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3.0 Ensheimer Genealogie


3.6 Berichte über einzelne Ensheimer Bürger

3.6.2 Einzelberichte

   
Peter BALTES, Bischof von Alton, Illinois, USA (1827 - 1886)

Dieser Beitrag ist Karen Schell-Glass aus Naperville, IL, USA gewidmet, die mit ihren sorgfältigen und umfassenden Recherchen sehr viele und sehr wertvolle Informationen über Bischof Baltes gesammelt und mir für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.
Thank you so much for your help, Karen!

Peter Joseph Baltes wurde am 7. April 1827 in Ensheim-Saar geboren. Er war das vierte Kind des Zimmermanns und Dosenmachers Andreas Baltes und seiner Frau Susanna Walljan und zugleich der Ur-Ur-Ur-Enkel des Begründers der Ensheimer Baltes-Sippe, Johannes Baltes aus Wemmetsweiler bei St. Wendel.

 
Im Jahre 1833 wanderte der kleine Peter Joseph mit seinen Eltern und Geschwister nach Amerika aus - wie viele andere Zeitgenossen, die aus purer materieller Not der geliebten Heimat den Rücken kehren mußten. Wie und mit welchem Schiff die Auswanderung erfolgte, haben wir noch nicht herausfinden können. Die Familie ließ sich in Oswego im Staat New York nieder, damals ein kleiner Flecken von vielleicht tausend Einwohnern, direkt am Ontario-See gelegen. Die Familie Baltes zählte in diesem Gebiet zu den frühen Einwanderern. Die Gegend am Ontario-See erlebte einen großen Aufschwung, als 1825 der Erie-Kanal eröffnet wurde, der den Hudson-River mit dem Erie-See verband.
   
Joseph Peter Baltes nahm im Alter von 16 Jahren zunächst Privatunterricht und wechselte dann zum Holy Cross College in Worcester, Massachussetts. Später ging er nach Chicago, Illinois, um an der dortigen Universität St. Mary of the Lake Philosophie und Theologie zu studieren und zugleich Deutschkurse zu geben. Danach wechselte er nach Montreal, Canada und besuchte dort die Lavelle-Universität, wo er sein Theologie-Studium fortführte und beendete.
   
Am 21. Mai 1853, im Alter von 26 Jahren, wurde Peter Joseph noch in Montreal zum Priester für die Diözese Illinois geweiht. Seit 1844 bestand der ganze Staat Illinois aus nur einer Diözese mit Bischofssitz in Chicago. Erst 1853 kam eine weitere Diözese mit Sitz in Quincy dazu, der aber 1857 nach Alton verlegt wurde. Mit dieser neuen Diözese trug man dem starken Zuzug von Katholiken, insbesondere aus Deutschland und Irland, teilweise auch aus Frankreich Rechnung. Beim Tode des ersten Bischofs Juncker 1868 betrug die katholische Bevölkerung bereits 80.000 Gläubige in 77 Pfarreien.  
   
Sein erstes Amt trat Pfarrer Baltes in der Ortschaft Waterloo, Monroe county an, wo er in der St. Paul-Kirche bis 1855 wirkte. Dann wurde er nach Belleville, Illinois versetzt, wo er als Nachfolger des im Elsaß geborenen Pfarrers Ostlangenberg die St. Peter-Kirche, eine Ausbildungsstätte für junge Frauen und eine Pfarrschule erbauen ließ. Er war ein Mensch voller Tat- und Schaffenskraft, Optimismus und Gottvertrauen: Als am 6. Dezember 1865 die fast vollendete Kirche einstürzte, zögerte Pfarrer Baltes nicht, mit dem sofortigen Wiederaufbau der Kathedrale für Belleville zu beginnen und den Neubau innerhalb eines Jahres (bis auf die Türme) zu vollenden. Die Kathedrale kostete übrigens 87.000 $ - eine Menge Geld in der damaligen Zeit. Der Chronik ist zu entnehmen, daß die Kirche überwiegend von deutschstämmigen Handwerkern gebaut wurde.
   
