|
Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
|---|
![]()
Im Laufe seines Laufe braucht jeder Mensch auch eine
gehörige Portion Glück, damit er
nicht ins Unglück gestürzt wird
oder Opfer eines Unglücks wird. Das war schon immer so und wird auch so
bleiben.
Zum Thema Glück habe ich in unserer Mundart folgende Redensarten und Ausdrücke entdeckt:
·
Dussel hònn
(i.ü.S.: Glück
haben)
·
„Dass war awwa habbich!“ (i.ü.S.:
Das war aber gefährlich: ~ knapp!)
·
„Ball|näggschd hädd’s gerabbeld!“ (i.ü.S.: Um ein Haar hätten wir einen
Verkehrsunfall gehabt.)
·
„Dämm hònn all Hääliche gehùlf!“ (i.ü.S.: Alle Heiligen haben ihm geholfen,
damit ihm nichts passiert.)
·
Glìgg im Ùùnglìgg hònn (Glück
im Unglück haben: Obwohl man einen Unfall hatte, blieb man unverletzt oder
wurde nur leicht verletzt.)
·
jemònde die Dumme drìgge (w.: jdm. die Daumen drücken; i.ü.S.: in Gedanken
bei jdm. sein und ihm in einer schwierigen Angelegenheit Erfolg wünschen)[1]
![]()
Auf den Begriff Unglück
beziehen sich folgende Ausdrücke:
·
vùmm Bòòm felle (vom Baum fallen)
·
ùnna e Audo kùmme (i.ü.S.: überfahren werden)
·
in de Graawe fahre (ròòse) (w.: in den Graben fahren / rasen)
·
gähng e Mier|che fahre (ròòse) (w.: gegen ein Mäuerchen fahren)
·
gähng e Lònda|poschde fahre (ròòse)
(w.: gegen einen Laternenpfahl fahren)
·
in de Schoossee|graawe fahre (w.: in den Straßengraben fahren)[2]
· im Schoossee|graawe läie (w.: im Straßengraben liegen)
iwwa e Mierche felle (w.: über eine kleine Mauer fallen)
gähng
e Muur laafe (w.: gegen eine Mauer laufen)
·
e scheeni Läichd hònn (ein
feierliches Begräbnis haben mit vielen Trauergästen)
·
ùff de Rìbb|schdròngk felle (w.: auf den Rippenstrang fallen; i.ü.S.: aufs
Kreuz, auf die Wirbelsäule fallen)
·
sich iwwa|schlòòn wie e Drägg|schìbb (w.:
sich überschlagen wie ein Kehrschaufel; i.ü.S.: einen spektakulären Überschlag
machen)
·
änni gebùddsd (geweschd) grìen (i.ü.S.:
einen Stromschlag bekommen)
·
vùnnarra Hòòr|resel geschdoch wärre
(von einer Hornisse gestochen werden)
·
die Kella|träbb enùnna|felle (die Kellertreppe hinunterfallen)
·
vùmm Blìdds erschlòòn wärre (vom
Blitz erschlagen werden)
·
vùmm Bòòm erschlòòn wärre (vom
Baum erschlagen werden)
·
e Zichel ùff de Kobb grìen (einen <Dach>Ziegel auf den Kopf bekommen)
·
sich òm Dìer|beglääds de Gnouse ränne
(sich den Kopf am Türrahmen stoßen)
·
„Wänn’s Kend in de Brùnne gefall ìsch...!“
(w.: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist...; i.ü.S.: Erst wenn ein Unglück
bereits passiert ist, wird reagiert.)[3]
·
"Wänn's Kend im Brunne läid, kimmd de Deggel drùff!"[4]
![]()
Natürlich gibt es auch leichtere Fälle von Unglück, die eher irgendwelchen Pannen oder einem Missgeschick ähneln:
·
in e Hùnde|schdrolle tabbe (i.ü.S.: in Hundekot treten)
·
in Hùnde|schisse tabbe (i.ü.S.: in Hundekot treten)
·
in e Kùh|pralla tabbe (i.ü.S.: in einen Kuhfladen treten)
·
„De Nìschdel ìsch gebaddschd!“ (w.: Der Schnürsenkel ist gerissen.)[5]
·
e Pladda hònn (w.: einen platten Reifen haben)
·
òm Rònnschdään hängge|bliwwe (am Bordstein hängenbleiben)
·
òm Schnabbe hùgge
(hart am
Rand oder Ende einer Bank sitzen) ð
„Pass ùff, dasse nìdd vùmm Bänggelche erùnna|fellsch(d) – du
huggsch(d) gòns òm Schnabbe!“
Anmerkungen
[1] Vgl. Duden, op. cit., 146, wonach die Wendung wohl darauf beruht, dass man seine Hände unwillkürlich zusammenkrampft, wenn man angespannt ganz stark wünscht, dass jmd. etw. schafft... Auch abergläubische Vorstellungen, die sich um den Daumen ranken (das Einklemmen des Daumens soll vor Alpträumen schützen), können hineingespielt haben.
[2] Hier findet sich das frz. Wort chaussée <Fahrstraße; Fahrdamm> wieder.
[3] Braun, op. cit., 41 nennt die moselfränkische Variante mit einer interessanten Ergänzung: Wenn et Kénd én de Pétz gefall éß, deckt mer en zóu! D. h. erst muss etwas passieren, bevor Konsequenzen ergriffen werden.
[4] Wenn das Kind im Brunnen liegt, wird der Brunnen mit einem Deckel abgedeckt – damit künftig ein solches Unglück nicht mehr passiert. Für das bereits im Brunnen liegende Kind kommt aber diese Aktion zu spät!
[5] Nìschdel leitet sich ab vom süddt. Schuhnestel <Schnürsenkel>. Vgl. Seibicke, op. cit., 138. Es ist im übrigen auch ein Kosename für ein Ensheimer Original.
© Paul Glass 2000-2001