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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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18. Krankheiten, Unfälle & Verletzungen, Genesung & Tod

Solange es Menschen gibt, solange existieren auch schon viele Krankheiten. Krankheiten sind immer lästig, die meisten können inzwischen geheilt werden, manche aber führen nach wie vor zum Tod.

·      wiss wie e Linn|dùùch ùss|sìehn (w.: weiß wie ein Leinentuch aussehen: i.ü.S.: ganz bleich sein)

·      wiss wie Gried ùss|sìehn (w.: weiß wie Kreide aussehen; i.ü.S.: ganz bleich sein; kreidebleich sein)

·      kääs|wiss sìnn; kääsich lùù’e (i.ü.S.: kreidebleich sein)

·      ùùnwohl wärre (i.ü.S.: schlecht werden)

·      e Gròdd im Hals hònn (w.: eine Kröte im Hals haben; i.ü.S.: eine rauhe Stimme haben; heiser sein)

·      Halsweh hònn (Halsschmerzen haben)

·      gòns hääsa sìnn (ganz heiser sein)

·      digge Mòndele hònn (entzündete Mandeln haben)

·      de Hùùschde hònn (Husten haben)

·      de Bloddsa hònn (i.ü.S.: Husten haben)

·      de Schnubbe hònn (Schnupfen haben)

·      ùss|laafe (w.: auslaufen; i.ü.S.: eine Laufnase haben)

·      „Die Naas dùdd ma laafe bis dòrdenuss!“ (Mir läuft die Nase und zwar ungewöhnlich stark!)

·      äbbes ussbrìeLe (w.: etw. ausbrüten; i.ü.S.: mit einem beginnenden Infekt kämpfen) ðWass hadden oua Junga?“ – „Oh, ich wääß aa nìdd, awwa er schinnd äbbes usssebrìeLe!“

·      die Fregg hònn; de Dalles ~ (i.ü.S.: erkältet sein)

·      sich die Fregg hòlle; sich de Dalles hòlle (i.ü.S.: sich eine Erkältung zuziehen; sich erkälten)

·      die Pìbbs hònn (i.ü.S.: erkältet sein) ðIch hònn da’s doch wie degg gepreLLichd: Du’s Wesdje òòn, sùnsch(d) hasche glich die Pìbbs!“

·      ùffem Rìbb|schdròngk läie (i.ü.S.: 1. krank, erkrankt sein; 2. das Bett hüten) ðIsch‘s Mienche kròngk?“ – „Jòò, ‘s dùdd schùnn wiLLa zinda Määndaa ùffem Ribb|schdròngk läie.“ (Ist Wilhelmine krank? – Ja, sie muss schon wieder seit Montag das Bett hüten!)

·      de Rood|schinn hònn (i.ü.S.: erkältet sein; Grippe haben)

·      e fulla Bagge|zònd hònn (w.: einen faulen Backenzahn haben)

·      sich die Blòòs va|kelde (sich die Blase erkälten)

·      sich die Nìss va|kelde (w.: sich die Nüsse erkälten; i.ü.S.: sich die Blase erkälten)[1]

·      ‘s WaaLe|schnaLLarre hònn (w.: das Wadenschnattern haben; i.ü.S.: Das sagt man, wenn die Beine bei großer Kälte zittern)

·      zìLLarre wie Eschbe|laab (w.: zittern wie Espenlaub; i.ü.S. stark zittern) ðDu, dass war gischda owed ùffem Kirchhof so issich kald, ma hònn all gezìlladd wie Eschbe|laab!“ (Du, gestern abend war es auf dem Friedhof dermaßen kalt, dass wir alle vor Kälte gezittert haben.)[2]

·      de Wolleff grìen; sich de ~ hòlle (w.: den Wolf bekommen; i.ü.S.: sich eine Entzündung am Afterausgang zuziehen)[3]

·      de Wolleff hònn (i.ü.S.: sich eine Entzündung am Afterausgang zugezogen haben)

·      die Reddele grìen (i.ü.S.: an Röteln erkranken) ðHaschu als Kend aa die Reddele gehaad?“ (Warst du als Kind auch an Röteln erkrankt?)

