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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Dickköpfe und sture Zeitgenossen gab’s schon immer - nicht nur bei unseren Vorfahren. Sie sind leider noch immer unter uns - sprachlich verewigt:
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schduur sìnn wie e Pònsa (w.: stur sein wie ein Panzer; i.ü.S.: sehr stur
sein)[1]
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„Ich bliwwe debäi, ùnn wännde Däiwel ùff Schdelse kimmd!“
(w.: Ich bleibe dabei, auch wenn der Teufel auf Stelzen kommt! I.ü.S.: Ich
bleibe unerschütterlich bei meiner Meinung – egal was passiert!)
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näin|eggich sìnn (w.: neuneckig sein; i.ü.S.: 1. stur sein; 2.
launig sein; 3. verdreht sein)
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ùff Granidd bisse (w.: auf Granit beißen; i.ü.S.: bei jdm. keinen
Erfolg mit etw. haben)
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meLLem Kobb durch die Wònd gehn (w.: mit dem Kopf durch die Wand gehen; i.ü.S.:
besonders stur sein; sein Vorhaben trotz offensichtlich unüberwindlicher
Hindernisse mit aller Gewalt durchsetzen wollen)[2]
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„Alde Bìgg hònn schdiffe Heere!“ (w.: Alte Böcke haben steife Hörner! I.ü.S.:
Alte Leute sind besonders stur.)[3]
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„Wass däär nìdd im Kobb hadd, haLLa im Ärsch!“ (w.:
Was der nicht im Kopf hat, hat er im Hintern! I.ü.S.: Wenn der sich etwas in
den Kopf gesetzt hat, dann setzt er es auch durch!)
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„Wär nìdd will, däär hadd gehaad!“ (w.: Wer nicht will, der hat gehabt! I.ü.S.:
Wer ein Angebot ausschlägt, darf nicht darüber jammern, wenn die Chance nicht
mehr wiederkommt.)
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sinne Nubbe hònn
(i.ü.S.:
seine Eigenarten haben, die für andere unangenehm sind)
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e Schdiewe|naa sìnn (i.ü.S.: ein launischer Mensch sein)
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e va|drääda Massigg sìnn (i.ü.S.: 1. stur sein; 2. ein verdrehter,
launischer Mensch sein; 3. hinterhältig sein )
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e va|drääda Hùnd sìnn
(i.ü.S.: 1.
stur sein; 2. ein verdrehter, launischer Mensch sein; 3. hinterhältig sein)
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nìdd erùm|lùù'e (w.: nicht umschauen; i.ü.S.: rücksichtslos sein) ð „Blibb
ma vùnn dämm fùrd; däärsäll dùdd iwwa|haabd nìdd erùm|lùù'e!“
(Halte dich von diesem Zeitgenossen fern; der ist besonders rücksichtslos!)
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Natürlich ist auch das Gegenteil möglich; allerdings ist die Nachgiebigkeit sprachlich nicht sehr ausgeprägt:
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ab ùnn zùù|gänn (i.ü.S.: selbst Dinge einfordern, aber auch nachgiebig oder freigebig
sein) ð
„Ma kònn nìdd imma nùrre hòlle – ma muss aa ab ùnn zùù|gänn kìnne!“
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zu allem jòò ùnn amen sòòn (w.: zu allem Ja und Amen sagen; i.ü.S.: mit allem
<kritiklos> einverstanden sein)
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sich brääd|schlòòn lònn (w.: sich breitschlagen lassen; i.ü.S.: sich überreden
lassen)
Anmerkungen
[1] Vgl. auch Braun, op. cit., 93.
[2] Vgl. Duden, op. cit., 407.
[3] Diese Redensart setzt den sog. Altersstarrsinn in ein, wie ich finde, schönes mundartliches Sprachbild um.
© Paul Glass 2000-2001