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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Weil die Menschen nun mal nicht immer friedlich miteinander umgehen und weil sie doch oft egoistischen Interessen nachgehen, gibt es häufig genug Anlass, sich über irgendetwas oder irgendjemand zu ärgern.
Aktiven
Ärger kann
man auf vielfältige Art provozieren:
·
jemònde in de Dodds triewe (i.ü.S.: jdn. erschrecken)
·
~ ùff de Schlibbs trääLe (w.: jdm. auf den Schlips treten; i.ü.S.: jdn. ärgern;
jdn. angreifen)[1]
·
äbbes ùffs Tabeed bringe (etw. zur Sprache bringen, v.a. etwas, worüber man
sich ärgert)
·
jemònde abkabbe
(1. jdn.
schroff unterbrechen; 2. jdn. links liegen lassen)
·
jemònd vaschiLLe (i.ü.S.: jdn. ausschimpfen)
·
jemònd die Buud innränne (w.: jdm. die Bude einrennen; i.ü.S.: jdn. durch
Besuche nerven; bei jdm. ständig vorstellig werden, um bestimmte Forderungen
durchzusetzen)
·
's gòns häälich Jòhr gnawwarre (i.ü.S.: das ganze Jahr über motzen)
·
sich grusslich ùff de Keegs gehn (w.: sich sehr auf den Keks gehen; i.ü.S.:
sich auf den Wecker gehen)[2]
·
jemònd ùff da Naas erùm|dònse (w.: jdm. auf der Nase herumtanzen; i.ü.S.:
mit jdm. machen, was man will; die Gutmütigkeit von jdm. ausnutzen)[3]
·
jemòndem ùff de Närve erùm|tròmbele (w.:
auf den Nerven von jdm. her-umtrampeln; i.ü.S.: jdm. den letzten Nerv rauben)[4]
Dann könnte man...
·
grändich wärre
(w.: grantig
werden; i.ü.S.: böse, grob werden)
·
e grusslichi Raasch grìen (i.ü.S.: sehr in Rage, in Wut geraten)[5]
·
die Graddel grìen (i11. sich aufregen; wahnsinnig werden; 2. zuviel
kriegen)
·
die Gränd grìen
(i.ü.S.: 1.
sich aufregen; wahnsinnig werden; 2. zuviel kriegen) ð
„Dòò kìnnsche doch die Gränd grìen!“ (Da könntest du doch
verrückt werden!)[6]
·
ùss da Bùggs schbringe (w.: aus der Hose springen; i.ü.S.: sich ärgern;
sich aufregen) ð
„Nää, wänn ich so e bleeLa Hùnd sìehn, dòò kìnnd ich ùss da Bùggs
schbringe!“ (Wenn ich solch einen blöden Zeitgenossen sehe, dann könnte
ich mich total aufregen!)
·
schìLLe wie e Rohr|schbadds (w.: schelten wie ein Rohrspatz; i.ü.S.: lauthals
schimpfen)[7]
·
wieLich sìnn (w.: <wütig> sein; i.ü.S.: wütend sein) ð "Wass bìsche
dònn so wieLich?" (Was bist du denn so wütend?)[8]
·
vòòr ludda Raasch pladdse (i.ü.S.: vor lauter Wut platzen)
·
uss da Hudd fahre (w.: aus der Haut fahren; i.ü.S.: wütend werden)[9]
·
's Ha-Be-Männche mache (w.: das HB-Männchen machen; i.ü.S.: vor lauter
Wut in die Luft gehen)[10]
·
sich grìen ùnn blòò ärcharre (w.: sich grün und blau ärgern; i.ü.S.: sich sehr
ärgern)[11]
·
Dòmb ablònn (w.: Dampf ablassen; i.ü.S.: seinem Ärger Luft verschaffen; seine Wut
abreagieren)[12]
·
sich de Grobb läärmache (w.: sich den Kropf leeren; i.ü.S.: seinem Ärger
Luft machen; sich aussprechen)[13]
·
sich uss|kòddse (w.: sich auskotzen; i.ü.S.: seinem Ärger Luft
machen; sich aussprechen; sagen, was einen bedrückt)
·
