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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Wenn man die nachfolgenden Begriffe analysiert, so stellt man auch hier fest, dass die meisten Redensarten und Ausdrücke eher negativ belegt sind, also eher dazu benutzt werden, einen Zustand oder Vorgang zu kritisieren:
·
blòdd òòn sìnn; flìgg ~ (für die Jahreszeit oder das entsprechende Wetter
zu dünn angezogen sein) ð
„Mänsche nìdd, dasse e Idee|che se flìgg òòn-wäärsch? Ma hònn
doch noch känn Sùmma!“ (Meinst du nicht, du wärst ein bißchen zu dünn
angezogen? Wir haben doch noch keinen Sommer!)
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boodsich sìnn (i.ü.S.: eitel sein; sich gerne auftakeln)
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e fäina Maggs sìnn (i.ü.S.: gestriegelt und gestylt sein)
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va|boodsd sìnn; ~ rùmlaafe (i.ü.S.: aufgetakelt sein)
·
die Schìssa|lùmbe russ|hängge lònn (i.ü.S.:
das Hemd aus der Hose heraushängen lassen)
·
wie e Hääd erùmlaafe
(w.: wie ein
Heide herumlaufen; i.ü.S.: ungepflegt sein; sich ~ in der Öffentlichkeit
zeigen) ð „Nää!
Nää! Lissbedd! Oua Mähle lääfd wie e Hääd im Dorf erum! Wass kònsche
dass nùrre zùù-gänn?“[1]
·
wie e Zichäina erùmlaafe (w.:
wie ein Zigeuner herumlaufen; i.ü.S.: ungepflegt sein; sich ~ in der Öffentlichkeit
zeigen) ð „Wännde
u(ffe)m Gebbärch rùmleefsch(d) wie e Zichäina, dònn ìsch ma’s egal; awwa
im Dorf leefsche medd däärdòo schnäiLich Bùggs nìdd erùm!“
·
aarich gemoodseld sìnn (sehr unpassend und unvorteilhaft gekleidet sein)
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ùss|sìehn wie e Poodche; ~ e Poode|gìeßasch
(i.ü.S.: unvorteilhaft, schlecht gekleidete Frau)
·
aarich gemuschdadd sìnn (w.:
arg gemustert sein; i.ü.S.: sehr unpassend, unvorteilhaft oder geschmacklos
gekleidet sein)
·
‘s hennaschd ‘s fellaschd òònhònn (w.:
das hinterste zuvorderst tragen; i.ü.S.: ein Kleidungsstück falsch herum
tragen)
·
memm wärdaase Kiddel|schirds ins Dorf laafe (w.:
mit der nur für Werktage bestimmten Kittelschürze einkaufen gehen; i.ü.S.:
unangemessen gekleidet ins Dorf gehen, um Besorgungen zu machen)
·
sich grusslich va|boodse kìnne (w.: sich sehr verkleiden können; i.ü.S.:
sich sehr unvorteilhaft kleiden) ð
„Hasches Greedel demorje im Hooch|òmd ‘s Naachmòòl hòlle gesìehn?
Dassäll kònn sich jòò aa grusslich va|boodse, fìnsche nìdd aa!“
(Hast du die Gretel heute morgen im Hochamt gesehen, wie sie die Heilige
Kommunion empfangen hat? Die kann sich ja sehr unvorteilhaft kleiden, findest du
nicht?)
·
grusslich gepossd sìnn (w.: arg veredelt sein; i.ü.S.: sich seltsam bzw.
geschmacklos kleiden) ð
„Dassäll kìnnd sich aa mòòl ònnaschd òòn|dùùn, 's ìschòò
grusslich gepossd!“ (Diese Frau könnte sich auch mal anders anziehen; sie
kleidet sich sehr unpassend.)
