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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Die Unmenge der nachfolgenden Begriffe zu diesem Thema zeigt, dass Dummheit und Intelligenz schon immer die Phantasie der Menschen angeregt hat. Dabei sind die Ausdrücke und Redensarten, die sich auf die Dummheit oder den Vorwurf der Dummheit beziehen, deutlich in der Mehrheit, ein Beweis vielleicht, dass sich schon früher viele Menschen einander der Dummheit geziehen haben. Wie im Schriftdeutschen sind auch in der Mundart die Begriffe nicht wegzudenken, „in hùnnadd Jòhr nìdd!“...
Dass jemand dumm und einfältig
ist, lässt sich mit folgenden Ausdrücken sprachlich umsetzen:
·
dùmm sìnn wie e Asko|brood (w.: dumm sein wie ein Brot aus dem Asko)
·
~ wie Bohne|schdroh (w.: dumm sein wie gedörrtes Bohnenlaub; i.ü.S.:
besonders dumm sein)[1]
·
~ wie Holla (w.: dumm sein wie Holunder; i.ü.S.: sehr dumm sein)
·
dùmm wie e Kùh sìnn / kùhdùmm sìnn[2]
·
brùns|dùmm sìnn (w.: dumm wie Urin sein; i.ü.S.: sehr dumm sein)
· so dùmm wie long sìnn (w.: so dumm wie lang sein)[3]
·
sou|dùmm (sou|bleed) sìnn (w.: saudumm bzw. saublöd sein)
·
e longi LääLung hònn
(w.: eine
lange Leitung haben; i.ü.S.: nichts alles auf Anhieb kapieren)
·
doddelich sìnn bis dòrdenuss (i.ü.S.:
absolut dämlich und tolpatschig sein)
·
dumm sìnn wie die Naachd finschda[4]
·
dùmm wie Schìffa|scheisse sìnn (i.ü.S.: sehr dumm sein)[5]
·
dùmm uss da Wesch lùù'e (w.: dumm aus der Wäsche gucken; i.ü.S.: einfältig,
verdutzt dreinschauen)
·
e dùmmes Hinggel sìnn (w.: ein dummes Huhn sein)
·
se dùmm sìnn fa e Loch in de Schnee se brùnse
(w.: <derb> zu dumm sein, um ein Loch in den Schnee zu pinkeln; i.ü.S.:
absolut, unübertreffbar dumm sein)
·
se dùmm sìnn fa elään e Schmeer se ässe (w.:
zu dumm sein, um alleine ein Butterbrot zu verzehren; i.ü.S.: absolut, unübertreffbar
dumm sein)
·
„Du bìsch se dùmm fa medda Wudds se dònse - ùnn wämma da de Schwòns
in die Hònd gìdd!“ (w.: Du bist zu dumm, um mit einem Schwein zu tanzen, selbst wenn man
dir den Schwanz in die Hand gibt! I.ü.S.: unübertrefflich dumm sein)
·
„Wänn du so lòng wärsch(d) wie de dùmm bisch(d), dònn kìnnsche
's Wassa ussem Kònnel suffe!“ (w.: Wenn du so lang wärst wie du dumm bist, dann könntest du das
Wasser aus der Regenrinne trinken! I.ü.S.: un-übertrefflich dumm sein)
·
dùmm gebòòr ùnn nìggs dedsùù|gelehrd
(w.: dumm geboren und nichts dazugelernt)
·
nùrre de Debb ùnn sich känne (w.:
nur den Dummkopf und sich kennen; i.ü.S.: dumm und doof sein)
·
e ald Luwwies sìnn
(w.: eine
alte Luise sein: i.ü.S.: töricht, tolpatschig sein)
·
nùrre Schdroh im Kobb hònn (w.: nur Stroh im Kopf haben; i.ü.S.: dumm sein)[6]
·
e Brädd vòòrm Kobb hònn (w.:
ein Brett vor dem Kopf haben; i.ü.S.: dumm und begriffsstutzig sein)[7]
·
vùnn Tuude ùnn Blòòse känn Òhnung hònn
(w.: von Tuten und Blasen keine Ahnung haben; i.ü.S.: dumm, unfähig sein)
·
känn Bousche Òhnung hònn (i.ü.S.: überhaupt keine Ahnung von etw. haben,
sehr dumm sein)
·
e bissje bleed sìnn (w.: ein bisschen blöd sein)
·
e gòns bleeLa Hùnd sìnn (w.:
ein ganz blöder Hund sein; i.ü.S.: sehr dumm und einfältig sein)
·
nìdd de Hällschde sìnn (w.: nicht der Hellste sein; i.ü.S.: nicht zu den
Intelligentesten gehören; dumm sein)
·
känn Vaschdònd hònn (w.: keinen Verstand haben; i.ü.S.: dumm sein; un-überlegt
handeln)
·
de Vaschdònd medda Mìschd|gawwel gefräss hònn
(w.: den Verstand mit der Mistgabel gefressen haben; i.ü.S.: besonders dumm und
einfältig sein; ein dummer Bauer sein)
·
„Dòò kònnsche lòng pìgge, bisse òn's Hirn kimmsch!“
(w.: Bei diesem Zeitgenossen kannst du lange picken, bis du ans Gehirn kommst.
