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Ensemma Schbrìch
Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |

2. Essen & Trinken
"Ässe ùnn drìngge held Läib ùnn Seel sesòmme!"
So sagt es eine bekannte Redensart. Und in der Tat spielen Essen und Trinken im
Leben eines Menschen eine große Rolle - für den einen mehr, für den anderen weniger.
Kein Wunder also, dass auch in der Mundart eine Fülle von Ausdrücken und Redensarten zu
finden sind, die sich auf dieses Thema beziehen.
Vor dem Essen kommt bekanntlich der Hunger, gelegentlich auch
der Heißhunger oder gar die reine Lust am Essen:
- "Minn Maa grùmmeld!" (Das sagt man, wenn der Magen anzeigt,
dass er eine gewisse Leere verspürt und anfängt zu knurren.)
- "De Maa hinggd ma bis in die Gnìe|kehle!" (Auch dieser Spruch
deutet sehr großen Hunger an.)
- ùff äbbes Kimme hònn
(auf etw. Lust haben)
- ùff äbbes grusslich Kimme hònn
(auf etw. sehr große Lust haben)
- ùff äbbes Guu hònn
(i.ü.S.: auf etw. Lust haben)
- ùff äbbes e Mords|guu hònn
(i.ü.S.: auf etw. eine sehr große Lust haben)
- kimme|sich sìnn
(i.ü.S.: auf etw. Lust haben)
- gòns vamässe Hunga hònn
(sehr großen Hunger haben)
- Kohl|dòmb hònn ùff äbbes
(i.ü.S.: auf etw. Hunger haben)
- e Mords|kohl|dòmb hònn
(i.ü.S.: einen Riesenhunger haben)
- e Mords|kimme ùff äbbes hònn
(i.ü.S.: eine unbändige Lust auf etw. haben)
- Hunga hònn wie e Leeb
(w.: Hunger haben wie ein Löwe; i.ü.S.: einen
Riesenhunger haben)
Man kann einen derart großen Hunger haben, dass einem vor
Hunger richtig schlecht wird. Im Ensheimer Dialekt heißt das:
- "Ou, mìer wärds gòns hillich vòòr Hunga!"
(Mir wird ganz
schlecht vor Hunger.)
Das Essen beginnt ja mit der Vor- bzw. Zubereitung einer Speise.
Im Ensemma Pladd gibt es z. B. folgende Ausdrücke und Redensarten für diesen
Vorgang:
- äbbes iwwa|mache
ð "Mienche,
kònnsch die Grumbìere iwwa|mache, de Joch|hònn kimmd häid ehnda vùnn da Schichd
hämm!" (Wilhelmine, du kannst die Kartoffeln schon aufsetzen; Johann kommt heute
früher von der Arbeit nach Hause!)
- sich sälwa äbbes bruddschele kìnne
(sich kleine Gerichte kochen können)
- jemònde sinn Ladds|ässe mache
(i.ü.S.: jdm. sein Lieblingsgericht kochen)
- "Hm, ìsch dass häid wiLLa e Ladds|ässe!"
(Hm, mein
Lieblingsgericht! Da esse ich mehr als ich Hunger habe!)
Die Liste der Gerichte ist schier unerschöpflich. Hier ein paar
Beispiele:
- Beddschìssa mache
(i.ü.S.: Löwenzahnsalat zubereiten)
- Gälla|riewe|salaad mache
(i.ü.S.: Karottensalat zubereiten)
- Gùmmarre|salaad mache
(i.ü.S.: Gurkensalat zubereiten)
- Mies|ehrcha (Mies|ehrches|salaad ) mache
(i.ü.S.: Feldsalat zubereiten)
- die Salaad|brìeh òònmache
(die Salatsoße anrühren)
- Grùmbìer|pòng|kùùche mache
(Kartoffelpfannkuchen, ~puffer, Reibekuchen
zubereiten)
- Grumbìer|scheele|sùbb koche
(eine Suppe aus
Kartoffelschalen zubereiten)
- Grumbìer|gegwellde mache
(Pellkartoffeln kochen)
- Gegwellde medd Kääs|schmeer mache
(Pellkartoffeln kochen und mit
feingewürztem Quark reichen)
- de Kabbes iwwa|mache
(Kohl zum Kochen aufsetzen)
- Kirsche|pòngkùùche bagge
(Pfannkuchen mit eingeweckten Kirschen backen)
- sich e Oggse|au mache
(i.ü.S.: ein Spiegelei zubereiten)
- sich e Ei kläbbarre
(i.ü.S.: sich ein Rührei zubereiten)
- Pirree mache
(Kartoffelpürree zubereiten)
- Gwellesja mache
(Pellkartoffeln kochen)
- Rabbsùbb koche
(eine Suppe zubereiten, in die eine
Kartoffel gerieben wird)
- 's Naachd|ässe mache
(das Abendessen herrichten)
- "Mache Fìnschda ùnn Dìere ùff, 's gìdd kald Kìch!"
