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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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12.     Freigebigkeit, Habgier & Geiz

Wenn man die Zahl der Redensarten für die obigen Themen vergleicht, dann scheinen Habgier und Geiz viel eher bei den Menschen vorzukommen als Freigebigkeit und Menschenliebe:

·      alles häärgänn (w.: alles hergeben; i.ü.S.: alles verschenken; gerne Ge-schenke machen)

·      sìnn leddschdes Hämmed häärgänn (w.: sein letztes Hemd hergeben; i.ü.S.: alles verschenken)

·      gìwwe|gäwwìch sìnn (i.ü.S.: freigebig sein)

·      schenne|rees sìnn (w.: generös sein; i.ü.S.: großherzig, großzügig sein)[1]

·      noowel sìnn (w.: nobel sein; i.ü.S.: spendabel, edel sein)

·      nìdd ùùn|ääwe sìnn (w.: nicht uneben sein; i.ü.S.: 1. nicht übel sein; 2. freigebig, spendabel sein; 3. ehrlich sein)

·      äbbes fa e Abbel ùnne Ei vakaafe (w.: etw. für einen Apfel und ein Ei verkaufen; i.ü.S.: etw. spottbillig verkaufen)[2]

·      Nää, ma gìdds medd warma Hònd!“ (w.: „Nein, man gibt es mit warmer Hand!“) - Das soll heißen, dass man die Kinder und Enkel noch zu Lebzeiten beschenkt statt ihnen nach dem Tod ein Erbe zu hinterlassen.

·      „JeeLem sinn's, ùnn dònn hadd de Däiwel nìggs!“ (w.: Jedem das seinige, dann hat der Teufel nichts! I.ü.S.: Wenn die Erben das Erbe ohne Streit aufteilen, dann macht der Teufel keine Beute.)

·      schùnn gedääld hònn (w.: schon geteilt haben; i.ü.S.: das Erbe schon aufgeteilt haben)

·      SchbääLa grìnna mòòl alles! (w.: Später einmal kriegt ihr alles! I.ü.S.: Nach meinem Tod erbt ihr alles.)

·      Zu gùdd ìsch e Schdìgg vùnn de LìLLarichkääd! Diese Redensart drückt aus, dass derjenige, der zuviel verschenkt oder zu spendabel ist, fahr-lässig handelt und sich selbst an den Bettelstab bringen kann.[3]

·      die Schbändìer|bùggs òònhònn (w.: die Spendierhose tragen; i.ü.S.: spen-dabel sein)

·      Bäi de Riche kòmma’s Schbaare lehre!“ (w.: Sparen lernt man bei den Reichen.) - Mit diesem Spruch drückt man den Umstand aus, dass wohlhabende und reiche Leute in der Regel äußerst geizig sind - was heißen soll, dass sie nur durch diesen Geiz so reich geworden sind.

·      Jòò, ma hònn’s jòò!“ (w.: Ja, wir haben’s ja!) - Das sagt man, wenn zum Beispiel der Partner zu großzügig zu einem Dritten ist. Man fordert ihn dadurch unterschwellig auf, nicht mehr so spendabel und großzügig zu sein - schließlich habe man nichts zu verschenken.

·      Awill awwa, ma hängge doch nìdd voll! - Das sagt man, wenn zum Bei-spiel der Partner zu großzügig zu einem Dritten ist. Man fordert ihn dadurch unterschwellig auf, nicht mehr so spendabel und großzügig zu sein.

·      „Mach nùrre de Nache (Narre) nìdd!“ (w.: Mach’ bloß den Narren nicht!) - So kommentiert man beispielsweise eine zu große Freigebigkeit eines anderen, von der man zwar selbst profitiert, was aber einem eher unangenehm ist.

Die Sprüche und Ausdrücke für Habgier und Geiz überwiegen ganz deutlich. Was für ein Bild wirft das auf unsere Vorfahren?

·      de Hals nìdd voll grìen (w.: den Hals nicht voll kriegen; i.ü.S.: nie genug kriegen)

·      nìdd genùngk gríen (w.: nicht genug kriegen; i.ü.S.: raffgierig sein)

·      de Pidda mache (i.ü.S.: es beim Nehmen übertreiben; zuviel einheimsen)

·      ùffs Gäld sìnn wie de Däiwel ùff die aam Seel (w.: auf das Geld aus sein wie der Teufel auf die arme Seele; i.ü.S.: ganz scharf auf‘s Geld sein)

·      e alda Grussel sìnn (ein - männlicher - Nimmersatt sein)

·      e Gròmsch|hònnes sìnn (ein - männlicher - Nimmersatt sein)

·      e aldi Gròmsch sìnn (Das ist das weibliche Pendant dazu: eine Frau, die nie genug kriegt.)

·      gròmschich sìnn; vagròmschd ~; gùùrich ~ (i.ü.S.: nie genug bekommen)

·      hungarich (hungerich) sìnn bis dòrdenuss (i.ü.S.: sehr geizig sein)

·      gnìggich sìnn bis dòrdenuss (i.ü.S.: sehr geizig sein)

·      e gnìggìcha Hùnd sìnn; e Hùnga|loch ~; e Gnìgg|sagg ~ (i.ü.S.: ein Geizhals sein)

·      's vùnn de Lewändiche hòlle (w.: es von den Lebendigen nehmen; i.ü.S.: überhöhte Preise fordern)[4]

·      's Kenns|dääl foLLarre (w.: das Kindsteil fordern: i.ü.S.: den Erbteil einfor-dern, der einem als Kind beim Tod eines Elternteils zusteht)

·      sich ‘s Hämmed va|schisse; ~ va|risse; ~ va|robbe (w.: sich das Hemd verscheißen; ~ zerreißen; i.ü.S.: geizig sein; empfindlich sein; kleinlich sein) ðJedds va|schissda nùrre nìdd ‘s Hämmed!“ (Jetzt sei bloß nicht kleinlich!)

