und funkelnde Augen, um die Schulter einen Schnappsack, und in der Hand einen dicken, knolligen Stock. Der Köhler bewirtete seinen Gast nach Vermögen und führte ihn endlich zur Ruhe.

In der Nacht wurde Lorenz geweckt und das Männlein, mit einer Kienfackel in der Hand, führte ihn bergab und bergauf bis an den Gränzstein des Bischmisheimer Bannes. Da entdeckte sich der Führer als ein Zwerglein aus dem Gumbersteine und sprach: „Grabe hier an dieser Stelle hinunter und verwerte das unscheinbare Gestein. Es soll dein Schade nicht sein.“ Mit einem „Glück auf!“ war der Kleine verschwunden.

Der Köhler befolgte seinen Rat und ward ein reicher vielbeneideter Mann. Nun stand aber dem Abt des Klosters Wadgassen das Recht auf alle Mineralien unter der Erde auf dem Ensheimer Banne zu und er wollte das Schürfen auf eigene Rechnung betreiben. So aber wollten es die Zwerge nicht, und wie auch der Abt graben ließ, er erhielt nichts als lauter leeres, taubes Gestein.

Die aufgegrabene Stelle erhielt den Namen Graumännchesloch.

17.    Der Wichtel vom Gumberstein[160]

Im Escherstale wohnte in einer bescheidenen Hütte ein armer Köhler. Eines Tages saß er vor der Tür auf einem Buchenklotz und verzehrte sein Abendbrot. Es bestand aus Sauermilch und Schwarzbrot. Als er sich gesättigt hatte, stellte er die Speise beiseite. „Den Rest für die Gottlosen!“ murmelte er vor sich hin und erhob sich, um sein Lager aufzusuchen. Da stand wie aus der Erde gewachsen ein kleiner grauer Mann vor ihm, ein zierliches Kerlchen, das ihm kaum bis an die Knie reichte. Mit einem zarten Stimmchen bat es ihn um ein bisschen Essen. Der Köhler betrachtete verwundert das merkwürdige Geschöpf mit dem dicken Kopf, das mit seinem knorrigen Eichenstock ungeduldig im Laub herumstocherte. Der scheint wirklich Hunger zu haben, dachte sich der Köhler, und er reichte ihm, was von seinem Abendessen übrig war.

Der Buchenklotz, der dem Köhler zum Sitz gedient hatte, passte für das Männlein gerade als Tisch. Bedächtig stellte es die Milch vor sich hin, teilte den Brotrest in kleine Stückchen, tauchte sie ein und schmatzte an dieser Labe, bis alles aufgegessen war. Dem Köhler machte es Vergnügen zuzusehen. Mittlerweile war die Nacht angebrochen. Er ist gewiss nicht von hier und wird noch weit zu laufen haben, meinte der Köhler bei sich. Da kann es vorkommen, dass der Kümmerling über einen Felsen stolpert und den Hals bricht, oder dass die Wölfe ihn fressen. Dies bedenkend, bot er dem Kleinen in seiner Hütte ein Nachtlager an. Er schichtete ihm in einer Ecke dürres Buchenlaub auf, reichte ihm auch seinen alten Mantel als Decke. Der Graue nickte und machte es sich bequem. Nachdem der Köhler die Hütte verriegelt hatte, streckte er sich auf seinem Strohsack aus und schlief ein.

So mochte er an drei Stunden geschlafen haben, da wurde er geweckt. Jemand zupfte ihn am Schnurrbart, damit er wach würde. Verwundert richtete er sich auf. Vor ihm stand der kleine Mann mit einer brennenden Kienfackel in der Rechten.

„Erschrick nicht!“ piepste das feine Stimmchen ihm entgegen. „Ich bin der Wichtel vom Gumbersteine und will dir zeigen, wo du was finden kannst.“

Das ließ sich der Köhler nicht zweimal sagen. Hurtig sprang er auf die Beine, nahm Hacke und Schnappsack, und folgte seinem Führer in den Wald. Der führte ihn schweigend stundenlang über Berg und Tal nach einer Halde auf der Bischmisheimer Gemarkung. Dort deutete er auf den Boden und sprach: „Hier grabe hinunter, so soll es dein Schaden nicht sein.“

Und husch, war der Kleine verschwunden. Da stand nun der Köhler mit seiner Hacke und dem Schnappsack mitten in einem großen, fremden Walde. Es dämmerte schon im Osten. Wie der Köhler um sich her blickte, sah er nichts anderes als Moos, Heidelbeersträucher und knorrige Baumstämme, und er dachte, dass der sonderbare Besuch ihn gehörig gefoppt habe. Immerhin schlug er seine Hacke in das Erdreich, um wenigstens nichts unversucht zu lassen. Hei, da funkelte ihm schon das lauterste Edelerz entgegen, das es geben konnte. Nach ein paar Wochen hatte er sich soviel davon geholt, dass er ein wohlhabender Mann war, und das genügte ihm.

Nun war freilich der Abt von Wadgassen dahinter gekommen, dass der arme Köhler sich irgendwoher aus den Wäldern reiche Schätze geholt hatte. Da der Abt das verbriefte Schürfrecht für die Gegend besaß, sagte er zu dem Köhler mit gar freundlicher Stimme, er würde ihm alles, was er sich geholt hatte, nun mehr gern zu eigen überlassen, wenn er ihm verraten wollte, wo man diese Schätze finden kann. Der Köhler meinte, er selber hätte genug davon und bräuchte weiter nichts, dem Abt aber wolle er gern den Platz zeigen, wo er den Reichtum geholt habe. Und er führte ihn an den Ort. Der Abt ließ eine große Fördergrube anlegen, auch rings auf der Halde nach Erzen schürfen, aber seine Leute fanden überall nur taubes Gestein.

18.    Glückauf![161]

Der Köhler Lorenz war ein armer Mann. In der Küche war Schmalhans Küchenmeister. Eines Abends, Lorenz saß gerade bei kärglichem Mahl, da stand plötzlich ein kleines Männlein vor ihm mit einem gar dicken Kopf und Zipfelkappe, mit langem Bart und leuchtenden Augen. Wie mag das Kerlchen hier ins Escherstal gekommen sein? fragte sich der Köhler. Essen und Trinken erbat sich der Besuch. Beim Köhler war es so Sitte, daß er von jeder Mahlzeit das Gottesteil übrigließ, und das gab er dem Fremden. Beide legten sich zur Ruhe.

Doch kaum war der Köhler eingeschlummert, als er durch den Schein eines Kienholzes aufwachte und das Männlein vor sich stehen sah. Er möge ihm folgen, sagte der Fremde. Das war ein weiter und beschwer-licher Weg bis hin zum Grenzstein der Gemarkung Bischmisheim. In stockdunkler Nacht ging es über Weg und Stein, den Berg hinauf und wieder hinunter. Lorenz sollte seinen ruhebedürftigen Gliedern nicht umsonst den anstrengenden Marsch zugemutet haben. Am Ziel sprach das Männlein: „Ich bin einer der Zwerge aus dem Gumberstein. Weil du mich so freigebig bewirtest hast, obwohl es kaum für dich selbst reicht, sollst du deinen Lohn haben. Grabe hier an dieser Stelle, und du wirst auf Gestein stoßen, das dich aller Sorgen entheben wird.“ Mit einem „Glückauf!“ verabschiedete sich der Kleine.

Der überraschte Köhler ging gleich am nächsten Tag an die Arbeit und wurde ein reicher, von vielen beneideter Mann. Der Abt des Klosters Wadgassen aber, dem das Schürfrecht in der Ensheimer Gemarkung zustand, wollte seine Rechte geltend machen. Die Zwerge waren aber dagegen. Wo er auch graben ließ, nirgends hatte er damit Erfolg. Zum Andenken an die Hilfe des Männleins nannte man fortan die Stelle, an der Lorenz grub, das „Graumännchensloch“.

19.    Die Donnerkeile[162]

Auf den Bännen von Ensheim und Bischmisheim treten häufiger Steinbeile, -waffen und –werkzeuge zu Tage, während sich auf dem Reppersberg ob Saarbrücken bisher nur eine vorgeschichtliche Steinwaffe ohne Stielloch vorfand. Das Volk nennt sie hier wie anderwärts Donneräxte oder Donnerkeile. Man hegte dabei die Vor-stellung, der niederschlagende Blitz bestehe aus einer harten und festen Steinmasse, und diese dringe so tief in die Erde ein, daß sie erst nach vielen Jahren durch eine unbekannte Kraft, mittelst welcher sie jedes Jahr mehrere Klafter sich erhebe, auf die Oberfläche zurückkehre und in diesen verschiedenen Formen zum Vorschein komme. Die Landleute schreiben diesen Steinen eine geheimnisvoll wirkende Kraft zu und streichen damit besonders die Euter der Kühe, wenn solche im Zustand der Entzündung sind. Auch an der unteren Saar, so in der Merziger Gegend, mißt der Volksglaube den hier oft gefundenen Donneräxten einen hohen Wert bei. Er wirft sie hier mit den Meteorsteinen fälschlich zusammen, und glaubt auch, daß diese Donneräxte, die Werkzeuge der Urbewohner, vom Himmel fallen und bis sieben Klafter in die Erde geschleudert werden. Durch den Fall erhielten sie erst ihre Schärfe. Alle sieben Jahre kämen sie wieder an die Oberfläche. Sie sollen das Haus, in dem sie aufbewahrt werden, gegen Blitz schützen, allerlei Krankheiten heilen und überhaupt Glück bringen. Man pflegt die Steine daher auch bei Erbschaften zu zerschlagen, damit jedes Kind einen Anteil an diesem Haussegen erhalte. Im Birkenfeldischen und damit auch nach dem Hochwald zu werden sie als „Brauchsteine“, also auch zu geheimnis-vollen Heilungen und Besprechungen verwandt und als doppelt wertvoll gilt eine Donneraxt, die unter einer alten Eiche gefunden worden ist. Das Donnerkraut aber wächst auf Pützen (Ziehbrunnen) und Kinder bekommen es an der unteren Saar, wenn sie an Krämpfen leiden, aufgelegt.

20.  Donnerkeile[163]

Aus grauer Vorzeit stammen die Steinbeile, die Steinwaffen und die Steinwerkzeuge. Immer wieder hört man davon, daß irgendwo ein solcher Fund gemacht wurde. Besonders zahlreich wurden diese Dinge in den Gemarkungen von  Bischmisheim und Ensheim gefunden. Das Volk nannte sie Donneräxte oder Donnerkeile. Es war der Meinung, daß der einschlagende Blitz eine Steinmasse sei, die sehr tief in die Erde eindringe und durch geheimnisvolle Kräfte nach vielen Jahren wieder an die Erdoberfläche zurückfände. Diese Steingebilde verfügen über eine heilende Kraft, weshalb man mit ihnen auch entzündete Euter von Kühen bestrich.

21.     Die drei Wiesenfräulein[164]

Ein Bauer aus Ensheim ging früh vor Tagesanbruch an den Siedelwald um seine Wiese zu mähen. Auf einmal hörte er ein liebliches Klingen und Singen wie Stimmen der Vögel. Er schaute sich um und sah, wie aus dem Nebel drei Jungfrauen in langen weißen Gewändern hervor-traten und einen wunderseltsamen Tanz vollführten. Die eine der Tän-zerinnen trug einen silbernen Halbmond auf der Stirn.

Plötzlich krähte der Hahn in der nahen Mühle und im Nu war die Erscheinung verschwunden. Doch dabei erscholl ein Gelächter, daß dem Bauern fast graute.

Später fand er an jener Stelle die sogenannten Hexenringe, das sind kleine und große Pilze, die im Herbste kreisförmig auf Anger und Wiese wachsen.

22.    Die Fräulein im Siedelwalde[165]

Im Siedelwalde gibt es eine wunderschöne Wiese. Sie ist auf allen Seiten von hundertjährigen Bäumen umgeben. Im Frühjahr blühen dort die leuchtenden, goldgelben Schlüsselblumen und am Waldrande die allerliebsten Maiglöckchen. Im Herbst glänzen über dem Grün die feierlichen, geheimnisvollen Herbstzeitlosen, die giftig sind, und die man nicht berühren darf.

Eines Tages – der September nahte schon heran – machte sich der Sohn des Bauern, dem die Wiese gehörte, in frühester Morgenstunde auf den Weg, um das Grummet zu mähen. Weil ein sehr heißer Tag bevorstand, wollte der Bursche seine Arbeit in den kühleren Morgenstunden ver-richten. Als er von Ensheim dem Siedelwalde zuschritt, war es noch dunkle Nacht. Glücklicherweise kannte er den Weg, denn sonst hätte er an diesem Morgen seine Wiese nimmermehr gefunden. Es lag ein Nebel über dem Lande so dick wie Watte. Den Wald bemerkte er erst, als die tautriefenden Buchenzweige sein Gesicht streiften. Er ging dem Waldrande entlang, bis er den Pfad fand, der in das Gehölz führt. Bald nahm der Nebel über den Wipfeln der Buchen eine rosenrote Farbe an, und es wurde heller. Als der Jüngling sich seiner Arbeitsstätte näherte, hörte er zu seiner Verwunderung einen zarten, mehrstimmigen Gesang. Er blieb stehen und lauschte. Die wunderlichen Klänge schienen von der Wiese zu kommen. Mit unhörbaren Schritten schlich er auf dem weichen Moose den Pfad entlang und erreichte bald den Rand der Lichtung. Richtig, von der Mitte der Wiese tönte ihm die süßeste Melodie entgegen, wie er noch keine in seinem Leben gehört hatte. Es wurde ihm dabei so weh und wieder so wohl um die Brust, dass er seiner Arbeit ganz vergaß. Er lehnte die Sense an einen Baumstamm und lauschte mit verschränkten Armen dem berückenden Singsang. Der Nebel wurde dünner, schon schimmerte blassgrau das Himmelsgewölbe hindurch. Dann brachen glutrot die ersten Strahlen der Morgensonne durch das dunkle Blätterwerk des Buchenwaldes, und die ganze Wiese erglühte in rosarotem Nebelglanz. Nun sah er, was er noch niemals gesehen, und was schöner war als die Wunden des Traumes. Drei Wiesenfräulein tanzten auf dem grünen Rasenteppich einen Reigen. Sie hielten sich bei den Händen gefasst und drehten sich langsam mit wiegenden Bewegungen im Kreise. Dazu sangen sie eine so schwer-mütige Weise, dass den Burschen eine unstillbare Sehnsucht befiel. Kein Auge konnte er mehr von ihnen wenden.

Sie trugen Schleierkleider, zarter als die feinste Seide. Die wallten im Takt des Gesanges feierlich über dem taufrischen Grunde. Kaum schienen die schlanken Gestalten mit den weißen Füßen die Spitzen der Gräser zu berühren, so schwebsam war der Tanz. Ihr Haar war gelöst und umfloss die leuchtenden Glieder, dass die Arme aus ihm, bald hier bald da, wie aus schimmernden Fluten emportauchten. Von unwider-stehlicher Sehnsucht gezogen, ging der Jüngling auf den Reigen zu, ihn näher zu schauen. Eine war blond wie Flachs und hatte Augen von der Farbe der Kornblume. Ihr Anblick zerstörte alle Erinnerung. Die zweite war braun wie der Glanz der Kastanie. Ihre Augen waren blassgrau und tief wie das Wasser des Meeres. Sah man hinein, so gab es einem einen Stich in Herz. Die dritte war schwarz wie der Nachthimmel von Augen und Haaren. Wenn er sie ansah, begann er zu taumeln. Alle drei aber hatten irgendetwas in ihrer Erscheinung, was anders war als bei den Menschenkindern, ohne dass er recht sagen konnte, was es sei. Ihre Augen waren weiter, ihre Haare länger, ihre Gestalt schmächtiger. Die Haut erschien durchsichtig und leuchtend, und sie waren nicht größer, als zwölfjährige Mägdlein zu sein pflegen.

Während der Bursche noch mit offenen Munde auf den Reigen starrte, und, wie er meinte, von den schönen Mädchen gar nicht beachtet wurde, öffneten die drei urplötzlich den Tanzkreis, ohne den Reigen zu unter-brechen, und wie sie ihn gleich darauf wieder schlossen, hatte die Schwarze den Jüngling bei der rechten, die Braune ihn bei der linken Hand ergriffen, und schon fühlte er, wie sein Körper über dem Grase zu schweben und sich mit ihnen im Kreise zu drehen begann. Der wunderbare Gesang stieg ihm wie ein schwerer Wein in den Kopf, er fühlte, dass ihn ein Schwindel erfasste, aber es war ein glückseliges Gefühl; denn aus den Händen der Mädchen, welche die seinigen hielten, drang ihm ein süßer Rausch zu Herzen, dass er Gott und die Welt vergaß und ihm die Sinne schwanden. Er glaubte noch ein tolles, klirrendes Gelächter zu vernehmen, das wie aus unendlicher Ferne kam, dann wusste er nichts mehr von sich...

Um elf Uhr vormittags ging sein Vater, der alte Bauer, nach dem Siedelwalde, um nachzusehen, wie weit sein Sohn mit der Grummet-ernte gekommen sei. Verwundert sah er am Rande der Wiese die Sense stehen. Gemäht war nichts. Die Bienen summten über den Klee, und die Waldschmetterlinge naschten an den weißen und gelben Sternblumen, die hin und wieder zwischen den Gräsern blühten. Auf der Mitte des Wiesenplanes lag etwas Dunkles. Als er hinzutrat, sah er seinen Sohn in tiefem Schlafe liegen. Wie er ihn wecken wollte, merkte er, dass es kein gewöhnlicher Schlaf war. Es dauerte gar lange, bis er den Burschen munter bekam, und auch dann taumelte er noch wie ein Trunkener. Da wusste der Alte, dass die Wiesenfräulein ihr Wesen mit ihm getrieben hatten, wie das in diesem Walde nicht gar selten vorkam. Wahrschein-lich hatte ein Hahnenschrei oder ein Morgenruf die Geister ver-scheucht, sonst hätten sie den armen Jungen zu Tode getanzt, wie es ihre Art ist. Bald fand der Bauer seinen Verdacht bestätigt; denn um den Platz, wo er den Sohn angetroffen hatte, wuchsen im Kreise die Hexen-pilze, die immer da wachsen, wo die Unheiligen ihren nächtlichen Reigen tanzen.

 

 

23.    Die drei Wiesenfräulein[166]

Früh vor Tagesanbruch mähte am Siedelwalde ein Bauer seine Wiese. Da vernimmt er auf einmal ein liebliches Klingen und Singen wie Stimmen der Vögel, zugleich traten aus dem Nebel drei Jungfrauen des zartesten Alters hervor, in langen weißen Gewanden, und tanzten einen wunderseltsamen Tanz. Die eine trug einen silbernen Halbmond auf der Stirn, wie einst die alte Heidengöttin Frau Luna oder die Göttin der Jagd. Plötzlich krähte der Hahn auf der benachbarten Mühle, und im Nu war die liebliche Erscheinung verschwunden, jedoch mit einem Gelächter, daß dem Bauern schier graute. Später sah man an jener Stelle die sogenannten „Hexenringe“, die zur Herbstzeit auf Anger und Wiese vorkommenden Kreise von großen und kleinen Pilzen, dort in der Gegend „Hundsfischd oder Bovist“ genannt.

24.    Ein herrlicher Reigen[167]

Noch bevor die Sonne ihre Tagesreise begann, ging ein Bauer aus Ensheim zur Zeit der Heuernte hinaus auf seine Wiese am Siedelwald. Solange das Gras feucht ist, „schneidet“ es sich gut, sagte sich der Mäher. Besonders heute mußte das Gras lange naß bleiben, denn eine dichte Nebelwolke lag über der Wiese. Gerade hatte der Bauer seine Sense gewetzt, als er ein schönes Singen vernahm. Woher kamen diese Stimmen? Ah, dort drüben tanzten drei Jungfrauen in weißen Gewändern, die bis zum Boden reichten. Wie schön sie tanzten, wie herrlich sie singen konnten! Ist das nicht ein silberner Halbmond auf dem Haupte der einen Tänzerin? Vergessen war die Arbeit. Wer hat jemals das Glück gehabt, ein solches Schauspiel zu schauen! Der Bauer konnte sich nicht sattsehen. Doch da krähte der Hahn in der nahen Mühle, die drei Wiesenfräulein verschwanden mit einem gräßlichen Gelächter. Als er die Stelle erreichte, wo sich eben noch die drei Holden im Tanze wiegten, da fand er eine Menge Hexenringe, Pilze also, die im Kreis wachsen.


25.  Der „Schlappe“[168]

Zu den besonders noch volkstümlichen Geistern überall um Ensheim und den Stiefel gehört auch der „Schlappe“ (Schlapphut). Das ist ein schwarzer Mann mit einem Schlapphut und einem fliegenden Mantel, der vorab am Ausgang des St. Ingberter Waldes auf dem Wege nach Ensheim zu geht. Er begegnet dem Wanderer auf der Berghöhe im Nebel, springt ihm auf den Rücken und reitet ihn bis zum Ensheimer Hof, wo er verschwindet. Aber auch auf der Straße von Eschringen nach Fechingen zeigt er sich gerne am „Pfaffenbrünnchen“ und am „Scheppchen“, einem Walde an der ehemaligen bayrisch-pfälzischen Landesgrenze. – Bis zum „Pfaffenbrünnchen“ ließ er sich hier wohl tragen. Auch den Leuten, die frühmorgens in die Stadt auf den Markt gingen, erschien dieser schwarze Mann oft. Dann ging er neben ihnen her vom Scheppchen bis zum Pfaffenbrunnen, wo er verschwand, aber ohne ihnen je etwas zu leide zu tun. Dann wird auch noch von seinem Erscheinen auf dem Mühlenweg von Heckendalheim nach Ensheim von anderer Seite berichtet, also von der Gemarkung „Hahn“ beim Triesch-hofe, und demnach ebenfalls dem heutigen Ensheimer Hof, wo er wohl gerne bis zur Gemarkung „Auf dem Ensheimer“ die Vorübergehenden in den Abendstunden reitet. Bei Tage hält er sich hier in der dunklen, tiefen „Hohnerklohm“, insbesondere bei den großen Felsen beim Ausgang zur Kirkelbach auf. Und schließlich spukt er dann noch in der „Schnapphahner Dell“. Frauen aus Rentrisch scharrten hier einmal Laub im Walde und gingen dann, die gefüllten Laubtücher auf dem Kopfe, durch die Schnapphahner Dell wieder dem Dorfe zu. Da „trabbte“ es hinter ihnen, wie wenn jemand raschen Schrittes nachkäme. Sie blieben stehen und sahen sich um, aber kein Mensch war weit und breit. Als sich dasselbe Spiel noch ein paarmal wiederholte, bekamen sie es mit der Angst zu tun und liefen schreiend die St. Ingberter Straße hinunter. Die Alten daheim aber meinten, das käme öfter vor, das wäre der Schnapp-hahn gewesen. Hier scheint es also, als ob der Schlapphut, der einerseits Züge des wilden Jägers trägt, mit dem gefürchteten Stiefeler Raubritter und Schnapphahn Geppert vor allem zusammengeworfen wäre, neben der vielen Schreckgespenster des Stiefels eben, neben dem Riesen Kreuzmann und dem Maltitz, und so wilden Jäger, der hier sein Hauptquartier auf diesem sagenreichsten Berg des ganzen Saarlands im weitern Sinne aufgeschlagen hat...

26.    Er belästigt den Wanderer[169]

Der Schlapphut läßt sich am Ausgang des St. Ingberter Waldes auf dem Wege nach Ensheim sehen. Er belästigt den Wanderer, indem er ihm auf den Rücken springt und sich bis zum Ensheimer Hof tragen lässt.

27.    Ein Priester mahnt[170]

Auf der Gemarkung „Weiden“ zwischen Heckendalheim und dem Ensheimerhof liegt die sogenannte „Buchsblumenkaul“. Hier ereignete sich einmal eine recht merkwürdige Geschichte. An einem Karfreitag fuhren zwei Bauern dorthin zum Pflügen. Sie dachten sich nichts Schlechtes dabei, denn es war so Sitte, daß man an diesem Tage wie an anderen auf dem Feld arbeitete. Ihre Familien waren ja beim Gottes-dienst, damit konnte die Sache doch nichts zu tun haben. Sie hatte es nicht.

Als sie die erste Furche hinter sich gebracht hatten und an der Kaul umwenden wollten, da sahen sie doch einen Priester in vollem Ornat da drunten auf der Erde liegen, einen Kelch in der Hand, und sie mit starren Blicken anschauen. Sie hätten gerne aufgehört, aber unter einem Zwang, der von oben kam, pflügten und pflügten sie, bis die letzte Furche beendet war. Und immer wieder sahen sie den Pfarrer – er mußte wohl tot sein – wie er durch Winken mahnte.

Ganz aus dem Häuschen, an der Welt an ihrer Ordnung zweifelnd, kamen sie heim und schworen, nie mehr am Karfreitag auch nur einen Stock in die Hand zu nehmen. Sie hielten das Versprechen, denn allzu eindringlich war die Belehrung des Priesters, auch wenn er nichts gesprochen hatte.