ùff hunnadd|achd|dsich sìnn (w.: auf 180 sein; i.ü.S.: sehr wütend sein)
·
vòòr ludda Raasch e rooLa Kobb grìen (w.:
vor lauter Wut einen roten Kopf bekommen; i.ü.S.: sehr wütend sein, was man am
hochroten Kopf unschwer erkennen kann)
·
die Hänn iwwam Kobb sesòmme|schlòòn
(w.: die Hände über dem Kopf zusammenschlagen; i.ü.S.: entsetzt sein)
·
so e Hals grìen; e digga ~ (i.ü.S.: sich sehr ärgern)
·
ùssa Rònn ùnn Bònn sìnn (w.: außer Rand und Band sein; i.ü.S.: 1. übermütig,
ausgelassen sein; 2. nicht zu besänftigen sein)[14]
·
gòns vunn de Sogge sìnn (w.: ganz von den Socken sein; i.ü.S.: total überrascht
sein; sehr erstaunt sein)
·
gòns ùssem Hissje sìnn (w.: ganz aus dem Häuschen sein; i.ü.S.: total
aufgeregt sein)
·
sich nimmeh ìnn|grìen (w.:
sich nicht mehr einkriegen; i.ü.S.: sich nicht mehr abregen können; sich nicht
mehr beruhigen)
·
kurds òòngebùnn sìnn (w.: kurz angebunden sein; i.ü.S.: eingeschnappt
sein; nur das Notwendigste sprechen)
·
„Ich kìnnd grad haad griene!“ (w.: Mir ist jetzt zum Heulen zumute!)
·
wie òm Schbieß grische (w.: wie am Spieß kreischen; i.ü.S.: lauthals
schreien)[15]
·
grische wie de Mònn im Kalk|oowe (w.:
kreischen wie der Mann im Kalkofen; i.ü.S.: brüllen)[16]
·
mache wie de Mònn im Kalk|oowe (w.: machen wie der Mann im Kalkofen; i.ü.S.:
wütend sein; wütend umherspringen)
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Weitere Ausdrücke, um seinen Ärger auszudrücken:
·
„Dass
dùdd mich grebbe!“
(i.ü.S.: Das ärgert mich! Das geht mir nach!)
·
„Dòò kìnnsche doch grad äbbes òòn dich grìen!“
(i.ü.S.: Da könntest du dich doch gleich aufregen!)
·
„Dòò kìnnsche doch grad die Gränd grìen!“
(i.ü.S.: Da könntest du dich doch gleich aufregen!)
·
„Dòò kìnnsche doch grad die Mòdde grìen!“
(i.ü.S.: Da könntest du dich doch gleich aufregen!)
·
„Dòò kìnnsche doch grad de Gääße|gichdarre (Geiße|gichdarre) grìen!“ (i.ü.S.:
Da könntest du dich doch gleich mordsmäßig aufregen!)[17]
·
„Dòò grische doch die Dìer nìdd zùù!“
(w. Da kriegst du doch die Türe nicht zu! I.ü.S.: Da könntest du dich doch
gleich aufregen!)
·
„Dòò kìnnsche doch medda Mònschdròns enìnn|schlòòn!“
(w.: Da könnte man doch mit der Monstranz dazwischenhauen! Wer diesen Ausdruck
be-nutzt, ist außerordentlich wütend.)
·
„Ou, dòò kìnnd ich ròòsend wärre!“
(Oh, da könnte ich rasen vor Wut!)
·
„Oh, ìsch dass dòò e Lied|gròngela!“
(i.ü.S.: Oh, was ist das für ein Nerv-töter!)
·
„Oh, kiss mich doch òm Bùggel!“ (Oh, küsse mich doch am <verlängerten>
Rücken! I.ü.S.: Leck‘ mich doch am Allerwertesten!)
·
„Dòò gedd ma doch's Mässa im Sagg ùff!“
(w.: Da geht mir doch das Messer in der Tasche auf! I.ü.S.: Jetzt werde ich
aber sehr wütend!)[18]
·
„Ich kìnnd grad ussem Òònzùùch hubbse!“
(w.: Ich könnte jetzt gleich aus dem Anzug hüpfen! I.ü.S.: Ich könnte mich
entsetzlich aufregen.)
·
„Du kònnsch mich emòòl gäär hònn!“
(w.: Du kannst mich mal gerne haben! I.ü.S.: Mit dir will ich nichts
<mehr> zu tun haben!)
