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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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17.  Probleme & Problemlösungen

Das Leben geht nicht ohne Probleme an uns vorüber. Das wissen wir. Genauso erging es natürlich auch unseren Vorfahren; auch sie mussten sich mit diversen Problemen herumschlagen, was sich in unserer Mundart in Form von vielen interessanten Ausdrücken manifestiert hat.

Die folgenden Redensarten und Ausdrücke beziehen sich auf die Situation, dass man ein Problem hat oder bekommt:

·      nìdd äänìch wärre (i.ü.S.: 1. mit einer Sache oder einem Problem nicht zu Rande kommen; 2. sich nicht auf eine Lösung verständigen können)

·      Ärwedd hònn medd äbbes (Arbeit oder Schwierigkeiten haben mit etw.)

·      känn rìchdìch Fuhr grìen (i.ü.S.: mit einem Problem oder einer Aufgabe nicht zurechtkommen)  ðJeddse dùnnich schùnn schdìgga dräi Schdùnn òn dämm Vòchels|hissje erùm|bòssele, awwa ich grìnn ää(n)fach känn rìch-dìch Fuhr!“ (Ich bastele jetzt schon ca. drei Stunden an diesem Vogelhaus, aber ich komme mit der Arbeit einfach nicht richtig zurecht.)

·      geplòòd sìnn (w.: geplagt sein; i.ü.S.: Probleme, Arbeit haben) ðKònnsch ma sòòn wasse grad wìllsch(d): wännde klääne Kenn hasch(d), bìsche geplòòd!“ (Du kannst sagen, was du willst, aber wenn du kleine Kinder hast, hast du auch Probleme.)

·      gòns henne|hòdd sìnn (1. total im Rückstand sein; 2. große Verspätung haben; 3. verwirrt sein)  ðHäid morje warich dräi Schdùnne in de Raa-schee ùnn jedds sìnnich gòns henne|hòdd!“ (Heute morgen war ich drei Stunden lang zum Unkrautjäten im Runkelrübenfeld; deshalb bin ich jetzt mit meiner anderen Arbeit total im Rückstand!)

·      medde Ohre schlaggarre (w.: mit den Ohren schlackern; i.ü.S.: 1. mit einem Problem kämpfen; äußerst überrascht sein)[1]

·      hòò|naggarre (i.ü.S.: 1. mit einem Problem kämpfen; 2. sich anstrengen; 3. sich herumplagen)

·      sinne varìggde fìnnef Minudde hònn (w.: seine verrückten 5 Minuten haben; i.ü.S.: Hier dreht jemand, der normalerweise sehr cool ist, für kurze Zeit durch.)

·      Hùddel hònn (i.ü.S.: 1. Ärger haben; 2. ein Problem haben)

·      gòns vamässe Hùddel hònn (i.ü.S.: 1. sehr großen Ärger haben; 2. ein Riesenproblem haben)

·      jemònde Hùddel mache (jdm. Ärger bereiten) ðMach ma nùrre känn Hùddel!“ (Bereite mir ja keinen Ärger!)

·      jemònde Hùddùladds|joone mache (i.ü.S.: jdm. Ärger bereiten) ðMach ma nùrre känn Hùddùladds|joone!“ (Bereite mir ja keinen Ärger!)

·      e Grìdds medd jemònde hònn (w.: sein Kreuz mit jdm. haben; i.ü.S.: viel Ärger oder Probleme mit jdm. haben)

·      e Grìdds medd äbbes hònn (w.: sein Kreuz mit etw. haben; i.ü.S.: viel Ärger oder Probleme wegen etw. haben)  ðWass hadd däär Òndoon e Grìdds medd sinne Rände!“ (Was hat Anton für Probleme wegen seiner Rente!)

·      e Meddsjass|gòng mache (etw. vergeblich machen; etw. ohne Erfolg machen, meist bei einem angestrebten Besuch oder einer Besorgung) ðIch wolld häid mìddaa noch bäi Leffels e paar Nìschdele kaafe, awwa ich hònn e Meddsjass|gòng gemach; sie hònn zùù gehaad, wäll häid Middwùch ìsch!“ (Ich wollte heute nachmittag im Schuhgeschäft Bischof ein paar Schnürsenkel kaufen; aber ich war vergeblich dort; das Geschäft ist mitt-wochs nachmittags geschlossen!)

