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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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19.  Ungehorsam, Delikte & Strafen

Auch bei diesem Thema fällt sofort die Fülle der Redensarten und Ausdrücke auf. Ungehorsam ist also nicht eine Erscheinung unserer Zeit, sondern gab und gibt es, seit Menschen ihre Nachkömmlinge zu erziehen versuchen. Nicht immer war und ist Erziehung erfolgreich, wie die nachfolgenden Beispiele deutlich machen:

·      nìdd horche (nicht gehorchen; ungehorsam sein) ðDass däär Bùùb ää(n)fach nìdd horche kònn!“ (Dass der Junge einfach nicht gehorchen kann!)

·      nìdd fòlliche (w.: nicht folgen; i.ü.S.: ungehorsam sein)

·      iwwa|haabd nìdd fòlliche (w.: mit Absicht nicht folgen; i.ü.S.: absichtlich ungehorsam sein)

·      äbbes ägspräss mache (i.ü.S.: etw. extra, absichtlich machen) ð "Dass michd's doch ägspräss!" (Das tut sie doch mit Absicht!)

·      digge Bagge mache (w.: dicke Backen machen; i.ü.S.: drohen)

·      äbbes fa Ärnschd mache (i.ü.S.:  etw. absichtlich tun)

·      iwwa|hewwich sìnn (i.ü.S.: quengeln) ð „ Wännich äbbes nìdd liLLe kònn, dònn sìnn’s iwaa|hewwiche Kenn!“ (Wenn ich etw. nicht leiden kann, dann sind dies quengelnde Kinder!)

·      iwwa|zwärch sìnn (i.ü.S.: 1. ungeschickt; 2. ungehörig sein; 3. unbere-chenbar sein) ðIch meechd wìsse, fawass däärsäll häid wiLLa so iwwa| zwärch ìsch?“

·      iwwa die Schdräng schlòòn (w.: über die Stränge schlagen; i.ü.S.: etwa. übertreiben; sich mehr herausnehmen als erlaubt war)[1]

·      Gralle mache (w.: Krallen machen; i.ü.S.: 1. aufbegehren; 2. drohen) ðJedds mach nùrre känn Gralle ùnn haLL dich gòns klään!“ (Jetzt drohe mir nicht, sondern sei ganz zurückhaltend!)

·      fräch sìnn wie de Drägg im Wää (w.: frech sein wie der Dreck im Weg; i.ü.S.: rotzfrech sein)

·      schnùddel|naasich sìnn (i.ü.S.: frech sein <vor allem bei Mädchen>)

·      Hòòr ùff de Zùng hònn (w.: Haare auf der Zunge haben; i.ü.S.: ein streitbarer Mensch sein)

·      Dämmsäll lùùd die NìggùLLichkääd uss de Au’e! (i.ü.S.: Ihm sieht man an den Augen an, dass er ein Gauner ist!)

·      nìdd sùwwa sìnn (w.: nicht sauber sein; i.ü.S.: Dreck am Stecken haben; nicht unbelastet sein)

·      ääm all Schònn mache (i.ü.S.: seinen Eltern große Schande bereiten)

·      nìdd die Wòòredd sòòn (w.: nicht die Wahrheit sagen; i.ü.S.: lügen)

·      in känn Kirch gehn (i.ü.S.: 1. nicht zur Messe gehen; 2. kein guter Christ sein)

·      noch nìdd fa zeh Pänning horche (w.: noch nicht einmal für 10 Pfennig gehorchen; i.ü.S.: überhaupt nicht folgsam sein) ðHagùdd! Ich kìnndne grad drassele! Däärsäll dùddoch noch nìdd fa zeh Pääning horche!“ (Verflixt nochmal! Ich könnte ihn glatt verprügeln! Der kann überhaupt nicht folgsam sein!)

·      die Ohre ùff Durch|dsùùch schdelle (i.ü.S.: etw. partout nicht hören oder anhören wollen)[2]

·      sich ùff allezwei Ohre daab schdelle (w.: sich auf beiden Ohren taub stellen; i.ü.S.: etw. partout nicht hören oder anhören wollen)

·      ùff allezwei Ohre daab sìnn (w.: auf beiden Ohren taub sein; i.ü.S.: etw. partout nicht hören oder anhören wollen)

·      ùff de Ohre hugge (w.: auf den Ohren hocken; i.ü.S.: nicht zuhören; Anord-nungen nicht befolgen) ðSaa mòòl, huggschu ùff de Ohre oLLa wass? Jedds hòll da Grooßmòmme e Ääma Brigedds rùff, awwa dabba!“

·      känna Häärd nòhgehn (w.: keiner Herde nachgehen; i.ü.S.: sich nicht wie alle anderen verhalten; individualistisch handeln)

·      „Däär sìdd ùnn härrd nìdd ùnn gedd känna Häärd nòh!“ (w.: Der sieht und hört nicht und geht keiner Herde nach! I.ü.S.: 1. überhaupt nicht gehor-chen; 2. notorisch ungehorsam sein; 3. eigensinnig sein)[3]

·      gaa känn Resuun im Buch hònn (i.ü.S.: gar keinen Respekt haben)

·      „Medd dämm ìsch känn grad Fuhr se fahre!“ (i.ü.S.: Mit dem kann man überhaupt nicht auskommen!)[4]

·      ‘s bäi jemònde im Sals läie hònn (i.ü.S.: jd. hat noch eine Rechnung mit jd. offen) ðMännche, pass ùff, wasse seesch(d). Du hasch(d)’s sowieso noch bäima im Sals läie!“ (Mein Freund, pass’ auf, was du sagst; ich habe mit dir sowieso noch eine Rechnung zu begleichen.)

