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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Das Leben geht nicht ohne Probleme an uns vorüber. Das wissen wir. Genauso erging es natürlich auch unseren Vorfahren; auch sie mussten sich mit diversen Problemen herumschlagen, was sich in unserer Mundart in Form von vielen interessanten Ausdrücken manifestiert hat.
Die
folgenden Redensarten und Ausdrücke beziehen sich auf die Situation, dass man ein Problem hat oder bekommt:
·
nìdd äänìch wärre (i.ü.S.: 1. mit einer Sache oder einem Problem
nicht zu Rande kommen; 2. sich nicht auf eine Lösung verständigen können)
·
Ärwedd hònn medd äbbes (Arbeit oder Schwierigkeiten haben mit etw.)
·
känn rìchdìch Fuhr grìen (i.ü.S.: mit einem Problem oder einer Aufgabe nicht
zurechtkommen) ð „Jeddse
dùnnich schùnn schdìgga dräi Schdùnn òn dämm Vòchels|hissje erùm|bòssele,
awwa ich grìnn ää(n)fach känn rìch-dìch Fuhr!“ (Ich bastele jetzt
schon ca. drei Stunden an diesem Vogelhaus, aber ich komme mit der Arbeit
einfach nicht richtig zurecht.)
·
geplòòd sìnn (w.: geplagt sein; i.ü.S.: Probleme, Arbeit haben) ð „Kònnsch
ma sòòn wasse grad wìllsch(d): wännde klääne Kenn hasch(d), bìsche geplòòd!“
(Du kannst sagen, was du willst, aber wenn du kleine Kinder hast, hast du auch
Probleme.)
·
gòns henne|hòdd sìnn
(1. total im
Rückstand sein; 2. große Verspätung haben; 3. verwirrt sein)
ð
„Häid morje warich dräi Schdùnne in de Raa-schee ùnn jedds sìnnich gòns
henne|hòdd!“ (Heute morgen war ich drei Stunden lang zum Unkrautjäten im
Runkelrübenfeld; deshalb bin ich jetzt mit meiner anderen Arbeit total im Rückstand!)
·
medde Ohre schlaggarre (w.:
mit den Ohren schlackern; i.ü.S.: 1. mit einem Problem kämpfen; äußerst überrascht
sein)[1]
·
hòò|naggarre (i.ü.S.: 1. mit einem Problem kämpfen; 2. sich anstrengen; 3. sich
herumplagen)
·
sinne varìggde fìnnef Minudde hònn
(w.: seine verrückten 5 Minuten haben; i.ü.S.: Hier dreht jemand, der
normalerweise sehr cool ist, für kurze Zeit durch.)
·
Hùddel hònn
(i.ü.S.: 1.
Ärger haben; 2. ein Problem haben)
·
gòns vamässe Hùddel hònn (i.ü.S.:
1. sehr großen Ärger haben; 2. ein Riesenproblem haben)
·
jemònde Hùddel mache
(jdm. Ärger
bereiten) ð „Mach
ma nùrre känn Hùddel!“ (Bereite mir ja keinen Ärger!)
·
jemònde Hùddùladds|joone mache (i.ü.S.:
jdm. Ärger bereiten) ð
„Mach ma nùrre känn Hùddùladds|joone!“ (Bereite mir ja keinen
Ärger!)
·
e Grìdds medd jemònde hònn (w.: sein Kreuz mit jdm. haben; i.ü.S.: viel Ärger
oder Probleme mit jdm. haben)
·
e Grìdds medd äbbes hònn (w.:
sein Kreuz mit etw. haben; i.ü.S.: viel Ärger oder Probleme wegen etw. haben)
ð
„Wass hadd däär Òndoon e Grìdds medd sinne Rände!“ (Was hat
Anton für Probleme wegen seiner Rente!)
·
e Meddsjass|gòng mache (etw. vergeblich machen; etw. ohne Erfolg machen,
meist bei einem angestrebten Besuch oder einer Besorgung) ð „Ich
wolld häid mìddaa noch bäi Leffels e paar Nìschdele kaafe, awwa ich hònn e
Meddsjass|gòng gemach; sie hònn zùù gehaad, wäll häid Middwùch ìsch!“
(Ich wollte heute nachmittag im Schuhgeschäft Bischof ein paar Schnürsenkel
kaufen; aber ich war vergeblich dort; das Geschäft ist mitt-wochs nachmittags
geschlossen!)
