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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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48.  Dreck & Sauberkeit, Ordnung & Unordnung

Die Menschen sind bekanntlich sehr unterschiedlich. Es gibt solche und solche. Auch bei diesen Themen. Es gibt Leute, die Ordnung halten und auf Sauberkeit achten; es gibt aber auch Zeitgenossen, für die das kein Thema ist und die vielleicht andere Prioritäten setzen.

Zunächst widmen wir uns den Zeitgenossen, die nichts gegen Dreck und Unordnung einzuwenden haben und eigentlich damit ganz gut klar kommen:

·      e Schlimma òm Aame hònn (i.ü.S.: eine Schleimspur am Ärmel haben)[1]

·      babbiche Gnoodsche hònn (i.ü.S.: klebrige Finger haben)

·      Lies hònn (w.: Läuse haben)

·      Fleh hònn (w.: Flöhe haben)

·      „Lies ùnn Fleh gìdd Wònse, die kìnne ù(ffe)m Kobb rùm|dònse!“ (w.: Läuse und Flöhe geben Wanzen, die können auf dem Kopf herumtanzen!)[2]

·      e alda Lùmbe|gräma sìnn (w.: ein alter Lumpenkrämer sein; i.ü.S.: alles Mögliche aufheben; nichts wegwerfen)

·      e Poodche sìnn (i.ü.S.: jemand, der sich unangemessen anzieht, schlampig und unordentlich ist)

·      e Ròhmschnìss hònn (i.ü.S.: <nach dem Milchtrinken> einen Sahnerand um den Mund haben)[3]

·      schwìddse wie e Sou (w.: schwitzen wie ein Schwein; i.ü.S.: sehr stark schwitzen)

·      Urasch (Uwwerasch) mache (i.ü.S.: ein Durcheinander anrichten)[4]

·      e aldi Wudds sìnn (w.: ein altes Schwein sein; i.ü.S.: <derb> ein dreckiger Zeitgenosse sein)

·      sich in de alde Sää’e enìnn|lee’e (w.: sich in den alten Segen hineinlegen; i.ü.S.: sich ins ungemachte Bett legen.[5]

·      de reinschde Sou|schdall hònn (w.: den reinsten Saustall haben; i.ü.S.: eine Wohnung oder ein Zimmer haben, die oder das vor lauter Unordnung und Dreck nur so strotzt).[6]

·      die gòns Huss|halding durch|enònna|bringe (w.: den ganzen Haushalt durcheinanderbringen; i.ü.S.: den ganzen Haushalt in Unordnung bringen)

·      Wie de Härr, so`s Geschärr!“ (w.: Wie der Herr, so’s Geschirr! I.ü.S.: So unordentlich wie der Herr aussieht, sieht auch sein Werkzeug aus.) ðHäddsch dass schnäiLich Scheesje vùmm Alwies mìsse gesìehn! Dòò sòòn ich nùrre: Wie de Härr, so‘s Geschärr!“ (Du hättest den komischen Kinderwagen von Alois sehen müssen! Der sieht genauso aus wie Alois!“)

·      Gehääschda|ches mache (i.ü.S.: etw. in Unordnung bringen)

·      uss|sìehn wie bäi Hämbels ùnnam (hennam) Sofa (w.: aussehen wie bei Hempels hinterm Sofa; i.ü.S.: eine große Unordnung haben)  

·      allegebodd nääwe die Klo|schìssel (de Abdrìdd /de Dìbbe / de Haawe) saiche (i.ü.S.: ständig neben die Toilettenschüssel urinieren) ðHeijeijei, ich va|schdenn die Mònnslied nìdd! Jeddse hònnse schùnn so e Ding zùmm Räihje ùnn dònn saiche|se|da gradselääds nääwe de Abdrìdd! Ùnn ich soll die Soueräi wiLLa wäggmache! Awwa Piffe|deggel!“

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Dreck ist oft auch mit einem entsprechenden Gestank verbunden. Hier haben sich die Mundartsprecher einiges einfallen lassen:

·      schdingge wie e Abtrìdd (i.ü.S.: stinken wie eine Toilette)

·      nòh Mìschd schdìngge (w.: nach Mist stinken)

·      nòh Modde|kùchele mibbsele (schdìngge) (w.: nach Mottenkugeln stinken)