·      die Ohre|klòmm hònn (i.ü.S.: an Mumps erkrankt sein)

·      dämsch sìnn (i.ü.S.: 1. Atemnot haben; 2. schwül sein) ðHeijeijei! Ich wääß aa nìdd, wass häid wiLLa medd ma lòss ìsch, awwa ich sìnn gòns dämsch!“ (Meine Güte! Ich weiß auch nicht, was heute mit mir los ist, ich bekomme gar keine Luft!)[4]

·      nìdd ääna|duùns sìnn (i.ü.S.: unwohl sein)

·      gòns ebbel|dänsich sìnn (ganz schwindlig sein) ðAlso ich kònn ùff da Trìll nìdd gùdd fahre; ich wärre glich gòns ebbel|dänsich!“ (Also, Karus-sellfahren ist nichts für mich; da wird mir ganz schnell schwindlig!)[5]

·      digge Au’e hònn (i.ü.S.: geschwollene Augen haben)

·      ‘s Maa|grùmmele hònn (1. Magenknurren haben; 2. Blähungen haben)

·      's òn da Läwwa hònn (Leberbeschwerden haben) ð‘S ìschò gaa känn Wùnna, dass du’s òn da Läwwa hasch(d); du siffschò wie e Loch!“ (Deine Leberbeschwerden wundern mich nicht; du säufst ja wie ein Loch!)

·      ‘s Maa|fìewa ùnn’s Abnämme hònn (i.ü.S.: Brechdurchfall haben) ðOu, hasche’s schùnn gehärd? Em Magreedche gedds gaa nìdd gùdd: ‘S hadd‘s Maa|fìewa ùnn’s Abnämme!“ (Ach, hast du schon gehört? Margarethe geht es gar nicht gut; sie hat Brechdurchfall!)

·      Ich hònn’s im Gepäns (Gedärm).“ (Ii1 ch habe Bauchschmerzen.)

·      „Ich hònn's im Maa!“ (i.ü.S.: Ich habe Magenschmerzen.)

·      Buchweh hònn (Bauchschmerzen haben)

·      die Schìss grìen; de flodde Oddo ~; de Dabba|laaf ~ (i.ü.S.: Durchfall bekommen)

·      de Gichdarre grìen (i.ü.S.: auf den Magen schlagen; Magenkrämpfe bekommen)

·      ‘s Därm|gichdarre grìen (i.ü.S.: auf den Magen schlagen; Magenkrämpfe bekommen)

·      ’s suure Ùffschdooße hònn (w.: saures Aufstoßen haben; i.ü.S.: an Refluxoesophagitis leiden)

·      Lùng ùnn Läwwa koddse (sich stark übergeben müssen)[6]

·      Zännweh grìen; Ohreweh ~; Kobbweh ~ (Zahn-, Ohren-, Kopfschmerzen bekommen)

·      e Schigg|bagge hònn (i.ü.S.: eine durch Zahnschmerzen verursachte Wangenschwellung haben)

·      gòns fulle Zänn hònn (w.: ganz faule Zähne haben)

·      òm Ärsch e Piddche hònn (w.: am Hintern ein Furunkel haben)

·      e Piddche ùff da Gùmschel hònn (i.ü.S.: auf der Nase ein Furunkel haben)

·      e Gebìss hònn (i.ü.S.: an Juckreiz leiden) ðOh, lägg mich in da Kabb! Isch dass häid wiLLa e Gebìss ùffem Bùggel!“ (Mein Gott! Was juckt es mich heute wieder auf dem Rücken!)

·      Wirm hònn (w.: Würmer haben) ðWämmìer frìeha Wirm gehaad hònn, hòmma ìmma Blogg|schòggelaad grìdd – die hadd awwa gòns ääglich geschmaggd!“ (Wenn wir früher Würmer hatten, mussten wir Blockschokolade essen; die schmeckte aber nicht sehr gut!)

·      gòns dirmelich sìnn (~ wärre) (i.ü.S.: ganz schwindlig sein; ~ werden)[7]

·      ärr wärre (irr, verrückt werden; geisteskrank werden)

·      gòns ùss da Räih sìnn (w.: ganz aus der Reihe sein; i.ü.S.: geisteskrank sein)

·      gòns nääwe|druss sìnn (i.ü.S.: geisteskrank sein; geistig umnachtet ~)

·      gòns ròmm|deesich wärre (w.: ganz rammdösig werden; i.ü.S.: 1. verrückt werden; 2. schwindlig ~)

·      e Wää|schìssa grìen (w.: einen Wegscheißer kriegen: i.ü.S.: ein Gerstenkorn bekommen)

·      e Griewe|schnìss grìen; e Grìeb grìen (i.ü.S.: Herpes am Mund bekommen) ðIch kìnnd grad uss da Bùggs schbringe: häid owed hònnich Beschdel-lung ùnn jeddse grìnnich noch e Griewe|schniss; dòò kònnich dass Minsch jòò gaa nìdd schmùddse!