- Das sagt
man, wenn ohne großen Aufwand eine kalte Mahlzeit zubereiten will.
- sich e Schmeer mache
(i.ü.S.: sich ein Butterbrot machen)
- sich e Schmeer|wurschd|schmeer mache
(i.ü.S.: sich ein Brot mit Teewurst
bestreichen)
- Zùgga|dinges bagge
(i.ü.S.: Weihnachtsplätzchen backen)
- e nìlladda Grìmmel|kùùche bagge
(einen flachen Streuselkuchen backen)
Wenn die Kartoffeln gleich gar sind, ruft die Köchin ihren Gatten
schon mal mit den Worten zu Tisch:
- "Babbe, kònnsch dich schùnn òn de Dìsch hugge, die Grumbìere sìnn
indämm gùdd!" (Vater, du kannst dich schon an den Tìsch setzen; die
Kartoffeln sind gleich gar.)
Wer sich so richtig satt essen möchte, kann dies auch
sprachlich ausdrücken: Er kann
- sich laddse; sich sääne
(i.ü.S.: viel essen; mit Genuss essen)
- sich abbinne
(w.: sich abbinden; i.ü.S.: soviel essen, wie in den Magen passt)
- frässe wie e Bìrschde|bìnna
(w.: fressen wie ein Bürstenbinder; i.ü.S.:
unmäßig essen)
- wòmsche wie e Schiere|drescha
(Schäine|drescha) (w.: essen wie einen
Scheunendrescher; i.ü.S.: unmäßig essen)
- sich de Wòmbe voll|haue
(w.: sich die Wampe vollhauen; i.ü.S.: sich den
Bauch vollschlagen)
- frässe wie e Leeb
(w.: wie ein Löwe fressen; i.ü.S.: eine große Portion
vertilgen)
- jemònde die Hòòr vùmm Kobb frässe
(w.: jdm. die
Haare vom Kopf fressen; i.ü.S.: jdn. arm essen; soviel essen, dass die Haushaltskasse
durch die Ausgaben für Lebensmittel empfindlich belastet wird)
- nìnn|haue; wòmsche; rìnn|schlòòn
(i.ü.S.: viel essen)
- "Änni Kùh ìsch sadd; wänn die zwädd aa sadd ìsch, gemma
hämm!"
(w.: Eine Kuh ist satt; wenn die zweite <Kuh aus dem
Gespann> auch satt ist, gehen wir heim.)
- "Die Lied hòmmich aa gäär fa se fahre!"
(w.: Die Leute mögen mich auch, um zu fahren. I.ü.S.: Die Leute nehmen gerne meine
Dienste als Lenker eines Ochsen- oder Pferdegespanns in Anspruch.)
- gùdd gelaad hònn
(w.: gut geladen haben; i.ü.S.: seinen Teller mit einer
großen Portion Essen beladen haben)
Wenn alles gut mundet, lässt der als guter Esser bekannte Ensheimer in
der Regel nichts übrig, denn: "Dònn wärd die Pladd gebùddsd awwa fròò
nìdd wie. Dòò blibbd känn Dääsemm iwwerich!"
- die Pladd bùddse
(w.: die Platte putzen; i.ü.S.: alles aufessen; keine Reste
machen)
Obwohl die Ensheimerinnen als gute Köchinnen bekannt sind, ist immer
wieder mal auch Kritik zu hören:
- "Dass dòò grìen Dinges soll Bedd|schìssa sìnn - dass ìsch doch s
reinschde Haase|fùùLa!"
(Das grüne Zeug da soll Löwenzahnsalat sein?
Damit füttern wir unsere Kaninchen!)
- "Dass dòò Schwinne|fleìsch hasche awwa nìdd in Peedasch kaaf; dass
ìschòò zäh wie Juchde|läLLa!" (Dieses Schweinefleisch hast du aber nicht
in der Metzgerei Bauer gekauft, das ist ja ganz zäh!)
- "Also die Roose|kehlcha schmagge häid rìchdìch deedalich!"
also fad!
