Vorwort
Diese Webseite wird mir vermutlich wieder den Vorwurf der "Nestbeschmutzung" einbringen. Denn wieder ist das ewige Tabuthema "Nationalsozialismus und Drittes Reich" Gegenstand meiner lokalgeschichtlichen Arbeit, und auch diesmal sind die Inhalte der einzelnen Seiten eher unerfreulich und schwer verdauliche Kost.
Es geht um die tragische Geschichte eines Ensheimer Bürgers, der Ende der Dreißiger Jahre für Deutschlands "Erbfeind" Frankreich spioniert und dieses höchst gefährliche Tun mit dem Leben bezahlen musste. Danach wurden sowohl er als auch seine Tat tabuisiert, im Dorf und in der Familie, was nicht verwundert, denn zum einen galt für die Familie eines Täters, der ein Verbrechen gegen die Naziherrschaft begangen hatte, oft genug Sippenhaft, während zum anderen eine solche Tat in einem Dorf, dessen Bevölkerung mit großer Mehrheit mit der Nazidiktatur und deren Politik sympathisierte, sicher heftig verurteilt wurde.
Die wahlberechtigte Bevölkerung von Ensheim hatte sich bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 - wie die meisten anderen Gemeinden das Saargebietes auch - mit über 90 % der abgegebenen Stimmen für die Rückgliederung an Deutschland und damit für die Nazis entschieden. Erst Jahre später wurde für die meisten Ja-Sager klar, dass sie sich damals für die falsche Sache entschieden hatten, aber da war es bereits zu spät.
Es geht auf dieser Webseite nicht darum, die damals unmittelbar Betroffenen oder ihre Nachkommen zu diffamieren, zu stigmatisieren oder gar zu verurteilen. Die Geschichte ist auch ein Lehrstück über das Verhalten in einer Diktatur. Deshalb soll sie vor allem an die unselige Zeit des Dritten Reiches erinnern und der heutigen und den künftigen Generationen vor Augen halten, was politischer Extremismus bedeutet und wozu er führt.
Darüber hinaus war das Verbrechen des Landesverrats nicht nur in Nazideutschland, sondern auch beispielsweise in Frankreich mit dem Tode bedroht. Die Todesstrafe war also nichts typisch Deutsches, aber sie war dennoch für die Nazis ein wichtiges Herrschaftsinstrument zur Absicherung ihrer Diktatur nach innen.
Wir sollten alles dafür tun, dass eine solche Zeit, in der die Menschenrechte tagtäglich auf das Schwerste verletzt wurden und in der es viele unschuldige Opfer, aber auch viele überzeugte Täter gab, nicht mehr wiederkehrt.
[Weiter]
© Paul Glass 1997 - 2002 ff
Last update: 20.12.2002