I.ü.S.: Dieser Mensch hat wenig Gehirnmasse und ist entsprechend dumm.)
·
grusslich äänfäLLich sìnn (w.: arg einfältig sein)
·
hennam Mòònd dehämm sìnn (w.: hinter dem Mond zu Hause sein; i.ü.S.: 1.
nicht wissen, was auf der Erde vorgeht; 2. rückständig sein)[8]
·
„Wänn Dùmmhääd wehdùùn gähng(d), gähngsch(d) du de gònse
Daa haad grische!“
(Wenn
Dummheit schmerzen würde, würdest du den ganzen Tag über laut
schreien!)[9]
·
ùff die Dùmm|schùùl (Hilfs|schùùl) gehn (die
Sonderschule besuchen)[10]
·
„Lònge Hòòr, kurdsa Vaschdònd!“ (w.: Lange Haare, kurzer Verstand!)[11]
·
„Longi LääLung, kurdsa Vaschdònd!“
(Lange Leitung, kurzer Verstand; auch das ein Hinweis auf die angebliche oder
tatsächliche Dummheit)
·
Òhnung hònn wie die Kadds vùmm Hei|ròbbe (w.:
von etw. Ahnung haben wie die Katze vom Heuzupfen; i.ü.S.: nicht die geringste
Ahnung von etw. haben) ð
„Du hasch vùmm Sänse|dängele Òhnung wie die Kadds vùmm Hei|ròbbe!“
(Du kennst dich beim Schärfen einer Sense so gut aus, wie eine Katze Heu rupfen
kann.)
·
iwwahaabd känn Geschìgg hònn (i.ü.S.: unfähig, unbegabt, unfähig sein)
·
sich gäär va|frònse (va|frònsele) (w.: sich leicht verfransen; i.ü.S.: leicht
aus dem Konzept geraten; ~ die Orientierung verlieren)[12]
·
dòò schdehn wie de Oggs vòrm Bärch
(w.: dastehen wie der Ochs vorm Berg; i.ü.S.: dumm herumstehen; keine Lösung für
ein Problem wissen; sich nicht zu helfen wissen)[13]
·
jemònde die gòns Kaad va|ròòLe (w.: jdm. die ganze Karte verraten; i.ü.S.:
aus Dummheit ein Geheimnis preisgeben) ð
„Hasche mìsse die gòns Kaad varòòLe? Du bìschòò so äbbes vùnn brùns|dùmm!“
(Hast du alles weiter-erzählen müssen? Du bist ja sowas von dumm!)
·
„Fòòds ma känn Zinnoowa!“ (i.ü.S.:
Rede keinen Quatsch! Rede kein dummes Zeug!)
·
ùffem Holswää sìnn (w.: auf dem Holzweg sein; i.ü.S.: sich gründlich
irren)[14]
·
Innfäll hònn wie e alda Ääma (~ wie e aldes Huss) (w.:
Einfälle haben wie ein alter Eimer / ein altes Haus; i.ü.S.: blöde,
sonderbare Einfälle haben)
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Wer eingebildet ist, gilt auch als dumm; jedenfalls verhält er sich wie ein Dummkopf:
·
die
Naas gòns owwe tròòn
(w.: die Nase ganz oben tragen; i.ü.S.: sehr ein-gebildet sein)
·
„Dämm
räänd’s aa in die Naase|lecha!“ (w.: Dem regnet es auch in die Nasenlöcher! I.ü.S.: Dieser Mensch trägt
die Nase so hoch, dass es ihm hineinregnet; er ist also sehr eingebildet!)
