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Home / Die Ensheimer Geschichte im Überblick / Ensheim unter der Herrschaft des Klosters Wadgassen (1435-1792) / Ensheim während der Französischen Revolution (1789 - 1815)
| Die Französische Revolution hatte zwar bereits im Jahre 1789 begonnen,
aber es sollte noch drei Jahre dauern, bis auch die Saarregion und damit auch Ensheim von
den revolutionären Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bereits im Jahre 1790 wurde im Rahmen der Zivilverfassung der Kirche von der französischen Nationalversammlung beschlossen, die Kirchengüter zu verstaatlichen und alle Klöster aufzuheben. So sollte auch die Abtei Wadgassen, die 1766 aufgrund eines Tauschvertrages zwischen Nassau-Saarbrücken und dem französischen König an Frankreich gefallen war, aufgehoben werden. Der damalige Abt Bordier intervenierte nicht nur beim Deutschen Reich, sondern sogar in Paris gegen die drohende Säkularisierung - allerdings ohne Erfolg!
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Ensheim als Teil der Grafschaft Nassau-Saarbrücken im Jahre 1789 |
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Am 29. Juli 1792 lehnte es die französische Nationalversammlung
endgültig ab, die bereits beschlossene Aufhebung des Klosters Wadgassen wieder
rückgängig zu machen. In der Nacht vom 4./5. September 1792 flüchteten der letzte Abt Bordier, übrigens selber Franzose von Geburt, und die Mönche zunächst nach Bous, dann nach Ensheim, Trier, Köln und Vallendar und später nach Prag, wo sie im Prämonstratenserkloster Strahov Zuflucht fanden. (Seit der politischen Wende in der früheren Tschechoslowakei im Jahre 1990 wurden auch den Kirchen und Klöstern ihre durch die Kommunisten enteigneten Besitzungen zurückgegeben. Auf diese Weise ist das Kloster Strahov heute wieder im Besitz der Prämonstratenser - wer nach Prag kommt, sollte dieses Kloster und seine überaus interessante Klosterbibliothek unbedingt besuchen.) |
In Frankreich war in dieser Zeit die Radikalisierung der Revolution nicht mehr aufzuhalten: zu sehr hatten der Fluchtversuch des Königspaares ( Sommer 1791) und die nach der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich (Februar 1792) drohende militärische Konfrontation die politischen Führer in Paris beunruhigt!
Zwar erschienen schon bald nach der Kriegserklärung französische Truppen an der Saar, doch waren die Saar-Territorien (Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken und Blieskastel) noch nicht in die Auseinandersetzungen involviert. Überdies hatten sich letztere gegenüber dem französischen Parlament als neutral bezeichnet! In Frankreich selbst allerdings führte die konkrete Bedrohung von außen zu einer weiteren Radikalisierung der politischen Lage, eine Entwicklung, die u.a. in der Verurteilung und Hinrichtung des französischen Königspaares ihren vorläufigen Höhepunkt fand.
| Nach einem ersten Vorstoß französischer Truppen an den
Rhein im September 1792 kam es zu weiteren militärischen Aktionen im Jahr 1793, wo u.a.
das Schloß Karlsberg bei Homburg von den Franzosen vernichtet wurde. Ein Konventsdekret hatte bereits am 11. Mai 1793 alle Güter der linksrheinischen Territorialherren unter Kriegs-Sequester gestellt. Damit wurden auch die ehemaligen wadgassischen Besitzungen in Ensheim zum Eigentum der Französischen Republik deklariert. Wie die Ortschronik berichtet, konnten sich die Ensheimer dennoch bis 1801 als Besitzer der früheren Klostergüter fühlen! |
Ansicht der ehemaligen Propstei Ensheim aus dem Jahr 1811, gezeichnet von Baumeister Carl Dercum |
Ensheim blieb in dieser Zeit von direkten Kriegshandlungen fast verschont: lediglich im Herbst 1793 stießen preußische Truppen über Ensheim nach Saarbrücken vor. Seine Bewohner aber mußten in dieser Zeit gleich mehrfach Kontributionen und Naturalien zur Verpflegung der Truppen stellen - zunächst für die Preußen, später für die Franzosen! In diesem Zusammenhang stellten übrigens 24 Gemeinden der früheren Grafschaft von der Leyen einen Antrag auf Anschluß an Frankreich - nur um den harten Kontributionen zu entgehen!
