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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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21.   Ausrufe, Aufschreie & Flüche

Es geht hier vor allem um Redensarten und Begriffe, mit denen man sein Erstaunen, seine Verwunderung, aber auch seinen Ärger oder andere Gemütsbewegungen ausdrücken kann.

·      „Deggmòòls märsi!“ (Das ist eine schöne Formel für das schriftdeutsche „Vielen Dank!“)[1]

·      Deggmòòls märsi fa oua Gùddhääd!“ (Vielen Dank für Ihre Güte!)[2]

·      „Prossna|jòhr!“ (Gutes Neues Jahr!)

·      „Prossna|jòhr! Ins Hämmed geschess ùnn òòngefròòr! (Ùnn e Bräddsel so grooß wie e Schiere|dòòr!)“ (Gutes Neues Jahr!)[3]

·      „Dänggda|òòn!“ (Stell Dir mal vor!)

·      „Allee hopp!" (Auf geht’s!)[4]

·      „Eieieieiei! (Karnevalsruf in Ensheim)

·      „Hall drùff!“ („Mach dabba!“; „Gäbb Gaas!“) ð (Beeil’ dich!)

·      „’S gìdd känn HaLLes meh!“ (Es gibt kein Halten mehr!)

·      „Je!“ (Also los! Nur Mut!)

·      Als je! (Nur drauf los!)

·      „Als drùff!“ (Nur drauf los! Nur Mut!)

·      „Hä?“ (Wie bitte?)

·      Ìhje! (Ja!)

·      „E-E!" (Nein!)

·      Dòò hòmma’s!(Da haben wir die Bescherung!)

·      „Jesses!“ („Jesses, nää!“) (Ausruf des Erstaunens, etwa: Mein Gott!)

·      „Jaases!“ („Jaases nää!“) (Ausruf des Erstaunens, etwa: Mein Gott!)

·      „Jesses, ìhr Lied!“ (Ausruf der Bestürzung)

·      „Jesses, ihr Kenn!“ (Mein Gott, Kinder! – Ausruf der Überraschung oder der Bestürzung)

·      „Jeerem! Joorem!“ (Ausruf des Erstaunens, etwa: Nanu!)

·      „Mäina|seggsde!“ („Mäina|schòmme!“) (Ausrufe des Erstaunens, etwa: Fürwahr! Also, wirklich!)

·      „Jeddse sìnnich awwa baff! /  ~ pladd!“ (Jetzt bin ich aber baff!)

·      „Dùnna|liddche!“ (Ausruf des Erstaunens, mundartliche Fassung des schriftdeutschen „Donnerlüttchen!“)

·      „Du grìsch die Dìer nìdd zùù!“ (Ausruf des Erstaunens, etwa: Nein, wirklich!?)

·      „Olägg!“ („Ulägg!“) (Ausruf des Erstaunens)

·      „Oh Schregg òm Zahldaa!“ (Ausruf des Erschreckens)

·      „Ei jòò!“ (Ja!)

·      „Ei nää!“ (Nein!)

·      „Ei, alle|mòòl!“ (Ja! Natürlich!)

·      „Ei je dònn!“ (Nun gut!)

·      „Ei nò!“ (Also gut!)

·      Ei, wonneh dònn?“ (Wann denn?)

·      „Ei, wass mänschen?“ (Und was meinst du?)

·      „Ei, dass glääbsche awwa!“ (Das kannst du mir glauben!)

·      „Dass hònnich ma gedängkd!“ (Das habe ich mir gedacht!)

·      „’S Läbbdaa nìdd!“ („De Läbbdaa nìdd!“) (Im Leben nicht! Nie! Niemals!)

·      „Im Lääwe nìdd!" (Niemals!)

·      Owo|häär!“ (Aber nein! Nein! Aber nicht doch!)

·      „Jòò! Henne!“ (Nein! Nichts da!)

·      „Dass ìsch gollo!“ (Das ist prima! ~ großartig!)

·      „’S ìsch vamässe!“ (Es ist schlimm! Es ist unglaublich!)