·
in da Bredullich (Bredullje) sìnn (w.:
in der Bredouille sein; i.ü.S.: Schwierigkeiten haben; in Bedrängnis sein; in
Verlegenheit sein)
·
äbbes ùffs Tabeed bringe (ein Problem oder einen Mißstand zur Sprache
bringen)[2]
·
„Dòò läid de Hùnd begrab!“ (i.ü.S.: Das ist das Kernproblem! Das ist der wahre
Grund!)
·
„’S gìdd wiLLa gaa känn Fùrdkùmmes!“ (Es
gibt keinen Fortschritt! Es geht einfach nicht weiter!) ð
„Wass hònna dònn dòòvòòre wiLLa se gnòddele? ‘S gìdd jòò
wiLLa gaa känn Fùrdkùmmes!“ (Was macht ihr denn da vorne? Warum
geht’s denn nicht weiter?)
·
„Dass ìsch gòns scheen habbich!“ (1. Das ist ganz schön gefährlich! 2. Das
ist ganz schön teuer!)
·
nìdd die Kehr grìen
(w.: nicht
die Kurve kriegen; i.ü.S.: mit einem Problem nicht fertig werden)
·
Lääd hònn (Leid, Ärger, ein Problem haben)
·
gòns lädds sìnn (i.ü.S.: total von der Rolle sein; verwirrt sein)
·
„Dass mìchd mìch jeddse gòns lädds!“
(i.ü.S.: Das verwirrt mich jetzt total!)
·
nìdd madds sìnn fa äbbes (i.ü.S.:
unfähig sein, etw. zu tun) ð
„De Nìggel ìsch noch nìddemòòl madds fa elään zùmm Noodäär se
gehn!“ (Nikolaus ist sogar unfähig, alleine zum Notar zu gehen.)
·
aarich mau sìnn (Das sagt man, wenn die Geschäfte schlecht gehen, die Nachfrage gering
ist oder wenig Umsatz gemacht wird.)
·
in NeeLe sìnn (w.: in Nöten sein; i.ü.S.: ein Problem haben)
·
Pusch boue (i.ü.S.: 1. Mist bauen; 2. eine schlechte Arbeit abliefern) ð „Dämm
Digg sìnn Rechìerung hadd doch jòhre|lòng nùrre Pusch geboud, awwa die
RooLe sinn aa nìdd vìel bessa!“ (Die Kohl-Regierung hat jahre-lang nur
Mist verzapft, aber die Roten <SPD> ist auch nicht viel besser!)
·
Uwwerasch (Urasch) mache (i.ü.S.:
ein Durcheinander anrichten)
·
sich ins eiene Fleisch (Flääsch) schniLLe
(w.: sich ins eigene Fleisch schneiden; i.ü.S.: sich selbst schaden)[3]
·
äbbes iwwa de Huffe wärfe (w.: etw. über den Haufen werfen; i.ü.S.: einen
Plan, eine Idee kippen, vereiteln)
·
äbbes ùff Iss lee'e (w.: etw. auf Eis legen: i.ü.S.: etw. vorläufig
ruhen lassen; etw. verschieben)[4]
·
sòmme|bräche wie e Kaade|huss (w.: zusammenbrechen wie ein Kartenhaus; i.ü.S.:
nicht sehr stabil sein; baufällig sein)
·
känn Kobb hònn fa äbbes (w.: keinen Kopf haben für etw.; i.ü.S.: den Kopf
nicht frei haben für andere Dinge; blockiert sein)
·
äbbes in de Schorschde schriewe (w.: etw. in den Schornstein schreiben; i.ü.S.:
etw. als verloren betrachten)[5]
·
jemònde in Schwulitääde bringe (i.ü.S.: jdm. Probleme machen; jdn. in eine
peinliche Situation bringen)
·
Theada mache (i.ü.S.: einen Streit vom Zaun brechen) ð „Wännde ma de Reschd Gäld nìdd
gìbsch, dònn machich Theada!“
·
alles ùff de Kobb schdelle (w.: alles auf den Kopf stellen; i.ü.S.: 1. alles
verdrehen; 2. alle Räumlichkeiten durchsuchen; 3. alles umschmeißen)
·
schwäär im Maa läie (w.: schwer im Magen liegen; i.ü.S.: ein großes
Problem für jd. sein)[6]
·
Mäggesja mache (i.ü.S.: Zicken machen) ð
„Mach ma nùrre känn Mäggesja!“ (Mache bloß keine Zicken!)