28.    Der Teufel setzte ihm zu[171]

Vor langer Zeit hatte ein junger Bursche aus Fechingen ein Mädchen aus Ensheim liebgewonnen. Es war oft sehr spät, bis er den Heimweg antrat. Einmal schlug gerade vom Ensheimer Kirchturm her die Mitter-nachtsstunde. Da sah er vor sich ein gesatteltes Pferd weiden. Reiten geht schneller als Gehen, sagte sich der Jüngling, und schon saß er im Sattel. Im rasenden Galopp ging es den Berghang hinunter dem Wischbach zu. Zu spät erkannte der Reiter, daß das Pferd überhaupt keinen Kopf hatte. Da stimmte also etwas nicht. Es half nur eines: Herunter vom Pferd. Wie aber, bei diesem mörderischen Tempo. Der Bursche wagte es trotzdem. Er ließ sich unten, nahe des Baches, vom Gaul fallen und sah gerade noch, wie das Tier in den Fluten des Baches verschwand. Eine Stimme rief: „Das hat dir der Teufel getan.“

Wenn ihm nicht alle Knochen am nächsten Tag wehgetan hätten, der Bursche hätte an einen Traum gedacht.

29.    Der Spuk auf dem Großen Stiefel[172]

In dem felsigen Waldgelände zwischen der Blies und der Saar, etwa eine Wegstunde von St. Ingbert, ragt ein steiler, seltsam gestalteter Berg-rücken. Er heißt von altersher der Große Stiefel.

In grauer Heidenzeit hat es dort Riesen gegeben. Der schrecklichste von ihnen war der Kreuzmann. Wie er zu diesem Namen gekommen ist, scheint ein düsteres Geheimnis zu sein; denn mit dem christlichen Kreuze hatte er gewiss nichts zu schaffen. Er war ein Menschenfresser. Hoch oben auf dem Großen Stiefel stand sein Turm, worin er hauste. Am Berghang ragt noch heute der ungeheure Felsentisch, worauf der die geschlachteten und gebratenen Opfer verzehrte.

Wenn er Hunger bekam, stieg er in die Täler und holte sich aus den Hütten jedes Mal ein oder zwei Menschlein. Manchmal erwischte er auch mehr. Dann sperrte er die übrig bleibenden in einen aus Fichten-stämmen gezimmerten Käfig. Oft hörte man meilenweit im Lande das Geschrei der Unglücklichen, wenn er einen von ihnen herauszog für seine grausige Mahlzeit. Und jedes Mal ertönte darauf sein Hohn-gelächter. „Horch, wie meine Vögel pfeifen!“ höhnte der Unhold. Nach dem Mahle verschwand das Ungeheuer in seinem Turm, und wer durch den Wald ging, konnte ihn schnarchen hören. So trieb er es lange Zeit, und des Jammers unter den Bauern des Landes schien kein Ende zu sein. Schließlich aber schlossen sie sich in ihrer Verzweiflung zusammen, um dem Menschenfresser zu Leibe zu gehen. Er hatte gerade ein paar Kinder verspeist und schnarchte in seinem Bau lauter denn je. Da kamen mit einemmal an tausend Bauern den Berg herauf, und jeder trug ein Bündel Reisig oder Stroh. Im Augenblick hatten sie rund um den Turm einen großen Scheiterhaufen aufgeschichtet und ihn angezündet. Es gab eine Flamme, als ob der ganze Berg in Feuer aufginge. Als der Qualm in die Turmfenster eindrang und dem Kreuzmann in die Nase stieg, musste er gewaltig niesen. Das klang so fürchterlich, dass die Leute, was sie konnten, den Berg hinunterliefen. Es war aber auch höchste Zeit. Der Kreuzmann war vom Niesen wach geworden. Er sprang durch die Flamme aus dem Turm heraus. Wutschnaubend ergriff er seinen Wetzstein und schleuderte ihn den Fliehenden hinterher. Der sauste über ihre Köpfe hinweg in das Dörfchen Rentrisch, das am Fuße des Großen Stiefels liegt. Dort drang er neben dem Bach tief in die Erde ein, und da steckt er noch heute als ein großer, spitziger Felsblock. Wie der Menschenfresser sah, dass er seine Feinde nicht getroffen hatte, lief er ihnen nach. Nun wären sie verloren gewesen. Er hätte sie unter seinen Füßen zermalmt. In ihrem Glück aber stolperte er über einen Eichen-stamm, der im Walde lag, und fiel mit dem Kopf so schwer auf einen Felsen, dass ihm die Hirnschale barst und er besinnungslos liegen blieb. Da machten die Fliehenden kehrt und schlugen ihn mit ihren Äxten vollends tot. Die Riesenleiche wurde in eine Bergmulde geworfen und so lange mit Felsgestein zugedeckt, bis sie gänzlich verschwunden war und sich über ihr ein mächtiger Steinhügel wölbte. Er heißt noch heute das Riesengrab.

Ein paar hundert Jahre später kamen sieben fromme christliche Ritter in das Waldgebirge an der Saar. Niemand wusste, woher sie kamen, und sogar ihre Namen sind unbekannt geblieben. Sie suchten sich die sieben höchsten Felsenberge aus, verteilten sie untereinander und erbauten sieben Burgen. Die sind nun freilich schon seit tausend Jahren zerfallen und selbst die Kunde, wo sie lagen, ist verschollen. Doch will man an den Bausteinen und Mauerresten, die auf einzelnen saarländischen Waldbergen unter den Wurzeln der Bäume, den Sträuchern und Moosen, gelegentlich zum Vorschein gekommen sind, drei dieser Burgstätten wiedererkannt haben, den Höcherberg bei Neunkirchen, den Hölsberg bei Bliesingen[173] und den Roten Kopf bei St. Ingbert. Nur eines der sieben Bergnester kennt man genau. Es ist das Stiefler Schloss, die uralte Ruine auf dem Großen Stiefel. Der Ritter, welchem es gehörte, hieß beim Volke Ritter Heim. Er soll sehr reich, doch auch sehr gut gewesen sein. Als sein Geschlecht ausgestorben war, zerfiel das Schloss allmählich. Die Raubritter, die danach im Lande hausten, richteten es zu ihrem Schlupfwinkel ein, weil sie von da die Kaufleute überfallen konnten, welche durch die Schlucht bei Rentrisch kamen.

Es gibt aber noch ganz andere Geheimnisse in den dunklen Wäldern am Großen Stiefel, seltsame Dinge, die bis an unsere Tage heranreichen. Es geistert in diesen Forsten höchst unheimlich. Noch vor wenigen Jahrzehnten haben Leute dort sonderbare Geschichten erlebt. So haben Hüttenarbeiter, die zufällig in der Nacht von Bischmisheim nach St. Ingbert gingen, deutlich den Maltitz im Walde brausen hören. Andere wollen ihn sogar gesehen haben. Dieser Maltitz war einst ein freiherrlicher Jagdmeister im Köllertale. Er ließ die armen Landleute unbarmherzig frohnen. Am Sonntag Vormittag mussten sie Treiber-dienste leisten, sodass sie nicht in die Kirche gehen konnten. Als einmal ein alter Bauer, während die Glocken feierlich zur Messe riefen, den Jagdmeister bat, das unheilige Handwerk zu unterbrechen, damit er ein Vaterunser beten könne, schlug ihm der erboste Mensch die Saufeder um den Kopf, dass das Blut nur so rann. In demselben Augenblick fuhr wie der Blitz eine große schwarze Wildsau aus dem Gehölz, dem Maltitz gerade zwischen die Beine. Er kam rittlings auf das Tier zu sitzen, und im Nu war es mit ihm im Walde verschwunden. Man hat ihn nie wiedergesehen, es wäre denn als wilden Jäger, in stürmischen, dunklen Nächten. Da jagt er auf der Wildsau, begleitet von Geister-hunden und Wölfen, durch die Saarwälder. Dazu wird er wohl auch heute noch verdammt sein.

Dieser Wilde Jäger vom Köllertal ist aber nicht das Schlimmste, was einem am Großen Stiefel begegnen kann. Es braust vorüber, und man braucht nur ruhig stehen zu bleiben, so kann einem nichts geschehen. Und am Tage ist man vor ihm sicher. Peinlicher ist eine Begegnung mit dem Alten vom Saarwalde. Da wird einem, sei es im lichten Sonnen-schein oder in webender Mondnacht, auf einmal ganz ängstlich zumute, ohne dass man sagen könnte, wovor man sich eigentlich fürchtet. Aber plötzlich wendet man den Blick nach irgend einer verdächtigen Stelle, und siehe, da steht totenstarr, mit fahlem Gesicht, ein steinalter Mann im Jagdrock, einen Hirschfänger an der Seite und eine wallende wilde Feder auf dem Hut. Er sieht einem mit funkelnden Geisteraugen gerade ins Gesicht, und es soll noch niemand diesem Blick standgehalten haben. Wer immer den Alten sah, der ist in bleicher Angst, so schnell er konnte, davongelaufen. Zuletzt ist er vor nicht sehr langer Zeit von zwei Bergleuten gesehen worden, die auf dem Großen Stiefel einen Eichen-stumpf klein machen wollten. Es kam ihnen schon verdächtig vor, dass es bei jedem Streich ihrer Äxte in der Tiefe des Berges kollerte und rumpelte. Schließlich ließen sie von der Arbeit ab und blickten einander verstört an. Da stand plötzlich ihnen gerade gegenüber im Schatten einer Buche der gespenstische Alte. Sie ließen alles stehen und liegen und rannten, was sie konnten, ins Tal hinunter.

Auf andere Weise wieder geht es um in der Nähe der Stiefler Schloss-ruine. An gewissen Sommertagen, wenn es ganz windstill ist und die Luft von den Dünsten des Waldes zu flimmern beginnt, kann es vorkommen, dass ein einsamer Wanderer mit einem Mal den Schloss-garten, wo seit vielen hundert Jahren nur Brombeerhecken, Ginster und Farne wachsen, in seiner ganzen ehemaligen Pracht und Blüte vor sich sieht. Da gibt es Rosen, Malven und Akelei, schimmernde Wege und schattige Laubengänge. Ehe man vor Verwunderung recht zur Besin-nung kommt, ist alles wieder verschwunden.

Auch die Schlüsselblumen, welche im Frühjahr so zahlreich auf den unteren Hängen des Berges blühen, sind nicht von gewöhnlicher Art. Sie sind üppiger, goldener als andere und haben einen seltsam süßen Duft. Als einmal ein armes Mädchen, ein Waisenkind, das von seinem Jägerburschen verlassen wurde, weil er eine reiche Wirtstochter freien wollte, in Trübsinn fiel und durch den Wald irrte, kam es zufällig auf die Halde am Großen Stiefel unterhalb der Burgruine. Wie es die gold-leuchtenden Blumen sah, lächelte es unter Tränen und pflückte sich einige davon, um nicht immer an den untreuen Geliebten denken zu müssen. Den Strauß trug es nach Hause und stellte ihn über Nacht in einen Krug. Als es den Blumen am nächsten Morgen frisches Wasser geben wollte, da merkte es, dass sie zu lauterem Golde geworden waren. Das arme Ding schämte sich seines Reichtums und versteckte den Schatz, aber es kam doch heraus, und da bekam es einen flotten Reitersmann zum Liebsten, der es auch bald geheiratet hat. Der andere, der sie verlassen hatte, verprasste das Geld seines Schwiegervaters, kam in Schulden und Unehre und hing eines Tages als Leiche im Bergwald am Großen Stiefel.

Man erzählt auch von großen Schätzen, die in der Nähe des Stiefler Schlosses zwischen den Felsen vergraben liegen. Sie kommen von den Raubrittern her, die auf dem Schlosse lange Zeit ihr Unwesen getrieben haben. Was die an Kostbarkeiten den Reisenden und Kaufleuten raubten, vergruben sie meistens außerhalb der Burg im Walde. Wenn sie dann in ihrem Neste ausgehoben und nach Recht und Gesetz gehenkt wurden, blieben die Schätze in der Erde, und sie liegen wohl auch gegenwärtig noch da verborgen. Es ist nicht ratsam danach zu suchen; denn es spukt gefährlich von unbekannten Geistern, die sie zu bewachen scheinen. Einmal ging ein habsüchtiger Bauer mit Spaten und Hacke zu nächtlicher Stunde auf den Schlossberg, weil er meinte, eine Stelle zu kennen, wo solch ein Schatz vergraben lag. Eifrig machte er sich an die Arbeit, und richtig, nach geraumer Zeit legte er eine große eiserne Kiste bloß. Schnell hob er den Deckel hoch. Da gleißte im Mondschein das lauterste Gold. Obwohl er sehr gut wusste, dass man beim Schatzgraben schweigen muss, stieß er vor Freude einen lauten Jubelruf aus. In demselben Augenblick versank die Kiste tief in der Erde. Er selber aber erhielt eine knallende Ohrfeige. Die war so kräftig, dass er bewusstlos zu Boden fiel. Als der Morgen dämmerte, erwachte er aus seiner Ohnmacht. Verwundert nahm er wahr, dass von seiner gestrigen stun-denlangen Arbeit nicht die Spur zu sehen war. Ringsum nur Moos, Ginster und Waldklee. Unbenützt lehnten an einer Buche seine Werk-zeuge. Während er noch staunte, erklang über ihm im Wipfel der uralten Wettertanne ein so teuflisches Hohngelächter, dass es ihm durch Mark und Bein ging und er ohne an die Mitnahme seiner Geräte zu denken in großen Sätzen den Berg hinabrannte. Wie er den Wiesengrund erreichte und atemlos verweilte, flogen Spaten und die Hacke, von ungeheurer Kraft geschleudert, über seinen Kopf hinweg in die Wiese, wo sie tief im Erdreich stecken blieben. Er soll danach ein bescheidener, mit seinem Los zufriedenen Mensch geworden sein.

30.    Am Riesentisch[174]

Auf dem großen Stiefel, dem kegelförmigen Berg bei Ensheim, heißt eine Felsenplatte „Riesentisch“. Hier hauste vor Zeiten der fürchterliche Riese Kreuzmann, welcher Menschen einfing und sie verzehrte.

Menschenfleisch war seine Lieblingsspeise. Um Menschen zu fangen, heckte der Riese mit seinen Kumpanen jedesmal einen Plan aus. Ihre Schwerter schärften sie an dem Spil- oder Gollenstein im Orte Ren-trisch, an einer Spitzsäule also, die fünf Meter mißt und ebenso tief im Boden steckt. Geraubtes Gut wurde im Innern des Berges aufgestapelt. Die Menschen aber brachte der Riese auf dem Zweispitz, einem gewaltigen Felsen, seinen Göttern zum Opfer dar.


31.              Der Riese Kreuzmann auf dem Großen Stiefel[175]

Auf dem „Großen Stiefel“ bei St. Ingbert schaltete und waltete einst der grausame Riese Kreuzmann. Er war ein fürchterlicher Bösewicht und der Schrecken der ganzen Umgegend. Ehe er mit seinen wilden Gesellen auf Raub auszog, wurden im Tale die Schwerter geschärft. Als Wetz-stein gebrauchte man dabei einen im Orte Rentrisch noch heute vorhandenen Spil- oder Gollenstein, eine viereckige Steinsäule, die etwa fünf Meter über die Erde und ungefähr ebenso tief in dieselbe reicht.

Mit dem geraubten Gute füllte Kreuzmann seine Vorratskammern; als solche dienten ihm die Höhlen im Innern des Berges. Seine Gefangenen brachte er auf der Zweispitz, einem gewaltigen Felsen, den er zugleich als Tisch benutzte, seinen Götzen zum Opfer. Menschenfleisch soll, wie das Volk erzählt, seine Lieblingsspeise gewesen sein.

32.    Der Riese Kreuzmann[176]

Am großen Stiefel, dem kegelförmigen Berge bei Ensheim, heißt eine Felsenplatte der „Riesentisch“. Hier hauste vor Zeiten der fürchterliche Riese „Kreuzmann“, welcher Menschen einfing und sie verzehrte.

Ehe er mit seinen wilden Gesellen auf Raub auszog, wurden im Tale die Schwerter geschärft. Als Wetzstein gebrauchte man dabei einen im Orte Rentrisch noch heute vorhandenen Spil- oder Gollenstein, eine vier-eckige Spitzsäule, die etwa fünf Meter über die Erde und ungefähr ebenso tief in dieselbe reicht.

Mit dem geraubten Gute füllte Kreuzmann seine Vorratskammern; als solche dienten ihm die Höhlen im Innern des Berges. Seine Gefangenen brachte er auf dem Zweispitz, einem gewaltigen Felsen, den er zugleich als Tisch benutzte, seinen Götzen zum Opfer. Menschenfleisch soll, wie das Volk erzählt, seine Lieblingsspeise gewesen sein.

33.    Der Riese Kreuzmann und der Spillstein[177]

Am Großen Stiefel bei Rentrisch heißt eine Felsenplatte der „Riesen-tisch“. Hier hauste vor Zeiten der fürchterliche Riese „Kreuzmann“, welcher Menschen einfing und sie verzehrte.

Ehe er mit seinen wilden Gesellen auf Raub auszog, wurden im Tale die Schwerter geschärft. Als Wetzstein gebrauchte er dabei den Spillstein bei dem Orte Rentrisch. Der Spillstein ist eine spitze Spitzsäule, die etwa fünf Meter über die Erde und ungefähr ebenso tief in die Erde reicht.

Mit dem geraubten Gute füllte Kreuzmann seine Vorratskammern; als solche dienten ihm die Höhlen im Innern des Berges. Seine Gefangenen brachte er auf dem Zweispitz, einem gewaltigen Felsen, den er als Tisch benutzte, seinen Götzen zum Opfer dar. Menschenfleisch soll seine Lieblingsspeise gewesen sein.

Bei St. Ingbert steht ein ähnlicher großer Stein. Es ist der Gollenstein[178], von dem das Volk erzählt, hier habe der Riese Goliath sein Schwert geschärft.

34.    Das Ende des Riesen Kreuzmann und das Riesengrab[179]

Dieser Riese Kreuzmann vom großen Stiefel war so stark, dass er die ältesten Waldbäume wie Hanf ausriss und Felsenstücke heben konnte so groß wie kleine Häuser, wie man es eben noch an dem Riesentisch sehen kann, den er sich an die Seite des Stiefels gegen das Mühltal setzte. Den im Tal ergatterten Menschenvorrat, soweit er sich denselben noch auf-sparen wollte, sperrte er in einen hölzernen Käfig ein, bis er Hunger bekam. Darin sollen die Unglücklichen so fürchterlich geschrien haben, dass es weithin schallte, worauf er voll Bosheit meinte: "Ei, wie schön meine Vögel pfeifen!" Zur Mahlzeit aber nahm er sich einen oder gleich mehrere Menschen dann heraus, briet sie auf der Felsenebene, an deren Ende sein Tisch stand, gar, um sie dann auf diesem zu verspeisen.

Lange Zeit trieb er es so, bis sich endlich die Talbewohner ermannten und beschlossen, ihn umzubringen. Man wollte ihn nach einer Mahlzeit, nach der er gewöhnlich einige Tage fest schlief, ausräuchern, schleppte Stroh, Reisig und Gehölz um seinen Turm und zündete es an, um ihn im Schlafe zu ersticken. Doch der hielt den eindringenden Rauch, von dem er wach wurde, nur für dicken Waldnebel. Immerhin stieg er in seiner Nase hoch, sodaß er niesen mußte, wovon wie bei einem Erdbeben der Boden weithin erzitterte und die Leute erschreckt den Berg hinabliefen.

Als Kreuzmann aus seinem Turm heraustrat, um frische Luft zu schöpfen, sah er erst, was sie angerichtet hatten und wurde fuchs-teufelswild. Das nächste beste, was ihm unter die Hände fiel, war sein großer Wetzstein, an dem er ja die Messer zum Schlachten seiner Opfer scharf zu machen pflegte. Den schleuderte er den Feinden nach und sausend fuhr er durch die Luft zu Tal, weit über die Menschen hinweg aus Rentrisch, fuhr dort mit der Spitze in die Erde, wo er noch heute neben dem Bache, zum Wahrzeichen dieses Ortes geworden, zu sehen ist.

Nun wollte der Riese selbst eilends hinablaufen, um mit Baumstämmen seine Gegner zu erschlagen, stolperte aber über einen Fels und fiel betäubt hin. Kaum sahen das die Menschen, so liefen die beherztesten unter ihnen hin und schlugen ihn vollends tot; legten ihn dann in ein tiefes Loch, auf das sie Stein auf Stein wälzten, bis ein kleiner Berg sich erhob. Und darunter liegt er heute noch begraben und man nennt ihn immer noch das Riesengrab.

35.    Die Arbeit war umsonst[180]

Man kann auf die ausgefallensten Ideen kommen, wenn man sich gegen eine Plage zu wehren hat. Ob wohl jemals ein Kraut gegen den Riesen Kreuzmann gewachsen sein wird? so fragten sich die Geplagten in den Tälern. Schon vieles war versucht worden, Herr über den Riesen zu werden, doch jedesmal blieb nur die Niederlage und das gräßliche Lachen des Riesen. Einmal versuchten es wagemutige Männer den Unglücksbringer in seiner Höhle einzumauern. Man wartete, bis der Riese in tiefen Schlaf versunken war. Dann wanderten die Steine über eine lange Kette von Männern hinauf zur Höhle. Auch Sand, Kalk und Wasser nahmen diesen Weg, Siehe da, das Unternehmen glückte, schon deshalb, weil fast kein Laut während der ganzen Aktion zu vernehmen war. Als aber Kreuzmann nach drei Tagen erwachte und sich streckte, stieß er mit dem Ellenbogen an die Mauer. Sie stürzte zusammen, und die Steine rollten den Berg hinab. Kreuzmann stieß einen fürchterlichen Fluch aus, und die drunten im Tale wußten, was die Glocke geschlagen hatte...

36.    Ausgeräuchert[181]

Vom Riesen Kreuzmann erzählt das Volk manche Sage. Er soll so groß wie ein Heubaum gewesen sein. Sein Lagerfeuer schürte er mit armdicken Bäumen, die er samt Wurzeln aus dem Boden riß, so erzählen es diejenigen, die es gesehen hatten.

Das alles hätte den Menschen im Tale keine Gedanken gemacht, wenn dem Riesen nicht so sehr das Menschenfleisch geschmeckt hätte. Das war ein gar schlimmes Übel! Alle bisherigen Angriffe gegen Kreuzmann waren ergebnislos geblieben.

Die von Rentrisch wollten den Riesen nun endgültig beseitigen und so das Land vom Unheil befreien. Sie wollten den Unmenschen mit Wein betäuben und dann ausräuchern. Gedacht, gesagt, getan...

Zwei schwere Ochsen zogen die Weinfuhre den Berg hinan. Kreuzmann sah das und rieb sich die Hände. Warum sollte er nicht auch einmal Ochsenfleisch essen? Also verspeiste er die beiden Ochsen und tat sich dann am Wein gütlich, so lange und so intensiv, daß er in einen tiefen Schlaf fiel und schnarchte, daß die Erde erbebte. Da waren auch schon die Rentrischer zur Stelle. Mutige Männer schleppten das bereitliegende Brennholz vor die Höhle und steckten es an. Hitze und Rauch weckten den Riesen. In seiner Wut durchbrach er das Feuer. Seine Kleider fingen dabei an zu brennen, und so sehr er sich auch auf dem Boden wälzte, er konnte die Flammen nicht ersticken.

So mußte der Riese Kreuzmann elendig verbrennen, und alle Menschen am Großen Stiefel hatten diese Plage los.


37.    Der wilde Jäger des Stiefels[182]

Den wilden Jäger gibt es allenthalben im Saarland, so im St. Johanner Stadtwald, in der Kieselhumes, am Römerbrünnchen und beim Heiden-kopf. Sein bevorzugtes Jagdgebiet ist aber der Große Stiefel, doch führt ihn seine wilde Jagd bis ins Primstal und immer weiter. Es ist der Freiherr von Maltitz, einst Oberforst- und Oberjägermeister des Fürsten von Nassau-Saarbrücken. Zuweilen sieht man ihn mit dem Kopf unterm Arm. Denn zur Strafe für seine Hartherzigkeit armen Leuten gegenüber findet er keine Ruhe. Wer nachts wachliegt und lauscht, der hört die Unruhe in der Luft und in den Bäumen des Waldes und verschließt die Türen fest, damit der Maltitz sie nicht aufstößt und mit seiner wilden Jagd hereinkommt und das lärmende Spektakel ins Haus bringt. Vor allem im Herbst ist seine Zeit. Da kommt es vor, dass mancher im Wald in die wilde Jagd hineingerät, und dann geht sie mit Mann und Ross und Hunden über ihn hinweg.

In der Nähe von Fischbach gibt es heute noch ein Malditzebrünnchen, sehr einsam und abseits gelegen. Daraus trinkt die Meute des Jägers, wenn sie vorbeikommt. Der Maltitz selbst trinkt nicht, denn sein Durst ist nicht zu löschen, von keinem Wasser der Erde. Wer sein Leben lang von der Jagd so besessen war, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen, der verliert seine Seele, und sein Durst nach dem Unmöglichen ist ohne Grund und Boden.