·
wie e Fùschd ùffs Au sìnn (w.: wie eine Faust aufs Auge sein: i.ü.S.: überhaupt
nicht zusammenpassen)
·
e schnäiLiches Kaboddche ùffhònn (einen unpassenden Hut tragen)[2]
·
va|hääsd sìnn
(Das sagt
man, wenn Hose, Rock oder Mantel durch das Laufen auf regennasser Straße
verspritzt werden.) ð „Hagùdd,
ìsch der Mòndel wiLLa va|hääsd! Awwa ìschòò känn Wùnna bäi dämm dòò
Sou| wäLLa!“ (Meine Güte! Was ist mein Mantel wieder hinten verspritzt!
Aber das ist ja bei diesem Sauwetter auch kein Wunder!)
·
Parissa Schìggelcha ùnn Kella|daala Fìeß.
(w.: Pariser Schühchen und Köllertaler Füße) – Diesen wenig
schmeichelhaften Vergleich gebraucht man, wenn eine Frau mit kräftigen Füßen
zierliche Schuhe anziehen will.
·
e Bisde|halda hònn wie e Zweimònns|zäld
(w.: einen BH haben, so groß wie ein 2-Personen-Zelt; i.ü.S.: einen BH
mit Übergröße haben)
·
sich a paa|mòòl òm Daa schdrìbbe; ~ ònnaschd òòndùùn
(i.ü.S.: sich mehrfach am Tag umziehen)
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sich a paa|mòòl schdrìbbe mìsse (sich mehrfach umziehen müssen wegen nasser
Kleidung; z. B. nach dem Schlittenfahren.) ð
„Jedds schdrìbb dich ‘s erschd ùnn hängk die fìchde KlääLa ìwwa
de Oowe!“ (Jetzt zieh’ zu-nächst die nassen Sachen aus und hänge sie
zum Trocknen über den Ofen.)
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„Änna Aff mìchd zeh!“ (Was einer modemäßig vormacht, machen zehn nach![3])
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‘s Schòmmass|schirds ùssdùùn (i.ü.S.: die alte Küchenschürze ausziehen, z. B.
wenn man sich an den Tisch zum Essen setzt)
·
‘s sùnndaase Hämmed òòndùùn (w.:
das Sonntagshemd anziehen; i.ü.S.: ein weißes Hemd anziehen)
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de Sùnndaase òòndùùn
(den
Sonntagsanzug anziehen)
·
de sùnndaase Òòndsùùch òòndùùn (den
Sonntagsanzug anziehen)
·
die sùnndaase KlääLa òòndùùn (den
Sonntagsstaat anziehen)
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‘s sùnndaase Kläädche òòndùùn (das
Sonntagskleidchen anziehen)
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die Sùnndaase Schìggel|cha òòndùùn (die
feinen Sonntagsschuhe anziehen)
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e Mònschesda|bùggs òòndùùn (w.: eine Manchesterhose anziehen; i.ü.S.: eine
Cordhose tragen)
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e LäLLa|bùggs òòn|dùùn (w.: eine Lederhose anziehen)
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e Schlebbche òòndùùn
(einen
Schlips anziehen)
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e Mìgg òòndùùn (i.ü.S.: eine Fliege anziehen)
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de Hochzidds|òòndsùùch òòndùùn (den Hochzeitsanzug anziehen)
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e Nilloon|hämmed òòndùùn (ein
Nylonhemd anziehen)
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e Pussìer|dìechel|che inschdegge (ein Einstecktuch tragen)[4]
·
e schnaddses Òòndsiechelche òònhònn
(einen modischen Anzug tragen)
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e Schbäddsjes|bùggs òònhònn (eine hautenge Hose tragen) ð „Die
Mädds-ja òm Sòngd Johònna Maagd hònn all Schbäddsjes|bùggse òòn.“
(Die Schönlinge vom St. Johanner Markt in Saarbrücken tragen alle hautenge
Hosen, welche die Größe des Geschlechtsorgans erahnen lassen.)