·
die Naas geschdrìche voll hònn (w.: die Nase gestrichen voll haben; i.ü.S.:
einer Sache total überdrüssig sein)[7]
·
henne|häär kùmme wie die ald Faase|nachd (i.ü.S.:
1. zu spät dran sein; 2. erst nach der Lösung eines Problems oder nach einer
Entscheidung er-scheinen) ð „Ou,
dass kònnich schùnn grad gùdd liLLe! Unsa|äns michd sich färdich, ùnn däärdòò
kimmd wiLLa henne|häär wie die ald Faase|nachd !“ (Ah, das mag ich! Ich
kümmere mich um eine Lösung des Problems und er da kommt erst, wenn das
Problem gelöst ist!)
·
sich die Zänn ònn äbbes ùss|bisse (w.:
sich die Zähne an etw. ausbeißen; i.ü.S.: große Probleme mit etw. haben)
·
känn Griddche gewaggsd sìnn gähng äbbes
(w.: kein Kraut gewachsen sein gegen etw.; i.ü.S.: kein geeignetes Mittel gegen
etw. geben)[8]
·
ussem Ròhme felle (w.: aus dem Rahmen fallen; i.ü.S.: vom Üblichen
abweichen)
·
wie de Òggs vòrm Bärch schdehn (i.ü.S.: 1. unfähig sein; 2.
orientierungslos sein)
·
sinn Hissje va|kaafe mìsse (sein
Haus verkaufen müssen)
·
in Däiwels Kìch kùmme (w.: in Teufels Küche kommen; i.ü.S.: in große
Schwierigkeiten geraten)
·
schäbb (schief) gewìggeld sìnn (w.: schief gewickelt sein; i.ü.S.: sich
falsche Vorstellungen machen)
·
„Däär ään ìsch dämm ònna sìnn Däiwel!“ (w.:
Der eine ist des andern Teufel! I.ü.S.: Beide sind <am Streit> schuld.
Sie können einfach nicht miteinander auskommen.)
·
„Ich kòmma’s jòò aa nìdd ùss de Rìbbe schniLLe!“
(w.: Ich kann es mir auch nicht aus den Rippen schneiden! I.ü.S.: Ich kann die
Lösung auch nicht herbeizaubern!)
·
die Naas voll hònn (w.: die Nase voll haben; i.ü.S.: genug haben;
nicht mehr ertragen können)
·
känn Bään ùff de BòLLem grìen (w.:
kein Bein auf die Erde kriegen; i.ü.S.: mit seinem Problem nicht zu Rande
kommen; keinen Erfolg haben)[9]
·
e Hòòr in da Sùbb finne (w.: ein Haar in der Suppe finden; i.ü.S.: immer
etw. auszusetzen haben, und wenn es sich bloß um eine Bagatelle handelt)
·
ussarra Mìgg e Elle|fond mache (w.:
aus einer Mücke einen Elefanten machen; i.ü.S.: eine Sache kräftig
aufbauschen; übertreiben)
·
dòòrùm|laafe wie e Schòòf òhne Häärd
(w.: herumlaufen wie ein Schaf, das seine Herde verloren hat; i.ü.S.: nervös
umherlaufen)[10]
·
zùmm Barrass mìsse (i.ü.S.: zur Bundeswehr müssen; in der Tat für
viele junge Männer ein Problem, weshalb sie den Wehrdienst verweigern)
·
„Dass gedd ùff känn Kùh|hudd!“ (w.: Das geht auf keine Kuhhaut. I.ü.S.: Das
ist eine Riesenschweinerei!) - Man benutzt diese Wendung, um seinen Unwillen über
eine unerfreuliche Sache zum Ausdruck zu bringen.[11]
·
„Wänn däärsäll sinn Tuur hadd, dònn hinnaddne die Modd òn da Wònd!“
(w.: Wenn
dieser Typ seinen Anfall bekommt, dann regt er sich schon über eine Motte auf,
die an der Wand sitzt.)[12]
·
memm Schdùhl gunsche (w.: mit dem Stuhl schaukeln)[13]
·
dodaal im Ääma sìnn (w.: total im Eimer sein; i.ü.S.: total entzwei; ~
verdorben sein)[14]
·
sich sälwadd in de Aasch bisse kìnne
(w.: sich selbst in den Hintern beißen können; i.ü.S.: sehr wütend, sehr ärgerlich
sein)[15]
·
