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15. Der Teufel als Wildsau

Ein Bauer aus dem Saarland fuhr einstmals mit einem Wagen voll Kohlen die Staffel hinauf. Sein Bub hockte auf dem Wagen droben, er selber ging nebenher. Ach, es war eine armselige Fahrerei! Je höher sie hinaufkamen, desto langsamer bewegte sich der Wagen vorwärts, und am Ende wollte es überhaupt nicht mehr gehen. Da fing der Bauer zu fluchen an: "E Himmelhäälichdunnakäil soll dänne doo Karre vaschloon ! Doo sidd ma's emool willa: De Bärch enunna hälfe all Hääliche drigge, de Bärch enuff awwa känn Däiwel."

(Etwa übersetzt: Bergab helfen alle Heiligen drücken, bergauf aber nicht mal der Teufel.)

Das letzte Wort war noch nicht aus seinem Munde, da rauschte es in der Hecke nebenan, eine pechschwarze Riesenwildsau sprang heraus, schoss unter den Wagen und war dann wie ein Ungewitter mit dem Gefährt verschwunden. Wenn man den Bauern damals gestochen hätte, keinen Tropfen Blut hätte er von sich gegeben, so erschrocken war er. Aber, wer meint, er sei ein anderer geworden, der täuscht sich. - "Die Päär unn de Woon sinn bäim Däiwel", dachte er achselzuckend, "Unn minn Buub? Wännde Däiwel de Woon geholl hadd, konna de Buub aa noch holle!" [Es gibt in der Ensheimer Mundart auch den Spruch: Wännde Däiwel 's Pärrd hadd, konna de Zoom aa noch holle!"]

Doch wie er dann auf die Ebene kam, da stand das Fuhrwerk, als wäre nichts passiert, und der Bauernbub hockte obenauf und kaute vergnügt an seinem Butterbrot.

Seit dieser Zeit hat der Bauer dem Teufel keine Vorwürfe mehr gemacht. Sooft er die Geschichte von der Wildsau erzählte, meinte er zum Schluss: "Doo sinna doch, iehr Lied, de Däiwel isch nidd so schwaads, wiea onn die Wonnd gemoold wärrd!"

 

Alternative Veröffentlichung:


Quelle: [mündliche Überlieferung]


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© Paul Glass 1997 - 2003 ff

Last update: 27.12.2004