·      medd jemònde de Flabbes mache (i.ü.S.: jdn. verarschen)

·      medd jemònde ‘s Peeda|che mache (i.ü.S.: jdn. verarschen)

·      medd jemònde de Schooges mache (i.ü.S.: jdn. verarschen)

·      medd jemònde de Nache (Narre) mache (i.ü.S.: jdn. verarschen)

·      Ballaawa mache (i.ü.S.: Radau machen)

·      Ballaawa òònfonge (i.ü.S.: Streit anfangen)

·      Zoores mache (i.ü.S.: 1. Radau machen; 2. Streit anfangen; 3. ein Durcheinander anrichten)[5]

·      Schbiränsja mache (w.: Sperenzchen machen; i.ü.S.: 1. sich ungebührlich benehmen; 2. sich anstellen; 3. sich gegen Vorschläge, Anordnungen etc. sperren)[6]

·      e Raasch hònn; raaschich sìnn (i.ü.S.: wütend sein; in Rage sein)[7]

·      Jachd mache (i.ü.S.: 1. Radau machen; 2. einen Streit vom Zaun brechen) ðOh, jeddse mach ma nùrre känn Jachd, sùnsch(d) schlòònich da òn de Ballòng!“ (Oh, jetzt mach‘ bloß keinen Radau, sonst setzt es Schläge!)

·      nùrre Däiwele|räie im Kobb hònn (w.: nur Teufeleien im Kopf haben; i.ü.S.: nur Unsinn oder niederträchtige Dinge im Kopf haben) ðIch meechd wìsse, vùnn wääm däär Nìggùdd dass hadd: nùrre Däiwele|räie im Kobb!“ (Ich möchte gerne wissen, von wem dieser Tunichtgut die schlechten Eigenschaften geerbt hat: er hat nur niederträchtige Dinge im Kopf!)

·      e rìchdìcha Däiwel sìnn (w.: ein richtiger Teufel sein; i.ü.S.: ein unaus-stehliches Kind sein)

·      de Däiwel im Pòns hònn (w.: den Teufel im Panzen haben; i.ü.S.: den Teufel im Leib haben; unbeherrscht, wild, temperamentvoll sein)[8]

·      äbbes fa Äggskies mache (i.ü.S.: etwas mit Absicht machen)[9]

·      Wass däärsäll nìdd im Kobb hadd, haLLa im Ärsch!“ (w.: Was der nicht im Kopf hat, das hat er im Hintern! I.ü.S.: Ihm fällt immer irgendein Unsinn ein.)

·      Flouse im Kobb hònn (w.: Flausen im Kopf haben; i.ü.S.: nur Unsinn im Kopf haben)

·      Schagrille im Kobb hònn (w.: Flausen im Kopf haben; i.ü.S.: nur Unsinn im Kopf haben)

·      nùrre Firds im Kobb hònn (w.: nur Fürze im Kopf haben; i.ü.S.: nur Unsinn im Kopf haben)

·      Fissema|dänncha mache (1. Unrechtes tun; 2. sich ungebührlich benehmen; 3. sich anstellen)[10]

·      e bess|zäggich Kend sìnn (i.ü.S.: 1. ein störrisches Kind sein; 2. ein ungezogenes Kind)

·      nìdd erùm|lùù’e (w.: <sich> nicht umschauen; i.ü.S.: rücksichtslos sein)

·      ùssa Rònn ùnn Bònn sìnn (w.: außer Rand und Band sein; i.ü.S.: 1. nicht zu bremsen sein; 2. rasend vor Begeisterung sein)[11]

·      Wänn die Kadds fùrd ìsch, dònse die Mies ù(ffe)m Dìsch! (w.: Wenn die Katze nicht anwesend ist, tanzen die Mäuse auf dem Tìsch; i.ü.S.: Wenn keine Aufsicht oder keine Kontrolle da ist, treibt es der eine oder andere zu bunt.)[12]

·      „Däärdòò hadd’s fuschd|digg henna de Ohre!“ (Er hat’s faustdick hinter den Ohren!)

·      wuschd sìnn (w.: wüst sein; i.ü.S.: böse; hässlich sein)

·      e wuschda Kärl sìnn (i.ü.S.: ein böser oder hässlicher Kerl sein)

·      e wuschdes Minsch sìnn (i.ü.S.: eine böse oder hässliche Frau sein)

·      Schinn|luuLa medd jemònde triewe (w.: mit jdm. Schindluder treiben; i.ü.S.: jdn. übel behandeln)[13]

·      „Däär ään raffd Schdään, däär ònna dùdd se wärfe!“ (w.: Der eine sammelt die Steine auf, der andere wirft sie. I.ü.S.: Einer stichelt einen anderen zu einer Tat an, die er nicht selber begehen möchte.)

·      e Vochel sìnn (w.: ein Vogel sein; i.ü.S.: nicht integer sein; ein kleiner Ganove sein)

·      unna die ReLLa kùmme (w.: unter die Räder kommen; i.ü.S.: völlig herunterkommen; moralisch und wirtschaftlich ruiniert werden)[14]

·      „Ou, ìsch däär dòò so diffisill!“ (w.: Oh, ist dieser Mensch so diffizil! I.ü.S.: Oh, ist dieser Mensch so schwierig!)[15]

·      e aldi Bisszòng sìnn (w.: eine alte Kneifzange sein; i.ü.S.: eine böse bzw. bösartige, auch streitsüchtige Frau sein)

·      uss da Hudd fahre (w.: aus der Haut fahren; i.ü.S.: wütend werden; die Fassung verlieren)

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Notorischer Ungehorsam ist immer wieder die Voraussetzung für eine mehr oder minder schwere „kriminelle Karriere“; Delikte sind also auch in der Mundart manifest geworden:

·      äbbes uss|gefräss hònn (etw. ausgefressen haben; ein Delikt begangen haben)[16]

·      Drägg òm Schdägge hònn (w.: Dreck am Stecken haben; i.ü.S.: etw. aus-gefressen haben; nicht integer sein)[17]