·
„Dòò kònnsche nimmeh schwäddse!“ (w.: Da kannst du nicht mehr schwätzen! I.ü.S.:
Da fällt dir <vor Erstaunen oder vor Verärgerung> nichts mehr ein!)
·
„So e Kabbes!“
(Ausdruck
der Verärgerung, etwa: So ein Quatsch!)[19]
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Und der Ärger nimmt diverse Formen an:
·
de Gnubbe hònn
(i.ü.S.:
sich ärgern; verärgert sein)
·
gòns gegnäddschd sìnn (i.ü.S.: tieftraurig, frustiert, bedrückt,
deprimiert sein)
·
lääLich sìnn
(w.: <weh>leidig
sein; i.ü.S.: missgelaunt, freudlos sein)
·
e läälich Gesichd mache (w.: ein <weh>leidiges Gesicht machen: i.ü.S.:
missgelaunt, freudlos sein)
·
e Gesichd mache wie siwwe Daa RäänwäLLa
(w.: ein Gesicht machen wie sieben Tage Regenwetter; i.ü.S.: äußerst
deprimiert sein)[20]
·
de Schdurdse hònn
(i.ü.S.:
betrübt sein)[21]
·
die Flämm hònn (i.ü.S.: 1. schlechte Laune haben; nicht gut drauf sein; 2. betrübt
sein)[22]
·
die Kebb hängge lònn (w.: die Köpfe hängen lassen; i.ü.S.: 1. traurig
sein; deprimiert sein; mutlos sein; 2. welk werden; verblüht sein)
·
die Flìdde hängge lònn (w.:
die Flügel hängen lassen; i.ü.S.: betrübt sein) ð
„Also, äns sòònich da: in dinnem Älda hònnich die Flìdde nìdd so hängge
gelass!“ (Eines muss ich dir sagen: in deinem Alter war ich nicht so
mutlos!)
·
die Läschbe bis ùff de BòLLem hängge lònn (w.:
die Lippen bis auf den Boden hängen lassen; i.ü.S.: sehr betrübt, total
deprimiert sein und dies durch einen entsprechenden Gesichtsausdruck
unterstreichen) ð
„Ich meechd nùrre mòòl wìsse, wass meLLem (meddem) Maalche loss ìsch;
dass lìssd jòò grad die Läschbe bis ùff de BòLLem hängge!“
·
wie ròòsend sìnn
(i.ü.S.: 1.
sich total aufregen; 2. vor Wut schäumen, rasen)
·
Schumm vòòrs Mull grìen (w.: Schaum vor das Maul kriegen; i.ü.S.: äußerst
erregt sein; vor Wut schäumen)
·
e Flänsche|greed sìnn (i.ü.S.:
eine mißmutige, verärgerte Frau sein) ð
„‘s Luwwies ìsch doch e Flänsche|greed wie’s im Bùùch schdedd!“
(Luise ist so, wie man sich eine typische missmutige Frau vorstellt.)
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Natürlich lässt unsere Mundart auch diversen Empfindlichkeiten Raum:
·
e Piebche sìnn (i.ü.S.: ein empfindlicher Mensch sein)
·
kibbich sìnn
(i.ü.S.:
eingeschnappt sein)[23]
·
kinnich (kinsch) sìnn
(w.:
kindisch sein; i.ü.S.: überempfindlich sein)
·
e Gresch|kinnche sìnn (w.: ein kleines Christkind sein; i.ü.S.: 1. überempfindlich
sein; 2. ein qualitativ wertloser Gegenstand sein)
·
gaa nìdd äschdemìerd wärre (w.: gar nicht geachtet werden) ð „De
Schill kònn mache, wassa will; er wärd ùnn wärd nìdd äschdemìerd!“
(Julius kann grad machen, was er will: man bringt ihm keinerlei Achtung
entgegen!)
