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Ensemma Schbrìch
Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |

1. Mengen & Größen
Das Ensemma Pladd verfügt über einen reichhaltigen und
abwechslungsreichen Wortschatz, um die schriftdeutschen Bedeutungen viel
beziehungsweise wenig auszudrücken.
So kann man "eine große Menge" mundartlich so
ausdrücken:
- e wòònvoll
(eigentlich: ein Wagen voll)
- e wòònvoll
Zäich
- e wòònvoll Dinges
- e Laschda Zäich / e Laschda Dinges
(ein Laster voll Zeug)
- e Buchbidd voll
(eine gefüllte Bütte aus Buchenholz)
- e gòns Rechimänd Dinges
(abgeleitet von der Stärke eines Regimentes) ð "Ich muss mich dùmmele; ich hònn e gòns Rechimänd
Dinges in da Schdadd se erleLLiche! (Ich muss mich beeilen; ich habe in Saarbrücken
viele Dinge zu erledigen.)
- e Aasch (Ärsch) voll (Dinges; Zäich
)
- e Hùffe (Dinges; Zäich)
- e Bärch
(ein Berg) ð e Bärch Grùmbìere
Bezieht sich die Bedeutung auf "viele Leute", dann
lassen sich folgende Ausdrücke benutzen:
- e gòns Missjoon (Massjoon)
- e gòns Koroona
ð
"Wer
warn alles medd bäi da Prossjoon?" - "Oh, ma ware e gòns Koroona!" ("Wer
hat dich denn bei der Prozession begleitet? - Oh, eine ganze Menge von Leuten!")
- e gòns Sändung
(w.: eine ganze Sendung)
- e gòns Rechimänd
(w.: ein ganzes Regiment)
- die gòns Gemään
(w.: die ganze Gemeinde)
Weitere Ausdrücke, um eine bestimmte Größenordnung zu
bezeichnen:
- e Ämmes
(z.B. bei einem großen Stein) ð
"Hasche gesìehn, wass de Schill dòò fa scheene Raaschee gehaad hadd? So
Ämmese!" ("Hast Du die schönen Runkelrüben von Julius gesehen? Solche
Dinger!")
- e Oschi
(z.B. bei einem großen Gegenstand)
- e Trumm
(z.B. bei einem Baumstamm)
- e Kaawänns|mònn
(z.B. bei einem großen Gegenstand)
- e Tròòd
; auch: e Traad (eine Trage; ein Bündel) ð z.B. e Tròòd Fier|hols; e Tròòd Hei (ein Bündel
Heu)
- e Schdròng
(ein ganzer Strang) / e Schdròng Woll (ein Knäuel
Wolle) ð "Je, Knächdche, laaf emòòl dabba in
Paulusse ùnn kaaf ma noch e Schdròng blòòi Woll." ("Nun, mein
Junge, laufe doch mal schnell zum Textilhaus Paulus und kaufe mir ein Knäuel von der
blauen Wolle!")
- e Puddsche
(ein Strauß; viel; eine Menge, meist auf Blumen bezogen) ð z.B. e Puddsche Schlìssel|blùmme
- kärb|wies
(korbweise; in Körben)
- e Tuud
(eine Tüte voll, z.B. e Tuud Suurkirsche)
- leffelches|wies
(löffelweise) ð "Oh, du
alda Joch|hònn, dänne Hùùschde| safd sollsche doch leffelches|wies hòlle - ùnn nìdd
graad die halb Flasch ùff äämòòl!"
- e Boll voll
(eine Kelle voll) ð
"Wìllsche noch Maarich|kleesjes|sùpp hònn?" - "Joo, gäbb ma noch e Boll
voll!" (Möchtest du noch etwas Markklößchensuppe haben? - Ja, gib mir noch
eine Suppenkelle davon!)
- bes (bis) zùmm Rònnefd voll|mache
(bis zum Rand einfüllen, z.B. Milch in ein
Glas)
- äwe voll sìnn
(bis zum Rand voll sein; ganz voll sein; auch: sturzbetrunken
sein)
- e Schìbb voll
(eine Schaufel voll)
- vamässe
(wahnsinnig; sehr viel; ganz arg) ð "Ich
hònn gòns vamässe Kimme ùff Schogge|laad, ich konn das gaa nìdd sòòn!"