·      äbbes ù(ffe)m Kärbhols hònn (w.: etw. auf dem Kerbholz haben; i.ü.S.: 1. etw. ausgefressen haben; ein Delikt begangen haben; 2. Mehrfachstraftäter sein)[18]

·      „Klääne Grodde hònn aa Gifd!“ (w.: Kleine Kröten sind auch giftig. I.ü.S.: Auch kleine Übertäter haben es dick hinter den Ohren oder können ent-sprechend bösartig sein.)[19]

·      de Däiwel òòn|schdelle (w.: den Teufel anstellen; i.ü.S.: etw. anstellen; ein Delikt begehen)

·      kloue wie e Addsel (w.: stehlen wie eine Elster; i.ü.S.: oft stehlen; Klepto-mane sein)[20]

·      Gnebb drää’e (w.: Knöpfe drehen: i.ü.S.: Straftaten begehen)

·      jemònde prìddsche (i.ü.S.: jdn. betrügen)

·      de Geprìddschde sìnn (i.ü.S.: der Betrogene sein)

·      jemònde ‘s Klìddsje schdelle (w.: jdm. ein Klötzchen <auf>stellen, <über das er fallen soll>; i.ü.S.: jdm. ein Bein stellen)

·      schdränse gehn (i.ü.S.: Obst stehlen) ðKùmm, ma genn in die Hùm-masch| gäärde Ebbel schdränse!“

·      „Ich sìnn rìchdìch òòn|gerännd fa Suur|kirsche se schdränse!“ (i.ü.S.: Ich habe große Lust, Sauerkirschen zu stehlen.)

·      vùmm Schìdds va|wìddschd wärre (vom Feldschütz beim Obst- oder Ge-müsediebstahl erwischt werden)[21]

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Bei den Maßnahmen gegen Ungehorsam und Delikte sind es vor allem die Strafen, die sprachlich hervorgehoben werden. Allein für Sanktionen in Form von Schlägen gibt es jede Menge Ausdrücke:

·      ~ nass wäbbe

·      ~ änni tubbe (tùngge; schärre)

·      ~ va|schlòòn

·      ~ va|zwìwwele

·      ~ grìen ùnn blòò schlòòn

·      ~ schwaade

·      ~ dachdele

·      ~ nùsse

·      ~ drassele

·      ~ dresche

·      ~ va|meewele

·      ~ iwwa’s Gnìe lee’e

·      ~ henne|rùmm|hòlle

·      ~ fladdsche

·      ~ fluddsche

·      ~ fillaggse

·      ~ iwwa’s Mull fahre

·      ~ 's Fäll gärwe

·      schìLLe wie e Rohr|schbadds (w.: schimpfen wie ein Rohrspatz; i.ü.S.: jd. tüchtig ausschimpfen)[22]

·      ~ durch Sùnn ùnn Moond schlòòn (w.: durch Sonne und Mond schlagen)

·      ~ òn de Gäwwel haue (w.: an den Giebel hauen; i.ü.S.: an den Kopf schlagen)

·      ~ òn de Gäwwel schlòòn, dass die Zänn im Aasch Klawwìer schbìele (i.ü.S.: jdn. besonders heftig verprügeln; jdm. die Zähne einschlagen)

·      ~ die Gnoche im Läib kabudd schlòòn (w.: die Knochen im Leib kaputtschlagen; i.ü.S.: jdm. sehr hart verprügeln)

·      jemònd änni rùnna|schlòòn ð „Ich schlòòn da änni rùnna, dasse mänsch, e Pärrd hädd dich geträäd!“ (Ich haue dir eine runter, dass du meinst, ein Pferd habe dich getreten)[23]

·      ~ òn de Ballòng schlòòn (w.: an den Ballon schlagen; i.ü.S.: an den Kopf schlagen)

·      ~ òn de Baddäng schlòòn (i.ü.S.: an den Kopf schlagen)[24]

·      ~ òn de Nìschel schlòòn (i.ü.S.: an den Kopf schlagen)

·      ~ in die Fradds haue (schlòòn) (w.: in die Fratze hauen; i.ü.S.: ins Gesicht schlagen)

·      ~ òn die Lòmberie schlòòn (w.: an den lambris schlagen; i.ü.S.: an den Kopf schlagen)[25]

·      ~ òn de Bagge schlòòn (haue) (w.: auf die Backe schlagen; i.ü.S.: eine Ohrfeige verabreichen)

·      ~ ùff die Heere glòbbe / òn die Heere schlòòn (w.: auf die Hörner klopfen; i.ü.S.: eine Ohrfeige verabreichen)

·      ~ ùff de Deeds haue (i.ü.S.: jdm. auf den Kopf schlagen)[26]

·      ~ òn de Wirsching haue (schlòòn) (w.: jdm. an den Wirsching<kopf> schlagen; i.ü.S.: jdm. auf den Kopf schlagen)

·      jemònd de Kobb wesche (w.: jdm. den Kopf waschen; i.ü.S.: jdm. gründlich die Meinung sagen; jdn. schroff zurechtweisen)[27]

·      jemònde e Kobb kìrdsa mache (w.: jdn. einen Kopf kürzer machen; i.ü.S.: jdn. köpfen; jdn. mit dem Tode bestrafen) ðAlso, wäänich dänne Kludds| kobb va|wìddsche, dänne machich e Kobb kìrdsa!“

·      ~ ùffs Dubbee schlòòn; ~ änni ùffs Dubbee gänn (w.: jdm. auf das Toupet schlagen; ; i.ü.S.: jdm. auf den Kopf schlagen)

·      ~ in die Nesse|kull schlòòn (i.ü.S.: jdm. von hinten in den Nacken schla-gen)[28] ðIch glääb, du haschse nìmmeh all! Glìch schlòònich da in die Nesse|kull! Pass nùrre ùff!“ (Ich glaube, du spinnst! Gleich gibt’s einen Schlag in den Nacken! Pass‘ bloß auf!)[29]