·      in da Bredullich (Bredullje) sìnn (w.: in der Bredouille sein; i.ü.S.: Schwierigkeiten haben; in Bedrängnis sein; in Verlegenheit sein)

·      äbbes ùffs Tabeed bringe (ein Problem oder einen Mißstand zur Sprache bringen)[2]

·      Dòò läid de Hùnd begrab!“ (i.ü.S.: Das ist das Kernproblem! Das ist der wahre Grund!)

·      ’S gìdd wiLLa gaa känn Fùrdkùmmes!“ (Es gibt keinen Fortschritt! Es geht einfach nicht weiter!) ðWass hònna dònn dòòvòòre wiLLa se gnòddele? ‘S gìdd jòò wiLLa gaa känn Fùrdkùmmes!“ (Was macht ihr denn da vorne? Warum geht’s denn nicht weiter?)

·      Dass ìsch gòns scheen habbich! (1. Das ist ganz schön gefährlich! 2. Das ist ganz schön teuer!)

·      nìdd die Kehr grìen (w.: nicht die Kurve kriegen; i.ü.S.: mit einem Problem nicht fertig werden)

·      Lääd hònn (Leid, Ärger, ein Problem haben)

·      gòns lädds sìnn (i.ü.S.: total von der Rolle sein; verwirrt sein)

·      Dass mìchd mìch jeddse gòns lädds! (i.ü.S.: Das verwirrt mich jetzt total!)

·      nìdd madds sìnn fa äbbes (i.ü.S.: unfähig sein, etw. zu tun) ðDe Nìggel ìsch noch nìddemòòl madds fa elään zùmm Noodäär se gehn!“ (Nikolaus ist sogar unfähig, alleine zum Notar zu gehen.)

·      aarich mau sìnn (Das sagt man, wenn die Geschäfte schlecht gehen, die Nachfrage gering ist oder wenig Umsatz gemacht wird.)

·      in NeeLe sìnn (w.: in Nöten sein; i.ü.S.: ein Problem haben)

·      Pusch boue (i.ü.S.: 1. Mist bauen; 2. eine schlechte Arbeit abliefern) ðDämm Digg sìnn Rechìerung hadd doch jòhre|lòng nùrre Pusch geboud, awwa die RooLe sinn aa nìdd vìel bessa!“ (Die Kohl-Regierung hat jahre-lang nur Mist verzapft, aber die Roten <SPD> ist auch nicht viel besser!)

·      Uwwerasch (Urasch) mache (i.ü.S.: ein Durcheinander anrichten)

·      sich ins eiene Fleisch (Flääsch) schniLLe (w.: sich ins eigene Fleisch schneiden; i.ü.S.: sich selbst schaden)[3]

·      äbbes iwwa de Huffe wärfe (w.: etw. über den Haufen werfen; i.ü.S.: einen Plan, eine Idee kippen, vereiteln)

·      äbbes ùff Iss lee'e (w.: etw. auf Eis legen: i.ü.S.: etw. vorläufig ruhen lassen; etw. verschieben)[4]

·      sòmme|bräche wie e Kaade|huss (w.: zusammenbrechen wie ein Kartenhaus; i.ü.S.: nicht sehr stabil sein; baufällig sein)

·      känn Kobb hònn fa äbbes (w.: keinen Kopf haben für etw.; i.ü.S.: den Kopf nicht frei haben für andere Dinge; blockiert sein)

·      äbbes in de Schorschde schriewe (w.: etw. in den Schornstein schreiben; i.ü.S.: etw. als verloren betrachten)[5]

·      jemònde in Schwulitääde bringe (i.ü.S.: jdm. Probleme machen; jdn. in eine peinliche Situation bringen)

·      Theada mache (i.ü.S.: einen Streit vom Zaun brechen) ðWännde ma de Reschd Gäld nìdd gìbsch, dònn machich Theada!“

·      alles ùff de Kobb schdelle (w.: alles auf den Kopf stellen; i.ü.S.: 1. alles verdrehen; 2. alle Räumlichkeiten durchsuchen; 3. alles umschmeißen)

·      schwäär im Maa läie (w.: schwer im Magen liegen; i.ü.S.: ein großes Problem für jd. sein)[6]

·      Mäggesja mache (i.ü.S.: Zicken machen) ðMach ma nùrre känn Mäggesja!“ (Mache bloß keine Zicken!)

