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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Tempus fugit. Die Zeit zerrinnt - das wussten schon die alten Römer! Als es die modernen Zeitmesser noch nicht gab, mussten sich die Leute nach der Natur und den Gestirnen richten. Das hat sich auch in der Mundart in einigen Wendungen manifestiert.
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im Februar iwwa’s Jòhr (nächstes Jahr im Februar)
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„Wivvel Uhr issen?“ - „Ei, fìnnef bis! (Ei, zeh nòh!)“
- (Wieviel
Uhr ist es? - Fünf Minuten bis.... Zehn Minuten nach)[1]
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„Kùmme|na vùmm alde ins noue bäi uns?“
(w.: Kommt ihr vom alten ins neue zu uns? I.ü.S.: Besucht ihr uns an
Sylvester?)
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„’S gìdd känn Änn!“
(w.: Es gibt
kein Ende! I.ü.S.: 1. Man wird mit einer Sache nicht fertig. 2. Ein Ende ist
noch nicht abzusehen.)
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„Hòll da Zidd ùnn nìdd ‘s Lääwe - schiss ins Loch ùnn nìdd de|nääwe!“
(w.: Nimm’ dir Zeit und nicht das Leben - scheiß ins Loch und nicht da-neben!
I.ü.S.: launiger, etwas derber Spruch, um jd. aufzufordern, eine Sache langsam
angehen zu lassen)[2]
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„Maria Lichdmäss, Schbänne va|gäss, òm hälle Daa se|naachd gäss!“
(w.: Maria Lichtmess, das Spinnen vergessen und wieder im Hellen zu Abend
gegessen.)[3]
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„’S ìsch jung Lìchd!“ Das sagt man zum Beginn des ersten Mondviertels.
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„’S ìsch schùnn gòns dùschda!“ (i.ü.S.: Es ist schon stockdunkel.)
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„’S wärd glasch!“ (i.ü.S.: Es wird gleich hell.)
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eewich nìdd bäi|gehn (lange auf sich warten lassen)[4]
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„Wie long duurd’s dònn?“ - „Ei, eewich ùnn dräi Daa!“
Damit drückt man aus, dass etwas eine lange Zeit dauert bzw. viel Zeit in
Anspruch nimmt.[5]
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„So äbbes kìnnd ma degga mache!“ (w.: So etwas könnten wir öfter machen!)
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„'S war geweenlich so vòòr da Kirb...“ (w.:
Es war gewöhnlich in der Zeit kurz vor der Kirmes...) ð
"'S war geweenlich so vòòr da Kirb, wo ma die Gweddsche schùnn
hadd abmache kìnne!"
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die Zidd doodschlòòn (w.: die Zeit totschlagen; i.ü.S.: seine Zeit aus
Langeweile nutzlos verbringen)[6]
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„Alles zùù sinna Zidd!“ (w.: Alles zu seiner Zeit! I.ü.S.: Alles sollte zum
richtigen Zeitpunkt getan werden.)
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alle|gebòdd (laufend; ständig)
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deggmòòls (oft) / degga (öfter)
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alle Naas long; alle Furds long (i.ü.S.:
laufend; ständig)
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henne|hòdd sìnn (i.ü.S.: 1. spät dran sein; 2. im Rückstand sein) ð „Ei,
Òndrees, wo blibbschen?“ – „Oh, ich sìnn wiLLa gòns henne|hodd!“
(Andreas, wo bleibst du denn? – Oh, ich bin wieder mal spät dran!)
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iwwa|rämmòòl (rämmòòl) (i.ü.S.: auf einmal; plötzlich) ð „Ich
hònn grad de Beddschìssa gefääd; räämòòl bòlladds druss òn de LaaLe; wäär
waa’s? De Greschòòn, däär wolld e Schdurme maie kùmme!“ (Ich war
gerade dabei, den Löwenzahn zu putzen, als plötzlich jemand draußen an den
Fensterladen polterte. Es war Christian; der wollte ein bisschen mit mir
plaudern.)
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iwwa kurds oLLa lòng (w.: über kurz oder lang; i.ü.S.: nach einer
gewissen Zeit)
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anno Tuwwagg (i.ü.S.: seinerzeit; damals)
Anmerkungen
[1] Die Stunde wird oft nicht gesagt, vor allem, wenn man der Meinung ist, der andere wüsste ungefähr die Uhrzeit oder wenn bereits einige Minuten vorher nach der Zeit gefragt worden war.
[2] Braun, op.cit., 23 führt eine interessante Variante auf: Nemm der Zeid unn nìdd es Lääwe, de Aasch heerd in die Buggs unn nìdd dernääwe.
[3] Mit dieser bäuerlich-kirchlichen Redensart trug man dem an Maria Lichtmess (2. Februar) schon wieder längeren Tag Rechnung: die Leute haben mit dem Spinnen aufgehört, um sich wieder den landwirtschaftlichen Tätigkeiten zu widmen. Vgl. auch Braun, op. cit., 65
[4] Vgl. auch Braun, op. cit., 70.
[5] Vgl. auch Braun, op. cit., 71.
[6] Vgl. Duden, op. cit., 828.
© Paul Glass 2000-2001