·      ~ ùff die Bläss schlòòn (w.: jdm. auf die Blesse schlagen; i.ü.S.: jdm. ins Gesicht schlagen)[30]

·      ~ ins Kau|brädd schlòòn (w.: ins Kaubrett schlagen; i.ü.S.: jdm. in die Fresse hauen; jdm. die Zähne einschlagen)

·      ~ in die Fong|zänn schlòòn (w.: jdm. in die Fangzähne schlagen; i.ü.S.: jdm. in die Fresse hauen)

·      ~ ùff die Au‘e|deggele haue (w.: jdm. auf die Augendeckel hauen; i.ü.S.: jdm. einen Schlag an den Kopf versetzen)

·      ~ de Hinnarre haue (w.: den Hintern hauen)

·      ~ de Blòdde haue (w.: den entblößten <Hintern> hauen)

·      ~ e Fiedsje haue (schlòòn) (i.ü.S.: jdm. ein blaues Auge schlagen)

·      ~ Blòò|mòòle haue (i.ü.S.: jdn. verprügeln)

·      ~ in die Bùggs tabbe (w.: in die Hose tappen; i.ü.S.: in den Hintern treten)

·      ~ in de Aasch tabbe; ~ Ärsch ~ (i.ü.S.:<derb> in den Hintern treten) ð "Kùmm, ich trääLe dich in de Aasch, dass de Schùgg vòòre russkimmd!"

·      ~ de Ärsch (Aasch) haue (i.ü.S.: jdm. den Hintern hauen)

·      ~ in de Ärsch trääLe (i.ü.S.: in den Hintern treten)

·      ~ in die Hubb trääLe (i.ü.S.: in den Hintern treten)

·      ~ ins Fùrdsloch trääLe (i.ü.S.: in den Hintern treten)

·      ~ ins Puubloch trääLe (i.ü.S.: in den Hintern treten)

·      ~ in die Furm|schissel tabbe (w.: jdm. in die Formschüssel treten; i.ü.S.: in den Hintern treten) ðMùsch nùrre noch lòng mache! Dònn tabbich dìer in die Furm|schìssel, awwa fròò nìdd wie!“

·      jemònde in die Eia tabbe (w.: <derb> jmd. in die Eier treten; i.ü.S.: ~ in die Hoden treten)

·      jemònd ins Gehänge tabbe (i.ü.S.: <derb> ~ in die Hoden treten)

·      medda Mònschdròns enìnn|schlòòn (w.: mit der Monstranz dreinschlagen; i.ü.S.: seiner Wut freien Lauf lassen)[31]

·      jemònd die Flìdde schduddse (w.: jdm. die Flügel stutzen; i.ü.S.: den Taten-drang von jmd. einschränken) [32]

·      Fäng grìen; Schlee grìen; Gnebb ~ (Schläge, Prügel bekommen)

·      de Aasch gehau grìen (i.ü.S.: Schläge auf den Hintern bekommen)

·      sinne Säng grìen (i.ü.S.: Schläge bekommen)

·      jemònd änni schäbbarre (i.ü.S.: jdm. eine Ohrfeige verabreichen)

·      jemònde Schbudds gänn (w.: jdm. Spucke geben; i.ü.S.: jdm. Dampf unter den Hintern machen)

·      jemònd 's Mull schdobbe (w.: jdm. das Maul stopfen; i.ü.S.: jdn. zum Schweigen bringen)

·      jemònd änni wesche (i.ü.S.: jdm. eine Ohrfeige verabreichen)

·      medda Fuschd ùff de Dìsch schlòòn (haue) (w.: mit der Faust auf den Tisch schlagen; i.ü.S.: energisch auftreten, energisch vorgehen)[33]

·      jemònde änni gnalle (i.ü.S.: jdm. eine Ohrfeige verabreichen)

·      jemònd die Gralle wiese (w.: jdm. seine Krallen zeigen; i.ü.S.: jdm. zeigen, dass man sich nichts gefallen lässt)[34]

·      memm Hòmma enìnn|schlòòn (w.: mit dem Hammer dreinschlagen; i.ü.S.: seiner Wut freien Lauf lassen)

·      jemònd die Hòmmelbään lòng|zìehe (w.: jdm. seine Hammelbeine lang-ziehen; i.ü.S.: jdn. <bei der Arbeit> hart herannehmen, schinden)[35]

·      de Kobb geweschd grìen (w.: den Kopf gewaschen bekommen; i.ü.S.: die Meinung gesagt bekommen)

·      Nìssja (Kobb|nìssja) grìen (Kopfnüsse bekommen)

·      geschwaad (va|schwaad) wärre; gedrasseld wärre; sinn Fädd abgrìen (i.ü.S.: verprügelt werden; körperlich gezüchtigt werden)

·      Baddsch|hänn|cha grìen (w.: Patschhändchen kriegen; i.ü.S.: Stockschläge auf die flache Hand bekommen)[36]

·      „Ab ùnn zùù Schlee hònn noch nìmmònd geschaad!“ (w.: Gelegentliche Schläge haben noch niemand geschadet.)

·      òn de Sùnndaase (Hòòr) gezòh wärre (i.ü.S.: am Haaransatz vor dem Ohr gezogen werden)

·      jemònd òn de Hòòr robbe (jdn. an den Haaren ziehen)

·      jemònd òn de Sùnndaase (Hòòr) robbe (jdn. am Haaransatz vor dem Ohr ziehen)

·      So genn die Rómme iwwa’s Iss!“ (w.: So gehen die Raben über das Eis!)[37]

·      Dräimòòl dräi ìsch Bubenrächd! Rumpfbeuge vòrrwärds![38]

·      grische wie e Buch|maaLa (w.: kreischen wie ein Buch<?>marder; i.ü.S.: 1. ganz laut schreien; herzzerreißend schreien; 2. unartikuliert schreien)[39]

·      Jedds hadd’s Ärschel|che Kirb!“ (w.: Jetzt hat dein kleiner Hintern Kirmes. I.ü.S.: Jetzt bekommst du Schläge auf den Hintern.)