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Wer dumm
ist oder wen man der Dummheit verdächtigt,
läuft immer Gefahr, auf die Probe gestellt zu werden. Sinn der Übung ist es,
die behauptete oder unterstellte Dummheit des Opfers zu beweisen:
·
jemònde in de April schìgge (jdn. in den April schicken; jdm. am 1. April einen
Streich spielen)
·
„Geh in die Abbe|deeg(d) ùnn kaaf e Tied|che Haumichblau!“
·
„Geh in die Abbe|deeg(d) ùnn kaaf e Schächdel|che Owiedumm!“
·
jemònde e Gnobb òn de Bagge nähe (w.: jdm. einen Knopf an die Wange nähen; i.ü.S.:
jdn. täuschen; in die Irre führen)
·
jemònde e Flògg ins Ohr hugge (w.: jdm. einen Floh ins Ohr setzen; i.ü.S.:
jdm. eine spinnerte Idee unterjubeln; bei jdm. einen unerfüllbaren Wunsch
wecken)[15]
·
medd jemònde de Aff mache (w.: mit jmd. den Affen machen; i.ü.S.: jdn.
hereinlegen; jdn. für dumm verkaufen)
·
medd jemònde de Joch|hònn mache (w.: mit jdm. den Johann machen; i.ü.S.: jdn.
hereinlegen; jdn. für dumm verkaufen)
·
medd jemònde ‘s Peeda|che mache (w.: mit jdm. den kleinen Peter machen; i.ü.S.:
jdn. hereinlegen; jdn. für dumm verkaufen)
·
jemònde ùff de Limm gehn (w.: jdm. auf den Leim gehen; auf etw. hereinfallen)[16]
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Um auszudrücken, das jemand verrückt ist oder spinnt, stellt das Ensemma Pladd jede Menge Ausdrücke zur Verfügung:
·
e Schdich hònn (w.: einen Stich haben; i.ü.S.: nicht recht bei Verstand sein)[17]
·
e paar Schriebcha lògga hònn (w.: ein paar Schräubchen locker haben; i.ü.S.:
nicht recht bei Verstand sein)[18]
·
nääwe da Kabb läie (w.: neben der Mütze liegen)[19]
·
e gùdd Schdìgg nääwe da Kabb läie (w.: ein gutes Stück neben der Mütze
liegen; i.ü.S.: ganz schön verrückt sein)
·
maschùggadd sìnn (w.: meschugge sein; i.ü.S.: verrückt sein)[20]
·
de|nääwe läie (w.: daneben liegen; i.ü.S.: verrückt sein)
·
nääwe da Schbuur läie (w.: neben der Spur liegen)
·
nääwe da Fùhr läie (w.: neben der Furche <Ackerfurche> liegen)
·
nääwem Hissje läie (w.: neben dem Häuschen liegen)
·
e Schbarre hònn (w.: einen Sparren haben)
·
de Aasch ùffhònn (w.: den Arsch offen haben)[21]
·
nimmeh rìchdìch tigge (w.: nicht mehr richtig ticken)[22]
·
de Koffa ùffhònn (w.: den Koffer offen haben)
·
de Kobb ùffhònn (w.: den Kopf offen haben)
·
e Dach|schaaLe hònn (w.: einen Dachschaden haben)
·
e alda Bouse sìnn (i.ü.S.: ein Dummkopf sein)
·
se nimmeh all hònn (w.: nicht mehr alle beisammen haben)
ð
„Du haschse jòò nìmmeh all!“ (Du spinnst ja!)
· „Du haschse jòò nìmmeh all òm Gresch|bòòm!“ (w.: Du hast sie nicht mehr alle auf dem Christbaum; i.ü.S.: Du spinnst ja total!)[23]
Dìer
hònnse jòò ins Hirn geschess!" (w.: Dir hat man ja ins
Gehirn geschissen. I.ü.S.: Du spinnst ja total!)