sich die Bään in de Buch schdehn (w.: sich die Beine in den Bauch stehen; i.ü.S.:
sehr lange stehen und warten)[16]
·
de BòLLem ùnna de Fìeß va|lìere (w.: den Boden unter den Füßen verlieren;
i.ü.S.: völlig haltlos werden; die Existenzgrundlage verlieren)[17]
·
Eel ins Fier schiLLe (w.: Öl ins Feuer schütten; i.ü.S.: eine Sache
gewollt verschlimmern)[18]
·
ùff äbbes erùm|riLLe (w.: auf etw. herumreiten; i.ü.S.: eine Sache
breittreten; immer wieder das gleiche Thema zur Sprache bringen)[19]
·
Essich sìnn medd äbbes (w.: Essig sein mit etw.; i.ü.S.: mit etw. aus
sein, vorbei sein; nicht zustandekommen)[20]
·
„Dòò läid de Haas im Päffa!" (w.:
Da liegt der Hase im Pfeffer! I.ü.S.: Da ist die Ursache des Problems. Das ist
der entscheidende Fehler!)[21]
·
„Dòò leefd noch viel Wassa die Saar (de Aubach) enùnna!"
(i.ü.S.: Bevor dieses Problem gelöst wird, fließt noch viel Wasser die Saar
(die Aubach) hinunter, d.h., dauert es noch lange.)
Wer ein Problem hat, lässt das bewusst oder unbewusst auch seine Mitmenschen spüren. Ob man will oder nicht, man „darf“ an den Problemen anderer Leute immer wieder teilhaben:
·
die Flämm hònn
(1.
depressiv sein; 2. absolut lustlos sein; 3. schlechte Laune haben) ð „Dùsche äbbes ùss|brìeLe?“
- „Ach, lass mich ‘s beschd in Rùh, ich hònn grùsslich die Flämm!“
(Beschäftigt dich ein Problem? - Ach, lass mich in Ruhe; ich bin absolut
schlecht drauf.)
·
die Flämm grìen (1. depressiv werden; 2. schlechte Laune bekommen)
ð
„Wännde sìsch(d), wass die hoche Härre fa e Mummes ìnnschiewe fa nìggs
ùnn wiLLa nìggs, dòò kìnnsche grad die Flämm grìen!“ (Wenn du
siehst, wie die hohen Herren entlohnt werden, könntest du glatt depressiv
werden!)
·
e Flänsch hònn (~ mache) (i.ü.S.: ein langes Gesicht ziehen bzw. machen)
·
die Flänsch hängge lònn (i.ü.S.:
1. ein langes Gesicht ziehen bzw. machen; 2. eine traurige Miene aufsetzen)
·
e Fradds mache
(w.: eine
Fratze machen; i.ü.S.: das Gesicht verziehen)
·
e Schnuud mache (w.: eine Schnute ziehen; i.ü.S.: das Gesicht verziehen)[22]
·
dòòhugge wie e Hiffelche Eländ (w.: dasitzen wie ein Häufchen Elend; i.ü.S.:
sehr unglücklich sein)
·
die Fräi|maag va|zìehe (w.:
die Briefmarke verziehen; i.ü.S.: das Gesicht verziehen; eine sauertöpfische
Miene machen)[23]
·
nääwe|dròòn läie (i.ü.S.: durcheinander, verwirrt sein)
·
nääwe da Kabb läie
(i.ü.S.:
durcheinander, verwirrt sein)
·
e Gesichd mache wie Rabbs KaaLa (i.ü.S.: ein betrübtes Gesicht machen)
·
e Gesichd mache wie e Trääne|gùggùgg
(Trìbbs|trìllche) (i.ü.S.:
ein betrübtes Gesicht machen)
·
e Gesichd mache wie siwwe Daa RäänwäLLa
(w.: ein Gesicht machen wie sieben Tage Regenwetter; i.ü.S.: ein sehr betrübtes,
freudloses Gesicht machen; verdrießlich dreinschauen)[24]
·
e schäbb Schniss mache (i.ü.S.:
die Mundwinkel verziehen)
·
e schäbb Schnuud mache (w.:
eine schiefe Schnute machen: i.ü.S.: die Mundwinkel verziehen)
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Zum Glück gibt es aber nicht nur Probleme, sondern in den meisten Fällen
fällt einem auch eine Lösung ein.
