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3.0 Ensheimer Genealogie


3.7 Die Bevölkerungsentwicklung in Ensheim

Für die Gemeinde Ensheim sind die folgenden Einwohnerzahlen überliefert (Jahr: Einwohnerzahl).

Einwohnerzahlen von Ensheim
1538: 200 1610: 300 1634: 10 1680: 10 1702: 400 1797: 682 1799: 802 1802: 800
1809: 936 1814/15: 830 1817/18: 1100 1819: 1045 1824: 1097 1825: 1202 1826: 1189 1827: 1262
1828: 1294 1830: 1332 1831: 1364 1832: 1375 1833: 1364 1835: 1420 1836: 1446 1837: 1446
1838: 1215 1840: 1221 1841: 1234 1842: 1234 1843: 1353 1844: 1324 1846/47: 1274 1856/57: 1313
1858/59: 1313 1859/60: 1379 1862: 1426 1863/64: 1426 1867: 1495 1870: 1686 1874: 1649 1876: 1717
1879: 1662 1881: 1662 1884: 1740 1885: 1806 1893: 1885 1896: 1990 1900: 1990 1901: 2000
1907: 2554 1935: 3162 1937: 3370 1950: 3396 1964: 4060 1974: 4028 1995: 3822  

Toni Bubel hat im Rahmen seines Studiums die Bevölkerungsentwicklung zwischen 1700 und 1950 in eine Grafik umgesetzt:

Bevölkerungsentwicklung in Ensheim zwischen 1700 und 1950 (Grafik)

Die auffallenden Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung sind teils auf kriegerische Wirren, teils auf die wirtschaftliche Entwicklung in Ensheim zurückzuführen.

Eine tiefe Zäsur brachte zunächst der Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), wo die Ensheimer Bevölkerung - wie in anderen Landstriche auch - sogar vom Aussterben bedroht war. 1634 lebten noch ganze 10 Einwohner in Ensheim. Diese dünne Besiedelung hält die nächsten 50 Jahre ungefähr an: Noch 1680 wird davon berichtet, daß in Ensheim zehn Einwohner sind, "welche an ein Personal Zinß verbunden sind, wann der Stamm Vatter stirbt." (Tritz, op. cit., 236) Diese Entwicklung deckt sich im übrigen auch mit der Geschichte der Nachbargemeinden, die ebenso wie Ensheim von den Auswirkungen dieses schrecklichen Krieges außerordentlich stark betroffen waren. So wird beispielsweise für Heckendalheim berichtet, daß die Neubesiedlung 1661/62 wieder begann, nachdem der Ort 1655 gänzlich wüst gegeworden war. Von den während des Krieges geflohenen Einwohnern sei allerdings kaum einer zurückgekehrt.

Erst nach 1680 setzt, stark gefördert vom Kloster Wadgassen, offenbar eine rasche Wiederbesiedlungsphase ein, denn schon zwanzig Jahre später, im Jahre 1702, zählt Ensheim 400 Einwohner. 1681 hatte Abt Petrus Marx den Bau eines Hofhauses in Ensheim angeordnet und damit auch nach außen dokumentiert, daß das Kloster Wadgassen für einen Neuanfang bereit war. Es gibt sicher hierbei auch einen engen Zusammenhang mit der Rekatholisierung Ensheims, ausgelöst und gefördert durch die französische Reunionspolitik. Die frühen Siedler wurden offenbar vor allem in der Schweiz, vielleicht auch in Vorarlberg und in Tirol angeworben, wie an den Namen der zugewanderten Familien abzulesen ist: Etinger, Untersteller, Buchmeyer, Gerath, Wollenschneider, Werrendorff, Reinstadler, Seyller u.ä.m. Allerdings bedarf diese frühe Einwanderungsphase noch einer näheren bevölkerungsgeschichtlichen und genealogischen Untersuchung.

Für das 18. Jahrhundert sind kaum Einwohnerzahlen erhalten geblieben, aber bis zum Jahre 1800 hat sich die Zahl der Bewohner praktisch verdoppelt, vor allem auch im Zuge der Französischen Revolution. Offenbar haben sich die neugewonnenen bürgerlichen Freiheiten und die Abschaffung der Feudalherrschaft positiv auf die Bevölkerungsentwicklung ausgewirkt.

Die kommenden Jahrzehnte waren von einem starken Bevölkerungswachstum gekennzeichnet. Die zum Teil enormen Zuwächse stehen in einem engen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in Ensheim, insbesondere mit dem industriellen Ausbau der Dosenindustrie. Bis auf einige Jahre, wo die verstärkte Auswanderung demographisch zu Buche schlug, wuchs die Bevölkerung von Jahr zu Jahr, bis um die Jahrhundertwende die "Schallmauer" von 2000 Einwohner durchbrochen wurde.

Das rasante Bevölkerungswachstum setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts fort, was wiederum mit dem Ausbau der wirtschaftlichen Aktivitäten der Firma Adt, dem größten Arbeitgeber im Ort, zusammenhing.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung weiter, trotz der Opfer, die dieser Krieg auch unter der Ensheimer Bevölkerung gefordert hatte (220 tote bzw. vermißte Soldaten und einige Zivilisten). Dieser Zuwachs war zum einen dem "Wirtschaftswunder" in den 50er Jahren zu verdanken (rasante Entwicklung der Ensheimer Industrie), zum anderen aber auch der Zuwanderung aus dem Osten (Flüchtlinge und Vertriebene).


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Last update: 11.05.2009                    © Paul Glass 1997 - 2007 ff