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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Kinderspiele gehörten zur Erziehung schon immer dazu - auch in schlechten Zeiten bzw. in Kriegszeiten. Allerdings haben sich die Spielgewohnheiten der Kinder heute gegenüber früher fundamental verändert: erstens gibt es heute ein solch großes Angebot an Spielzeug, dass oftmals viele Kinder gar nicht mehr wissen, womit sie spielen sollen, zweitens gibt es viel „Schrott“ von zweifelhaftem erzieherischen Wert. Drittens sind viele der heute auf dem Markt befindlichen Spiele ein Totengräber für die kindliche Kreativität. Sprachlich haben folgende Ausdrücke ihre Spuren im Ensemma Pladd hinterlassen:
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Fongesjes schbìele (Fangen, Nachlaufen spielen)
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de Schlabbe hadd de Hùdd valòòr schbìele
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Räiwa ùnn Schòndaam schbìele (Räuber und Gendarm spielen)
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Va|schdeggel|ches schbìele (Verstecken
spielen)
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„Hols gìld bodd!“
(Wer Holz
berührte, war immun und durfte nicht gefangen werden.)
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Nääds|rellcha mache
(sich
abrollen)[1]
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Burdsel|bùgg schlòòn (Purzelbäume schlagen)
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Trìlles schbìele
(mit dem
Kreisel spielen)
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memm Dòns|gnobb schbìele (mit dem Musikkreisel spielen)
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Klìgga (Klìgga|ches) schbìele (mit
Murmeln spielen)
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Fìggmiehl schbìele
(Mühle
spielen)
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Dòggda|ches schbìele (Doktor und Patient spielen)
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sich die Naachd|schlabb gänn (i.ü.S.: sich abends vor dem Nachhausegehen den
letzten Schlag geben)
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ùffem Mùssigss|ding schbìele (Mundharmonika spielen)
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im Wald e Hissje boue (ein Häuschen im Wald bauen)
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e Sääfe|keschd boue (w.: eine Seifenkiste bauen)
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im Schdäänbrùch Loore fahre (im Wickersberger Steinbruch mit einer Lore fahren)
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e Schnärr|bòò boue (einen Flitzebogen basteln)
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e Schnee|hissje boue (i.ü.S.: ein Iglu bauen)
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Mòmmesjes ùnn Babbesjes schbìele (Mutter und Vater spielen; eine Fami-lie
spielen) ð
„So, du bìsch die Mòmme, ich sìnn de Babbe ùnn ‘s Friddsje ìsch’s
Kend!“
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Schlängga|ches schbìele ð
„Ouwawou! Wass hòmmìer frìeha de Kirchwää nùnna Schlängga|ches
geschbìeld!“
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Hìbbel|käschje schbìele (Hinkelkasten spielen)
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jemònde ‘s Klìddsje schdelle (jdn.
absichtlich zum Stolpern bringen)
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Sääl|hùbbse schbìele
(Seilspringen)
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Gummi|dwissd schbìele (Gummi-Twist spielen)
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memm Scheesje schbìele (mit einem Kinderwagen für Kinder spielen)
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medda Pùbbe|kìch schbìele (mit der Puppenküche spielen)
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memm Dräi|räädche fahre (mit einem Kinderdreirad fahren)
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òhne Hilfs|reLLa (memm Räädche) fahre
(ohne Hilfsräder <Rad> fahren)
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ùff da Längk|schdòng hugge (w.: auf der Lenkstange sitzen)
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im Baddsch schbìele (im feuchten Dreck, im Schlamm spielen)
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im Sònd|kaschde schbìele (w.: im Sandkasten spielen)
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im Hei erùm|doowe (w.: im Heu herumtoben)
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Heihubbsa fònge (Heuschrecken fangen)
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in de Baddsch felle
(in den
feuchten Dreck oder Schlamm fallen)
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ù(ffe)m Willsoue|weiha Bood|cha fahre lònn
(w.: auf dem ‚Wildschweinweiher‘ kleine Schiffe fahren lassen)[2]
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äbbes lòss mache (w.: etw. losmachen; i.ü.S.: etw. in Gang setzen)
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erschda Mònn sìnn bäi äbbes (w.: erster Mann sein bei etw.; i.ü.S.: gleich von
einer Sache begeistert sein; gleich mitmachen)
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sich e Schdägge mache (sich einen Stock schneiden bzw. schnitzen)
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Kulle|kebb fonge
(Kaulquappen
fangen und zu Hause in einem Einweckglas „zwischenlagern“, sehr zur Freude
der Mutter)
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in da Schubb|laad schmuuse (die
Schubladen zu Hause durchsuchen, z. B. nach versteckten Süßigkeiten)
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sich va|lùschdìere (sich gut unterhalten)
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Valaan|bìlcha tusche (kleine Sammelbilder tauschen)[3]
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e Flämmche mache
(ein kleines
Lagerfeuer anzünden)
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„Lùù da nùrre dänne Flämmches|peeda òòn! Hònn ìhr Nìgùdde
schùnn wiLLa e Fier|che gemach!?“
(Das sagte
meine Mutter zu mir, wenn ich nach dem Spielen nach Hause kam und schon allein
vom Geruch her klar war, womit wir gespielt hatten - verbotenerweise!)