Er erscheint auch manchmal am hellen Tage, ohne seine Jagdgenossen und seine Meute. Dann sitzt er irgendwo am Waldrand im Försterkleide, den Arm aufs Knie, den Kopf auf die Hand gestützt, und blickt ins Tal. Wenn jemand ihn sieht, dann sagt er wohl: „Der Maltitz, da owwen huckt’r!“ Aber wenn man hinsieht, ist der Maltitz verschwunden.

38.    Der unheimliche Jäger[183]

Eine unheimliche Geschichte trug sich mit zwei Hüttenarbeitern aus St. Ingbert zu, die sich an einem schichtfreien Tag des Jahres 1856 in den Wald am Großen Stiefel begaben, um dort eine Fuhre Dürrholz zu machen. Am östlichen Abhang des Stiefels, ungefähr hundert Schritte von seinem höchsten Punkt, trafen sie auf einen dürren, eichenen Stumpen, der noch auf der Wurzel stand und wohl einige Traglasten abwerfen mochte. Sie hieben fleißig darauf los, aber trotz der guten Schneide ihrer Äxte ging nicht ein einziger Hieb ein und unter der Wurzel des Stammes pummerte und rumpelte und polterte es bei jedem Schlag, als wolle der ganze Stiefel auf einmal zusammenstürzen.

Da wird es ihnen angst und bange, der Schweiß rieselt ihnen von der Stirn und sie lassen zu gleicher Zeit mit ihren Hieben nach. Wie sie sich aber ängstlich verwundert und stumm fragend anschauen, steht urplötzlich vor ihnen eine lange, hagere Gestalt, aus deren geisterhaft fahlgrauen Gesicht zwei funkelnde Augen blitzen. Es war der unheim-liche Jäger; der trug einen grauen Rock mit grünem Kragen und ebensolchen Aufschlägen und als Kopfbedeckung einen runden, ein-seitig aufgekrempelten Hut mit wilden Federn. An der linken Seite hing ihm ein Jagdsack, ein sogenannter Büchsenranzen und darunter ein Hirschfänger. Wie vor dem Leibhaftigen ergriffen die beiden Holzfäller die Flucht, rannten wie gehetzt den Berghang herab und treffen unten auf der Ebene die Kühfuhre, die sie mit einem Verwandten zum Abholen des Holzes sich bestellt hatten. Die wenden sie schnell um, unverrichteter Sache, mit dem festen Vorsatz, auf dem Stiefel kein Brennholz mehr zu sammeln. Was sie auch ihr ganzes Leben lang gehalten haben.

39.    Der unheimliche Jäger[184]

Zwei Kumpels wollten einmal an einem arbeitsfreien Tag des Jahres 1856 im Wald am „Großen Stiefel“ eine Fuhre Holz machen. An der Ostseite des Berges, nur einige Schritte vom Gipfel, fanden sie einen Stumpen mit einem Teil des Stammes. Es war Eichenholz, bereits dürr und brennreif. Das wollten sie sich nicht entgehen lassen. Also hieben sie mit Eifer los, doch zu ihrem Erstaunen schnitten die frischge-schliffenen Äxte nicht. Bei jedem Schlag war ein dumpfes Geräusch zu hören, oft so laut, als sei der ganze Stiefel eingestürzt.

So etwas hatten die beiden noch nie erlebt. Es war auch Angstschweiß, der da von ihren Gesichtern zur Erde tropfte. Ratlos schauten sie einander an; da stand, wie aus dem Boden gewachsen, eine Gestalt mit feurigen Augen vor ihnen. Das war der unheimliche Jäger, von dem sie schon so oft gehört hatten. Er trug eine graue Jacke mit einem grünen Kragen und einen Hut, geschmückt mit Federn. Er war wohlausgerüstet für die Jagd. Der Schreck fuhr den beiden in die Glieder, daß sie zuerst gar nicht flüchten konnten. Doch dann eilten sie davon, als ob der Teufel selbst hinter ihnen her gewesen wäre. Unten im Tal trafen sie das bestellte Fuhrwerk. Sie wendeten eiligst und kamen mit leerem Wagen und dem Vorsatz zu Hause an, nie mehr auf dem „Großen Stiefel“ Brennholz zu holen. Diesem Vorsatz blieben sie treu bis an ihr Lebensende.

40.    Der unheimliche Jäger von St. Ingbert[185]

Ein unheimliches Erlebnis hatten einst zwei Hüttenarbeiter aus St. Ingbert, die sich an einem schichtfreien Tag in den Wald am "Großen Stiefel" begaben, um dort eine Fuhre Dürrholz zu machen.

Am östlichen Abhang des Stiefels, ungefähr hundert Schritte von seinem höchsten Punkt entfernt, trafen die beiden einen eichenen Stumpen, der noch auf der Wurzel stand und wohl einige Traglasten Holz abwerfen mochte. Sie schlugen fleißig drauf los, allein trotz der Schärfe ihrer Äxte ging nicht ein einziger Hieb ins Holz, und unter der Wurzel des Stammes rumpelte und polterte es bei jedem Schlag, als wolle der ganze Berg auf einmal zusammenstürzen.

Da wurde den beiden Männern angst und bange, der Schweiß rieselte ihnen von der Stirn, und sie ließen zu gleicher Zeit mit ihren Hieben nach. Als sie sich aber ängstlich verwundert und stumm fragend anschauten, stand urplötzlich eine lange, hagere Gestalt vor ihnen, aus deren geisterhaft fahlgrauem Gesicht zwei funkelnde Augen blitzten.

Es war der unheimliche Jäger; er trug einen grauen Rock mit grünem Kragen und ebensolchen Aufschlägen und als Kopfbedeckung einen runden, einseitig aufgekrempelten Hut mit Federn.

An der linken Seite hing ein Jagdsack und darunter ein Hirschfänger. Über der rechten Schulter trug er eine schwere Jagdbüchse. Wie vor dem Leibhaftigen ergriffen nun die beiden Holzfäller die Flucht, rannten wie gehetzt den Berghang hinab und trafen unten in der Ebene das Ochsengespann, das sie bei einem Verwandten zum Abholen des Holzes bestellt hatten. Schnell wandten sie das Fuhrwerk um und zogen unverrichteter Dinge in größter Eile ab mit dem festen Vorsatz, auf dem Stiefel kein Brennholz mehr zu sammeln.

41.    Die Geisterkutsche[186]

Es ist noch gar nicht lange her, da gingen zwei Bergleute nach Schluss der Tagschicht auf den Großen Stiefel, um Holz zu lesen. Der Mond ging eben auf, und er schien so hell, dass sie ihre Arbeit bis gegen Mitternacht fortsetzten. Schließlich war es aber doch Zeit, an den Heimweg zu denken.

Die sommerliche Nacht war sehr still. Kein Lüftchen regte sich. Als sie gerade an den Ruinen des Stiefler Schlosses vorüberkamen, hörten sie ein sonderbares Rasseln auf der Waldstraße, die über den Bergkamm zum Burgtore führt. Es wurde ihnen recht unheimlich zu Mute. Sie legten ihre Bürde nieder und verbargen sich in einem Turmgelass, um abzuwarten, was da des Berges käme.

Kaum hatten sie ihr Versteck eingenommen, da kam auch schon in vollem Galopp eine vierspännige Kutsche einhergebraust. Sie wurde von glänzenden Rappen gezogen. Das Geschirr war von feinstem, gelbem Lackleder, über und über mit gleißendem Silber beschlagen. Auf dem Kutschbock bemerkten sie außer dem Kutscher einen Lakai. Beide trugen lichtblaue Uniformen mit silbernen Tressen, große, schwarze Napoleonshüte. Auf dem Dienerplatz an der Rückseite standen zwei stramme Leibjäger in grünen, goldbetressten Röcken. Auf ihren Hüten hatten sie wallende Federbüsche.

Donnernd fuhr das Gefährt auf den weiträumigen Grasplatz, der einst der Burghof war, und hielt. Im Augenblick sprangen der Lakai und die Leibjäger von ihren Plätzen. Einer öffnete den Kutschenschlag, während die andern stramm beiseite standen. Die beiden Bergleute konnten durch eine Schießscharte den ganzen Schlosshof überblicken. Sie hielten sich mäuschenstill und harrten der Dinge, die da kommen würden.

Aus der Kutsche stiegen vier junge Damen von großer Schönheit. Sie trugen Kleider von hellblauem Atlas, die eng um die Hüfte lagen, aber in einen weiten, schwebenden Rock ausliefen. Ihre Strümpfe waren von weißer Seide. Die Füßchen staken in wunderlich feinen Schuhen von perlenbesticktem Saffianleder. Am Halse waren ihre Kleider ausge-schnitten, und über den Spitzen des Hemdes funkelten goldene Kettchen. Das Haar war auf die sonderbarste Weise frisiert und weiß gepudert. Das gab ihren zarten blassen Gesichtern ein eigentümliches Aussehen. Wie Puppen, meinten die Bergleute. Nach den Damen entstiegen der Kutsche vier Herren, die ebenso schöne Gesichter hatten und gleichfalls gepuderte Frisuren zur Schau trugen. Sie hatten schimmernde blaue Fräcke an, gelbe Westen und weiße Kniehosen aus feinstem Zeug. Dazu weiße Strümpfe und Lacklederschuhe mit kost-baren silbernen Schnallen.

Aufs höchste gespannt warteten die verwunderten Bergleute darauf, was diese glänzende Gesellschaft zu so ungewöhnlicher Stunde in dem ver-fallenen alten Schlosse nun eigentlich beginnen würde. Schon bildeten die Damen eine Reihe, ebenso machten es die Herren, und alle hatten tiefernste feierliche Gesichter dabei. Dann machten die Kavaliere eine tiefe Verbeugung vor den Damen. Diese neigten die Köpfchen und reichten ihnen auf eine unsagbar feine Weise die kleinen Hände. Nun begann ein würdiger, seltsam gemessener Tanz. Man hörte dazu keinerlei Musik. Auch die Schritte blieben lautlos, und nicht das leiseste Knistern der seidenen Gewande wurde vernehmlich. Und doch wurde der Tanz immer lebhafter. Sie ließen einander los und fassten sich wieder bei den Händen. Sie verneigten sich voreinander, bald nach rechts, bald nach links. Ihre Mienen wurden freundlich und heiter. Die Damen lächelten mit ihren roten Mündchen den Kavalieren zu, und die Herren warfen ihnen leuchtende Blicke entgegen. Schließlich fassten sich alle miteinander bei den Händen und bildeten einen Kreis, der sich im Tanzschritt auf das lieblichste zu drehen begann. Immer schneller wurde der Wirbel, dass es eine Lust war zuzuschauen. So schnell wurde die Bewegung des Reigens, dass man nur noch ein leuchtendes Farben-spiel in Weiß, Blau und Gelb zu schauen glaubte, einen Zauberkreis, aus welchem nur hin und wieder ein reizendes Füßchen, zwei schmachtende Augen, eine schimmernde Hand oder sonst etwas Herrliches hervortrat, um gleich wieder im Wirbel der mondbeglänzten Seidenstoffe und Puderhaare unterzutauchen. Die Bergleute rissen Mund und Augen auf.

Da – wie auf einen Schlag hörte es auf. Starr stand die ganze Tanzgesellschaft da und alle schauten in eine dunkle Ecke des Schloß-hofes. Das dauerte aber nur eine Sekunde. Im nächsten Augenblick hatten schon die Diener den Kutschenschlag aufgerissen. Husch, husch, verschwand wie der Blitz die ganze Pracht der schimmernden Paare im Kutschenraum. Der Schlag flog zu, die Lakaien hüpften auf ihre Plätze, und statt der tiefen Stille, die bisher geherrscht hatte, klapperten die Hufe der Pferde durch das Burgtor. In rasendem Galopp brauste die Kutsche in den Wald hinaus, wo sie im Nu den Blicken entschwunden war.

Aufs höchste verwundert spähten die beiden Bergleute nach der dunklen Ecke des Schlosshofes, forschend, was die Tanzenden dort hinten erschreckt haben mochte. Da sahen sie die stieren Augen eines steinalten Mannes auf sich gerichtet, der regungslos im Schatten verharrte – der Alte vom Saarwald. Bis ins Mark erschaudernd, rannten auch sie, was die Beine hergaben, aus der Burgruine. Sie hatten wenigstens noch soviel Geistesgegenwart, ihre mit Mühe gesammelten Reisigbündel aufzuraffen, dann aber sputeten sie sich auf dem nächste Pfade den Berg hinab ins schützende Tal; denn mit dem Alten ist nicht gut Kirschen essen. Das wussten sie.

42.    Eine wunderschöne Kutsche[187]

Bei jedem Holzlesen oder Holzhauen scheint es auf dem „Großen Stiefel“ schon von je her nicht ganz geheuer gewesen zu sein. Da erzählten einmal zwei St. Ingberter folgendes: Wir waren gerade dabei, auf dem höchsten Punkt des Stiefels Holz zu lesen, als eine mit vier Rappen bespannte Kutsche an uns vorbeisauste, hin zum Schloßplatz. Dort stand sie; eine große Kutsche, ganz anders gebaut als die unsrigen, war dunkelgrün lackiert und glänzte von reichem Silberbeschlag. Der Kutscher und ein Diener vorne auf dem Bock trugen dunkelblaue, mit zahlreichen Silbertressen verzierte Röcke und hohe Bonapartehüte. Auf dem Rückteil des Gefährtes standen zwei Leibjäger, deren grüne Uniformen mit geschmückt waren. Und erst das Geschirr der Rappen! Blankes Silber war

Der Diener öffnete den Schlag, und heraus kamen vier Damen von solch wunderschönem Antlitz, wie sie auf Erden nicht zu finden sind. Sie trugen lange, hellblaue Kleider, am Körper eng anliegend, die Röcke auffallend weit. Die Füßchen staken in zierlichen Schuhen aus blauem Saffian. Die schweren goldenen Ketten um den Hals der Schönen zogen ihren Blick besonders an. Zugleich mit den Damen verließen auch vier Herren die Kutsche. Das Alter war nicht genau festzustellen, da sie wie die Damen gepuderte Kopffrisuren trugen. Alle vier waren von ausge-sprochen männlicher Schönheit. Sie waren in blaue Röcke mit langen Schößen, hochgelbe Westen, weiße Vorhemden, schwarze Halsbinden, blütenweiße bis unter die Knie reichende Hosen, weiße Strümpfe und Schuhe von schwarzem Glanzleder mit silbernen Schnallen gekleidet.

Böse schauten alle acht Personen drein. Erst nachdem sich die Herren vor den Damen verneigt, und diese mit einer kleinen Verbeugung für den Gruß gedankt hatten, erst dann hellten sich die Mienen auf. Man reichte sich die Hände, bildete einen Kreis, und der Tanz begann, immer schneller und schneller, so daß man schließlich die einzelnen Mit-wirkenden nicht mehr erkennen konnte. Zehn Minuten dauerte der Reigen. Da nahte vom südöstlichen Hang des Stiefels ein alter Mann in Jägerkleidung. Bartlos war sein Gesicht, stechend die Augen. Es war der unheimliche Jäger, der dann den Reigen stören wollte. Die Tanzenden erblickten ihn und waren im Nu in der Kutsche verschwunden, die in rasendem Galopp davonfuhr. Auch der unheimliche Jäger war ver-schwunden. Uns aber war es recht eigenartig zumute.“

43.    Die Geister kurierten ihn[188]

Die Schätze der gefürchteten Raubritter auf dem „Großen Stiefel“ ruhen im Innern des Berges und werden dort von bösen Geistern bewacht. Ein reicher Bauer, der noch reicher werden wollte, hatte sich in den Kopf gesetzt, dem Berg den Reichtum zu entreißen. Ganz heimlich machte er sich des Nachts mit Spaten und Hacke auf den Weg, grub und grub, bis er auf eine große Kiste stieß. Der Deckel sprang auf, Gold und Edelstein lachten ihm entgegen. Mit einem Schrei wollte sich der Bauer auf den Schatz stürzen, doch unter einem fürchterlichen Getöse verschwand die Kiste, und der Schatzgräber bekam eine Ohrfeige, daß ihm Hören und Sehen verging. Erst am Morgen wachte der Bauer von seiner Ohnmacht wieder auf. Wie erstaunt war er, als keine Spur seiner nächtlichen Arbeit mehr zu sehen, die Grube wieder geschlossen war, und am Spaten kein Krümelchen Grund haftete. Sollte er geträumt haben? Wie er noch nachsann, gewahrte er über sich einen mächtigen Flügelschlag und gleich darauf ein lautes Hohngelächter, daß er zu Tode erschrocken schleunigst die Flucht ergriff. Die Werkzeuge flogen hinter ihm her.

Ein hitziges Fieber hielt den Bauern wochenlang ans Bett gefesselt. Es stand mit ihm lange zwischen Leben und Tod. Er kam noch einmal auf, war aber ein ganz anderer geworden, einer, der sich mit dem begnügte, was er durch seiner Hände Arbeit erwerben konnte.

44.    Das Schloßfräulein sucht Rosen[189]

Vom „Großen Stiefel“ bei St. Ingbert werden viele Sagen erzählt. Der Ritter Heim, ein Mann, der Nächstenliebe übte und deswegen auch von seinen Untertanen geliebt und geehrt wurde, soll alle Dörfer der ganzen Gegend, die auf „heim“ endigen, gegründet haben. Zusammen mit seiner Tochter, die ebenso mildtätig war, bewohnte er seine Burg auf dem „Großen Stiefel“. Sie liebte besonders die herrlichen Rosen, die im Schloßgarten blühten, und wenn heute der Berg in Nebel gehüllt ist, sagt das Volk: „Das Schloßfräulein sucht Rosen.“

Damals kam in den Flecken Sengscheidt ein gar vornehmer Fremder mit seinem kleinen Töchterlein. Freundlich wurde er aufgenommen. Das Kind war bald bei allen sehr beliebt, besonders gern hatte es aber der Hirte des Ortes. Er tat für das junge Mädchen alles. Da fand er eines Tages oben im Schloßgarten einen herrlich blühenden Rosenstrauch. Einige Rosen wollte er dem Kind bringen. Das freute sich auch sehr über das Geschenk und flocht daraus ein Kränzlein und hob die Rosen auf als ein gütiges Geschenk des Hirten.

Zwanzig Jahre gingen ins Land, und aus dem Kind ward die Braut des Grafen von Saarbrücken. Am Hochzeitstag erinnerte sie sich der Rosen. Wie war sie erstaunt und erfreut, statt der Rosen ein Kränzlein aus Gold und Edelsteinen zu finden!

45.    Der Schloßgarten auf dem Großen Stiefel[190]

Nicht weit von Saarbrücken liegt ein Berg, der Große Stiefel genannt. Auf seiner Höhe stand früher ein Schloß, von dem heute nur noch Trümmer zu sehen sind. Doch kann man sich leicht verirren. So erging es auch einmal einem Mädchen aus einer der umliegenden Ortschaften, das Walderdbeeren suchte, deren Geschmack etwas von der würzigen Dunkelheit des Waldbodens hat.

Sie fand zunächst nichts und lief immer weiter, bis sie auf der Höhe angekommen war, wo früher das Schloß und die umliegenden Gebäude gestanden hatten. Dort hörten plötzlich Wildnis und Gestrüpp auf und vor ihr öffnete sich der Schloßgarten, der voller Blumen und Früchte war. Und an schattigen Stellen fand sie auch Walderdbeeren, so viel sie wollte. Das Schloßfräulein, von dem sie oft hatte reden hören, kam auf sie zu und forderte sie auf, so viele Beeren zu pflücken, wie sie Lust hatte und in ihrem Körbchen forttragen konnte. Das Kind war zunächst vor Erstaunen wie festgewurzelt stehengeblieben. Es wußte aus Erzäh-lungen der älteren Leute im Dorf, daß das Fräulein, die Tochter des Ritters und Schloßherrn Heim, vor langer Zeit gelebt hatte. Dann aber folgte es der Aufforderung der Schloßherrin, und bald war sein Körb-chen voll, so daß keine einzige Beere mehr hineinging. Es hatte auch reichlich von den Walderdbeeren gegessen, die so gut schmeckten, daß es sich nicht erinnern konnte, jemals dergleichen gekostet zu haben.

Auch der Mutter ging es so, die auf die Heimkehr ihres Kindes wartete. Sie war in letzter Zeit oft krank gewesen, aber mit den Beeren schien alle Schwäche von ihr genommen. Die dunkelroten Rosen, die das Burg-fräulein dem Kinde mitgegeben hatte, stellte sie in ein Glas. Als Mutter und Tochter am Morgen erwachten, waren die Rosen zu Gold geworden. Sogleich gingen beide auf den Berg, um dem Burgfräulein zu danken. Aber da war von dem Schloßgarten nichts mehr zu sehen. Nur die alte Wildnis war wieder da. Und in der Luft hörte man nichts als das Rauschen und Wehen des Windes in den Zweigen.

46.     Der Ritter Heim auf dem Großen Stiefel[191]

Auf der Gemarkung von Ensheim, nicht weit von Scheidt, erhebt sich ein langgestreckter Berg, der „Große Stiefel“ genannt wegen seiner eigentümlichen, einem Stiefel ähnlichen Form. Am Südostabhange liegen die spärliche Ruinen einer alten Ritterburg, über welche die Geschichte uns nichts, desto mehr aber die Sage, wie sie heute noch im Munde des Volkes in der Umgegend lebt, berichtet.

In altersgrauer Zeit, als die Gegend noch wenig urbar, destomehr aber mit Wald und Wildnis bedeckt war und die Bewohner noch dem Heidentum ergeben waren, kamen sieben christliche Ritter und bauten sich in angemessener Entfernung ihre Burgen. Gegen feindliche Angriffe und Überfälle schlossen sie ein Schutz- und Trutzbündnis. Auf den hohen Warten ihrer Burgen hatten sie lange Stangen mit großen Pechkränzen aufgestellt. Gewahrte einer der Ritter Gefahr, so zündete er den Pechkranz an, der weithin sichtbar leuchtete und den nächsten auf die Not aufmerksam machte, der wiederum den nächsten auf dieselbe Weise zur Hilfe herbeirief.

Der erste Ritter der Burg hieß Heim. Er hatte sich im Laufe der Zeit große Reichtümer gesammelt und die ganze Gegend dienstbar gemacht. Alle Ortschaften, die heute noch auf „heim“ endigen, wie Bischmis-heim, Ensheim, Ormesheim, Ommersheim u.a. waren ihm zinspflichtig. Ritter Heim führte ein recht christliches Leben und war der Kirche und ihren Dienern von Herzen ergeben und tat sehr viel für milde Zwecke. Auch sein Weib war von Herzen fromm und mildtätig. Ihre Tochter trat aus innerem Antriebe und mit Erlaubnis der Eltern in das Kloster zu St. Arnual. Aber nicht lange trug sie das Ordenskleid. Schon nach einigen Jahren starb sie und wurde in der Stiftskirche begraben.

Der Tod der Tochter ging dem Ritter sehr nahe und auch er segnete bald das Zeitliche und ließ sein trauerndes Weib allein auf dem hohen Stiefel zurück. Doch nicht lange beklagte sie hier Kind und Gemahl. Sie entließ ihr Gesinde reich beschenkt und zog nach Saarbrücken zu Graf Weilburg, um hier den Rest ihrer Tage zu beschließen. Doch das pracht-liebende unruhige Hofleben gefiel ihr nicht und sie trat nach Ablauf eines Jahres in das Kloster St. Arnual, um die ersehnte Ruhe zu finden. Mehrere Jahre lebte sie hier in Frieden mit ihrem Gott und in seliger Gewissensruhe. Als sie aber ihr Ende herannahen sah, beschied sie den Bischof von Bischmisheim zu sich, um demselben ihren Willen kund zu tun und ihre Seele für den letzten Gang vorzubereiten. Dann starb sie und fand ihre letzte Ruhestätte neben ihrer Tochter in der Stiftskirche St. Arnual. Das Testament vermachte dem Stifte große und ansehnliche Reichtümer und auch die Gemeinden Bischmisheim und Ensheim, sowie Graf Weilburg waren mit ansehnlichen Geschenken bedacht. Die Stiefeler Burg aber blieb in eingetretenen Kriegszeiten geraume Zeit unbewohnt und verlassen und nahte dem Verfall.

47.    Das Testament der Gräfin[192]

Es existiert noch eine zweite Sage von jenem Ritter Heim auf dem „Großen Stiefel“: In jenen alten Zeiten, als noch die Bewohner unserer Gegenden umher Heiden waren, sollen auf sieben der höchsten Berge des Landes, nämlich auf dem Hohen oder Großen Stiefel, auf der Gemarkung von Ensheim, auf dem Roten oder Schafskopfe, dem ersteren gegenüber, auf der Gemarkung von St. Ingbert auf dem Berg, worauf das fürstlich nassauische Jagdschloß Neuhaus lag, auf dem Hölsberg bei Biesingen, auf dem Höcherberg bei Neunkirchen und noch auf zwei anderen nicht mehr bekannten Punkten sieben christliche Ritter gewohnt und unter sich, gegen feindliche Angriffe und Überfälle der Heiden, ein Bündnis zu Schutz und Trutz gemacht haben. Auf den hohen Warten ihrer Burgen sollen sie lange Stangen aufgestellt, an dieselben große Pechkränze befestigt und diese zur Zeit der Not ange-zündet haben, um die Verbündeten so zur Hilfe herbeizurufen.