In unserer Mundart liest sich das so:
·
äbbes ùffs Tabeed bringe (w.:
etw. aufs Tapet bringen; i.ü.S.: eine Sache, ein Problem ansprechen)
·
in die Räih kùmme
(w.: in die
Reihe kommen; i.ü.S.: in Ordnung kommen)
·
in die Räih bringe
(i.ü.S.: in
Ordnung bringen)
·
äbbes in da Henna|hònd hònn (w.: etw. in der Hinterhand haben; i.ü.S.: etw. in
Reserve haben)
·
die Gnoodsche vùnn äbbes lònn (w.: die Finger von etw. lassen)
·
änna òn da Hònd hònn (w.: jdn. an der Hand haben; i.ü.S.: jdn. kennen,
der eine bestimmte Aufgabe lösen oder der einem Türen öffnen kann) ð „Will(d)sche
die nou Kuddsch sälwa mache?“ - „Nää, ich hònn änna òn da Hònd, däär
wo ma’s mìchd!“ (Willst du das neue Frühbeet selbst bauen? - Nein, ich
kenne jemanden, der es mir baut.)
·
medd äbbes Daa wärre (i.ü.S.: mit einem Problem, einer Aufgabe fertig
werden)
·
jemònd schasse (jdn. verjagen, fortschicken)[25]
·
jemònd die Au'e ùffmache (w.: jdm. die Augen öffnen; i.ü.S.: jdn. auf ein
Problem hinweisen)
·
Näächel medd Kebb mache (w.: Nägel mit Köpfen machen; i.ü.S.: etw.
richtig anfangen und möglichst konsequent durchführen)[26]
·
„Wänn's Kend im Brùnne läid, kimmd de Deggel drùff!"
(w.: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man ihn mit einem Deckel
ab. I.ü.S.: erst etw. unternehmen, wenn es zu spät ist)
·
äbbes de longe|wää hòlle (etw. von der Längsseite her bearbeiten)
·
äbbes de brääLe|wää hòlle (etw.
von der Breitseite her bearbeiten)
·
medd jemònde noch lòng färdich wärre
(mit jdm. fertig werden) ð „Waad
nùrre, du Klùdds|kobb! Medd dìer wärrich noch lòng färdich!“
·
sich durch|wurschdele (w.: sich durchwursteln; i.ü.S.: nach und nach auch
ohne fremde Hilfe eine Lösung finden)
·
sich bäi jemònde enìnn|kehre (i.ü.S.: sich bei jdm. einmischen)
·
sich medd äbbes de Aasch abbùddse kìnne (w.:
sich mit etw. den Hintern abwischen können; i.ü.S.: Das sagt man, wenn man
etw. besitzt, was völlig wertlos ist.) ð
„‘S duurd nìmmeh lòng, dònn kònnscheda memme Hùn-nadd|maag|schinn
de Aasch abbùddse, wälla nìggs meh gäLLe dùdd!“ (Es dauert nicht mehr
lange, dann kannst du dir mit einem 100 DM-Schein den Hintern abwischen, weil er
<wegen der Einführung des Euro> nicht mehr gültig ist.)
·
denòh gehn (i.ü.S.: 1. sich mit einer Sache auseinandersetzen; 2. dafür sorgen,
dass eine Sache läuft; sich um etw. kümmern) ð „Vùnn sälwa grìsche dinn Bäi|siggel
nìmmeh häär. Dòò mùsche schùnn denòh gehn!“ (Von allein kommt dein
Fahrrad nicht mehr zu dir zurück! Du musst dich schon darum kümmern!)
·
„Dònn war de Oowe ùss!“ (w.: Dann war der Ofen aus! I.ü.S.: Dann hatte ich
die Nase voll!)
·
„’S dùdd flùddsche!“ (Es
klappt! Es funktioniert! Es läuft!)
·
„’S jääd!“
(Es klappt!
Es funktioniert! Es läuft!)
·
laafe wie geschmeerd
(w.: laufen
wie geschmiert; i.ü.S.: gut funktionieren)
·
laafe wie e Dìbbche
(w.: laufen
wie ein Töpfchen; i.ü.S.: gut funktionieren)
·
de|durch sìnn (i.ü.S.: fertig sein mit etw.; etw. überstanden haben) ð „Godd|loowe|dòngk
sìmma jeddse de|durch!“ (Gottseidank haben wir das überstanden!)