·      die Naas geschdrìche voll hònn (w.: die Nase gestrichen voll haben; i.ü.S.: einer Sache total überdrüssig sein)[7]

·      henne|häär kùmme wie die ald Faase|nachd (i.ü.S.: 1. zu spät dran sein; 2. erst nach der Lösung eines Problems oder nach einer Entscheidung er-scheinen)  ðOu, dass kònnich schùnn grad gùdd liLLe! Unsa|äns michd sich färdich, ùnn däärdòò kimmd wiLLa henne|häär wie die ald Faase|nachd !“ (Ah, das mag ich! Ich kümmere mich um eine Lösung des Problems und er da kommt erst, wenn das Problem gelöst ist!)

·      sich die Zänn ònn äbbes ùss|bisse (w.: sich die Zähne an etw. ausbeißen; i.ü.S.: große Probleme mit etw. haben)

·      känn Griddche gewaggsd sìnn gähng äbbes (w.: kein Kraut gewachsen sein gegen etw.; i.ü.S.: kein geeignetes Mittel gegen etw. geben)[8]

·      ussem Ròhme felle (w.: aus dem Rahmen fallen; i.ü.S.: vom Üblichen abweichen)

·      wie de Òggs vòrm Bärch schdehn (i.ü.S.: 1. unfähig sein; 2. orientierungslos sein)

·      sinn Hissje va|kaafe mìsse (sein Haus verkaufen müssen)

·      in Däiwels Kìch kùmme (w.: in Teufels Küche kommen; i.ü.S.: in große Schwierigkeiten geraten)

·      schäbb (schief) gewìggeld sìnn (w.: schief gewickelt sein; i.ü.S.: sich falsche Vorstellungen machen)

·      „Däär ään ìsch dämm ònna sìnn Däiwel!“ (w.: Der eine ist des andern Teufel! I.ü.S.: Beide sind <am Streit> schuld. Sie können einfach nicht miteinander auskommen.)

·      „Ich kòmma’s jòò aa nìdd ùss de Rìbbe schniLLe!“ (w.: Ich kann es mir auch nicht aus den Rippen schneiden! I.ü.S.: Ich kann die Lösung auch nicht herbeizaubern!)

·      die Naas voll hònn (w.: die Nase voll haben; i.ü.S.: genug haben; nicht mehr ertragen können)

·      känn Bään ùff de BòLLem grìen (w.: kein Bein auf die Erde kriegen; i.ü.S.: mit seinem Problem nicht zu Rande kommen; keinen Erfolg haben)[9]

·      e Hòòr in da Sùbb finne (w.: ein Haar in der Suppe finden; i.ü.S.: immer etw. auszusetzen haben, und wenn es sich bloß um eine Bagatelle handelt)

·      ussarra Mìgg e Elle|fond mache (w.: aus einer Mücke einen Elefanten machen; i.ü.S.: eine Sache kräftig aufbauschen; übertreiben)

·      dòòrùm|laafe wie e Schòòf òhne Häärd (w.: herumlaufen wie ein Schaf, das seine Herde verloren hat; i.ü.S.: nervös umherlaufen)[10]

·      zùmm Barrass mìsse (i.ü.S.: zur Bundeswehr müssen; in der Tat für viele junge Männer ein Problem, weshalb sie den Wehrdienst verweigern)

·      Dass gedd ùff känn Kùh|hudd!“ (w.: Das geht auf keine Kuhhaut. I.ü.S.: Das ist eine Riesenschweinerei!) - Man benutzt diese Wendung, um seinen Unwillen über eine unerfreuliche Sache zum Ausdruck zu bringen.[11]

·      Wänn däärsäll sinn Tuur hadd, dònn hinnaddne die Modd òn da Wònd!“ (w.: Wenn dieser Typ seinen Anfall bekommt, dann regt er sich schon über eine Motte auf, die an der Wand sitzt.)[12]

·      memm Schdùhl gunsche (w.: mit dem Stuhl schaukeln)[13]

·      dodaal im Ääma sìnn (w.: total im Eimer sein; i.ü.S.: total entzwei; ~ verdorben sein)[14]

