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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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39.  Dickköpfigkeit, Sturheit & Nachgiebigkeit

Dickköpfe und sture Zeitgenossen gab’s schon immer - nicht nur bei unseren Vorfahren. Sie sind leider noch immer unter uns - sprachlich verewigt:

·      schduur sìnn wie e Pònsa (w.: stur sein wie ein Panzer; i.ü.S.: sehr stur sein)[1]

·      „Ich bliwwe debäi, ùnn wännde Däiwel ùff Schdelse kimmd!“ (w.: Ich bleibe dabei, auch wenn der Teufel auf Stelzen kommt! I.ü.S.: Ich bleibe unerschütterlich bei meiner Meinung – egal was passiert!)

·      näin|eggich sìnn (w.: neuneckig sein; i.ü.S.: 1. stur sein; 2. launig sein; 3. verdreht sein)

·      ùff Granidd bisse (w.: auf Granit beißen; i.ü.S.: bei jdm. keinen Erfolg mit etw. haben)

·      meLLem Kobb durch die Wònd gehn (w.: mit dem Kopf durch die Wand gehen; i.ü.S.: besonders stur sein; sein Vorhaben trotz offensichtlich unüberwindlicher Hindernisse mit aller Gewalt durchsetzen wollen)[2]

·      Alde Bìgg hònn schdiffe Heere!“ (w.: Alte Böcke haben steife Hörner! I.ü.S.: Alte Leute sind besonders stur.)[3]

·      Wass däär nìdd im Kobb hadd, haLLa im Ärsch!“ (w.: Was der nicht im Kopf hat, hat er im Hintern! I.ü.S.: Wenn der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt er es auch durch!)

·      Wär nìdd will, däär hadd gehaad!“ (w.: Wer nicht will, der hat gehabt! I.ü.S.: Wer ein Angebot ausschlägt, darf nicht darüber jammern, wenn die Chance nicht mehr wiederkommt.)

·      sinne Nubbe hònn (i.ü.S.: seine Eigenarten haben, die für andere unangenehm sind)

·      e Schdiewe|naa sìnn (i.ü.S.: ein launischer Mensch sein)

·      e va|drääda Massigg sìnn (i.ü.S.: 1. stur sein; 2. ein verdrehter, launischer Mensch sein; 3. hinterhältig sein )

·      e va|drääda Hùnd sìnn (i.ü.S.: 1. stur sein; 2. ein verdrehter, launischer Mensch sein; 3. hinterhältig sein)

·      nìdd erùm|lùù'e (w.: nicht umschauen; i.ü.S.: rücksichtslos sein) ðBlibb ma vùnn dämm fùrd; däärsäll dùdd iwwa|haabd nìdd erùm|lùù'e!“ (Halte dich von diesem Zeitgenossen fern; der ist besonders rücksichtslos!)

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Natürlich ist auch das Gegenteil möglich; allerdings ist die Nachgiebigkeit sprachlich nicht sehr ausgeprägt:

·        ab ùnn zùù|gänn (i.ü.S.: selbst Dinge einfordern, aber auch nachgiebig oder freigebig sein) ðMa kònn nìdd imma nùrre hòlle – ma muss aa ab ùnn zùù|gänn kìnne!“

·        zu allem jòò ùnn amen sòòn (w.: zu allem Ja und Amen sagen; i.ü.S.: mit allem <kritiklos> einverstanden sein)

·        sich brääd|schlòòn lònn (w.: sich breitschlagen lassen; i.ü.S.: sich überreden lassen)

 


Anmerkungen

[1] Vgl. auch Braun, op. cit., 93.

[2] Vgl. Duden, op. cit., 407.

[3] Diese Redensart setzt den sog. Altersstarrsinn in ein, wie ich finde, schönes mundartliches Sprachbild um.

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© Paul Glass 2000-2001