·      bis òn de Schbicharre Bärch hòlle (w.: bis an den Spicherer Berg holen; i.ü.S.: nur nehmen; nicht genug kriegen) ðDu alda Traawes! Du kennsch(d) aa nùrre äns im Lääwe: imma bis òn de de Schbicharre Bärch hòlle!“ (Du notorischer Nimmersatt! Du kennst nur eins im Leben: immer nur nehmen und nie geben!)[5]

·      traawesich sìnn; e alda Traawes sìnn (i.ü.S.: nicht genug kriegen; ein Nimmersatt sein)

·      paalesich sìnn; e alda Paales ~ (i.ü.S.: nicht genug kriegen kriegen; ein Nimmersatt sein)

·      sich ùff da Wääd ernähre (w.: sich auf der Weide ernähren; i.ü.S.: abstauben; überall abtrinken; dort essen und trinken, wo es nichts kostet) ðJòò! Jòò! De Oddo ìsch aa so e Schloufùggs! Däär dùdd sich aa nùrre ùff da Wääd ernähre!“

·      ‘s Bedd enìnn|mache (w.: ins Bett machen; i.ü.S.: es mit seinen Forderungen und Wünschen übertreiben) ðJedds mach nùrre nìdd ‘s Bedd enìnn! Du mänsch aa, du grìsch alles, oLLa?“ (Jetzt sei mal bescheiden. Du meinst auch, du bekommst alles, was du möchtest, oder?)

·      òn da Gwell hugge (w.: an der Quelle sitzen: i.ü.S.: etw. ohne Probleme beschaffen können)

·      sich die Sägg vollmache (w.: sich die Säcke vollmachen; i.ü.S.: sich die Hosentaschen vollstopfen)

·      äbbes òn Lònd zìeh'e (w.: etw. an Land ziehen; i.ü.S.: etw. für sich gewinnen)[6]

·      sich äbbes ùnna de Naachel risse (w.: sich etw. unter den Nagel reißen; i.ü.S.: sich etw. aneignen, und möglicherweise zu Unrecht)[7]

·      Jedds mache emòòl halb|lòng! (w.: Jetzt mach‘ mal halblang! I.ü.S.: Jetzt sei mal bescheiden und übertreibe es nicht.)

·      jemònde äbbes hùùschde (w.: jdm. etw. husten; d.h. die Forderungen von jd. werden nicht erfüllt) ðIch sòòn da nùrre äns: Wännde noch lòng mìsch(d), dònn dùnnich da äbbes hùùschde!“ (Ich sage dir bloß eins: Wenn du mich noch lange nervst, dann bekommst du nicht das, was du gerne möchtest!)

·      medda Sou|boll enìnn|felle (w.: mit der Kelle zum Schweinefüttern hineinfallen; i.ü.S.: durch übertriebene Forderungen auffallen; mit der Tür ins Haus fallen; ins Fettnäpfchen treten)

·      äbbes fa nìggs grìen (etw. umsonst bekommen)

·      „Wännde dämm de klääne Finga gibsch, hellda grad die gòns Hònd!“ (w.: Wenn du ihm den kleinen Finger gibst, dann nimmt er die ganze Hand! I.ü.S.: Wenn man ihm bei seinen Forderungen entgegenkommt, wird er gleich unverschämt und möchte noch mehr durchsetzen.)[8]

·      Umsùnschd ìsch de Dood, ùnn däär koschd‘s Lääwe!“ (w.: Umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben!) - Das antwortet man auf die Frage, ob eine Leistung oder eine Ware etwas kostet. Der Fragende erwartet in der Regel eher die Antwort, dass er diese Leistung „so“, also unentgeltlich bekommt. Der Antwortende will ihm aber deutlich machen, dass auf dieser Welt alles seinen Preis hat.

 

Anmerkungen

[1] Hier stand das französische Wort généreux Pate, das <großzügig> bedeutet.

[2] Laut Duden, op. cit., 47f ist die Wendung daraus zu erklären, dass – in normalen Zeiten – auf jedem Bauernhof Äpfel und Eier reichlich vorhanden sind und keinen großen Wert darstellen. Man kann einen Apfel und ein Ei ... ruhig abgeben, ohne davon arm zu werden.

[3] Vgl. auch Kap. 8, S. 80.

[4] Vgl. Duden, op. cit., 442: Dieser Quelle zufolge könnte die Wendung auf den alten Rechtsbrauch zurückgehen, nach dem dem Lehnsherrn beim Tod seines Vasallen aus dessen Hinterlassenschaft das beste Stück Vieh zustand. War ein Lehnsherr sehr habgierig, dann trachtete er schon zu Lebzeiten des Vasallen nach dessen Besitz.

[5] Der Spicherer Berg liegt auf französischen Gebiet und grenzt unmittelbar an die Stadt Saarbrücken an. Er ist von der Stadtmitte zwar nur etwa 3 km entfernt, aber in dieser Redensart steht diese Entfernung für die Aussage "viel".

[6] Vgl. Duden, op. cit., 430. Diese Redewendung bezog sich vermutlich ursprünglich auf das Bergen und In-Besitz-Nehmen von Gütern und Schiffsteilen, die nach einem Schiffsunglück an Land gespült wurden.

[7] Vgl. Duden, op. cit., 504.

[8] Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 36.

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