·      sich sälwadd in de Aasch bisse kìnne (w.: sich selbst in den Hintern beißen können; i.ü.S.: sehr wütend, sehr ärgerlich sein)[15]

·      sich die Bään in de Buch schdehn (w.: sich die Beine in den Bauch stehen; i.ü.S.: sehr lange stehen und warten)[16]

·      de BòLLem ùnna de Fìeß va|lìere (w.: den Boden unter den Füßen verlieren; i.ü.S.: völlig haltlos werden; die Existenzgrundlage verlieren)[17]

·      Eel ins Fier schiLLe (w.: Öl ins Feuer schütten; i.ü.S.: eine Sache gewollt verschlimmern)[18]

·      ùff äbbes erùm|riLLe (w.: auf etw. herumreiten; i.ü.S.: eine Sache breittreten; immer wieder das gleiche Thema zur Sprache bringen)[19]

·      Essich sìnn medd äbbes (w.: Essig sein mit etw.; i.ü.S.: mit etw. aus sein, vorbei sein; nicht zustandekommen)[20]

·      „Dòò läid de Haas im Päffa!" (w.: Da liegt der Hase im Pfeffer! I.ü.S.: Da ist die Ursache des Problems. Das ist der entscheidende Fehler!)[21]

·      „Dòò leefd noch viel Wassa die Saar (de Aubach) enùnna!" (i.ü.S.: Bevor dieses Problem gelöst wird, fließt noch viel Wasser die Saar (die Aubach) hinunter, d.h., dauert es noch lange.)

Wer ein Problem hat, lässt das bewusst oder unbewusst auch seine Mitmenschen spüren. Ob man will oder nicht, man „darf“ an den Problemen anderer Leute immer wieder teilhaben:

·      die Flämm hònn (1. depressiv sein; 2. absolut lustlos sein; 3. schlechte Laune haben) ðDùsche äbbes ùss|brìeLe?“ - „Ach, lass mich ‘s beschd in Rùh, ich hònn grùsslich die Flämm!“ (Beschäftigt dich ein Problem? - Ach, lass mich in Ruhe; ich bin absolut schlecht drauf.)

·      die Flämm grìen (1. depressiv werden; 2. schlechte Laune bekommen)  ðWännde sìsch(d), wass die hoche Härre fa e Mummes ìnnschiewe fa nìggs ùnn wiLLa nìggs, dòò kìnnsche grad die Flämm grìen!“ (Wenn du siehst, wie die hohen Herren entlohnt werden, könntest du glatt depressiv werden!)

·      e Flänsch hònn (~ mache) (i.ü.S.: ein langes Gesicht ziehen bzw. machen)

·      die Flänsch hängge lònn (i.ü.S.: 1. ein langes Gesicht ziehen bzw. machen; 2. eine traurige Miene aufsetzen)

·      e Fradds mache (w.: eine Fratze machen; i.ü.S.: das Gesicht verziehen)

·      e Schnuud mache (w.: eine Schnute ziehen; i.ü.S.: das Gesicht verziehen)[22]

·      dòòhugge wie e Hiffelche Eländ (w.: dasitzen wie ein Häufchen Elend; i.ü.S.: sehr unglücklich sein)

·      die Fräi|maag va|zìehe (w.: die Briefmarke verziehen; i.ü.S.: das Gesicht verziehen; eine sauertöpfische Miene machen)[23]

·      nääwe|dròòn läie (i.ü.S.: durcheinander, verwirrt sein)

·      nääwe da Kabb läie (i.ü.S.: durcheinander, verwirrt sein)

·      e Gesichd mache wie Rabbs KaaLa (i.ü.S.: ein betrübtes Gesicht machen)

·      e Gesichd mache wie e Trääne|gùggùgg (Trìbbs|trìllche) (i.ü.S.: ein betrübtes Gesicht machen)

·      e Gesichd mache wie siwwe Daa RäänwäLLa (w.: ein Gesicht machen wie sieben Tage Regenwetter; i.ü.S.: ein sehr betrübtes, freudloses Gesicht machen; verdrießlich dreinschauen)[24]

·      e schäbb Schniss mache (i.ü.S.: die Mundwinkel verziehen)

·      e schäbb Schnuud mache (w.: eine schiefe Schnute machen: i.ü.S.: die Mundwinkel verziehen)