·      jemònde die Hòòr uss de Aue mache (w.: jdm. die Haare aus den Augen machen; i.ü.S.: jdm. die Meinung sagen)[40]

·      ~ de Kobb serächd|rìgge (w.: jdm. den Kopf zurechtrücken; i.ü.S.: jdm. die Meinung sagen)

·      ~ die Gärschd schniLLe (w.: jdm. die Gerste schneiden; i.ü.S.: jdm. die Meinung sagen)

·      ~ ùffs Dach schdäie (w.: jdm. aufs Dach steigen; i.ü.S.: jdn. zurechtweisen; in die Schranken weisen)[41]

·      ~ die Fleh fonge (w.: jdm. die Flöhe fangen; i.ü.S.: jdm. seine Flausen austreiben)[42]

·      jemònd die Seel ussem Läib schlòòn (w.: jdm. die Seele aus dem Leib schlagen; i.ü.S.: ihn heftig verprügeln)

·      ònnarre Sidde ùffzìehe (w.: andere Saiten aufziehen; i.ü.S.: <in Zukunft> strenger vorgehen)[43]

·      ~ sinne Schagrille uss|triewe (jdm. seine Flausen austreiben)

·      ~ de Maasch blòòse (w.: jdm. den Marsch blasen; i.ü.S.: jdm. gründlich die Meinung sagen)[44]

·      jemònd memm Schìer|hòòge va|schwaade (w.: jdn. mit dem Feuerhaken verprügeln; i.ü.S.: jdn. heftig verprügeln)

·      Mussich da’s ìmma hùnnaddmòòl preLLiche: Du sollsch(d) bäi Schrie-nasch nìdd òn de Rabaawa gehn!“ (Muss ich es dir immer hundertmal sagen, dass du nicht den Rhabarber der Familie Karren stibitzen sollst!)

·      ~ hämm|lichde (w.: jdm. heimleuchten; i.ü.S.: jdn. zurechtweisen)[45]

·      jemònd lìffde (schdääwe; schasse) (jdn. wegjagen) ðHadd doch dämm Lodde sinn Däiwel in minn Òndiewich brùnse wille! Awwa dänne hònnich gelìffd, ùnn fròò nìdd wie!“ (Da wollte doch tatsächlich Lottes Bengel auf meinen Endiviensalat urinieren! Den habe ich aber verjagt, und frag‘ nicht wie!)

·      ‘s Neschd usshewwe (w.: das Nest ausheben; i.ü.S.: eine Bande auffliegen lassen, überführen)

·      jemònd òn die Wònd blagge (w.: jdn. an die Wand werfen; i.ü.S.: jdn. hart körperlich züchtigen)[46]

·      alles kurds ùnn klään schlòòn (w.: alles kurz und klein schlagen; i.ü.S.: seiner Wut freien Lauf lassen)

·      in hohem Bòò eruss|flìehe (w.: in hohem Bogen herausfliegen; i.ü.S.: ohne viel Rücksicht hinausgeworfen, an die Tür gesetzt werden)

·      jemònd òm Schlafidd|che hòlle (w.: jdn. an den Schlagfittichen packen; i.ü.S.: jdm. am Kragen packen)[47]

·      jemònde òn de Kaduddsch holle (i.ü.S.: jdn. am Kragen packen)

·      jemònde die Hell heiß|mache (w.: jdm. die Hölle heißmachen; i.ü.S.: jdn. bedrängen; in die Mangel nehmen)[48]

·      jemònde Fìer ùnna da Aasch mache (w.: jdm. Feuer unter den Hintern machen; i.ü.S.: jdn. drängen; jdn. aufschrecken)

·      jemònde die Lewidde lääse (w.: jdm. die Leviten lesen; i.ü.S.: jdm. gründ-lich die Meinung sagen)[49]

·      „Ich kìnnd ne ùff de Moond schìeße!“ (w.: Ich könnte ihn auf den Mond schießen! I.ü.S.: Ich hätte große Lust, ihn zur Strafe dauerhaft aus meinen Augen zu verbannen.)

·      sich äbbes henna die Ohre schriewe (w.: sich etw. hinter die Ohren schrei-ben; i.ü.S.: aus der Verfehlung lernen und sie künftig unterlassen)[50]

·      jemònd òònschisse (w.: jdn. anscheißen; i.ü.S.: jdn. bei der Polizei anzei-gen) ðDe Babbe hadd emòòl ùffem Wiggaschbärch e Flämmche gemach ùnn glich drùff haddne jemònd bäim Schòndaam òòngeschess! Dass haddne schwäär gegrebbd!“

·      e Sach uss|baaLe mìsse (w.: eine Sache ausbaden müssen; i.ü.S.: die Konsequenzen tragen)[51]

·      sinn Sùbb sälwa uss|leffele (w.: seine Suppe selbst auslöffeln; i.ü.S.: für die Folgen seines Verhaltens die Konsequenzen übernehmen)

·      „Dònn kònnsche awwa biebele, ùnn fròò nìdd wie!“ (i.ü.S.: Dann musst du viel Geld zahlen, und wie!)

·      die Bään in die Hònd hòlle (w.: seine Beine in die Hand nehmen; i.ü.S.: so schnell wie möglich flüchten)

·      sìnn blòò’es Wùnna erlääwe (w.: sein blaues Wunder erleben; i.ü.S.: mit den Konsequenzen konfrontiert und von ihnen überrascht werden)[52]

·      „Glich hòllich’s Schwärrd ùnn schniLLe och die Hälsa ab!“ (w.: Gleich hole ich das Schwert und schneide euch eure Hälse ab!)[53]

·      Minn Fräind|che, jedds lùù awwa, dasse Lònd gewinnsch(d)! (w.: Mein Freundchen! Jetzt sieh‘ aber zu, dass du Land gewinnst! I.ü.S.: Mein lieber Freund, hau’ bloß ab!)