(Ich habe wahnsinnig große Lust auf Schokolade, ich kann dir sagen!)
- geschdibbde voll sìnn
(voll beladen sein)
- òhne die Gebloddsde!
(sagt man z.B. bei einer sehr großen Ernte und im
übertragenen Sinne) ð "Ma hònn dissjòhr zeh
Zändna Ebbel grìdd - òhne die Gebloddsde!" (Wir haben diesmal zehn Zentner
Äpfel geerntet - ohne das Fallobst mitzurechnen!)
Wenn man die Bedeutung wenig ausdrücken möchte, findet
man im En-semma Pladd ebenfalls eine Reihe von sprachlichen Alternativen:
- e Idee|che
(ein wenig, ein bisschen) ð "Òm Òndiewich fähld noch e Idee| che Sals!"
(Beim Endiviensalat fehlt noch ein bisschen Salz.)
- e Schdurme
(ein wenig; kurz) ð "Ma hònn
noch e Schdurme meddnònna gebaddscheld ùnn dònn sìmma hämm." (Wir haben noch
kurz miteinander geredet, dann sind wir nach Hause gegangen.)
- e Schdurme ehnda
(ein bisschen früher) ð"Kìnnsche
e Schdurme ehnda kùmme?" (Könntest du ein bisschen früher kommen?)
- e Muggel|säggel|che
(wenig, ein bisschen) ð
"Ich männ, du kìnnsch òn die Grumbìere noch e Muggel|säggel|che Mairoon
mache, oLLa?" (Meiner Meinung nach musst du die Kartoffeln noch mit etwas Majoran
würzen, oder?)
- e Peedche
(ein wenig; ein bisschen) ð "Dù ma mòòl e Peedche Mùss-kaddnùss rabbe fa de
Schbinaad!" (Reibe mir ein bisschen Muskat für den Spinat!)
- e Salwän(d)
(i.ü.S.: ein bisschen, ein wenig) ð
"Mìsch(d)e noch e Salwän Essich òn die Mies|eercha, däär ìsch iwwa|haabd
nìdd suur!" (Gib bitte noch etwas Essig zum Feldsalat; der ist überhaupt nicht
sauer.)
- e Mull voll
(w.: ein Maul voll; i.ü.S.: nicht sehr viel) ð
"Jeddse schòòm dich, minn Gnächdche! Dass Mull voll wärsch(d)e doch noch
pagge, òLLa?" (Jetzt muss du dich aber schämen, Junge! Den Bissen wirst du doch
noch schaffen, oder?)
- e Finga|hùdd voll
(w.: einen Fingerhut voll; i.ü.S.: sehr wenig; einen
winzigen Schluck) ð "Dùmma nùrre
òònschdännìch ìn|schängge, ùnn nìdd so e Finga|hùdd voll!" (Schenke mir
ein richtig volles Glas ein!)
- e Bousche
(ein bisschen) ð känn Bousche
Òhnung hònn (überhaupt keine Ahnung von etw. haben)
- ùffgehn wie ùff Maddse Hoch|zidd
(sagt man, wenn gar nichts übrig bleibt,
sondern wenn etw. restlos aufgebraucht wird) ð "Ouwawou,
dòò hòmma awwa graad Glìgg gehaad; dass ìsch memm Kùùche ùffgòng wie ùff Madd-se
Hoch|zidd!" (Oh, da haben wir aber Glück gehabt; der Kuchen hat gerade so für
alle gereicht.)
- puubich klään sìnn
(w.: scheissklein sein; i.ü.S.: winzig sein)
- raddse|bùdds läär sìnn
(ganz leer sein) ð
"Minne Baddriee sìnn raddse|bùdds läär!" (w.: Meine
Batterien sind völlig leer. I.ü.S.: Ich bin völlig fertig.)
Will man etwas ungefähr ausdrücken, hat man die Vokabel schdìgga
zur Verfügung:
- Jòò, em Luwwies sinns ìsch e gùdd Paddie: dass elään hadd schdìgga
fìnnef Schdìgga grìdd, wiese nòh Babbes Dood ins Dääl gòng sìnn."
(Es stimmt! Luise Tochter ist eine gute Partie; sie allein hat bei der Erbteilung nach dem
Tod ihres Vaters ungefähr fünf Felder <Äcker, Wiesen> bekommen.)
Copyright: Paul Glass 2000-2001