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Zum Glück gibt es aber nicht nur Probleme, sondern in den meisten Fällen fällt einem auch eine Lösung ein. In unserer Mundart liest sich das so:

·      äbbes ùffs Tabeed bringe (w.: etw. aufs Tapet bringen; i.ü.S.: eine Sache, ein Problem ansprechen)

·      in die Räih kùmme (w.: in die Reihe kommen; i.ü.S.: in Ordnung kommen)

·      in die Räih bringe (i.ü.S.: in Ordnung bringen)

·      äbbes in da Henna|hònd hònn (w.: etw. in der Hinterhand haben; i.ü.S.: etw. in Reserve haben)

·      die Gnoodsche vùnn äbbes lònn (w.: die Finger von etw. lassen)

·      änna òn da Hònd hònn (w.: jdn. an der Hand haben; i.ü.S.: jdn. kennen, der eine bestimmte Aufgabe lösen oder der einem Türen öffnen kann) ðWill(d)sche die nou Kuddsch sälwa mache?“ - „Nää, ich hònn änna òn da Hònd, däär wo ma’s mìchd!“ (Willst du das neue Frühbeet selbst bauen? - Nein, ich kenne jemanden, der es mir baut.)

·      medd äbbes Daa wärre (i.ü.S.: mit einem Problem, einer Aufgabe fertig werden)

·      jemònd schasse (jdn. verjagen, fortschicken)[25]

·      jemònd die Au'e ùffmache (w.: jdm. die Augen öffnen; i.ü.S.: jdn. auf ein Problem hinweisen)

·      Näächel medd Kebb mache (w.: Nägel mit Köpfen machen; i.ü.S.: etw. richtig anfangen und möglichst konsequent durchführen)[26]

·      „Wänn's Kend im Brùnne läid, kimmd de Deggel drùff!" (w.: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man ihn mit einem Deckel ab. I.ü.S.: erst etw. unternehmen, wenn es zu spät ist)

·      äbbes de longe|wää hòlle (etw. von der Längsseite her bearbeiten)

·      äbbes de brääLe|wää hòlle (etw. von der Breitseite her bearbeiten)

·      medd jemònde noch lòng färdich wärre (mit jdm. fertig werden) ðWaad nùrre, du Klùdds|kobb! Medd dìer wärrich noch lòng färdich!“

·      sich durch|wurschdele (w.: sich durchwursteln; i.ü.S.: nach und nach auch ohne fremde Hilfe eine Lösung finden)

·      sich bäi jemònde enìnn|kehre (i.ü.S.: sich bei jdm. einmischen)

·      sich medd äbbes de Aasch abbùddse kìnne (w.: sich mit etw. den Hintern abwischen können; i.ü.S.: Das sagt man, wenn man etw. besitzt, was völlig wertlos ist.) ð „‘S duurd nìmmeh lòng, dònn kònnscheda memme Hùn-nadd|maag|schinn de Aasch abbùddse, wälla nìggs meh gäLLe dùdd!“ (Es dauert nicht mehr lange, dann kannst du dir mit einem 100 DM-Schein den Hintern abwischen, weil er <wegen der Einführung des Euro> nicht mehr gültig ist.)

·      denòh gehn (i.ü.S.: 1. sich mit einer Sache auseinandersetzen; 2. dafür sorgen, dass eine Sache läuft; sich um etw. kümmern) ðVùnn sälwa grìsche dinn Bäi|siggel nìmmeh häär. Dòò mùsche schùnn denòh gehn!“ (Von allein kommt dein Fahrrad nicht mehr zu dir zurück! Du musst dich schon darum kümmern!)

·      „Dònn war de Oowe ùss!“ (w.: Dann war der Ofen aus! I.ü.S.: Dann hatte ich die Nase voll!)

·      ’S dùdd flùddsche!“ (Es klappt! Es funktioniert! Es läuft!)

·      „’S jääd!“  (Es klappt! Es funktioniert! Es läuft!)

·      laafe wie geschmeerd (w.: laufen wie geschmiert; i.ü.S.: gut funktionieren)

·      laafe wie e Dìbbche (w.: laufen wie ein Töpfchen; i.ü.S.: gut funktionieren)

·      de|durch sìnn (i.ü.S.: fertig sein mit etw.; etw. überstanden haben) ðGodd|loowe|dòngk sìmma jeddse de|durch!“ (Gottseidank haben wir das überstanden!)

