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Ensemma Schbrìch
Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |

5. Drohgebärden, Warnungen & Ermahnungen
Nicht immer verhalten sich die Menschen so, wie man es von ihnen
erwartet. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für die lieben Kinderlein. Es liegt deshalb
auf der Hand, dass man seinen Wünschen gelegentlich mit einem schönen und
eindrucksvollen Spruch nachhelfen muss:
- "Awwa dònn: Genaachd, Käddche!"
(Das sagt man, wenn man jemand vor
den Folgen einer geplanten Aktion warnt: "Ich will hoffe, dasse um zeh häid òwed
dehämm bìsch(d); wänn nìdd, dònn: Genaachd Käddche!"
- "Dònn ìsch awwa Pùùle ùff!"
(w.: Dann ist aber Polen offen!
I.ü.S.: Dann ist alles zu spät! Dann garantiere ich für nichts! Dann passiert was!)
- "Ich soon das im GùLLe, minn Fräindche!"
(w.: "Ich
sags dir im Guten, mein Freund." I.ü.S.: Das ist eine Art letzte Warnung,
bevor man mit einer richtigen Reaktion rechnen muss.)
- "Klùdds|kobb, kùmm ich wìllda!"
(ernsthafte Drohung; auch:
heftige Reaktion) "Wass härrich dòò? Du hasch die Säns noch nìdd gedängeld?
Klùdds| kobb, kùmm ich wìllda! Jedds awwa nìggs wie ab!"
- "Wääsche wass? Du kònnsch mich emòòl henne|rùm hewwe!"
(i.ü.S.:
Weißt du was? Das kannst mich mal gerne haben!)
- "Horch gùdd, wassich da sòòn!"
(w. "Hör gut zu, was ich dir
sage!" I.ü.S.: ernsthafte Mahnung, vielleicht die letzte vor dem großen Knall)
- "Ich sòòn das zùmm (alla)leddschde|mòòl!".
(w.: Ich sag
dirs zum letztenmal! I.ü.S.: ernsthafte Warnung, vielleicht die <aller>letzte
vor dem großen Knall)
- "E zwäddes|mòòl sòòn ichs nìdd!"
(w.: "Ein zweitesmal
sag ichs nicht!" I.ü.S.: erste und zugleich letzte Warnung) ð "Jeddse schaff dich ab ins Neschd. E zwäddes|mòòl
sòòn ichs nìdd!"
- "Awwa schìgg dich!"
(Aber benimm dich!)
- "Oh, kiss mich òm Bùggel!"
(Ach, leck mich am Hintern!)
- "Jedds mach känn Ballaawa!"
(w.: Jetzt
mach keinen Radau. I.ü.S.: Jetzt beginne keinen Streit!)
- "Oh, lägg mich òm Aasch!" (~ Ärsch; ~ Bännel)
- "Äns sòòn ich da, minn Fräind|che: wännde dass dòò nochemòòl mìsch(d),
dònn gìdds awwa Ballaawa!"
(Eines sag ich dir, mein Freundchen:
Wenn du das noch einmal tust, dann bekommen wir Streit miteinander!)
- digge Bagge mache
(w.: dicke Backen machen; i.ü.S.: 1. seine Backen aufblasen;
sich aufplustern; jdm. drohen; 2. sich übergeben) ð "Jedds
mach nùrre känn digge Bagge, sùnsch(d) gnallds!" (Jetzt stoße bloß
keine Drohungen aus, sonst gibts Schläge!)
- "Mach, dasse Lònd gewìnsch(d)!"
(w.: "Mach, dass du
Land gewinnst!" I.ü.S.: Sieh zu, dass du aus meinem Blickfeld verschwindest. Sieh
zu, dass du so schnell wie möglich von hier verschwindest!)
- "Geh ma uss de Fìeß!" (Schaff dich ~)
(w.: Geh mir aus den
Füßen! I.ü.S.: Sieh zu, dass dass du aus meinem Blickfeld verschwindest. Sieh zu, dass
du so schnell wie möglich von hier verschwindest!)
- "Schaff dich fùrd!"
(w.: Schaffe dich fort! I.ü.S.: Hau bloß
ab!)
- "Schaff dich fùrd! Dònn rännsche aa känn Häälicha
um!"
(w.: Schaffe dich fort! Dann rennst du auch keinen Heiligen über
den Haufen! I.ü.S.: Hau bloß ab!)
- "Jedds wärr awwa nùrre nìdd iwwa|zwärch!"
(i.ü.S.: Jetzt
flippe nur nicht aus! Jetzt bewahre bloß deine Fassung.)
- "Jeddse mach nùrre känn Mäggesja!"
(i.ü.S.: Jetzt flippe nur
nicht aus! Jetzt mache bloß keinen Unsinn!)
- "Jedds ìsch awwa Matthäi òm leddschde!"
(i.ü.S.: Jetzt ist aber Schluss! Jetzt muss ich mit dem Schlimmsten rechnen!)
- "Jedds ìsch awwa finni!"
(Jetzt ist aber
Schluss!)
- "Awill ìsch awwa zabbe! (~ zabbe|duschda!)
(w.:
Jetzt ist aber zappenduster! I.ü.S.: Jetzt ist aber Schluss! Jetzt hör aber mal auf,
bevor etwas passiert!)
- "Dònn hadd awwas Ärschel|che Kirb, dass sòònich da!"
(w.:
Dann hat aber dein Hintern Kirmes, das sag ich dir! I.ü.S.: Dann setzt es aber eine
Tracht Prügel!)
