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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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47.  Geschicklichkeit & Ungeschicklichkeit

Auch dieses Gegensatzpaar ist in der Ensheimer Mundart mit einigen Redensarten und Ausdrücken vertreten.

Ungeschicklichkeit drücken die folgenden Begriffe aus:

·      iwwa sinne ei’ene Fìeß felle (über seine eigenen Füße fallen)

·      zwei lingse Hänn hònn (w.: zwei linke Hände haben; i.ü.S.: sehr ungeschickt sein)

·      Säwwel doch nìdd so òm Brood erùm!“ (w.. Säbel’ nicht so am Brot herum. I.ü.S.: Schneide die Scheibe Brot nicht so stümperhaft ab!).[1]

·      ’S ìsch noch känn Määschda vùmm Himmel gefall!“ (w.: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! I.ü.S.: Selten ist jemand von Anfang an perfekt!)

·      sich de Nischdel nìdd sälwadd bìnne kìnne (i.ü.S.: sich seine Schnürsenkel nicht selbst binden können)

·      „Du bìsch se dùmm fa medda Wudds se dònse - ùnn wämma da de Schwòns in die Hònd gìdd!“ (w.: Du bist zu dumm, um mit dem Schwein zu tanzen – selbst wenn man dir den Schwanz in die Hand gibt! I.ü.S.: Du bist schrecklich ungeschickt!)

·      wie ùff Eia laafe (w.: wie auf Eiern laufen; i.ü.S.: behutsam und vorsichtig gehen)

·      laafe als obba in die Bùggs geschess hädd (w.: laufen, als ob er in Hose gemacht hätte; i.ü.S.: komisch laufen; kleine Schritte machen; unsicher laufen)

·      sich gäär va|frònse (va|frònsele) (i.ü.S.: leicht aus dem Konzept geraten)

·      henne|rum da Näh nòò|fahre (i.ü.S.: ohne Not einen Umweg machen)

·      „'S Sääl ìsch gebaddschd!“ (w.: Das Seil ist gerissen!)

·      iwwahaabd känn Geschìgg hònn (i.ü.S.: unfähig sein)

·      äbbes gnoddele (i.ü.S.: etw. basteln oder bauen)

·      sich die Gnoodsche va|bränne (i.ü.S.: sich die Finger verbrennen)

·      òm Gumme hängge|bliwwe (w.: am Gaumen hängenbleiben) ðHagùdd! Ich kònn’s gaa nìdd liLLe, wämma die Hoschdje òm Gumme hängge| blibbd!“ (Verflixt nochmal! Ich kann es gar nicht leiden, wenn die Hostie an meinem Gaumen hängenbleibt!)

·      sinn Labbe bäim Negga|mònn gemach hònn (w.: seinen Führerschein beim <Versandhaus> Neckermann gemacht haben; i.ü.S.: ein schlechter Auto-fahrer sein)

·      dòò hängge wie e Schbadds òm Gäwwel (w.: dahängen wie ein Spatz am Giebel; i.ü.S.: eine unmögliche Figur machen; krumm dasitzen)[2]

·      dòò|schdehn wie de Oggs vòrm Bärch (w.: dastehen wie der Ochse vor dem Berg; i.ü.S.: dumm dastehen)[3]

·      dòò|schdehn wie beschdelld ùnn nìdd abgehòll (w.: dastehen wie bestellt und nicht abgeholt; i.ü.S.: dumm dastehen)[4]

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Auf die Geschicklichkeit beziehen sich diese Ausdrücke:

·      e gùLLa Geschìgg hònn (sehr geschickt sein; handwerklich sehr begabt sein)

·      äbbes uss da Lamäng mache (w.: etw. aus der ‘la main’ <der Hand> machen; i.ü.S.: etw. ohne Probleme machen)[5]

·      gùdd vùnn da Hònd gehn (w.: gut von der Hand gehen; i.ü.S.: gut funktionieren; gut laufen) ðOuwawou! Die dòò Ärwedd ìsch awwa gùdd vùnn da Hònd gòng!“ (Ah, diese Arbeit hat sich problemlos erledigen lassen!)