Es sind vor allem die Kinder, die nicht so essen, wie es der Mutter
vor-schwebt. Das kann an der mangelhaften Qualität der Speise liegen oder an der
fehlenden Lust, gerade jetzt etwas zu sich zu nehmen, oder aber das Gericht sieht einfach
optisch nicht sehr ansprechend aus. In allen Fällen könnte es gut sein, dass sogar etwas
übrig bleibt.
Wenn etwas fad schmeckt, kann man es zum Beispiel so ausdrücken:
- "Hasche mòòl die Kolle|rääbcha va|sùùchd? Die dùnn gòns äändärmich
schmagge!"
(Hast du die Kohlrabi versucht? Die schmecken ganz fad!)
- wie inngeschlòòfne Fìeß schmagge
(w.: wie eingeschlafene Füße schmecken;
i.ü.S.: fad schmecken)
- läbbsch, labbich sìnn (schmagge)
(i.ü.S.: fad sein, ohne Geschmack sein)
- "Also, die Ärbse dòò kònnsche sälwa ässe; die sìnn jòò haad wie Klobb|
schdään!"
also hart wie Pflastersteine aus Granit!
Natürlich hängen Probleme mit dem Essen oft auch damit zusammen, dass
die Familienmitglieder wählerisch sind, also
- schnäägich, schbiedselich, schbiedsich
oder alde Schnäägadde sìnn
oder ihre Unlust oder ihren mangelnden Hunger quasi
demonstrieren, indem sie
- wie ùff Deere kaue
(w.: wie auf Dornen kauen; i.ü.S.: missmutig essen) ð "Wass kauschen wiLLa wie ùff Deere? Dùdds da
nìdd schmagge?" (Was isst du denn so missmutig? Schmeckts dir nicht?) oder
indem sie
- òn äbbes erùm|fiddsele
(i.ü.S.: im Essen herumstochern) ð "Fiddsel nìdd so òm Schwinne|gulasch rum, dòò ìsch
iwwa|haabd känn Fädd dròòn!"
was die leidgeprüfte Mutter vielleicht zu dem Ausspruch verleitet:
- "Wänn die Mies sadd sìnn, ìschs Mähl bädda!"
(w.: Wenn
die Mäuse satt sind, ist das Mehl bitter. I.ü.S.: Wenn jemand satt ist oder keinen
Hunger (mehr) hat, dann könnte man ihm die feinste Speise auftischen; sie würde ihm
nicht schmecken.)
Wenn das Essen optisch nicht den Erwartungen genügt, könnte die Kritik
lauten:
- uss|sìehn wie schùmmòòl gäss
(w.: <derb> wie schon einmal gegessen
aussehen; i.ü.S.: wie Erbrochenes, also sehr unappetitlich aussehen) ð "Ä! Die Roose|kehlcha dòò sinn uss wie schùmmòòl
gäss!"
- uss|sìehn wie gekoddsd
(i.ü.S.: <derb> wie Erbrochenes, also sehr
unappetitlich aussehen) ð "Die Mairoon|grumbìere
dòò kònnsche sälwa ässe die sinn jòò uss wie gekoddsd!"
Das ist sicher die härteste Kritik, die eine Köchin (oder ein Koch)
in Ensheim zu hören bekommen kann.

Kritik ist auch denkbar, falls sie (oder er) etwas Neues
ausprobiert hat und die Familie sich nicht an das unbekannte Essen heranwagt:
- "Wass de Buur nìdd kännd, dass frìssda nìdd!"
(w.: Was der
Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.)
Ist die Köchin sehr genervt oder passiert diese Essensverweigerung
öfter, dann sagt sie vielleicht:
- "Ei, dònn fräss Hùnns|fùddse!"
(w.: Dann friss
Hundsfotze! - Das bekommt man zu hören, wenn man nicht das Aufgetischte, sondern etwas
Anderes zu essen haben möchte, das einem aber verweigert wird.)
Unschön ist für eine Köchin auch, wenn nicht alles aufgegessen wird,
was gekocht wurde, denn auch das kann Kritik an der eigenen Arbeit bedeuten:
- e Dissemm (Dääsemm) mache
(i.ü.S.: einen Rest machen; etwas übrig lassen)
- Urwese mache; Räschda mache
(einen Rest übrig lassen) ð
"Jedds äss! Räschda wärre känn gemach! Du hasch noch känn Grìech
medd|gemach, sùnsch gähngsch(d)e de Tälla läär|mache!" (Jetzt iss und
lass keine Reste übrig! Du warst noch nie im Krieg, sonst würdest du alles
aufessen!)
