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Ensemma Schbrìch Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |
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Hier finden Redensarten, Sprüche und Ausdrücke einen Platz, die in keines der bisherigen Kapitel eingeordnet werden konnten.
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„Wass sich zwädd, drìdd sich!“ (Was zweimal passiert, geschieht auch noch
ein drittesmal.)
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„Wännde Hùnd nìdd geschess hädd, häLLa de Haas grìdd!“ (w.:
Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gefangen.)[1]
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sinn Mändel|che nòhm Wind hängge (w.: seinen kleinen Mantel nach dem Wind hängen;
i.ü.S.: seine Meinung so ändern, dass man Vorteile davon hat; opportunistisch
sein)[2]
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fùrd sìnn wie Babbe’s Dùùs (w.: verschwunden sein wie Vaters <Tabaks>Dose;
i.ü.S.: für immer verschwunden sein)
"'S Huss valìerd nìggs!" (w.: Das Haus verliert nichts. I.ü.S.: Wenn man einen Gegenstand innerhalb des Hauses verlegt hat, dann findet man ihn auch wieder.) "Oh läggs in da Kabb geschess, jeddse honnich minn noua Hùdd valeed!" - "Oh, das mìchd nìggs! Du wääschòò: 'S Huss valìerd nìggs!"
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fa Ägskies äbbes mache (w.: für excuse
etw. tun; i.ü.S.: etw. tun, um einen Vorwand zu haben)[3]
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äbbes grad|selääds mache (w.:
etw. gerade zum Leide tun; i.ü.S.: etw. absichtlich, vorsätzlich tun) ð „Du alda Nìggùdd! Dass dòò
hasch(d)e jòò grad|selääds gemach!“ (Du alter nichtswürdiger Kerl!
Das hast du ja absichtlich getan!)
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gemääna|hònd rächd hònn (üblicherweise,
normalerweise Recht haben)
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gemääna|wies rächd hònn (üblicherweise,
normalerweise Recht haben)
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fa geweenlich (i.ü.S.: üblicherweise, normalerweise)
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gùLLa|schbräch (w.: gut zu sprechen; i.ü.S.: sozusagen) ð „Em
Lui sinn Nìggel ìsch gìschda Babbe wòòr; dass hääschd, de Lui ìsch
jeddse gùLLa| schbräch Oba! (Ludwigs Sohn Nikolaus ist gestern Vater
geworden; das heißt: Ludwig ist jetzt sozusagen Großvater!)
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alle|wää (i.ü.S.: auf jeden Fall; jedenfalls) ð „Älle|wää häLLa kùmme kìnne,
oLLa?“ (Auf jeden Fall hätte er kommen können, oder?)
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medda|längd (w.: mit der Länge; i.ü.S.: nach und nach; allmählich; mit der Zeit)
ð „Minne
Schùùl|kòmmeraade ware bis vòòr kurzem noch nìdd va|häijeraad; awwa
medda|längd hònnse all äns gefùnn!“ (Meine Klassenkameraden waren bis
vor kurzem noch alle ledig; aber so nach und nach haben sie alle eine Frau
gefunden!)
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vòòr ludda, ludda
(w.: vor
lauter, lauter; i.ü.S.: vor lauter Aufregung) ð
„Olägg, war dass häid wiLLa e Daa! ‘S erschd hònnich de morje känn
Au’e grìdd, dònn hònnich die Schdròòße|bòhn nìmmeh grìdd ùnn dònn hònnich
vòòr ludda, ludda in die Bùggs geschess!“ (Oh, mein Gott, was war das
heute wieder für ein Tag! Zunächst habe ich mich verschlafen, dann habe ich
die Straßenbahn verpasst und vor lauter Aufregung habe ich schließlich in die
Hose gemacht!)
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vòòr ludda Vòòrwidds (Vorrwidds) (w.:
vor lauter Vorwitz; i.ü.S.: aus reiner Neugierde) ð
„JeeLe Sòmschdaa ròòsd ‘s Ännche mìddas in die Kirch, fa nòh da
Brudd se lùù’e - vòòr ludda Vòòrwidds!“ (Jeden Samstag rast Anna
mittags zur Kirche, um sich die Braut anzusehen - aus reiner Neugierde!)