·      äbbes gùdd getòòbd hònn (i.ü.S.: 1. eine gute Lösung gefunden haben; 2. etw. gut getroffen haben; 3. Glück haben bei etw.) ð „Ma hònn‘s dissjòhr in Idaalje memm WäLLa richdich gùdd getòòbd!“ (Wir hatten in diesem Jahr in Italien mit dem Wetter richtig Glück!)[27]

·      jemònde äbbes hääsche (w.: jdn. etw. heißen; i.ü.S.: jdm. etw. auftragen)

·      sich Määschda mache (w.: sich zum Meister machen; i.ü.S.: sich auf-spielen; wichtig tun)

·      medd jemònde Määschda wärre (i.ü.S.: mit jdm. fertig werden) ðPass ùff! Medd dìer wärrich aa noch Määschda!

·      äbbes schbìdds grìen (i.ü.S.: 1. etw. herausfinden; 2. etw. mitbekommen)

·      ùff die Gää|sidd gehn (w.: auf die Gegenseite gehen; i.ü.S.: den Bürgersteig wechseln)

·      madds sìnn fa äbbes (i.ü.S.: fähig sein, etw. zu tun)

·      äbbes erùm ùnn nùmmwänne (i.ü.S.: 1. hin- und her überlegen; 2. mehrere Lösungsmöglichkeiten durchdiskutieren)

·      ùssgerìschd sìnn wie e grùmm Bään (w.: ausgerüstet sein wie ein krummes Bein; i.ü.S.: sehr gut ausgerüstet sein, um z. B. eine Aufgabe zu lösen)

·      ùff die SchlouLa kùmme (i.ü.S.: 1. auf den Trichter kommen; 2. einen guten Einfall haben; 3. etw. bemerken, herausfinden)

·      e gùLLa Innfall hònn (~ grìen) (einen guten Einfall haben; ~ bekommen)

·      vòòr da ei’e Dìer kehre (w.: vor der eigenen Tür kehren; i.ü.S.: sich um seine eigenen Sachen kümmern)

·      ùm känn Ussredd va|lää sìnn (w.: um keine Ausrede verlegen sein; i.ü.S.: immer eine Ausrede parat haben)

·      „Kehr dich dòò nìdd enìnn, dass gedd dich nìggs òòn!“ (i.ü.S.: Misch’ dich da nicht ein; das geht dich nichts an!)

·      sinn Sùbb sälwa uss|leffele (w.: seine Suppe selbst auslöffeln; i.ü.S.: die Folgen seines Tuns alleine tragen)[28]

·      die Keschde ussem Fier hòlle (w.: die Kastanien aus dem Feuer holen; i.ü.S.: für jd. anderen eine unangenehme Aufgabe übernehmen)[29]

·      jemònd gewäid sìnn (w.: jdn. geweiht sein; i.ü.S.: jdn. nicht mehr ertragen müssen, weil er nicht mehr da ist) ðGodd|loowe|dòngk! Dänne Klùdds| kobb sìmma gewäid!“ (Gottseidank sind wir diesen Zeitgenossen los!)

·      äbbes ùffem lingge Aaschbagge abhugge (w.: etw. auf der linken Arschbacke absitzen; i.ü.S.: ein Problem mit Leichtigkeit lösen)

·      siwwe Griddsa mache (w.: sieben Kreuze schlagen; i.ü.S.: sehr erleichtert sein, dass ein Problem gelöst oder jemand endlich gegangen ist)[30]

·      medda Dìer ins Huss felle (w.: mit der Tür ins Haus fallen; i.ü.S.: ein Anliegen unvermittelt vortragen)

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Oft verlangt eine Lösung auch besondere Anstrengungen:

·      sich e Bään ùss|ròbbe (~ ùss|risse) (w.: sich ein Bein herausreißen; i.ü.S.:

     sich sehr anstrengen). Dieser Ausdruck existiert auch im Plural, was auf

     noch größere Anstrengungen schließen lässt: sich die Bään ùss|risse.