·
wäll jeeLem Schissdrägg brìlle (w.: wegen jedem Scheißdreck brüllen; i.ü.S.:
wegen jeder Kleinigkeit weinen; empfindlich sein; nahe am Wasser gebaut haben)
·
e Gänse|hudd grìen (w.: eine Gänsehaut bekommen; i.ü.S.: vor Kälte,
Aufregung oder Furcht schaudern)[24]
· "Du hasch e Gänse|hudd, dòò kìnnd ma Grumbìere drùff rabbe!" (w.: "Du hast eine solche Gänsehaut, darauf könnte man Kartoffeln reiben.) Damit kommentiert man seine Überraschung, wenn man sieht, wie es jemand fröstelt oder friert oder wie er aus Erregung oder Furcht eine Gänsehaut bekommt. [24a]
„Wänn däärsäll sinn Tuur hadd, dònn hìnnaddne die Mòdd òn da Wònd!“ (w.:
Wenn diese Person ihre empfindliche Stunde hat, dann regt sie sich sogar über
eine Motte an der Wand auf! I.ü.S.: 1. überempfindlich sein; 2. sich gleich
aufregen)
·
de Nubbe hònn; de Schdiewe hònn (i.ü.S.: launisch sein)
·
e Schdiewe|naa sìnn (i.ü.S.: launisch sein)
·
de Nubbe grìen
(i.ü.S.:
launisch werden; schlechte Laune bekommen)
·
Geschìssjes (Geschìss) mache (i.ü.S.:
pingelig sein) ð „Jedds
mach awwa nùrre känn Geschìss!“ (Jetzt stell’ dich nur nicht so an!
Jetzt sei bloß nicht so pingelig.)
·
wie e Schloss|hùnd brìlle (w.:
wie ein Schlosshund brüllen; i.ü.S.: fürchterlich weinen; sehr viele Tränen
vergießen)[25]
·
va|pinsd ùnn va|äänsd sìnn (i.ü.S.: sehr empfindlich sein; wehleidig sein)
·
„Schiss da nùrre nìdd ins Hämmed!“ (w.:
Scheiß’ dir bloß nicht ins Hemd! I.ü.S.: Sei nicht so empfindlich! Stell’
dich nicht so an!)
·
gòns va|bäädsd sìnn
(i.ü.S.: 1.
verängstigt; 2. beleidigt sein) ð
„Dòò drìwwe dänne ìhr Bìebche schind gòns va|bäädsd se sìnn; däär
droud dich nìdd òòn|se|lùù(‘e)!“ (Der Junge von gegenüber scheint
richtig verängstigt zu sein; er wagt es nicht, einen anzuschauen.)
·
jemònde nimmeh die Zidd bìeLe (w.: jdn. nicht mehr die Zeit bieten; i.ü.S.:
jdn. nicht mehr grüßen; eingeschnappt, gekränkt sein) ð „Ich
wääs nìdd, wass dass Loon|che hadd? Dass dùdd ma schùnn e gònsi Wùch känn
Zidd meh bìeLe!“ (Ich weiß nicht, was mit Apollonia im Moment los ist!
Sie scheint schon eine ganze Woche lang gekränkt zu sein.)
·
„Dämm ìsch beschdimmd e Luss iwwa die Läwwa gelaaf!“
(w.: Diesem Menschen ist bestimmt eine Laus über die Leber gelaufen! I.ü.S.:
Der ist im Moment sehr verärgert!)[26]
·
ùm jemònde e Mords|bòò(’e) mache (w.: um jdn. einen sehr großen Bogen machen;
i.ü.S.: jdn. unbedingt meiden)
·
mibbsich sìnn (i.ü.S.: empfindlich sein)
·
gòns längs sìnn (i.ü.S.: total verwirrt sein)
·
e Mòmme|kälbche sìnn (w.: ein kleines Mutterkalb sein; i.ü.S.: sehr
empfindlich, wehleidig sein) ð „O Bùùb,
schòòm dich! Wie kòmma nùrre so e Mòmme|kälbche sìnn !“ (Mensch
Junge, du solltest dich schämen! Wie kann man bloß so wehleidig sein!)
·
„Dòò gìdd's jeddse gaa nìggs se brille!“
(I.ü.S.: Es gibt jetzt überhaupt keinen Grund zum Weinen!)