·      jemòndem wiese, wo de Zìmma|mònn ‘s Loch gelass hadd (w.: jdm. weisen, wo der Zimmermann das Loch <in der Wand> gelassen hat; i.ü.S.: jdn. hinauswerfen)

·      medd Schùh ùnn Schdrimb in die Hell kùmme (w.: mit Schuhen und Strümpfen in die Hölle kommen; i.ü.S.: schlimme Dinge ausgefressen haben)

·      medd jemònde òòn|schdännich wäLLarre (w.: mit jdm. kräftig wettern; i.ü.S.: jdn. kräftig ausschimpfen)

·      jemònde die Määning sòòn; ~ gäie (jdm die Meinung sagen)

·      jemònd e Ziggarr gänn (w.: jdm. eine Zigarre geben; i.ü.S.: jdn. zurechtweisen, tadeln)[54]

·      e Ziggarr grìen (w.: eine Zigarre bekommen; i.ü.S.: getadelt, zurecht-gewiesen werden)

·      jemònd Zùnna gänn (w.: jdm. Zunder geben; i.ü.S.: jdn. prügeln; 2. jdm. heftig zusetzen)[55]

·      medd Kanoone ùff Schbaddse schìeße (w.: mit Kanonen auf Spatzen schießen; i.ü.S.: mit ungerechtfertigter Härte vorgehen; zu unangemessenen Mitteln greifen; nicht die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren)[56]

·      de Schòndaam hòlle (w.: den Gendarm holen; i.ü.S.: den Dorfpolizisten herbeirufen)[57]

·      zùmm Schòndaam gehn (i.ü.S.: zur Polizei gehen; den Dorfpolizisten aufsuchen)

·      ùff die Schòndaamrie gehn (i.ü.S.: zur Polizei gehen)

·      e Gnellche grìen (w.: ein Knöllchen kriegen: i.ü.S.: eine gebührenpflichtige Verwarnung bekommen)

·      in de Kòhn gehn (i.ü.S.: ins Gefängnis gehen)

·      in de Bolles gehn; ins Kidd|che gehn (i.ü.S.: ins Gefängnis gehen)

·      im Bolles (Bulles; Kidd|che) hugge (i.ü.S.: im Gefängnis sein; sitzen)

·      inn|geschdeggd sìnn (i.ü.S.: im Gefängnis sein; sitzen)

·      inn|geschdeggd wärre (i.ü.S.: ins Gefängnis kommen)

·      Dämm Sou|hùnd mìssd ma de Grùddse erùnna|mache!“ (w.: Dieses Schwein müsste man einen Kopf kürzer machen. I.ü.S.: Diesen elenden Verbrecher müsste man zum Tod verurteilen.)[58]

·      jemònde in die rìchdìch Fuhr bringe (i.ü.S.: jdn. auf den rechten Weg zurückbringen)

·      medd jemònde Määschda wärre (w.: mit jdm. Meister werden; i.ü.S.: mit jdm. Herr werden)

·      sich gòns klään haLLe (w.: sich ganz klein halten; i.ü.S.: zurückhaltend sein.) ð „Òn dinna Schdell gähng ich mich jedds emòòl gòns klään haLLe!“ (An deiner Stelle wäre ich ganz zurückhaltend!)

·      jemònde Resuun bäi|bringe (i.ü.S.: jdm. Respekt beibringen)

·      sich nìggs meh bìeLe lònn (w.: sich nichts mehr bieten lassen; i.ü.S.: 1. durchgreifen; 2. sich wehren)

·      „Jedds haLL’s Mull ùnn fòllich!“ (i.ü.S.: Jetzt halte den Mund und gehorche!)

·      Ich will jedds känn Muggsa meh vùnn da härre!“ (Ich will jetzt keinen Ton mehr von dir hören!)

·      Hall äämòòl ‘s Mull!“ (Jetzt halte endlich mal deinen Mund!)

·      „Hall äämòòl dinn fräch Schnìss!“ (Jetzt halte endlich mal deinen Mund!)

·      „Hall äämòòl die Raffel!“ (Jetzt halte endlich mal deinen Mund!)

·      „Hall äämòòl dinn Schnuud!“ (Jetzt halte endlich mal deinen Mund!)

·      Jedds sìmma kidd! (Jetzt sind wir quitt!)

·      sämdliche Aue zùù|drìgge meddsòmd de Grähn|aue (w.: alle Augen nebst den Hühneraugen zudrücken; i.ü.S.: sehr nachsichtig sein)[59]

·      äbbes nìdd zùù|gänn (w.: etw. nicht zugeben; i.ü.S.: 1. etw. unter keinen Umständen erlauben; 2. etw. nicht zugeben; abstreiten)

·      Du kònnsch ma mòòl de Bùggel enùnna|ruddsche, ùnn fròò nìdd wie! (Du kannst mir den Rücken hinunterrutschen, und frag’ nicht wie sehr!)

·      die Kirch im Dorf lònn (w.: die Kirche im Dorf lassen; i.ü.S.: eine Sache nicht übertreiben; zurückhaltend sein)[60]

 


Anmerkungen

[1] Gelbhaar, op. cit., 126 führt den Ausdruck darauf zurück, dass dies ursprünglich eine Art Schnur gewesen sei, die dem Zimmermann geholfen habe, beim Behauen des Balkens die Richtung beizubehalten.

[2] Braun, op. cit., 45 sieht darin auch einen positiven Aspekt: Schdell die Ohre ùff Durschdsuuch! als Empfehlung im Sinne von Höre nicht auf das, was man zu dir sagt!

