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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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2. Essen & Trinken

"Ässe ùnn drìngge held Läib ùnn Seel sesòmme!" So sagt es eine bekannte Redensart. Und in der Tat spielen Essen und Trinken im Leben eines Menschen eine große Rolle - für den einen mehr, für den anderen weniger. Kein Wunder also, dass auch in der Mundart eine Fülle von Ausdrücken und Redensarten zu finden sind, die sich auf dieses Thema beziehen.

Vor dem Essen kommt bekanntlich der Hunger, gelegentlich auch der Heißhunger oder gar die reine Lust am Essen:

Man kann einen derart großen Hunger haben, dass einem vor Hunger richtig schlecht wird. Im Ensheimer Dialekt heißt das:

Das Essen beginnt ja mit der Vor- bzw. Zubereitung einer Speise. Im Ensemma Pladd gibt es z. B. folgende Ausdrücke und Redensarten für diesen Vorgang:

Die Liste der Gerichte ist schier unerschöpflich. Hier ein paar Beispiele:

Wenn die Kartoffeln gleich gar sind, ruft die Köchin ihren Gatten schon mal mit den Worten zu Tisch:

Wer sich so richtig satt essen möchte, kann dies auch sprachlich ausdrücken: Er kann

Wenn alles gut mundet, lässt der als guter Esser bekannte Ensheimer in der Regel nichts übrig, denn: "Dònn wärd die Pladd gebùddsd – awwa fròò nìdd wie. Dòò blibbd känn Dääsemm iwwerich!"

Obwohl die Ensheimerinnen als gute Köchinnen bekannt sind, ist immer wieder mal auch Kritik zu hören:

Es sind vor allem die Kinder, die nicht so essen, wie es der Mutter vor-schwebt. Das kann an der mangelhaften Qualität der Speise liegen oder an der fehlenden Lust, gerade jetzt etwas zu sich zu nehmen, oder aber das Gericht sieht einfach optisch nicht sehr ansprechend aus. In allen Fällen könnte es gut sein, dass sogar etwas übrig bleibt.

Wenn etwas fad schmeckt, kann man es zum Beispiel so ausdrücken:

Natürlich hängen Probleme mit dem Essen oft auch damit zusammen, dass die Familienmitglieder wählerisch sind, also

oder ihre Unlust oder ihren mangelnden Hunger quasi demonstrieren, indem sie

was die leidgeprüfte Mutter vielleicht zu dem Ausspruch verleitet:

Wenn das Essen optisch nicht den Erwartungen genügt, könnte die Kritik lauten:

Das ist sicher die härteste Kritik, die eine Köchin (oder ein Koch) in Ensheim zu hören bekommen kann.

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Kritik ist auch denkbar, falls sie (oder er) etwas Neues ausprobiert hat und die Familie sich nicht an das unbekannte Essen heranwagt:

Ist die Köchin sehr genervt oder passiert diese Essensverweigerung öfter, dann sagt sie vielleicht:

Unschön ist für eine Köchin auch, wenn nicht alles aufgegessen wird, was gekocht wurde, denn auch das kann Kritik an der eigenen Arbeit bedeuten:

Hat jemand Reste auf seinem Teller übrig gelassen, also Urwese oder e Dissemm gemach, dann heißt es sicher:

Nicht immer geht ein Essen problemlos vorüber: die einen essen zu hastig und bekommen Schluckauf:

Andere wieder verschlucken sich und grìen äbbes in de Sùnndaase Hals, also in die Luftröhre.