·      „’S ìsch nimmeh se mache!“ (Es ist nicht mehr zum Aushalten!)

·      „Ich kìnnd grad haad grische!“ (Ich könnte gerade einen lauten Schrei ertönen lassen!)

·      „Ich kìnnd grad haad griene (brìlle)!“ (Ich könnte gerade laut weinen!)[5]

·      „'S ìsch zùmm Fùrdlaafe!“ (Es ist zum Weglaufen!)

·      „Dass gedd doch ùff känn Kùh|hudd!“ (w.: Das geht auf keine Kuhhaut! I.ü.S.: Das ist zuviel! Das ist übertrieben!)[6]

·      „Jedds ìsch awwa Pùùle ùff!“ (i.ü.S.: Jetzt reicht’s!)

·      „’S flubbd!“ („Dass jääd!“; „Dass flùddschd!“) (Es läuft prima!)

·      „Dass leefd wie geschmeerd!“ (w.: Das läuft wie geschmiert! I.ü.S.: Es läuft prima!)

·      „Dass leefd wie ge|eeld!“ (w.: Das läuft wie geölt! I.ü.S.: Es läuft prima!)

·      „Godd|loowe|dòngk!“ (Gottseidank!)

·      „Dass war e Kalda!“ (Das war ein Misserfolg! Das war nichts!)

·      „Piffe|deggel!“ (i.ü.S.: Denkste!)

·      „De Hùnd schissda äbbes!“ (w.: Der Hund scheißt dir etwas! I.ü.S.: Denkste!)

·      „Nìdd ùm’s Fregge!“ (i.ü.S.: Auf keinen Fall! Niemals!)

·      „Um's Känne!“ (i.ü.S.: Fast! Beinahe!)

·      „Dass gähng ma doch im Tròòm nìdd ìnn|felle!“ (Sowas würde mir im Traum nicht einfallen!)

·      „Du wärsch noch òn mich dängge!“ (Du wirst noch an mich denken!)

·      „Jedds schiss da mòòl nìdd ins Hämmed!“ (Jetzt sei mal nicht so empfindlich! Jetzt sei mal nicht so ängstlich!)

·      „Dass glääbsch awwa nùrre du!“ (Das glaubst aber nur du! Da wirst du dich verrechnen!)

·      „Da, Sou, leh dich!“ (Mit diesem derben Spruch reagierten in ihrer Eitelkeit gekränkte Ensheimer Burschen, wenn sie wider Erwarten einen Korb erhielten, als sie ein Mädchen zum Tanz aufforderten.)[7]

·      „’S prässìerd!“ (Es eilt!)[8]

·      "Oh, hònn die gegresch!" (i.ü.S.: Ach, was haben die gelacht!) ðJòò, de Hibbe hadd bäim Kneib|varein wiLLa e wòònvoll Wìddse vazehld! Oh, hònn die gegresch!"

·      Dònn ìsch awwa zabbe!“ (i.ü.S.: Dann ist aber Schluss!)

·      Dònn ìsch awwa zabbe|duschda!“ (w: Dann ist es aber zappenduster. I.ü.S.: Dann ist aber Schluss!)

·      „Jedds ìsch awwa die Bìer gescheeld!“ (w.: Jetzt ist die Birne aber geschält. I.ü.S.: Jetzt ist die Sache entschieden, erledigt!)

·      „Jedds ìsch awwa de Kääs gäss!“ (w.: Jetzt ist der Käse aber gegessen! I.ü.S.: Jetzt ist die Sache entschieden, erledigt!)

·      „Dònn sìnn all Schbaddse gefong!“ (w.: Dann sind alle Spatzen gefangen! I.ü.S.: Dann ist die Sache entschieden, erledigt!)

·      „Dònn war awwa Matthäi òm leddschde!“ (Dann war aber Schluss!)

