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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Unter diesem Titel werden Redensarten und Begriffe präsentiert, die ent-weder nicht mehr gebraucht werden, weil der entsprechende Anlass weggefallen ist oder die zum Teil auch eine andere Bedeutung angenommen haben.
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keddele (mit dem Kettelerverein ein Eigenheim errichten)[1]
·
sich abmòòle lònn (w.: sich abmalen lassen; i.ü.S.: sich
fotografieren lassen). ð
„Frìeha sìnn die Ensemma, die wo e bissche Mùmmes gehaad hònn, zùm Fäächa
gòng ùnn hònn sich abmòòle gelass!“ (Früher haben sich die Ensheimer
Bürger, die über etwas Vermögen verfügt haben, bei Carl Feger[2]
fotografieren lassen.)
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de Bòdd|schòmbadd uss|lääre (w.: den pot
de chambre leeren; i.ü.S.: den während der Nacht angefallenen (und in
einem <Brùns>Hääbche)
zwi-schengespeicherten Urin entsorgen, z. B. in die Regenrinne zwischen Bürgersteig
und Strasse.) [3]
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bäi Schùùle e Märgelche fa die Schdadd kaafe (w.:
im Gasthaus Dörr ein Märkchen für die Stadt kaufen; i.ü.S.: im Gasthaus Dörr
eine Wochenkarte für die Straßenbahnverbindung Ensheim-Saarbrücken und zurück
kaufen).[4]
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bäi de Schwòllichee dìene (w.:
bei den Chevaux légers dienen; i.ü.S.:
Bei der berittenen Truppe seinen Militärdienst leisten.) ð „Mìnn Oba hadd noch in Saargemìnn
bäi de Schwòllichee gedìend!“ (Mein Urgroßvater hat noch seinen Militärdienst
bei der berittenen Truppe in Saargemünd abgeleistet.)
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in da Fawwe|rìgg schaffe (w.: in der Fabrik arbeiten; i.ü.S.: bei der Firma
Adt arbeiten; später auch: in einer Fabrik arbeiten; Fabrikarbeiter sein) ð „Mìnn
Babbe hadd ìmma gesaad, er hadd’s nìdd so scheen gehaad wie unsa|änns; er
ìsch medd dräi|dseh uss da Schùùl kùmm ùnn hadd glich in da Fawwe|rìgg
schaffe mìsse!“ (Mein Vater sagte immer, ihm sei es nicht so gut ergangen
wie uns; er habe mit 13 Jahren die Schule verlassen und danach sofort bei der
Firma Gebr. Adt als Arbeiter arbeiten müssen.)
·
bäi Adde schaffe
(bei der
Firma Gebr. Adt arbeiten)
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in da Schùrregg schaffe (w.: in der Scheuerecke arbeiten; i.ü.S.: an einem
speziellen Arbeitsplatz bei der Firma Gebr. Adt arbeiten, wo die Tabaks-dosen
glattgeschliffen wurden.)
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ùff da Hìdd schaffe
(w.: auf der
Hütte arbeiten; i.ü.S.: in einem Stahlwerk wie der Halberger Hütte arbeiten)
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ùff da Dingmadda Glashìdd schaffe (in der Glashütte in St. Ingbert arbeiten)
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ùffem Hal|bärch schaffe (w.:
auf dem Halberg arbeiten; i.ü.S.: auf der Halberger Hütte arbeiten)
·
ùff die Hal|bärcha Hìdd laafe (zu Fuß <zur Arbeit> auf die Halberger
Hütte laufen)
·
bìndele gehn (w.: bündeln gehen: i.ü.S.: sich als Geselle eine neue Arbeitsstelle
suchen). Am sog. Bindel|ches|daa, dem
27. Dezember eines Jahres, mussten die Gesellen ihr Bündel schnüren und sich
auf die Wanderschaft begeben, um einen neuen Arbeitgeber zu suchen.
·
de Bindel|ches|daa fiere (w.: den Tag der kleinen Bündel feiern; i.ü.S.:
die Erinnerung an diesen früher so wichtigen Tag des Jahres wachhalten)
·
ùff die Wals gehn
(w.: auf die
Walz gehen; i.ü.S.: sich als Geselle auf die Wanderschaft machen und eine neue
Arbeitsstelle suchen).
