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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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41.  Tiere & Tierisches[1]

Tiere spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Redensarten, weil der Mensch als guter Beobachter sehr oft seine Mitmenschen und ihre Eigenarten mit seinen Erfahrungen mit der Tierwelt in Verbindung bringt. So hat man immer wieder bei den Tieren, oft bei den Haustieren, ganz bestimmte Verhaltensweisen entdeckt (oder behauptet, sie entdeckt zu haben) und diese auf Menschen transportiert, die sich - scheinbar oder tatsächlich - ähnlich verhalten haben. Das Ergebnis ist eine sehr bildhafte, sehr witzige, manchmal aber auch sehr derbe Sprache. Auf diese Weise sind vor allem viele Schimpfwörter entstanden.[2]

·      „Wääs de Guggùgg!“ (Weiß der Kuckuck!) Ein Ausruf der Überraschung![3]

·      „Dass ìsch doch e rìchdìchi Vochel|schäich!“ (w.; Das ist eine richtige Vogelscheuche! I.ü.S.: Die Frau ist ziemlich hässlich und hat keine gute Figur.)

·      òn de Klabba|schdorch glääwe (w.: an den Klapperstorch glauben; i.ü.S.: noch nicht aufgeklärt sein)

·      e Kohl|dòmb hònn wie e Leeb (w.: Kohldampf haben wie ein Löwe; i.ü.S.: einen Riesenhunger haben)

·      ùffpasse wie e Hafde|määcha (w.: aufpassen wie ein Heftelmacher; i.ü.S.: sehr gut aufpassen; aufpassen wie ein Luchs)

·      Gesichda mache wie e Aff (w.: Gesichter machen wie ein Affe; i.ü.S.: Grimassen schneiden)

·      dòo|hùgge wie e Aff ùffem Schliff|schdään (w.: dasitzen wie ein Affe auf dem Schleifstein; i.ü.S.: keine aufrechte Sitzhaltung einnehmen)

·      „Dass ìsch de reinschd WäLLa|frosch!“ Das sagt man zu einem Zeitgenossen, der in der Regel zutreffende Wettervorhersagen macht.

·      „Dòò wiwweld’s ùnn wawweld’s wie imme Äämeddse|hùffe!“ (w.: Das ist eine Bewegung wie in einem Ameisenhaufen. I.ü.S.: Da ist viel Bewegung und Geschäftigkeit drin.)

·      „Däärsäll war frìeha e Gold|fasòòn ùnn häid soll’s ùff äämòòl nimmeh wòòr sìnn!“ (Dieser Mann war in der Nazizeit ein wichtiger <hochdekorierter> Amtsträger der NSdAP und heute soll das plötzlich nicht mehr wahr sein.)

·      ùff die Bläss schlòòn (w.: auf die Blesse schlagen; i.ü.S.: jdn. verprügeln, schlagen)[4]

·      „Aldi Brille|schlòng!“ (Alte Brillenschlange!)

·      Wo Duuwe sìnn, flìe‘e Duuwe hìen! (w.: Wo Tauben sind, fliegen Tauben hin. I.ü.S.: Gleich zu gleich gesellt sich gern!)

·      „Bäi dänne gedds zùù wie imme Duuwe|schlaach!“ (w.: Bei denen geht es zu wie im Taubenschlag. I.ü.S.: Bei diesen Leuten ist ein ständiges Kommen und Gehen.)

·      flissìsch sìnn wie e Bien (~ Äämedds) (w.: fleißig sein wie eine Biene; ~ Ameise; i.ü.S.: sehr fleißig sein)

·      e Bùggel mache wie e Rubb (w.: einen Buckel machen wie eine Raupe; i.ü.S.: einen Buckel machen; sich tief verbeugen)

·      Wänn die Kadds furd ìsch, dònse die Mies ùffem Dìsch! (w.: Wenn die Katze weg ist, tanzen die Mäuse auf dem Tìsch! I.ü.S.: Wenn die Gefahr oder die Kontrolle weg ist, wird es manchem zu bunt.)