·
äbbes gùdd getòòbd hònn (i.ü.S.: 1. eine gute Lösung gefunden haben; 2.
etw. gut getroffen haben; 3. Glück haben bei etw.) ð „Ma hònn‘s
dissjòhr in Idaalje memm WäLLa richdich gùdd getòòbd!“ (Wir hatten in
diesem Jahr in Italien mit dem Wetter richtig Glück!)[27]
·
jemònde äbbes hääsche (w.: jdn. etw. heißen; i.ü.S.: jdm. etw.
auftragen)
·
sich Määschda mache (w.: sich zum Meister machen; i.ü.S.: sich
auf-spielen; wichtig tun)
·
medd jemònde Määschda wärre (i.ü.S.: mit jdm. fertig werden) ð „Pass
ùff! Medd dìer wärrich aa noch Määschda!“
·
äbbes schbìdds grìen (i.ü.S.: 1. etw. herausfinden; 2. etw. mitbekommen)
·
ùff die Gää|sidd gehn (w.: auf die Gegenseite gehen; i.ü.S.: den Bürgersteig
wechseln)
·
madds sìnn fa äbbes
(i.ü.S.: fähig
sein, etw. zu tun)
·
äbbes erùm ùnn nùmmwänne (i.ü.S.: 1. hin- und her überlegen; 2. mehrere Lösungsmöglichkeiten
durchdiskutieren)
·
ùssgerìschd sìnn wie e grùmm Bään (w.:
ausgerüstet sein wie ein krummes Bein; i.ü.S.: sehr gut ausgerüstet sein, um
z. B. eine Aufgabe zu lösen)
·
ùff die SchlouLa kùmme (i.ü.S.: 1. auf den Trichter kommen; 2. einen guten
Einfall haben; 3. etw. bemerken, herausfinden)
·
e gùLLa Innfall hònn (~ grìen) (einen
guten Einfall haben; ~ bekommen)
·
vòòr da ei’e Dìer kehre (w.: vor der eigenen Tür kehren; i.ü.S.: sich um
seine eigenen Sachen kümmern)
·
ùm känn Ussredd va|lää sìnn (w.:
um keine Ausrede verlegen sein; i.ü.S.: immer eine Ausrede parat haben)
·
„Kehr dich dòò nìdd enìnn, dass gedd dich nìggs òòn!“
(i.ü.S.: Misch’ dich da nicht ein; das geht dich nichts an!)
·
sinn Sùbb sälwa uss|leffele (w.: seine Suppe selbst auslöffeln; i.ü.S.: die
Folgen seines Tuns alleine tragen)[28]
·
die Keschde ussem Fier hòlle (w.: die Kastanien aus dem Feuer holen; i.ü.S.:
für jd. anderen eine unangenehme Aufgabe übernehmen)[29]
·
jemònd gewäid sìnn (w.: jdn. geweiht sein; i.ü.S.: jdn. nicht mehr
ertragen müssen, weil er nicht mehr da ist) ð
„Godd|loowe|dòngk! Dänne Klùdds| kobb sìmma gewäid!“ (Gottseidank
sind wir diesen Zeitgenossen los!)
·
äbbes ùffem lingge Aaschbagge abhugge
(w.: etw. auf der linken Arschbacke absitzen; i.ü.S.: ein Problem mit
Leichtigkeit lösen)
·
siwwe Griddsa mache (w.: sieben Kreuze schlagen; i.ü.S.: sehr
erleichtert sein, dass ein Problem gelöst oder jemand endlich gegangen ist)[30]
·
medda Dìer ins Huss felle (w.: mit der Tür ins Haus fallen; i.ü.S.: ein
Anliegen unvermittelt vortragen)
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Oft verlangt eine Lösung auch besondere
Anstrengungen:
·
sich e Bään ùss|ròbbe (~ ùss|risse) (w.:
sich ein Bein herausreißen; i.ü.S.:
sich sehr anstrengen). Dieser Ausdruck
existiert auch im Plural, was auf
noch größere Anstrengungen schließen lässt:
sich die Bään ùss|risse.
