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2.0 Die Ensheimer Geschichte im Überblick


Extra-Info: Der Untergang der Grande Armée in Russland 1812


Im Jahre 1812 entschloss sich Napoléon I. zum Krieg gegen das zaristische Russland. Es waren im wesentlichen zwei Gründe, die ihn zu diesem Vorgehen bewogen:

    Anzeichen für ein neues Bündnis des Zarenreiches gegen Frankreich 

    der Bruch der gegen England gerichteten Kontinentalsperre durch Russland: das Zarenreich erlaubte englischen Schiffen, in russischen Häfen anzulegen und ihren Waren zu löschen

Die französische Armee marschierte im Juni 1812 mit 600.000 Soldaten in Russland ein. Unter ihnen waren neben deutschen Konskribierten aus den linksrheinischen Gebieten auch 30.000 Bayern, 20.000 Preußen, 15.000 Württemberger, 7.000 Badener und andere Hilfstruppen deutscher und anderer Provenienz (Polen, Italiener, Portugiesen, Holländer) - alles in allem die bis dahin größte Armee der modernen Geschichte!

Die Franzosen glaubten an einen schnellen Sieg gegen die für rückständig gehaltenen Russen. Die russische Armee wich aber geschickt den von Napoléon gesuchten Schlachten aus und zog sich in die Weite des russischen Landes zurück. Sie verbrannte dabei alle Vorräte, um den napoleonischen Truppen keinerlei Nahrungsmittel zu hinterlassen.

Es dauerte lange, bis es zu blutigen Schlachten kam, in denen Hunderttausende Soldaten auf beiden Seiten fielen. Dennoch war der Krieg nicht schnell entschieden, auch nicht, als der französische Kaiser im September 1812 die russische Hauptstadt Moskau praktisch kampflos eroberte. Um die Feinde zu vertreiben, griffen die russischen Militärs zu einem rabiaten Mittel: Sie zündeten Moskau an, um den Franzosen kein Quartier für den bevorstehenden Winter zu bieten. 

Diese Strategie der "Politik der verbrannten Erde" war sicher brachial, aber sie war erfolgreich: Napoléon musste im Herbst 1812 den Rückzug befehlen, der zu einem vollständigen Desaster für die kaiserlichen Truppen werden sollte. Durch Hunger, Kälte und die ständigen Angriffe der russischen Armee starben zigtausende Soldaten.

Über diesen Rückzug gibt es bewegende Augenzeugenberichte. So schrieb beispielsweise der württembergische Offizier Christian von Martens über die Kämpfe beim Übergang über die Beresina am 27./28. November 1812:

"27. November. Die Garden, mit dem Kaiser an der Spitze, waren die ersten, die [an diesem Tage] über den Fluss setzten und mit ihrem Geschütz ihre Stellung auf den jenseitigen Anhöhen nahmen, um den weitern Übergang schützen zu können... Mit Tagesanbruch verließen auch wir unsere Scheuer und sahen darauf eine unabsehbare Masse von Menschen, Pferden und Fuhren den schmalen Zugängen der Brücken zuströmten und diese bestürmen; es waren daselbst Rampen angebracht, deren Zugänge im Wasser standen, da der grundeisführende Fluss ausgetreten war...

28. November... Mit Tagesanbruch entspann sich ein mörderischer Kampf auf beiden Ufern; jenseits Wittgenstein mit 40.000 Russen, diesseits Tschitschagow mit 27.000 Mann schleuderten ihre Geschosse in die verworrene Masse. Die höchste Bestürzung ergriff alles, was noch nicht herüber konnte; zum dritten Male brach die untere Brücke unter der Last zusammen und konnte nicht mehr hergestellt werden. Alles drängte sich nun zur oberen Brücke hin; Weiber und Kinder, die sich bisher auf stehengebliebenen Wagen befanden, wurden im Menschenstrome mit fortgerissen, die meisten kamen darinnen um ... Kanonenkugeln und Granaten schlugen in die drangvolle Masse, das Geschrei der Unglücklichen übertonte den Kanonendonner, und das Drängen zur Brücken wurde immer rasender; die größere Zahl stürzte sich in den Fluss und wurde wie gestern größtenteils vom Treibeise fortgerissen. So senkte sich endlich die Nacht herab, die diesem unbeschreiblichen Greuel ein Ende setzte." 

[Wilfried Danner / Wolfgang Hug: Geschichtliche Weltkunde 3. Frankfurt a. Main 1987, S. 72f]

Der Übergang der kaiserlichen Armee über die Beresina

Die Niederlage der napoleonischen Grande Armée war vollkommen: von den ursprünglich nach Russland einmarschierten 600.000 Soldaten überlebten nur 5.000 - alle anderen kamen bei den Schlachten in Russland bzw. beim Rückzug um.

 


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