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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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20.  Wetter & Folgen

Von jeher ist das Wetter schön oder auch nicht. In der Regel schimpft man nur über das Wetter, wenn es nicht schön ist oder wenn es einem - aus welchen Gründen auch immer - nicht gefällt. So wundert es nicht, dass die negativ belegten Ausdrücke in der Mehrheit sind.

·      Schiss|wäLLa hònn (w.: ein Scheißwetter haben; i.ü.S.: sehr schlechtes Wetter haben)

·      alles va|bläddschd hònn (Schäden anrichten durch zu starken Regen) ð „Ich kìnnd grad brìlle! Däär Schiss|rään hadd ma die gònse Mies|ehrcha va|bläddschd!“ (Ich könnte heulen. Der blöde Regen hat mir den gesamten Feldsalat zusammengehauen.)

·      „’S mìchd (zìehd) sich zùù!“ (Wolken ziehen auf.)

·      „’S trìbbsd schùnn!“ (w.: Es tröpfelt schon. I.ü.S.: Es beginnt zu regnen.)

·      „’S dùdd wiLLa sääwarre!“ (Es regnet mal wieder. Es regnet schon wieder.)

·      „Hadd's aarich geräänd?“ – „Nää, nùrre e paar Trobbe!“ (Hat’s viel ge-regnet? – Nein, nur ein paar Tropfen!)

·      „'S grùmmeld schùnn!“ (In der Ferne donnert es schon! ~ grollt schon ein Gewitter!)

·      „’S dùdd Hei|gawwele rääne!“ (w.: Es regnet Heugabeln! I.ü.S.: Es regnet in Strömen!)

·      grusselich (òòn|schdännich) erùnna|mache (i.ü.S.: stark regnen) ð „'S hadd grusselich rùnna gemach!

·      grusslich schìLLe (w.: stark schütten; i.ü.S.: stark regnen) ð „'S hadd grusselich geschùdd!

·      „’S hadd geräänd bis dordenuss!(i.ü.S.: Es hat sehr stark geregnet.)

·      „Oh, lägg mich in da Kabb geschess, ìsch dass häid wiLLa e Rääne|räi!“ (i.ü.S.: Verflixt nochmal! Ist das heute wieder ein Regenwetter!)

·      geweschd wärre (i.ü.S.: vom Regen überrascht und nass werden)

·      päddsch|nass sìnn (i.ü.S.: völlig durchnässt sein)

·      nass wärre bis ùff die Hudd (w.: nass werden bis auf die Haut)

·      sich schdrìbbe mìsse (i.ü.S.: trockene Sachen anziehen müssen)

·      's Parabbelee meddhòlle (einen Regenschirm mitnehmen)[1]

·      duusich sìnn (diesig, dunstig sein)

·      vòòr ludda Näwwel nìggs meh sìehn (w.: vor lauter Nebel nichts mehr sehen)

·      näwwelich sìnn bis dòrdenuss (i.ü.S.: außerordentlich neblig sein)

·      schmuulich sìnn (schwül sein) ðIch glääb, häid dùdd’s noch gnalle! ‘S ìsch ma se schmuulich!“ (Ich glaube, heute gibt es noch ein Gewitter! Es ist so schwül!)

·      „’S dùdd schloose!“ (Es hagelt!)

·      "Dass sìnn richdiche Aprìlle|grìlle!" (Das ist ein launiges Wetter wie im April!)

·      „’S ìsch geriffd! (Wir haben Rauhreif.)

·      issich kald sìnn (sehr kalt sein)

·      „'S ìsch aarich kald!" (Es ist sehr kalt.)

·      sich änna abhullarre; ~abschnaLLere (i.ü.S.: vor Kälte zittern)

·      „Dòò ìsch’s kald wie imme Sou|schdall!“ (w.: Hier ist es kalt wie in einem Schweinestall! I.ü.S.: Es ist hier unangenehm kalt.)

·      „Dòò ìsch’s kald wie imme Iss|kella!“ (w.: Hier ist es kalt wie in einem Eiskeller! I.ü.S.: Es ist hier unangenehm kalt.)[2]

·      „Dòò ìsch’s kald wie imme Affe|schdall!“ (w.: Hier ist es kalt wie in einem Affenstall! I.ü.S.: Es ist hier unangenehm kalt.)

·      „Ma hònn wiLLa de ewwarre Wind!“ (i.ü.S.: Wir haben kalten Nordost-wind!)

·      sou|warm sìnn (sehr warm; heiß sein)

·      Die Sùnn schinnd schùnn scheen!“ (Die Sonne scheint schon schön.)[3]

·      Die Sùnn schinnd Plòòdarre!“ (I.ü.S.: Die Sonne scheint sehr stark. Heute ist es ungewöhnlich heiß.)[4]

·      ’S Bään dùdd ma weh, ma grinn ònna WäLLa!“ (I.ü.S.: Mein Bein schmerzt; das Wetter ändert sich.)[5]

·      „Die Dòòle schdìngge, ma grinn ònna WäLLa!“ (I.ü.S.: Die Gullys verbreiten unangenehme Düfte; das Wetter ändert sich.)

·      „’ S gìdd dìssjòòr e Wòònvoll Nìss, dònn gìdd’s aa e kalda Winda!“ (Es gibt in diesem Jahr eine sehr gute Nussernte; das deutet auf einen kalten und langen Winter hin.)

·      e gùLLa Dròhd nòh owwe hònn (w.: einen guten Draht zum Himmel, insbesondere zu Petrus, haben; i.ü.S.: gutes Wetter machen oder bestellen können) ð „Òm näggschde Sùnndaa kìnne ma Grumbìere|bròòLe gehn; ich hònn e gùLLa Dròhd nòh owwe!“ (Wir können am nächsten Sonntag unser Kartoffelbraten veranstalten; ich habe bei Petrus gutes Wetter bestellt.)

 

Anmerkungen

[1] Hier steckt das frz. Wort parapluie <Regenschirm> drin.

[2] In früheren noch kühlschranklosen Zeiten haben sich die Gastwirte im Winter einen speziellen Keller mit Natureis gefüllt, um bis in die warme Jahreszeit Getränke kühlen zu können. Das war der Isskella.

[3] Merksatz für ein bisschen „Chinesisch“ im Ensemma Pladd!

[4] Plòòdarre sind normalerweise kleine Blutergüsse.

[5] Bei Braun, op. cit., 26 sind die Knochen der Indikator für die Wetterfühligkeit.

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© Paul Glass 2000-2001