Hat jemand Reste auf seinem Teller übrig gelassen, also Urwese
oder e Dissemm gemach, dann heißt es sicher:
- "Ware die Aue wiLLa greesa wie de Buch?
" (Das bekommt man zu
hören, wenn man sich mehr auf den Teller geschaufelt hat als man tatsächlich isst.)
Nicht immer geht ein Essen problemlos vorüber: die einen essen zu
hastig und bekommen Schluckauf:
- de Schluggsa grìen
(Schluckauf bekommen, z. B. nach zu schnellem Essen) ð "Äss lòngsòm, nìdd dasse de Schluggsa grìsch(d)!"
(Iss langsam, sonst bekommst du Schluckauf!)
Andere wieder verschlucken sich und grìen äbbes in de
Sùnndaase Hals, also in die Luftröhre.
Essen, das bedeutet auch immer wieder, Lust auf Süßigkeiten zu
haben:
- de schnäggiche Hunga hònn
(Lust auf etw. Süßes haben)
- e Mohre|kebbche schnääge
(einen Negerkuss naschen)
- e Gùùdsje suggele
(i.ü.S.: ein Bonbon lutschen)
- e Bärchmònns|gùùdsje suggele
(ein Hustenbonbon in Brikettform lutschen)
- Beere|drägg schnääge
(w.: Bärendreck naschen;
i.ü.S.: Lakritz naschen)
- e gerabbda Abbel ässe
(einen geriebenen Apfel essen)
- in de Ùùngedòngge e halwa Gweddsche|kùùche wòmsche
(i.ü.S.: einen halben
Zwetschgenkuchen essen ohne es zu merken)
Außerdem gibt es folgende Ausdrücke und Redensarten, die sich in
irgendeiner Form auf das Essen beziehen:
- de Grumbìer|hòhn ässe
(w.: den Kartoffelhahn essen)
- s Brood sääne
(w.: das Brot segnen) Die älteren Ensheimer(innen) machen
es vielleicht noch: Sie segnen das Brot, bevor sie es anschneiden. Dazu zeichnen sie
symbolisch mit dem Messer ein Kreuz auf die Unterseite des Brotes.
- s Brood iwwa da Brùschd abschniLLe
(w.: das Brot
über der Brust abschneiden).
- òm Brood erùm|säwwele
(w.: am Brot herumsäbeln; i.ü.S.: wenig professionell
eine Scheibe Brot abschneiden)
- sich e Hal|bärcha abschniLLe
(w.: sich einen Halberger
abschneiden; i.ü.S.: sich eine sehr dicke und unförmige Scheibe Brot abschneiden, meist
mangels Geschicklichkeit) ð "Ou, hasch(d)e da
dänne Hal|bärcha dòò sälwa abgesäwweld?" (Oh, hast du dir diese dicke und
unförmige Scheibe Brot selbst abgeschnitten?)
- s Kessel|che (Schdobbe|bläch) medd|hòlle
(i.ü.S.: die Essenreste in
einem kleinen Blechbehälter mit zur Arbeit nehmen, um sie dort aufzuwärmen) ð "Wie de Babbe noch ùffem Hal|bärch geschaffd hadd,
haLLa jeeLe Daa s Kessel|che medd|gehòll."
- 's Gnibb|che abschniLLe
(i.ü.S.: das erste Stück beim Brot abschneiden)
- 's Gnibb|che ässe
(i.ü.S.: das erste Stück beim Brot essen)
- 's lìebschd 's Gnibbche ässe
(das erste Stück beim Brot am liebsten essen)
- "S gidd häid Kabbes!"
(Heute gibt es Kohl!)
- e fäina Gumme hònn
(w.: einen feinen Gaumen haben; i.ü.S.: gute
Geschmacksnerven haben)
- e Haas iwwa|mache
(w.: einen Hasen übermachen; i.ü.S.: 1. ein Kaninchen
braten; 2. ein gestohlenes Kaninchen braten) ð "Vòòr
schdìgga fìnnefe| zwònsich Jòhr hònnse mòòl in Ensemm bäi Bärche Paul e Haas
gegladdsd ùnn hònne nòhde sesòmme iwwa|gemach. Henna|häär hadd sich russgeschdelld,
däär Haas war e Däidscha Meìschda!"
- e Mords|ìms mache
(i.ü.S.: eine Riesenfeier ausrichten)
- "Drägg michd (machd) Schbägg!"
(w.: Dreck macht Speck). Das sagt
man, wenn ein Stück Essen auf den Boden gefallen ist und sich jemand weigert, es doch
noch zu essen. Mit dem Hinweis "Drägg mìchd (machd) Schbägg!" wird der
Zweifler überzeugt, dass es der Gesundheit durchaus förderlich ist, auch diesen Bissen
nicht zu verschmähen!