·
va|rìggd sìnn; doddaal ~ (w.: verrückt sein; total verrückt sein)
·
nimmeh gòns fìggs sìnn; nimmeh gòns fìggs im Kobb sìnn
·
e Rìss im Dìbbe hònn (w.: einen Riss in der Tasse haben)
·
e Schbrung im Dìbbe hònn (w.: einen Sprung in der Tasse haben)
·
e Rìss im Deggel hònn (w.: einen Riss im Deckel haben)
·
e Rìss in da Schìssel hònn (w.: einen Riss in der Schüssel haben)
·
e Schbrung in da Schissel hònn (w.: einen Sprung in der Schüssel haben; i.ü.S.:
nicht recht bei Verstand sein)[24]
·
e Tubbe hònn; e Mords|tubbe hònn (w.: einen Tupfen haben; i.ü.S.: verrückt
sein)
·
vùmm Lämmes gepìggd sìnn (~ wärre)[25]
·
va|rìggd sìnn wie e Zirguss|päärd (~wie e Kòhle|kaschde)
·
nimmeh gòns dichd sìnn
·
schäbb (schief) gewìggeld sìnn (w.: schief gewickelt sein; i.ü.S.: sich
falsche Vorstellungen machen; sich etw. einbilden)
·
sich schwäär nääwe’s Neschd lee’e (i.ü.S.: sich stark verrechnen) ð „Wahrscheins
hadd de Pidd gemännd, er kìnnd ma änna schbìele, awwa dòò haLLa sich schwäär
nääwe‘s Neschd geleed!“ (Wahrscheinlich dachte Peter, er könne mir
einen Streich spielen, aber da hat er sich stark verrechnet.)
·
meddem Vochel|keewich innkaafe gehn
(w.: mit dem Vogelkäfig einkaufen gehen; i.ü.S.: geistig verwirrt sein; an
Alzheimer erkrankt sein; demenzkrank sein) ð
„Jòò, jòò, hasches aa gehärd? ‘S Guschdje gähng aa schùnn memm
Vochel|keewich innkaafe gehn! Saa, dass ìsch doch noch nìdd so ald, oLLa?“[26]
·
meddem Kòhle|kaschde innkaafe gehn
(w.: mit dem Kohlenkasten einkaufen gehen; i.ü.S.: 1. geistig verwirrt sein; 2.
an Alzheimer erkrankt sein; 3. demenzkrank sein)
·
die
Hòòr ùffem Kääskùùche rasìere
(w.: den Schimmel auf dem Käsekuchen rasieren; i.ü.S.: geistig total verwirrt
sein; 2. an Alzheimer erkrankt sein; 3. demenzkrank sein) ð
„Du, Mariche, zìnda dasses Malche dood ìsch, ìsch memm Jochònn aa nìmmeh
vìel loss: leddschdens hònnich im Dorf gehärd, däärsäll gähng schùnn
alsemòòl de Schìmmel ùffem Kääskùùche rasìere!“ (Maria, seit
Amalie tot ist, ist mit Johann nicht mehr viel los: kürzlich habe ich im Dorf
gehört, Johann sei manchmal auch schon geistig verwirrt!)
·
nimmeh gòns juschd sìnn (i.ü.S.:
ein bisschen spinnen)[27]
·
„Ich glääb, du hasch änna ränne!“ (i.ü.S.:
Ich glaube, du spinnst!)
·
gòns wùrres sìnn
(ganz
verwirrt, durcheinander sein)
·
gòns ärr sìnn
(ganz irr,
durcheinander sein)
·
nìdd gòns kooscha sìnn (i.ü.S.:
nicht ganz bei Sinnen sein)[28]
·
gòns ròmdeesich wärre
(w.: ganz
rammdösig werden; i.ü.S.: 1. ganz verrückt werden; ganz schwindelig ~)
·
„Ich meechd dänne Balge sìehn, wo du dich gerännd hasch(d)!“
(w.: Ich möchte den Balken gesehen, gegen den du gerannt bist. I.ü.S.: Ich möchte
den Grund dafür sehen, warum du so spinnst.)
·
fähl in da Geechend rùmlaafe (i.ü.S.: 1. orientierungs- und ziellos in der
Gegend herumlaufen; 2. nicht wissen, was man gerade tun könnte) ð „Oh,
laaf doch nìdd so fähl in da Geechend rùm! Hùgg dich hìen ùnn lääs äbbes
oLLa schaff dich rùss!“ (Ach, lauf’ doch nicht so ziellos in der Gegend
herum! Setz’ dich hin und lies’ was oder geh’ raus.)
·
„Däärsäll gehärd jòò nòh Märdsich!“
(w.: Der gehört ja nach Merzig! I.ü.S.: Den sollte man ins Psychiatrische
Krankenhaus ins Merzig einweisen!)