·      e Grähnau grìen (w.: ein Krähenauge kriegen; i.ü.S.: ein Hühnerauge bekommen) ðBäi dänne Parissa Schìggelcha dòò bruchsche dich nìdd se wùnnache (wùnnarre), wännde e Grähnau grìsch(d)!“ (Wenn du bei diesen hochmodischen, aber viel zu engen Schuhen ein Hühnerauge bekommst, brauchst du dich darüber nicht zu wundern!)[8]

·      e Waadsel grìen (~ hònn) (eine Warze bekommen / haben)

·      die Grämm grìen (w.: Krämpfe kriegen; i.ü.S.: ganz steif werden)

·      die Grängk grìen (1. Krämpfe kriegen; 2. zuviel kriegen, sich ärgern; 3. vor Wut platzen) ðNää! Nää! Däär dòò Nìggùdd! Ich kìnnd grad die Grängk grìen!“[9]

·      Hämme|ridde hònn (Hämorrhoiden haben) ðDu, Ondoon, ich gähng gäär e Schnäbbsje tringge; awwa ich hònn Hämme|ridde, dòò dùdd ma henna|häär henne wiLLa alles weh!“ (Du, Anton, ich würde wirklich gerne einen Schnaps trinken; aber ich leide an Hämorrhoiden und die tun mir hinterher wieder entsprechend weh!)

·      vùnn de Hämme|ridde gepinnichd wärre (w.: von den Hämorrhoiden gepeinigt werden: i.ü.S.: Hämorrhoidenschmerzen haben)

·      sich òn de Hämme|ridde obberìere lònn (sich die Hämorrhoiden operieren lassen)

·      Huddel hònn memm Rùnsel|gummi (i.ü.S.: Schmerzen haben am Afterausgang bzw. am Schließmuskel) ð "Wass dùschen die gòns Zidd ùffem Schduhl hin- ùnn häär|rìddsche? Hasche Fleh?“ – „Nää! 'S Rùnsel|gummi dudd ma weh!"

·      die Gränd grìen (i.ü.S.: 1. Juckreiz auf dem Kopf bekommen; 2. Akne, Ausschlag bekommen)

·      „Ich hònn’s gòns vamässe im Grìdds!“ (Ich habe sehr starke Kreuzschmerzen!)

·      ‘s Risse hònn (i.ü.S.: Kreuz- oder Magenschmerzen haben)

·      e weh Bään hònn (Beinschmerzen haben) ðAlso, Härr Dòggda, wänn’s WäLLa umschleed, hònnich imma glich e weh Bään!

·      de Gròmbe grìen (einen Wadenkrampf bekommen)

·      de Gròmbe im Bään hònn (einen Krampf im Bein haben) ðOh, Lisbedd, ich wääß gaa nìmmeh, wassich mache soll: ‘s vagedd känn ään Naachd, wo ich nìdd de Gròmbe im Bänn hònn! ’S ìsch nìmmeh se mache!“

·      iwwa die Brùschd zòhne (i.ü.S.: unter Schmerzen die ersten Zähne bekommen ðOu, fawass dùdd dònn dass Klään so bääre?“ – „Ei, ‘s dùdd awill grad iwwa die Brùschd zòhne!“ (Warum schreit denn die Kleine so? – Sie bekommt ihre ersten Zähne und hat entsprechend starke Zahn-schmerzen!)

·      „Ma gedd’s sou|schlächd!“ (Mir geht es sehr schlecht!)