Die Sage nennt als den damaligen Herrn des Stiefeler Schlosses den Ritter Heim. Dieser Ritter soll sehr reich und namentlich Eigentümer aller Ortschaften der ganzen Umgegend gewesen sein, deren Namen nach seinem Namen auf „heim“ endigen, wie Ensheim, Bischmisheim, Ommersheim, Ormesheim, Bebelsheim und andere mehr. Einer seiner Verbündeten habe Weiler geheißen und sei Herr aller Ortschaften gewesen, deren Namen auf „weiler“ ausgehen. Ritter Heim, heißt es weiter, habe eine Tochter gehabt, welche aus innerem Antriebe sich mit Erlaubnis ihrer Eltern in das damals schon bestehende Kloster oder Stift St. Arnual habe aufnehmen lassen, aber nicht lange danach gestorben sei und auch in der Stiftskirche begraben liege. Die Sage berichtet weiter: Der Ritter folgte schon bald seiner Tochter ins Jenseits, so daß seine Gattin mutterseelenallein im Schloß auf dem Stiefel wohnte. Sie hielt es dort oben nicht lange aus, schaffte die Diener fort und zog zum Grafen Weilburg nach Saarbrücken, wo sie ihren Lebensabend zu verbringen hoffte. Von steter Unruhe geplagt, siedelte sie aber schon bald in das Kloster St. Arnual über, in dem sie mehrere Jahre zubrachte, bis sie ihr Ende nahen fühlte. Dem Bischof von Bischof- oder Bischmisheim offenbarte die adelige Frau ihren letzten Willen. Gleich nach der Unter-zeichnung des Testamentes durch den Bischof starb die Gräfin und wurde neben ihrer Tochter beigesetzt.

Das Kloster St. Arnual hatte seine großen Reichtümer diesem Testament zu verdanken. Der Graf Weilburg erhielt bei der Testamentseröffnung den Großen und Kleinen Stiefel in der Gemarkung Ensheim, die Gemeinde selbst alle auf ihrer Gemarkungen liegenden Waldungen, mit Ausnahme der beiden „Stiefel“, die Gemeinde Bischofsheim den Grum-bacher Hang, den Hochwald und mehrere Waldungen in ihrer Gemar-kung und Weidgerechtigkeit im größten Teil der Ensheimer Wälder. Zur Zeit der Reformation mußte der Bischof von Bischofsheim flüchten und ließ in der Eile alle wichtigen Papiere zurück. Das war für die Gemeinde Bischmisheim von Nachteil insofern, als der damalige Graf von Saar-brücken Ansprüche auf die Wälder der Gemeinde anmeldete, die er in Wirklichkeit aber nicht besaß. Ein Stück Wald nach dem anderen ging trotz Protest der Dörfler an den Grafen. Es kam zum Prozeß, den die Gemeinde verlor.

Was dem Grafen gelang, sollte mir eigentlich auch gelingen, sagte sich der Abt des Klosters Wadgassen, dem die Propstei Ensheim unterstand. Auch Ensheim verlor den Prozeß, weil wenig schriftliche Beweise vorhanden waren. Die Waldungen der Gemeinde waren verloren. Einst Begüterte waren arm geworden.

48.    Der Raubritter Wynant[193]

Vor langer Zeit lebte in seiner Burg auf dem „Großen Stiefel“ bei St. Ingbert ein gefürchteter Raubritter mit Namen Wynant. Er plünderte mit seinen Knechten ganze Warenzüge aus. Die geraubten Sachen verbarg er in den tiefen Höhlen des Berges, wo sie zum großen Teil noch heute ruhen. Die gefangenen Kaufleute aber hielt er so lange im Burgverlies fest, bis Angehörige und Freunde derselben ein schweres Lösegeld erstatteten. Und wurde dies nicht bezahlt, dann ließ der grausame Wynant seine Opfer aufhängen oder gab ihnen sonst auf schreckliche Weise den Tod. „Rennt rasch!“ hieß es drum bei den Kaufleuten, wenn sie an der Stelle vorbeizogen, wo ihnen der gefährliche Schnapphahn auflauerte. Davon trägt der Ort, der sich später in der Nähe erhob, den Namen Rentrisch.

Viele Jahre trieb der arge Räuber sein Wesen zum Schrecken der ganzen Gegend. Immer wieder gelang es ihm, seinen Verfolgern zu entgehen, ließ er doch seinen Pferden die Eisen verkehrt aufnageln, ehe er zum Raube auszog. Endlich traf auch ihn die Strafe. Er hatte einst ein vornehmes Fräulein aus der Stadt Saarbrücken geraubt und auf seine Burg geschleppt, wo sie für immer bleiben sollte. Da geschah es, daß der Ritter auf den Tod krank wurde und gar nichts wollte mehr helfen. Nur ungern erlaubte er der Entführten, daß sie nach dem Walde gehe um Kräuter zu sammeln und daraus eine Arznei zu bereiten. Das Fräulein aber eilte raschen Schrittes nach ihrer Vaterstadt und erzählte alles: von der Krankheit des Wynantsteiners, von der Stärke der Besatzung, von den schwächsten Punkten der Burg. Schnell versammelten sich die erbitterten Bürger der Stadt, verständigten sich mit denen von St. Ingbert und zogen mit diesen und den Bauern aus den umliegenden Ortschaften nach dem Raubneste. Gar bald kamen sie oben an, nicht bemerkt von dem Räuber und seinen Spießgesellen.

Die furchtlose Saarbrückerin ging zum Burgtore und wurde eingelassen. Dann stieg sie in den Turm zur Wohnung des Ritters und gab dem Kranken einen starken Schlaftrunk, den sie aus gesammelten Kräutern bereitet hatte. Da schlief der böse Wynant ein. Nun ging’s aber unten mit Sturm gegen die Burg. Die Rächer drangen ein, machten die Besatzung nieder und fesselten den wehrlosen Ritter. Sie erbeuteten reiche Schätze an Geld, Gepäck und Waren. Darauf setzten sie die Burg in Brand, daß sie in einen Trümmerhaufen versank. Der Ritter aber wurde nach Saarbrücken gebracht und daselbst enthauptet.

49.    Die Sage vom Raubritter Reppert[194]

Nach dem Aussterben des Geschlechtes des Gründers der Burg auf dem Hohen Stiefel stand dieselbe eine geraume Zeit öde und verlassen, so erzählt die Sage, und war endlich dem Verfalle nahe. Da ließ sich plötzlich ein fremder Ritter mit seinen Mannen in derselben nieder, nachdem er die lange verlassenen Räume wieder in einen wohnlichen Zustand versetzt hatte. Er war unter dem Namen Reppert bei dem Volke bekannt, welches ihn auch den Schnapphahn nannte, da er die ganze Gegend umher durch seine Räubereien unsicher machte. Ein enges finstres Tälchen, gebildet durch Ausläufer des Stiefelberges, oberhalb dem Dorfe Rentrisch, im Krämerschen Walde, dicht an der Kaiserstraße, hat beim Volke den Namen „Schnapphahns Dell“ erhalten, da Reppert dort gewöhnlich auf die vorüberziehenden Reisenden lauerte, um sie zu berauben.

Das Dorf Rentrisch bestand damals noch nicht, und in der Nähe standen eine von den Untergebenen des Ritters bewohnte Waffenschmiede und die sogenannte Brudermühle am Bach, der das damals einsame Tal be-wässerte. Die Stelle aber, wo heute das Dorf Rentrisch steht, war von den Reisenden weit und breit gefürchtet. Mit Zittern und Zagen sahen dieselben schon aus der Ferne nach der Warte des Stiefeler Schlosses, die über die mächtigen Eichen und Buchen hinausragte, und suchten gewöhnlich, den Hungertod in dem Raubneste Repperts oder Beraubung durch denselben fürchtend, in eiligster Flucht an Schnapphahns-Dell oder über das „Rennertriesch“ hinwegzurennen, weshalb auch diese Stelle und das daraufstehende Dorf heute noch „Rentrisch“ genannt wird. Lange Zeit machte Reppert durch sein Unwesen die Gegend unsicher, und der Volksmund erzählt an langen Winterabenden oft schauerliche Geschichten aus dem Leben dieses Raubritters, u.a. auch folgende:

Einst war er in einem anderen Tälchen, weiter abwärts, auf der Lauer, als eine Jungfrau des Weges daherwandelte, welche Tauben nach Saarbrücken in die Schlosskirche tragen wollte. Sie soll aus dem Dorfe Scheidt und sehr schön gewesen sein. Der erste Blick auf sie erweckte in dem Herzen des Ritters eine wilde Leidenschaft und die Begierde, die Jungfrau um jeden Preis zu besitzen. Dem Gedanken folgte die Ausführung auf der Stelle. Wie ein hungriger Geier auf seinen Raub, so stürzte sich Reppert auf die nichtsahnende Jungfrau und entführte die vor Schreck in Ohnmacht Gesunkene auf seinem schnellen Rappen auf sein Schloß, wo die Unglückliche zu einem traurigen Leben wieder erwachte. Sieben Jahre hatte er die Jungfrau gefangen gehalten und während dieser Zeit drei Kinder mit ihr gezeugt, die er aber jedesmal vier Wochen nach ihrer Geburt erwürgte, weil es Mägdlein und nicht Knaben waren. Die Leichen der armen Kleinen hängte er in dem Burghof an einer Stange auf und ergötzte sich, wenn dieselben mit der Zeit durch Wetter und Wind zu Skeletten geworden waren, bei übler Laune durch Spiel mit dem Geknöchel. Plötzlich warf ihn eine böse Krankheit auf das Siechbett. Je länger er aber auf demselben verweilen mußte, desto übellaunischer und mißtrauischer wurde er. Überall fürch-tete er Gift und Verrat. Seinen Leuten gab er die strengsten Befehle, niemanden weder ein- noch auszulassen. Bei Nacht verwahrte er den Burgschlüssel unter seinem Haupte. Von Arzneien wollte er, aus Furcht durch dieselben vergiftet zu werden, nichts wissen. Mehrmals bat die Gefangene, ihr doch die Erlaubnis erteilen zu wollen, nach Saarbrücken zu einem Heilkünstler gehen zu dürfen, um von demselben unter ihren Augen ein Heilmittel für ihn zubereiten zu lassen. Reppert gab dies jedoch lange nicht zu, weil er fürchtete, sie werde ihn an seine Feinde verraten und nicht wieder zu ihm zurückkehren. Als indes aber die Schmerzen der Krankheit je länger je ärger wurden, blieb ihm endlich keine andere Wahl. Ehe er ihr jedoch die Erlaubnis, zu gehen erteilte, ließ er die Gefangene bei allem, was ihr heilig war, schwören, ihn nicht zu verraten, sondern mit dem Heiltranke zu ihm zurückkommen zu wollen. Sie schwur und ging und hätte nun frei hingehen können, wohin sie wollte, wenn sie nicht geglaubt hätte, ihren Schwur halten zu müssen. Sie vertraute sich jedoch dem Pfarrer zu St. Johann, den sie seit ihrer Kindheit kannte und klagte diesem ihren Kummer und ihr Elend. Dieser sprach ihr Mut ein, tröstete sie und versprach ihr zu helfen. Er hieß sie in seiner Wohnung warten, worauf sie das weitere vernehmen werde. Indessen eilte der Pfarrer nach Saarbrücken und zeigte daselbst alles dem Grafen an. Schnell wurde nun Beratung gepflogen, wie diese Gelegenheit am besten zu benutzen sei, um Reppert ohne viel Blutvergießen zu fangen. Nachdem man über das beste Mittel einig geworden war, ließ man drei Flaschen des wirksamsten Schlaftrunkes, der zugleich schmerzlindernd war, in dortiger Hofapotheke anfertigen. Der Pfarrer, in seine Wohnung zurückgekehrt, händigte dem Frauen-zimmer die Flaschen mit dem Auftrage ein, diesen Trank ihrem Ritter zu reichen und dessen Wirkungen zu beobachten. Sobald er schlafe, solle sie den unten am Berge harrenden Kriegsknechten ein Zeichen geben und sodann das Weitere erwarten. Zeige Reppert jedoch Mißtrauen gegen den Trank, so solle sie kühn einen Becher davon trinken; solches werde ihr nichts schaden. Wie der Geistliche vorausgesetzt hatte, so kam es auch wirklich. Reppert trank davon nicht eher, als bis die Gefangene zuvor einen Becher davon ausgeleert hatte. Da er zwei Flaschen schnell nacheinander gierig verschlang, erfolgte auch die Wirkung des Trankes schnell darauf. Er schlief alsbald so fest ein, daß der lauteste Trom-petenschall ihn nicht erweckt haben würde. Auf das verabredete Zeichen, welches gleich darauf gegeben wurde, drangen die harrenden Kriegsknechte des Ritters auf das Schloß ein, überrumpelten die seit der Krankheit ihres Gebieters ohnehin schon mutlosen Knechte des Ritters ohne Mühe und knebelten diesen selbst im Schlafe, warfen ihn noch schlafend in einen Karren und führten ihn nach Saarbrücken. Als er aber so in die frische Luft gebracht worden war, erwachte er plötzlich und sah, daß er jetzt ein verlorener Mann sei. Im Triumphe führte man ihn in die Stadt, wo ihm bald sein Urteil, „vom Leben zum Tode“ gesprochen und er demgemäß bald nachher enthauptet wurde. Was aus dem Frauen-zimmer geworden sei, davon meldet die Sage ebenso wenig etwas wie davon, wohin die im Verborgenen angehäuften Schätze Repperts gekommen. Die Burg ward zerstört und liegt seitdem in Trümmern.

50.    Der Reppert und sein Weib[195]

Als das Schloß auf dem Großen Stiefel schon lange verlassen lag und nur die Eulen und Fledermäuse in seinen leeren Hallen wohnten, kam irgendwoher aus der Ferne ein Ritter in das Land. Das alte Felsennest auf dem steilen Berge und mitten in dem großen, dunklen Walde war ihm gerade recht; denn er lebte vom Stegreif. Bald war er gefürchtet, als einer der wildesten und gefährlichsten Räuber. Die Kaufleute machten lieber einer großen Umweg, statt die Straßen zu benützen, welche in der Nähe des Stiefler Schlosses durch den Wald führen. Wie der Ritter eigentlich hieß, wußte niemand; die Leute nannten ihn den Reppert. Bald erfüllte er die ganze Saargegend mit Schrecken; denn er tauchte unvermutet bald hier, bald dort im Lande auf, sodass man sich seiner nirgends versehen konnte.

Eines Tages überfiel der Reppert ein schönes Mädchen aus dem Dorfe Scheidt, als es gegen Abend eine Kapelle besuchte, die einsam auf der Höhe lag. Er hob es auf sein Pferd und hielt es fest. Damit es nicht schreien konnte, stopfte er ihm einen Knebel in den Mund. Als es dunkel wurde, ritt er mit seiner Beute auf Schleichwegen, wo ihm niemand begegnete, nach dem Stiefler Schloß zurück. Er brachte die Maid in die Gemächer, wo einst die Frauen der Burgherren gewohnt hatten, und gab ihr da alle Freiheit. Tat ihr auch nichts zu Leide. Doch ließ er sie durch seine Burgleute streng bewachen, sodaß sie auf keine Weise entfliehen konnte. In Scheidt aber wußten die Leute nicht, wohin das Mädchen gekommen sei. An den Reppert, der sonst nur Geld oder Geldeswert zu rauben pflegte, dachte kein Mensch.

Die arme Jungfrau weinte zuerst bitterlich. Dann aber, als der Reppert ihr nicht nur alle Ehre erwies, sondern ihr sogar ritterlich den Hof machte, beruhigte sie sich allmählich, und schließlich wurde sie des Raubritters Weib. Sie gewann einen großen Einfluß auf ihn. Der rauhe, finstere Mann, dem der Galgen drohte, wenn man ihn erwischte, wurde heiter und freundlich, so oft er bei seinem schönen jungen Weibe saß. Bei ihr vergaß er, dass sein Leben längst verwirkt war durch die vielen Schandtaten, die er auf dem Kerbholz hatte, und es war beinahe etwas wie das Glück, wenn die beiden an den langen Winterabenden auf ihrem einsamen Waldschlosse am Kaminfeuer saßen und einander ihre Schwermut vertrieben. Oft redete der Reppert mit seinem Weibe darüber, daß es seine größte Hoffnung wäre, einen Sohn zu bekommen. Wenn er auch selber verloren sei, und es irgendeinmal mit ihm ein schlimmes Ende nehmen müsse, so wollte er doch dafür sorgen, daß aus dem Sohn ein unbescholtener Rittersmann werde, der den Namen, welchen er selber geschändet habe, wieder zu altem Glanze brächte.

Nun schenkte ihnen der Himmel eines Tages ein Kindlein, aber es war ein Mädchen. Das konnte der Reppert nicht verwinden. Er geriet außer sich vor Ärger und Enttäuschung. So oft er das kleine Wesen ansah, packte ihn die Wut, und toll, wie er war, erwürgte er das Kind vier Wochen nach der Geburt. Die arme Mutter klagte lange um ihren Liebling. Sie sprach kein Wort mehr mit dem unmenschlichen Manne, der ihr das Liebste genommen hatte, was sie in ihrer Einsamkeit zu trösten vermochte.

Als das Kind nicht mehr da war, bereute der Ritter seine Tat. Er bat seine Frau bitterlich um Verzeihung. Wenn sie ihn abwies, ging er still hinaus wie ein schuldbewußter Mensch, doch am nächsten Tage kam er wieder und flehte sie an, ihm zu vergeben. Und sie vergab ihm. Sie sagte sich, daß er zwar ein verworfener und verlorener Mann sei, daß ihn aber schließlich doch jemand lieb haben müsse, wenn es nicht noch schlimmer werden sollte, und wer könnte das anders sein als sie, die sie nun einmal sein Weib geworden war.

Nach einigen Jahren bekamen sie abermals ein Kleines, und es war wieder ein Mägdlein. Da kannte die Verzweiflung und Wut des entsetz-lichen Mannes keine Grenzen. So sehr die unglückliche Mutter das Kind auch vor seinen Augen zu verbergen wußte, eines Tages lag es erwürgt in der Wiege. Nun gab die arme Frau alle Hoffnung auf, aus ihrem teuflischen Gatten jemals einen besseren Menschen zu machen, und sie sann und trachtete, wie sie ihm für immer entfliehen könnte. Er aber, da er es merkte, wie sie nichts mehr von ihm wissen wollte, ließ sie noch schärfer bewachen als bisher und bedrohte die Wächter mit dem Tode, wenn sie sie entweichen ließen. Als er sah, daß es ihn die Liebe seines Weibes gekostet hatte, bereute er sein Verbrechen bitterlich. Gram und Sehnsucht bleichtem ihm das Haar. Der Mann konnte nicht mehr leben, ohne an seinem reinen, gottergebenen Weibe einen Menschen zu haben, der ihm gut war. Ein Jahr gingen die beiden wie Fremdlinge neben-einander her. Die Frau konnte kein Vertrauen mehr zu ihm fassen. Sie vermied es, das Wort an ihn zu richten oder ihm sonst zu begegnen. Der Ritter wurde kränklich. Wie seine Kräfte abnahmen, wurden auch seine Übeltaten auf den Straßen seltener und weniger blutig als früher, da er noch in Kraft und Gesundheit strotzte. Als die Frau sah, wie ihr gottverlassener Mann an Leib und Seele zu leiden begann, jammerte sie der verlorene Mensch so tief, daß sie sich seiner erbarmte und ihm wieder gut wurde.

Sobald er sich von seinem Weibe geliebt sah, erholte sich der nieder-gebrochene Räuber, fasste Mut zu neuen Untaten, und mit seiner Gesundheit kehrte auch seine Wildheit und Grausamkeit zurück. Nun, da er älter wurde, brannte er darauf, daß ihm sein Weib ein Söhnchen schenke, damit der Traum seines verlorenen Lebens sich erfüllen könne, ehe ihm das Alter oder der Galgen das Ende setzte. Da schenkte ihnen im siebenten Jahre ihrer Ehe der liebe Gott noch einmal ein Kindlein, und es war auch diesmal ein Mädchen. In einem Wutanfall, der so schrecklich war, daß das Gesinde vor ihm in die Keller flüchtete, und der ihn selber aufs Krankenlager warf, erwürgte er auch das dritte Kind.

Als sein Weib die Tat sah, wurde es starr vor Entsetzen. Sie schien die Sprache verloren zu haben und den Hungertod einem Zusammenleben mit solch einem Scheusal vorzuziehen. Sie schloß sich in ein entferntes Turmgemach ein und nahm nicht Speise noch Trank. Das Gesinde berichtete ihr, durch die Tür redend, die sie nicht öffnen wollte, daß der Reppert krank wäre und in einem fort nach ihr rufe; dass er glaube, sterben zu müssen. Das arme Weib vernahm wohl die Worte, aber ihr eigener Jammer war so groß, daß sie gar nicht darauf achtete, was gesprochen wurde. Dann, mitten in der Nacht, hörte sie auf dem Gang vor ihrem Zimmer sonderbare Geräusche. Es kratzte dort etwas auf den Fliesen herum, und dabei war ein Gewinsel wie von einem kranken Hunde. Als die Frau durch die Türspalte lugte, was das wäre, lag da auf dem Boden ihr Mann, von schwerer Krankheit befallen. Er hatte sich auf allen Vieren hergeschleppt. Seine Glieder zitterten, Schaum stand ihm auf dem Munde, und er brachte nur flüsternd unverständliche Worte heraus. Endlich verstand sie, was er von ihr wollte.

Er bat sie, um Gottes willen nach dem Ort St. Johann hinunter zu gehen, wo sie niemand kannte, und ihm eine bestimmte Arznei zu besorgen, die seine Krämpfe lindern würde. Wie es den Mann so krank sah, den es doch auch lieb gehabt hatte, erbarmte sich das Weib seiner. Sie brachte ihn nach seinem Lager, nahm das Rezept, welches er ihr gab, und machte sich, als es Tag wurde, auf den Weg.

Als sie nach St. Johann kam, das unter dem Walde im Tale liegt, trat sie in die Kirche, warf sich vor dem Altare auf die Knie und betete inbrünstig zu Gott. Das bemerkte der Geistliche, der gerade aus der Sakristei kam. Er nahm sich des verzweifelten Weibes an. Auf seine Frage und Ermahnungen erzählte sie ihm ihr ganzes Schicksal. Da sagte der geistliche Herr, dass sie ausersehen sei, das Land von der Plage des gefürchteten Räubers zu erlösen. Statt der Arznei brachte er ihr einen Schlaftrunk, der den Räuber in tiefe Bewusstlosigkeit versenken würde. Dann würde man ihn ausheben und richten. Wohl sträubte sie sich etwas im Herzen der Frau gegen dieses Ansinnen, wenn sie’s aber recht überlegte, mußte sie dem Pfarrherrn recht geben. Denn die blutigen Taten des Reppert forderten, daß man ihn vor den Richter stelle. Nachdem der Pfarrer ihr sein Wort gegeben hatte, daß der Trunk nur ein Betäubungsmittel und kein Gift sei, trat sie den Rückweg auf das Stiefler Schloß an.

Sie traf ihren Mann in hitzigem Fieber. Ruhelos warf er sich auf seiner Bettstatt hin und her. Für einen Augenblick erkannte er sie und dankte ihr für die Hilfe. Dabei leuchtete durch sein verwüstetes und von der Krankheit verzerrtes Gesicht noch einmal der herzliche Ausdruck, den sie in den besten Jahren ihrer Ehe an ihm gesehen hatte, als sie noch hoffte, einen guten Menschen aus ihm zu machen. Die Knie fingen an zu zittern, wie sie nun einen Becher mit Wasser füllte und die Arznei hineingoß, die doch ein Schlafmittel war und ihn dem Richter ausliefern sollte. Ehe ertrank, reichte er ihr seine glühende Hand. Obwohl es eine Mörderhand war, drückte sie das Weib, und die Tränen brachen ihr aus den Augen. Der Fiebernde bemerkte es aber nicht, denn er setzte jetzt, wobei sie ihm helfen mußte, den Becher an den Mund und leerte ihn mit einem hastigen Zuge. Noch ehe er das Trinkgefäß zurückreichen konnte, sank er bewußtlos auf sein Lager. Da strich sie ihm mit liebkosender Hand das Haar aus den Augen, das ihm von der Stirne hing, und küßte diese Stirn, die schon dem Henker gehörte, mit einem flüchtigen Abschiedskuss. Dann eilte sie in den Hof, das Haus des Leidens für immer zu verlassen. Dort bemerkte sie, dass alle Türen, auch die Ställe und das Burgtor, geöffnet waren. Das Gesinde, die Überrumpelung des Raubnestes ahnend, war mit Pferden und Hunden auf Nimmer-wiedersehen geflüchtet. Der ohnmächtige Burgherr lag mutter-seelenallein allein in seinem weit geöffneten Schlosse. Wie sie die Burg verließ, sah sie schon auf dem Wege von St. Johann her ein Fähnlein Berittener kommen, und aus dem Tale marschierten an hundert Bewaffnete, um das Nest des Reppert, den man nun nicht mehr zu fürchten brauchte, auszuheben. Wie im Traume einherwandelnd er-reichte die Frau des Raubritters nach vielen Stunden ihren Heimatort.