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Wer von uns ist schon wirklich die Ruhe selbst? Die wenigsten wahrscheinlich. Und deshalb bekommen auch die Nervösen, die ganz gerne auch ihre Mitmenschen nervös machen, ihr Fett ab:
·
e Närve|bòbbes sìnn
(i.ü.S.:
nervös sein)
·
e Närv sìnn; e grusslicha ~ (i.ü.S.:
nervös sein)
·
närve|bòbbesich sìnn (i.ü.S.: nervös sein)
·
e Ei im Ärsch hònn
(w.: ein Ei
im Hintern haben; i.ü.S.: nervös sein; nervös umherlaufen)
·
dòòrùm|laafe wie e brìedsich Hìnggel (w.:
wie ein „brütiges“ Huhn umherlaufen; i.ü.S.: nervös sein; nervös
umherlaufen)[27]
·
jemònde ùff de Jùbbe felle (w.: jdm. auf die Joppe fallen; i.ü.S.:
aufdringlich sein; nervtötend sein)
·
e richdicha Jùbbe|fella sìnn (i.ü.S.:
ein aufdringlicher, nervtötender Mensch sein)
·
jemònde e Loch in de Buch fròò(‘e)
(w.: jdn. ein Loch in den Bauch fragen; i.ü.S.: jdn. mit vielen Fragen nerven)
·
gòns griwwelich wärre
(i.ü.S.:
ganz nervös werden)
·
wie ùff glìeliche Kòhle hugge (w.: wie auf glühenden Kohlen hocken; i.ü.S.:
in einer bestimmten Situation voller Unruhe sein)[28]
·
wie ùff Nòòdele hugge (w.: wie auf Nadeln hocken; i.ü.S.: sehr gespannt
sein; mit quälender Ungeduld warten)[29]
·
lääfich sìnn
(w.: läufig
sein; i.ü.S.: nervös sein)
·
jemònde pinniche
(w.: jdn.
peinigen; i.ü.S.: 1. jdn. aufregen; ärgern; 2. jdn. nerven) ð
„Jedds härr ùff die Lied se pinniche!“ (Jetzt höre damit auf,
die Leute zu nerven.)
·
~ ùff de Gääschd gehn (w.: jdm. auf den Geist gehen; i.ü.S.: jdn. nerven)
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Zum Glück für uns Menschen hält das Schicksal nicht nur Ärger für uns bereit, sondern auch Phasen, die von Glück und Glückseligkeit beherrscht werden - bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger:
·
sich wie e Schnee|keenìch fräie (w.: sich wie ein Schneekönig freuen; i.ü.S.:
sich über die Maßen freuen)[30]
·
sich wie e Kend fräi'e (w.:
sich wie ein Kind freuen; i.ü.S.: sich ehrlich und natürlich über etwas
freuen)
·
schlou dùùn (i.ü.S.: sich insgeheim über etw. freuen) ð „Ich
will jòò nìm-mònd äbbes Beeses! Awwa dass däär Sùff|kobb dòò drìwwe
ändlich emòòl vùmm Schòndaam va|widdschd wòòr ìsch, dass dùdd ma aarich
schlou!“ (Ich wünsche ja niemandem etwas Böses; aber dass der
Gewohnheitstrinker von gegenüber endlich mal vom Dorfpolizisten erwischt wurde,
darüber freue ich mich sehr!)
·
wie e Baddsch|ääma schdrahle (w.: wie ein mit Schlamm gefüllter Eimer strahlen;
i.ü.S.: sich sehr freuen; über das ganze Gesicht strahlen)
·
sich kabudd|lache (sich kaputtlachen, sich totlachen)
·
sich e Aschd lache (w.: sich einen Ast lachen; i.ü.S.: sich sehr
freuen)
·
sich schäbb|lache
(w.: sich
schief lachen; i.ü.S.: heftig lachen)
·
sich gròngk|lache (w.: sich krank lachen; i.ü.S.: sehr lachen)
·
sich ins Fischdche lache (w.: sich ins Fäustchen lachen; i.ü.S.: heimlich
schadenfroh sein)[31]
·
sich die Hänn riwwele (w.: sich die Hände reiben; i.ü.S.: Schadenfreude
empfinden und zeigen)
·
gòns ewägg (wägg) sìnn (w.: ganz weg sein; i.ü.S.: sich sehr freuen;
begeistert sein) ð „Saa!
Haddem ‘s noue Räädche gefall?“ – „Jòò! Er ìsch gòns ewägg!“
(Sag‘ mal, gefällt ihm das neue Fahrrad? – Ja, er ist begeistert!)