·      wie Hùnn ùnn Kadds sìnn (w.: wie Hund und Katze sein; i.ü.S.: sich gar nicht miteinander vertragen)

·      dòòrum|schliche wie e Kadds (w.: umherschleichen wie eine Katze; i.ü.S.: auf leisen Sohlen laufen)

·      gewärwich sìnn wie e Kadds (i.ü.S.: sehr gelenkig sein)

·      „Die Vechel, die wo morjens schùnn frìeh piffe, die helld die Kadds!“ (w.: Die Vögel, die morgens schon früh pfeifen, werden von der Katze gefangen. I.ü.S.: 1. Sei nicht so vorlaut! Halte dich mit deinen Äußerungen zurück! 2. Vorlaute Leute fallen gerne auf die Schnauze!)

·       „Hùnn, die wo bälle, bisse nìdd!“ (w.: Hunde, die bellen, beißen nicht! I.ü.S.: Nicht jeder, der sich wild gebärdet, ist es auch tatsächlich!)[5]

·      schwäddse wie ääm de Schnawwel gewaggsd ìsch (w.: reden wie einem der Schnabel gewachsen ist; i.ü.S.: frei von der Leber weg reden; Mundart reden)

·      mìed wie e Hùnd sìnn (w.: hundemüde sein)

·      die Sou russ|lònn (w.: die Sau herauslassen; i.ü.S.: alle Hemmungen über Bord werfen und einen draufmachen)[6]

·      wie e gesängdi Sou fùrd|ränne (w.: wie eine gesenkte Sau wegrennen; i.ü.S.: schnell flüchten)[7]

·      fräch sìnn wie e Schbadds (w.: frech sein wie ein Spatz; i.ü.S.: rotzfrech sein)

·      ussera Mìgg e Ellefònd mache (w.: aus einer Mücke einen Elefanten machen; i.ü.S.: etw. aufbauschen)

·      òòn|gänn wie e Tuud voll Mìgge (w.: angeben wie eine Tüte voller Fliegen; i.ü.S.: mächtig angeben)

·      uss|sìehn wie e aldi Ihl (w.: aussehen wie eine alte Eule; i.ü.S.: hässlich aussehen)

·      grische wie e Leeb (w.: kreischen wie ein Löwe; i.ü.S.: sehr laut schreien)

·      Aue wie Luggs hònn (w.: Augen haben wie ein Luchs; i.ü.S.: sehr gut sehen; alles bemerken; sich nicht entgehen lassen)

·      wisse Mies sìehn (w.: weiße Mäuse sehen)

·      zùmm Pärrds|doggda gehn (w.: zum Pferdedoktor gehen; i.ü.S.: zu einem Arzt gehen, der seine Patienten mit wenig Feingefühl behandelt)

·      e aldi Nachd|ihl sìnn (w.: eine alte Nachteule sein; i.ü.S.: abends bzw. nachts ausgehen und lange fortbleiben)


Anmerkungen

[1] In fast allen Kapiteln tauchen „tierische“ Wendungen auf, die aber aus Platzgründen in der Regel hier nicht mehr wiederholt werden.

[2] Vgl. mein Buch dazu: Klutzkopp, kumm ich will da. Schimpfwörter der Ensheimer Mundart. Ensheim 1988

[3] Braun, op. cit., 106 meint, dass das Wörtchen Guggugg hier Platzhalter ist für den Teufel und dass die Redensart aus einer Zeit stammt, da man den Namen des Teufels nicht auszusprechen wagte, weil er sonst leibhaftig hätte erscheinen können.

[4] Blesse heißt der weiße Stirnfleck beim Pferd.

[5] Vgl. auch Braun, op. cit., 114.

[6] Vgl. auch Braun, op. cit., 122.

[7] Braun, op. cit., 122f verweist auf zwei Erklärungsmöglichkeiten: 1. auf Mackensen, der die Redensart darauf zurückführt, dass eine Sau zur Flucht bereit war, wenn sie kastriert (= gesenkt) wurde; 2. auf die Möglichkeit, dass es sich doch um eine gesengte Sau handeln könnte, die vor einem Feuer und durch die erlittenen Verbrennungen davonläuft. Wie Braun weiter berichtet, fand sie im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Informationen über den früheren Brauch des Notfeuers: Dabei handelte es sich um einen alten Brauch zur Heilung und Abwehr von Viehseuchen; dazu wurde im Freien auf besondere Art ein großes Feuer entzündet und das Vieh (Schweine, Kühe und Schafe) mit Schlägen dreimal hindurchgetrieben.

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