- daddschich sìnn
(i.ü.S. bei Obst: überreif und daher zu weich sein) ð "Die dòò Bìer willich nìmmeh; die ìsch ma se
daddschich!" (Diese Birne möchte ich nicht essen; sie ist mir zu weich!)
- känn Grìmmel ässe (kìnne)
(w.: keinen Krümel essen; i.ü.S.: überhaupt
nichts essen; ~ können) ð "Ich wääß nìdd,
wassich medd dämm Kluddskobb dòò mache soll däär hadd häid wiLLa känn
Grìmmel gäss!"
- feschd ässe
(i.ü.S.: alles aufessen; genügend essen) ð
"Du mùsch(d) feschd ässe, dasse äbbes wärsch(d)!" (Du musst alles
aufessen, damit aus dir etwas wird.)
- "In da Nood frìssd de Däiwel Mìgge!"
(w.:
In der Not frisst der Teufel Fliegen! I.ü.S.: Wenn man wirklich Hunger hat, isst man
auch Dinge, die man eigentlich nicht mag.)
- nòh meh schmagge
(w.: nach mehr schmecken; i.ü.S.: Lust auf eine zweite
Portion machen) ð "Ou, Mòmme, dinne Gehäiraade
schmagge nòh meh! Hasche noch e paa|cha?" (Oh, Mutter, dein Essen macht Lust auf
mehr. Gibts noch einen Nachschlag?)
- äbbes all mache
(alles aufessen) ð "Kònnich
die Grumbìere all mache oLLa willsche die paa|cha noch fa häid owed ùff|hewwe?"
(Kann ich die Kartoffeln alle aufessen oder willst du die paar wenigen Kartoffeln noch
für heute abend aufheben?)
- frässe wie e Sou
(<derb> Das kann zweierlei bedeuten: 1. sehr viel essen
und 2. mit schlechten Tischmanieren die Mahlzeit zu sich nehmen)
- grusslich gepänsd sìnn
(sich übergessen haben; zuviel gegessen haben) ð "Ich kònn mache, wassich will! JeeLesmòòl, wännich
bäi da Mòmme ässe, sìnnich grusslich gepänsd S dùdd äänfach se gùdd
schmagge!"
- "Wänna mich nìdd häLLe, mìssdena e Wudds fìeLarre!"
(w.: Wenn ihr
mich nicht hättet, dann müsstet ihr ein Schwein füttern! I.ü.S.: Seid froh, dass ihr
mich habt und ich alle Reste aufesse sonst müsstet ihr euch ein Schwein halten.)
- 's Mull wässerich mache
(w.: jdm. das Maul wässerig machen; i.ü.S.: jdm.
Appetit machen)
- sich de Schnawwel va|bränne
(w.: sich den Schnabel verbrennen; i.ü.S.: sich
den Mund verbrennen)
- sich die Schnìss va|bränne
(i.ü.S.: sich den Mund verbrennen)
- gòns sierlich schmagge
(ganz säuerlich schmecken) ð
"Die dòò Salaadbrìeh ìsch ma häid se sierlich. Hasche e ònnarra Essich
dròòn gemach oLLa Melfor wie sùnsch(d) ìmma?"
- e alda Sùbbe|kaschba sìnn
(i.ü.S.: sehr gerne Suppe essen; alle Suppen
mögen) ð "Wääsche noch, Munse Gerd, dass war
doch schùnn frìeha de reinschd Sùbbe|kaschba!"
- "Die beschde Grùmbìere sinn die, die wo durch die Wudds gòng sìnn!"
(w.: Die besten Kartoffeln sind jene, welche durch das Schwein gegangen sind.) Der
Benutzer dieser Redensart ist ein Liebhaber von saftigen Schweinesteaks, dessen
"Lieferant" mit Kartoffeln gefüttert wurde...
Zum Abschluss des Themas "Essen" noch ein derber Spruch, den
ein bekannter Ensheimer Gastronom und Pferdeliebhaber Anfang der Siebziger Jahre unter dem
Gelächter seiner Zuhörer kreiert hat:
- "Gùdd gefräss ìsch halb geschess!"

Auch dem Thema Trinken wird im Ensemma
Pladd viel Platz eingeräumt. Vor dem Trinken kommt auf jeden Fall der Durst,
der ganz unterschiedlich versprachlicht werden kann:
- "sich wiLLa sälwa sùffe kìnne (w.: sich wieder selbst saufen
können; i.ü.S.: einen Riesendurst haben, der kaum zu stillen ist) ð
"Jesses nää, hònnich grad e Brònd! ! Häid kìnndich mich wiLLa sälwa
sùffe!"