·      „Wäär gùdd schmeerd, däär gùdd fehrd!“ Das ist der Grundsatz für jegliche Korruption.[31]

·      sich ins Plädds vùnn jemònde schdelle (i.ü.S.: sich in die Lage eines anderen versetzen)

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Außer diesen Lösungen gibt es auch solche, die mit der Ausübung von Gewalt verbunden sind. Unsere Vorfahren haben in der Regel nicht gelernt, sich mit einem Problem argumentativ auseinanderzusetzen, sondern darauf zu bauen, dass einer nachgibt oder notfalls die eigene Position mit Gewalt durchzusetzen. Das erklärt auch die Vielzahl der Begriffe zum Thema „mit Schlägen strafen“.

·      jemònde ùffs Dubbee schlòòn (w.: jdm. aufs Toupet schlagen; i.ü.S.: jdn. schlagen)

·      jemònde änni ùffs Dubbee gänn (w.: jdm. eine aufs Toupet geben)

·      Fäng grìen (i.ü.S.: geschlagen werden; mit Schlägen bestraft werden)

·      jemònde de Kobb serächd rigge (w.: jdm. den Kopf zurechtrücken; i.ü.S.: jdn. zur Vernunft bringen)[32]

·      „Dämm dùnnich die Fleh aa noch fonge!“ (w.: Dem werde ich die Flöhe auch noch fangen! I.ü.S.: Dem treibe ich seine schlechten Manieren auch noch aus!)

·      jemònde Grìmmele in de Kääs mache (w.: jdm. Krümel in den Käse ma-chen; i.ü.S.: jdm. Schwierigkeiten, Ärger machen)

·      „Medd Gewald hebbd ma e Gääß erùmm!“ (i.ü.S.: Mit Kraft lässt sich jedes Problem lösen!)[33]

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Oft blieb nur die Flucht als Ausweg vor einem Problem:

·      sich ùssem Schdaab mache (w.: sich aus dem Staub machen; i.ü.S.: sich rasch und heimlich entfernen)[34]

·      ùff ùnn je sìnn (w.: auf und davon sein; i.ü.S.: schnell verschwunden sein)

·      sich ùss de Fìeß mache (w.: sich aus den Füßen machen; i.ü.S.: schnell verschwinden)

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Wenn eine Sache erledigt oder ein Problem gelöst ist, kann man folgende Redensarten benutzen:

·      „Dònn ìsch die Bìer gescheeld!“ (w.: Dann ist die Birne geschält.)

·      „Dònn ìsch de Kääs gäss!“ (w.: Dann ist der Käse gegessen.)

·      „Dònn sìnn all Schbaddse gefòng!“ (w.: Dann sind alle Spatzen gefangen!)

·      „Dònn hadd die aam Seel Rùh!“ (Dann ist das Thema erledigt!)

·      „Dònn ìsch de Haas iwwa de Heh!“ (w.: Dann ist der Hase über die Höhe geflohen. I.ü.S.: Die Chance ist vertan!)


Anmerkungen

[1] Vgl. Duden, op. cit., 528, demzufolge schlaggarre von hin und her schlagen kommt.

[2] Laut Gelbhaar, op. cit., 50 leitet sich diese Wendung vom lat. tapetum (= das Tuch) ab. Mit diesem Tuch habe man früher den Boden, die Wände und die Tische bedeckt. Im 18. Jh. sei dies eine Art Tischtuch auf den Konferenztischen der Beamten gewesen.

[3] Vgl. Duden, op. cit., 211.

[4] Vgl. Duden, op. cit., 174. Nach dieser Quelle bezieht sich die Wendung darauf, dass man Nahrungsmittel, die nicht gleich verzehrt werden, auf Eis aufbewahrt. Vgl. auch Griesbach/Schulz, op. cit., 23.

[5] Vgl. Duden, op. cit., 634f: Was man an die Innenwand eines Schornsteins schreibt, wird bald von Ruß zugedeckt und ist dann nicht mehr lesbar; das Geschriebene ist damit verloren.

[6] Vgl. Duden, op. cit., 471.

[7] Vgl. Duden, op. cit., 507, demzufolge die Wendung davon ausgeht, dass bei bestimmten Reaktionen die Nasenschleimhäute allergisch anschwellen und Schleim absondern.

[8] Vgl. Duden, op. cit., 415, wonach sich die Wendung auf den Gebrauch von Kräutern als Heilmittel [bezieht]; gegen eine Krankheit kann man nichts machen, wenn es kein Heilkraut gibt, um sie damit zu kurieren.