- "Ich hònn das schùnn hùnnadd|mòòl gepreLLichd: du sollsch nìdd bäi
Mienese ùff de Gweddsche|bòòm grawwele!"
(Ich habe es dir schon
hun-dertmal gesagt: Du sollst nicht auf den Zwetschgenbaum von Familie Görlinger
klettern!)
- "Du wärsch noch òòn mich dängge!"
(w.: Du wirst noch an mich
denken!)
- "Ward nùrre, dìer dùnnich die Fleh aa noch fònge!"
(w.:
"Warte nur! Dir fange ich die Flöhe auch noch!" I.ü.S.: ernsthafte
Warnung)
- "Däär gehärd doch ins Nache|huss (Narre|huss)!"
(w.: Dieser Mann
gehört doch ins Narrenhaus. I.ü.S.: Man sollte diesen Mann schleunigst in ein
psychiatrisches Krankenhaus einweisen.)
- "Däär gehärd doch nòh Märdsich!"
(w.: Dieser Mann gehört doch
nach Merzig. I.ü.S.: Man sollte diesen Mann schleunigst in das Psychiatrische
Landeskrankenhaus in Merzig einweisen.)
- "Mach die Lied nìdd va|rìggd!"
(Mach die Leute nicht
verrückt!)
- "Mach die Lied nìdd schalu!"
(Mach
die Leute nicht verrückt!)
- "Mach die Päär nìdd schou!"
(w.:
"Mach die Pferde nicht scheu!" I.ü.S.: 1. Mach die Leute nicht
verrückt! 2. Wecke keine schlafenden Hunde! 3. Verursache keine Aufregung ohne
irgendeinen Grund!)
- "Dònn bìsche awwa geliwwadd!"
(w.: Dann bist du aber geliefert!
I.ü.S.: Dann bist du aber am Ende. Dann hast du verspielt.)
- "Jòò, henne!"
(Sagt man, wenn man etwas brüsk ablehnt) ð "Mòmme, grìnnich dräißich Pänning fa dräi
Bällcha Iss?" "Jòò, henne!" (Mutter, kriege ich 30 Pfennig
für drei Kugeln Eis? Nein!)
- "Wäär A seed, muss aa B sòòn!"
(w.: Wer A
sagt, muss auch B sagen. I.ü.S.: Wer eine Sache beginnt, muss sie auch fortsetzen, auch
wenn vielleicht unangenehme Folgen zu erwarten sind.)
- "Du kònnsch ma mòòl de Bùggel enùff|grawwele!"
(w.:
Du kannst mir mal den Rücken hochklettern. I.ü.S.: Lass mich in Ruhe.)
- "Dùmmel dich, 's prässìerd!"
(w.: Beeil dich!)
- "Hebb dich feschd!"
(w.: Halte dich fest!)
- "Ich leeda aa mòòl e Schdään in de Gaade!"
(w.:
Ich lege dir auch mal einen Stein in den Garten. I.ü.S.: Ich tue dir auch einmal einen
Gefallen!)
- "Glich leefdma die Gall iwwa!"
(w.: Gleich
läuft mir die Galle über! I.ü.S.: Gleich gerate ich in große Wut!)
- "Mach de Duddel|kaschde bloß nìdd härda, sùnsch(d) rabbelds!"
(I.ü.S.:
Stell ja das Radio nicht lauter, sonst setzt es was!)
- "So e Bleedsìnn mìsche ma nìmmeh, härsche!?"
(w.: Solch einen
Blödsinn machst du bitte nicht mehr, hörst du?)
- "Dämm Gräh|färgel dùnnich glich de Hals
erùm|drää'e!"
(I.ü.S.: Dem Schreihals drehe ich gleich den Kragen um.
- "Saa mòòl, schdichd dich grad de Hawwa?"
(w.:
Sag mal, sticht dich gerade der Hafer? I.ü.S.: Sag mal, wirst du jetzt übermütig?)
- "Waad nùrre, dier dùnnich aa noch de Kobb wesche!"
(w.: Warte
nur, dir wasche ich auch noch mal den Kopf! I.ü.S.: Warte nur, dir sage ich
auch noch mal gründlich die Meinung!)
- "Kùmma nùrre hämm, ich sòòn da's!"
(w.: Komm bloß heim,
ich sag dirs! I.ü.S.: Wenn du nach Hause kommst, werde ich dir die Meinung sagen!)
- "Glich kimmd de Makulmes!"
(Drohung, mit der man einem unartigen Kind
Angst vor einem bösen Phantom machen möchte, um eine positive Verhaltensänderung zu
erzielen.)
- "Pass ùff, dinn Nìschdel ìsch ùff!"
(w.: Pass auf, dein
Schnürsenkel ist lose. I.ü.S.: Hinweis, dass der lose Schnürsenkel einen vielleicht zum
Stolpern bringen könnte.)
- "Jedds sei mòòl ändlich ruich!"
(Jetzt sei endlich mal still!)
- sich gòns ruich haLLe
(w.: sich ganz ruhig verhalten; i.ü.S.: nur nicht
auffallen) ð "Ùnn du hellsch(d) dich jeddse mòòl
gòns ruich, härsche?!"
- "Glich kimmd de Schbicha|fùggs ùnn helld dich!"
(Drohung, mit der
man einem unartigen Kind vor dem "Speicherfuchs" der sich auf dem
Speicher oder Dachboden verbirgt - Angst machen möchte, um eine Verhaltensänderung zu
erzielen.)
Copyright: Paul Glass 2000-2001