·      Ma ìsch’s gòns roulich!“ (Mir ist total schlecht!) ðWass bìschen so kääswiss im Gesichd? Isch’s da nìdd gùdd?“ – „Nää! Ma ìsch’s gòns roulich! Ich glääb, ich muss glich koddse!“

·      „Die beschd Grònggedd dauchd nìggs!“ (w.: Die beste Krankheit taugt nichts.) ðHeijeijei! Jeddse hònnich schùnn wiLLa die Fregg!“ – „Jòò! Jòò! Die beschd Grònggedd dauchd nìggs!“

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Behinderungen und körperliche Gebrechen werden natürlich auch von unserer Mundart erfasst:

·      memm linggse Au in de rächde Bùggse|sagg lùù’e (w.: mit dem linken Auge in die rechte Hosentasche schauen; i.ü.S.: schielen)[10]

·      e Bùggel hònn (i.ü.S.: einen Rundrücken haben)

·      òm Schdägge gehn (1. mit einem Stock laufen; 2. total erledigt, kaputt sein) ðZinda|wònneh gedd dònn‘s Klärche òm Schdägge?

·      òn Grìgge gehn (mit Krücken laufen)

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In einer Zeit, wo es noch keine amtlich verordneten Vorschriften zur Unfallvorbeugung gab, waren Unfälle und Verletzungen an der Tagesordnung, vor allem auch nach dem Beginn der Industrialisierung, die für die nicht abgesicherten Arbeiterinnen und Arbeiter ein neues Gefährdungspotential mit sich brachte:

·      änni gebùddsd grìen (i.ü.S.: einen elektrischen Schlag bekommen)

·      va|schòmerìerd sìnn (i.ü.S.: 1. Hautabschürfungen haben; 2. verletzt sein)

·      e Bollau hònn; e Bouse hònn (eine Beule haben)

·      e Fiedsje hònn (i.ü.S.: ein blaues Auge haben)

·      e Blodds|blagge hònn (i.ü.S.: eine Beule; ein Wundmal haben)

·      Blòò|mòòle hònn (w.: blaue Male haben; i.ü.S.: blaue Flecken haben)

·      gòns va|bawwadd sìnn (i.ü.S.: mit Beulen übersät sein)

·      sich ränne (i.ü.S.: sich stoßen)

·      sich de Gnouse (Bouse; Wirsching; Nìschel) ränne (i.ü.S.: sich den Kopf anstossen)

·      sich gnubbe (w.: sich knuffen; i.ü.S.: sich stoßen)

·      Schdroom grìen (w.: Strom kriegen)[11]

·      sich die gäggich Òòda ränne (w.: sich die empfindliche Ader stoßen; Strom kriegen) ðIch hòmma demorje die gäägich Òòda gerännd; ich hädd haad grische kìnne, so hadd dass wehgedòòn! Ich sòòn da’s!“

·      sich die Gnoodsche va|bränne (sich die Finger verbrennen)

·      Gebb|aasch grìen (i.ü.S.: Prellungen am Hintern bekommen, z.B. beim Schlitten- oder Fahrradfahren auf holprigem Untergrund)

·      ùff die Fräss felle / ùffs klään Frässje felle (auf die Fresse fallen)[12]

·      ùff de Kòbb felle (w.: auf den Kopf fallen)

·      ùff's Gridds felle (w.: auf das Kreuz fallen; i.ü.S.: auf den Rücken fallen)

·      ùff's Troddwaa felle (w.: auf den Bürgersteig stürzen)

·      „Vòòr Wònnemachasch hadd's geschäbbadd!“ (Vor dem Lebensmittelgeschäft Wannemacher gab es einen Autounfall.)

·      jemònd iwwa de Huffe fahre (w.: jdn. über den Haufen fahren)

·      e Schbreisel hònn (einen Splitter unter der Haut haben)[13]

·      e Schnaddse hònn (eine Risswunde haben)

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Folgende Ausdrücke sind für die Frauen reserviert:

·      sinne Daa grìen (i.ü.S.: die Periode bekommen)

·      die rood Wùch hònn (i.ü.S.: die Menstruation haben)

·      die flìehend Hìdds grìen (~ hònn) (w.: die fliegende Hitze kriegen; i.ü.S.: Hitzewallungen bekommen, v. a. in den Wechseljahren)

·      e Kend grìen (ein Kind bekommen)

·      e Bobbel|che grìen (ein Kind bekommen)

·      e Kend wägg|mache lònn (w.: ein Kind wegmachen lassen: i.ü.S.: abtreiben lassen)

·      die Hewwòng hòlle (w.: die Hebamme holen; i.ü.S.: die Hebamme rufen, weil die Geburt bevorsteht)