[3] Vgl. Braun, op. cit., 116.

[4] Unter Fuhr versteht man die Furche, die beim Zaggarre eines Feldes oder Ackers entsteht. Je geübter der Bauer war, umso geradliniger waren diese Furchen.

[5] Der Begriff Zores stammt aus dem Jiddischen und bedeutet <Ärger, Bedrängnis>. Vgl. Ursula Herrmann. Die neue deutsche Rechtschreibung. München 1996, 1030.

[6] Wie Bungert, Alles geschwätzt, 8 meint, leitet sich das Wort Schbiränsja vom lat. sperenza <Hoffnung> ab, wurde aber zum Wort sperren eingedeutscht.

[7] Hier stand das frz. rage <Wut> Pate.

[8] Vgl. Duden, op. cit., 719: In früheren Zeiten nahm man als Ursache von Krankheiten an, dass der Teufel in den Leib des Menschen gefahren sei. Besonders bei Tobsucht o. Ä. galt der Kranke als vom Teufel besessen. Die Wendung existiert auch im Frz.: avoir le diable au corps (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 49.)

[9] Dieser Ausdruck leitet sich vom frz. Wort excuse <Entschuldigung> ab. Vgl. auch Braun, op. cit., 151.

[10] Braun, op. cit., 148 beschäftigt sich ausführlich mit dieser Redensart und verweist die immer wieder anzutreffende Herleitung vom frz. Visitez ma tente, womit Landknechte die Dorfmädchen in ihr Zelt eingeladen hätten, ins Reich der Fabel.. Sie übernimmt das bisherige Ergebnis der sprachgeschichtlichen Forschung; demnach sei der Begriff wohl im 15. Jh. im Rheinland entstanden aus dem lat. visae patentes (ordnungsgemäß geprüfte Patente) und dem mhd. visament (Gesicht, Aussehen).

[11] Wie Gelbhaar, op. cit. ausführt, leitet sich die Redewendung von einem Vorgang ab, bei dem ein Holzfass aufplatzt, weil der gärende Wein die Bänder gesprengt und die Fassdauben zerrissen hat.

[12] Vgl. Braun, op. cit., 102.

[13] Vgl. Duden, op. cit., 619. ‘Schindluder‘ ist eine veraltete Bezeichnung für das kranke oder alte Haustier, das zum Schinder (= Abdecker) gebracht wird. Die Wendung bedeutete also ursprünglich ‚jmdn. wie ein elendes Tier behandeln.‘

[14] Vgl. Duden, op. cit., 564: Diese Wendung geht von dem Unglück aus, das jemandem widerfährt, wenn er unter die Räder eines Wagens kommt, wenn er überfahren wird.

[15] Hier stand des frz. Wort difficile <schwierig> Pate.

[16] Laut Gelbhaar, op. cit., 110 kam die Wendung zustande, weil jemand einen Topf ohne Erlaubnis des Besitzers aus- bzw. leergefressen hatte.

[17] Vgl. Duden, op. cit., 158, wonach die Redensart davon ausgeht, dass manchmal nur noch am Spazier-stock erkennen kann, dass jemand durch Schmutz gewatet ist, weil beim Säubern des Schuhwerks und der Kleidung der Stock gewöhnlich vergessen wird. Mit diesem Bild soll einem Menschen vor Augen geführt werden, dass er jetzt zwar moralisch einwandfrei lebt, in der Vergangenheit aber auch etwas Unrechtes getan hat.

[18] Gelbhaar, a.a.O., zufolge war das Kerbholz früher der "Schuldschein des Kleinen Mannes", auf dem die jeweiligen Schulden per Kerbe festgehalten wurden. Wer viele Schulden hatte, der hatte viel auf dem Kerbholz. Vgl. auch Duden, op. cit., 380: das Kerbholz diente im 18. Jh. dazu, Warenlieferungen, Arbeitsleistungen und Schulden aufzuzeichnen und abzurechnen. Und zwar wurden in einen längs gespaltenen Holzstab alle Vermerke eingekerbt. Je eine Hälfte behielten zur gegenseitigen Kontrolle der Schuldner und der Gläubiger.

[19] Vgl. Braun, op. cit., 100, derzufolge die Wendung bedeutet, dass man kleine Menschen nicht unter-schätzen soll.

[20] Vgl. Braun, op. cit., 105.

[21] In den Sechziger Jahren, die noch nicht vom Wohlstand geprägt waren, kam so etwas öfter vor, wenn man als Kinder fremdes Obst „pflückte“ – auch wenn dieses Obst letztendlich gar nicht geerntet wurde. Aber Ordnung musste sein.

[22] Wie Braun, a.a.O., ausführt, handelt es sich beim Rohr|schbadds überhaupt nicht um einen Spatz, sondern um eine Rohrammer, deren Lebensraum das Schilf ist. Sie sei vor allem wegen ihrer lauten Warnrufe bekannt geworden.

[23] Bei Braun, op. cit., 125 tritt als Tier eine Kuh in dieser Redensart auf.

[24] Hier stand das frz. Wort bâton Pate. Vgl. Albrech/Raasch, Wörter französischen Ursprungs in saarländischen Dialekten. Saarbrücken 1987, 59.

[25] Das frz. lambris steht für eine Wandvertäfelung.

[26] Hinter Deeds verbirgt sich das frz. tête <Kopf>.

[27] Vgl. Duden, op. cit., 404.

[28] Bei Braun, op. cit., 100 ist Ziel der gleichen Aktion die Leiskaul. Der Ensheimer Begriff Nesse|kull leitet sich von den Nissen ab, den Eiern der Läuse.