·
ins Nache|huss (Narre|hùss) kùmme (w.:
ins Narrenhaus kommen; i.ü.S.: ins Psychiatrische Krankenhaus eingewiesen
werden)
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Wer sich mit anderer Leute Federn schmückt, wird so beschrieben:
·
medd onnalieds Firds schdìngge gehn
(w.: mit den Fürzen anderer Leute stinken; i.ü.S.: die Ideen anderer Leute als
eigene ausgeben)
Auch die Vergesslichkeit wird
in der Mundart auf interessante Weise be-schrieben:
·
ussdänggich wärre (vergessen) ð
„Die gòns Zidd hònnich dròòn gedänggd, awwa jedds ìsch ma’s ussdänggich
wòòr!“ (Die ganze Zeit habe ich daran gedacht, aber jetzt habe ich es
vergessen.)
·
paaduu nìdd drùffkùmme (w.: partout nicht draufkommen; i.ü.S.: etw. will
einem einfach nicht einfallen)
·
de Kobb voll hònn medd ònna Dinges
(w.: den Kopf voll mit anderen Dingen haben; i.ü.S.: nicht bei der Sache,
vergesslich sein)
·
sich e Gnìbbel ins Saggdùùch mache (w.:
sich einen Knoten ins Taschen-tuch machen)[29]
·
sich e Gnìbbel ins Ohr mache (w.: sich einen Knoten ins Ohr machen)
·
„Wass ich nìdd im Kobb hònn, mussich in de Fìeß hònn!“
(i.ü.S.: Wenn ich etw. vergessen habe, dann muss ich laufen, um es zu holen.)
·
„Wass ma nìdd im Kobb hadd, hadd ma in de Bään!“
(Wer etw. vergessen oder liegengelassen hat, muss seine Beine einsetzen, um es
zu holen.[30])
·
„Du gähngsch noch de Kobb läie lònn, wänna nìdd òòngewaggsd wäär!“
(Du würdest noch Deinen Kopf vergessen, wenn er nicht angewachsen wäre.)[31]
·
in de Ùùngedòngge (i.ü.S.: in totaler Gedankenlosigkeit)
·
in de Ùùngedòngge e halwa Gweddsch|kùùche wòmsche
(w.: gedankenlos einen halben Zwetschgenkuchen essen; i.ü.S.: einen halben
Zwetschgenkuchen essen ohne es zu merken)
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Neben diesen
vielen Ausdrücken, die sich auf Dummheit oder Verrücktheit beziehen, gibt es
aber auch ein paar Ausdrücke, welche die Intelligenz
von anderen Menschen beschreiben:
·
sich äbbes ìnnbìlle
kìnne
(sich etw.
einbilden können, z.B. wegen seiner Intelligenz) ð
„Haschuus russgrìdd? Ou, dòò kònnsche da awwa äbbes drùff ìnnbìlle!“
(Hast du die Aufgabe gelöst? Oh, da kannst du dir aber etwas darauf einbilden!)
·
e Indelligänns|bolse sìnn (i.ü.S.:
pej.: sehr intelligent sein)
·
e hoochi Schdìer hònn (w.:
eine hohe Stirn haben; i.ü.S.: gescheit sein)
·
äbbes glich bekebbe (w.: etw. gleich kapieren)
·
imma änna färdich hònn (w.: immer einen fertig haben; i.ü.S.:
schlagfertig, voller Witz sein)
·
ùff die hooch Schùùl gehn (i.ü.S.:
das Gymnasium besuchen)
·
e gòns Schloua sìnn (i.ü.S.: 1. sehr intelligent sein; 2.
