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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Auch dieses Gegensatzpaar ist in der Ensheimer
Mundart mit einigen Redensarten und Ausdrücken vertreten.
Ungeschicklichkeit
drücken die folgenden Begriffe aus:
·
iwwa sinne ei’ene Fìeß felle (über seine eigenen Füße fallen)
·
zwei lingse Hänn hònn (w.: zwei linke Hände haben; i.ü.S.: sehr
ungeschickt sein)
·
„Säwwel doch nìdd so òm Brood erùm!“
(w.. Säbel’ nicht so am Brot herum. I.ü.S.: Schneide die Scheibe Brot nicht
so stümperhaft ab!).[1]
·
„’S ìsch noch känn Määschda vùmm Himmel gefall!“ (w.:
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! I.ü.S.: Selten ist jemand von
Anfang an perfekt!)
·
sich de Nischdel nìdd sälwadd bìnne kìnne
(i.ü.S.: sich seine Schnürsenkel nicht selbst binden können)
·
„Du bìsch se dùmm fa medda Wudds se dònse - ùnn wämma da de Schwòns
in die Hònd gìdd!“ (w.: Du bist zu dumm, um mit dem Schwein zu tanzen – selbst wenn man
dir den Schwanz in die Hand gibt! I.ü.S.: Du bist schrecklich ungeschickt!)
·
wie ùff Eia laafe (w.: wie auf Eiern laufen; i.ü.S.: behutsam und
vorsichtig gehen)
·
laafe als obba in die Bùggs geschess hädd
(w.: laufen, als ob er in Hose gemacht hätte; i.ü.S.: komisch laufen; kleine
Schritte machen; unsicher laufen)
·
sich gäär va|frònse (va|frònsele) (i.ü.S.: leicht aus dem Konzept geraten)
·
henne|rum da Näh nòò|fahre (i.ü.S.: ohne Not einen Umweg machen)
·
„'S Sääl ìsch gebaddschd!“ (w.: Das Seil ist gerissen!)
·
iwwahaabd känn Geschìgg hònn (i.ü.S.: unfähig sein)
·
äbbes gnoddele
(i.ü.S.:
etw. basteln oder bauen)
·
sich die Gnoodsche va|bränne (i.ü.S.: sich die Finger verbrennen)
·
òm Gumme hängge|bliwwe (w.: am Gaumen hängenbleiben) ð „Hagùdd!
Ich kònn’s gaa nìdd liLLe, wämma die Hoschdje òm Gumme hängge| blibbd!“
(Verflixt nochmal! Ich kann es gar nicht leiden, wenn die Hostie an meinem
Gaumen hängenbleibt!)
·
sinn Labbe bäim Negga|mònn gemach hònn
(w.: seinen Führerschein beim <Versandhaus> Neckermann gemacht haben; i.ü.S.:
ein schlechter Auto-fahrer sein)
·
dòò hängge wie e Schbadds òm Gäwwel
(w.: dahängen wie ein Spatz am Giebel; i.ü.S.: eine unmögliche Figur machen;
krumm dasitzen)[2]
·
dòò|schdehn wie de Oggs vòrm Bärch
(w.: dastehen wie der Ochse vor dem Berg; i.ü.S.: dumm dastehen)[3]
·
dòò|schdehn wie beschdelld ùnn nìdd abgehòll
(w.: dastehen wie bestellt und nicht abgeholt; i.ü.S.: dumm dastehen)[4]
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Auf die Geschicklichkeit
beziehen sich diese Ausdrücke:
·
e gùLLa Geschìgg hònn (sehr geschickt sein; handwerklich sehr begabt sein)
·
äbbes uss da Lamäng mache (w.: etw. aus der ‘la main’ <der Hand> machen; i.ü.S.: etw. ohne Probleme
machen)[5]
·
gùdd vùnn da Hònd gehn (w.: gut von der Hand gehen; i.ü.S.: gut
funktionieren; gut laufen) ð
„Ouwawou! Die dòò Ärwedd ìsch awwa gùdd vùnn da Hònd gòng!“
(Ah, diese Arbeit hat sich problemlos erledigen lassen!)