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vòòr Vòòrwidds schdärwe (w.: vor lauter Vorwitz sterben; i.ü.S.: vor
Neugierde schier sterben)
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„So e klääna Hiddla kìnnd ruich nochemòòl kùmme!“ (w.:
Ein solch kleiner Hitler dürfte ruhig noch einmal kommen! I.ü.S.: Dieser
Hitler wird mit der Spanne zwischen Daumen und Zeigefinger demonstriert, also
auf etwa 8 bis 10 cm minimiert.[4]
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„Bäim Adolf hädd’s so äbbes nìdd gänn!“
(w.: Bei Adolf Hitler hätte es so etwas nicht gegeben!)[5]
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de lewänndich ... sìnn (w.: der lebendige ... sein; i.ü.S.: ein
Musterexemplar sein; jd. der ganz bestimmte Eigenheiten oder Angewohnheiten hat)
ð „Heijeijei!
Dass dòò ìsch de lewänndich Dirrfleìsch|schnibbla - Ùnn’s ìsch gaa nìdd
gùdd fòòr’ne, dass fädd Dinges!“ (Mensch, der Mann hier vespert für
sein Leben gern selbstgeschnittene Rauchfleischscheiben; dabei sind die gar
nicht gut für ihn, weil sie viel zu fett sind!)
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die schlächd Zidd
(w.: die
schlechte Zeit; i.ü.S.: die unmittelbaren Nach-kriegsjahre nach 1945, die von
großen Entbehrungen und großem Mangel geprägt waren; vor allem die Jahre 1946
und 1947)
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òm Schnabbe hùgge
(am Rand
sitzen) ð „Michel, pass ùff, dasse nìdd vùnn da Bòngk fellsch(d) - du dùsch
aarich òm Schnabbe hùgge!“ (Michael, pass auf, dass du nicht von der
Bank fällst; du sitzt ziemlich nah am Rand.)
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òn änna Tuur äbbes mache (w.: an einer Tour etw. machen; i.ü.S.: laufend
etw. machen) ð
„Jedds mussich emòòl die zwei Bòngadde dòò vòòre schdeere; die
mache zindara halb Schdùnn òn änna Tuur Bleedsìnn!“ (Jetzt muss ich
die beiden Bengel da vorn zur Ordnung rufen; seit einer halben Stunde machen die
laufend Blödsinn!)
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wänn’s äìschd gedd
(wenn’s
irgendwie geht)
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„Wärsch’s nìdd glääwe, awwa...“ (w.: Du wirst es nicht glauben, aber...) ð „Wärsch’s
nìdd glääwe, awwa gìschda|owed hònnich zìnda lòngem noch-emòòl ‘s
Eliss ùffem Kirchhof gesìehn! Jòò, ‘s war bäim Edwadd schbränse!“
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òn all Egge schlaggarre (w.: an allen Ecken wackeln; i.ü.S.: überall
wackeln; sehr instabil sein) ð
„Hasch(d) du die schnäiLich
Grumbìer| keschd dòò geknòddeld? Die dùdd jòò òn all Egge schlaggarre!“
(Hast du diese unprofessionell aussehende Kartoffelkiste gebaut? Die ist
ja total instabil!)
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äbbes gesìehn kìnne (w.: etw. sehen können)
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„’S gìdd känn HaLLes meh!“ (w.: Es gibt kein Halten mehr!)
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Aldäärches|boua! Lied|beschissa!“ (w.: Altarbauer! Leutebescheisser!)[6]
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„Dass ìsch gehùbbsd wie geschbrùng!“
(w.: Das ist gehüpft wie gesprungen. I.ü.S.: Das ist völlig egal.)
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„Dass sìnn zwei paar Schdiwwele!“ (w.: Das sind zwei paar Stiefel! I.ü.S.: Das
sind zwei unterschiedliche Dinge!)
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„Dass sìnn doch ùùngeleede Eia!“ (w.: Das sind doch ungelegte Eier! I.ü.S.:
Man streitet über eine Sache, die gar nicht auf der Tagesordnung steht bzw. die
noch gar nicht entschieden ist!)
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„Jedds, wass ìsch? Hùnd oLLa Naa?“ (w.: Jetzt, was ist? Hund oder Narr?) Das
sagt man einem Zeitgenossen, der sich vor einer Entscheidung drückt. ð „Also,
minn Gnächd! Dänne Trilles dòò gähng ich da kaafe, awwa sùnschd gìdd’s
nìggs. Jedds, wass ìsch? Hùnd oLLa Naa?“ (Also gut, mein Junge! Diesen
Kreisel da würde ich dir kaufen, aber nichts Anderes. Jetzt entscheide dich,
aber etwas plötzlich, wenn ich bitten darf!)