·
„Wäär gùdd schmeerd, däär gùdd fehrd!“
Das ist der Grundsatz für jegliche Korruption.[31]
·
sich ins Plädds vùnn jemònde schdelle (i.ü.S.:
sich in die Lage eines anderen versetzen)
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Außer diesen Lösungen gibt es auch solche, die mit der Ausübung von Gewalt verbunden sind. Unsere Vorfahren haben in der Regel nicht gelernt, sich mit einem Problem argumentativ auseinanderzusetzen, sondern darauf zu bauen, dass einer nachgibt oder notfalls die eigene Position mit Gewalt durchzusetzen. Das erklärt auch die Vielzahl der Begriffe zum Thema „mit Schlägen strafen“.
·
jemònde ùffs Dubbee schlòòn (w.: jdm. aufs Toupet schlagen; i.ü.S.: jdn.
schlagen)
·
jemònde änni ùffs Dubbee gänn (w.: jdm. eine aufs Toupet geben)
·
Fäng grìen (i.ü.S.: geschlagen werden; mit Schlägen bestraft werden)
·
jemònde de Kobb serächd rigge (w.: jdm. den Kopf zurechtrücken; i.ü.S.:
jdn. zur Vernunft bringen)[32]
·
„Dämm dùnnich die Fleh aa noch fonge!“ (w.:
Dem werde ich die Flöhe auch noch fangen! I.ü.S.: Dem treibe ich seine
schlechten Manieren auch noch aus!)
·
jemònde Grìmmele in de Kääs mache (w.: jdm. Krümel in den Käse ma-chen; i.ü.S.:
jdm. Schwierigkeiten, Ärger machen)
·
„Medd Gewald hebbd ma e Gääß erùmm!“
(i.ü.S.: Mit Kraft lässt sich jedes Problem lösen!)[33]
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Oft blieb nur die Flucht als
Ausweg vor einem Problem:
·
sich ùssem Schdaab mache (w.: sich aus dem Staub machen; i.ü.S.: sich rasch
und heimlich entfernen)[34]
·
ùff ùnn je sìnn (w.: auf und davon sein; i.ü.S.: schnell verschwunden sein)
·
sich ùss de Fìeß mache (w.: sich aus den Füßen machen; i.ü.S.: schnell
verschwinden)
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Wenn eine Sache erledigt oder
ein Problem gelöst ist, kann man
folgende Redensarten benutzen:
·
„Dònn ìsch die Bìer gescheeld!“ (w.: Dann ist die Birne geschält.)
·
„Dònn ìsch de Kääs gäss!“ (w.: Dann ist der Käse gegessen.)
·
„Dònn sìnn all Schbaddse gefòng!“ (w.:
Dann sind alle Spatzen gefangen!)
·
„Dònn hadd die aam Seel Rùh!“ (Dann
ist das Thema erledigt!)
·
„Dònn ìsch de Haas iwwa de Heh!“ (w.:
Dann ist der Hase über die Höhe geflohen. I.ü.S.: Die Chance ist vertan!)
Anmerkungen
[1] Vgl. Duden, op. cit., 528, demzufolge schlaggarre von hin und her schlagen kommt.
[2] Laut Gelbhaar, op. cit., 50 leitet sich diese Wendung vom lat. tapetum (= das Tuch) ab. Mit diesem Tuch habe man früher den Boden, die Wände und die Tische bedeckt. Im 18. Jh. sei dies eine Art Tischtuch auf den Konferenztischen der Beamten gewesen.
[3]
Vgl. Duden, op. cit., 211.
[4] Vgl. Duden, op. cit., 174. Nach dieser Quelle bezieht sich die Wendung darauf, dass man Nahrungsmittel, die nicht gleich verzehrt werden, auf Eis aufbewahrt. Vgl. auch Griesbach/Schulz, op. cit., 23.
[5] Vgl. Duden, op. cit., 634f: Was man an die Innenwand eines Schornsteins schreibt, wird bald von Ruß zugedeckt und ist dann nicht mehr lesbar; das Geschriebene ist damit verloren.
[6]
Vgl. Duden, op. cit., 471.
[7] Vgl. Duden, op. cit., 507, demzufolge die Wendung davon ausgeht, dass bei bestimmten Reaktionen die Nasenschleimhäute allergisch anschwellen und Schleim absondern.