[29] Das Wort Kull leitet sich ab vom mitteldt. Kaule <Vertiefung, Mulde, Grube>. Vgl. Seibicke, op. cit., 156

[30] Vgl. Braun, op. cit., 126: Eine ‚Bleß‘ ist eine Kuh mit weißem Fleck auf der Stirn.

[31] Vgl. auch Braun, op. cit., 68.

[32] Diese Wendung existiert auch im Frz.: rogner les ailes à qn

[33] Vgl. Duden, op. cit., 195.

[34] Vgl. Duden, op. cit., 413: Diese Wendung bezieht sich auf das Verhalten von Raubkatzen, die beim Angriff ihre Krallen herausstrecken.

[35] Vgl. Duden, op. cit., 297 wonach dieser Ausdruck aus der Soldatensprache stammt und sich vermutlich auf den Drill bezieht. Man drohte den Soldaten, die sich nicht kerzengerade aufstellten, mit dieser Wendung.

[36] Das war eine geläufige Form der Züchtigung in der Schule vor ca. 1965. Sie war vor allem für die Mädchen bestimmt. In der Ensheimer Schule waren vor allem die Baddsch|hänncha von Schwester Soteris gefürchtet: kurzer Ansatz, harter Schlag...

[37] Das sagt man, wenn man jemand als leichte Strafe mit den Fingerkuppen auf den Kopf schlägt oder mit den Fingernägeln auf der Kopfhaut „spazieren geht“

[38] Spruch zur Einleitung der körperlichen Züchtigung bei Lehrer Reinhard: Der Delinquent musste sich bei diesem Kommando über die erste Bank legen mit dem Gesicht zur Klasse und bekam 3 Hiebe mit einem Rohrstock. Wer als zweiter in der Stunde auffiel, bekam deren sechs; der dritte schon neun. Danach fiel niemand mehr auf. ;-)

[39] Vgl. Braun, op. cit., 109, die sich zu Recht darüber wundert, dass man ausgerechnet den Marder mit mörderischem Geschrei in Verbindung bringt, weil doch dieser sich bei seinen nächtlichen Aktionen, etwa auf Dachböden, stets solcher Laute enthalte.

[40] Vgl. Braun, op. cit., 15.

[41] Wie Gelbhaar, op.cit., 112 schreibt, war dies ursprünglich eine gesellschaftliche Strafe im Dorf für jeden, der gegen die dörflichen Bräuche und Sitten verstoßen hat. Dabei wurde das Dach des Delinquenten abgedeckt!

[42] Braun, op. cit., 98 hält diese Redensart für brutal, weil man dem Delinquenten androht, dass man ihm die Flöhe fangen und noch gleich am Körper totschlagen will.

[43] Vgl. Duden, op. cit., 602: Werden bei einem Musikinstrument die Saiten ausgewechselt, so verändert sich der Klang, die Tonart des Instrumentes.

[44] Braun, op. cit., 91 zufolge war seit dem 17. Jh. Maasch als militärisches Signal, das zum Aufbruch rief, bekannt.

[45] Gelbhaar, op. cit., 69 f zufolge war dies früher eine höfliche Aufforderung zu gehen. Man bot sich an, dem Gast <mit einer Funzel> heimzuleuchten, damit er sich nicht verlaufen sollte.

[46] Auf dem Land ist es üblich, dass Bauern frischgeborene Katzen an die Wand werfen, um so ein Überhandnehmen der Katzenschar auf dem Bauernhof zu verhindern.

[47] Wie Gelbhaar, op. cit. 31, meint, bedeutete dies, dass eine Gans, die man bei den Flügeln gepackt hatte, sich nicht mehr wehren konnte.

[48] Vgl. auch Braun, op. cit., 59.

[49] Wie Braun, op. cit., 70 ausführt, geht diese Wendung auf das 15. Jh. zurück, als in den Klöstern den Mönchen und Nonnen täglich aus dem Leviticus, dem 3. Buch Moses vorgelesen und dies mit individuellen Ermahnungen und Tadel verknüpft wurde.

[50] Laut Gelbhaar, op. cit., 33 f, ist diese Redewendung im Mittelalter entstanden, als man sich die Lage der Grenzsteine merken wollte.

[51] Wie Gelbhaar, op. cit., 38 erläutert, wurde im Mittelalter bei einem Vollbad das Badewasser von mehreren Personen nacheinander benutzt. Der letzte Benutzer musste die Wanne ausleeren und reinigen.

[52] Gelbhaar, op. cit., 62 führt die Wendung auf die Gaukler des Mittelalters zurück, die mit blauem Rauch ihre Zuschauer verblüfften.

[53] Mit diesem martialischen Spruch versuchte eine meiner Kusinen ihre Kinder zu bändigen, wenn sie allzu unartig waren.

[54] Die Herkunft dieser Wendung ist unklar. Vgl. Duden, op. cit., 833.

[55] Vgl. Duden, op. cit., 838: Zunder ist ein leicht entflammbares Material, das in dieser ... Wendung bildlich für das plötzliche Auflodern von Zorn und vielleicht auch für das Brennen der Schläge auf der Haut steht.

[56] Vgl. Braun, op. cit., 91.

[57] Bei diesem Begriff zeigt sich die wechselseitige Geschichte des Saarlandes, das mal zu Frankreich und mal zu Deutschland gehörte. Unter der frz. Verwaltung wurden die frz. Amtsbezeichnungen eingeführt, so auch der gendarme oder die gendarmerie.

[58] Das Wort Grùddse leitet sich vom rheinfränkischen Krutze ab und meint das Kerngehäuse eines Obstes, z. B. eines Apfels und wird in der obigen Wendung auf den menschlichen Kopf übertragen. Vgl. Seibicke, op. cit., 93.

[59] Vgl. Braun, op. cit., 14

[60] Vgl. Duden, op. cit., 384: Die Wendung beruht auf der Vorstellung, dass der angemessene Platz der Kirche in der Mitte eines Dorfes ist.

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