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puub|egal (pieb|egal) sìnn (w.: scheißegal sein; i.ü.S.: total egal sein) ð „Oh,
geh ma doch fùrd! Ob de Eicheen jeddse ùff minn Ims kimmd oLLa nìdd, ìsch ma
eichendlich puub|egal!“ (Also bitte! Ob Eugen jetzt auf mein Fest kommt
oder nicht, ist mir völlig egal!)
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äbbes ù(ffe)m Rìschbel hònn (noch einen Wunsch haben) ð
„So wie däär Lousadd um mich erùm|schliche dùdd, schinnda noch äbbes
ù(ffe)m Rìsch-bel se hònn!“ (Der Lausbub scheint noch irgendwas von mir
zu wollen, so wie er die ganze Zeit um mich herumschleicht.)
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‘s Haasebrood meddbringe (w.: das Hasenbrot mitbringen; i.ü.S.: Brot, das
der Vater von der Arbeit wieder mit nach Hause brachte, das dann für die
Kaninchen bestimmt war)[7]
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de Rabbel grìen (einen Einfall, eine Idee haben, bekommen) ð „Wänn
dass Minsch de Rabbel grìdd fa sùnndaas|morjens in die Issbar se gehn ònschdadd
in’s Hooch|òmd, dònn kònnsche sòòn, wass de willsch(d) - ‘s gedd dònn
äänfach nìdd in die Kirch!“ (Wenn dieses Mädchen sonntagsmorgens den
Einfall hat, lieber die Eisdiele als die Heilige Nesse zu besuchen, dann helfen
alle guten Worte nicht - es geht einfach nicht zur Messe!)
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änna òn da Hònd hònn (w.: einen an der Hand haben; i.ü.S.: jd. kennen,
der entweder etwas besorgen kann, vielleicht fa so, oder der etw. handwerklich machen kann, höchstwahrscheinlich
schwarz) ð
„Zill|che, wäär dùdd òch dònn de Dach degge? Wäsch(d)e jemònd?“
- „Ei, jòò, ich hònn dòò änna òn da Hònd, minnem Kusienche sinn
Dochda|mònn, däär hadd äbbes lòss!“ (Cäcilia, wer wird euch denn das
Dach neu eindecken? Weißt du jemanden? - Ja, ich habe jemand, der es macht; der
Schwiegersohn meiner Kusine, der arbeitet sehr gut!)
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jemònd(e) abzìehe (w.: jd. abziehen; i.ü.S.: 1. jdn. verprügeln; 2.
bei jdm. die Zeche kassieren: „Zìeh
mich emòòl ab!“ (w.: Zieh’ mich mal ab! I.ü.S.: Ich möchte zahlen!)
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e Schadde wärfe wie e zehna Schdùmbe
(w.: einen Schatten werfen wie eine Zigarre zu zehn Pfennig; i.ü.S. 1. einen
langen Schatten werfen; 2. ziemlich dürr sein)[8]
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die MooLe hònn fa äbbes (w.: die Mode haben für etw.; i.ü.S.: die
Angewohnheit haben, etwas zu tun)
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„Die Fäia|wehr siffd - ùnn die Musigg hadd de Nòòme!“
(w.: Die Feuerwehr säuft - und der Musikverein wird als Säuferverein
gescholten.)[9]
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„Wass giddsen Noues?“ – „Ei, 's Alde wärd geflìggd!“ (w.:
was gibt’s Neues? – Ei, das Alte wird geflickt!)[10]
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„Allee hopp!“ (i.ü.S.: 1. Schlachtruf der Faase|boodse
an Fasching; 2. Signal zum Aufbruch; 3. Ausdruck, um ein Fazit zu beginnen oder
um etw. zu entscheiden) ð
„Allee hopp, gäbb ma fìnnef Maag ùnn ma sìnn kidd!“
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noch gòns klääne (kliene) Au'e hònn (w.:
noch ganz kleine Augen haben: i.ü.S.: noch sehr müde sein; noch nicht
ausgeschlafen sein; nicht ganz wach sein)
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„Prossnajòhr! Ins Hämmed geschess ùnn òòngefròòr ùnn e grooßi Bräddsel wie e Schiere|dòòr!“[11]
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„Erùnna kùmme se all, fròòd sich nùrre wie!“ (w.:
Herunter kommen sie alle, fragt sich nur wie!)[12]
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Dinges òòn sich hònn (i.ü.S.: Marotten an sich haben)
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e Fìggshols òònschdegge (i.ü.S.: ein Streichholz anzünden)
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ùff eieni Fuschd (w.:
auf eigene Faust)
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jemònde hääsche (w.: jdn. heißen; i.ü.S.: 1. jdn. auffordern; 2.