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Krankheiten, Verletzungen, Menstruation und Geburt sind fast immer mit mehr oder weniger großen Schmerzen verbunden:

·      e Hùffe Pinn hònn (w.: einen Haufen Pein haben; i.ü.S.: sehr starke Schmerzen haben)

·      vòòr ludda Pinn die Fräi|maag va|zìehe (w.: vor lauter Pein die Freimarke verziehen; i.ü.S.: ein schmerzverzerrtes Gesicht machen)

·      pinse ùnn äänse (i.ü.S.: wehleidig sein)

·      ùss|sìehn wie’s LääLe Grisdi (w.: aussehen wie das Leiden Christi; i.ü.S.: sehr bedauernswert sein)

·      „Ma kìnnd’ne duure!“ (w.: Man könnte ihn bedauern! I.ü.S.: Er tut mir so leid!)

·      die Zänn sòmme|bisse (w.: die Zähne zusammenbeißen; i.ü.S.: tapfer sein und die Schmerzen aushalten)

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Jede Kranke ist bemüht Heilung zu finden. Heute gibt es dichtes Netz von Ärzten aller möglichen Fachrichtungen; damals gab es höchstens in der Stadt einen medicus oder vielleicht auch mehrere medici. Entsprechende schlecht war die ärztliche Versorgung, entsprechend gering auch die Heilungschancen bei vielen Krankheiten. Die Alternative zum fehlenden medicus waren die VolksheilerInnen.

·      bruche lònn (i.ü.S.: eine Krankheit beschwören lassen)

·      zùmm Brucha gehn (i.ü.S.: eine Krankheit von einem Geistheiler beschwö-ren lassen)

·      sich gesundbääLe lònn (w.: sich gesundbeten lassen)

·      zùmm Doggda gehn (einen Arzt aufsuchen)

·      ins Gròngge|huss gehn (~ kùmme) (ein Krankenhaus aufsuchen; ins ~ eingewiesen werden)

·      e Gròngge|schinn mache (w.: einen Krankenschein machen)

·      e Gääla mache (w.: einen gelben <Zettel> machen; i.ü.S.: einen Krankenschein machen)[14]

·      sich kròngk|schriewe lònn (sich krankschreiben lassen)

·      sich abhorche lònn (i.ü.S.: sich die Lunge abhören lassen)

·      sich äbbes va|schriewe lònn (sich etw. verschreiben lassen)

·      Hùùschde|safd hòlle; Tròbbe ~; Tablädde ~ (Hustensaft, Tropfen, Tabletten einnehmen)

·      Zäbb|cha hòlle (i.ü.S.: Zäpfchen einführen)

·      medd Salbei gurchele (w.: mit Salbei gurgeln)[15]

·      Lurdes|wassa tringge (w.: <geweihtes> Wasser aus Lourdes trinken)[16]

·      Ridda|eel drùff|mache (w.: von der Hl. Rita <geweihtes> Öl auf eine schmerzende Stelle einreiben)[17]

·      sich e Bedd|flasch mache (sich eine Wärmeflasche bereiten) ðDu, Malche, wänn’s ma nìdd gùdd ìsch, dònn machich ma e Bedd|flasch ùnn lee mich dabba ins Neschd – òm näggschde Morje isch’s mänschdens wiLLa gùdd!“ (Du, Amalie, wenn ich mich nicht wohlfühle, dann bereite ich mir eine Wärmeflasche und lege mich schnell ins Bett – am nächsten Morgen bin ich meistens wieder gesund!)

·      jemònd die Pirbele posse (i.ü.S.: jdn. gegen Windpocken impfen)[18]

·      de Aame in da Schlängga hònn (den Arm in der Schlinge tragen)

·      e Sääf|schdebbche mache (i.ü.S.: einen Seifeneinlauf zur Verbesserung des Stuhlgangs machen)

·      sich e Waadsel erùss|schniLLe lònn (~ wägg|mache lònn) (sich eine Warze entfernen lassen)

·      sich die Gròmb|òòdarre wägg|mache lònn (w.: sich die Krampfadern entfernen lassen)

·      sich e Plaschda drùffmache lònn (sich eine Wunde mit einem Pflaster verschließen lassen)

·      sich òn da Gùmschel obberìere lònn (sich an der Nase operieren lassen)

·      wiLLa in die Räih kùmme (i.ü.S.: gesund werden; genesen)

