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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Auf
den Mut beziehen sich folgende Redensarten und Ausdrücke:
·
Kuraasch hònn (Mut haben)[1]
·
gaa känn Ongschd hònn (überhaupt keine Angst haben)
·
sich vòòr nìggs färchde (sich
vor nichts fürchten; keinerlei Angst haben) ð
„Däär Räiwa dùdd sich vòòr nìggs färchde!“
·
em Däiwel vòòr die Schmìdd gehn (w.:
dem Teufel vor die Schmiede gehen; i.ü.S.: sehr mutig sein; sich vor überhaupt
nichts fürchten)[2]
·
„Dänne ìhr Räiwa dòò driwwe, däär kännd känn Ongschd!“
(Der Strolch von gegenüber hat überhaupt keine Angst vor niemandem!)
·
Närve hònn wie Dròhd|sääle (w.: Nerven haben so stark wie Drahtseile; i.ü.S.:
sehr starke Nerven haben)[3]
·
als ändsichschda die Schniss ùff|mache (i.ü.S.:
als einziger den Mund aufmachen, um fällige Kritik zu äußern)
·
„Oh, mach dich nùrre nìdd varìggd!“
(w.: Oh, mach‘ dich bloß nicht verrückt!)
·
„Hùnn, die wo bälle, bisse nìdd!“ (w.: Hunde, die bellen, beißen nicht! I.ü.S.:
Wer fürchterliche Drohungen ausstößt, macht sie gewöhnlich nicht wahr,
sondern belässt es dabei.)[4]
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Auch das Gefühl der Angst
hat in der Mundart sehr wohl seine Spuren hinter-lassen:
·
Schìss hònn; Moores hònn; Ongschd hònn
(i.ü.S.: Angst haben)
·
e grooßa Ongschd|haas sìnn (w.: ein großer Angsthase sein; i.ü.S.: sehr viel
Angst haben)
·
zìLLarre wie Eschbe|laab (w.: zittern wie Espenlaub; i.ü.S.: <vor Angst
oder Kälte> stark zittern)
·
sich vòòr äbbes färchde wie de Däiwel vòòrm Wäih|wassa
(w.: sich vor etw. fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser; i.ü.S.: große
Angst haben)[5]
·
e (alda) Bùggse|schìssa sìnn (w.:
ein Hosenscheißer sein; jd., der sich vor Angst in die Hose macht; i.ü.S.: große
Angst haben)
·
vòòr ludda Òngschd in die Bùggs (ins Hämmed) schisse (~ mache; ~ brùnse)
(w.: vor lauter Angst in die Hose (ins Hemd) machen; i.ü.S.: große Angst
haben)
·
sich in die Bùggs mache (w.: sich in die Hose machen; i.ü.S.: Angst haben)
·
Mònschädde hònn vòòr äbbes (w.: vor etw. Manschetten haben; i.ü.S.: sich vor
etw. fürchten)
·
„Dòò bringe mich känn zeh Päär hìen!“
(w.: Da bringen mich keine zehn Pferde hin! I.ü.S.: Dort gehe ich keinesfalls
hin!)
·
jemònde färchde mache
(jdm. Angst
machen; jdn. ängstigen)
·
gòns vagälsch|dadd sìnn (ganz verängstigt sein) ð „Minn
Gnächd|che, wass bìsch(d)e dònn so vagälsch|dadd? Hònn da die Große Òngschd
ge-mach?“ (Mein Junge! Warum bist du denn so verängstigt? Haben dir die
Erwachsenen Angst gemacht?)
·
gòns va|bäädsd sìnn (i.ü.S.: ganz verängstigt, eingeschüchtert sein;
2. ver-klemmt sein) ð
„Ich meechd wisse, fawass das Kend so va|bäädsd ìsch?“ (Ich möchte
wissen, warum das Kind eine solche Angst hat?)
·
„Ma ìsch’s vòòr lùdda Òngschd isskald de Bùggel enùnna|gelaaf!“
(w.: Mir ist es vor Angst eiskalt den Rücken hinuntergelaufen. I.ü.S.: Ich
hatte furchtbare Angst!)
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Mit den folgenden Wendungen versucht man unartigen Kindern Angst einzuflößen, damit sie wieder brav werden:
·
„Pass nùrre ùff! Glich
kimmd de Makulmes!“[6]
·
„Pass nùrre ùff! Glich helld dich de Schbicha|fùggs!“[7]
Anmerkungen
[1] Dieser Begriff leitet sich ab vom frz. courage und bedeutet <Mut>.
[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 59.
[3] Braun, op. cit., 88 führt als weiteren saarländischen Begriff Nerve hònn wie Schdròòßebahnschiene auf
[4] Vgl. Braun, op. cit., 114 und Duden, op. cit., 354.
[5] Vgl. auch Braun, op. cit., 61.
[6] Beim Makulmes handelt es sich um einen bösen Mann, der unartige Kinder mitnimmt.
[7] Der Schbicha|fùggs soll sich auf dem Speicher, also direkt unter dem Dach aufhalten und ebenfalls unartige Kinder entführen.
© Paul Glass 2000-2001