Es schloß sich eine steile theologische Karriere an: Im Jahre 1866 wurde Pfarrer Baltes von Bischof Henry Damian Juncker zum Generalvikar der Diözese Alton, Madison county im Südwesten von Illinois ernannt - übrigens eine Gegend, die stark von deutschen (katholischen) Auswanderern geprägt wurde und in der Folgezeit zu einem Zentrum des Katholizismus wurde  
       
Bereits ein Jahr später (1867) wurde er zum Verwalter der noch jungen Diözese (seit 1857) ernannt, als Bischof Juncker zum Vatikanischen Konzil nach Rom gerufen wurde, ein Amt, das ihm beim Tode Bischof Junckers im Jahre 1868 erneut übertragen wurde. Am 4. September 1869 wurde er schließlich von Papst Pius IX. zum neuen (und insgesamt zweiten) Bischof von Alton ernannt und am 23. Januar 1870 in der von ihm gebauten St. Peter-Kirche in Belleville geweiht.  
   
Bischof Baltes hat in seiner Amtszeit als Bischof in seiner Diözese viele neue Kirchen errichten lassen und einige kirchliche Orden gegründet, deren Arbeit er nachhaltig unterstützte. So gründete er beispielsweise auch das Ecclesiastical College of the Sacred Heart in Ruma. Auch seine Diözesanverwaltung wird als sehr erfolgreich beschrieben: so hat Bischof Baltes zahlreiche Schriften zur Ausbildung und Führung der Priesterschaft und der kirchlichen Laien verfaßt. Besonderes Augenmerk widmete er dabei der Gestaltung der Hl. Messe, der Kirchendisziplin und dem kirchlichen Eigentumsrecht. Als wichtigstes Werk gilt in diesem Zusammenhang seine "Pastoral Instruction" von 1875. Während seiner Amtszeit hatte die Zahl der Katholiken auf 109.000 zugenommen, die sich auf 126 Pfarreien und 77 Missionen verteilten - versorgt von 138 Priestern. Großen Wert legte Bischof Baltes auch auf den Ausbau der kirchlichen Schulwesens: 1886 gab es zwei Colleges für Jungen, eine High School für Jungen, neun Mädchen-Akademien und 102 katholische Grundschulen für 11.000 Schüler. Außerdem gab es jetzt 13 Krankenhäuser, drei Waisenhäuser und zwei Altersheime, die von der Katholischen Kirche unterhalten wurden.  
   
Nach einem theologisch sehr erfolgreichen Leben starb Bischof Baltes am 15. Februar 1886 im Alter von nicht ganz 59 Jahren in Alton und wurde am 19. Februar in einer Gruft in der St. Peter und Paul-Kathedrale von Alton im Beisein der Erzbischöfe von Chicago, St. Louis und Milwaukee, von 160 Priestern und vielen anderen Trauergästen beigesetzt.  
   

In seinem Nachruf heißt es:

Father Baltes had been great as pastor, he became even greater as bishop.
(Bischof Baltes war schon ein großer Pfarrer, aber er wurde ein noch größerer Bischof.)

 
     
Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Diözese geteilt: jetzt gab es die Diözese Alton im Norden (mit 28 Bezirken) und die Diözese Belleville im Süden (mit ebenfalls 28 counties). Seit 1923 sind beide in der Diözese Springfield aufgegangen.

 


NB.

Die Familie von Andreas Baltes blieb Oswego in den nächsten Jahrzehnten verbunden: für Andreas Baltes sind von 1850 und 1860 entsprechende Steuerlisten erhalten. Noch zwischen 1865 und 1890 werden verschiedene Familienmitglieder erwähnt. Heute allerdings scheinen hier keine Baltes-Nachkommen mehr zu leben. Dafür zeigt ein Blick in den Social Security Death Index, daß im Raum New York viele Baltes leben. Ob sie allerdings auf Andreas Baltes zurückgehen, konnten wir (bislang) nicht nachweisen.


Literaturtips, Quellen und Internetadressen:

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