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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Bei dem Thema Macht und Ohnmacht geht es zum einen um die Autorität[1] und zum anderen um das Gefühl, ohnmächtig und handlungsunfähig zu sein.
Die nachfolgenden Redensarten und Ausdrücke beschäftigen sich in
erster Linie mit der Autorität:
·
dehämm die Bùggse òòn|hònn (w.: zu Hause die Hosen tragen; i.ü.S.: zu Hause
das Sagen haben)
·
„Wass de Babbe seed, wärd gemach!“ (w.:
Was der Vater sagt, wird getan! I.ü.S.: Der Vater sagt, was zu tun ist. Eine
Widerrede dagegen ist nicht möglich.)
·
sich Määschda mache
(w.: sich
zum Meister machen; i.ü.S.: sich wichtig tun; sich aufspielen)
·
medda Sou|boll enìnn|schlòòn (w.: mit der großen Futterkelle dreinschlagen; grob
sein; ein Grobian sein)[2]
·
die FääLem in da Hònd hònn (w.: die Fäden in der Hand haben; i.ü.S.: alles überschauen
und lenken)[3]
·
„Solòng wie de dinne Fìeß noch ùnna minnem Dìsch hasch(d), wärd
gemach, wassich sòòn!“ (w.: Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast, wird gemacht, was
ich sage!)
·
jemònd òm Gängelbònd haLLe (w.: jdn. am Gängelband halten; i.ü.S.: jdm.
andauernd vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat)[4]
·
feschd im Saddel hugge (w.: fest im Sattel sitzen; i.ü.S.: eine sichere,
ungefährdete Position innehaben)[5]
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Dagegen
beziehen sich die folgenden Wendungen auf die Ohnmacht
bzw. die Unfähigkeit, mit einem Problem fertig zu werden:
·
dehämm nìggs se mäLLe hònn (w.: zu Hause nichts zu melden haben; i.ü.S.: keine
Autorität, keine Rechte zu Hause haben)
·
Trääne in die Au’e grìen (w.: Tränen in die Augen kriegen; i.ü.S.: zum
Heulen zu Mute sein)
·
medd äbbes nìdd Määschda wärre (w.:
mit etw. nicht Meister werden; i.ü.S.: mit einem Problem nicht fertig werden)
·
in de suure Abbel bisse mìsse (w.: in den sauren Apfel beißen müssen; i.ü.S.:
etw. Unangenehmes hinnehmen oder notgedrungen tun müssen)
·
"Däär hadd dehämm nìggs se lache!"
(w.: Der hat zu Hause nichts zu lachen! I.ü.S.: Der wird zu Hause von seiner
Frau und seinen Kindern total bevormundet.)
·
ùnnam Schlabbe schdehn (w.: unter dem Schlappen stehen; i.ü.S.: von seiner
Frau bevormundet werden)
Anmerkungen
[1] Vgl. dazu auch das Kapitel 19 über Ungehorsam und Strafen, 162 ff.
[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 82.
[3] Vgl. Duden, op. cit., 188: Die Wendung hat ihren Ursprung in der Spinn- und Webearbeit. Sie ist dann auch auf den Marionettenspieler bezogen worden, der mithilfe der Fäden die Puppen bewegt.
[4] Vgl. Duden, op. cit., 231, demzufolge unter „Gängelband“ früher ein Band zu verstehen war, mit dem das Kind geführt wurde, damit es gehen lernt.
[5] Vgl. Duden, op. cit., 606.
© Paul Glass 2000-2001