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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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42.  Macht & Ohnmacht

Bei dem Thema Macht und Ohnmacht geht es zum einen um die Autorität[1] und zum anderen um das Gefühl, ohnmächtig und handlungsunfähig zu sein.

Die nachfolgenden Redensarten und Ausdrücke beschäftigen sich in erster Linie mit der Autorität:

·      dehämm die Bùggse òòn|hònn (w.: zu Hause die Hosen tragen; i.ü.S.: zu Hause das Sagen haben)

·      Wass de Babbe seed, wärd gemach!“ (w.: Was der Vater sagt, wird getan! I.ü.S.: Der Vater sagt, was zu tun ist. Eine Widerrede dagegen ist nicht möglich.)

·      sich Määschda mache (w.: sich zum Meister machen; i.ü.S.: sich wichtig tun; sich aufspielen)

·      medda Sou|boll enìnn|schlòòn (w.: mit der großen Futterkelle dreinschlagen; grob sein; ein Grobian sein)[2]

·      die FääLem in da Hònd hònn (w.: die Fäden in der Hand haben; i.ü.S.: alles überschauen und lenken)[3]

·      „Solòng wie de dinne Fìeß noch ùnna minnem Dìsch hasch(d), wärd gemach, wassich sòòn!“ (w.: Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast, wird gemacht, was ich sage!)

·      jemònd òm Gängelbònd haLLe (w.: jdn. am Gängelband halten; i.ü.S.: jdm. andauernd vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat)[4]

·      feschd im Saddel hugge (w.: fest im Sattel sitzen; i.ü.S.: eine sichere, ungefährdete Position innehaben)[5]

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Dagegen beziehen sich die folgenden Wendungen auf die Ohnmacht bzw. die Unfähigkeit, mit einem Problem fertig zu werden:

·      dehämm nìggs se mäLLe hònn (w.: zu Hause nichts zu melden haben; i.ü.S.: keine Autorität, keine Rechte zu Hause haben)

·      Trääne in die Au’e grìen (w.: Tränen in die Augen kriegen; i.ü.S.: zum Heulen zu Mute sein)

·      medd äbbes nìdd Määschda wärre (w.: mit etw. nicht Meister werden; i.ü.S.: mit einem Problem nicht fertig werden)

·      in de suure Abbel bisse mìsse (w.: in den sauren Apfel beißen müssen; i.ü.S.: etw. Unangenehmes hinnehmen oder notgedrungen tun müssen)

·      "Däär hadd dehämm nìggs se lache!" (w.: Der hat zu Hause nichts zu lachen! I.ü.S.: Der wird zu Hause von seiner Frau und seinen Kindern total bevormundet.)

·      ùnnam Schlabbe schdehn (w.: unter dem Schlappen stehen; i.ü.S.: von seiner Frau bevormundet werden)

 


Anmerkungen

[1] Vgl. dazu auch das Kapitel 19 über Ungehorsam und Strafen, 162 ff.

[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 82.

[3] Vgl. Duden, op. cit., 188: Die Wendung hat ihren Ursprung in der Spinn- und Webearbeit. Sie ist dann auch auf den Marionettenspieler bezogen worden, der mithilfe der Fäden die Puppen bewegt.

[4] Vgl. Duden, op. cit., 231, demzufolge unter „Gängelband“ früher ein Band zu verstehen war, mit dem das Kind geführt wurde, damit es gehen lernt.

[5] Vgl. Duden, op. cit., 606.

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© Paul Glass 2000-2001