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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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34.  Bauen & Wohnen

Eigentlich müsste es zum Sujet Bauen eine Menge Redensarten geben, denn bekanntlich haben die Saarländer prozentual die meisten Eigenheime in Deutschland. Das ist in Ensheim nicht anders. Dennoch ist die Zahl der Redensarten eher dünn gesät.

Zunächst möchte ich die Begriffe zum Thema Bauen vorstellen:

·      fa e ei’e Hissje schbaare (w.: für ein eigenes Häuschen sparen: i.ü.S.: bausparen)

·      sich ‘s Hissje vùmm Mull abschbaare (w.: sich das Haus vom Mund ab-sparen; i.ü.S.: sich wegen des Hausbaus sehr einschränken müssen)

·      äbbes fa Ei’e hònn (w.: etw. als Eigentum haben; i.ü.S.: ein eigenes Haus besitzen)

·      Kìnnena aa ùms Huss erùm|laafe? (w.: Könnt ihr auch um das Haus herumlaufen? I.ü.S.: Habt ihr keine direkt ans Haus angrenzenden Nach-barn?)[1]

·      keddele (mit dem Kettelerverein ein Eigenheim errichten) ðHònna aa gekeddeld?“ (Habt ihr auch im Rahmen des Siedlungsprogramms des Kettelervereins ein Eigenheim errichtet?)[2]

·      e Garaasch boue (w.: eine Garage bauen)

·      e Gaade|hissje boue (w.: ein Gartenhaus bauen)

·      e Hissje boue (w.: ein kleines Haus bauen)

·      e Luschd|hissje boue (w.: ein Wochenend- oder Gartenhaus bauen)

·      e Duuwe|hissje boue (w.: ein Taubenhaus bauen)

·      òm Brääd|che (Brädd|che) sìnn (w.: am Brettchen sein; i.ü.S.: versteigert werden; unter den Hammer kommen)[3]

·      va|schdäid wärre; ùnna de Hòmma kùmme (w.: versteigert werden; unter den Hammer kommen)

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Zum Thema Wohnen habe ich folgende Redensarten und Ausdrücke gefunden:

·      e eieni Buud hònn (i.ü.S.: eine eigene Wohnung haben)

·      in da Dach|juchee wòhne ùnnache (ùnnarre) (i.ü.S.: in einer <billigen> Dachwohnung leben)

·      in da Dach|juchee ùnnache (ùnnarre) (huuse) (pej.: in einer Dachwohnung hausen)

·      uss|sìehn wie bäi Jääb’s (Fissääl’s) (w.: aussehen wie bei Jakob’s; i.ü.S.: eine große Unordnung in der Wohnung haben) ðNää! Nää! So meechd ich nìdd huuse! Bäi dänne sìdd’s jòò wirklich uss wie bäi Jääb’s!“ (Nein! Nein! So möchte ich nicht wohnen! Bei denen ist ja alles in Unordnung!)

·      uss|sìehn wie bäi Hämbels ùnnam Sofa (w.: aussehen wie bei Familie Hempel unter dem Sofa; i.ü.S.: ein großes Durcheinander in der Wohnung haben)[4]

·      ‘s gòns noowel hònn (eine piekfeine Einrichtung haben) ðWaasche schùmòòl bäim Heddwich sinna Sohnsfrau gewään? Ouwawou, wass hònn die’s so noowel!“ (Warst du schon mal bei Hedwigs Schwiegertochter zu Besuch? Was haben die für eine teure und piekfeine Einrichtung!)

·      im Bad wùnna|scheene Pläddcha hònn (w.: wunderschöne Fliesen im Badezimmer haben)

·      „De BòLLem ìsch wie wònn's Pladde wäre!“ (w.: Der Boden sieht aus, als ob es Fliesen wären.)[5]

·      Wolla|cha òn die Riddo mache (w.: Volants an die Vorhänge machen)[6]

·      de LaaLe zùù|mache (w.: den Fensterladen schließen)

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Ein Haus oder eine Wohnung verlangt natürlich auch gewisse mehr oder weniger regelmäßige Renovierungsmaßnahmen:

·        de Gòngk schdrìche (i.ü.S.: den Flur streichen)

·        de Kònnel schdrìche (i.ü.S.: die Regenrinne streichen)[7]

·        die Weschkìch wissele (w.: die Waschküche weißeln, tünchen)

·        de Plaffo wissele (w.: die Decke weißeln, tünchen)[8]

·        noue Pladde lee'e (i.ü.S.: neue <Boden>Fliesen legen)

·        ònnarre Pläddcha lee'e (i.ü.S.: andere <Wand>Fliesen legen)

 

Anmerkungen

[1] Diese Frage stellte mir meine Mutter, als sie hörte, dass wir uns ein Haus kaufen wollen. Der Sinn der Frage ist klar: sie wollte wissen, ob unser Haus alleinstehend ist oder ob wir einen oder zwei direkte Nachbarn haben.

[2] Dies war vor allem in den Nachkriegsjahren zwischen 1948 und 1953 in Ensheim der Fall; in diesem Zusammenhang entstand auch die [Ketteler]siedlung im Osten des Heimel und das Kettelerviertel im Südwesten des Dorfes.

[3] Früher wurden die Versteigerungen an einer speziellen Tafel aus Holz per Aushang bekanntgemacht.

[4] Braun, op. cit., 45 plaziert die Unordnung hinter das Sofa: Bei denne sieds aus wie bei Jääbs hinnerm Sofa. - wobei sie unterstreicht, dass im Saarland die Jääbs als Inbegriff der schmuddeligen Familie, bei der alles drunter und drüber geht angesehen werden..

[5] Diesen Satz kann man z. B. hören, wenn die Qualität des PVC-Belags gerühmt werden soll, der aussieht wie echte Fliesen.

[6] Hier wurde eine doppelte Anleihe bei der frz. Sprache gemacht: volant <Falbel, Faltenbesatz> und rideau <Vorhang>.

[7] Kònnel leitet sich ab vom oberdt. Kandel <Dachrinne>. Vgl. Seibicke, op. cit., 128.

[8] Ein weiteres Wort frz. Herkunft: plafond <Zimmerdecke>.

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© Paul Glass 2000-2001