[9] Wie Braun, op. cit., 25 vermerkt, ist im 1977 in Ost-Berlin erschienenen "Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache" die schriftdeutsche Version enthalten: Sie kriegten kein Bein auf die Erde. Braun vermutet bei dieser sprachlichen Metapher, dass es sich um einen Kranken handelt, der keine Kraft hat, sich auf seine Beine zu stellen.

[10] Bei Braun, op. cit., 116 handelt es sich um ein "Schaf ohne Hirt".

[11] Braun, op. cit., 126 zufolge stammt die Redewendung aus einer Zeit, als man noch auf Pergament aus Tierhäuten geschrieben hat. Demnach bedeutet der Ausdruck in etwa: Das ist mehr, als auf eine Kuhhaut passt.

[12] Man gebraucht diese Redensart, um deutlich zu machen, dass jemand in einer besonderen Situation sehr leicht reizbar ist.

[13] Gunsche leitet sich ab vom südwestdt. gautschen <schaukeln, wippen>. Vgl. Seibicke, op. cit., 132.

[14] Vgl. Duden, op. cit., 170.

[15] Vgl. Duden, op. cit., 341: Die Wendung drückt volkstümlich übersteigernd aus, dass jemand aus Wut, aus Verärgerung tun könnte, was nicht vorstellbar ist.

[16] Vgl. Duden, op. cit., 92.

[17] Vgl. Duden, op. cit., 121.

[18] Diese Wendung existiert genauso im Frz.: jeter de l'huile sur le feu (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 71). Vgl. auch Duden, op. cit., 529, demzufolge sich die Wendung darauf bezieht, dass Öl, wenn man es ins Feuer gießt, die Flammen höher schlagen lässt.

[19] Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 83.

[20] Vgl. Duden, op. cit., 186, wonach sie die Wendung darauf bezieht, dass der Wein, der zu Essig versäuert, nicht mehr genießbar ist und weggeschüttet werden muss.

[21] Vgl. Duden, op. cit., 311f: Es ist nicht klar, wo die Wendung herkommt: Vielleicht soll ausgedrückt werden, dass es für etwas zu spät ist: Der Hase ist nicht mehr lebendig zu machen, er ist bereits in scharfer Pfeffersoße eingelegt. Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 77.

[22] Abgeleitet vom norddt. Schnute <Mund>. Vgl. Seibicke, op. cit., 111.

[23] Vielleicht kommt dieser Begriff davon, dass auf Briefmarken oft Konterfeis von berühmten Personen sind.

[24] Vgl. Duden, op. cit., 256.

[25] Hier stand das frz. chasser <verjagen> Pate.

[26] Vgl. Duden, op. cit., 504, demzufolge die Wendung besagt, dass Nägel mit Köpfen in der Regel brauchbarer als einfache Drahtstifte sind, die sich beim Nageln leichter verbiegen.

[27] Unter Tòòb versteht man <Hand; Pfote; Klaue>. Wenn also das Handling bei einer Sache gut war, hat man es gut getòòbd!

[28] Vgl. Duden, op. cit., 706.

[29] Vgl. Duden, op. cit., 374f. Die Wendung entstammt einer Fabel von La Fontaine und hat somit zuerst Eingang in die frz. Sprache gefunden: tirer des marrons du feu. (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 84.)

[30] Vgl. Duden, op. cit., 417: Diese Wendung nimmt darauf Bezug, dass fromme Katholiken nach dem günstigen Ausgang einer unangenehmen Angelegenheit ein Dankgebet sprechen und sich bekreuzigen.

[31] Die Redensart dürfte auf die alten Ochsenkarren und Pferdewagen zurückgehen, deren Naben man gut mit Fett ausschmieren musste, damit sich die Räder leicht drehten.

[32] Vgl. Duden, op. cit., 405.

[33] Laut Braun, op. cit., 119 ist diese Redensart auch für das Moselfränkische und Bayerische belegt.

[34] Vgl. Duden, op. cit., 682, wonach sich diese Wendung ursprünglich auf den Staub [bezog], der in einer Schlacht aufgewirbelt wird und in dessen Schutz eine unauffällige Flucht möglich ist.

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