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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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35.  Schimpf & Schande

Wie schon mein Schimpfwörterbuch[1] gezeigt hat, gibt es in unserer Mundart eine Fülle von Schimpfwörtern, auf die ich an dieser Stelle aber nicht mehr ausführlich eingehen werde:

·      schìLLe wie e Rohr|schbadds (w.: schimpfen wie ein Rohrspatz)

·      iwwa|haabd känn Schämd hònn (sich überhaupt nicht schämen; keine Scham haben)

·      Mach ma nùrre känn Schònn!“ (Mach mir bloß keine Schande!)

·      e Aasch medd Ohre sìnn (w.: <derb> ein Arsch mit Ohren sein; i.ü.S.: ein blöder Kerl sein)[2]

·      de Aasch ùff hònn (w.: <derb> den Arsch offen haben; i.ü.S.: spinnen; verrückt sein; nicht bei Verstand sein)

·      „Du kònnsch ma mòòl de Bùggel enùff|grawwele!“ (w.: Du kannst mir mal den Rücken hinaufklettern! I.ü.S.: Bleib‘ mir gestohlen! Lass‘ mich in Ruhe!)

·      „Dass kónnsche de Haase gänn!“ (w.: Das kannst du den Kaninchen geben! I.ü.S.: 1. Das war nichts! 2. Das war ein Misserfolg! 3. Das <minder-wertige Zeug> möchte ich nicht haben!)

·      e alda Dìbbe sìnn (w.: eine alte Tasse, ein alter Topf sein; i.ü.S.: ein witziger, humorvoller Kerl sein) ðDu alda Dìbbe!“

·      e grusslicha Flabbes sìnn (i.ü.S.: ein Grobian, ein ungehobelter Kerl sein)[3]

·      e Frìbbche sìnn (i.ü.S.: ein aufgetakeltes Mädchen sein)[4]

·      jemònd gridds|wies (òm Aasch lägge) kìnne (w.: <derb> jdn. kreuzweise <am Allerwertesten> lecken können; i.ü.S.: Aufforderung, sich zu verdünnisieren) ð „Wääsche wass, Fräindche! Du kònsch mich emòòl gridds| wies!“ (Weißt du was, mein Freund! Hau endlich ab und lass‘ mich in Ruhe!)

·      „Du kònsch mich emòòl henne|rùm hewwe!“ (w.: Du kannst mich mal hinter herumheben! I.ü.S.: Du kannst mir gestohlen bleiben!)

·      „Oh, lägg mich òm Ärsch!“

·      „Oh, lägg mich òm Aasch!“

·      „Oh, lägg mich òm Bännel!“

·      „Du Hùnd, du rouLicha!“ (w.: Du räudiger Hund!) Das klingt nicht sehr fein, ist aber nicht sehr böse gemeint: Du Schlitzohr! ðNää! Nää! So ein rouLicha Hund! HaLLa ma doch die gònse Mohre|kebbcha gewòmschd!“ (Nein! So ein Schlitzohr! Da hat er mir doch tatsächlich alle Negerküsse weggenascht!)

·      „Fulle Sägg!“ (Ihr faulen Säcke!)

·      „Dass gedd dich e Schissdrägg òòn!“ (I.ü.S.: Das geht dich überhaupt nichts an!)

·      „So e dummi Tuud!“ (w.: So eine dumme Tüte!)[5]

·      „Va|rìggdi Sord!“ (w.: Verrückte Sorte! I.ü.S.: Ihr spinnt doch total!) ð So e varìggdi Sord! Die mìsse de Duddelkaschde imma so haad mache, bis de Schòndaam kimmd!

·      „Aldes Wuggel!“ (w.: Altes Schweinchen! I.ü.S.: Alter Dreckspatz!)

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Und jetzt noch ein paar originelle Beschimpfungen:[6]

·      „Ich glääb, du hasch(d) e Schbarre!“

·      „Ich männ, dìer hadd’s in de Gehirn|kaschde geräänd!“

·      „Du haschòò (= haschd jòò) e Rìss im Dìbbe!“

·      „Du läìsch(d) e gùdd Schdìgg nääwe da Kabb!“ (i.ü.S.: Du bist ganz schön verrückt!)

·      „So e wuschda Kärl!“ (Solch ein wüster Kerl!)

·      So ein Loddringa Daach|dieb (Kùh|dieb)! (Das ist eine abfällige Bemer-kung über die Franzosen im allgemeinen und über die Lothringer Nachbarn im besonderen.)

·      Du Hùnd, du misse|raawe|licha!“ (Du elender Hund!)[7]

·      Dämm Gräh|färgel dùnnich glich de Hals erùm|drää’e! (w.: Dem Schreihals drehe ich gleich den Hals herum. I.ü.S.: Ich sorge dafür, dass das Geschrei gleich ein Ende hat.) Diese Redensart lässt sich auch auf Opernsängerinnen oder andere Sängerinnen beziehen, die eine besonders schrille oder durchdringende Stimme haben.

 

Anmerkungen

[1] Paul Glass: Klutzkopp, kumm ich willda! Schimpfwörter der Ensheimer Mundart. Ensheim 1988

[2] Vgl. Duden, op. cit., 52, demzufolge damit auch ein widerlicher oder hässlicher Mensch gemeint sein kann.

[3] Gruss(e)lich stammt vom bair.-österr. grauslig <schlecklich> ab. Vgl. Seibicke, op. cit., 140.

[4] Hier stand das frz. fripon <Spitzbube, Spitzbübin> Pate. Vgl. auch Glass, Klutzkopp, 39.

[5] Damit werden in der Regel nur Frauen beschimpft.

[6] Vgl. auch Bungert, Alles geschwätzt, 40.

[7] Vgl. auch Braun, op. cit., 113.

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© Paul Glass 2000-2001