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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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31.  Handwerk & Technik

In unserer Mundart findet man zu dieser Thematik u.a. folgende Ausdrücke:

·      gòns wìnsch sìnn (i.ü.S.: schief sein; verzogen sein) ðOh, lägg mich in da Kabb! Wass hasche dònn die Tabeede|läddcha so winsch dròòn|gepoodeld?“ (Mein Güte! Warum hast du denn die Leisten so schief angebracht?)

·      richd sìnn (i.ü.S.: gerade sein; nicht schief sein)

·      ussgelierd sìnn (w.: ausgeleiert sein)

·      in de leddsche Kääle läie (hängge) (i.ü.S.: bald kaputtgehen)[1]

·      nùrre noch òn äänem FaaLem hängge (w.: nur noch an einem Faden hängen; i.ü.S.: bald kaputtgehen)

·      geliwwadd sìnn (w.: geliefert sein; i.ü.S.: kaputt sein)  ðDu Madds, hasche eichendlich noch dänne alde Puddscha, dänne woo de mòòl vùnn Petrisse Hännes grìdd hasch(d)?“ - „Ei, nää, dänne hadd sich doch Sònd| baawels ìhr Junga vòrrsjòhr mòòl fa de Roose|moondaas|ùmdsùùch gelehnd ùnn hadd ne bäi Foch|dsichs vòrm Huss geliwwadd!“ (Du, Mathias, hast du eigentlich noch das Motorrad, das dir Hans Petri mal geschenkt hat? - Nein, das hat sich im letzten Jahr der junge ... für die Teilnahme am Rosenmontagsumzug ausgeliehen und dann hat das Motorrad bei einem Unfall vor dem Anwesen Jungfleisch den Geist aufgegeben.)

·      laafe wie e Dìbb|che (w.: laufen wie ein Töpfchen; i.ü.S.: gut funktionieren)

·      e Pladda hònn (w.: einen Platten haben; i.ü.S.: eine Reifenpanne haben)

·      Leefd’s Audo nimmeh?“ - „Ei nää! die Maschien ìsch kabudd!“ (Läuft das Auto nicht mehr? - Nein, der Motor ist defekt.)

·      nùrre e Bawwa hònn (nur einen kleinen Blechschaden, eine Beule haben)

·      Schaff dich enùff zu Schwaadse òn die Tongk|schdell ùnn lùù da dinn Schrodd|hùffe òòn!“ (Begib dich schleunigst zur Tankstelle Schwartz und sieh‘ dir deinen Schrotthaufen an.)[2]

·      zwei lingse Hänn hònn (w.: zwei linke Hände haben; i.ü.S.: sehr unge-schickt sein)

·      känn gùLLa Schaffa sìnn (w.: kein guter Arbeiter sein; i.ü.S.: 1. unge-schickt sein; ungenau arbeiten; 2. ein Faulenzer sein)

·      alles mache kìnne (w.: alles machen können; i.ü.S.: sehr geschickt sein)  ðJòò, de Hibbe, dänne kònnsche aa fa alles hääsche; däär dudd Pläddcha lee’e oLLa e noua Schorschde muure; däärsäll kònn äänfach alles mache, awwa sinn BruuLa, ich sòòn da’s, däär hadd zwei lingse Hänn, ìsch hald e Schduddìer|da!“ (Also, den Herbert, den kann man für jede handwerkliche Tätigkeit einsetzen; der verlegt Fliesen oder mauert einen neuen Schornstein - der ist so geschickt und kann einfach alles machen! Aber sein Bruder ist dafür umso ungeschickter, aber der hat ja auch studiert!)[3]

·      e Achda hònn (w.: einen Achter haben; i.ü.S.: ein verbogenes Rad haben, etwa beim Fahrrad)

·      de Duddelkaschde ussmache (i.ü.S.: das Radiogerät abstellen)

·      e Eddaschäär (Eddaschäärche) bossele (i.ü.S.: ein Regal basteln)[4]

·      e FaaLem durchzìehe (einen Faden hindurchziehen, z. B. durchs Nadelöhr)

·      ussem Limm gehn (w.: aus dem Leim gehen; i.ü.S.: entzwei gehen)[5]

·      sich e Räddsch mache lònn (w.: sich eine Ratsche, Knarre, Rassel bauen lassen)[6]

·      e aldi Schees fahre (w.: eine alte Chaise fahren; i.ü.S.: ein altes Fahrrad oder Auto fahren)[7]

·      e aldi Kuddsch fahre (w.: eine alte Kutsche fahren; i.ü.S.: ein altes Fahrrad oder Auto fahren)

·      e aldi Gääß (Geiß) fahre (w.: eine alte Geiß fahren; i.ü.S.: ein altes Fahrrad oder Auto fahren)

·      die Usse|muur wissele (w.: die Außenmauer weißeln, weiß tünchen)


Anmerkungen

[1] Mit Kääle sind wohl die Keile gemeint.

[2] Das sagte seinerzeit mein Vater, als er mich nach einem Unfall „freundlich“ aufforderte, mir mal mein demoliertes Fahrzeug bei der Tankstelle Schwartz anzusehen...

[3] Leute mit Studium sind echten Handwerkern meist ein Greuel, weil viele von ihnen handwerklich unbegabt sind und zwei linke Hände haben. Ganz nebenbei: Mein Bruder ist früher an mir auch öfter schier verzweifelt... ;-)

[4] Hier stand das frz. Wort étagère <Regal> Pate. Auf diesem Regal wurden in der Küche bestimmte Lebensmittel in Porzellanbehältern aufbewahrt, wie Grieß, Mehl, Zucker und Salz.

[5] Vgl. Duden, op. cit., 448, demzufolge sich diese Wendung darauf bezieht, dass bestimmte Gebrauchsgegenstände, vor allem Möbel, durch Leim zusammengehalten werden. Was aus dem Leim geht, geht auseinander, gerät aus der Form, geht entzwei.

[6] Wie an anderer Stelle schon erwähnt, werden solche Räddsche von den Kläpperbuben zwischen Karfreitag und Ostern benutzt.

[7] Hier findet sich das frz. Wort chaise <Stuhl> wieder.

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