- e Brònd hònn; e Mords|brònd hònn
(w.: einen Brand haben; i.ü.S.: Durst
haben; einen Riesendurst haben)
- "Bäi och ìsch so e drùggenie Lùfd; ma kìnnd graad änna drìngge!"
(Das ist als Aufforderung an die Gastgeber zu verstehen, etwas zu trinken anzubieten.)
Natürlich ist mit dem Trinken nicht nur das Durststillen gemeint,
sondern auch das Konsumieren diverser Alkoholika, wobei die entsprechenden Folgen
in der Regel auch nicht ausbleiben:
- änna drìngge; ~ päädse; ~ sùffe; ~ rìnn|schìLLe; ~ piddsche; ~ täädarre;~
iwwa|mache; ~ läbbarre; ~ drùff mache; ~ blòòse; ~ tuudele
(einen trinken...
oder auch zwei ... oder noch viel mehr...)
Geht man dabei in die Kneipe, von denen es in Ensheim zwar nicht mehr
so viele wie in den Sechziger Jahren gibt, dann bieten sich die
obigen Ausdrücke in Verbindung mit dem Wörtchen "gehen" an: z. B.
- änna piddsche gehn
- änna schnabbe gehn
Nicht jeder Besoffene ist für seinen Zustand selbst verantwortlich:
- abgefìlld wärre
(w.: abgefüllt werden; i.ü.S.: von anderen zum Trinken
animiert oder gar eingeladen zu werden mit der Absicht, jdn. besoffen zu machen)
- jemònde inn|sääfe
(w.: jdn. einseifen; i.ü.S.: jdn. betrunken machen)
- ~ voll mache
(w.: voll machen; i.ü.S.: jdn. betrunken machen)
- ~ zùù|schìLLe
(w.: jdn. zuschütten; i.ü.S.: jdn. betrunken machen)
Außerdem gibt es folgende Wendungen:
- sich e paar in de Kobb lääre ( ~ schiLLe)
(i.ü.S.: sich mutwillig betrinken)
- die Kùh flìehe lònn
(w.: die Kuh fliegen lassen; i.ü.S.: sich
betrinken; einen draufmachen ohne Rücksicht auf Verluste)
- suffe wie e Loch
(w.: saufen wie ein Loch; i.ü.S.: sehr viel trinken)
- suffe bis zumm Graa|gnebbche (w.: saufen bis zum Kragenknöpfchen;
i.ü.S.: sehr viel trinken)
- sich nähe
(dem Alkohol ausgiebig zusprechen) ð
"Du kännschòò de Fridds! Wänns äbbes fa nìggs gìdd, dònn kònn
däär sich besùnnaschd nähe!" (Du kennst ja Fritz! Wenn etwas umsonst ist,
dann kann er besonders viel trinken!)
- òm Bìer erùm|läbbarre
(i.ü.S.: mit Unlust sein Bier trinken)
- wie Ihle|saich schmagge
(w.: wie Eulenpinkel schmecken; i.ü.S.: So schmeckt
abgestandenes, schales Bier!) ð "Also nää! Die
dòò Ihle|saich hònnsche sälwa(dd) suffe! Die mòònich nìdd!"
- Lies in de Buch grìen
(w.: Läuse in den Bauch kriegen; etwa beim Trinken von
Mineralwasser) ð "Wass dùschu dringge?
Gròhne|wassa?! Olägg, dòò grìsche jòò Lies in de Buch!" (Was trinkst du
denn? Leitungswasser?! Mein Gott, da kriegst du ja Läuse in den Bauch!)
- sich in de alde Sääe enìnn|leee
(i.ü.S.: sich ins ungemachte
Bett legen, meist weil man betrunken ist)
- "S gedd gähngs Änn!"
(Sagt man, wenn die Getränke zur Neige
gehen; wenn das Fässchen leer wird.)
- de noue Gweddsche|schnabbs kòòre
(i.ü.S.: den frischgebrannten
Zwetschgenschnaps probieren)
Irgendwann hört man vielleicht folgendes:
- "Saa mòòl, Frìdds! Wivvel hadden däär noue Gweddsch? Fìnnefe|vìerdsich
oLLa siwwene|vierdsich Pròdsänd? Däär gedd jòò gòns òònschdännich bäi,
ouwawou!" (Fritz, sag mal: Wieviel Prozent Alkohol hat denn dein neues
Zwetschgenwasser? 45 oder 47? Der Alkohol fängt ja gleich an zu wirken!)

