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3. Die Krise der Dosenindustrie nach den Befreiungskriegen

Eine erste große Absatzkrise erfaßte die Dosenfabrikanten mit den Befreiungskriegen bzw. nach dem Ende Napoleons und des französischen Kaiserreichs (1813 -15). Der in Ensheim gebürtige Pfarrer Peter Bläs hat die damalige Situation in seinem Gedicht "Die Russen in Ensheim 1813" mit drastischen Worten beschrieben und diese Krise als eine Art Gottesgericht interpretiert. Viele Ensheimer haben offenbar den durch die Tabaksdosenproduktion und den damit betriebenen schwunghaften Handel gekommenen Wohlstand nicht verkraftet und sich mehr den Sinnenfreuden hingegeben als der mühseligen Arbeit auf den Feldern!

Diese erste lokale Wirtschaftskrise wurde jedoch in ihrem Ausmaß noch deutlich übertroffen von der Krise des Jahres 1826, als die bayerische Regierung die Einfuhr von Tabaksdosen nach Altbayern mit hohen Importzöllen belegte. Durch diese im Interesse einer schnellen Integration der linksrheinischen bayerischen Besitzungen in das Königreich Bayern völlig verfehlte Zollpolitik und die damit aufgerichteten Zollschranken um die Pfalz verlor Ensheim seinen wichtigsten rechtsrheinischen Absatzmarkt Nürnberg. In diesem und den folgenden Jahren verließen viele Dosenfabrikanten Ensheim und übten ihr Handwerk lieber in Nürnberg, München, Eichstädt, Oberstein, Maastricht, Mailand oder sogar Odessa aus.

Nur ein Dosenfabrikant konnte in diesen schweren Zeiten zufrieden sein: Peter Adt, Sohn des Johann Peter Adt. Seine Geschäfte gingen gut und verschafften ihm wichtiges Kapital. Im Jahr 1826 gelang dem erst 28jährigen Peter Adt III. der wirtschaftliche Coup des Jahrhunderts: er konnte den Besitz der ehemaligen, seit der Französischen Revolution verlassenen Wadgassischen Propstei in Ensheim für läppische 4000 Gulden ersteigern. Die Gebäude der ehemaligen Propstei wurden dann zum neuen Zentrum der Adt'schen Dosenproduktion.

Ein für damalige Verhältnisse großer Wohlstand wurde geschaffen, wovon auch die ganze Gemeinde profitierte. Allerdings vernachlässigten viele Ensheimer durch die Dosenproduktion die Landwirtschaft und gerieten bei der nächstbesten Absatzkrise, zum Beispiel in den 1840er Jahren, schnell in soziale Not. Dies führte übrigens auch zu jeweils zu regelrechten Auswanderungswellen.

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