| Mit dem Jahr 1795 war das linke Rheinufer für die nächsten 20 Jahre für Deutschland verloren. Das neue Gebiet wurde von Frankreich sofort voll vereinnahmt: bereits 1795/96 wurde der französische Revolutionskalender eingeführt, und 1797 wurde es verwaltungsmäßig neu eingeteilt: Ensheim gehörte nun zum Kanton Blieskastel, Arrondissement Saarbrücken im Departement Sarre. | |
Das napoleonische Reich hatte seine größte Ausdehnung um 1812 - vor dem entscheidenden Krieg gegen das zaristische Russland. Und Ensheim war ein ganz kleiner Teil davon...
Die Ensheimer genossen jetzt die Errungenschaften der Französischen Revolution ebenso wie die Franzosen (zum Beispiel die fundamentalen Rechtsgrundsätze des Code Napoléon), mußten aber auch deren Pflichten teilen. Dies bedeutete zum Beispiel für die jungen Männer die Konskription. Wer einen Ersatzmann zu stellen vermochte, konnte sich vom Wehrdienst freikaufen. Dies gelang aber sicherlich nur den allerwenigsten Konskribierten aus Ensheim. So kämpften junge Ensheimer, wie die Ortschronik berichtet, unter Napoleon "in Spanien, Österreich, Preußen und auf den Schlachtfeldern in Rußland. Dem Untergang der 'Grande Armée' auf den Schnee-und Eisfeldern entgingen die meisten, aber viele sind nicht mehr zurückgekehrt."
In den sog. Befreiungskriegen 1813-15 war Ensheim gleich mehrfach Ziel militärischer Einquartierungen preußíscher, bayrischer und russischer Truppen, die jetzt gegen den vor Moskau geschlagenen Napoleon kämpften. Vor allem die russischen Truppen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck bei der Ensheimer Bevölkerung, wie ein von dem in Ensheim geborenen Pfarrer Peter Bläs hinterlassenes Gedicht "Die Russen in Ensheim 1813" belegt.
| Im Ersten Pariser Frieden vom Mai 1814 durfte das von den
Koalitionsmächten geschlagene Frankreich Saarbrücken, St. Johann und 44 Dörfer im
Umland behalten. Nach der zunächst triumphalen Rückkehr Napoleons aus seinem Exil auf
Elba (März 1815) und der verlorenen Schlacht von Waterloo (Juni 1815) wurde im November
1815 der Zweite Pariser Frieden geschlossen, wo Frankreich Saarbrücken und
Umgebung wieder an "Deutschland" zurückgeben mußte. Schon im Juni 1815 wurde
in der Wiener Kongreßakte festgeschrieben, daß das Saargebiet unter Preußen und Bayern
aufgeteilt wird: Preußen erhält den größeren westlichen Teil mit Saarbrücken, Bayern
erhält den kleineren östlichen Teil, darunter als westlichsten Außenposten auch Ensheim
und Eschringen. Die nebenstehende Karte des französischen Kartographen und Geographen Edmond Demangeon (ca. 1890) zeigt den Grenzverlauf nach dem Ersten (blaue Linie) und Zweiten (rote Linie) Pariser Frieden. |
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Download-Tipp:
TIP: Wenn Sie einen Blick auf die gesamte Saargegend in dieser Zeit werfen wollen, können Sie sich hier eine gezippte Fassung der entsprechenden Karte downladen. ( 240 KB)
Sie können hier die Centennia Napoleonic Edition, ein interessantes Freeware-Kartenprogramm, herunterladen, das die Veränderungen der Grenzen in Mitteleuropa zwischen 1792 und 1820 dynamisch darstellt; ca. 2,3 MB
Last update: 13.11.2004 © Paul Glass 1997 - 2004 ff