von Dr. Hans-Peter Konzan, Dipl.Geologe, Landesamt für Umweltschutz Saarbrücken
1. Geographischer und geologischer Überblick
Das
Gebiet zwischen Sengscheid und dem Flughafengelände, im Westen und Osten
begrenzt durch die A 6 bzw. L 108, nimmt eine zentrale Lage ein auf dem Blatt
St. Johann der topographischen Karte des Saarlandes im Maßstab 1 : 25 000.
Geographisch gesehen haben wir es mit einem kleinen
Ausschnitt der naturräumlichen Haupteinheit
" pfälzisch-saarländisches Muschelkalkgebiet "
zu tun.
Der
nahezu geschlossen bewaldete und fast ausschließlich von Sandsteinschichten
aufgebaute nördliche Bereich wird durch tief eingeschnittene, kastenförmige Täler
und enge Schluchten kleinräumig in einzelne Kuppen und Rücken zerlegt. Dieses
Gebiet gehört als Teil des sog. "St. Ingberter Waldes" wiederum zur
nachgeordneten natur-räumlichen Einheit "Saarbrücken–Kirkeler-Wald".
Hiervon
mit einer Feld-Wald-Grenze scharf abgesetzt entlang einer Linie etwa vom
Ensheimer Hof über Waldhaus zum Kleinen Stiefel, die mit der nordöstlichen
Begrenzung einer geologisch-tektonischen 1)
Grabenstruktur ("Bischmisheimer
Graben") zusammenfällt, schließt nach Südwesten mit den sog.
"Saarbach-Wogbach-Gründen“, auch als „Bischmisheimer Riedel“
bekannt, ein geographischer Bereich an, der bereits zur untergeordneten naturräumlichen
Einheit "Saar-Blies-Gau" gehört. Hier werden die bewaldeten tieferen
Hang- und Talbereiche zwar ebenfalls von Sandsteinschichten aufgebaut, dagegen
sind aber auf den meist langgestreckten und lehmbedeckten Bergrücken mergelig 2)-sandig-kalkige
Schichten des Unteren Muschelkalkes weit verbreitet, welche die Grundlage für
eine intensive landwirtschaftliche Nutzung bilden.
Unsere
Landschaft verdankt ihre besonderen Merkmale den hier an Tage anzutreffenden
Buntsandstein- und Muschelkalk-Schichten. Die unterschiedlichen Härten der
Gesteine in Verbindung mit den großen Erosionskräften 3) der Flüsse
zeichnen hauptverantwortlich für die Modellierung einer für den Buntsandstein
und Muschelkalk typischen Schichtstufenlandschaft im Verlauf der letzten ca. 1,8
Millionen Jahre erdgeschichtlicher Entwicklung.
Von
einer ursprünglich zusammenhängenden und schwach nach Süden geneigten Hochfläche
wurde unser Gebiet durch die größeren Fließgewässer Saar, Blies, Scheidter
Bach, Würzbach, Mandelbach und Fechinger-Eschringer- bzw. Saarbach abgetrennt.
Die entstandenen Restflächen wurden danach von allen Seiten durch rückschreitende
Erosion in den zahlreichen Tälern der Nachbarbäche weiter aufgelöst. In
unserem Fall handelt es sich dabei vor allem um Wogbach, Tiefeltsbach, Grumbach
und Erlenbach. Übrig bleiben schließlich weitgehend voneinander isolierte,
schmale, flachwellige Höhenzüge mit einzelnen aufragenden Kuppen.
Geologie
ist die Wissenschaft von der Zusammensetzung, vom Bau und von der Geschichte der
Erdkruste und von den Kräften, unter deren Wirkung sich die Entwicklung in und
auf ihr vollzieht.
Die
ältesten in unserer Gegend an Tage anstehenden Gesteine 4) gehören
dem Mittleren Buntsandstein an, der am Beginn des Erdmittelalters (Mesozoikum,
Abb. 1) zur Zeit der Trias vor ca. 230 Mio Jahren zur Ablagerung kam. Die
Ergebnisse von Tiefbohrungen in der näheren und weiteren Umgebung, sowie
umfangreiche Kenntnis über das Alter, die Entstehung, Zusammensetzung und
Lagerung der Gesteine, resultierend aus jahrzehntelanger geologischer
Erforschung unserer Heimat, berechtigen den Geologen zu der Aussage, dass auch
in diesem Teil des Saarlandes Gesteine in vielen tausend Metern Mächtigkeit im
Untergrund abgelagert wurden, die weit älter als der Buntsandstein sind und im
mittleren und nördlichen Saarland an der Erdoberfläche auftreten. Der Vollständigkeit
halber sollen diese nicht unerwähnt bleiben.