besserwisserisch sein)
·
äbbes schbìdds grìen (etw. herausfinden; merken; bemerken)
·
ùffpasse wie e Hafde|määcha (w.: aufpassen wie ein Heftelmacher; i.ü.S.: gut
aufpassen; die Ohren spitzen; aufpassen wie ein Luchs) ð „Wänn
das klään Schinnòòs debäi ìsch, mùsche die Schnìss haLLe; dassäll passd
ùff wie e Hafde|määcha!“ (Wenn die Kleine dabei ist, darfst du nichts
erzählen; die passt auf wie ein Luchs!)[32]
·
ùffpasse wie e Luggs (w.: aufpassen wie ein Luchs; i.ü.S.: sehr gut
auf-passen; ganz genau aufpassen)[33]
·
e gùLLa Geschìgg hònn
(i.ü.S.:
geschickt sein; fähig sein)
·
medd äbbes Daa wärre (w.: mit etw. Tag werden; i.ü.S.: mit einem
Pro-blem, einer Aufgabe fertig werden)
·
Owwa|wassa hònn
(w.:
Oberwasser haben; i.ü.S.: die besseren Argumente haben; eine bessere Position
haben als der Kontrahent)[34]
·
in äbbes firm sìnn (i.ü.S.: sich bei etw. gut auskennen; Ahnung haben
von)
·
kännich sìnn (i.ü.S.: Ahnung haben; sich auskennen)
·
nìdd ùff de Kobb gefall sìnn (i.ü.S.:
intelligent sein)[35]
·
äbbes ù(ffe)m Kaschde hònn (w.: etw. auf dem Kasten haben; i.ü.S.:
intelligent; fähig sein; viel können)[36]
·
schwäär ùff Zagg sìnn
(w.: schwer
auf Zack sein; i.ü.S.: optimal funktio-nieren, z.B. denken)[37]
·
schwäär ùff Dròhd sìnn (w.: schwer auf Draht, i.ü.S.: intelligent; fähig
sein)[38]
·
äbbes usse|wänsich lehre (w.:
etw. auswendig lernen)
·
äbbes medd linggs mache (w.: etw. mit links machen: i.ü.S.: etw.
problem-los, ohne besondere Anstrengung erledigen)[39]
·
äbbes uss da Lamäng mache (etw. problemlos erledigen)[40]
·
e rìchdìchi Doggda|schrifd hònn (w.: eine richtige Doktorschrift haben; i.ü.S.:
gelehrt, intelligent wirken)[41]
·
‘s Gras waggse härre (ein besonderes Gespür haben; auch: sich für
beson-ders gewitzt halten)[42]
·
die Fleh hùùschde härre (w.:
die Flöhe husten hören; i.ü.S.: ein besonderes Gespür haben; eine gute
Witterung haben)[43]
·
„Ma wärd so ald wie e Kùh ùnn lehrd ìmma noch dedsùù!“ (w.:
Man wird so alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. I.ü.S.: Das ganze Leben
ist ein Lernprozeß!)[44]
·
de Naachel ùff de Kobb träffe (w.: den Nagel auf den Kopf treffen; i.ü.S.:
eine absolut richtige, eine genaue Antwort geben)[45]
·
de
Plòòn vùnn jemònde im Sagg hònn (w.:
den Plan von jdm. in der Tasche haben; i.ü.S.: jmd. bzw. dessen wahren
Absichten genau kennen) ð
„Also, memm Ottill sìnnich färdich – vùnn dämmsäll hònnich de Plòòn
im Sagg!“ (Also, mit Otilie bin ich fertig; ich habe sie total
durchschaut!)
·
sich
nìdd in die Kaade lùù'e lònn
(w.: sich nicht in die Karten schauen lassen; i.ü.S.: seine Absichten mit
Erfolg verbergen)[46]
·
de Vòchel abschìeße
(w.: den
Vogel abschießen; i.ü.S.: die beste oder kurioseste Leistung bringen; am
meisten auffallen)[47]
ð „Hònna
och òn Faase|nachd va|boodsd?“ - „Ei jòò, awwa ‘s beschd war de Eicheen.
Däär hadd wiLLa de Vòchel abgeschoss! Däär war Aldi ùnn hadd e rìchdìcha
Oowe ù(ffe)m Bùggel gehaad!“ (Habt ihr euch an Fasching verkleidet? -
Natürlich, aber das beste und auffallendste Kostüm hatte Eugen: der hatte sich
als alte Hexe verkleidet und trug einen echten Ofen auf dem Rücken!)
Anmerkungen
[1] Wie im Duden, op. cit., 162 berichtet wird, konnten arme und ungebildete Menschen ... ihre Schlafstatt nicht auf Stroh bereiten, sondern mussten mit dem härteren, gröberen Kraut der Futterbohne vorlieb nehmen.
[2]
Die Kuh muss immer wieder dafür herhalten, ein dummes, ungelehriges Tier zu
sein. Edith Braun, op. cit., 124f schreibt dazu: <Man gebraucht ihren
Namen als Schimpfwort>, weil es
beim Melken oft Ärger geben kann, wenn nämlich die Kuh nicht stillhält
oder mit dem Schwanz um sich schlägt. Ärger gibt es auch beim Hüten, denn
Kühe laufen gern in fremde Äcker, und der Hütende hat dann Mühe, sie
wieder von dort zu vertreiben. Also ist es verständlich, wenn die Kuh als
‚dummi Kuh‘ beschimpft wird.