Ihre Eltern waren gestorben. Als sie sich den Leuten zu erkennen gab, wollten sie es nicht glauben. In dieser bleichen, vom Gram verzehrten und gealterten Frau mit den ergrauenden Haaren, wollte niemand das bildschöne Mädchen wiedererkennen, das erst vor sieben Jahren verschwunden war und kaum mehr als dreiundzwanzig Jahre zählen konnte.

Schließlich fand sie aber doch in dem Häuschen, das die Eltern hinter-lassen hatten, ein Heim, wo sie arbeiten, beten und nachdenken konnte. Der Reppert wurde gehenkt.

51.    Schlüsselblumen wurden zu purem Gold[196]

Wunder sind rar und beglücken nicht jeden Menschen. Wer mitten in größter Not seine Blicke hilfesuchend zum Himmel richtet, erwartet wohl, daß ihm geholfen wird, an ein Wunder aber glaubt er nicht. So erging es auch einem Mädchen, das eines Tages in schwerem Herzeleid in den Wald ging, um mit sich und seinen Gedanken allein zu sein. Der Bräutigam war von ihm gegangen, weil ihm eine „betuchtere“ Jungfrau den Kopf verdreht hatte. Das war ein harter Schicksalsschlag für ein hilfloses, armes Ding, das ohne Eltern und Geschwister einsam und verlassen auf dieser Erde stand. Niemandem konnte es seinen Kummer mitteilen, niemand hatte ein Herz, das Mädchen zu trösten. Der Wald aber tat’s. Er sprach der Verstoßenen Trost zu und lud sie ein, von den herrlichen Schlüsselblumen, die da am Hang des Großen Stiefels bei St. Ingbert prächtig gediehen, zu pflücken. Und siehe da, kaum hatte das Mädchen die erste Blume gepflückt, als aller Kummer und alles Leid mit einem Schlage weg waren. Es pflückte und pflückte, bis es einen mächtigen Strauß beisammen hatte. Dann ging es, frei von jeglichem Weh, nach Hause, stellte die Blumen in die Vase und legte sich schlafen.

Am nächsten Morgen mußte es sich ein paarmal die Augen ausreiben, denn es konnte kaum glauben, daß die Schlüsselblumen zu purem Gold geworden waren. In der nahen Gegend hatte das Mädchen eine glänzende Partie. Es wurde die Frau eines angesehenen Bürgers, jener andere aber, der sie einstmals im Stich ließ, nur weil sie so arm war, er endete eines schlimmen Todes, nachdem er das gesamte Vermögen seiner Frau unter den Hammer gebracht hatte.

52.     Der Teufel als Wildsau[197]

Ein Bauer aus dem Saarland fuhr einstmals mit einem Wagen voll Kohlen die Staffel hinauf. Sein Bub hockte auf dem Wagen droben, er selber ging nebenher. Ach, es war eine armselige Fahrerei! Je höher sie hinaufkamen, desto langsamer bewegte sich der Wagen vorwärts, und am Ende wollte es überhaupt nicht mehr gehen. Da fing der Bauer zu fluchen an: "E Himmelhäälichdunnakäil soll dänne doo Karre vaschloon ! Doo sidd ma's emool willa: De Bärch enunna hälfe all Hääliche drigge, de Bärch enuff awwa känn Däiwel." (Etwa übersetzt: Bergab helfen alle Heiligen schieben, bergauf aber nicht mal der Teufel.)

Das letzte Wort war noch nicht aus seinem Munde, da rauschte es in der Hecke nebenan, eine pechschwarze Riesenwildsau sprang heraus, schoss unter den Wagen und war dann wie ein Ungewitter mit dem Gefährt verschwunden. Wenn man den Bauern damals gestochen hätte, keinen Tropfen Blut hätte er von sich gegeben, so erschrocken war er. Aber, wer meint, er sei ein anderer geworden, der täuscht sich. - "Die Päär unn de Woon sinn bäim Däiwel", dachte er achselzuckend, "Unn minn Buub? Wännde Däiwel de Woon geholl hadd, konna de Buub aa noch holle!"


53.    Die weiße Katze[198]

Bei dem kleinen steinernen Brückchen am Südwestausgang des Dorfes Eschringen geht eine weiße Katze um. Sie ist so groß wie ein Tisch und läßt niemanden weitergehen. Immer wieder steht die weiße Katze vor einem, man mag sich drehen wie man will. Das dauert drei Stunden, dann ist das Tier plötzlich verschwunden.

54.    Das Wasserweibchen von Eschringen[199]

Der Sohn des Schultheißen von Eschringen war ein munterer und hübscher Knabe. Er gefiel dem Ritter Boos von Waldeck, der selber keine Kinder hatte, so gut, daß er ihn als Pflegesohn in sein Haus nahm. Er wollte einen tüchtigen Knappen aus ihm machen und gab ihm den Namen Gerlieb, das Speerkind. In der Zucht und Pflege des Ritters wuchs Gerlieb zu einem stattlichen Jüngling heran. Er zeichnete sich durch Mut und Klugheit, durch Bescheidenheit und Frömmigkeit aus, und sein Pflegevater setzte große Hoffnungen auf ihn. Wenn der flotte Bursche an den Sonntagen durch Eschringen zur Kirche ging, blickte ihm heimlich gar manches Mägdlein nach. So schmuck war er anzuschauen in dem feinen Wams und mit der Kappe von dunkelgrünem Sammet, auf welcher sich stolz eine blauweiße Reiherfeder wiegte.

Nicht weit von Eschringen gab es einen großen, finsteren Wald. Darin war abseits vom Wege in einer einsamen Schlucht ein Weiher. Er galt für sehr tief. Dort blühten, besonders um Johanni, so wunderbar leuch-tende Teichrosen, wie man sie anderwärts kaum zu sehen bekam. Doch konnte sie niemand pflücken, weil die Ufer des Gewässers äußerst gefährlich waren. Man versank plötzlich bis an den Hals im sumpfigen Moose, und wer etwa schwimmen wollte, der blieb gewiß im Schilfe stecken und kam nicht ohne Hilfe wieder heraus. Die Leute mieden den Weiher auch darum, weil der Ort von alten Zeiten her verrufen war. Eine Nixe sollte da hausen oder sonst ein Wassergeist. Etwas Genaues wußte man darüber nicht zu sagen. Manchmal hörten die Holzfäller an stillen Sommerabenden einen lieblichen Gesang durch den Wald hallen, der aus der Gegend des Teiches kam. Da machten sie sich schleunigst davon, denn es hieß, wer den lockenden Klängen auch nur einen Schritt folgen wollte, der könne nicht mehr umkehren. Im Spätherbst sah einmal eine Frau, die beim Holzlesen an den See geraten war, im Wasser etwas schimmern. Wie sie näher hinblickte, erkannte sie in der Tiefe ein wunderliches Schloß. Das war ganz von smaragdgrünem Glase gebaut. Während sie noch neugierig hinablugte, versank sie bis zur Brust in das sumpfige Ufer. Wäre nicht ein Buchenast über der Stelle gewachsen, den sie greifen konnte, wer weiß, ob sie noch lebte.

Wenn jung Gerlieb in der Gesindestube des Ritterhauses von diesen Dingen erzählen hörte, kam ein wilder Glanz in seine sanftmütigen blauen Augen und sein Herz schlug schneller. Er wußte selber nicht, wie das gekommen war, aber bald wanderte er, so oft er Zeit dazu fand, ganz allein dem großen, dunklen Walde zu, und immer war es die Gegend des unheimlichen Teiches, in deren Umgebung er sich herumtrieb. Oft blieb er stehen und lauschte, ob er nicht das geheimnisvolle Singen hören könne, aber er hörte es nicht. Nur der Wind rauschte durch die Buchen und die Finken schmetterten ihr kurzes Lied.

Bald wurde Gerlieb kühner. Eines Abends kletterte er auf eine Eiche, die hoch über der Schlucht am Bergrande wuchs, und spähte in die grüne, waldige Tiefe hinab, ob er das heimliche Wasser wenigstens aus der Ferne erblicken möchte. Die Sonne war schon am Untergehen, und der ganze Himmel glühte im Abendrot. Da funkelte mit einmal ein feuriger Spiegel aus dem Grundes des Tales herauf, dass Gerlieb den Kopf wenden mußte, um nicht geblendet zu werden. Das war der Waldsee, nun sah er ihn.

Bald verblaßte das blutrote Gefunkel, es wurde kühl und blau über den Wassern. Aus dem Schilfe drangen milchweiße Nebelschwaden und krochen über die Oberfläche des Teiches. Da kam es Gerlieb vor, als ob dort unten ihm jemand mit einem Schleier winke. Erschreckt kroch er von der Eiche herab und lief nach Hause.

Des Ritters Hauskaplan, der Gerliebs Lehrer war, merkte, daß der Jüng-ling nicht mehr so unbefangen und so fröhlich war wie früher. In einer stillen Abendstunde sprach er ihm ernstlich zu und ermahnte ihn, aufrichtig zu sagen, was eigentlich mit ihm vorginge. Gerlieb, der niemals log, bekam einen roten Kopf, doch bekannte er freimütig seine unwiderstehliche Sehnsucht, das Geheimnis des Waldweihers zu er-gründen. Er verschwieg auch nicht, was er auf der Eiche erlebt hatte. Da machte der geistliche Herr ein sehr ernstes Gesicht. Er legte seinem Schützling dringend  ans Herz, die Gegend des versunkenen Waldes zu meiden; denn, so meinte er, das sind Dinge, die einem leicht den Tod bringen können. Nun überwachte er jeden Schritt Gerliebs, und der Jüngling stellte in der Tat seine Wanderungen nach dem Walde ein. Er sprach auch nie mehr davon. Nur seine Augen blickten anders als früher, als ob sie irgendwo in weiter Ferne etwas wahrzunehmen schienen.

So kam der Johannistag heran. Als die Burschen und Mädchen von Eschringen am Abend auf dem Berge hinter dem Dorf ihren Reigen hielten und durch das Johannisfeuer sprangen, da war auch Gerlieb unter ihnen und war der lustigsten einer. Diesmal hatte der Geistliche es nicht für nötig gehalten, ihn zu begleiten. Gegen Mitternacht, als das Feuer erlosch, zog das junge Volk paarweise unter Lachen und Schäkern nach Hause. Nicht so tat Gerlieb. Der volle Mond schien so klar und mild, dass er noch ein wenig lustwandeln wollte. Ehe er sich dessen versah, war er schon auf dem Weg nach dem gefährlichen Walde. Bald nahm ihn das Dunkel des Forstes auf. Nur hin und wieder blinzelte der Mond durch die Kronen der Bäume nach dem einsamen Waldwanderer. Die blaßgrünen Buchenstämme leuchteten weißlich wie seltsame Gespenster und schienen sich in feierlichem Tanze um sich selber zu drehen. Da klang auf einmal eine leise wunderliebliche Stimme durch die Nacht. Wie im Traume schritt Gerlieb unter den schwarzen Ästen der Bäume dahin und lauschte dem süßen schaukelnden Gesang. Ohne daß er es bedachte, trugen ihn seine schwebenden Schritte gerade dorthin, woher die wunderliche Weise kam, und bald bemerkte er in der tiefsten Tiefe des Waldes eine grünlich beleuchtete Stelle. Es war der Wasserspiegel, der dort im Mondglanz lag. Da blühten weiße Seerosen von nie gesehener Pracht. Obwohl im Wald sich nicht das leiseste Lüftchen regte, schienen sie sich mit ihren marmorweißen Kelchen sanft auf dem Wasser zu wiegen. Gerlieb stand am Ufer auf dem Teppich des feuchten Mooses und bedeckte die Augen vor all dem Glanz mit seiner Hand; denn er war nun vom Mondlicht übergossen, das ihn blendete, nachdem er so lange durch die schwärzeste Finsternis gewandelt war. Die wunderbare Stimme klang wie eine Zauberharfe irgendwo in seiner Nähe und berauschte seine Sinne, als ob er schweren Wein getrunken hätte. Und als nun er die Hand von den Augen nahm, da sah er sie. Was er bisher für eine besonders schöne Seerose gehalten, war der weiße Leib eines lieblichen Mägdleins, halb Kind, halb Jungfrau, das wenige Schritt vor ihm im Teiche stand und sein Liedchen vor sich hin sang. Das feine Wesen schien ihn gar nicht zu bemerken. Es wiegte sich im Takt des Gesanges in den Hüften und lächelte seinem eigenen Bilde zu, welches ihm das funkelnde Wasser entgegenbrachte. Plötzlich unter-brach es seinen lieblichen Singsang, lachte als ob tausend kleine Silberglöckchen klängen, wandte den Kopf und sah jung Gerlieb gerade ins Angesicht. Dabei hob es den Arm und winkte ihm, zu kommen. Und Gerlieb kam. Er breitete die Arme aus nach dem schönen Kinde und merkte kaum, wie das kühle Wasser seine Füße, seinen Körper umfing. Schon reichte ihm das Jüngferlein die rosige Hand und zog ihn heran, schloss ihn in seine weichen Arme und küsste ihn mit eiskalten Lippen auf den Mund. Dann sank es mit ihm in die Tiefe bis auf den Grund des Gewässers. Ein paar Wellenringe spielten über den See, ein paar Bläschen stiegen auf, ein großer schwarzer Vogel flog mit schwerem Flügelschlag aus dem Schilf des Ufers, dann wurde es still, ganz totenstill im Walde.

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, merkte man im Ritterhause, daß Gerlieb, das Speerkind, noch nicht heimgekehrt war. Der Ritter schickte einige Leute nach dem Dorfe, ihn zu suchen, aber dort fanden sie ihn nicht. Da kam gerade der Geistliche von der Frühmesse. Das Entsetzen sprach aus seinem Antlitz, als er hörte, daß Gerlieb vermißt wurde. Er zog den Ritter auf die Seite, und sie flüsterten lang und aufgeregt miteinander. Dann machten sie sich auf den Weg nach dem Waldsee. Als sie ihn mit einiger Mühe gefunden hatten, stand die Sonne schon hoch. So friedlich lag der stille Teich im Sonnenschein, und die Vögel zwitscherten so vergnügt von den Zweigen, dass der Ritter meinte, hier könne es gewiß keine schlimmen Geister geben, und freier atmete. Aber bald fanden die beiden eine Stelle, wo man deutlich die Spur eines jugendlichen, engbeschuhten Fußes wahrnahm, die ins Wasser führte und nicht wieder heraus. Und zwischen den Stengeln des Schilfes hing die Kappe von grünem Sammet, schillernd von Feuch-tigkeit, mit den durchnäßten, trübselig herabhängenden Reiherfedern. Da tobte der Ritter und fluchte gotteslästerlich; das tat er immer, wenn er irgend ein Herzleid zu verbergen hatte. Der Geistliche aber sprach ein Gebet.

Am Ufer lag der halbvermoderte Stamm einer vor Alter gestürzten Eiche. Ritter Boos von Waldeck schwang sich hinauf, zog das Schwert und angelte damit die Kappe seines Pflegesohnes aus dem Schilfe. Er betrachtete das armselige Käppchen, bis ihm die Augen feucht wurden. Da steckte er es schnell in sein Wams. Das gezückte Schwert immer noch in der Rechten haltend, begann er abermals über das Unheil, das ihm sein Speerkind geraubt hatte, zu fluchen. Dabei fiel sein Blick auf die allerschönste der Seerosen, die neben dem Baumstamm ihren Kelch ausbreitete. Ergrimmt über soviel unversehrte Pracht, die da angesichts seines Leides in den Tag hinein blühte, führte er einen Schwerthieb nach der Pflanze. Er traf sie gut. Die weißen Blütenteile stoben auseinander und fielen wie tote Schmetterlinge nieder. Aber im gleichen Augenblick tat es einen so furchtbaren Schrei, wie ihn nur ein tödlich getroffenes Wesen auszustoßen vermag. Dem Ritter bebten die Knie, und er mußte sich festhalten, um nicht ins Wasser zu gleiten. Erstaunt sah er sich nach seinem Kaplan um. Der stand am Ufer und war bleich geworden. Er deutete auf eine Stelle im Teich, und als der Ritter dorthin blickte, sah er, dass aus dem Stengel der geköpften Wasserrose ein dicker, dunkel-roter Blutstrom quoll, der ringsum die Flut mit Purpur tränkte. Die Wasserjungfer war tot.

Doch, ob sie auch tot war, jung Gerlieb, das Speerkind, kehrte nicht wieder.

55.    Der Lorenzenborn[200]

Bei Eschringen steht die St. Lorenzkapelle, in einer Nische hinter dem Altar bewahrte sie des Heiligen Bild. Unten bei der Mühle sprudelt der Lorenzenborn. Hier lebte vor Zeiten mit ihrer Enkelin eine alte Wittib. Von dem übernächtigen Spinnen war die Arme fest erblindet. Einmal in später Mitternacht fand ein halberstarrtes altes Mütterlein bei ihr Herberge und Erquickung. Des Morgens bestrich die Fremde der Kranken die Augen und riet ihr, sich siebenmal des Tages zu waschen mit frischem Wasser aus dem Born bei der Mühle. Die Großmutter genaß wie durch ein Wunder. Als eines Tages das Mägdlein mit dem Kruge wieder zum Brunnen gekommen, fuhr es erschrocken zurück: denn aus der Tiefe des Wassers schaute ein Antlitz es an, so hold und so freundlich wie das eines Engels, und diese Erscheinung wiederholte sich ihr bei jedem Gange an den Brunnen. Man untersuchte den Quell und zog aus dem Schlamm heraus das Bild des hl. Laurentius und brachte es zur Kapelle. Der Brunnen war ein Heilwasser für vielerlei Leiden geworden. Hatte doch diese alte fromme Heiligenplastik einmal in dem Lorenzkirchlein selbst gestanden und war von wilden Kriegshorden in das Wasser des Borns geworfen worden, während man vor ihnen das silberne Glöcklein, das einmal auf dem Turme hing, beim Finkel-rechweg in die Tiefe eines sumpfigen Baches versenkte. Dort ruht es noch immer und der Sumpf ist verschwunden, und niemand weiß die genaue Stelle mehr, wo das Glöcklein liegt. Doch alljährlich in den Tagen des Maies, wenn zu Abend die Betglocken läuten und in der hl. Adventszeit hört man den Silberton seines Läutens wie aus weiter verlorener Ferne. Alles Suchen nach ihm aber war bisher vergeblich. – Ein alter Klosterbruder der Wadgasser hat aber gesagt: „Sobald in der Gemeinde des Dorfes die altererbte Zwietracht zu schwinden beginnt, hebt sich das Glöcklein um einige Fuß und wird endlich am Festtage allgemeiner Versöhnung auf der Oberfläche erscheinen.“


Abb. 15: Das Waldgebiet rund um den Stiefel (um 1955)[201]


Literaturverzeichnis

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Seebach, Helmut: Sagen in der Pfalz. Geister, Hexen, Teufel. Ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz (mit 200 unveröffentlichten Sagen). Annweiler-Queichhambach 1996

Tritz, Michael: Geschichte der Abtei Wadgassen, zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1901. Saarbrücken [o. J. = 1978]

Wüstner, Remigius: Heimatgeschichte von Ensheim. Ensheim 2001

C. Internetquellen:

Mittlerweile gibt es auch im Internet schon eine Reihe von Webseiten, die sich mit deutschen Sagen im allgemeinen und saarländischen im besonderen beschäftigen. Bitte, beachten Sie, dass sich Internetslinks oft ändern können, zum Beispiel beim Providerwechsel oder bei einer Änderung des Domainnamens. Aus rechtlichen Gründen muss ich außerdem darauf hinweisen, dass ich für die Inhalte der angegebenen Webseiten keinerlei Verantwortung und Haftung übernehme.

Gutenberg-Projekt:

Sagen aus dem Saarland:

·   http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/0htmldir.htm

·   http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/saarland/sagen_saarland.htm

Die guten Zwerge aus Ensheim:

·   http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/guten.htm

Der unheimliche Jäger von St. Ingbert

·   http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/unheim.htm

Der Riese Kreuzmann auf dem 'großen Stiefel' bei Ensheim:

·  http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/kreuz.htm

Der Teufel als Wildsau:

·  http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/wildsau.htm

Andere Webseiten:

Eschringer Sagen (darin mehrere Sagen aus Eschringen-Saar):

·   http://www.eschringen.de/sagen.htm

Der Stiefel bei St. Ingbert:

·   http://www.saarland.de/534_11005.htm

Sagen allgemein:

·  http://www.gutenberg2000.de/sagen/sagen.htm

Bayerische Sagen:

·   http://www.gutenberg2000.de/schoeppn/bysagen/bysgtoc1.htm

Entstehung der Sagen:

·   http://www.sagen.at/index.html


Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1 [S. 1]: Der Ensheimer Bann um 1765 (Ausschnitt nach der Originalkarte von Gustel Ziegler, Ensheim)

Abbildung 2[S. 10]: „General-Charte“ von Ensheimer Bann um 1765 (dito)

Abbildung 3 [S. 17]: Umschlaggrafik der „Saarlandsagen“ von August Diehl (1934)

Abbildung 4 [S. 25]: Urkaster der Gemeinde Ensheim von 1846 (Ausschnitt)

Abbildung 5 [S. 28]: Die Propstei Ensheim um 1800 (Zeichnung von Carl Dercum)

Abbildung 6 [S. 31]: Das Dorf Ensheim auf der Bannkarte von Knoertzer (Ausschnitt aus der „General-Charte“ vom Ensheimer Bann um 1765; Original bei G. Ziegler, Ensheim)

Abbildung 7 [S. 32]: Von der Schessheck bis zum Hedrichsfeld (Ausschnitt aus der „General-Charte“ vom Ensheimer Bann um 1765; Original bei G. Ziegler, Ensheim)

Abbildung 8 [S. 67]: Der Große Stiefel (Ausschnitt aus der „General-Charte“ vom Ensheimer Bann um 1765; Original bei G. Ziegler, Ens-heim)

Abbildung 9 [S. 68]: Der Stiefel mit dem „Riesentisch“ (Glass, 2001)

Abbildung 10 [S. 69]: Der Stiefel auf dem „Großen Stiefel“ (Glass, 2001)

Abbildung 11 [S. 74]: Der Stiefel (Ausschnitt aus der „General-Charte“ vom Ensheimer Bann um 1765; Original bei G. Ziegler, Ensheim)

Abbildung 12 [S. 90]: Karte des Ensheimer Bannes von 1751 (Quelle unbekannt)

Abbildung 13 [S. 114]: „Hänsel und Gretel“ (Glass, 2001)

Abbildung 14 [S. 117]: Der Spellenstein in Rentrisch (Quelle unbe-kannt)

Abbildung 15 [S. 198]: Das Waldgebiet rund um den Stiefel (um 1955). Vgl. W. Krämer, Geschichte der Stadt St. Ingbert, Band II. St. Ingbert 1955, S. 456 (Ausschnitt)


Über den Autor

Paul Glass, 1952 in Ensheim geboren, dort auch aufge-wachsen, lebt seit 1979 in der Nähe von Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg, wo er als Oberstudienrat an einem Beruflichen Gymnasium die Fächer Französisch, Ge-schichte, Gemeinschaftskunde, Wirtschaftslehre und Daten-verarbeitung unterrichtet.

Als Mundartautor, Heimatforscher und Webmaster der Ensheim Homepage (www.ensheim-saar.de) beschäftigt er sich seit über 30 Jahren mit der Geschichte und Kultur seiner alten Heimat in all ihren Facetten.

Kontakt:

·         Post:        Paul Glass, Dorfstr. 35, 74427 Fichtenberg

·         FAX:       07971-23326

·         eMail:     paul.glass@epost.de



[1] Vgl. Literaturverzeichnis, S. 199!

[2] Das Büchlein wurde sicherlich auch im Hinblick auf die damals bevorstehende Saarabstimmung geschrieben. August Diehl war sicher-lich ein glühender Anhänger der „Heim ins Reich“-Bewegung. Gerhard Abel, Assweiler schickte mir über Diehl freundlicherweise die folgen-den Informationen: August Diehl war gebürtiger Pirmasenser (*9.2. 1876), der in Würzburg 1921 mit einer Dissertation u.d.T. "Die Reiterschöpfungen der phidiasischen Kunst" zum Dr. phil. promovierte. Er war Kulturamtsleiter der Stadt Würzburg und Landesleiter der Reichsschrifttumskammer Gau Mainfranken, später Referent im Reichs-propagandaamt Mainfranken (Angaben aus: Kürschners Deutscher Lite-raturkalender, Jahrgänge 1937/38. 1939. 1943).

[3] Vgl. dazu die Bannkarten von 1751, S. 90 und um 1765, S.10 !

[4] Vgl. Literaturverzeichnis, S. 199!

[5] Vgl. zur Verschriftung des Ensemma Pladd: Paul Glass, ’s dudd Hei-gawwele rääne!’. Ensemma Schrich. Redensarten, Sprüche und Spe-zialausdrücke in der Mundart von Ensheim-Saar. Fichtenberg 1999, S. 26ff. Vollständig veröffentlicht auch im Internet: http://www. ensheim -saar.de/mundart/write.htm

[6] Das schließt freilich nicht aus, daß ich im Einzelfall auch weiter-führende Informationen aufführe.