·      „Dònn hadd die aam Seel Rùh!“ (w.: Dann hat die arme Seele Ruhe! I.ü.S.: 1. Dann sollten alle zufrieden sein! 2. Dann ist die Sache erledigt, ausge-standen.)[9]

·      „Minn liewa Scholli!“ (Ausruf des Erstaunens oder der Verärgerung)

·      „Salli vùnn wiLLem!“ (w.: Salut von weitem. I.ü.S.: Gruß aus der Ferne.)[10]

·      „Wass Dinges!“ (Ausruf des Erstaunens, etwa: Was das für Sachen sind!)

·      Du mìsch(d) Dinges!“ (Du machst Sachen!)

·      „Dass gìdd mich känn Wùnna, dass...“ (Es wundert mich nicht, dass...)

·      „’S gìdd mich Wùnna, dass...“ (Es wundert mich, dass...)

·      „Baddouf dich! Dòò läid’s Kend!“ (i.ü.S.: Hoppla! Jetzt bist du hinge-fallen!)[11]

·      „Jeddse haLLemòòl ändlich die Gosch (de Schnawwel, die Schniss)!“ (Jetzt halte endlich mal deinen Mund!)

·      „Goddsäändich!“ (w.: Gott segne dich! Das sagt man, wenn ein anderer niest.)

·      „Dass ìsch mìer schiss|egal!“ (~ puub|egal;~ pieb|egal) (Das ist mir völlig gleichgültig!)

·      „Saa...“ (Sag’ mal...) ðSaa, hasche dìssjòhr aa so scheena Òndiewich im Gaade?“ (Sag’ mal, hast du diesmal auch solch schönen Endiviensalat im Garten?)

·      „Saa nur!“ (Sag’ bloß! Wirklich?)

·      „Mänsch(d)e wirglich?“ (Meinst du wirklich?)

·      „Hau|rugg!“ (Motivations- und Signalruf beim Anheben oder Rücken einer schweren Last, z.B. eines Baumstamms)[12]

·      „Huufsrìgg!“ (Mit diesem Befehl wurde dem Ochsen signalisiert, zurück-zugehen.)[13]

·      „Ùff die Bääm - die Pälsa kùmme!“ (w.: Auf die Bäume – die Pfälzer kommen!)[14]

·      „Wännde de Hùnd nìdd geschess hädd, häLLa de Haas grìdd!“ (w.: Hätte der Hund nicht geschissen, dann hätte er den Hasen eingeholt!)[15]

·      „Godd sei's gepeff, getrùmmeld ùnn gebassgäid!“ (w.: Gott sei’s gepfif-fen, getrommelt und gebassgeigt! I.ü.S.: Das sagt man, wenn endlich etwas erledigt ist.)

·      „LääLa Goddes!“ (w.: Leider Gottes!)

·      „... Ei, ùff de Kobb schdelle ùnn lache!“ (w.: ... Ei, auf den Kopf stellen und lachen!) Diese Wendung entgegnet man, wenn ein Kind gelangweilt fragt: „Ei, wass sollich dònn mache?“

·      „Ei, kùmme doch ùff die Tärrass!“ – „Ùff die Tärrass? Ei, dass kìnne ma aa mache!“ (w.: Kommt doch auf die Terrasse! – Das können wir auch tun!)[16]

·      „Du hasch gùdd schwäddse!“ (Du hast gut reden!)

·      „Dònn war dass Ding gùdd... / Nò war dass Ding gùdd...“ (w.: Dann war die Sache gut. I.ü.S.: Dann war das soweit erledigt.)[17]

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In Ensheim wurde schon immer gerne geflucht. Das belegen zum Beispiel die Kirchenvisitationsprotokolle des 17. Jahrhunderts, wo man kirchlicherseits immer wieder den Hang der Gläubigen zum Fluchen kritisiert hatte. Ein paar Beispiele:

·      „Saggradiss!“

·      „Saggralodd!“

·      „Saggramännd!“ (Saggra!)