·      unna de Aame schdingge (in den Beugen der Oberarme stinken)

·      nòh Gnowwel|loch schdingge (w.: nach Knoblauch stinken)

·      ussem Mull schdingge (w.: aus dem Maul stinken; i.ü.S.: Mundgeruch haben)

·      nòh fulle Zänn schdingge (w.: nach faulen Zähnen stinken; i.ü.S.: sehr starken Mundgeruch haben)

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Klar, dass stinkende Zeitgenossen Äußerungen ihrer Mitmenschen provozieren, die Wasch- und Reinigungsempfehlungen geben:

·      „Däär kìnnd aa noch|emòòl e Trobbe Wassa òn sich lònn!“

·      „Däär kìnnd sich aa noch|emòòl wesche!“

·      „Bäi dänne dehämm hònnse beschdimmd die Sääf va|schdeggeld!“ (w.: Bei denen haben sie zu Hause bestimmt die Seife versteckt!)

·      „Dassäll kìnnd aa nochemòòl die Finschdarre bùddse, mänsche nìdd aa?“

·      „Die ald Wudds kìnnd ruich nochemòòl sinn Karre wesche, oLLa?“ (Das Ferkel könnte ruhig mal seinen Wagen waschen, oder?)

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Doch es gibt natürlich auch Mitmenschen, die sich für Ordnung und Sauberkeit einsetzen:

·      e schnadds (schnaddses) Kärl|che sìnn (w.: ein geschniegeltes, geschmackvoll gekleidetes Kerlchen sein)

·      alle|gebodd de Schdaab|lùmbe schlänggarre (i.ü.S.: ständig mit dem Staubwedel unterwegs sein)

·      die Bedd|degg serìgg|schlòòn (w.: die Bettdecke zurückschlagen)

·      die Bedd|dìecha in die Mòng bringe (w.: die Betttücher in die Mangel bringen)

·      de BoLLem wiggse (w.: den <Fuß>Boden mit <Bohner>Wachs behandeln)

·      's Brùnshääbche uss|schiLLe (i.ü.S.: den Nachttopf ausschütten)

·      de Bodd|schòmbadd uss|schiLLe (i.ü.S.: den Nachttopf ausschütten)[7]

·      ‘s Finschda|läLLa uss|drähe (i.ü.S.: das Fensterleder auswringen)

·      de Ùffwesch|lùmbe ussdrähe (i.ü.S.: den Aufnehmer auswringen)

·      Saggdìecha bìchele (i.ü.S.: Taschentücher bügeln)

·      äbbes ùff de Schbicha dùùn (i.ü.S.: etw. auf den Speicher auslagern)[8]

·      Schdrìmb schdobbe (w.: Strümpfe stopfen)

·      die Schùh wiggse (i.ü.S.: die Schuhe eincremen)

·      die Schùhbännele bìnne (i.ü.S.: die Schnürsenkel binden)

·      die Träbb ùffwesche (w.: die Treppe aufwischen)


Anmerkungen

[1] Diese Schleimspur kommt daher, dass der entsprechende Zeitgenosse einfach seine triefende Nase an seinem Ärmel angewischt hat. Dies war früher vor allem bei Kindern ärmerer Leute der Fall, denn: Frìeha hasche jòò känn Saggdùùch grìdd!

[2] Diesen Reim verdanken wir der Zeit, als Läuse-, Floh- und andere Ungezieferplagen noch an der Tagesordnung waren, z. B. nach dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg.

[3] Dies ist umso mehr der Fall, wenn die Milch frisch und sahnig ist. Vgl. Seibicke, op. cit., 130.

[4] Hier verbirgt sich das frz. ouvrage <Werk; Arbeit>.

[5] ). Dies ist oft der Fall, wenn der Betroffene etw. heftig mit Alkohol in Berührung gekommen ist und nicht die Zeit gefunden hat, das Bett zu machen. Vgl. auch Braun, op. cit., 65.

[6] Vgl. auch Braun, op. cit., 122.

[7] Hier findet sich als Wurzel der französische Nachttopf: pot de chambre.

[8] Mit Schbicha ist der Dachboden gemeint. Das Wort leitet sich vom lat. spicarium <Ort zur Aufbewahrung des Getreides> ab. Vgl. Seibicke, op. cit., 48.

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