·      wiLLa in da Räih sìnn (i.ü.S.: wieder gesund und fit sein)

·      wiLLa ùffem Dòmm sìnn (i.ü.S.: wieder gesund und fit sein)

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Das Sterben und der Tod gehören zur menschlichen Existenz dazu. Viele Leute sterben irgendwann an Altersschwäche, andere vorzeitig an schweren Krankheiten oder bei Unfällen. Im Ensemma Pladd finden sich dazu folgende Ausdrücke:

·      gòns schäbb sìnn (~ laafe) (i.ü.S.: vom Alter gebeugt sein; osteoporose-krank sein)

·      kùmm meh vùmm Plädds kùmme (w.: kaum mehr vom Platz kommen; i.ü.S.: fast bewegungsunfähig sein; sich nur noch sehr langsam fortbewegen können)

·      sich de Dood hòlle (w.: sich den Tod holen; i.ü.S.: sich lebensgefährlich erkälten, etwa mit einer Lungenentzündung) ðIch sòòn da’s: Du hellschda de Dood, wännde bäi dämm isskalde Wind òhne Jibbche eruss| gesch(d)!“ (Lass dir gesagt sein: Du holst dir eine starke Erkältung, wenn du bei dem eiskalten Wind ohne Jacke aus dem Haus gehst!)

·      ìmma wìnicha wärre (w.: immer weniger werden; i.ü.S.: altershalber stark abnehmen; langsam dem Tod entgegengehen) ðIsch‘s da aa schùnn ùffgefall? De Willem wärd aa imma wìnicha!“ (Ist dir auch schon aufgefallen, dass Wilhelm allmählich dem Tod entgegengeht, so stark, wie er in der letzten Zeit abgenommen hat?)

·      nùrre noch Hudd ùnn Gnoche sìnn (w.: nur noch aus Haut und Knochen bestehen; i.ü.S.: sehr abgemagert sein)

·      „Däär ìsch nimmeh so gùdd!“ (i.ü.S.: Ihm geht es nicht mehr gut. Er ist todkrank.)

·      sich schìddele (w.: sich schütteln: i.ü.S.: stark abmagern) ðOuwawou! ‘S Rächien hadd sich awwa geschìddeld!“ (Mein Gott, Regina ist aber sehr mager geworden.)[19]

·      ussem leddschde Loch piffe (w.: aus dem letzten Loch pfeifen; i.ü.S.: am Ende seiner Kraft sein; bald sterben)[20]

·      „Medd dämm gedd’s aa de Bach enùnna!“ (w.: Mit dem geht es den Bach hinunter! I.ü.S.: Der stirbt auch bald.)

·      Medd dämm gedd’s ball Doolasch Gäwwel enùnna! (i.ü.S.: Dieser Mann stirbt bald.) Diese Wendung existiert nur in Ensheim. Sie bezieht sich auf den früheren Weg des Leichenzuges, der links an der Kirche vorbei, zwischen Kirche und dem Haus Dommermuth zum Friedhof führte.[21]

·      „Wänn de Härrgodd e Naa will, dònn lissda eme alde Mònn die Fraa (Frau) schdärwe!“ (w.: Wenn Gott einen Narren haben will, dann lässt er einem alten Mann die Frau sterben! I.ü.S.: Alte Männer, denen die Frau wegstirbt, können sich meist nicht selbst versorgen und werden über kurz oder lang zum Pflegefall.)[22]

·      va|sìehn wärre (w.: <mit den Sterbesakramenten> versehen werden; i.ü.S.: die letzte Ölung bekommen)

·      sich nimmeh rìbbele (1. sich nicht mehr rühren; 2. tot sein)

·      muss|dood sìnn (tot sein; mausetot sein)

·      em Däiwel vùnn da Schìbb schbringe (w.: dem Teufel von der Schippe springen; i.ü.S.: gerade noch mal mit dem Leben davonkommen; einer tödlichen Gefahr knapp entrinnen)[23]

·      sich dabba fùrd|schaffe (w.: sich schnell fortschaffen; i.ü.S.: plötzlich sterben)

·      de Leffel abgänn; ‘s Fìeßje schdregge (w.: den Löffel abgeben; das Füßchen strecken; i.ü.S.: sterben)[24]

·      ìnngehn wie e Primel|che (w.: eingehen wie eine Primel; i.ü.S.: innerhalb kurzer Zeit zugrundegehen; bald sterben)[25]

·      ‘s Ärschloch zùù|päädse (w.: den Afterausgang zukneifen; i.ü.S.: sterben)

·      drùffschnabbe (i.ü.S.: 1. bei einer illegalen Abtreibung sterben; 2. <allge-mein> sterben) ðJòò, de Luij ìsch gìschda òn da Lùng obberìerd wòòr – um’s Känne wäära drùffgeschnabbd!“ (Ja, Ludwig ist gestern an der Lunge operiert worden – fast wäre er dabei gestorben!)