·
äbbes lòss hònn (w.: etw. los haben; i.ü.S.: sehr geschickt sein; gut und
professionell arbeiten)
·
äbbes deigsele
(w.: etw.
deichseln; i.ü.S.: etw. fertigbringen; etw. arrangieren; eine Sache richtig
hinkriegen)[6]
ð „Ùnn?
Wie hòmma dass wiLLa gedeigseld?“ (Na? Wie haben wir das wieder
hingekriegt?)
·
sich durch|wurschdele (w.: sich durchwursteln; i.ü.S.: Schwierigkeiten überwinden
und eine Sache vollenden) ð
„Ùnn? Wie war dinn Prìefung?“ - „Nìdd so besùnnaschd! Awwa ich hònn
mich so durch|gewurschdeld!“ (Na? Wie hat deine Prüfung geklappt? - Nicht
so gut, aber ich habe die Schwie-rigkeiten, so gut es ging, überwunden.)
·
de Bòò‘e ejuss|hònn (w.: den Bogen heraushaben; i.ü.S.: wissen, wie man
etw. machen oder bauen muss)[7]
·
sich sälwa äbbes bruddschele kìnne
(i.ü.S.: in der Lage sein, sich selbst zu bekochen)
·
äbbes ussem Hòndgelängk schìddele (w.: etw. aus dem Handgelenk schütteln; i.ü.S.:
etw. leicht und mühelos machen)[8]
·
„Dass gedd wie's Kaddse|mache!“ (w.: Das geht wie beim Katzenmachen! I.ü.S.:
Das geht sehr schnell!)[9]
·
„Er ìsch ma wie e Hònd òm Läib!“ (w.: Er ist für mich wie eine <zusätzliche>
Hand am Leib! I.ü.S.: Er ist mir eine unglaublich praktische Hilfe!)[10]
·
's Mòòß hònn fa äbbes (w.: das Maß für etw. haben; i.ü.S.: etw. gut
<ab> schätzen können)
·
Näächel medd Kebb mache (w.: Nägel mit Köpfen machen; i.ü.S.: etw.
richtig anfangen und konsequent durchführen)[11]
ð „Ei gùdd!
Mache ma Näächel medd Kebb: Du hilfschma ‘s Huss wiss se schdrìche ùnn ich
graawe|da e Loch fa dinn Tìmbel!“ (Also, gut! Machen wir alles gleich
richtig: Du hilfst mir, mein Haus zu weißeln und ich grabe dir das Loch für
deinen Gartenteich!)
Anmerkungen
[1] Verbunden mit dieser Kritik ist der Wunsch, eine Scheibe Brot abzuschneiden, die gleichmäßig dick ist
[2] Vgl. auch Braun, op. cit., 104.
[3] Braun, op. cit., 127 lässt den Ochsen vorm Scheunentor dumm dastehen: Er schdehd dòò wie de Oggs vòòrm Scheierdoor.
[4] Man muss sich bei dieser Redensart das Gesicht eines Menschen vorstellen, der von seinem Rendez-vous-Partner versetzt worden ist.
[5] Diese Redensart macht eine Anleihe beim frz. Wort la main <die Hand>. Vgl. auch Braun, op. cit., 152.
[6] Braun, op. cit., 82
[7] Vgl. Duden, op. cit., 123, demzufolge der Ursprung der Wendung noch nicht geklärt ist: Vielleicht meinte ‚Bogen‘ den Bogen beim Schlittschuhlaufen.
[8] Vgl. Duden, op. cit., 307: Die Wendung bezieht sich darauf, dass derjenige, der etwas beherrscht, es ohne sichtbaren Kraftaufwand, ohne große Anstrengung bewerkstelligt.
[9] Eine Anspielung auf die Schnelligkeit, mit der ein Kater eine Kätzin deckt.
[10] Braun, op. cit., 21. In Ensheim auch zu hören: Dass ìsch ma wie e Hònd òm Läib! Diese Wendung benutzt man, wenn man sagen möchte, dass man ein Kleidungsstück besonders gerne anzieht.
[11] Vgl. Duden, op. cit., 504, wonach sich diese Redensart darauf bezieht, dass Nägel mit Köpfen in der Regel brauchbarer als einfache Drahtstifte sind, die sich beim Nageln leichter verbiegen.
© Paul Glass 2000-2001