[7] Helmut Seebach: Sagen in der Pfalz. Geister, Hexen, Teufel. Ein Bei-trag zur Volkskunde in der Pfalz (mit 200 unveröffentlichten Sagen). Annweiler-Queichhambach 1996

[8] Hildegunde Prütting: Das Geschichtsbild des Volkes nach den Sagen der Pfalz. Diss. Kiel 1948

[9] Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. Edenkoben 2000. – Einige Verlage wie der Amend-Verlag aus Würzburg, der Eugen Crucius Verlag aus Kaiserslautern, der Hofer-Verlag und Minerva-Verlag aus Saarbrücken scheinen nicht mehr zu existieren bzw. evtl. nachfolgende Rechteinhaber sind mir nicht bekannt; jedenfalls ist es mir bis dato nicht gelungen, eine aktuelle Anschrift zu finden, um eine Abdruckgeneh-migung zu erhalten. Eine evtl. Copyright-Verletzung bitte ich mir freundlicherweise nachzusehen, zumal es sich bei diesem Buch um ein Non-profit-Projekt handelt. Vielen Dank!

[10] Maßgebend für diese Veröffentlichung ist der Ensheimer Bann um 1750, wobei auch einige der angrenzenden Gemeinden in einzelnen Sagen thematisiert werden. Vgl. die Karten S. 10 und S. 90 sowie die Bannschreibung aus dem Jahr 1458, S. 11!

[11] Vgl. Wilhelm Weizsäcker: Pfälzische Weistümer. 4. Lieferung: Dutt-weiler bis Eygersheim, Speyer 1962, S. 393 f

[12] Im Escherstal spielt die Sage vom Köhler und dem Wichtel vom Gumbersberg. Vgl. S. 39 und die Karte, S. 198!

[13] Gemeint ist der Spellenstein in Rentrisch, der heute noch beeindruckt.

[14] Siehe dazu: „Verjüngter Grundriss oder General-Charte über den gantzen Bann Ensheim, welcher nach dem 8ten Theil des gewöhnlichen Maasstaabs verjüngt worden“. Diese wunderschöne Bannkarte wurde vom nassauisch-saarbrückischen Geometer Knoertzer um 1765 anläss-lich einer Bannrenovatur angefertigt.

[15] Ludwig Schandein: Volkssage. In: Bavaria. Landes – und Volkskunde des Königreichs Bayern, bearbeitet von einem Kreise bayerischer Gelehrten. Band 4, 2. Abteilung: Bayerische Rheinpfalz. München 1867, S. 277 - 344

[16] Zwar gab es schon vor Schandein erste Veröffentlichungen von Pfäl-zer Sagen, doch gab es in diesem Sammlungen keine Ensheimer Be-treffe, zum Beispiel bei Baader / Moris (1842), Panzer (1848) oder Schöppner (1852).

[17] Friedrich Wenz: Volkskunde von Baiern. Für Schule und Haus. IV. Abteilung: Baierische Rheinpfalz. Nürnberg 1884, S. 105

[18] Vgl. S. 39!

[19] Jakob Grentz: Ensheim vor 60 Jahren. Bilder aus dem hinterpfäl-zischen Dorfleben. Forbach 1894

[20] Grentz, op. cit., 46

[21] Für diese These spricht auch, dass unter den Gewährsleuten für alte Sagen immer auch Lehrer zu finden sind, auch im Falle der Sagen dieses Buches: Hauptlehrer Kaufmann aus St. Ingbert oder Studienrat Ludwig Blatter aus Ottweiler.

[22] Heinrich Nießen: Sagen und Geschichten des Saarthales. Saarlouis 1900. Dafür berichtet er ausführlich vom Ende der Abtei Wadgassen, zu der ja Ensheim über Jahrhunderte, zum Schluss als Propstei, gehört hatte. S. 10ff.

[23] Friedrich Wilhelm Hebel: Pfälzische Sagen. Kaiserslautern 1906

[24] Ders.: Pfälzisches Sagenbuch. Kaiserslautern 1912

[25] Siehe dazu ausführlich Seebach, op. cit., 15f. Wie Seebach, a.a.O. berichtet, gab es bereits 1874 einen ersten Versuch des Nußdorfer Pfarrers J. G. Lehmann, systematisch Sagen zu sammeln, doch wurde diese Initiative noch nicht umgesetzt. – Albert Becker: Eine Anregung zum Sammeln der Pfälzer Sagen. In: Der Pfälzerwald 1906, S. 33 f.

[26] Wolfgang Krämer: Über die Sagen vom Großen Stiefel bei St. Ing-bert. Ein Beitrag zur Sagenkunde der Rheinpfalz. Speyer 1918

[27] Karl Lohmeyer. Die Sagen des Saarbrücker und Birkenfelder Landes. Zweite stark erweiterte Auflage. Saarbrücken, Völklingen, Leipzig 1924

[28] Was die Alten erzählten. Heft 7: Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz. Saarbrücken, Völklingen 1929

[29] Diehl, August: Saarlandsagen. Ein deutsches Volksbuch für Jung und Alt. Würzburg 1934.

[30] Diehl, op. cit., 3

[31] Ebda.

[32] Diehl, op. cit., 5

[33] Karl Lohmeyer: Die Sagen von der Saar, Blies, Nahe, vom Hunsrück, Soon- und Hochwald. Zugleich dritte, weit mehr als verdoppelte Auf-lage der Sagen des Saarbrücker und Birkenfelder Landes. Saarbrücken 1935

[34] Lohmeyer, op. cit., 13

[35] Franz Fahnemann: Füllhorn der Westmark: Märchen, Sagen und Ge-schichten. Ludwigshafen, Saarbrücken 1943

[36] Karl Lohmeyer: Die Sagen der Saar von ihren Quellen bis zur Mün-dung. Saarbrücken 1952

[37] Karl Lohmeyer: Die Sagen der Saar von ihren Quellen bis zur Mün-dung. Ein Ergänzungsband. Saarbrücken 1955

[38] Helmut und Alexander Wilhelm (Hg.): Ensheim. Ortschronik Ens-heim. Wechselvolle Geschichte unseres Dorfes im Wandel der Zeiten. Ensheim o. J. [= 1977], S. 137 - 140

[39] Hans Bernhard Schiff: Pfifferjokob und Trommelsepp. Sagen und Ge-schichten von der Saar. Saarbrücken ²1982

[40] Karl Lohmeyer. Die Sagen der Saar von Ihren Quellen bis zur Mündung. Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag von Karl Lohmeyer am 21. Januar 1978. Saarbrücken 1978

[41] Saarbrücker Zeitung (Hg.): Sagen, Märchen und Legenden aus dem Saarland, gesammelt von Helge Dettmer. Leun / Lahn 1988

[42] VHS Halberg, Geschichtswerkstatt Bischmisheim (Hg.): Bischmis-heim. Zusammengestellt von Werner Karg. Bischmisheim 1994

[43] Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. Edenkoben 2000

[44] http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/0htmldir.htm

[45] (Stand: Ende Juli 2003)

[46] Der Vollständigkeit halber werden aber fast alle Textvarianten (sofern sie voneinander abweichen) unter Nennung der jeweiligen Quelle im Anhang, S. 139 ff präsentiert.

[47] Brüder Grimm: Deutsche Sagen. 2 Bände. [München o. J.]

[48] Ebda, I, S. 312

[49] Ebda, I, S. 313

[50] A.a.O. Seebach, op. cit., S. 32 hebt in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der früheren Spinnstube als Ort des Sage-Erzählens hervor, die vielfach für die Dorfjugend eine Art Winterschule gewesen sei.

[51] Seebach, op. cit,.S. 30: “Die Furcht hütete einst den Wald, nicht der Förster. So erfüllen die Um- und Wiedergänger, die Spukgestalten, weißen Frauen usw. mehrere Aufgaben, zu denen zum einen der Schutz des Waldes und zum anderen der Schutz der Menschen gehörte. Schutz des Waldes bedeutet, möglichen Frevel zu verhindern, indem Bestra-fungen durch jenseitige Einflüsse als unvermeidlich dargestellt werden. Schutz des Menschen heißt, sie vor folgenreichen Handlungen zu warnen, ihnen Verhaltensmuster und zugleich Erklärungsmöglichkeiten an die Hand zu geben.

[52] Hans Darnstadt: Sagen aus Österreich. Frankfurt am Main 1978, S. 2.

[53] Seebach, op. cit., S. 13

[54] Vgl. Bannkarte von 1751, S. 90!

[55] Erstveröffentlicht bei Karl Lohmeyer: Die Sagen des Saarbrücker und Birkenfelder Landes. Zweite stark erweiterte Auflage. Saarbrücken, Völklingen, Leipzig 1924 [Künftig zitiert: Lohmeyer (1924)], S. 25. Diese Sage wurde Lohmeyer 1919 von Dr. Oskar Orth aus Ensheim mündlich mitgeteilt. In der Auflage von 1935 führt Lohmeyer diese Sage erneut auf, wobei er den Schluss um zwei Sätze ergänzt. Vgl. Anhang Nr. 1, S. 139.

Eine identische Version wurde 1988 wiederveröffentlicht in einer Ex-klusivausgabe für die Saarbrücker Zeitung: Saarbrücker Zeitung (Hg.): Sagen, Märchen und Legenden aus dem Saarland. Gesammelt von Helge Dettmer. Saarbrücken 1988, S. 137. Dettmer nennt seine Quelle nicht, aber es ist offensichtlich, dass er sich bei Lohmeyer (1924) bedient hat.

Die bisher letzte Version findet sich – textlich verändert – bei Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. Edenkoben 2000, S. 681. Vgl. Anhang Nr. 4, S. 140.

[56] Es handelte sich um den Pater Hermogenes Krick, Franziskaner aus Blieskastel, der am 21. Juli 1785 aus dem Fenster fiel und sich dabei tödlich verletzte. Quelle: Kath. Kirchenbuch Ensheim, Sterberegister  1785, Nr. 196.

[57] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 42. Als Quelle hat er einen Zeitungsartikel benutzt: Wilhelm Otto: Erinnerungen aus Ensheims Vergangenheit. In: Saarbrücker Zeitung, 169. Jahrgang, Nr. 278, 2. Beilage vom 10. Oktober 1929. - Wiederveröffentlicht bei Loh-meyer, op. cit. (1952). Auch in der Ensheimer Ortschronik, op. cit., S. 137 f ist der Text – etwas abgewandelt – zu finden. Vgl. Anhang Nr. 6, S. 141.- In der Jubiläumsausgabe von 1978 hat Lohmeyer den Text geringfügig erweitert. Vgl. Anhang Nr. 5, S. 141. - Die bisher letzte Version findet sich – im Titel und Text verändert – bei Viktor Carl: op. cit., S. 681. Vgl. Anhang Nr. 7, S. 142.

[58] Das Dorf Ensheim wurde während der Zugehörigkeit zum Kloster Wadgassen fast ausschließlich von der Propstei Saarbrücken versorgt. Erst 1681 ordnet der Abt Petrus Marx an, in Ensheim ein Hofhaus als eine Art Sommerresidenz zu errichten. In diesem Zusammenhang wird auch der Hofgarten ummauert, was zu erbitterten Konflikten mit den Einwohnern von Ensheim und dem Kloster Wadgassen führte, weil die Ensheimer Untertanen Baufrohnden leisten sollten. – Vgl. R. Wüstner, Heimatgeschichte von Ensheim. Ensheim 2001, S. 280 ff und Michael Tritz, Geschichte der Abtei Wadgassen, S. 236.

[59] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 27. Als Quelle nennt er Schröter (1852), S. 94 und 96. Er fügt in der Fußnote – unter Berufung auf Schröter, op. cit., 97 folgende Informationen bei: Die mittelalterliche Burg in Ensheim stand da, wo das neue Schulhaus (1852) und benachbarte Häuser stehen. Beim Bau der Schule fanden sich die Fundamentmauern eines runden Turmes mit einem Estrich-bogen, darin ein Skelett mit dem Rest eines Harnisches und eiserne Fesseln. Ferner steht in der Nähe des Schulhauses eine Schmiede, die als das älteste Haus in Ensheim gilt und der Sage nach auf dem Grund eines uralten zerstörten Gebäudes errichtet ist. Als man um die Mitte des verflossenen Jahrhunderts ein Stallgebäude anbaute, ward unter der Grundmauer jenes ältesten zerstörten Gebäudes ein Hufeisen von unge-wöhnlicher Größe gefunden. Die Stelle, wo die Burg stand, wird noch jetzt „der Hof“ genannt. Fragmente von römischen Ziegeln kamen häu-fig zu Tage. Lohmeyer, op. cit. (1924), 137.

Lohmeyer bringt diese Sage unverändert auch in der Ausgabe von 1935: op. cit. (1935), S. 45. Dettmer, op. cit., 139 bedient sich bei Lohmeyer offenbar als Quelle und veröffentlicht den Text unverändert.

Die bisher letzte Veröffentlichung besorgte Carl, op. cit., als „Kurz-epik“. Vgl. Anhang Nr. 8, S. 142.

[60] Einen kurzgefassten Überblick über das Kloster Wadgassen findet sich bei: Kath. Kirchengemeinde „Maria Heimsuchung“ Wadgassen (Hg.): Prämonstratenserabtei Wadgassen, 1135 – 1792. Beiträge zur Abtei- und Ordensgeschichte. Wadgassen o. J. [= 1985]

[61] Siehe die Urkataster-Aufnahme von 1846, S. 25.

[62] Das faszinierende Thema „Unterirdische Gänge“ wurde auch schon in der Saarliteratur abgehandelt, z. B. bei

·         Breinig, Hans: Unterirdische Gänge im Saarland, In: Heimatbei-lage der SZ, Jg. 2 (1950), Nr. 51 vom 05.01.1951

·         Hoppstädter, Kurt: Unterirdische Gänge im Saarland, In: Heimat-beilage der SZ, Jg. 2 (1950), Nr. 43 vom 15.11.1950

[63] Es handelte sich wohl um die Zehntscheuer.

[64] Erstveröffentlicht bei Ludwig Schandein: Volkssage. In: Bavaria. München 1867, S. 335 f. Seine Quelle nennt Schandein nicht. – Weitere Veröffentlichungen, teils unter anderem Titel, mit veränderten Texten, bei

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 55 f – vgl. Anhang Nr. 9, S. 143;

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 27 f bedient sich bei Schandein und bringt dessen Text ohne Änderungen; als weitere Quellen nennt er (wie Hebel fälschlicherweise!) Wenz, op. cit., sowie Hebel, op. cit., Nr. 43 und einen Artikel von Blatter im Bergmannsfreund 1909, Nr. 121.

·         [ohne Autor]: Was die Alten erzählten. Heft 7: Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz. Saarbrücken, Völklingen 1929, S. 27 f. Auch hier wird eine fast identische Fassung von Schandeins Text publiziert. Vgl. Anhang Nr. 10, S. 143.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), 44 f – unveränderter Text;

·         Dettmer, op. cit., 143 benutzt den Text von Hebel ohne jede Veränderung. Vgl. Anhang Nr. 9, S. 143!

·         Carl, op. cit., 685, der wiederum den Text mit eigenen Worten neu erzählt. Vgl. Anhang Nr. 13, S. 149.

[65]Der Siedelwald war ein Wald beim Omersthal und Sollschied in der Nähe des Triebenberges bzw. des Staffels. Vgl. Wüstner, op. cit., S. 216.

[66] Gemeint ist wohl die sog. Brudermühle, die bereits um 1300 vom Kloster Wadgassen auf dem Renntriesch gebaut wurde – als Bannmühle, in der alle wadgassischen Untertanen aus Ensheim, Eschringen, Hecken-dalheim, Sengscheid und Reichenborn ihr Getreide mahlen lassen muss-ten. – Der Ort Rentrisch entwickelte sich bei dieser Mühle. Im 18. Jahrhundert gab es mehrfach Versuche des Fürstenhauses Nassau-Saarbrücken, sich Rentrisch und das ertragreiche Waldgebiet um den Kleinen Stiefel zu sichern. Im Jahr 1762 war es dann soweit: Nassau-Saarbrücken erhält den Kleinen Stiefel und Rentrisch und entschädigt das Kloster Wadgassen mit Waldgebieten im Warndt. – Vgl. Wüstner, op. cit., S. 328 und die Bannkarte von 1751, S. 90.

[67] Vermutlich handelt es sich um die Triebenberg. Eine solche Be-zeichnung taucht in den verschiedenen Bannbeschreibungen nicht auf.

[68]Erstveröffentlicht – ohne Titel - bei Schandein, op. cit., 336. – Weitere Veröffentlichungen – teils unter anderem Titel, teils mit Text-veränderungen – erschienen bei:

·         Wenz, op. cit., 105. Vgl. Anhang Nr. 15, S. 151.

·         Hebel, op. cit., 56 f erwähnt zum ersten Mal den Namen Grau-männchesloch in diesem Zusammenhang, was er wohl einer Mit-teilung des Ensheimer Kaplans J. Weber verdankt. Op. cit., 376. Vgl. Anhang Nr. 16, S. 151 f.

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), 25 f; op. cit. (1935), 43 und op. cit. (1978), 143 bedient sich bei Schandein, bringt dessen Text unverändert, fügt aber zum Schluss den bei Hebel gefundenen Hin-weis auf den Namen Graumännchesloch an. Als weitere Quelle nennt Lohmeyer, op. cit., 137 den Artikel von Ludwig Blatter: Sagen aus dem Westrich. In: Bergmannsfreund 1909, Nr. 121.

·         (ohne Autor): Was die Alten erzählten. Heft 7: Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, S. 26 f. In dieser Ausgabe wird die Hebel-sche Fassung von 1912 wiederholt, allerdings mit einem anderen Titel: Das Graumännchesloch zwischen Ensheim und Bischmisheim.

·         Diehl, op. cit., 41 – 43, der den ursprünglichen Text außeror-dentlich aufbläht und mit dem neuen Titel Der Wichtel vom Gumber-stein versieht. Vgl. Anhang Nr. 17, S. 152.

·         Wilhelm, op. cit., 139 und Dettmer, op. cit., 137 führen den Hebelschen Text ohne Veränderung auf, verzichten aber auf eine konkrete Quellenangabe.

·         Carl, op. cit., 685 f. Vgl. Anhang Nr. 18, S. 154.

[69]Vielleicht handelt es sich um Lorenz Minerath, der im Protokoll zur Bannrenovatur 1693 erwähnt ist und eine Zeitlang als Köhler und Pottaschebrenner unterhalb des Großen Stiefel gearbeitet hat. Vgl. Wüstner, op. cit., S. 189.

[70]Hebel, op. cit. (1912), S. 56 konkretisiert den Ort dieser Sage; es ist das Escherstal bei Ensheim, das in verschiedenen Bannbeschreibungen seit 1458 immer wieder erwähnt worden ist und Teil des heutigen Ensheimer Tals (in der Nähe des Triebenbergs) ist. Vgl. dazu auch die Karte S. 198.

[71] Das Kloster Wadgassen war seit 1435 alleiniger Grundherr in Ensheim.

[72]Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), 26. Als Quellen nennt Lohmeyer Schröter, op. cit., S. 100 und Heinrich Nießen: Sagen und Geschichten des Saartales. Saarlouis 1900, S. 2. – Wieder-veröffentlicht bei

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 43 f mit unveränderter Textfassung;

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 143: Hier bietet Lohmeyer eine ver-änderte und erweitere Fassung auf. Vgl. Anhang Nr. 19, S. 155. Diesen Text übernimmt unverändert Werner Karg von der Ge-schichtswerkstatt Bischmisheim: VHS Halberg, Geschichtswerkstatt Bischmisheim (Hg.): Bischmisheim. Bischmisheim 1994, S. 66.

·         Dettmer, op. cit., 138 bringt ohne Quellenangabe die Urfassung bei Lohmeyer (1924), 26.

·         Carl, op. cit., S. 681. – Vgl. Anhang Nr. 20, S. 155 f.

[73]Ein Klafter war früher eigentlich ein Maß für Brennholz, wobei die damit verbundene Menge ortsabhängig war. In Speyer z. B. war 1 Klafter 3,4720 m³ und in Landstuhl 4,0896 m³. Vgl. Wolfgang von Hippel: Maß und Gewicht in der bayerischen Pfalz und in Rhein-hessen um 1800. Mannheim 1994

[74]Ohne Titel erstveröffentlicht bei Schandein, op. cit. (1867), S. 335. – Wiederveröffentlicht – teils unter anderem Titel, teils in veränderter bzw. erweiterter Fassung – bei

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 40 f, der als Quelle Schandein, a.a.O., nutzt. Vgl. Anhang Nr. 21, S. 156.

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 26 und op. cit. (1935), S. 44 über-nimmt die Schandeinsche Urfassung komplett und nennt die Sage “Die drei Wiesenfräulein”;

·         Die schönsten Sagen der Saarpfalz, op. cit., S. 28. Auch hier die Urfassung von Schandein, allerdings mit dem Titel „Die drei Wiesenfräulein am Siedelwalde“;

·         Diehl, op. cit., S. 53 – 55 bläht die Sage unnötig auf. Vgl. Anhang Nr. 22, S. 156 – 158.

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 143 f führt eine leicht veränderte Fassung auf. Vgl. Anhang Nr. 23, S. 159.

·         Dettmer, op. cit., S. 139 übernimmt die Urfassung von Schandein und benutzt auch den Titel „Die drei Wiesenfräulein“;

·         Carl, op. cit., S. 684 mit der bisher letzten und neu erzählten Ver-sion. Vgl. Anhang Nr. 24, S. 159.

[75]„Heiden“ dienten, wie Prütting, op. cit., S. 94 berichtet, bis in unsere Zeit als Kinderschreck. Dabei werden die „Heiden ... als ein altes, fremdes Volk aus dunkler Vergangenheit angesehen, von dem man mit Scheu und heimlichem Grauen spricht, weil seine Bräuche und Gesetze, seine Gemeinschaft und Religion außerhalb der Welt der Menschen stehen.“

[76] Das Motiv selber ist auch in anderen Sagen der Gegend auffindbar, zum Beispiel in der Sage vom „Hääreloch“, der St. Ingberter Heidenhöhle – erzählt bei Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 170 f, der allerdings ein sehr positives Bild von den Geistern im Hääreloch zeichnet.

[77] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 27 – nach einer mündlichen Mitteilung von Dr. Oskar Orth aus Ensheim im Jahre 1919. Vgl. a.a.O., S. 138. – Das Thema taucht auch in anderen Gegenden immer wieder auf, zum Beispiel am Fechinger Berg, wo am „Scheppchen“, einem Wald an der bayerisch-preußischen Landesgrenze nächtlichen Passanten ein schwarzer Mann erschien mit einem „schlappen Hut“. Dieser sprang den Vorübergehenden auf die Schulter, ließ sich von ihnen bis zum Pfaffenbrunnen tragen und verschwand dann wieder. Vgl. Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 49 f. Auch Fahnemann, Füllhorn der Westmark (1943), S. 132 f hat eine Schlapphut-Geschichte von der Grünlingstraße parat. – Erneute Veröffentlichungen des Ensheimer Schlabbe bei

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 45 ohne Veränderung;

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 152 f: Hier verbindet Lohmeyer die Sagen vom Schlapphut in Ensheim und Umgebung in einer ausführ-licheren Version. Vgl. Anhang Nr. 25, S. 160.

·         Dettmer, op. cit., 140 bringt die erstveröffentlichte Fassung von Lohmeyer.

·         Carl, op. cit., S. 682 erzählt eine Kurzfassung, die sich an Lohmeyer orientiert. Vgl. Anhang Nr. 26, S. 161.

[78] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1955), S. 339 f. Diese Sage wurde Lohmeyer von dem Heckendalheimer Willibald Stolz um 1935 übermittelt, damals Konviktstudent in Eichsfeld. Vgl. S. 396. – Erneut veröffentlicht – mit anderem Titel und verändertem Text – bei Carl, op. cit. (2000), S. 686. Vgl. Anhang Nr. 27, S. 161.

[79] Erstveröffentlicht bei Wilhelm, op. cit., S. 139. Dieses Motiv kommt auch in vergleichbaren Sagen aus anderen Teilen des Saarlandes bzw. Deutschlands vor. Vgl. dazu Dettmer, op. cit., S. 57 f und 159.

[80] Auch in der Geschichte des Ensheimer Banns gibt es mehrere Konflikte mit den Nachbargemeinden um die richtige Absteinung der gemeinsamen Grenze, so zum Beispiel mit Scheidt um 1567, mit Bischmisheim 1755, mit St. Ingbert 1721 und mit Eschringen 1765.

[81] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op.cit. (1924), S. 29 f. Als Quelle nennt er August Schmitz aus Brebach. – Wiederveröffentlicht von Lohmeyer, op. cit. (1955), S. 319. Sein Gewährsmann war diesmal Willibald Stolz aus Heckendalheim, damals Konviktsstudent in Eichs-feld. Vgl. a.a.O., S. 394. – Die bisher letzte Veröffentlichung besorgte – unter anderem Titel und mit verändertem Text – Carl, op. cit., S. 683. Vgl. Anlage Nr. 28, S. 161 f.