·      äbbes lòss hònn (w.: etw. los haben; i.ü.S.: sehr geschickt sein; gut und professionell arbeiten)

·      äbbes deigsele (w.: etw. deichseln; i.ü.S.: etw. fertigbringen; etw. arrangieren; eine Sache richtig hinkriegen)[6] ðÙnn? Wie hòmma dass wiLLa gedeigseld?“ (Na? Wie haben wir das wieder hingekriegt?)

·      sich durch|wurschdele (w.: sich durchwursteln; i.ü.S.: Schwierigkeiten überwinden und eine Sache vollenden) ðÙnn? Wie war dinn Prìefung?“ - „Nìdd so besùnnaschd! Awwa ich hònn mich so durch|gewurschdeld!“ (Na? Wie hat deine Prüfung geklappt? - Nicht so gut, aber ich habe die Schwie-rigkeiten, so gut es ging, überwunden.)

·      de Bòò‘e ejuss|hònn (w.: den Bogen heraushaben; i.ü.S.: wissen, wie man etw. machen oder bauen muss)[7]

·      sich sälwa äbbes bruddschele kìnne (i.ü.S.: in der Lage sein, sich selbst zu bekochen)

·      äbbes ussem Hòndgelängk schìddele (w.: etw. aus dem Handgelenk schütteln; i.ü.S.: etw. leicht und mühelos machen)[8]

·      „Dass gedd wie's Kaddse|mache!“ (w.: Das geht wie beim Katzenmachen! I.ü.S.: Das geht sehr schnell!)[9]

·       „Er ìsch ma wie e Hònd òm Läib!“ (w.: Er ist für mich wie eine <zusätzliche> Hand am Leib! I.ü.S.: Er ist mir eine unglaublich praktische Hilfe!)[10]

·      's Mòòß hònn fa äbbes (w.: das Maß für etw. haben; i.ü.S.: etw. gut <ab> schätzen können)

·      Näächel medd Kebb mache (w.: Nägel mit Köpfen machen; i.ü.S.: etw. richtig anfangen und konsequent durchführen)[11] ðEi gùdd! Mache ma Näächel medd Kebb: Du hilfschma ‘s Huss wiss se schdrìche ùnn ich graawe|da e Loch fa dinn Tìmbel!“ (Also, gut! Machen wir alles gleich richtig: Du hilfst mir, mein Haus zu weißeln und ich grabe dir das Loch für deinen Gartenteich!)



Anmerkungen

[1] Verbunden mit dieser Kritik ist der Wunsch, eine Scheibe Brot abzuschneiden, die gleichmäßig dick ist

[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 104.

[3] Braun, op. cit., 127 lässt den Ochsen vorm Scheunentor dumm dastehen: Er schdehd dòò wie de Oggs vòòrm Scheierdoor.

[4] Man muss sich bei dieser Redensart das Gesicht eines Menschen vorstellen, der von seinem Rendez-vous-Partner versetzt worden ist.

[5] Diese Redensart macht eine Anleihe beim frz. Wort la main <die Hand>. Vgl. auch Braun, op. cit., 152.

[6] Braun, op. cit., 82

[7] Vgl. Duden, op. cit., 123, demzufolge der Ursprung der Wendung noch nicht geklärt ist: Vielleicht meinte ‚Bogen‘ den Bogen beim Schlittschuhlaufen.

[8] Vgl. Duden, op. cit., 307: Die Wendung bezieht sich darauf, dass derjenige, der etwas beherrscht, es ohne sichtbaren Kraftaufwand, ohne große Anstrengung bewerkstelligt.

[9] Eine Anspielung auf die Schnelligkeit, mit der ein Kater eine Kätzin deckt.

[10] Braun, op. cit., 21. In Ensheim auch zu hören: Dass ìsch ma wie e Hònd òm Läib! Diese Wendung benutzt man, wenn man sagen möchte, dass man ein Kleidungsstück besonders gerne anzieht.

[11] Vgl. Duden, op. cit., 504, wonach sich diese Redensart darauf bezieht, dass Nägel mit Köpfen in der Regel brauchbarer als einfache Drahtstifte sind, die sich beim Nageln leichter verbiegen.

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© Paul Glass 2000-2001