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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Wie schon mein Schimpfwörterbuch[1] gezeigt hat, gibt es in unserer Mundart eine Fülle von Schimpfwörtern, auf die ich an dieser Stelle aber nicht mehr ausführlich eingehen werde:
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schìLLe wie e Rohr|schbadds (w.: schimpfen wie ein Rohrspatz)
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iwwa|haabd känn Schämd hònn (sich überhaupt nicht schämen; keine Scham haben)
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„Mach ma nùrre känn Schònn!“ (Mach mir bloß keine Schande!)
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e Aasch medd Ohre sìnn (w.: <derb> ein Arsch mit Ohren sein; i.ü.S.:
ein blöder Kerl sein)[2]
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de Aasch ùff hònn (w.: <derb> den Arsch offen haben; i.ü.S.:
spinnen; verrückt sein; nicht bei Verstand sein)
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„Du kònnsch ma mòòl de Bùggel enùff|grawwele!“ (w.:
Du kannst mir mal den Rücken hinaufklettern! I.ü.S.: Bleib‘ mir gestohlen!
Lass‘ mich in Ruhe!)
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„Dass kónnsche de Haase gänn!“ (w.: Das kannst du den Kaninchen geben! I.ü.S.: 1. Das
war nichts! 2. Das war ein Misserfolg! 3. Das <minder-wertige Zeug> möchte
ich nicht haben!)
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e alda Dìbbe sìnn (w.: eine alte Tasse, ein alter Topf sein; i.ü.S.:
ein witziger, humorvoller Kerl sein) ð
„Du alda Dìbbe!“
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e grusslicha Flabbes sìnn (i.ü.S.: ein Grobian, ein ungehobelter Kerl sein)[3]
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e Frìbbche sìnn (i.ü.S.: ein aufgetakeltes Mädchen sein)[4]
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jemònd gridds|wies (òm Aasch lägge) kìnne (w.:
<derb> jdn. kreuzweise <am Allerwertesten> lecken können; i.ü.S.:
Aufforderung, sich zu verdünnisieren) ð
„Wääsche wass, Fräindche! Du kònsch mich emòòl gridds| wies!“
(Weißt du was, mein Freund! Hau endlich ab und lass‘ mich in Ruhe!)
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„Du kònsch mich emòòl henne|rùm hewwe!“ (w.:
Du kannst mich mal hinter herumheben! I.ü.S.: Du kannst mir gestohlen bleiben!)
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„Oh, lägg mich òm Ärsch!“
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„Oh, lägg mich òm Aasch!“
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„Oh, lägg mich òm Bännel!“
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„Du Hùnd, du rouLicha!“ (w.:
Du räudiger Hund!) Das klingt nicht sehr fein, ist aber nicht sehr böse
gemeint: Du Schlitzohr! ð „Nää!
Nää! So ein rouLicha Hund! HaLLa ma doch die gònse Mohre|kebbcha gewòmschd!“
(Nein! So ein Schlitzohr! Da hat er mir doch tatsächlich alle Negerküsse
weggenascht!)
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„Fulle Sägg!“ (Ihr faulen Säcke!)
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„Dass gedd dich e Schissdrägg òòn!“ (I.ü.S.:
Das geht dich überhaupt nichts an!)
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„So e dummi Tuud!“ (w.:
So eine dumme Tüte!)[5]
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„Va|rìggdi Sord!“ (w.:
Verrückte Sorte! I.ü.S.: Ihr spinnt doch total!) ð
„So
e varìggdi Sord! Die mìsse de Duddelkaschde imma so haad mache, bis de Schòndaam kimmd!“
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„Aldes Wuggel!“ (w.: Altes Schweinchen! I.ü.S.: Alter Dreckspatz!)
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Und jetzt noch ein paar originelle Beschimpfungen:[6]
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„Ich glääb, du hasch(d) e Schbarre!“
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„Ich männ, dìer hadd’s in de Gehirn|kaschde geräänd!“
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„Du haschòò (=
haschd jòò) e Rìss im Dìbbe!“
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„Du läìsch(d) e gùdd Schdìgg nääwe da Kabb!“ (i.ü.S.:
Du bist ganz schön verrückt!)
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„So e wuschda Kärl!“ (Solch ein wüster Kerl!)
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„So ein Loddringa Daach|dieb (Kùh|dieb)!“
(Das ist eine abfällige Bemer-kung über die Franzosen im allgemeinen und über
die Lothringer Nachbarn im besonderen.)
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„Du
Hùnd, du misse|raawe|licha!“ (Du
elender Hund!)[7]
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„Dämm Gräh|färgel dùnnich glich de Hals erùm|drää’e!“
(w.: Dem Schreihals drehe ich gleich den Hals herum. I.ü.S.: Ich sorge dafür,
dass das Geschrei gleich ein Ende hat.) Diese Redensart lässt sich auch auf
Opernsängerinnen oder andere Sängerinnen beziehen, die eine besonders schrille
oder durchdringende Stimme haben.
Anmerkungen
[1] Paul Glass: Klutzkopp, kumm ich willda! Schimpfwörter der Ensheimer Mundart. Ensheim 1988
[2] Vgl. Duden, op. cit., 52, demzufolge damit auch ein widerlicher oder hässlicher Mensch gemeint sein kann.
[3] Gruss(e)lich stammt vom bair.-österr. grauslig <schlecklich> ab. Vgl. Seibicke, op. cit., 140.
[4] Hier stand das frz. fripon <Spitzbube, Spitzbübin> Pate. Vgl. auch Glass, Klutzkopp, 39.
[5] Damit werden in der Regel nur Frauen beschimpft.
[6] Vgl. auch Bungert, Alles geschwätzt, 40.
[7] Vgl. auch Braun, op. cit., 113.
© Paul Glass 2000-2001