[82] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1952) und erneut im Jubi-läumsband von 1978: op. cit. (1978), S. 144 f, woraus der vorliegende Text entnommen ist.

[83] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 145

[84] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1955), S. 102 f.

[85] Die damalige bayerisch-preußische Landesgrenze verlief (zwischen 1817 und 1919) zwischen St. Ingbert / Ensheim / Eschringen einerseits und Bischmisheim / Scheidt / Rentrisch andererseits.

[86] Eine Postkutschenverbindung zwischen St. Ingbert und Ensheim wurde erst 1871 eingerichtet, nachdem 1868 St. Ingbert Blieskastel als Kantonshauptort abgelöst hatte. Von 1872 bis 1923 wurde die Strecke von einem Fuhrunternehmer aus St. Ingbert bedient. Vg. Wilhelm, op. cit., S. 168 f.

[87] Möglicherweise handelt es sich um Johann Nikolaus Zimmermann (1809 – 1880) aus Ensheim, im Volksmund einfach nur „Poschdniggel“ genannt.

[88] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 69.

[89] Erstveröffentlicht bei Schandein, op. cit., S. 334. – Diehl, op. cit., S. 32 – 36 nimmt das Motiv wieder auf und kleidet es in seine Sage „Der Spuk am Großen Stiefel“. Vgl. Anhang Nr. 29, S. 162 – 166. – Carl, op. cit. (2000) nimmt das Thema ebenfalls auf, mit einer eigenen Text-fassung. Vgl. Anhang Nr. 30, S. 166.

[90] Vgl. eine ältere SW-Aufnahme von den beiden Felsformationen bei Krämer, Geschichte der Stadt St. Ingbert, S. 20, Tafel III.

[91] Als Manuskript zunächst bei Karl August Woll, St. Ingbert, um 1850. - Erstveröffentlicht in Kurzform bei Schandein, op. cit., S. 334. – Wiederveröffentlicht und erweitert bei

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 72 f. Vgl. Anhang Nr. 31, S. 167.

·         Wolfgang Krämer: Über die Sagen vom Großen Stiefel bei St. Ing-bert. Ein Beitrag zur Sagenkunde der Rheinpfalz. Speyer 1918, S. 9 f. Er führt einen Text von Karl August Woll, vermutlich aus dem Jahr 1850, auf, der oben wiedergegeben ist.

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 32. Vgl. Anhang Nr. 32, S. 167.

·         Die schönsten Sagen der Saarpfalz, op. cit., S. 8 f. Vgl. Anhang Nr. 33, S. 168.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 56 f. Vgl. Anhang Nr. 34, S. 168 f.

·         Carl, op. cit., S. 662 ff, der weitere Sagen in modernen Worten erzählt, wie es dem Kreuzmann ergangen sein soll. Vgl. Anhang Nr. 35 und 36, S. 169 f.

·         im Rahmen des Gutenberg-Projektes im Internet: http://www. gutenberg 2000.de/sagen/saarland/ kreuz.htm

[92] Dazu hat Schandein, op. cit., S. 326 eine kleine Notiz veröffentlicht: „Vom großen Stiefel, dem Rodensteine der Bliesgegend, zieht dem wüthenden Heere voran der wilde Jäger, ein gewisser Freiherr v. Maltitz, welcher allenthalben noch im Umkreise spukt.“ – Die obige Fassung findet sich bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 31, wobei er sich auf Schandein, op. cit., S. 326 und einen Artikel von Ludwig Blatter in der Zeitschrift Bergmannsfreund, Nr. 120 und auf eine Mitteilung desselben bezieht. – Wiederveröffentlicht – teils unter anderem Titel oder alternativem Text – bei

·         Diehl, op. cit., S. 32 ff. Vgl. Anhang 29, S. 162.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 52

·         Ders., op. cit. (1978), S. 153 f

·         Schiff, op. cit. , S. 19 f. Vgl. Anhang Nr. 37, S. 171.

·         Dettmer, op. cit., S. 143 f

[93] Vgl. Prütting, op. cit., S. 294 ff: “Von ihm erzählt die Sage, daß er im Leben hart und streng gewesen sei und den Sonntag geschändet habe. Doch das Strafgericht blieb nicht aus: eine Wildsau unterlief ihn, so daß er auf ihr ritt, und verschwand mit ihm. Seitdem muß er als Wilder Jäger umgehen.“ – Das historische Vorbild ist wahrscheinlich der gestrenge Freiherr von Malditz, der 1760 als gräflicher Oberforst-meister in Saarbrücken starb.

[94] Vgl. zu der Thematik des „Wilden Jägers“ auch die Dissertation von Max Korten: Die Namen und die Substitutionen des Wilden Jägers innerhalb der deutschen Landschaften. Ein Beitrag zur Deutung der Sage vom Wütenden Heer und Wilden Jäger. Bonn 1951

[95] Erstveröffentlicht bei Krämer, op. cit. (1918), S. 78 f. Krämer be-nutzt als Quelle ein Manuskript mit dem Titel „Kurze Beiträge zu den Sagen von Geistererscheinungen auf dem Stiefel bei St. Ingbert. Mitgeteilt von Vetter Keller in St. Ingbert“, das um 1865 verfasst wur-de. Laut Keller lebten 1865 noch Augenzeugen für das oben erzählte Geschehen. - Wiederveröffentlicht bei

·         Diehl, op. cit., S. 35 (als Fragment)

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 52 f. Vgl. Anhang Nr. 38, S. 171 f.

·         Lohmeyer, op. cit. (1955), S. 270 f. Lohmeyer nennt den unheimlichen Jäger des Stiefels auch Maltitz. und fügt eine Beschreibung des „Aussehens des Wilden Jägers“ hinzu: „Aus einem bartlosen fahlgrauen Gesicht blitzen zwei funkelnde Augen, seine Kopfbedeckung ist ein etwas niedriger Hut, auf der rechten Seite aufgekrempelt und an dieser Krempe stecken einige Federn wilder Vögel. Einen Überrock aus grauem Wolltuch mit grünem Kragen und Aufschlägen, gelben mit Jagdfiguren verzierten Knöpfen trägt er, zu grauen Wolltuchhosen, dazu eine dunkelgrüne Weste mit ebensolchen Knöpfen. Sie ist geschlossen bis an die schwarze Halsbinde. Bis über die Knie ragende schwere plumpe Lederstiefel schließen die hagere, lange aber kräftige Gestalt dieses Geisterjägers ein. Auf seiner linken Seite trägt er einen Jagdsack, einen sogenannten Büchsenranzen und unter diesem einen Hirschfänger, und auf der rechten Schulter eine schwere Büchse.“

·         Dettmer, op. cit., S. 153 f

·         Carl, op. cit. (2000), S. 660. Vgl. Anhang Nr. 39, S. 172 f.

·         [95] Gutenberg-Projekt im Internet: http://www.gutenberg2000.de/ sagen/saarland/unheim.htm.Vgl. Anhang Nr. 40, S. 173.

[96] Diese Sage stammt ebenfalls aus dem Manuskript von Vetter Keller aus St. Ingbert. Diese handschriftliche Quelle ist um 1865 entstanden und trägt den Titel: Kurze Beiträge zu den Sagen von Geistererscheinungen auf dem Stiefel bei St. Ingbert. Mitgeteilt bei Krämer, op. cit. (1918), S. 11 ff – Wiederveröffentlicht bei:

·         Diehl, op. cit., S. 55 – 57. Vgl. Anhang Nr. 41, S. 174 – 176.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 53 – 55. Lohmeyer betitelt diese Sage, bei der er sich an Hebels 3. Auflage seiner Pfälzer Sagen orientiert, „Die geheimnisvolle Kutsche, der Geistertanz und der unheimliche Jäger“. In der Anmerkung, S. 511 f verweist Lohmeyer auf die Ein-schätzung Hebels, die genaue Beschreibung dieser Personen, ihrer Tracht und Handlungen durch einfache Holzsammler sei doch sehr merkwürdig. Noch merkwürdiger sei aber die Tatsache, dass in dieser Geschichte die Familienfarben des Fürstenhauses Nassau-Dillingen (blau-gelb) vorkämen.

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 154 ff: Lohmeyer wiederholt hier seine frühere Version, schließt aber die Geschichte mit folgendem Zusatz ab: “Der höchste Geist und Heidengott hatte also die kleinen Geister vertrieben, ein höchster Hofbeamter der Fürstenzeit die kleineren Hofschranzen! – Holzsammelnden Leuten soll das eigenartige Schauspiel schon oft auf dem großen Stiefel zuteil geworden sein.

·         Carl, op. cit. (2000), S. 660 f. Carl erzählt die umfangreiche Sage mit eigenen Worten neu, hält sich aber weitgehend an die zahlreichen Details. Vgl. Anhang Nr. 24, S. 176.

[97] Wie der Autor dieser Sage hinzufügt, wurde „dieses Schauspiel ... öfters schon bemerkt, und namentlich soll der obenbeschriebene alte Jäger sehr häufig schon gesehen worden sein.“ Zitiert bei Krämer, op. cit. (1918), S. 14.

[98] Hebel, op. cit. (1912), S. 148 f, der diese Sage von Hauptlehrer Kaufmann, St. Ingbert mitgeteilt bekommen hat. - Krämer, op. cit. (1918), S. 68 kritisiert diese Sage zusammen mit der Sage „Die vergessene Schlüsselblume“ als „literarische Kunstprodukte, die auf eine gemeinsame in ihrer beim Volke ursprünglich umlaufenden Form nicht näher bekannte Sage zurückgehen“. Er selbst fügt Folgendes hinzu: „Was das Volk von den Stiefeler Höhlen weiß, läßt sich etwa in diese Sätze zusammenfassen: Im Innern des Berges finden sich unergründliche Höhlen. In einer Vertiefung unmittelbar beim ‚Schloß’ (innerhalb des Ringwalles) zeigt man heute noch eine Grube, wo es in die tiefste Höhle hineingeht, die sich unterirdisch bis nach Kirkel und nach Ensheim stundenlang hinziehen soll. Möglicherweise waren sie in uralten Zeiten von Druiden bewohnt. Insgemein aber sprach man lange Zeit nur von den ‚roten Pfaffen’, die sich von Zeit zu Zeit bei den Höhlen sehen lassen (in Erinnerung an die einstigen Wadgasser Wilhelmiten, die in Ensheim viele Güter und eine Propstei hatten.“ – Wieder-veröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 40, der den Text bei Hebel praktisch unverändert übernimmt.

·         Diehl, op. cit., S. 36 variert diese Sage etwas in seiner Geschichte „Der Spuk am großen Stiefel“. Vgl. Anhang Nr. 29, S. 162 ff.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 67 in der Fassung von 1924.

·         Carl, op. cit. (2000), S. 668 erzählt die Sage in neuem Gewand. Vgl. Anhang Nr. 43, S. 177 f.

[99] Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 33 f: Lohmeyer veröffentlicht hier eine Sage, die der Ensheimer Lehrer Jakob Grentz erstmals um 1850 aufge-zeichnet und die Schröter 1851 nachgeprüft hat: „Ich darf hier nicht unerwähnt lassen, daß der Mitbesitzer des Sengscheider Hofs, Christian Eich, als er mir im vorigen Jahre (1851) diese Sagen ... erzählte, sich dabei ausdrücklich auf die Autorität eines Mönches berief. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Ansichten und Deutungen von Ensheimer Klostergeistlichen auf die Ausbildung dieser Sagen von Einfluß gewesen sind.“ Laut Lohmeyer, op.cit. (1924), S. 139, Anm. 79 hat Schröter diese Sage wie folgt eingeführt: „Mehr als diese spätere Sage (vom Raubritter Reppert...) vom Großen Stiefel interessiert uns hier die ältere Sage vom Ritter Heim, die, unmittelbar an das Heidentum anknüpfend, ein volles Jahrtausend in ihren Bereich zieht und Namen und Ereignisse auf die wunderbarste Art in Zusammenhang bringt und ausdeutet. Sie bekundet uns in Ermangelung geschichtlicher Nachrichten das hohe Altertum dieser Anlagen auf dem Stiefel und setzt mit denselben diejenigen Berge unserer Gegend in Verbindung, die zu den Zeiten der Römer nach-weislich Warten oder Kastelle gehabt haben. – Da uns diese Sagen selbst nur unvollständig bekannt waren, so hat ... Herr Jakob Grentz, Lehrer in Ensheim, die Gefälligkeit gehabt, dieselben zu sammeln und uns so mitzuteilen, wie dieselben von der ländlichen Bevölkerung der dortigen Gegend erzählt werden.“ Vgl. Schröter, op. cit. (1852), S. 56 – Weitere Veröffentlichungen – teils unter anderem Titel und mit Textvarianten – finden sich bei:

·         G. von Limberg, op. cit., zitiert bei Krämer, op. cit. (1918), S. 70 f. Vgl. Anhang Nr. 46, S. 179 f.

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 9 f. Diese Version orientiert sich an der Urfassung von Grentz, verzichtet aber auf einige Details.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 57–59 und op. cit. (1978), S. 158-161 bringt die unveränderte Fassung von 1924.

·         Diehl, op. cit., S. 33 f bringt nur kurze Auszüge der Sage.

·         Dettmer, op. cit., S. 140 – 142 mit dem unveränderten Grentz-Text

·         Karg, op. cit., S. 67-68 mit der Version in der Jubiläumsausgabe von Lohmeyer (1978).

·         Carl, op. cit., S. 665 mit modernisierter und gekürzter Textfassung. Vgl. Anhang Nr. 47, S. 180 – 182.

[100] Grundlage für die Weidegerechtigkeit der Bischmisheimer Bauern war ein Vertrag zwischen der Regierung von Nassau-Saarbrücken und dem Kloster Wadgassen aus dem Jahre 1614, wo die Gemeinden Ensheim und Bischmisheim als gleichberechtigte Nutznießer der Weidung (vor allem bei der Ecker- und Eichelmast) genannt werden. Dennoch gab es danach Jahr für Jahr Klagen der Ensheimer, dass die Bischmisheimer sich nicht an den Vertrag hielten und zuviele Schweine in den Ensheimer Wald trieben. 1734 wurde schließlich aufgrund der vielen Differenzen ein neuer Vertrag über das Weid- und Mastrecht im Ensheimer Wald ausgehandelt. Vgl. dazu ausführlich Wüstner, op. cit., S. 228.

[101] Vgl. dazu die Karte, S. 198.

[102]Erstveröffentlicht bei Schandein, op. cit. (1867), S. 318 f, der wiederum keine Quelle nennt. – Wiederveröffentlicht – teils unter anderem Titel, teils mit variiertem Text, bei:

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 42 f, der die Fassung von Schandein fast unverändert übernimmt und als weitere Quelle Hauptlehrer Kaufmann aus St. Ingbert nennt.

·         Krämer, op. cit. (1918), S. 69, der ebenfalls die Fassung von Schandein wiedergibt. Krämer kritisiert in diesem Zusammenhang Hebel, der in seiner Sagensammlung eine weitere Stiefel-Sage aufführe mit dem Titel „“Der Schlossgarten auf dem Großen Stiefel“, die aber „im Volke“ (also wohl bei der Bevölkerung rund um den Stiefel) unbekannt sei und so als ein Kunstprodukt zu gelten habe.

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 34 f; op. cit. (1935), S. 60; op. cit. (1978), S. 161, der ebenfalls die Version von Schandein jeweils un-verändert übernimmt.

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 10 f: Hier kann man ebenfalls den Schandein-Text lesen, allerdings leicht verändert.

·         Dettmer, op. cit., S. 156 mit der Schandein-Fassung

·         Carl, op. cit., S. 657 f mit einer modernisierten Fassung. Vgl. Anhang Nr. 44, S. 178.

[103] Sengscheid wurde erst 1936 nach St. Ingbert eingemeindet.

[104] Hebel, op. cit. (1912), S. 43 – 45. – Krämer, op. cit. (1918), S. 69 hält diese Sage für ein reines Kunstprodukt, wohl aus der Feder des Gewährsmanns Hauptlehrer Kaufmann aus St. Ingbert: „Ob wir hier eine wirklich neue, selbständige Sage vor uns haben, möchte ich sehr bezweifeln. Ihre novellenartige Ausschmückung und die Tatsache, daß sie im Volke unbekannt ist, kennzeichnen sie zur Genüge als eine künstliche Schöpfung und zwar als eine Nachdichtung der von Schandein erwähnten Sage.“ – Obwohl Krämer schon 1918 diese Sage als künstlich entlarvt hat, wurde sie gleich mehrfach wiederver-öffentlicht, so bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 35 f; op. cit. (1935), S. 60 f; unveränderter Abdruck der Hebel’schen Version.

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 16 f. Dito.

·         Diehl, op. cit., S. 35 mit einer stark verkürzten Version

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 161 f mit einer leicht veränderten Textfassung

·         H. B. Schiff: Pifferjokob und Trommelsepp. Sagen und Geschichten von der Saar. Saarbrücken 21982, S. 17 f mit einer modernisierten Fassung. Vgl. Anhang Nr. 45, S. 178 f.

·         Dettmer, op. cit., S. 149 ff mit der Hebel-Fassung.

[105] Hebel, op. cit., S. 149 – 150. Als Quelle dient Hebel hier wieder Hauptlehrer Kaufmann aus St. Ingbert. – Krämer, op. cit. (1918), S. 68 kritisiert diese Sage als nicht authentisch, als reines Kunstprodukt: „Diese Geschichte ist jedoch keine neue selbständige, aus dem Volke stammende  Sage, sondern lediglich eine literarische Variation des vorhergehenden, deren Fassung selber schon alle Spuren künstlicher Frisur trägt.“ – Einen vagen Hinweis auf eine mögliche „Sage von der Schlüsseljungfrau“ auch am Großen Stiefel gab bereits Schandein, op. cit., S. 320, die laut Krämer dann in einem 1904 erschienen Aufsatz mit dem Titel „Der Stiefel in Forschung und Sage“ näher ausgeführt worden sei. Hier wiederum habe sich Hebels Gewährsmann Kaufmann bedient. – Wiederveröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 36; op. cit. (1935), S. 61 f und op. cit. (1978), S. 162 f bringt den Hebel-Text unverändert.

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 14 f in unver-änderter Fassung, aber mit dem Titel „Der Schatz im Stiefel und die vergessene Schlüsselblume“

·         Dettmer, op. cit., S. 152 f wiederholt die Hebel-Fassung unver-ändert.

·         Carl, op. cit., S. 655 f erzählt die Sage mit eigenen Worten neu.

[106]Hebel, op. cit. (1912), S. 292 – 294. Krämer bezieht seine Kritik an der Sage „Die vergessene Schlüsselblume“ nicht auf die obige Sage, aber es ist anzunehmen, dass sie ebenfalls eine nachträglich kon-struierte Kunstsage ist, zumal auch sie aus den Mitteilungen des St. Ingberter Hauptlehrers Kaufmann hervorgegangen ist. Möglicherweise hat Kaufmann für seine Schüler neue Sagen „erfunden“, wobei er auf gängige Sagenmotive zurückgegriffen und sie mit dem unheimlichen und magischen Ort des Großen Stiefels verbunden hat. – Wieder-veröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 36 f; op. cit. (1935), S. 62 f und op. cit. (1978), S. 163 f in unveränderter Fassung, aber zuletzt unter dem Titel „Die goldgelben Schlüsselblumen vom Stiefelhang“

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 15 f in unver-änderter Fassung, aber mit neuem Titel: „Die gelben Schlüsselblumen am Stiefel, die sich in Gold verwandelten“

·         Diehl, op. cit., S. 35 f erzählt die Sage in neuem Gewand in seiner Fassung „Der Spuk am Großen Stiefel“.

·         Dettmer, op. cit., S. 151 f wiederholt die Hebel-Fassung unver-ändert.

·         Carl, op. cit., S. 655 f erzählt die Sage mit eigenen Worten neu. Vgl. Anhang Nr. 51, S. 190.

[107] Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 55 und op. cit. (1978), S. 156. Als Quelle dient ihm ein Artikel eines nicht näher genannten Autors: Saarländische Sage. In: Westfälische Landeszeitung, 47. Jahrgang, Rote Erde vom 24.12.1934, Folge 352. – Unverändert wiederab-gedruckt bei Dettmer, op. cit., S. 137.

[108]Erstveröffentlicht von Georg von Limberg: Burgen und Schlösser an der Saar in Sage und Geschichte. In: Saarpost, 1. Jahrgang, Nr. 99 vom 22.10.1904 und Nr. 102 vom 26.10.1904. Wieder abgedruckt bei Wolfgang Krämer, op. cit. (1918), S. 72 f. Wie Krämer in diesem Zusammenhang berichtet, hatte der Raubritter im Volk keinen bestimmten Namen, während er in den Sagen als Reppert, Wynant oder Schnapphahn auftaucht. – Wiederveröffentlicht bei

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 311-313. Vgl. Anlage Nr. 48, S. 182 f.

·         Lohmeyer, op. cit. (1924) erwähnt zwei Sagen mit vom Namen her unterschiedlichen, aber vielleicht doch identischen Protagonisten: S. 37-39: Die Sage vom Raubritter Reppert [Vgl. Anhang Nr. 49, S. 183 – 186.] und S. 39 f: Der Raubritter Wynant  [Vgl. Anhang Nr. 48, S. 182 f.]

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., teilt die Sage in zwei Sagen mit den Titeln „Der Raubritter Reppert“ (S. 11 f) und „Raubritter Reppert raubt eine Jungfrau und wird bestraft“ (S. 12 – 14), wobei der Herausgeber auf die Lohmeyer-Fassung aus dem Jahr 1924 zurückgegriffen und nur leichte Veränderungen im Text vorge-nommen hat.

·         Diehl, op. cit., S. 37 – 41 erzählt die Sage mit eigenen Worten neu und produziert so eine etwas aufgeblähte Version des ursprünglichen Inhaltes. Vgl. Anhang Nr. 50, S. 186 – 190.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 63-66 und op. cit. (1978), S. 164-167 wiederholt die Sage unverändert. In der letztgenannten Auflage verweist er in der Anmerkung 177 (S. 490 f) auf die folgenden historischen Fakten: „Unter den Burgmännern der Grafen von Saar-brücken kommt der Name Repper im 13. und 14. Jahrhundert tatsächlich vor und dies Adelsgeschlecht besaß auch schon 1354 ein Gut gerade in Bischmisheim. Auch in Verbindung mit dem Turmbau von 1315 der noch heute stehenden gothischen Kirche von St. Arnual, der alten Mutterkirche dieser Gegend, kommt es vor. Und sein Name hat sich auch im Reppersberg von Saarbrücken erhalten, auf dem sein Gut, der Reppershof, ehemals lag, so daß es doch eine stärkere Bedeutung gehabt haben muß. 1322 bereits schenkt Eberhard Repper, Ritter und Burgmann von Saarbrücken, dem Stift St. Arnual den Bartenbergerhof, wohl sicher mit dem ganzen, dem Stiefel gerade gegenüberliegenden Kleinen Bartenberg, zu dem auch sonst wohl alles einmal gehört hat, was an Ländereien im Tal von Scheidt gegen Dudweiler lag, alles Anzeichen, wie stark diese Familie Repper gerade um den Stiefel, sowohl in Bischmisheim wie in Scheidt schon früh beteiligt und so interessiert genug war, so daß in frühester und unruhiger Zeit auch einmal schon sehr wohl ein Mitglied von ihr sich auf dem Stiefel festgesetzt und so diesen Besitz darum in der Hand behalten haben kann.“ Ob letztere Überlegung zutrifft, bleibt natürlich in höchstem Maße spekulativ.

·         Dettmer, op. cit., S. 144-147 und Karg, op. cit., S. 72 – 74 wieder-holen nur die Lohmeyer-Version. Dettmer, op. cit. S. 148 f führt zusätzlich die Sage vom Raubritter Wynant auf, wortgleich mit Hebel (1912).

·         Carl, op. cit., S. 666 erzählt die Sage unter dem Titel “Schnapp-hahn Reppert” mit eigenen Worten und in einer gekürzten Version neu. - Auf S. 658 und 660 führt er auch die Sage vom Raubritter Wynant auf, wobei er die Inhalte der Reppert- und Wynantsagen miteinander vermischt.

[109] Noch heute heißt ein kleines Tal beim Großen Stiefel im Volksmund „Schnapphahne-Dell“.

[110] Das war seit etwa 1300 die Bannmühle des Kloster Wadgassen, in der die wadgassischen Untertanen aus Ensheim, Eschringen, Heckendal-heim usw. ihr Getreide mahlen lassen mussten. Dazu führt Wüstner, op. cit., S. 73 folgendes aus: „Zum ersten Mal wird [1400, PG] eine Mühle im Besitz des Klosters genannt. Es handelt sich um die erwähnte ‚Brudermühle’ auf Rentrisch. Sie wurde von der Abtei als Bannmühle gebaut. Auf dem Bann beim Dorf Ensheim war kein geeigneter Platz an einem Bach oder Wasserlauf gefunden worden. Darum wurde die Mühle bei Spillstein an der Banngrenze und an der großen Straße, die von Metz nach Worms und weiter nach Mainz führte, errichtet. Bei der Mühle hat eine Rastschenke für Reisende gestanden. Die Mühle gehörte zur Abtei, wurde auch durch das Kloster gebaut und danach verpachtet. Zu dieser Zeit war das Gebiet bei der Mühle noch Wildnis, tiefer dunkler Wald.“ Eine Karte vom Grenzverlauf am Rentrisch findet sich bei Wüstner, ebda., S. 74.