·      „Sagg|zemännd!“

·      „Schòòf Goddes!“

·      „Gräids|gewidda|nochemòòl!“

·      „Hagùdd!“

·      „Hagùdd|nochemòòl!“

·      „Olägg mich in da Kabb geschess!“

·      „Lägg die Päär die Kabb geschess!“[18]

·      „Olägg mich òm Ärsch!“

·      „Kiss mich òm Bùggel!“

·      „Zùmm Dúnna|wäLLa nochemòòl!“

·      „Dùnna|wäLLa!“

·      „Ach, du häälicha Schdroh|sagg!“[19]

·      „Jedds schleeds awwa dräi|dseh!“ (w.: Jetzt schlägt’s aber dreizehn! I.ü.S.: Das war des Guten zuviel!)

·      „Dòò kìnnsche doch die Gränd grìen!“ (w.: Da könntest du doch Aus-schlag auf dem Kopf bekommen! I.ü.S.: Da könntest du doch zuviel kriegen!)

 

Anmerkungen

[1] In dieser Wendung steckt das frz. merci <Danke>.

[2] Diese Formel zum Ausdruck des Dankes wird auch gerne scherzhaft gebraucht, wenn man sich für eine kleine Gefälligkeit bedanken will.

[3] Dieser Ausdruck wird auch gerne scherzhaft gebraucht.

[4] Das ist einer der Hauptschlachtrufe der Ensheimer Faschingsnarren.

[5] Die beiden Begriffe leiten sich ab vom niederdt. greinen und von brüllen.

[6] Gelbhaar, op. cit., 109 führt den Begriff auf das Pergament des Mittelalters zurück, das aus Kalbs- und Eselshäuten hergestellt wurde. Rinderhäute hätten dagegen keine Verwendung gefunden, weil sie zu dick und grob waren.

[7] Vgl. auch S. 120.

[8] Noch ein Begriff, der frz. Wurzeln hat: presser <beschleunigen; eilen; drängen>.

[9] Vgl. Duden, op. cit., 650: Die Redensart stammt wohl aus der Bibel. Dort heißt es (Lukas 12,19): ‚Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe!‘

[10] Dieser Gruß ist erst in den letzten Jahren entstanden. Zum einen greift er auf das frz. salut zurück, zum anderen erinnert er mit dem Lambdazismus an eines der prägendsten Merkmale unserer Mundart.

[11] Mit diesem Spruch beruhigt man ein Kind, das hingefallen ist und vor lauter Schreck mit Weinen anfangen will oder schon damit angefangen hat.

[12] In den 60er Jahren existierte eine gleichnamige Kapelle, die sich aus jungen Musikern des MV Arion Ensheim rekrutierte. Mit von der Partie waren u.a. Werner Linz, Werner Ziegler, Franz Lohmann, Herbert Glass, Gerd Munz u.a. Quelle: Festschrift 130 Jahre Musikverein „Arion“ Ensheim. Ensheim 1986, S. 14

[13] Vgl. Braun, op. cit., 85.

[14] Scherzhafter Warnruf, wenn Mitmenschen aus der Pfalz im Anmarsch sind. Bekanntlich gibt es zwischen Saarländern und Pfälzern eine Art Hassliebe...

[15] Diese Redewendung entgegnet man, wenn jemand eine Entschuldigung oder eine Ausrede mit dem Wörtchen ‚wenn‘ beginnt.

[16] Diese Wendung geht auf einen Dialog zwischen Inge Lukas und Wolfgang Bubel im Jahr 1982 zurück und wurde inzwischen zum geflügelten Wort, wenn einem eine Alternative angeboten wird.

[17] Meine Tante Maria Glass (die Marri|gòòd) hat die einzelnen Abschnitte ihrer Erzählungen immer mit diesem Spruch beendet, bevor sie weitererzählte. Wie sie mir einmal erzählt hat, hat sie die Redensart von ihrer Patin übernommen, die ihre Erzählungen genauso strukturiert habe.

[18] Vgl. Braun, op. cit., 55.

[19] Braun, op. cit., 41 verweist darauf, dass der Strohsack früher eines der wichtigsten ‘Möbelstücke’ gewesen ist.

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© Paul Glass 2000-2001