Anhang (1): Die Anklageschrift
Der Sachverhalt
[Fortsetzung]
Der zwölfte Auftrag der ersten Reihe.
In der zweiten Hälfte Dezember 1937, kurz vor Weihnachten, erhielt der Angeschuldigte von Godard den Auftrag, zu erkunden, ob in der Umgegend von Saarbrücken, und zwar auf der Wiese von St. Arnual, ein Flugplatz vorhanden sei. Dabei äußerte Godard die Meinung, daß der Flugplatz zu einem Militärflugplatz umgebaut worden sei. Der Angeschuldigte sollte dazu feststellen, ob die Errichtung von Bauten der Wehrmacht die Richtigkeit einer auf eine Meldung gestützten Vermutung des Godard bestätigte.
Ausgerüstet mit 20 RM Reisespesen, überschritt der Angeschuldigte wie üblich die Grenze. Auf dem ihm von früher her als Verkehrsflugplatz bekannten Flughafen von St. Arnual konnte er jedoch irgendwelche Veränderungen gegenüber früher nicht feststellen. Er berichtete dann dem Godard über das Ergebnis seiner Ermittlungen, worauf dieser erklärte, daß er eine ihm zugegangene frühere Meldung habe überprüfen wollen.
Bei den bisher geschilderten zwölf Aufträgen hatte der Angeschuldigte stets die Grenze heimlich überschritten und erst nach der Grenzüberschreitung Verkehrsmittel benutzt. Als einziger Personalausweis diente ihm dabei ein ihm von Godard übergebenes deutsches Arbeitsbuch.
[Weiter]
Quelle: Anklageschrift des Oberreichsanwaltes beim Volksgerichtshof Berlin [AZ 2 J 153/38 g.] vom 29.12.1939
© Paul Glass 1997 - 2002 ff
Last update: 20.12.2002