·
de Grùmbìer|hòhn gänn (w.:
den Kartoffelhahn geben; i.ü.S.: einen Hahn für die Helfer bei der
Kartoffelernte spenden)[5]
·
‘s Laab|rächd hònn (w.: das Laubrecht haben; i.ü.S.: Zugriff haben auf
etw.; die meisten Rechte haben; ein Anrecht haben auf etw.)[6]
·
e Nuggel|pienche fahre (ein altes Auto fahren)
·
e Floridd (Dofienche / Grääm|schnìdd|che / Döö|schwoo fahre (einen
Renault Floride / Renault Dauphine / Citroën 4 CV / Citroën 2 CV fahren)
·
die JoHo-Zidd
(w.: die
JoHo-Zeit; i.ü.S.: die Jahre unter dem Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann)
·
die Fròngge|zidd
(w.: die
Frankenzeit; i.ü.S.: die Zeit, in der der franzö-sische Francs alleiniges
gesetzliches Zahlungsmittel im Saarland war; 1947 - 1959)
·
in da Fròngge|zidd grooß wòòr sìnn (w.:
in der Frankenzeit groß geworden sein; i.ü.S.: in der Zeit, in der der französische
Francs alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel im Saarland war; also zwischen
1947 und 1959 aufgewachsen sein)
·
ins Reich fahre (w.: ins <Deutsche> Reich fahren; i.ü.S.: vom Saarland aus in
die Bundesrepublik fahren, aus Ensheimer Sicht meistens in die nächstgelegene
deutsche Grenzstadt: nach Zweibrücken.[7]
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die Abords|gruub läärmache (w.: die Klärgrube leeren)[8]
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de Abtrìdd usstròòn (w.: den Inhalt der Klärgrube auf dem Gartenland
ausbringen)[9]
·
sich e warma Bagge|schdään ins Bedd lee'e (w.: sich einen warmen Ziegelstein <als Wärmflaschenersatz>
ins Bett legen)
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nòh Ponda|mùssong fahre (w.: nach Pont-à-Mousson fahren)[10]
· Gäwwel flubbe (w.: Giebel rauchen; i.ü.S.: selbst gepflanzten Tabak rauchen)[11]
[2] Der Kaufmann und Buchbinder Carl Feger unterhielt in der Fabrikstraße in Ensheim ein „Photographisches Atelier“. Heute sagt man Fotostudio dazu. Ihm und seiner engagierten Arbeit ist zu verdanken, dass es von Ensheim und seinen Bewohnern noch viele Fotografien gibt, die mehr als hundert Jahre alt sind. Vgl. hierzu Geschichtswerkwerkstatt Ensheim (Hg.): Ensheim im Bild, Band 1. Ensheim 1998.
[3] Von einem früheren Ensheimer Original, dem Herrn Jolas (besser bekannt als „Schòllass) wird berichtet, dass er den Inhalt seines Hääbchens der Einfachheit halber immer aus dem Fenster auf die Eschringerstraße gekippt habe...
[4] Diese Wochenkarten gab’s zunächst für die Straßenbahn, die ab 1912 Ensheim mit Saarbrücken verband. Nach deren Abschaffung in den 60er Jahren gab es diese Wochenmarken für den Bus.
[5] Nach diesem alten Brauch hat ein Bauer seinen Helfern bei der Kartoffelernte nach dem Abschluss der Ernte einen Hahn gestiftet, der danach gemeinsam gegessen wurde.
[6] Vgl. auch Kap. 28, Anmerkung 1.
[7] Dies war die gängige Praxis für die Ensheimer zwischen 1949 und 1957 - bis zur Wiedereingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik. In Zweibrücken versorgte man sich dann mit Dingen, die es im Saarland nicht oder nur zu überhöhten Preisen gab. Manch einer hat sich zum Beispiel auf diese Weise seinen ersten Fotoapparat verschafft - natürlich am saarländischen Zoll vorbei, wie damals üblich.
[8] Die Prozedur aus der Zeit vor dem Anschluss an die Kanalisation war ein bis zweimal pro Jahr fällig. Mit einer großen Schöpfkelle, der Schebb, wurde der Inhalt der Klärgrube nach und nach auf dem Gartenland als Dünger ausgebracht.
[9] Das Abdrìdd usstròòn geschah folgendermaßen: eine Reihe wurde gegraben, dann wurde Jauche darüber gegossen, dann die zweite Reihe gegraben und ebenfalls mit Jauche übergossen usw.
[10] Diese in Lothringen gelegene Stadt ist oft Gegenstand eines Wortspiels: wenn jemand neugierig fragt, wo man hinfahre, dann gibt man ihm zur Antwort: Ei, nòh Ponda|mùssong! In dieser Stadt hatte die in Ensheim ansässige Firma Adt seit 1871 ein Zweigwerk.
[11] Dieser Tabak wurde an der Giebelseite des Hauses angepflanzt, vor allem in den von Not geprägten unmittelbaren Nachkriegsjahren.
© Paul Glass 2000-2001