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Ensemma Schbrìch
Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |

3. Kleine & große "Geschäfte"
Auch für dieses sehr menschliche Thema hat unsere Mundart eine Fülle
von Ausdrücken parat. Es verwundert nicht, dass darunter viele derbe und vulgäre
Wendungen und Redensarten sind.
Klarer Fall: Wer viel trinkt, muss auch mal. Mal weniger, mal mehr.
Für das kleine Geschäft gibt es gleich mehrere Ausdrücke, die zum Teil
richtig originell sind:
- Drùgg ùff da Piff hònn
(w.: Druck auf der Pfeife haben; i.ü.S.: ein starkes
Bedürfnis haben, sein Wasser abzuschlagen)
- ùffs Pisswaa gehn
(w.: auf das Pissoir gehen)
- nòh de Päär lùùe gehn
(w.: nach den Pferden schauen)
- de Wieche uss|drääe gehen
(w.: den Docht
auswringen)
- e Bach (Bächele) mache (gehn)
(w.: einen Bach anlegen)
- e Bach puube (gehn)
eine eher scherzhafte Floskel in Anlehnung an das
große Geschäft...
- brùnse (saiche; schiffe) gehn
etwas derbe Ausdrücke
- e Rabbelche mache
ein Ausdruck mehr für Kinder
- e Schdòng Wassa in die Wies (in de Egge) schdelle
(w.: eine Stange Wasser in
die Wiese / Ecke stellen; i.ü.S.: im Freien urinieren meist Männersache...)
- Aa mache
- ebenfalls ein Ausdruck mehr für Kinder und aus der
Kinder-sprache ð "Saa, mùsche Aa?" (Sag
mal, musst du pinkeln?)
- ins Bedd brùnse
(ins Bett pinkeln; ~ nässen)
- e alda Bedd|brùnsa (Bedd|saicha) sìnn
(i.ü.S.: Bettnässer sein)
Wir haben im vorigen Kapitel vom Essen gesprochen. Nicht alles wird vom
Körper in Energie umgewandelt es bleibt auch ein unangenehmer Rest. Das große
Geschäft wird im Ensemma Pladd auch hinreichend "gewürdigt"; es
ist ja auch etwas durchaus Menschliches:
zunächst der Zustand unmittelbar "bevor"...
- s henne hängge hònn
(w.: es hinten hängen haben; i.ü.S.: dringend auf
die Toilette müssen)
- die Ärsch|bagge zùù|päädse mìsse
(w.: die Gesäßbacken zukneifen müssen;
i.ü.S.: sein Geschäft mit äußerster Not verhalten, bis die rettende Toilette in Sicht
ist)
- dabba ùff de Abtrìdd mìsse
(i.ü.S.: dringend auf die Toilette müssen)
- s grad noch pagge
(i.ü.S.: gerade noch rechtzeitig die Toilette
erreichen) ð Besorgte Frage: "Ùnn? Hasche in die
Bùggs geschess?" Erleichterte Antwort: "Nää, ich hònns
grad noch gepaggd!"
- vòòr ludda, ludda känn Abords|hissje (Dìbbe / Haawe / Abdrìdd) fìnne
(i.ü.S.: vor lauter Aufregung keine Toilette finden)
Doch auch die diversen Örtlichkeiten werden genannt:
- ùff de Haawe (Dìbbe / Abtrìdd) gehn
(w.: auf den Topf gehen; i.ü.S.: auf die
Toilette gehen)
- ùffs Hissje (Abords|hissje) gehn
(w.: auf das Häuschen gehen; i.ü.S.:
auf die Toilette gehen)
- ùffs Scheißhaus gehn
<derb> ( i.ü.S.: auf die Toilette gehen)
Ja, auch die Art der Verrichtung kann verklausuliert oder im
Klartext - angesprochen werden, wobei es sich auch hier quasi themenabhängig
teils um derbe und vulgäre Ausdrücke handelt:
- e Hùffe (Haufe) mache; e Wunsch mache; e Digga mache; e
(naggicha) Näächa absääle; e Schdrolle leee
(i.ü.S.: die Notdurft
verrichten)
- sich emòòl gùdd uss|schisse
(i.ü.S.: <derb> in aller Ruhe und
gründlich die Notdurft verrichten)
- die Schìss hònn; de Dabba|laaf ~; de flodde Oddo ~; die Schdradds ~; die Scheißeräi
~
(i.ü.S.: Durchfall haben)
- "Olägg! Olägg! Hònn ich gìschda òwed die Schìss gehaad! Ich hädd uss
dräissich Määda in e Flasch schdraddse kìnne, awwa òhne se ziele!"
Mit
dieser derben und drastischen Redewendung beschreibt man die überaus mangelnde Konsistenz
seiner Notdurft.
Auch die Menge oder Quantität des "großen
Geschäftes" kann Gegenstand einer entsprechenden wiederum meist derben oder
vulgären - Äußerung sein:
- e grusslicha Huffe mache
(w.: einen sehr großen Haufen machen)
- e digga Schdròlle in die Schìssel lee'e; e Mords|schdrolle in die Schìssel lee'e
(i.ü.S.: <derb> eine Riesennotdurft verrichten)
Bekanntlich kann sowohl das kleine als auch das große Geschäft von
einer mehr oder weniger lauten "musikalischen Darbietung" begleitet werden:
- fùrdse wie e Wallach
(w.: wie ein Wallach furzen; i.ü.S.: laut furzen)
- änna schnärre lònn
(i.ü.S.: einen sausen lassen)
- änna (häämlich / sachde / ùùngefròòd) in de Egge schdelle
(w.: heimlich /
sanft / ungefragt einen in die Ecke stellen; i.ü.S.: eine kampfgasähnliche Attacke auf
die Mitmenschen starten)
- vamässe schdìngge
(ungeheuer stinken) ð "Saa
mòòl, hasch(d) du häämlich änna gelass? Dass dùdd jòò grad vamässe schdìngge!"
(Sag mal, hast du heimlich einen streichen lassen? Das stinkt ja ungeheuerlich!)
- haad puube
(laut furzen) Bei diesem unanständigen Verhalten hört man
vielleicht den kritischen Satz:
- "Du alda Qualla|sagg, jedds härr awwa mòòl ùff! Dass ìschòò nìmmeh
scheen!" (Du alter Furzer! Jetzt hör bitte mal auf damit. Das ist ja nicht
mehr schön!)
Allerdings: solch ein Darmwind kann auch ganz leicht in die Hose gehen:
- e Pries in da Bùggs (Unna|schess) hònn
(i.ü.S.: einen
Kotflecken in der Unterhose haben) ð "Hasche wiLLa
änna gelass, du Sou|färgel ùnn jeddse hasche e Pries in da Unna|schess ùnn ich
musse wesche!"
- Lònd debäi hònn
(w.: Land dabei haben; i.ü.S.: einen Kotflecken in der
Unterhose haben) ð "Hagùdd nochemòòl! Jedds
wolld ich gemìedlich änna schnärre lònn, awwa jeddse war doch tatsächlich Lònd
debäi!" (Meine Güte! Jetzt wollte ich bloß einen Darmwind loswerden und schon
habe ich in die Hose gemacht!)
- in die Bùggs geschess hònn
(i.ü.S.: <derb> in die Hose gemacht haben)
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