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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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13. Übertreibung & Understatement

In der Ensheimer Mundart wird eher übertrieben denn das Gegenteil gemacht:

·      „Mìer dùnn fädda schisse wie ònnache (ònnarre) ässe!“ (w.: <derb> Wir scheißen fetter als andere essen!) - Das ist ein ebenso derber wie unverhohlener Hinweis auf den eigenen Wohlstand und eine scheinbar optimale Kalorienversorgung.

·      ‘s Bedd enìnn|mache (w.: ins Bett machen; i.ü.S.: es übertreiben)

·      medd jemònde ‘s Peeda|che mache (i.ü.S.: es gegenüber einer Person übertreiben; ihn in übertriebenem Maße lächerlich machen)

·      e Grooß|schnìss hònn (i.ü.S.: ein übergroßes Mundwerk haben, das zu Übertreibungen neigt; vorlaut sein)

·      e grooßi Klabb hònn (w.: eine große Klappe haben; i.ü.S.: ein übergroßes Mundwerk haben)

·      e Grooß|schnìss sìnn (i.ü.S.: ein übergroßes Mundwerk haben, ein Maul-held sein)

·      e Bääsem frässe sòmd Bùdds|frau (w.: einen Besen fressen samt Putzfrau) Diese Floskel wird gebraucht, um etw. in Zweifel zu ziehen. ðAlso, wännde Schorsch ‘s Resi häid òwed erùm|grìdd, dònn frässich e Bääsem sòmd Bùdds|frau!“ (Ich bezweifle stark, dass Georg heute abend zum erstenmal mit Resi schläft!)

·      fa die gòns Gemään koche (w.: für die ganze Gemeinde kochen; i.ü.S.: für alle möglichen Leute kochen und backen). ðWääschoò, wie’s Paula ìsch: ‘s muss ìmma fa die gòns Gemään koche!“ (Du weißt ja, was Paula für eine Frau ist: sie kocht und backt immer für die ganze Nachbarschaft!)

·      „Noch nìddemòòl Brìggs Thärees gähng so e Geburdsdaa fiere!“ (w.: Noch nicht einmal Theresia Brück würde einen solchen Geburtstag feiern!)[1]

·      Mìer hònn dìssjòhr so digge Grùmbìere grìdd, die hòmma mìsse schbaLLe fa dasse ins Kella|loch rìnngòng sìnn!“ (Die Kartoffeln, die wir in diesem Jahr geerntet haben, sind so dick, dass wir sie spalten mussten, damit sie durch’s Kellerloch passten.)

·      naachds e Schdeer Hols sää'e (w.: nachts einen Ster Holz sägen; i.ü.S.: heftig und andauernd schnarchen)

·      Schùh wie e Kòhle|kaschde hònn (w.: Schuhe haben wie ein Kohlenkasten; i.ü.S.: eine sehr große Schuhgröße haben)

·      „Häid kìnnd ich wiLLa e gòns Lännche Salaad wòmsche!“ (w.: Heute könnte ich wieder ein ganzes Beet Salat essen! I.ü.S.: Heute habe ich wieder einen Riesenhunger!)

·      „Dassäll bääd em Härrgodd noch die Zeewe ab!“ (w.: Diese Frau betet dem Herrgott noch die Zehen ab. I.ü.S.: Sie übertreibt es mit dem Beten.)

·      „Häid kìnnd ich grad Bääm ussròbbe!“ (w.: Heute könnte ich wieder Bäume ausreißen! I.ü.S.: Ich bin heute super drauf!)

·      medda Dìer ins Huss felle (w.: mit der Tür ins Haus fallen; i.ü.S.: ein Anliegen ohne Vorwarnung vorbringen)[2]

·      känn Mòòß hònn fa äbbes (w.: kein Maß haben für etw.; i.ü.S.: maßlos sein; übertriebene Forderungen stellen)

·      die Wudds mache (w: die Wutz machen; i.ü.S.: es übertreiben; sich hemmungslos gehen lassen)[3]

·      Jedds machemòòl halblòng!“ (Jetzt bleib’ mal auf dem Teppich! Jetzt übertreib’ nicht so sehr!)

·      ùffem Debbich bliwwe (w.: auf dem Teppich bleiben; i.ü.S.: Maß halten; vernünftig bleiben; es nicht übertreiben)

·      „Ich glääb, du bisch(d) memm Rissa vawònd!“ (w.: Ich glaube, du bist mit dem ‚Reißer‘ verwandt! I.ü.S.: Jetzt übertreibst du aber! / Das ist bestimmt gelogen oder erfunden!) - Dieser Ausspruch ist nur in Ensheim bekannt, weil er sich auf einen Ensheimer Bürger bezieht, der im Dorf als großer Aufschneider bekannt war, dem man nichts glauben konnte und der deshalb den Necknamen „Rissa“ bekommen hatte. Man gebraucht diese Redensart, wenn man der Meinung ist, die Aussage seines Gesprächspartners sei rein erfunden oder die aufgestellte Behauptung sei fürchterlich übertrieben.[4]

 

Anmerkungen

[1] Damit will man zum Ausdruck bringen, dass jemand, der es sich eigentlich gar nicht leisten kann, seinen Geburtstag so luxuriös feiert wie jemand, der wirklich ein großes Vermögen besitzt.

[2] Vgl. Duden, op. cit., 315. Nach dieser Quelle ist damit gemeint, dass jemand so ungestüm und plump in ein Haus drängt, dass er dabei die Tür aus den Angeln reißt und samt der Tür ins Haus stürzt.

[3] Im Schriftdeutschen gibt es den Ausdruck die Sau rauslassen. Vgl. Duden, op. cit., 821.

[4] Es handelt sich um den längst verstorbenen Ludwig Ziegler, besser bekannt als Luggse Lui. Er war in der Tat ein Ensheimer Original und sorgte mit seinen Schwindeleien immer wieder für Heiterkeit.

Dazu eine Kostprobe: „Dòò sinnich doch emòòl medd minnem Puddscha vùnn Fechinge nòh Ensemm gefahr ùnn ich dängge òn nìggs Beeses, dòò kimmd iwwaräämòòl e Weschb geflòò, huggd sich vòòre uff minn Rääf ùnn schdichd ma pladd! Wiesgewidda wäär ich in de Schooseegraawe gefahr!“ (etwa: Da bin ich doch mal mit meinem Motorrad von Fechingen nach Ensheim gefahren und denke an nichts Böses; plötzlich kommt eine Wespe geflogen, setzt sich auf mein Vorderrad und sticht mir platt. Fast wäre ich in den Straßengraben gefahren.)

Und noch eine: „Dòò hònnich doch leddschdens minn Jubbe ùff de Schbicha gehùngk fa se Lìffde; wie ich ne e paa Daa schbääla wiLLa hòlle wolld, hònn nùrre noch die Knebb òm Bichel gehùngk, alles ònnarre hònn die Modde gefräss!“ (etwa: Kürzlich habe ich meine <Anzugs>Jacke zum Auslüften auf die Bühne <unterm Dach> gehängt; als ich sie einige Tage später wieder holen wollte, hingen nur noch die Knöpfe am Kleiderbügel; den Rest haben die Motten gefressen!)

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© Paul Glass 2000-2001