Die
geologische Entwicklung in unserem Raum beginnt, soweit belegbar, etwa in der
Mitte des Erdaltertums (Paläozoikum) vor ca. 400 Mio Jahren. Zur Ablagerung
kamen zunächst marine Sedimente 5), denn in der Devon-Zeit und auch
noch zu Beginn des Karbons (Abb.
1)
bestand Zugang zum offenen Meer. Diese Verbindung wurde im Mittel- u. Oberkarbon
unterbrochen. Es kam in dieser Zeit zur Bildung eines langgestreckten
SW-NO-verlaufenden kontinentalen Senkungsraumes, der von der Saône bis zur Saale
quer durch Mitteleuropa verlief, in unserem Bereich als Saar-Nahe-Mulde
bezeichnet wird und fortan die geologische Entwicklung unseres Raumes bestimmte.
Mehrere 1000 Meter Sedimente kamen hier im Oberkarbon und Rotliegenden unter
limnisch – fluviatilen 6) Bedingungen zur Ablagerung.
Schuttlieferanten
waren die während der variskischen Faltungsphase (Abb. 1) neu entstandenen
Gebirge an den Beckenrändern, im Norden das Rheinische Schiefergebirge. Der östliche
und südliche Rand ist heute von jüngeren Ablagerungen der Trias überdeckt und
im Bereich Haardt-Vogesen zu suchen.
Die
4000 – 5000 m mächtigen Schichten des Oberkarbons bestehen überwiegend aus
Konglomeraten 7), Sandsteinen und Tonsteinen (im Bergbau traditionell
als Tonschiefer bezeichnet).
In
Zeiten verzögerter bzw. fehlender Absenkung des Beckenbodens bildeten sich
Torfmoore, aus denen später die Steinkohlenflöze entstanden. Sie wurden bei
nachfolgenden verstärkten Absenkungen von den an den Beckenrändern
aufgestauten Erosionsmassen rasch überschwemmt und gerieten so schnell unter
Luftabschluss, was für den Prozess der Kohlebildung unbedingt erforderlich ist.
In
der ca. 45 Mio Jahre andauernden Oberkarbonzeit kam hier so viel pflanzliches
Material zur Ablagerung, dass sich daraus etwa 560 Kohlenflöze bilden konnten.
Etwa 135 Flöze mit einer Gesamtkohlenmächtigkeit von 125 Metern wurden davon
im Saarland abgebaut.
Im
Zentrum des Saar-Nahe-Beckens gab es im Oberkarbon einen Bereich mit zunächst
verzögerter Senkungstendenz, der später aufgrund der verstärkten Einengung
des Beckens infolge der asturischen Phase der variskischen Gebirgsbildung (Abb.
1) angehoben wurde und zeitweilig in den Bereich der Abtragung geriet.
Es
handelt sich um das Gebiet des späteren Saarbrücker Hauptsattels (Abb.
2).
Durch diese SW-NO-ausgerichtete Abwölbung, die das Becken in Längsrichtung
teilte, kam es zur Bildung von Teilmulden, im Norden die "Prims-Nahe-Mulde"
und im Süden die "Saargemünd-Zweibrücker-Mulde". Sie wurden in der
Folgezeit mit über 2.000 m mächtigen Unterrotliegend-Ablagerungen verfüllt,
die heute im mittleren und nördlichen Saarland großflächig an Tage ausgehen
(Kuseler-, Lebacher- und Tholeyer Schichten). In der Saargemünder-Mulde, also
speziell in unserem Raum, werden diese Schichten von Buntsandstein und
Muschelkalk überlagert. Die Gesteine des Unterrotliegenden dokumentieren eine
kontinuierliche Fortsetzung der Sedimentation im Oberkarbon, allerdings kam es
nur noch selten zur Bildung von Kohlenflözen.