jdn. einladen)
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e paa Iese im Fier hònn (w.: ein paar Eisen im Feuer haben; i.ü.S.: mehr als
eine Möglichkeit haben)[13]
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jemònd zumm alde Iese wärfe (w.: jdn. zum alten Eisen werfen; i.ü.S.: jdn.
ausmustern)
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Määninge hònn (i.ü.S.: die Absicht haben <etw. zu tun>)
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e Moul|esel sìnn (i.ü.S.: aus Oberwürzbach stammen)
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e (Bìschmìssa) Rehbùgg sìnn (i.ü.S.: aus Bischmisheim stammen)
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e Sagg|schìssa sìnn (i.ü.S.: aus Ommersheim stammen)
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e
<Ormesa>Korwel
sìnn (i.ü.S.: aus Ormesheim stammen)
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e Rùggsagg|däidscha sìnn (i.ü.S.: ein aus dem Osten eingewanderter Deutschstämmiger
sein)
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sich òm Nääds|faaLem hewwe lònn (w.: sich am Bindfaden halten lassen; i.ü.S.:
sich leicht überreden lassen <z. B. noch zu bleiben>) ð „Hagùdd,
däär dòò Idsigg! Däär lissd sich aa ìmma òm Nääds|faaLem hewwe ùnn
gedd äänfach nìdd hämm! Unn morje frìeh kimmda wiLLa nìdd uss de FäLLarre!“
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fa nìggs ùnn wiLLa nìggs (w.: für nichts und wieder nichts)
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òn Näijòhrsch|daa zùmm Padd die Bräddsel hòlle gehn (w.:
am Neujahrs-tag den Paten besuchen, um die Riesen-Neujahrsbrezel abzuholen)
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rächda (i.ü.S.: besser; lieber) ð
"Du häddsch rächda ùff mich gehorchd!" (Du
hättest besser auf mich gehört!)
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e aldes Rauchhissje sìnn (i.ü.S.: eine langjährige überzeugte Raucherin
sein)
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's Schbäggdiev meddhòlle (i.ü.S.: das Fernglas mitnehmen)
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e Schdeggelche grìen (i.ü.S.: einen Blumenstock geschenkt bekommen)
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e Sòmmel|tässje grìen (w.: eine Sammeltasse geschenkt bekommen)
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Schdòbbe|gäld bezahle mìsse (i.ü.S.: Korkengeld bezahlen müssen)[14]
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bäi de Schìeß|buwwe sìnn (w.: bei den Schießbuben sein; i.ü.S.: Mitglied
jener Clique sein, die anlässlich der Taufe eines Neugeborenen mit Gas gefüllte
Luftballons zur Explosion bringen, um allen Bewohnern der Gemeinde mitzuteilen,
dass das Kind nunmehr getauft ist.)[15]
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äbbes schwaads ùff wiss hònn (w.: etw. schwarz auf weiß besitzen)
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ùff's Troddwaa gehn (i.ü.S.: den Bürgersteig benutzen)
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's Troddwaa hooch|klabbe (w.: das Trottoir hochklappen; i.ü.S.: die Kneipen
und Vergnügungslokale am späten Abend dichtmachen)
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äbbes meddera Wòns feschdmache (i.ü.S.: etw. mit einer Reißzwecke
befestigen)
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Zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei
Sprüche, die nur Nonsens
darstellen, die aber dann und wann sprachlich eingesetzt werden:
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„Guschee|bäägo|draales|janko|schaddes|allee|indahee|kùùche|deggel| däddsch|la|schìsselwùdds!“[16]
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„Jagges, geh in de Schaddäng, de Haas frissd de gònse Leguumes!“[17]
(w.: Jacques, geh in den jardin,
der Hase frisst die ganze légumes. I.ü.S.:
Jakob, geh in den Garten, da sitzt ein Hase und frisst das ganze Gemüse.)[18]
Anmerkungen
[1] Das sagt man bei verpassten Gelegenheiten oder bei Sätzen, die mit „wenn“ beginnen, wenn man eine verpasste Chance rechtfertigen oder schönreden will.
[2]
Vgl. Griesbach/Schulz, op. cit., 76: sich
der augenblicklichen Lage sofort anpassen.
[3] In diesem Ausdruck hat das Frz. seine Spuren hinterlassen: excuse ist die <Entschuldigung, Ausrede>.