[3] Lange Menschen werden auch immer wieder der Dummheit geziehen, weil sie angeblich aufgrund ihrer Körpergröße eine besonders lange Leitung haben...
[4] Die Finsternis gilt ja von jeher als Hort des Nicht-Wissens, der Dummheit.
[5] Vgl. Duden, op. cit., 162.
[6] Laut Duden, op. cit., 701f bezieht sich diese Redensart darauf, dass bereits ausgedroschenes Stroh nichts mehr hergibt. Sie bedeutete ursprünglich ‚vergebliche Anstrengungen unternehmen, unnütze Arbeit tun‘. Heute wird sie meist auf überflüssiges Reden bezogen.
[7] Wie Braun, op. cit., 82 berichtet, hängten früher die Bauern den störrischen Ochsen ein Brett vor die Augen, um damit ihr Gesichtsfeld zu verkleinern.
[8] Vgl. Duden, op. cit., 491f.
[9] Vgl. auch Braun, op. cit., 29.
[10] Während meiner Schulzeit in den Sechziger Jahren mussten die lernschwachen Schüler aus Ensheim nach St. Ingbert in die „Dùmmschùùl“. Sie waren öfter Zielscheibe für den Spott der Schüler, welche in der Kreisstadt die „Hooch Schùùl“ besuchten.
[11] Diesen Ausdruck bekam ich Anfang der Siebziger Jahre auch öfter zu hören, als sich der eine oder andere stinkkonservative Ensheimer nicht mit meinen ca. 50 cm langen Haaren anfreunden konnte. J
[12] Gelbhaar, op. cit., 136f führt den Begriff auf die Anfänge der Fliegerei zurück, als der Kopilot "Franz" genannt worden und für die Orientierung zuständig gewesen sei.
[13] Braun, op. cit., 127 lässt den Ochsen vor einem Scheierdoor auftreten, am Sinn der Wendung ändert sich aber nichts.
[14] Laut Gelbhaar, op. cit., 106 muss man sich unter dem "Holzweg" eine Sackgasse vorstellen, die in einen Wald hineinführt zu den Stellen, wo Holz geschlagen wird. Vgl. auch Duden, op. cit., 348: Da so ein Weg nicht zur nächsten menschlichen Ansiedlung führt, kommt man auf ihm nicht weiter, ist es der falsche Weg, wenn man die nächste Ortschaft erreichen will.
[15] Diese Wendung existiert auch im Französischen: mettre la puce à l'oreille. Braun, op. cit., 99 vermutet dahinter einen erotischen Ursprung. Vgl. auch Duden, op. cit., 213, dem zufolge die Wendung meint, dass man einem Menschen etwas mitteilt, was ihn – wie ein Floh – beunruhigt, peinigt, nicht mehr loslässt.
[16] Gelbhaar, op.cit., 102 vermutet als Herkunft dieser Redensart den früher auch in unseren Breiten betriebenen Vogelfang mit Leimruten. Wenn ein Vogel sich auf eine mit Leim bestrichene Rute setzte, war er gefangen.
[17] Vgl. Duden, op. cit., 691f.
[18] Vgl. Duden, op. cit., 636, demzufolge diese Wendung aus dem Bereich der Technik entstammt: eine lockere Schraube beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit einer Apparatur. Auf den Menschen übertragen, wird damit die Funktionsfähigkeit seines Verstandes angezweifelt.
[19] Vgl. Duden, op. cit., 371: ‘Kappe‘ bezeichnete zunächst ein mantelartiges Kleidungsstück mit Kapuze, dann eine mützenartige Kopfbedeckung.
[20] Der Begriff stammt aus dem Jiddischen.
[21] Vgl. Duden, op. cit., 53.
[22] Vgl. Duden, op. cit., 722.
[23] Vgl. Braun, op. cit., 67 und Duden, op. cit., 139, demzufolge die Wendung davon ausgeht, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn auf dem Tannenbaum nicht alle Kerzen brennen.
[24] Vgl. Duden, op. cit., 677.