Vermutlich
bereits während dieser Zeit, verstärkt aber gegen Ende dieser
erdgeschichtlichen Epoche, führen weitere einengende Bewegungen im Zuge der
saalischen Phase der variskischen Gebirgsbildung vor ca. 260 Millionen Jahren
dazu, dass der Saarbrücker Hauptsattel nach Südosten überkippt wurde und
entlang einer Überschiebungsbahn (Südliche Randüberschiebung, Abb.
2) der Länge
nach im Scheitelbereich aufreißt. Dabei überfährt nachfolgend der NW-Flügel
den SO-Flügel um einige Kilometer.
Auf
tiefreichenden Spalten dringen in dieser Zeit magmatische Gesteine auf (heute im
Nord-Saarland an Tage anzutreffen). Eine Vielzahl der in dieser Zeit angelegten
Störungen betreffen nicht nur paläozoische Gesteine, sondern leben nach der
Ablagerung von Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper in posttriadischer Zeit
wieder auf.
Nach
dem Abklingen der tektonischen Bewegungen im Oberrotliegenden und der Erosion
der Beckenränder sowie des Saarbrücker Hauptsattels, werden diese Gebiete
zunehmend in den Ablagerungsbereich einbezogen.
In
der Oberrotliegendzeit bis vor ca. 250 Millionen Jahren kommen zunächst grobe
Sedimente (Waderner Schichten) zur Ablagerung. Die Abtragungsprodukte verblieben
entweder als unverfestigte und weitgehend unsortierte Fanglomerate 8)
unmittelbar an den Beckenrändern oder sie gelangten in Form geröllbeladener
Schlammströme in die Becken.
Gegen
Ende des Oberrotliegenden erlischt die Reliefenergie. Überwiegend äolisch
herangeführte Sande (Kreuznacher Schichten) vollziehen den Ausgleich des
permischen Reliefs. Die Becken und die Erosionstäler in den Randgebieten
"ertranken" förmlich im Schutt. Es entstand eine Art Peneplain
(Fast-Ebene).
In
der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper) zu Beginn des Erdmittelalters
vor ca. 230 Mio. Jahren (Mesozoikum, s.a. Abb. 1) war unser Gebiet aufgrund
seiner nordwestlichen Randlage im Bereich der Saargemünd-Zweibrücker-Mulde, mit ihrer nordöstlichen Fortsetzung auch als Saargemünd–Pfälzer-Mulde
bzw. --Senke bekannt, mit einem großen Ablagerungsraum verbunden, dem sog.
"Germanischen Becken".
Es
reichte im Süden bis zum Alpenvorland, im Osten bis zur Böhmischen Masse und
dem Polnischen Mittelgebirge, im Norden bis zur Nord- und Ostsee und im Westen
bis zum "Gallischen Land", ein aus devonischen Gesteinen aufgebautes
Gebirgsmassiv zwischen Luxemburg, dem französischen Zentralmassiv und Spanien.
Zu
Beginn der Trias herrschte bei uns jedoch noch Sedimentationsruhe, denn der
Untere Buntsandstein wurde nur außerhalb des Saarlandes (z. B. in der Pfalz) in
den Teilen der Mulden mit der größten Senkungstendenz abgelagert. Erst mit der
Bildung des Mittleren Buntsandsteins setzt im Saarland die Sedimentation wieder
ein.
Sedimentologische
Befunde in den heute vorliegenden Gesteinen (z. B. Geröllinhalt,
Abrollungsgrad, Bestimmung der Schüttungsrichtungen etc.) zeigen an, dass Sande
und Kiese von Südwesten aus dem erwähnten Gallischen Land überwiegend durch
fließendes Wasser herangeführt wurden. Aber auch der Wind spielte als
Transportkraft eine Rolle.
Sie
vermischten sich mit den Abtragungsprodukten der noch verbliebenen Liefergebiete
in unserer näheren Umgebung (Hunsrück, Ardennen, Vogesen, Saarbrücker
Hauptsattel).
Die
Ardennisch-Rheinische Masse als Teil des während der variskischen
Gebirgsbildung entstandenen Rheinischen Schiefergebirges wirkte für den
Sedimentstrom als Barriere und teilte ihn. Ein westlicher Strom nahm seinen Weg
vom Saarland über die Luxemburger Bucht, die Trierer Bucht und die sog. "Eifeler
Nord-Süd-Zone" und stellte eine Verbindung zum nördlichen Germanischen
Ablagerungsraum her.