[4] Mit dieser Äußerung kritisieren Leute , oft am Stammtisch, angebliche oder tatsächliche Missstände in der heutigen Politik und Gesellschaft, wobei sie verkennen, dass auch schon ein Hitler im Miniaturformat wohl schlimm genug wäre. Oder sollte es doch noch viele Ewig Gestrige geben, die sich wirklich nach einem neuen Hitler <oft noch freundlich Adolf genannt> sehnen?
[5] Mit diesem Spruch versuchen immer noch ehemalige (oder neue?) Hitler-Anhänger durch den Vergleich von heutigen Missständen mit der Situation im 3. Reich der Hitler-Diktatur positive Seiten abzugewinnen.
[6] So titulierte vor Jahrzehnten ein Ensheimer Original, ein gewisser Motsch, eine Familie, die in Ensheim in der Eschringerstraße lange Zeit ein Haushalts- und Elektrogerätegeschäft geführt hat. Er fühlte sich wohl bei einem Geschäft übervorteilt und erhob deshalb den Vorwurf Lied|beschissa. Weil er dieses (bloß vermutete) Geschäftsgebaren gar nicht mit dem christlichen Engagement der Familie bei der alljährlichen Errichtung eines Altars zu Fronleichnam (òm Brunne|bärch) in Einklang bringen konnte, setzte er die mit ironischem Unterton versehene Vokabel Aldäärches|boua davor. Seitdem wird dieser Spruch auch auf andere Personen angewendet, denen man so etwas wie Übervorteilung gepaart mit Frömmelei vorwirft.
Der erwähnte Motsch war übrigens immer Zielscheibe für Spott und Neckereien: so geriet er schon in Zorn, wenn man ihm hinterherpfiff!
[7] Früher hatten sehr viele Leute noch eine Kleintierzucht, um die Familie in den Notzeiten besser über die Runden bringen zu können. Auch mein Vater zog zeitweise bis zu 60 Kaninchen auf, für die solches Haasebrood eine willkommene Abwechslung war.
[8]
Ob man heute noch eine Zigarre für zehn Pfennig bekommt, halte ich für
unwahrscheinlich, aber vòòrm Grìech
hadd’s dass beschdìmmd gänn...
[9] Mit diesem Spruch hatte sich einmal vor Jahren ein Mitglied des Musikvereins Arion lauthals beschwert und kritisiert, dass die Musiker in den Augen der Ensheimer Bevölkerung zu Unrecht als Säufer gelten, während die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die nach seiner Meinung die wirklichen Säufer wären, nicht als solche gescholten würden. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte - man muss ja noch lange kein Säufer sein, wenn man nach einer schweren (Feuerwehr-) Übung oder nach einer anstrengenden (Musik-)Probe mal ein Gläschen, zwei trinkt...JJJ
[10] Scherzhafter Dialog, wenn man einem allzu neugierigen Zeitgenossen eine passende Antwort geben möchte.
[12] Schwacher Trost für die Benutzer von Flugzeugen...
[13] Vgl. Duden, op. cit., 175, demzufolge diese Redensart ihren Ursprung im Schmiedehandwerk hat: Der Schmied hat meistens mehrere Eisen zum Schmieden in der Feuerschüssel, damit er seine Arbeit nicht zu unterbrechen braucht.
[14] Diese Abgabe wurde früher von Wirten erhoben, wenn ein Gast ein von zu Hause mitgebrachtes Getränk in der Wirtschaft trinken wollte.
[15] In der Regel ist es Sache des Kindesvaters, die Schießbuwwe aus seinem männlichen Freundeskreis zu rekrutieren. Als Lohn für ihre Arbeit erhalten sie anschließend das Schìeßbìer.
[16] Mit diesem bekannten „französischen Sprichwort“ hat ein anderes Ensheimer Original aus dem Heimel, Rudi Minnerath, zur Freude der Zuhörer seine <angeblich> vortrefflichen Französischkenntnisse untermauert.
[17] Drei Begriffe stammen bei dieser eher scherzhaft gebrauchten Wendung aus dem Sprachschatz unserer französischen Nachbarn: Jacques, jardin und légumes.
[18] Diese sicherlich aus dem Lothringischen nach Ensheim gekommene Redensart wird zur Illustration eingesetzt, wenn man einem Auswärtigen und vor allem einem Nicht-Saarländer die Bilingualität unserer Mundart deutlich machen will, was allerdings nachgewiesenermaßen übertrieben ist. Es gibt starke französische Einflüsse - das ist unbestritten; aber der überwiegende Teil unseres mundartlichen Wortschatzes hat deutsche Wurzeln.
© Paul Glass 2000-2001