[25] Braun, op. cit., 116 deutet Lämmes als Lamm oder Schäflein. Wie ein Lamm allerdings jdn. picken soll, erscheint mir etwas schleierhaft.
[26] Diese Redensart, die ich bisher nur in Ensheim gehört habe, aber vermutlich jüngeren Datums ist, spielt auf das merkwürdige Verhalten von an Alzheimer oder Demenz erkrankten Personen an, die geistig so verwirrt sind, dass sie nicht mehr wissen, was sie tun: so gehen sie zum Beispiel statt mit einer Einkaufstasche mit einem Vogelkäfig (oder einem Kohlenkasten oder einem anderen nicht gerade zweckmäßigen Gegenstand) zum Einkaufen...
[27] Dieses Wort leitet sich vom frz. juste ab, was <richtig> bedeutet.
[28] Das Wort koscher stammt aus dem Jiddischen und bedeutet <sauber, rein>.
[29] Das ist als Merkhilfe gedacht, um sich ganz bestimmt an etwas zu erinnern. Vgl. Duden, op. cit., 394, wonach die Wendung auf den Brauch zurückgeht, einen Zipfel des Taschentuchs zu verknoten, um bei der Benutzung des Taschentuchs sofort an etwas erinnert zu werden.
[30] Im Moselfränkischen gibt es diese Wendung auch, allerdings sind es dort die Füße. Vgl. Braun, op. cit., 14 und Duden, op. cit., 407.
[31] Im Moselfränkischen gibt es diese Wendung ebenfalls, allerdings ist es dort der Hintern. Vgl. Braun, op. cit., 24.
[32] Vgl. Duden, op. cit., 60,demzufolge die Heftelmacher früher bei ihrer Arbeit äußerst aufmerksam sein mussten, als sie die kleinen Häkchen und Spangen zum Zusammenhalten der Kleidungsstücke herstellten.
[33] Vgl. Duden, op. cit., 60.
[34] Gelbhaar, op. cit., 124 zufolge ist mit Oberwasser das obere Wasser an der Wasseroberfläche gemeint, das sog. Müllerwasser am Oberlauf eines Baches, der so den ersten Zugriff auf das gestaute Wasser und damit einem Vorteil gegenüber den Müllern am Unterlauf hatte.
[35] Braun, op. cit., 30 erklärt den Sinn so: Wer noch nicht auf den Kopf gefallen ist, dessen Kopf ist noch unbeschädigt, also hat er noch einen guten Verstand.
[36] Vgl. Duden, op. cit., 375, wonach die Wendung davon ausgeht, dass mit Kasten eine volkstümliche Bezeichnung für den Kopf <Verstandeskasten> gemeint ist.
[37] Vgl. Duden, op. cit., 822.
[38] Braun, op. cit., 89 bezieht den Dròhd auf den Telefondraht und glaubt deshalb, dass es sich hierbei um eine jüngere Wendung handelt. Vgl. auch Duden, op. cit., 156.
[39] Vgl. Duden, op. cit., 457.
[40] Hier findet sich der frz. Begriff la main <die Hand> wieder.
[41] Die kaum leserliche Schrift eines Arztes galt schon immer als Symbol eines studierten, intelligenten Mannes - wie ich meine, zu Unrecht! Eher könnte man der Meinung sein, diese gelehrten Herren hätten noch nie das Schreiben richtig gelernt.
[42] Vgl. auch Braun, op. cit., 47.
[43] Vgl. Duden, op. cit., 212f: Da es nicht gut möglich, dass jemand Flöhe husten ... hört ..., verspottet man mit dieser Wendung einen Menschen, der sich besonders klug vorkommt und jede Kleinigkeit für bedeutsam hält.
[44] Braun, op. cit., 125 führt diese Redewendung auch in ihrer moselfränkischen Fassung auf und ist der Meinung, dass dieser Spruch nur wegen des Reimes entstanden sei, also keinen logischen Hintergrund habe. Vielleicht müsste man mal untersuchen, wie lernfähig Kühe sind.
[45] Gelbhaar, op. cit., 86 ist der Auffassung, dass damit ursprünglich der schmale runde Holzpflock in einer Schützenscheibe gemeint sei.
[46] Vgl. Duden, op. cit., 373.
[47] Gelbhaar, op. cit., 88 zufolge ist damit eine adlerförmige hölzerne Leiste zur Befestigung der Schützenscheibe an einem Pfahl gemeint.
© Paul Glass 2000-2001