·
òn änna Tuur gìggele (i.ü.S.: andauernd lachen, meist in leiser oder gedämpfter
Form) ð
„De Paschdoor kìnnd dänne zwei Nìggùdde mòòl die Lewidde lääse.
Die hònn während da gòns Òòndacht òn änna Tuur gegìggeld – ùnn dass
in da erschd Bòngk!“ (Der Herr Pfarrer wird den beiden Tunichtguten
hoffentlich die Leviten lesen. Die haben während der ganzen Andacht immer leise
gelacht – und das in der ersten Bank!)
Weitere Ausdrücke zum Thema:
·
"Schaff dich hämm ùnn schiss dinna Mòmme ins Nähkärbche, dasse
äbbes se schaffe hadd!" (Geh nach Hause und verrichte deine Notdurft ins Nähkörbchen
deiner Mutter, damit die etwas zu arbeiten hat!) Mit diesem derben Spruch
schickt man Kinder und Jugendliche weg bzw. heim, die einen nerven und die man
gerne loswerden möchte.
·
„Schbass muss sìnn, ùnn wänn's bäi da Läichd ìsch!“ (Spaß muss sein und wenn es auf der Beerdigung ist.) Mit
dieser Wendung drückt man aus, dass Humor etwas ganz Wichtiges für den
Menschen ist. Meist wird der Spruch verwendet, nachdem man einen Witz erzählt
oder eine witzige Bemerkung gemacht hat.[32]
Anmerkungen
[2] Vgl. Duden, op. cit., 379. Dieser Quelle zufolge bezieht sich diese Redensart darauf, dass bestimmte Kekse, wenn sie längere Zeit nicht luftdicht verpackt sind, weich werden, nicht mehr ganz in Ordnung sind, und spielt mit der umgangssprachlichen Bedeutung ‚Kopf‘ von Keks.
[3] Vgl. Duden, op. cit., 509. Hier wird die Nähe der Nase zu den Augen für ein sprachliches Bild genutzt: Wer jemandem ‚auf der Nase rumtanzt‘, der tut unter den Augen des Betreffenden, was er will.
[4] Diese Wendung existiert auch im Frz.: taper sur les nerfs à qn (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 93)
[5] Hier stand der frz. Ausdruck rage <Wut> Pate.
[6] Gränd steht eigentlich für Grind oder Schorf, eine unangenehme Krankheit, die von heftigem Juckreiz begleitet ist. Vgl. Seibicke, op. cit., 139.
[7] Damit ist eine Rohrammer gemeint, die im Schilfrohr lebt und die bei Gefahr laute Warnrufe ausstößt. Vgl. Braun, op. cit., 105.
[8] Den Ausdruck wütig gibt es nur noch in Verbindung mit bestimmten Adjektiven, z. B. blindwütig, lesewütig, tollwütig usw.
[9] Vgl. Duden, op. cit., 317, demzufolge mit dieser Redensart gemeint ist, dass jmd. außer sich gerät, vor Wut seine äußere Hülle (die Haut) verlässt.
[10] Ein Ausdruck, der wohl erst in den Sechziger Jahren entstanden ist und sich auf die TV-Spots der Zigarettenmarke HB bezieht, wo eine Comic-Figur immer vor Ärger in die Luft geht (und dank einer HB-Zigarette wieder ruhig wird).
[11] Vgl. Duden, op. cit., 50, wo auch die Ausdrücke sich gelb und grün ärgern bzw. sich schwarz ärgern aufgeführt sind.
[12] Vgl. Duden, op. cit., 143, demzufolge mit diesem Ausdruck, der aus dem Bereich der Technik stammt, gemeint ist, dass man Dampf entweichen lässt, damit der Druck sich verringert und der Kessel nicht explodiert.
[13] Vgl. Duden, op. cit., 421: Die Wendung bezieht sich darauf, dass manche Vögel zur Fütterung ihrer Jungen Nahrung aus dem Kropf hervorwürgen. Wenn ein Mensch sich aussprechen will, dann bringt er oft das, was ihn bedrückt, nur mühsam hervor, er muss die Worte gleichsam herauswürgen.
[14] Vgl. Duden, op. cit., 565, demzufolge sich diese Redensart ursprünglich auf Fässer bezog, die durch den Fassrand und eiserne Bänder zusammengehalten werden.