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abkoche gehn
(sich die
Zutaten für eine Suppe bei Mutter „ausleihen“, ebenso die Gerätschaften,
um dann mit Freunden ein Plätzchen zu suchen, wo man ein kleines Lagerfeuer
entzünden kann) ð „Morje
gemma ùff de Wiggasch|bärch abkoche. Ich bringe de Haawe medd ùnn‘s Fìggs|holds.
Wäär hadd Päggelches|sùbb dehämm?“ (Morgen gehen wir zum Picknicken
auf den Wickersberg. Ich bringe den Topf und die Streichhölzer mit. Wer hat
Fertigsuppe zu Hause?)
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sich e Pikand|schdääb|che schnìddse
(i.ü.S.: sich ein Stöckchen schnitzen, auf dem man ein Würstchen aufspießen
kann, das man schließlich über das Feuer oder über die Glut hält)[4]
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ù(ffe)m Kabidd|hùffe Ränne fahre (auf einem künstlich angelegtem Hügel, der
aus verbrauchtem Karbid bestand, mit dem Fahrrad Rennen fahren.)[5]
·
‘s gònse Sùnndaas|gäld va|trìlle (sein ganzes Taschengeld bei den Fahrgeschäften
auf der Kirmes ausgeben)
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ùff die Trìll gehn
(i.ü.S.:
auf der Kirmes Karussell fahren)
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e Schwimmche mache (i.ü.S.: schwimmen gehen)
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e Debbich meddhòlle (w.: einen Teppich mitnehmen; i.ü.S.: eine Decke
<z. B. ins Schwimmbad> mitnehmen)[6]
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vùmm Dräia schbringe (vom 3 m-Brett springen)
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e Kebba mache (einen Kopfsprung machen)
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e Schnäbbsje grìen (1. gegen seinen Willen beim Schwimmen Wasser
schlucken; 2. ein Gläschen Schnaps eingeschenkt bekommen)
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SchlìeLe fahre (Schlitten fahren)
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Bagg|fùsch fahre (i.ü.S.: bäuchlings Schlitten fahren)
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sich e Schlimma machen (sich eine Rutschbahn aus Eis anlegen)
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sich noue Schdägge kaafe (sich neue Eishockeyschläger kaufen)
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„Hellsch du die Schdägge?“ (i.ü.S.: Nimmst du die Eishockeyschläger?)