·      ins Gras bisse mìsse (w.: ins Gras beißen müssen; i.ü.S.: sterben müssen)[26]

·      de ledschde Fùrds gelass hònn (w.: den letzten Furz gelassen haben; i.ü.S.: gestorben sein)

·      die Gälleriewe vùnn ùnne òòn|lùù’e (w.: sich die Karotten von unten ansehen; i.ü.S.: gestorben sein; tot sein)

·      sich sälwadd äbbes òòndùùn (w.: sich etwas antun; i.ü.S.: Selbstmord begehen)

·      „Sische, de Dood hadd mìsse e Òònfòng hònn!“ (w.: Siehst Du, der Tod musste einen Anfang haben!)[27]

·      „Die Zidd vagedd ùnn's Lichd va|brännd ùnn de Ald schdirbd doch nìdd!“ (w.: Die Zeit vergeht und das Licht verbrennt, aber der Alte stirbt doch nicht!)[28]

·      „'S ledschde Hämmed hadd känn Sagg!“ (w.: Das letzte Hemd hat keine Tasche! I.ü.S.: Geizig zu sein und sich nichts zu gönnen, lohnt sich nicht: eine Toter nimmt nichts mit ins Jenseits!)

·      va|brännd wärre (w.: verbrannt werden; i.ü.S.: seine Leiche einäschern lassen)

·      sich emòòl va|bränne lònn (wenn’s soweit ist: seine Leiche einäschern lassen)

·      e grooßi Läichd hònn (i.ü.S.: ein Begräbnis mit vielen Trauergästen haben)

·      jemònde ùffs Läichd|imms hääsche (jdn. zum Umtrunk nach der Beerdigung einladen)

·      ùffs Läichd|ims gehn (am Umtrunk nach der Beerdigung teilnehmen)

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Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er in der Regel irgendeinen Besitz: das Erbe. Bei dem einen Verstorbenen ist es mehr, bei dem anderen weniger:

·      medd ins Dääl gehn (i.ü.S.: bei einer Erbschaft beteiligt werden)

·      Sìnna noch äänich oLLa hònna schùnn gedääld?“ (w.: Seid ihr noch einig oder habt ihr schon geteilt. I.ü.S.: Vertragt ihr euch noch oder habt ihr schon das Erbe verteilt?)[29]

·      ‘s Kens|dääl grìen (den Erbteil, der einem Kind zusteht, bekommen)

·      ‘s Vääda|liche grìen (den Anteil vom väterlichen Erbe bekommen)


Anmerkungen

[1] Diese Wendung ist für die Männer reserviert. Die Nìss sind eine Anspielung auf die Hoden.

[2] Vgl. Duden, op. cit., 833, wo folgende Erklärung für diese Wendung zu finden ist: Die Espe, auch Zitterpappel genannt, hat leichte, relativ kleine Blätter, die beim leisesten Windhauch in Bewegung geraten.

[3] Dies geschieht oft, wenn man z. B. auf einem kalten Gegenstand oder dem kalten Boden gesessen hat.

[4] Das Wort leitet sich ab vom ostmitteldt. dämsig <schwül>. Vgl. Seibicke, op. cit., 142.

[5] Man muss sich bei dieser Wendung einen „tanzenden Apfel“ vorstellen, der sich auf dem Tisch dreht und der – weil er im Normalfall nicht ganz rund ist – nach allen Richtungen wankt.

[6] Vgl. Braun, op. cit., 20.

[7] Das Wort dirmelich stammt wahrscheinlich vom ostmitteldt. türmelig <schwindlig> ab. Vgl. Seibicke, op. cit., 142.

[8] Vgl. Seibicke, op. cit., 86.

