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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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33.  Mut & Angst

Auf den Mut beziehen sich folgende Redensarten und Ausdrücke:

·      Kuraasch hònn (Mut haben)[1]

·      gaa känn Ongschd hònn (überhaupt keine Angst haben)

·      sich vòòr nìggs färchde (sich vor nichts fürchten; keinerlei Angst haben) ðDäär Räiwa dùdd sich vòòr nìggs färchde!“

·      em Däiwel vòòr die Schmìdd gehn (w.: dem Teufel vor die Schmiede gehen; i.ü.S.: sehr mutig sein; sich vor überhaupt nichts fürchten)[2]

·      Dänne ìhr Räiwa dòò driwwe, däär kännd känn Ongschd!“ (Der Strolch von gegenüber hat überhaupt keine Angst vor niemandem!)

·      Närve hònn wie Dròhd|sääle (w.: Nerven haben so stark wie Drahtseile; i.ü.S.: sehr starke Nerven haben)[3]

·      als ändsichschda die Schniss ùff|mache (i.ü.S.: als einziger den Mund aufmachen, um fällige Kritik zu äußern)

·      „Oh, mach dich nùrre nìdd varìggd!“ (w.: Oh, mach‘ dich bloß nicht verrückt!)

·      „Hùnn, die wo bälle, bisse nìdd!“ (w.: Hunde, die bellen, beißen nicht! I.ü.S.: Wer fürchterliche Drohungen ausstößt, macht sie gewöhnlich nicht wahr, sondern belässt es dabei.)[4]

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Auch das Gefühl der Angst hat in der Mundart sehr wohl seine Spuren hinter-lassen:

·      Schìss hònn; Moores hònn; Ongschd hònn (i.ü.S.: Angst haben)

·      e grooßa Ongschd|haas sìnn (w.: ein großer Angsthase sein; i.ü.S.: sehr viel Angst haben)

·      zìLLarre wie Eschbe|laab (w.: zittern wie Espenlaub; i.ü.S.: <vor Angst oder Kälte> stark zittern)

·      sich vòòr äbbes färchde wie de Däiwel vòòrm Wäih|wassa (w.: sich vor etw. fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser; i.ü.S.: große Angst haben)[5]

·      e (alda) Bùggse|schìssa sìnn (w.: ein Hosenscheißer sein; jd., der sich vor Angst in die Hose macht; i.ü.S.: große Angst haben)

·      vòòr ludda Òngschd in die Bùggs (ins Hämmed) schisse (~ mache; ~ brùnse) (w.: vor lauter Angst in die Hose (ins Hemd) machen; i.ü.S.: große Angst haben)

·      sich in die Bùggs mache (w.: sich in die Hose machen; i.ü.S.: Angst haben)

·      Mònschädde hònn vòòr äbbes (w.: vor etw. Manschetten haben; i.ü.S.: sich vor etw. fürchten)

·      „Dòò bringe mich känn zeh Päär hìen!“ (w.: Da bringen mich keine zehn Pferde hin! I.ü.S.: Dort gehe ich keinesfalls hin!)

·      jemònde färchde mache (jdm. Angst machen; jdn. ängstigen)

·      gòns vagälsch|dadd sìnn (ganz verängstigt sein) ðMinn Gnächd|che, wass bìsch(d)e dònn so vagälsch|dadd? Hònn da die Große Òngschd ge-mach?“ (Mein Junge! Warum bist du denn so verängstigt? Haben dir die Erwachsenen Angst gemacht?)

·      gòns va|bäädsd sìnn (i.ü.S.: ganz verängstigt, eingeschüchtert sein; 2. ver-klemmt sein) ðIch meechd wisse, fawass das Kend so va|bäädsd ìsch?“ (Ich möchte wissen, warum das Kind eine solche Angst hat?)

·      Ma ìsch’s vòòr lùdda Òngschd isskald de Bùggel enùnna|gelaaf!“ (w.: Mir ist es vor Angst eiskalt den Rücken hinuntergelaufen. I.ü.S.: Ich hatte furchtbare Angst!)

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Mit den folgenden Wendungen versucht man unartigen Kindern Angst einzuflößen, damit sie wieder brav werden:

·       „Pass nùrre ùff! Glich kimmd de Makulmes!“[6]

·      „Pass nùrre ùff! Glich helld dich de Schbicha|fùggs!“[7]


Anmerkungen

[1] Dieser Begriff leitet sich ab vom frz. courage und bedeutet <Mut>.

[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 59.

[3] Braun, op. cit., 88 führt als weiteren saarländischen Begriff Nerve hònn wie Schdròòßebahnschiene auf

[4] Vgl. Braun, op. cit., 114 und Duden, op. cit., 354.

[5] Vgl. auch Braun, op. cit., 61.

[6] Beim Makulmes handelt es sich um einen bösen Mann, der unartige Kinder mitnimmt.

[7] Der Schbicha|fùggs soll sich auf dem Speicher, also direkt unter dem Dach aufhalten und ebenfalls unartige Kinder entführen.

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