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jemònde riwwele (jdn. mit Schnee einreiben)
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ùff die hooch Koods hòlle (jdn. auf die Schulter nehmen)
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ùff da Jugg hugge (auf dem Rücken sitzen)
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gewärwich sìnn
(i.ü.S.:
gelenkig sein)
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gewärwich sìnn wie e Kadds (i.ü.S.:
gelenkig sein wie eine Katze)
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dònse wie de Hòmmel òm Schdròng (i.ü.S.: 1. ungelenk tanzen; auch: bei
Kinder oder Leuten, die nicht tanzen können; 2. wild tanzen)
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dònse wie de Lùmbe òm Schdägge (i.ü.S.:
ungelenk tanzen; auch: bei Kinder oder Leuten, die nicht tanzen können)
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de Ooschda|haas va|schdeggele (den Osterhasen <und die Eier in der Wiese
oder im Garten> verstecken)
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memm Puddscha durch die Geechend ròòse
(mit einem alten Motorrad durch die Gegend fahren - natürlich verbotenerweise
und òhne Labbe) ð
„Ou, de Oss hadd frìeha mòòl so alda Pùddscha gehaad vùnn sinnem Ùnggel;
medd dämm sìmma degga de Wiggasch|bärch enùff ùnn wiLLa rùnnagefahr. Wänn
dass de Schòndaam Bauer gewìssd hädd!“
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ùff de Gärre hòlle (kùmme) (i.ü.S.:
auf den Schoß nehmen / ~ kommen)[7]
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bäi da Mussigg sìnn (aktives Mitglied im Musikverein Arion
sein)
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in die Mussigg|proob gehn (an der regelmäßigen Orchesterprobe <sonntagsmorgens>
teilnehmen)
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die Mussigg|proob va|summe (die Orchesterprobe versäumen)
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die Kirb hòlle gehn (die Kirmes abholen)[8]
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die Kirb wiLLa begraawe (die Kirmes begraben)
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ùff die Kirb gehn (auf die Kirmes gehen)
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de Kirwe|bùwwe änna ussgänn (den jungen Männern, die den Kirmesbrauch pflegen,
ein Getränk ausgeben)
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die Kirwe|redd haLLe (die Kirmesrede halten)
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e Kirwe|schdruss mache (einen Kirmesstrauß basteln)
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ùff de Gebbärch zälde gehn (auf den <im Osten Fechingens gelegenen>
Gebberg zelten gehen)[9]
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Gebberich mache (einen speziellen Frühstückstrunk aus
Zwetschgenschnaps und Zucker machen)[10]
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Grumbìer|bròòLe gehn (w.: Kartoffeln braten gehen)[11]
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ù(ffe)m Pänsjonäärs|bänggel|che hugge
(auf dem Rentnerbänkchen sitzen)
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sich e Piff schdobbe (sich eine Pfeife stopfen)
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„SchìLLe,
schìLLe dùdd nìdd weh / ùnn wäär mich schìLLd, hadd Lies ùnn Fleh. /
Lies ùnn Fleh gìdd Wònse, die kìnne ùm Kobb rùm|dònse!“[12]
Anmerkungen
[1] Ein Nääds|rellche ist eine kleine Garnrolle.
[2] Auf diesem im nördlichen Besch zwischen Ensheim und Fechingen gelegenen Weiher ließen wir früher kleine Boote fahren, die wir aus Kieferrinde geschnitzt hatten.
[3] Diese Bildchen aus Plastik waren zu Anfang der Sechziger Jahre den Waschmittelpackungen der Marke Valan beigefügt. Wenn man sie bewegte, bewegte sich auch das Motiv.
[4] Diese Wendung ist erst in den Sechziger Jahren in unserer Clique entstanden.
[5] Dieser Karbid|hùffe befand sich in den 60er Jahren ca. 200 m südwestlich der Straße Im Wildfang.
[6] Vgl. Seibicke, op. cit., 45.
[7] Ein bei kleinen Kindern beliebtes Spiel war folgendes: Das Kind setzte sich auf den Schoß eines Erwachsenen, z.B. des Großvaters, und zwar so, dass es ihm ins Gesicht sehen konnte. Dann schaukelte der Erwachsene das Kind auf seinen Knien mit den Worten: Hobbe, Hobbe Reiter / wänna felld, dòò schreida / fellda in de Graawe / frässe ne die Raawe / felld in de Sumpf / dòò macht der Reiter plumps ... In diesem Moment ließ man das Kind nach hinten fallen und hielt es an den Händen fest.
[8] Der Ausdruck Kirb ist aus einer Verballhornung des Wortes Kirchmesse <Kirmes> entstanden. Vgl. Seibicke, op. cit., 87f.
[9] Dies haben Jugendliche aus Ensheim zwischen 1970 und 1973 an vielen Wochenenden zwischen April und Oktober immer wieder gemacht – mit und ohne Zelt.
[10] Zucker und Schnaps wurden gut gemischt und durch Flambieren kurz erhitzt. Danach wurde der Gebberich zum Frühstück getrunken... Und der Tag war Dein Freund... ;-)
[11] Eine alte Tradition in Ensheim, die ursprünglich eine landwirtschaftliche Wurzel hat: zum Ende der Kartoffelernte wurde das trockene Kraut angezündet; in der Glut wurden kleine Kartoffeln, die auf den Feldern vergessen wurden, gegart.
[12] Diesen Reim hat man früher erwidert, wenn man als Kind von einem anderen Kind beschimpft worden war. Vgl. auch Braun, op. cit., 100.
© Paul Glass 2000-2001