Alkohol verursacht irgendwann einmal eine mehr oder weniger große Besoffenheit.
Was aber auch verständlich ist, denn: Halwa voll ìsch s Gäld em Finschda
enuss|geworf! OLLa nìdd? Diesen Zustand kann man im Ensemma Pladd mit
vielen Ausdrücken ausdrücken:
- Gaas hònn; Dòmb hònn; Hawwa
<Hafer> hònn; Nääds <Nähgarn>
hònn; Näwwel <Nebel> hònn; schdragg sìnn; voll wie e
Hau|bidds sìnn; dòmbich sìnn; gaasich sìnn; äwe zùù sìnn; vollgesoff sìnn;
rùnd sìnn wie e Ääma; äwe voll sìnn; e Volla|lùmbes sìnn; voll sìnn wie
dousend Mònn; ~ wie e Aff; ~ wie e Granaad; ~ wie e Ääma; ~ wie e Huss; änna im Tee
hònn; änna hugge hònn; schwäär gelaad hònn; ~ getòngkd hònn; änna hängge hònn;
blòò sìnn ( alles Begriffe für besoffen sein)
- zùù sìnn wie e Hònd|bräms
(w.: zu sein wie eine Handbremse; i.ü.S.: total
betrunken sein)
- bes (bis) zùmm Graa|gnebbche voll sìnn
(w.: bis zum Kragenknopf voll sein;
i.ü.S.: total betrunken sein)
- bis owwe|hìen voll sìnn
(i.ü.S.: bis zur Oberkante Unterlippe mit Alkohol
abgefüllt sein)
- Schwädds|wassa hònn
(w.: Schwätzwasser haben; i.ü.S.: wegen des
Alkoholgenusses redselig sein; auch: angetrunken sein)
- sinn Gwòndùm hònn
(w.: sein Quantum haben; i.ü.S.: soviel Alkohol getrunken
haben, dass man betrunken ist)
Ja, ja und dann kommen die Folgen. Aber wem sag ich das?
- laafe wie e Schìbbe Sibbda
(w.: laufen wie eine Pik 7; i.ü.S.: torkeln)
- e Filmriss hònn
(einen Filmriss haben, also nicht mehr wissen, wie und wo und
mit wem man die Zeit nach dem Alkoholgenuss verbracht hat)
- kumm uss de Au'e lùù'e kìnne; kumm meh uss de Au'e sìehn
(kaum noch aus den
Augen sehen; verschwollene Augen haben)
- im Sùlwa läie
(i.ü.S.: nach dem Suff im Bett liegen und zu nichts fähig
sein)
- e (grusslicha) KaaLa hònn
(einen <Riesen>Kater haben; mit den
Nachwirkungen des Alkoholgenusses kämpfen)
- e dìgga Kobb hònn
(w.: einen dicken Kopf haben; i.ü.S.: starke Kopfschmerzen
aufgrund des Alkoholmissbrauchs haben)
- sìnn gònsa Vaschdònd va|suffe
(w.: seinen ganzen Verstand versaufen; i.ü.S.:
durch seinen Alkoholmissbrauch immer mehr Gehirnzellen vernichten, so dass der IQ langsam
aber sicher abnimmt)
- ins Tied|che blòòse mìsse
(w.: in die kleine Tüte blasen müssen; i.u.S.:
eine Alhokolkontrolle über sich ergehen lassen)
- de Labbe abgehòll grìen
(i.ü.S.: den Führerschein verlieren)
- im volle Kobb e Ùùnfall boue
(i.ü.S.: in besoffenem Zustand einen Unfall
verursachen)
Das kann alles schon ziemlich schlimm sein. Noch viel unangenehmer für
das persönliche Befinden ist, was die folgenden derben Ausdrücke beschreiben:
- koddse misse
(i.ü.S.: sich übergeben müssen)
- kalwe misse
(w.: kalben müssen; i.ü.S.: sich übergeben müssen)
- e Kälb|che òòn|bìnne
(w.: ein Kälbchen anbinden; i.ü.S.: sich übergeben)
Sich übergeben das ist eine derbe Angelegenheit, die gleichwohl
draußen wie drinnen funktioniert:
- ùffs Troddwaa koddse
(w.: <derb> sich auf
dem trottoir übergeben; i.ü.S.: die Überreste von Speis und Trank auf dem
Bürgersteig ablegen)
- ussem Fìnschda koddse
(w.: <derb> sich aus dem Fenster übergeben)
- in de Kònnel koddse
(w.: <derb> in die Regenrinne kotzen, z.B. vom
Dachfenster aus). ð "Wie em Paula sìnna noch
dehämm gewòhnd hadd, ìschs schùnn emòòl vòòr kùmm, dassa hadd mìsse in de
Kònnel koddse; Haabdsach, sinne hònn nìggs devòòn meddgrìdd!"