[111] Siehe die Bannkarte von 1751, S. 90.

[112] Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 32, der als Quelle dieser einzigen in Mundart aufgezeichneten Sage den Studienrat Ludwig Blatter aus Ottweiler nennt. - Wiederveröffentlicht bei

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 51 f und op. cit. (1978), S. 151 f

·         beim Gutenbergprojekt im Internet: http://www.gutenberg2000.de/ sagen/saarland/wildsau.htm

[113] Im Ensheimer Dialekt gibt es die Redensart: „Wänn de Däiwel ’s Pärrd hadd, konna de Zoom aa noch holle!“, will sagen: Wenn sich jemand von einer Sache den Löwenanteil gesichert hat, dann kann er auch noch den kleinen Rest nehmen ... und damit alles! Vgl. Paul Glass: ’S dudd Heigawwele rääne! Ensemma Schbrich. Redensarten, Sprüche und Spezialausdrücke in der Mundart von Ensheim-Saar. Ensheim 1999, S. 89.

[114]Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1952). Wiederveröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 168 f

·         Karg, op. cit., S. 75. Dort auch eine neuere Aufnahme der mittler-weile schon stark verwitterten Steinskulptur.

[115] Vgl. eine ältere SW-Aufnahme, die die Skulptur noch im früheren und weniger verwitterten Zustand zeigt, bei Krämer, Geschichte der Stadt St. Ingbert, Band I, S. 13 Tafel II.

[116] Lohmeyer, op. cit., (1924) S. 40 f, der sich auf eine Mitteilung von Ludwig Blatter, damals Studienrat in Ottweiler, bezieht. – Erneut veröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 169

·         Carl, op. cit., S. 669.

[117]Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 167 f.

[118] Vgl. eine ältere SW-Aufnahme des „Spilsteins zu Rentrisch“ bei Krämer, Geschichte der Stadt St. Ingbert, S. 12 Tafel I.

[119] Der Spellenstein war von Anfang an ein ganz wichtiger Bannstein zwischen den Bännen von Ensheim, St. Ingbert und Scheidt. Bereits 1310 wurde den Spellenstein als Banngrenze erwähnt und in den späteren Bannbeschreibungen ab 1458 immer wieder genannt („bis ahn den Langen steyn“). Diese Banngrenze blieb bis 1762 bestehen, als der Renntriesch mit dem Kleinen Stiefel im Rahmen eines Gebietstausches zwischen dem Kloster Wadgassen und den Grafen von Nassau-Saarbrücken an das Saarbrücker Fürstenhaus kam. Vgl. Wüstner, op. cit., S. 328 und S. 74 (Karte).

[120]Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 41 nach Aufzeich-nungen des Ottweiler Studienrats Ludwig Blatter. – Wiederveröffent-licht bei Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 68.

[121] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 29 nach einer Mitteilung von A. Schmitz aus Brebach. – Wiederveröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 48

·         Carl, op. cit. (2000), S. 682.

·         Webseite www.eschringen.de/sagen.htm

[122] Bei den Kirchenvisitationen in Ensheim im 17. und 18. Jahrhundert wurde immer wieder stark bemängelt, dass die Ensheimer einen Hang zum gotteslästerlichen Fluchen hätten. Vielleicht ist dieses fortwährende nächtliche Pflügen eines Gottesstrafe für dieses Verhalten.

[123]Auf der vorgenannten Webseite findet sich auch die Version von Gunter Altenkirch aus Erfweiler-Ehlingen: „Seit Jahrzehnten zieht am Ponsheimer Hof in den Maientagen eine Prozession von Ensheim aus über die Höhe zum Marienheiligtum Gräfinthal. Als der lange Weg der Betenden den Hang von der Kalkmühle bei Ormesheim in Richtung Ponsheimer Hof hochgezogen war, gewahrten sie plötzlich einen großen Mann beim Pflügen. Weit hallte sein "Hüh" und "Hott", gemischt mit gotteslästerlichen Flüchen. Doch die Arbeit wollte nicht vorangehen, denn die Pferde weigerten sich, den schweren Pflug zu ziehen.

Beherzt meinte daraufhin einer der vorbeiziehenden Gläubigen aus Ensheim, der auch Bauer war, zu dem Pastor: "Dem da droben müsste man helfen, sonst kommt er nicht mehr vom Fleck." Doch der Pastor gab ruhig zur Antwort: "Lass den nur seine Arbeit alleine schaffen, dem kann keiner mehr helfen." Quelle: Sagen und Erzählungen von Mandelbachtal. 1980. S. 111 - nacherzählt von Gunter Altenkirch

Interessant ist auch die nachfolgende Anmerkung zu dieser Sage (ebenfalls auf dieser Webseite): „Diese Wallfahrten nach Gräfinthal führen auch über Eschringen (von der Laurentiuskapelle die Gräfin-thalerstraße hinauf zum Waldweg am Ponsheimer Gelöch). Die von Ensheim aus kommende Prozession passiert das ehemalige Kalkwerk und das Haus ‚Am Brück’l’ und streift in der Folge auch den Eschringer Bann.“

[124] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 48 nach Auf-zeichnungen von A. Schmitz aus Brebach. – Wiederveröffentlicht bei:

·         Carl, op. cit. (2000), S. 683. Vgl. Anhang Nr. 53, S. 192.

·         im Internet auf der Webseite www.eschringen.de

[125] Im Volksmund: ’s Debbo

[126] Ohne Titel erstveröffentlicht bei Schandein, op. cit., S. 337 f. Der Titel ist von mir. – Wiederveröffentlicht – teils unter anderem Titel und mit anderem Text - bei:

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 38 f mit unverändertem Text und dem Titel “Die Wassernixe zu Eschringen”

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 28. Dito.

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit. (1929), S. 25

·         Diehl, op. cit. (1934), S. 9 – 13 mit einem erheblich aufgeblähten Text. Vgl. Anhang Nr. 54, S. 192 – 196.

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 46 f und (1978), S. 148 f

·         Fahnemann, op. cit., S. 131

·         Dettmer, op. cit., 133

·         Carl, op. cit., S. 688 mit einem modernisierten Text.

[127]Auf der Webseite www.eschringen.de/sagen.htm wird von den Auto-ren zu dieser Sage folgendes angemerkt: „Beim Vierherrenwald liegt der Seerosennixenteich. Hier soll vor langer Zeit eine wunderschöne See-jungfrau, die sich in eine Seerose verwandeln konnte, den Sohn des Bürgermeisters in die Tiefe des Gewässers gezogen haben.

Diese Sage hat vermutlich einen wahren Kern. Denn im November 1751 ist wirklich ein junger Mann aus Eschringen ertrunken. Auch den Ritter Boos von Waldeck, der den Teich mit Hilfe seines Kaplans entzaubert hatte, gab es wirklich. Nur lebte der etwas früher, nämlich im 15. Jahrhundert.

Der Seerosennixenteich wird von den Eschringern auch „Ellere Puhl" genannt. Puhle sind Erdgruben, die den Menschen in der Stein- und Bronzezeit als Wohnungen dienten. Wahrscheinlich hat sich dieser Puhl erhalten und später mit Wasser gefüllt. Vielleicht blühten früher auch mal Seerosen auf diesem Teich. Heute ist er vor allem im Sommer fast ausgetrocknet. Er ist von viel Gebüsch und Gestrüpp umgeben.“

PS: Als Junge war ich öfter an diesem Teich, um Molche und Frösche zu fangen. Ich muss gestehen, dass das Gewässer durchaus etwas Geheimnisvolles hatte, vor allem, wenn bereits die Dämmerung einge-setzt hatte.

[128] Erstveröffentlicht ohne Titel bei Schandein, op. cit., S. 310 – Wiederveröffentlicht – teils mit anderem Titel, teils mit alternativem Text – bei:

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 112 f unter dem Titel “Die St. Lorenz-kapelle“ mit leicht verändertem Text

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 29 mit dem Titel “Der Lorenzenborn” und unverändertem Text, der als Quelle auch auf einen Artikel von Ludwig Blatter im „Bergmannsfreund“ von 1909, Nr. 123 verweist; op. cit. (1935), S. 47 f und (1978), S. 149 mit leicht verändertem und erweitertem Text: vgl. Anhang Nr. 55, S. 196 f.

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 6 f

·         Dettmer, op. cit., S. 133 f mit unverändertem Text

·         Carl, op. cit. (2000), S. 686 und 688 mit modernisiertem Text.

·         im Internet auf der Webseite www.eschringen.de/sagen.htm.

[129]Auf der Webseite www.eschringen.de/sagen.htm ist zu dieser Sage eine Anmerkung des verdienten Eschringer Lokalhistorikers Heinrich Moog notiert:Wahrscheinlich wurde die Laurentiusstatue (also kein Bildnis!) im Jahr 1600 von einem Eschringer versteckt, nachdem der kath. Gottesdienst und die Heiligenverehrung von der Saarbrücker Regierung auch in Ensheim und Eschringen verboten worden war. Es folgten dann die vielen Kriegsjahre und das Hinwegsterben so vieler Menschen. Dabei mag die Erinnerung an die Statue verlorengegangen sein. Vielleicht hat sie auch wirklich ein roher Soldat in ihrem Versteck entdeckt und in den Brunnen geworfen.

Nach Rückgabe der Kapelle an die Katholiken i. J. 1686 brachte man die altehrwürdige Laurentiusfigur nach Wiederauffindung an ihren ehemaligen Platz, in die Wandnische des Kapellenchores zurück, sodass sie neuen Anlass zur Verehrung des Märtyrers und Erzdiakons gab.“

 

[130] Erstveröffentlicht ohne Titel bei Schandein, op. cit., S. 310 f. – Wiederveröffentlicht – teils unter anderem Titel, teils mit textlichen Veränderungen – bei:

·         Hebel, op. cit. (1912), S. 123 f mit dem Titel “Das versunkene Glöcklein” und leicht verändertem Text;

·         Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 28 f, der sich an Schandeins Fassung orientiert und als weitere Quellen auf ein Gedicht von C. Pusch in der Monatsschrift „Pfälzer Heimatkunde“, Jahrgang 1907, S. 40 sowie auf Blatter, op. cit. hinweist;

·         Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 7 unter dem Titel „Das versunkene Glöcklein der Lorenzenkapelle bei Eschringen“ und leicht gekürzter Schandein-Fassung;

·         Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 47

·         Dettmer, op. cit., S. 134 wie bei Schandein

·         Carl, op. cit., S. 688 verkürzt und mit eigenen Worten.

·         Webseite www.eschringen.de/sagen.htm

[131]Auf der Webseite www.eschringen.de/sagen.htm findet sich folgende interessante Anmerkung zu dieser Sage: „Schandein spricht zwar vom ‚Finkelrechweg’, gemeint sein dürfte aber der Pfad am Klingelrech, wo sich nahe am Puhschbach auch der Klingelbrunnen befindet. Im Renovaturprotokoll von 1699 wird bei der Auflistung der Wiesen und Gärten auch der Klingelrech erwähnt. Der historische Hintergrund dieser Sage ist wohl in den Wirren des 30jährigen Krieges angesiedelt. In der Tat sagte man Eschringen nach, ein zerstrittenes Dorf zu sein. Dieses Klischee hat sich erfreulicherweise gewandelt, bedingt durch die gemeinsamen Anstrengungen anlässlich der 1100-Jahrfeierlichkeiten. Während des historischen Festumzuges stellten die Kindergartenkinder diese Sage positiv nach: Das Glöcklein ‚tauchte auf’ und wurde auf einem Wägelchen durchs Dorf gezogen“

[132]Veröffentlicht auf der Webseite www.eschringen.de/sagen.htm. Eben-falls abgedruckt in der Publikation „Eschringer Hefte“, Nr. 3/2, in der Heinrich Moog die Geschichte der früheren Eschringer Mühle beschreibt. Dort hat Moog zu der obigen Geschichte folgendes ange-merkt: "Wie das königlich bayerische Friedensgericht in Blieskastel in dieser Sache entschied, ist nicht überliefert. Ob die Richter den Müller, seine Frau und andere, die ihnen Glauben geschenkt, wegen übler Verleumdung belangten, den diebischen, hinterhältigen Frauen ihre verdiente Strafe erteilten oder den aufschneiderischen Füselier zur Rechenschaft zogen, wir wissen es nicht. Das groteske Ereignis enthüllt jedoch die Leicht- und Abergläubigkeit vieler Menschen. Bei aller Aufgeklärtheit gibt es sie noch heute. Ein Nasrümpfen über vergangene Zeiten wäre verfehlt."Wie wahr!

 

[133]Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 10 – Wieder-veröffentlicht bei:

·         Lohmeyer, op. cit. (1978) mit einem etwas erweiterten Text

·         Dettmer, op. cit., S. 115 und 117

[134] Eine Abbildung der Hausruine enthält das von der Kath. Kirchenge-meinde Wadgassen herausgegebene Buch „Prämonstratenserabtei Wad-gassen 1135 – 1792. Beiträge zur Abtei- und Ordensgeschichte. Wad-gassen o. J. [= 1985] [Wadgasser Publikationen. 4], S. 155.

[135] Vgl. dazu auch die Sagen Nr. 3, S. 30 und Nr. 4, S. 33.

[136] Erstveröffentlicht bei Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 45 f. – Wieder-veröffentlicht bei Carl, op. cit. (2000), S. 700 mit modernisierter Fas-sung.

[137] Das Ende des Klosters Wadgassen kam mit der Französischen Revolution: 1792 wurde der Orden offiziell aufgehoben und seine Be-sitzungen verstaatlicht. Aus der „Erbmasse“ rechts der Saar, also auf deutschem Gebiet, haben sich anschließend auch die Saarbrücker Grafen bedient: Bous und Ensheim gelangten so in den Besitz des Hauses Nassau-Saarbrücken. – allerdings nicht für lange, denn einige Jahre später wurde auch die Grafschaft Nassau-Saarbrücken durch Napoleon beseitigt. Vgl. über die letzten Jahre des Saarbrücker Herrscherhauses Ernst Klitscher: Zwischen Kaiser und französischer Krone. Die Saar-Territorien in den europäischen Auseinandersetzungen 1740 – 1815. Saarbrücken ²1988.

[138] Vgl. Theodor Zink: Malkolwes. In: Pfälzische Geschichtsblätter, 6. Jg. (1910), S. 92 f: Er beschreibt den Makolwes (Makulmes) als “die um die Weihnachtszeit umziehende vermummte Gestalt, die auch Pelznickel genannt wird. 2 oder 3 Buben von 10 – 12 oder mehr Jahren unter-nehmen ... zwischen Nikolaustag und Weihnachten einen Umzug. Einer wird in große Kleider gesteckt, die nicht passen, Werg diente, als der Hanfbau noch üblich war, als Bart, eine Fratz (Maske) bedeckt das Gesicht und ein großer Schlapphut soll die Unkenntlichkeit erhöhen. Zwei Buben führen den Vermummten, der nicht gut sehen kann. Hin und wieder ist auch das Christkind beim Pelznickel (Makolwes), aber nicht immer, da es auch alleingeht. Der Makolwes teilt keine Gaben aus, sondern er sammelt ein. Nüsse, Äpfel, Eier, Zucker, auch ein Niko-lauslied wird gesungen.“

[139] Zweite Version dieser Sage, veröffentlicht von Karl Lohmeyer: Die Sagen von der Saar, Blies, Nahe, vom Hunsrück, Soon- und Hochwald, zugleich dritte, weit mehr als verdoppelte Auflage der Sagen des Saarbrücker und Birkenfelder Landes. Saarbrücken 1935, S. 42 [Künftig zitiert als Lohmeyer (1935)]. Auch hier verweist Lohmeyer wieder auf seinen Gewährsmann Dr. Oskar Orth, der ihm diese Sage 1919 mitgeteilt hat. Außerdem nennt er die ebenfalls aus Ensheim stammende Maria Theresia Adt aus Wiesbaden als weitere Hinweisgeberin. Vermut-lich geht auf Frau Adt die Ergänzung der Sage zurück. Vgl. Lohmeyer (1935), S. 509.

[140] In der Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag von Karl Lohmeyer im Jahre 1978 wurde die Sage erneut geringfügig verändert veröffentlicht. Vgl. Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 141. [Künftig zitiert als Lohmeyer (1978)]

[141] Wiederveröffentlicht im Jahr 1977 bei Helmut und Alexander Wilhelm (Hg.): Ortschronik Ensheim. [Ensheim 1977], S. 137

[142] Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. Edenkoben 2000, S. 681. – Carl führt leider keinerlei Quellen auf.

[143] Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 141 f.

[144] Wiederveröffentlicht bei Wilhelm, op. cit., S. 137 - 138

[145] Viktor Carl, op. cit., S. 681.

[146] Viktor Carl, op. cit., S. 682.

[147] Friedrich Wilhelm Hebel: Pfälzisches Sagenbuch. Kaiserslautern 1912, S. 55 f. Er nennt als Quellen Schandein, Bavaria, S. 335 sowie Friedrich Wenz: Volkskunde von Baiern. Für Schule und Haus. IV. Abteilung: Baierische Rheinpfalz. Nürnberg 1884, S. 105, wo aber diese Sage nicht vorkommt, sondern eine andere! – Außerdem nennt er Kaplan J. Weber aus Ensheim als Gewährsmann. Hebel, op. cit., S. 375.

[148] Was die Alten erzählten. Heft 7: Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz. Saarbrücken, Völklingen 1929, S. 27 f.

[149] August Diehl: Saarlandsagen. Ein deutsches Volksbuch für Jung und Alt. Würzburg 1934, S. 43 - 46

[150] Es handelt sich offenbar um die Brudermühle bei Rentrisch, bei der die Ensheimer und Eschringer Untertanen des Klosters Wadgassen ihr Korn mahlen lassen mussten. Sie war bis ca. 1720 die einzige Mühle auf dem Ensheimer Bann. Dann ließ das Kloster Wadgassen gleich zwei neue Mühlen bauen, um den Untertanen die langen Wege nach Rentrisch zu ersparen: die Thalmühle im Ensheimer Tal und die Gassenmühle auf dem Weg zwischen Eschringen und Ormesheim.

[151] Also 1934, als Diehls Buch erschienen ist.

[152] Die Ortsgeschichte Ensheims ist mit der Geschichte des Klosters Wadgassen untrennbar verbunden. Ausführliche Informationen dazu bei Wilhelm, op. cit., S. 34 ff und auf der Ensheim Homepage im Internet: http://www.ensheim-saar.de/ehp_22.htm

 

[153] Diesen Berg habe ich auf der Ensheimer Gemarkung nicht loka-lisieren können. Auf modernen Flurkarten gibt es ihn nicht, alte Flurkarten für Ensheim sind meist nicht vorhanden. Auf den vor-handenen Karten ist der Gumbersberg ebenfalls nicht zu finden. Möglicherweise hat sich der Name schon vor dem 18. Jh. geändert...

[154] Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, hatte das Kloster Wad-gassen auf Ensheimer Bann zuletzt drei Mühlen verpachtet: die Brudermühle in Rentrisch (seit ca. 1300), die Gassenmühle zwischen Ensheim und Ormesheim (seit ca. 1720) und die Thalmühle zwischen Ensheim und Bischmisheim (ebenfalls seit ca. 1720).

[155] Wiederveröffentlicht bei Wilhelm, op.cit., 138 f

[156] Carl, op. cit., S. 685

[157] Wiederveröffentlicht mit alternativem Text im Rahmen des Guten-berg-Projektes im Internet: http://www.gutenberg2000.de/sagen/saar land/guten.htm

[158] Wenz, op. cit., S. 105

[159] Hebel, op. cit., S. 56 f

[160] Wiederveröffentlicht bei Diehl, op. cit., S. 41 - 43

[161] Carl, op. cit., S. 685 f. Carl gibt von der ursprünglichen Fassung eine eigene Version.

[162] Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 143 und mit erweiterten Quellen-angaben S. 485.

[163] Carl, op. cit., S. 681 mit einer eigenen Textfassung.

[164] Hebel, op. cit. (1912), S. 40 f.

[165] In epischer Breite erneut veröffentlicht bei Diehl, op. cit., S. 53 - 55

[166] Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 143 f.

[167] Carl, op. cit. (2000), S. 684 f

[168] Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 152 f und S. 487 mit weiteren Literaturhinweisen. Als weitere Quelle nennt Lohmeyer den Hecken-dalheimer Willibald Stolz.

[169] Carl, op. cit., S. 682

[170] Carl, op. cit., S. 686

[171] Carl, op. cit., S. 683

[172] Diehl, op. cit., S. 32 – 36. Diehl fügt hier mehrere Stiefel-Sagen zu einem großen Text zusammen. Zu besseren Lesbarkeit belasse ich diesen Text in der ursprünglichen Fassung und reiße die einzelnen Geschichten nicht auseinander.

[173] Gemeint ist Biesingen bei Assweiler.

[174] Carl, op. cit., S. 662

[175] Hebel, op.cit. (1912), S. 72 f. Seine Quellen sind Schandein, op. cit., S. 334 und eine Mitteilung von Hauptlehrer Kaufmann, St, Ingbert. Vgl. Hebel, op. cit. (1912), S. 377.

[176] Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 32. Als Quellen hat er Schandein, op. cit., S. 334; Hebel, op. cit. und einen Artikel von Ludwig Blatter im Bergmannsfreund 1909 benutzt.

[177] Die schönsten Sagen aus der Saarpfalz, op. cit., S. 8 f.

[178] Der Gollenstein steht nicht bei St. Ingbert, sondern bei Blieskastel!

[179] Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 56 f. Als Quelle nennt er J. W. Hebel: Pfälzer Sagen (Schulausgabe). Kaiserslautern 1930

[180] Carl, op. cit. (2000), S. 662 f.

[181] Ebda.

[182] Erstveröffentlicht bei H. Schiff, Pifferjokob und Trommelsepp. Sa-gen und Geschichten von der Saar. Saarbrücken ²1982, S. 19 - 20

[183] Lohmeyer, op. cit. (1935), S. 52 f

[184] Carl, op. cit. (2000), S. 660.

[185] Wiederveröffentlicht im Rahmen des Gutenberg-Projektes im Inter-net: http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/unheim.htm

[186] Wiederveröffentlicht bei Diehl, op. cit., S. 55 - 57

[187] Carl, op. cit. (2000), S. 660 f

[188] Carl, op. cit. (2000), S. 668.

[189] Carl, op cit. (2000), S. 657 f

[190] Schiff, op. cit., S. 17 f

[191] Wiederveröffentlicht bei G. von Limberg, op. cit., zitiert bei Krämer, op. cit. (1918), S. 70 f

[192] Carl, op. cit., S. 665

[193] Hebel, op. cit. (1912), S. 311-313.

[194] Lohmeyer, op. cit. (1924), S. 37-39. Lohmeyer stützt sich auf die Aufzeichnungen des Ensheimer Lehrers Jakob Grentz aus der Zeit um 1850 sowie auf Schröter, op. cit., S. 58 ff sowie auf zwei weitere Quellen, die mir nicht zugänglich waren. Er verweist in den Anmer-kungen darauf, dass unter den Burgmannen der Grafen von Saarbrücken der Name Repper im 13. und 14. Jahrhundert vorkomme. Er zitiert weiter Schröter, op. cit., S. 50 ff: „Die vielen Sagen von einem Raubritter in Verbindung mit dem tatsächlich vorkommenden Namen Repper lassen es doch wohl wahrscheinlich erscheinen, daß das sogenannte Schloß auf dem Stiefel vor Jahrhunderten, als dasselbe noch weit erhalten war, von einem Räuber oder Raubritter bewohnt gewesen sein könnte, der die von den Römern hinterlassenen Baureste für seine Zwecke ausgebeutet hat, denn zweifellos handelt es sich bei den Anlagen auf dem Stiefel um eine Verteidigungs- und Wachtzwecken dienende ursprünglich römische Anlage. Heute [1852; PG] sind noch zwei Anlagen zu erkennen, eine größere, die bestimmt gewesen zu sein scheint, einem ganzen Truppenkorps als festes Lager zu dienen und eine kleinere, die wohl als Warte einen einzelnen Posten beherbergt haben mag, wenn die weithin sichtbare Höhe selbst von einer größeren Truppenzahl entblößt war.“

[195] Wiederveröffentlicht bei Diehl, op. cit., S. 37 - 41

[196] Carl, op. cit., S. 655 f

[197] http://www.gutenberg2000.de/sagen/saarland/wildsau.htm Die mund-artlichen Passagen habe ich in Ensheimer Dialekt wiedergegeben.

[198] Carl, op. cit. (2000), S. 683.

[199]Wiederveröffentlicht bei Diehl, op. cit., S. 9 – 13. Eine andere Veröffentlichung im Web trägt den Titel: „Die Wassernixe vom Eschringer Seerosenteich. Vgl. www.eschringen.de/sagen.htm

 

[200] Lohmeyer, op. cit. (1978), S. 149

[201] Vgl. Wolfgang Krämer, Geschichte der Stadt St. Ingbert, S. 456.