[9] Vgl. Braun, op. cit., 29.

[10] Das Verb lùù’e leitet sich ab vom alem. lugen <schauen>. Vgl. Seibicke, op. cit., 142.

[11] Man gebraucht den Ausdruck, wenn man sich den Nerv am Ellbogen eingeklemmt hat, oft nach einer plötzlichen Rückwärtsbewegung des Arms, der dann mit dem Ellbogen auf ein Hindernis stößt.

[12] Das ist eine Wendung, die eher scherzhaft gebraucht wird.

[13] Pate stand hier das alem. Sprissel <Splitter>. Vgl. Seibicke, op. cit., 144.

[14] Dieser Ausdruck ist jüngeren Datums und leitet sich von der gelben Farbe der ärztlichen Bescheinigung ab, die man im Krankheitsfalle dem Arbeitgeber schicken muss.

[15] Das Gurgeln mit Salbeitee ist eine wirkungsvolle Hausmedizin bei Halsentzündungen, vor allem, wenn diese gerade erst begonnen haben.

[16] Gläubige Katholiken bringen von einer Wallfahrt nach Lourdes in Südwestfrankreich meist einen Kanister geweihtes Wasser mit, das als eine Art Wundermedizin angesehen wird.

[17] Auch das Hl. Rita-Öl, das meiner Erinnerung nach von einem belgischen Wallfahrtsort stammt, soll wahre Wunder vollbringen... Unsere Gòòd brachte es immer von ihrer Wallfahrt mit.

[18] Vgl. Braun, op. cit., 47.

[19] Dieser Ausdruck könnte eine Metapher sein und sich auf einen Baum beziehen, der bereits seine Früchte abgeworfen hat.)

[20] Vgl. Duden, op. cit., 459, wonach sich diese Redensart wohl auf den Tonumfang eines Blasinstrumentes bezieht: Wenn man auf dem letzten (= höchsten) Loch geblasen hat, kann kein höherer Ton mehr hervorgebracht werden, die Möglichkeiten des Instruments sind erschöpft.

[21] Die Bezeichnung Doolasch Gäwwel bezieht sich auf die Giebelseite des Hauses Dommermuth, das in früherer Zeit aber sicher einem anderen Besitzer gehört hat. Das Ensheimer Einwohnerbuch von Remigius Wüstner führt eine Familie Dohler auf, die in Ensheim mindestens zwölf Jahre lang (1740 - 1752) ansässig war. Johannes Dohler stammte aus Rubenheim und war Kuhhirt in Ensheim. Er war mit Susanna Katharina Weller aus Ensheim verheiratet; das Paar hatte fünf Kinder. Ich vermute, dass diese Familie in dem Dommermuthschen Anwesen gewohnt und so die Grundlage für diese originelle Redensart gelegt hat. Vgl. Remigius Wüstner: Die Einwohner von Ensheim vor 1905 mit Reichenbrunn und Sengscheid vor 1876 und Eschringen vor 1905. Ensheim 1997, S. 213, Nr. 678

[22] Vgl. Braun, op. cit., 64.

[23] Vgl. Duden, op. cit., 726: Hier wird nicht dem Teufel, sondern dem Tod von der Schippe gesprungen!

[24] Das sind jüngere Ausdrücke für „sterben“.

[25] Vgl. Duden, op. cit., 171.

[26] Vgl. Duden, op. cit., 273, wonach dieser Ausdruck daher rührt, dass Verwundete im Todeskampf in das Gras .... beißen, um sich die Schmerzen zu verbeißen.

[27] Diese Wendung wird gebraucht, wenn jemand immer gesund war, dann aber nach einer kurzen und schweren Erkrankung gestorben ist. Vgl. auch Braun, op. cit., 30.

[28] Vgl. auch Braun, op. cit., 31:  Demnach ist dies die ernstgemeinte Klage von Angehörigen, die am Totenbett Wache halten, die zwar den im Sterben Liegenden betrauern, die aber gerne möchten, dass der Todeskampf schneller vorüber ist, damit sie sich wieder ihrer Arbeit (auf dem Feld, im Stall etc.) zuwenden können.

[29] Diese Wendung spielt darauf an, dass mit dem Erbfall meistens Familienstreitigkeiten verbunden sind, weil sich die einen oder anderen übervorteilt fühlen.

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© Paul Glass 2000-2001