- in die Schlabbe koddse
(w.: <derb> sich übergeben
und zwar in die gerade zufällig dastehenden Hausschuhe <Schlabbe>).
- koddse wie e Reia
(w.: <derb> sich übergeben wie ein Reiher; i.ü.S.:
sich ganz stark übergeben)
- die Klo|schìssel häfdich ùm|aame
(w.: die Toilettenschüssel umarmen;
i.ü.S.: sich heftig übergeben)
- de Dìbbe (de Haawe) gnuudsche
(w.: die
Toilettenschüssel küssen; i.ü.S.: sich heftig übergeben)
Manchmal ist es sehr empfehlenswert, e Kodds|tuud (also
eine Spucktüte) mitzunehmen. So wird wenigstens die Toilette der Gastgeber oder das
kommunale Trottoir nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Alles nicht so schlimm solange nicht der Filius im Kindergarten, wenn er gefragt wird: "Ei, wass ìschònn dinn
Babbe?" zur Antwort gibt: "Ei, e Sufflabbe!" Spätestens dann
sollte man über den eigenen Alkoholkonsum nachdenken oLLa die Läwwa abklämme ùnn in
Zùkunfd iwwa die Mìls suffe!
Damit sind auch Gewohnheitstrinker gemeint:
- jeeLe Daa voll (schdragg, zùù) sìnn
(w.: jeden Tag betrunken sein; i.ü.S.:
Alkoholiker sein)
Das Ende vom Lied, d.h. eines jeden Besäufnisses: "Ma dùdd
grusslich im Sulwa läie!" ...
...und schwört beim Herrgott und allen Heiligen: "Ich drìngge
känn Tròbbe meh! S Läbbdaa nìdd!"
Und dann das Gezetere der Mutter wer könnte sich nicht daran
erinnern:
"Hònnich das nìdd hùnnaddmòòl gepreLLichd,
dasse dich nìdd so va|sääwarre sollsch(d)! Awwa nää! Däär dòò Nìggudd, däär
sìdd ùnn härrd nìdd ùnn gedd känna Häärd nòh!"
Ein junger Ensheimer, der auch immer Schwierigkeiten hatte, an einem
der zahlreichen Kneipen in Ensheim ohne einzukehren vorüberzugehen, bekam einmal nach
einem alkoholreichen Wochenende von seiner gestrengen Mutter zu hören: "Hasche
wiLLa fùchdseh|hùnnadd Maag va|soff?" worauf er, über die hohe Summe
sichtlich entsetzt, entgegnete: "Saa doch grad dousend!" Das nenne ich
souverän...
Auch das noch: Manche bekämpfen den Kater, indem sie schon während
des Zechens ein paar Aspirin einwerfen, andere schwören auf Kaffee. Nicht immer
gibts einen richtig guten und starken Bohnenkaffee, sondern Mugge|fugg:
- baawesa Kaffee drìngge
(w.: Kaffee trinken, der barfuß ist; i.ü.S.:
löslicher oder Filterkaffee trinken) - Möglicher Kommentar: "Dòò|demedd
kònnsche mich jääe!" Oder:
- wie inngeschlòòfne Fìeß schmagge
(w.: wie eingeschlafene Füße schmecken;
i.ü.S. bei Kaffee: fad, ohne Aroma sein, schmecken)
Ein Tip vielleicht zum Schluss, awwa dass wääß jeeLa Faaseboods
in Ensemm:
- "Ma muss vòrm Suffe gùdd ùnna|leee!"
(also etwas Deftiges und
Fettes essen, bevor man viel Alkohol trinkt) um so belastbarer sind Leber und
Niere.
Insgesamt aber sollte man mit Alkohol vorsichtig umgehen und ihn nur in
Maßen genießen auch in Ensheim, auch wenn man manchmal den <bier>launigen
oder weinseligen Spruch zu hören bekommt:
- "Ich klämme ma die Läwwa ab ùnn sùffe nùrre noch iwwa die Mìls!"
(w.: Ich klemme meine Leber ab und trinke künftig nur noch über die Milz.)
Copyright: Paul Glass 2000-2001