Im
Verlauf des Trias erweiterte sich dieses Becken kontinuierlich nach Westen zum
Pariser Becken hin. Ein östlicher Sedimentstrom führte über die sog.
"Lothringer Querfurche" und Saargemünd-Pfälzer-Mulde, womit eine
Verbindung zur Hessischen Senke und zum südwestdeutschen Triasraum bestand.
Unter
der ständigen Absenkung des Beckenbodens kam in dieser Zeitepoche bei uns so
viel Gesteinsschutt zur Ablagerung, dass sich daraus letztendlich ca. 350 Meter
Mittlerer Buntsandstein bilden konnte.
Nach
einer Zeit der Sedimentationsruhe mit einhergehenden Bodenbildungsprozessen
("Violette Grenzzone" s.a. später) setzte in Folge Reliefbelebung in
den Abtragungsgebieten die Ablagerung zu Beginn des Oberen Buntsandsteins erneut
ein.
Aus
der Zusammensetzung der Gesteine kann geschlossen werden, dass ein Zustrom
frischen Sedimentmaterials diesmal aus nähergelegenen Liefergebieten und aus
anderen Herkunftsgesteinen erfolgte (Glimmerreichtum, veränderter
Schwermineralinhalt, eckige Quarzkörner etc.).
Die
häufige Einschaltung von Tonhorizonten und das Auftreten von karbonatreichen (dolomitischen)
Gesteinsbänken deuten auf Änderungen der sedimentären und klimatischen
Bedingungen hin.
Gegen
Ende des Oberen Buntsandsteins zeugen lagunäre Bildungen in den Sedimenten von
Küstennähe und brackisch-marine Fossilien 9) von ersten Vorstößen
des von Osten in unseren Raum eindringenden Meeres vor ca. 225 Mio. Jahren.
Mit
der endgültigen Überflutung im Muschelkalk wurden bei uns anfangs
sandig-mergelig-kalkige (Unterer Muschelkalk), dann überwiegend tonige
(Mittlerer Muschelkalk) und schließlich kalkig-mergelige Sedimente (Oberer
Muschelkalk) abgelagert. Es handelt sich um Ablagerungen im Flachwasserbereich.
Evaporitische Bildungen (Anhydrit, Gips und Steinsalz) im Mittleren Muschelkalk
und Keuper zeugen von zeitweiligen Abschnürungen des Beckens vom offenen Meer
mit einhergehender Eindampfung des Meerwassers.
Mit
überwiegend tonigen Ablagerungen des Unteren und Mittleren Keupers schließt
die geologische Überlieferung im Saarland vorerst ab. Es wird vermutet, dass jüngere
Gesteine der Trias bis zum Unteren Jura auch bei uns (Beginn vor ca. 195 Mio.
Jahren, Abb.
1) abgelagert wurden,
jedoch der Abtragung zum Opfer fielen.
Gegen
Ende des Erdmittelalters und im Tertiär der Erdneuzeit (Känozoikum,
Abb. 1) herrschte in unserem Gebiet Abtragung.
In
der alpidischen Faltungsära (Abb. 1) leben zahlreiche alt angelegte Störungen
wieder auf und verwerfen die mesozoischen Gesteinsschichten.
Im
Quartär (Abb. 1) entwickelte sich, ausgehend von einer oligo-miozänen
Verebnungsfläche, die in der Folgezeit in mehreren Phasen auf etwa 400 m ü. NN
emporgehoben wurde, das heutige Flussnetz.
Vor
allem in der Epoche der Eiszeiten im Pleistozän vor 1,8 Mio. Jahren schnitten
sich die Flüsse und Bäche bei gleichzeitiger Abtragung der Bergflanken
episodisch in den festen Untergrund ein, wodurch unsere heutigen verzweigten
Talsysteme entstanden. Zeugen dieser Vorgänge sind Sand- und Kiesablagerungen
(Terrassen) in bestimmten Niveaus der größeren Fließgewässer.
Schließlich wurde mit der Ablagerung der Lehme und Hangschuttmassen der jetzige geologische und morphologische Zustand erreicht.
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