[8] Vgl. Duden, op. cit., 415, wonach sich die Wendung auf den Gebrauch von Kräutern als Heilmittel [bezieht]; gegen eine Krankheit kann man nichts machen, wenn es kein Heilkraut gibt, um sie damit zu kurieren.
[9] Wie Braun, op. cit., 25 vermerkt, ist im 1977 in Ost-Berlin erschienenen "Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache" die schriftdeutsche Version enthalten: Sie kriegten kein Bein auf die Erde. Braun vermutet bei dieser sprachlichen Metapher, dass es sich um einen Kranken handelt, der keine Kraft hat, sich auf seine Beine zu stellen.
[10] Bei Braun, op. cit., 116 handelt es sich um ein "Schaf ohne Hirt".
[11] Braun, op. cit., 126 zufolge stammt die Redewendung aus einer Zeit, als man noch auf Pergament aus Tierhäuten geschrieben hat. Demnach bedeutet der Ausdruck in etwa: Das ist mehr, als auf eine Kuhhaut passt.
[12] Man gebraucht diese Redensart, um deutlich zu machen, dass jemand in einer besonderen Situation sehr leicht reizbar ist.
[13] Gunsche leitet sich ab vom südwestdt. gautschen <schaukeln, wippen>. Vgl. Seibicke, op. cit., 132.
[14] Vgl. Duden, op. cit., 170.
[15] Vgl. Duden, op. cit., 341: Die Wendung drückt volkstümlich übersteigernd aus, dass jemand aus Wut, aus Verärgerung tun könnte, was nicht vorstellbar ist.
[16]
Vgl. Duden, op. cit., 92.
[17]
Vgl. Duden, op. cit., 121.
[18] Diese Wendung existiert genauso im Frz.: jeter de l'huile sur le feu (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 71). Vgl. auch Duden, op. cit., 529, demzufolge sich die Wendung darauf bezieht, dass Öl, wenn man es ins Feuer gießt, die Flammen höher schlagen lässt.
[19] Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 83.
[20] Vgl. Duden, op. cit., 186, wonach sie die Wendung darauf bezieht, dass der Wein, der zu Essig versäuert, nicht mehr genießbar ist und weggeschüttet werden muss.
[21] Vgl. Duden, op. cit., 311f: Es ist nicht klar, wo die Wendung herkommt: Vielleicht soll ausgedrückt werden, dass es für etwas zu spät ist: Der Hase ist nicht mehr lebendig zu machen, er ist bereits in scharfer Pfeffersoße eingelegt. Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 77.
[22] Abgeleitet vom norddt. Schnute <Mund>. Vgl. Seibicke, op. cit., 111.
[23] Vielleicht kommt dieser Begriff davon, dass auf Briefmarken oft Konterfeis von berühmten Personen sind.
[24]
Vgl. Duden, op. cit., 256.
[25]
Hier stand das frz. chasser
<verjagen> Pate.
[26] Vgl. Duden, op. cit., 504, demzufolge die Wendung besagt, dass Nägel mit Köpfen in der Regel brauchbarer als einfache Drahtstifte sind, die sich beim Nageln leichter verbiegen.
[27]
Unter Tòòb versteht man
<Hand; Pfote; Klaue>. Wenn also das Handling bei einer Sache gut war,
hat man es gut getòòbd!
[28]
Vgl. Duden, op. cit., 706.
[29] Vgl. Duden, op. cit., 374f. Die Wendung entstammt einer Fabel von La Fontaine und hat somit zuerst Eingang in die frz. Sprache gefunden: tirer des marrons du feu. (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 84.)
[30] Vgl. Duden, op. cit., 417: Diese Wendung nimmt darauf Bezug, dass fromme Katholiken nach dem günstigen Ausgang einer unangenehmen Angelegenheit ein Dankgebet sprechen und sich bekreuzigen.
[31] Die Redensart dürfte auf die alten Ochsenkarren und Pferdewagen zurückgehen, deren Naben man gut mit Fett ausschmieren musste, damit sich die Räder leicht drehten.
[32]
Vgl. Duden, op. cit., 405.
[33] Laut Braun, op. cit., 119 ist diese Redensart auch für das Moselfränkische und Bayerische belegt.
[34] Vgl. Duden, op. cit., 682, wonach sich diese Wendung ursprünglich auf den Staub [bezog], der in einer Schlacht aufgewirbelt wird und in dessen Schutz eine unauffällige Flucht möglich ist.
© Paul Glass 2000-2001