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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Obwohl für fast alle Saarländer, auch die Ensheimer, der Spruch gilt Dehämm ìsch dehämm!, sind sie doch ganz gerne auf Reisen - vielleicht auch nur, um auswärts immer wieder daran erinnert zu werden, wie schön es eigentlich zu Hause ist:
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e aldi Rääs|tasch sìnn (w.:
eine alte Reisetasche sein; i.ü.S.: gerne und viel reisen) ð
„Hasches Fried|che gesìehn! Die ald Rääs|tasch war doch schùnn wiLLa
fùrd!“ (Hast du gesehen? Elfriede war schon wieder auf Reisen!)
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e aldes Galla|iese sìnn (i.ü.S.: eine Frau sein, die gerne unterwegs ist)
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Hals iwwa Kobb fùrd mìsse (w.: Hals über Kopf abreisen müssen)
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in da Wäldgeschichd erùm|laafe; ~ fòòdse; ~flìehe; ~ fahre;
~rääse (w.: in der
Weltgeschichte herumlaufen etc.; i.ü.S.: dauernd unterwegs sein)[1]
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de gònse Daa ùff da Hùrree (Hùchee) sìnn
(i.ü.S.: immer unterwegs sein)
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Usslaaf hònn (w.: Auslauf haben; i.ü.S.: Ausgang haben)[2]
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nòh Schbòònje flìehje (w.: nach Spanien fliegen)
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ùff Kaschdel fahre (i.ü.S.: nach Blieskastel fahren)
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nòh Grääwe|daal laafe (w.: nach Gräfinthal laufen)
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nòh Grääwe|daal wallfaade gehn (w.: eine Wallfahrt zur Klosterkapelle nach Gräfinthal
machen)
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e Affe|zònd drùffhònn (w.: einen Affenzahn draufhaben; i.ü.S.: mit hoher
Geschwindigkeit fahren oder laufen)
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iwwa Ooschdarre fùrd|fahre (w.: über die Osterfeiertage wegfahren, ver-reisen)
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de Eschringa Wää enùnna|laafe (w.: den Eschringer Weg hinunterlaufen)
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e Saggsiffa meddhòlle (w.: einen Sacksäufer mitnehmen; i.ü.S.: einen
Flachmann mitnehmen) ð
„Leddschdens sìmma de Brùnne|wää im Ensem-ma Daal gelaaf; e Saggsiffa
hòmma nòdìerlich aa debäi gehaad!“
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nùrre in da Wirdschafd (Gneib) hugge
(nur im Gasthaus sitzen)
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vùnn Pònsijuss zu Pilladus ränne (w.: von Pontius zu Pilatus laufen; i.ü.S.:
viele Wege unternehmen müssen, um eine Sache zu erledigen)[3]
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„In da Lùfd ìsch noch känna blieb!“ (w.:
In der Luft ist noch keiner geblieben! I.ü.S.: Alle Flugzeuge kommen irgendwie
wieder runter vom Himmel!)
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„Erùnna kùmme se all, fròòd sich nùrre wie!“
(w.: Herunter kommen alle Flugzeuge, fragt sich nur, wie?)
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Wer unterwegs ist, erlebt nicht nur immer Sonnenschein, sondern sieht sich auch immer wieder mal mit irgendwelchen Problemen konfrontiert. Dann wird man natürlich recht schnell an sein Zuhause erinnert:
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„Dehämm ìsch dehämm!“ (w.: Daheim ist daheim! I.ü.S.: Nirgendwo ist es so
schön wie zu Hause!)[4]
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„Jeddse schdenn ich dòò ùnn dehämm kìnnd ma läie!“ (w.:
Jetzt stehe ich da und zu Hause könnte ich liegen! I.ü.S.: Hier habe ich es
unbequemer als zu Hause!)[5]
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„Jedds hugge ma dòò ùnn dehämm kìnndma im Gaade schaffe!“
(w.: Jetzt hocken wir da und zu Hause könnten wir im Garten arbeiten.)[6]
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Wie gesagt: nicht alle Ensheimer sind laufend unterwegs. Es gibt auch notorische Stubenhocker. Auch für sie gibt’s bestimmte Wendungen:
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nìdd uss da Hiehl eruss|gehn (w.: seine Höhle nicht verlassen; i.ü.S.: selten
oder gar nicht ausgehen)
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de gòns häälich Daa in da Schdobb hugge
(i.ü.S.: immer in der Stube sitzen)
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nìdd vòrrs Loch gehn (w.: nicht vor das Loch gehen; i.ü.S.: seine
Wohnung oder sein Haus nicht verlassen)
Anmerkungen
[1] Diese Redensart hat einen negativen Beigeschmack, d.h. man kritisiert damit, dass jemand dauernd unterwegs und nie zu Hause ist.
[2] Offenbar hat man bei diesem Ausdruck eine Anleihe in der Tierwelt gemacht, denn Tiere, Hunde z.B., haben ja Auslauf.
[3] Braun, op. cit., 70 verweist auf den historischen Kontext dieser Redensart: Jesus soll seinerzeit vom römischen Statthalter Pontius Pilatus zum jüdischen König Herodes und von diesem wieder zurück zu Pontius Pilatus geschickt worden sein.
[4] Das politische Credo der echten Saarländer!
[5] Damit äußert man, quasi durch die Blume, den Wunsch, jetzt lieber zu Hause zu sein.
[6] Das sagt man scherzhaft, wenn es einem während eines Ausflugs oder einer Reise langweilig wird.
© Paul Glass 2000-2001