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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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23.   Vergleich & Verstärkung

Zum Ausdruck eines Vergleichs werden folgende Wendungen benutzt:

·      „Dass ìsch doch gehubbsd wie geschbrung!“ (Das ist doch egal.)

·      „Dass sìnn awwa zwei paar Schdiwwele!“ (w.: Das sind zwei paar Stiefel! I.ü.S.: Das sind zwei verschiedene Dinge!)

·      „Dass ìsch bessa wie da läär Schees nòhgelaaf!“ (w.: Das ist besser als dem leeren <Kinder>wagen hinterhergelaufen! I.ü.S.: Das ist besser als nichts!)[1]

·      „Dass ìsch bessa wie òn da Kirb nìggs!“ (w.: Das ist besser als an der Kirmes nichts! I.ü.S.: Das ist besser als nichts!)

·      „E ald Fraa (Frau) ìsch känn Dee-Zùùch!“ (w.: Eine alte Frau ist kein D-Zug! I.ü.S.: Bei mir geht’s nicht so schnell. Lass’ mir bitte etwas mehr Zeit! Nur nicht hetzen!)[2]

·      òòn|gänn wie e Tuud voll Mìgge (sehr angeben)[3]

·      „Mìer dùnn fädda schisse wie ìhr ässe!“ (w.: <derb> Wir scheißen fetter als ihr <zu Hause> esst! I.ü.S.: Uns geht es viel besser als euch! Ihr könnt nicht mit uns mithalten!)

·      „Dass kònnsche mache wie e Dachdegga!“ (w.: Das kannst du machen wie ein Dachdecker. I.ü.S.: Das kannst du machen, wie du willst.)

·      „Dräimòòl umgezòò ìsch wie ämòòl abgebrännd!“ (w.: Dreimal umgezogen ist soviel, wie einmal abgebrannt. I.ü.S.: Wer oft umzieht, schadet seiner Einrichtung genauso wie es ein Wohnungsbrand tun würde.)

·      „Dass ìsch 's sälwe in grìen!“ (w.: Das ist dasselbe in grün. I.ü.S.: Das läuft auf das Gleiche hinaus.)[4]

·      „Dobbeld gemobbeld helld bessa!“ (w.: Doppelt gemoppelt hält besser! I.ü.S.: Lieber etwas zweimal tun als gar nicht!)[5]

·      „Vunn dämm kònnsche da mòòl e Schäib abschniLLe!“ (w.: Von dem kannst du dir eine Scheibe abschneiden! I.ü.S.: An ihm kannst du dir ein Beispiel nehmen!)[6]

·      „Nää, dòò gähng ich jòò lìewa Pärrds|gnòddele raffe gehn!“ (w.: Nein, da würde ich ja lieber Pferdeäpfel zusammenklauben! I.ü.S.: lieber etw. anderes tun als das, was man von einem verlangt; lieber eine andere Arbeit an-nehmen als die angebotene.) ðWivvel grische bäim Eicheen fa die Schdùnn? Nùrre dräi Maag? Nää, dòò gähng ich jòò lìewa Pärrds|gnòddele raffe gehn!“ (Wieviel zahlt die Eugen in der Stunde? Nur 3 Mark? Nein, dann würde ich lieber etwas anderes arbeiten!)

·      Wassa ùff die Miehl sìnn fa jemònd (w.: Wasser auf die Mühle sein für jd.; i.ü.S.: jdn. unterstützen, jdn. beflügeln) [7]

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Mit folgenden Ausdrücken können Aussagen verstärkt werden:

·      „...awwa fròò nìdd wie!“ (... aber frag nicht, wie sehr!) ð „Ich hònnem de Blòdde gehau, awwa fròò nìdd wie!“ (Ich habe ihm den Hintern versohlt, und zwar ordentlich!)

·      „’S ìsch alla|heggschd Zidd...“ (Es ist allerhöchste Zeit...)

·      „’S ìsch alla|heggschd Iese|bòhn (Äise|bòòn).“ (Es ist allerhöchste Eisen-bahn...)[8]

·      „... awwa nòh NooLe!“ (w.: ... aber nach Noten! I.ü.S.: ... aber gründlich!) ð „Dämm hònnich emòòl de Maasch geblòòs(d), awwa nòh NooLe!“ (Dem habe ich gründlich den Marsch geblasen, also die Meinung gesagt.)