Essen, das bedeutet auch immer wieder, Lust auf Süßigkeiten zu haben:

Außerdem gibt es folgende Ausdrücke und Redensarten, die sich in irgendeiner Form auf das Essen beziehen:

Zum Abschluss des Themas "Essen" noch ein derber Spruch, den ein bekannter Ensheimer Gastronom und Pferdeliebhaber Anfang der Siebziger Jahre unter dem Gelächter seiner Zuhörer kreiert hat:

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Auch dem Thema Trinken wird im Ensemma Pladd viel Platz eingeräumt. Vor dem Trinken kommt auf jeden Fall der Durst, der ganz unterschiedlich versprachlicht werden kann:

Natürlich ist mit dem Trinken nicht nur das Durststillen gemeint, sondern auch das Konsumieren diverser Alkoholika, wobei die entsprechenden Folgen in der Regel auch nicht ausbleiben:

Geht man dabei in die Kneipe, von denen es in Ensheim zwar nicht mehr so viele wie in den Sechziger Jahren gibt, dann bieten sich die obigen Ausdrücke in Verbindung mit dem Wörtchen "gehen" an: z. B.

Nicht jeder Besoffene ist für seinen Zustand selbst verantwortlich:

Außerdem gibt es folgende Wendungen:

Irgendwann hört man vielleicht folgendes:

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Alkohol verursacht irgendwann einmal eine mehr oder weniger große Besoffenheit. Was aber auch verständlich ist, denn: Halwa voll ìsch ‘s Gäld em Finschda enuss|geworf! OLLa nìdd? Diesen Zustand kann man im Ensemma Pladd mit vielen Ausdrücken ausdrücken:

Ja, ja – und dann kommen die Folgen. Aber wem sag ich das?

Das kann alles schon ziemlich schlimm sein. Noch viel unangenehmer für das persönliche Befinden ist, was die folgenden derben Ausdrücke beschreiben:

Sich übergeben – das ist eine derbe Angelegenheit, die gleichwohl draußen wie drinnen funktioniert:

Manchmal ist es sehr empfehlenswert, e Kodds|tuud (also eine Spucktüte) mitzunehmen. So wird wenigstens die Toilette der Gastgeber oder das kommunale Trottoir nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Alles nicht so schlimm – solange nicht der Filius im Kindergarten, wenn er gefragt wird: "Ei, wass ìschònn dinn Babbe?" zur Antwort gibt: "Ei, e Sufflabbe!" Spätestens dann sollte man über den eigenen Alkoholkonsum nachdenken oLLa die Läwwa abklämme ùnn in Zùkunfd iwwa die Mìls suffe!

Damit sind auch Gewohnheitstrinker gemeint:

Das Ende vom Lied, d.h. eines jeden Besäufnisses: "Ma dùdd grusslich im Sulwa läie!" ...

...und schwört beim Herrgott und allen Heiligen: "Ich drìngge känn Tròbbe meh! ‘S Läbbdaa nìdd!"

Und dann das Gezetere der Mutter – wer könnte sich nicht daran erinnern:

"Hònnich da’s nìdd hùnnaddmòòl gepreLLichd, dasse dich nìdd so va|sääwarre sollsch(d)! Awwa nää! Däär dòò Nìggudd, däär sìdd ùnn härrd nìdd ùnn gedd känna Häärd nòh!"

Ein junger Ensheimer, der auch immer Schwierigkeiten hatte, an einem der zahlreichen Kneipen in Ensheim ohne einzukehren vorüberzugehen, bekam einmal nach einem alkoholreichen Wochenende von seiner gestrengen Mutter zu hören: "Hasche wiLLa fùchdseh|hùnnadd Maag va|soff?" – worauf er, über die hohe Summe sichtlich entsetzt, entgegnete: "Saa doch grad dousend!" Das nenne ich souverän...

Auch das noch: Manche bekämpfen den Kater, indem sie schon während des Zechens ein paar Aspirin einwerfen, andere schwören auf Kaffee. Nicht immer gibt’s einen richtig guten und starken Bohnenkaffee, sondern Mugge|fugg:

Ein Tip vielleicht zum Schluss, awwa dass wääß jeeLa Faaseboods in Ensemm:

Insgesamt aber sollte man mit Alkohol vorsichtig umgehen und ihn nur in Maßen genießen – auch in Ensheim, auch wenn man manchmal den <bier>launigen oder weinseligen Spruch zu hören bekommt:

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