[15] Diese Wendung bezieht sich m. E. auf die Situation in früheren Kriegszeiten, wo die von Hellebarden aufgespießten Söldner, von unsäglichen Schmerzen gepeinigt, aufschrieen.
[16] Diese Redensart bezieht sich vermutlich auf ein Unglück, wo sich ein Arbeiter in einem Kalkofen verbrannt hat. Diese Kalköfen waren auch im Bliesgau verbreitet, auch in Ensheim, Eschringen und Heckendalheim, wobei der so gewonnene Kalk entweder zum eigenen Hausbau verwendet oder an die Halberger Hütte oder die St. Ingberter Kohlengrube geliefert wurde. Vgl. Herbert Luck, Kalkbrennerei. In: 650 Jahre Heckendalheim. 1342 – 1992. Heckendalheim 1992, 366-373
[17] Braun, op. cit., 117 zufolge verbergen sich hinter dem Wort Gääse|gichdarre die Krämpfe der kleinen Kinder. Wenn man den Begriff wörtlich übersetzt, gelangt man zur Geißengicht.
[18] Vgl. Duden, op. cit., 486, wonach sich die Wendung auf das Klappmesser bezieht und zum Ausdruck bringt, dass sich bei einem schwerwiegenden Anlass, in großer Erregung jemandes Messer wie von selbst, noch in der Hosentasche, aufklappt.
[19] Gelbhaar, op. cit., 71 leitet die schriftdeutsche Form So ein Kohl! vom hebräischen Wort qol (Gerücht, Geschwätz) ab.
[20] Vgl. Duden, op. cit., 576, der die schlechte Laune schon bei drei Tagen Regenwetter einziehen lässt.
[21] Das Wort Schdurdse bedeutet normalerweise <Baumstumpf ‚Zahnstumpf>. Wie die Bedeutung sich hin zur obigen Redewendung gewandelt hat, ist noch unklar.
[22] Wieder einmal eine Anleihe bei der frz. Sprache: flemme <Laschheit, Faulheit, Faulenzerei>.
[23] Das Wort leitet sich möglicherweise vom alemannischen kib <Zorn> ab. Vgl. Seibicke, op. cit., 40.
[24] Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 46.
[24a] Diese Redewendung verdanke ich Kurt Fitz, der die Gänsehaut seiner Frau Gaby mit diesem Spruch kommentiert hat.
[25] Gelbhaar, op. cit., 22 interpretiert den Schlosshund als einen Kettenhund, der an der Kette angeschlossen ist und (deswegen?) heult.
[26] Vgl. Duden, op. cit., 438: Die Leber galt früher als Sitz der Gemütsbewegungen. Die ältere Redewendung ‚jmdm. ist etwas über die Leber gelaufen‘ wurde vermutlich wegen der Alliteration durch ‚eine Laus‘ ergänzt. Außerdem ist eine Laus etwas Kleines, Winziges, sodass in der Wendung auch zum Ausdruck kommt, dass oft Kleinigkeiten Ärger verursachen können.
[27] Braun, op. cit., 109
[28] Vgl. Duden, op. cit., 395: Die seit dem 17. Jh. bezeugte Wendung meint eigentlich, dass jemand vor Unruhe oder Ungeduld hin und her rutscht, als ob er auf glühenden Kohlen säße. - Diese Wendung existiert auch im Frz.: être sur des charbons ardents (Vgl. Wiznitzer, op. cit., 28.)
[29]
Vgl. Duden, op. cit., 665.
[30] Gelbhaar, op. cit., 22 erklärt, dass es sich hierbei um einen Zaunkönig handelt, der in Mitteldeutschland Schneekönig hieß und der selbst im Winter seine Liedchen trällert.
[31] Vgl. Duden, op. cit., 195, demzufolge diese Redensart darauf Bezug nimmt, dass jemand, der seine Erheiterung oder Schadenfreude zu verbergen sucht, die [geschlossene] Hand vor den Mund hält, oft auch so tut, als ob er hinter der vorgehaltenen Hand hustet.
[32]
Vgl. Braun, op. cit., 31, die einen ähnlichen Spruch aufführt: Schbass
muss sinn, sunschd gehd kä Mensch mid der Leisch.
© Paul Glass 2000-2001