·      ... awwa nòh Schdrich ùnn FaaLem!" (w.: ... aber nach Strich und Faden! I.ü.S.: gehörig, gründlich)[9]

·      „... awwa duddswidd!“ (i.ü.S.: ... aber sofort!)[10]

·      „Dass will äbbes hääsche!“ (w.: Das will etw. heißen!)

·      „Dass glääbsche awwa!“ (Das kannst du mir aber glauben!)

·      „Dass wärd sìnn!“ (Das ist so!)

·      „... òhne die Geblòddsde!“ (w.: ... ohne das Fallobst: i.ü.S.: ohne den Rest!)  ðMa hònn dìsstuur zeh Zändna Ebbel grìdd - òhne die Geblòddsde!“ (Wir haben in diesem Jahr zehn Zentner Äpfel geerntet - ohne das Fallobst mitzurechnen!)

·      „Nìdd ùms Va|regge (Fregge)!“ (w.: Nicht ums Verrecken! I.ü.S.: Auf keinen Fall! Niemals! Überhaupt nicht!) ð Ich hònnem schùnn iggsmòòl gesaad, er soll de Kònnel schdriche. Mänsche, er gähngs mache? Nìdd ùms Va|regge!“ (Ich habe ihm schon zigmal aufgetragen, die Regenrinne zu streichen. Meinst du, er hätte es getan? Nein, überhaupt nicht!)

·      „Dònn awwa: Genaachd Kädd|che!“ (w.: Dann aber gute Nacht, Katharina! I.ü.S.: Dann ist alles aus! Dann ist alles schlimmer! Dann muss man mit dem Schlimmsten rechnen.) ðWännde widdschda nìdd dinne Ùffgaawe mìsch(d) ùnn aa nìggs fa die Ärwedde leehrsch, dònn awwa: Genaachd Kädd|che!“ (Wenn du weiterhin keine Hausaufgaben machst und dich nicht auf die Klassenarbeiten vorbereitest, dann sehe ich schwarz!)

·      „... ùnn wänn de dich ùff de Kobb schdellsch ùnn medde Ohre wag-gelsch!“ (w.: ... und wenn du dich auf den Kopf stellst und mit den Ohren wackelst!) - Das sagt man, um dem Gegenüber deutlich zu machen, dass er seinen Wunsch nicht erfüllt bekommt, egal, was er tut. ð „Bruchsch gaa nìdd se biddele ùnn se bäddele. ‘S gìdd jedds känn Schogge|laad, ùnn wänn de dich ùff de Kobb schdellsch ùnn medde Ohre waggelsch!“ (Du brauchst gar nicht zu betteln. Du bekommst jetzt keine Schokolade, basta!)[11]

·      nìdd zùmm Schmìdd|che gehn, sùnnann grad zùmm Schmìdd (i.ü.S.: gleich zur richtigen Anlaufstelle oder zum eigentlich Verantwortlichen gehen)

·      äbbes härda mache (i.ü.S.: etw. lauter stellen, z.B. das Radio oder den Fernseher)


Anmerkungen

[1] Mit diesem Spruch tröstet man sich oder auch andere, wenn die Erwartungen nicht erfüllt worden sind. Bei Braun, op. cit., 84 ist dieser Ausdruck noch mit dem Zusatz verstärkt ùnn die Geischel iwwer die Ohre.

[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 88.

[3] Braun, op. cit., 102 hat noch eine Verstärkung dieses Vergleichs parat: Er gebbd aan wie e Tuut voll Migge unn e Sagg voll gefreggder Meis.

[4] Vgl. Duden, op. cit., 279, demzufolge die Herkunft der Redensart noch im Dunkeln liegt.

[5] Vgl. Duden, op. cit., 155.

[6] Vgl. Duden, op. cit., 613, demzufolge dieser Redensart ein Vergleich mit einem wohlschmeckenden Brot, Kuchen oder Braten zugrunde[liegt], wovon man sich gerne eine Scheibe abschneiden würde.

[7] Diese Wendung existiert in gleicher Form im Frz.: apporter de l'eau au moulin de qn (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 53.)

[8] Vgl. Gelbhaar, op. cit., 8.

[9] Vgl. Duden, op. cit., 700. Diese Wendung verdanken wir den Webern: Ein Gewebe musste in früherem Sprachgebrauch nach Strich (= Webart) und Faden (= Material) einwandfrei sein und wurde auf diese beiden Komponenten hin gründlich überprüft.

[10] Zugrunde liegt dieser Wendung das frz. Wort tout de suite <sofort>.

[11] Braun, op. cit., 13 lässt den Bittsteller mit den Füßen strampeln...

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© Paul Glass 2000-2001