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Gallcha òònhònn (i.ü.S.: Hosenträger tragen)
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e Halbschdeesje ùffhònn (i.ü.S.: eine Art Melone tragen)
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e Hùdd ùffdùùn (einen Hut aufsetzen)
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e Hùdd|gesichd hònn
(w.: ein
Hutgesicht haben; i.ü.S.: Hüte gut tragen können)
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e Kabb òòndùùn (eine Mütze aufsetzen)
·
e Schnäbbe|kabb òòndùùn (i.ü.S.: eine Schirmmütze aufsetzen)
·
e Bìmbel|kabb òòndùùn (i.ü.S.: eine Pudelmütze aufsetzen)
·
e Naachd|kabb òòndùùn (i.ü.S.:
eine Bettmütze; Schlafmütze aufsetzen)
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's Kiddel|schirds òòndùùn (eine Küchenschürze in Hemdblusenform tragen)
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e Läib- ùnn Seelbùggs òònhònn (i.ü.S.: 1. eine Art Liebestöter tragen; 2.
eine große, sehr unerotische Unterhose tragen)[5]
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e SchubblaaLe|bùggs òònhònn (w.: eine Schubladenhose tragen; i.ü.S.: eine Hose
tragen, die den Hosenladen hinten hat)[6]
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die Bùggs meddera Schbängel zùù|mache
(w.: die offene oder zu enge Hose mit einer Sicherheitsnadel schließen)
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Hoochwassa hònn (Hoochwassa|bùggse òònhònn) (w.:
Hochwasserhosen tragen; i.ü.S.: Hosen mit zu kurzer Beinlänge tragen)
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„Die Frìehmäss lùùd eruss!“ (w.: Die Frühmesse guckt heraus! I.ü.S.: Der
Unterrock lugt unter dem Rock oder Kleid hervor.)
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„Die Bùggs dùdd schdrämme!“ (i.ü.S.: Die Hose ist zu eng.)
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„Mònche sìnn awwa aa ussgeschnied!“ (i.ü.S.:
Manche tragen ein Kleid oder eine Bluse mit einem zu großen Ausschnitt.)
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„Dämm kònnsche lùù'e bis òn die Zìchel|hìdd!“
(w.: Bei dieser Frau kannst du bis zur Ziegelhütte schauen! I.ü.S.: Diese Frau
trägt ein Kleid mit einem solch tiefen Ausschnitt, dass man(n) eine gute
Aussicht auf ihren Intimbereich hat.)[7]
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die Hänschinge lings mache (die Handschuhe auf links drehen)
·
die Mònschesda|bùggs lings mache (i.ü.S.: die Cordhose auf links drehen)
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e Dròss òn de Rògg mache (einen Rock mittels einer Querfalte verkürzen)
·
sich e Pärrds|schwòns mache (sich
einen Pferdeschwanz machen)
·
sich halblòng schniLLe lònn (i.ü.S.: sich einen halblangen Messerschnitt machen
lassen)
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sich Biedsche (Biedsch|cha) mache (sich Zöpfe flechten)
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in MooLe sìnn
(in Mode
sein; modern ~)
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„So e afficha Kärl!“ /
„So e affichi Tuud!“ (So ein eitler Kerl / ~ Frau!)
Anmerkungen
[1] Als Heiden bezeichnen die christlichen Glaubensgemeinschaften die Anhänger einer nichtmonotheistischen Religion.
[2] Der Begriff ist abgeleitet vom Frz. capote <Dach; Verdeck; Damenhut>..
[3] Bei Braun, op. cit., 129 ist das Verhältnis zwischen dem, der eine verrückte Mode erfindet und den Imitatoren noch krasser: 1 zu 100!
[4] Hier steckt das frz. Wort pousser <schieben; drängen; wachsen> drin.
[5] Diese Hose war eine Art Anzug, vergleichbar mit einem heutigen Body, aber mit langen Armen und Beinen, aber zwischen den Beinen offen. Dies erleichterte das „Geschäft“, vor allem bei Kindern.
[6] Die Hose war an spezielle Hosenträger genäht; sie war hinten offen wie eine Schublade und wurde mit drei Knöpfen geschlossen. Diese Hosen trugen früher vor allem die Kinder, damit man sie problemlos ab|hewwe konnte. Vgl. auch Braun, op. cit., 42.
[7] Vgl. Braun, op. cit., 57.
© Paul Glass 2000-2001