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Ensemma Schbrìch
Redensarten, Ausdrücke und Sprüche |

6. Körperkult(ur) & Pflege & Aussehen
Für viele Mitmenschen spielt der Kult um den Körper, dessen Pflege
und das Aussehen eine zentrale Rolle im Leben, will man doch den anderen Leuten möglichst
gut gefallen.
Aussehen ist natürlich - wie so vieles - sehr relativ. Was dem einen
gefällt, findet der andere hässlich. Das erklärt, warum Urteile und Wertungen so
unterschiedlich ausfallen (können) - negativ und positiv.
Kommen wir zunächst zu der Person und den Körperteilen. Negativ
belegt sind die folgenden Ausdrücke und Redensarten zur Figur allgemein:
- gaa känn Mùschda hònn
(w.: gar kein Muster haben; i.ü.S.: eine schlechte und
unvorteilhafte Figur haben)
- geboud sìnn wie e Sou|schdällche - e Määda ùffe Määda
(w.: gebaut sein
wie ein kleiner Schweinestall, ein Meter auf einen Meter; i.ü.S.: eine sehr unförmige
Figur haben, klein und kompakt sein)
- so
e Maschien sìnn (w.: eine solche Maschine sein; i.ü.S.: sehr dick sein)
- e òònschdännicha Wòmbe hònn
(einen dicken Bauch haben)
- e digga Rònse hònn
(i.ü.S.: 1. einen dicken Bauch haben; 2. eine
wohlgefüllte Schultasche haben)
- e digges Pänsje hònn
(i.ü.S.: einen dicken Bauch haben)
- e digga Buch hònn
(w.: einen dicken Bauch haben)
- e digga Wòmbe hònn
(i.ü.S.: einen dicken Bauch haben)
- e waddelicha Ärsch hònn
(i.ü.S.: einen fetten, schwabbeligen Hintern haben) ð "Hach, s Lissbedd hadd äänfach känn Mùschda
medd sinnem waddeliche Ärsch!"
- e Brääd|ärsch hònn
(w.: ein breites Gesäß haben)
- e Aasch (Ärsch) wie e Brauerai|gaul (e Agga|gaul) hònn
(w.: einen Hintern
haben wie ein Brauereipferd (Ackerpferd); i.ü.S.: einen besonders breiten Hintern haben)
- e digga Hìnnache (Hinnarre) hònn
(einen dicken Hintern haben)
- (digg|)pänsich wärre
(dick werden; einen Bauch ansetzen)
- aarich Schbägg ùff de Rìbbe hònn
(w.: arg Speck auf den Rippen haben;
i.ü.S.: ziemlich fett sein)
- rollsich sìnn; Schbägg|rollse hònn
(i.ü.S.: Fettfalten am Bauch haben)
- schbäggich sìnn (wärre)
(i.ü.S.: Übergewicht haben, zu fett sein)
- gòns schbäggiche Bään hònn
(i.ü.S.: dicke, fette Beine haben)
- wie e Dòmbnuudel ùffgehn
(w.: wie ein Dampfnudel aufgehen; i.ü.S.: stark
zunehmen)
- ùffgòng sìnn wie e Heeb|kùùche
(w.: aufgegangen sein wie ein Hefekuchen;
i.ü.S.: stark zugenommen haben) ð "Hasche in da
leddschd Zidd emòòl s Zillja gesìehn: dass ìsch ùffgòng wie e
Heeb|kùùche!" (Hast du in der letzten Zeit mal Cäcilia gesehen; die hat stark
zugenommen!)
- brääd|bäänich|laafes dòòhäär|kumme
(w.: breitbeinig laufend daherkommen;
i.ü.S.: krumme Beine haben; eine nicht gerade graziöse Gangart haben)
- dòò|schdehn wie e bùggich Geiß (Gääs)
(w.: dastehen wie eine Geiß, die
gedeckt werden soll; i.ü.S.: keine sehr graziöse Körperhaltung haben)
- e lònges Scheißhaus sìnn
(i.ü.S.: ein langer Kerl sein; sehr groß sein)
- jemònd ùff de Kobb schbuddse kìnne
(w.: jdm. auf den Kopf spucken können;
i.ü.S.: sehr groß sein) ð "Jòò! Jòò! De Oddel
ìsch so e lònges Scheißhaus; däär kònn all Lied ùff de Kobb schbùddse!"
- e lònga Luladdsch sìnn
(i.ü.S.: sehr groß sein)
- e brääLes Gridds hònn
(w.: ein breites Kreuz haben; i.ü.S.: 1. eine bullige
Figur haben; 2. viel aushalten)
- vùmm Fleisch felle
(w.: vom Fleisch fallen; i.ü.S.: sehr mager, dürr sein) ð "Dass Minsch dòò driwwe ìsch so rubbich; dass dùdd
ball vùmm Fleisch felle!"
- e rubbich Gääs sìnn
(w.: eine dürre Geiß sein: i.ü.S.: sehr mager, dürr
sein)
- e Gnoche|rabbla sìnn
(so abgemagert sein, dass die Knochen "rappeln",
also gegeneinanderschlagen und so Lärm verursachen)
- durr wie e (alda) Räche sìnn
(w.: dürr wie ein alter Rechen sein; i.ü.S.:
spindeldürr sein)
- rabbel|durr sìnn
(i.ü.S.: spindeldürr sein)
- uss|sìehn wie e Ribbe|geschdell
(i.ü.S.: abgemagert sein wie ein Skelett)
- ùff de Rìbbe Klawwìer schbìele kìnne
(w.: auf den
Rippen Klawier spielen können; i.ü.S.: sehr dürr sein)
- gaa känn Schbägg ùff de Rìbbe hònn
(w.: gar keinen Speck auf den Rippen
haben; i.ü.S.: sehr mager sein) ð "So e rubbich
Gääs wie em Jochònn sinns gähngd ich gaa nìdd meeche; dass hadd jòò gaa känn
Schbägg ùff de Rìbbe!" (Solch eine dürre Person wie Johanns Freundin möchte
ich gar nicht; die ist ja total abgemagert!)
- die Rìbbe äändsäln zehle kìnne
(w.: die Rippen einzeln zählen können;
i.ü.S.: sehr mager sein)
- nìggs ùff de Rìbbe hònn
(w.: nichts auf den Rippen haben; i.ü.S.: sehr
mager sein)
- "Dass ìsch so durr, dasses rabbeld!"
(Diese Frau ist
spindeldürr!)
- gòns schbìdds im Gesichd sìnn
(i.ü.S.: im Gesicht ganz abgemagert sein)
- e Hinnache (Hinnarre) wie e Gweddsche|käär hònn
(w.: einen Hintern wie ein
Zwetschgenkern haben; i.ü.S.: einen viel zu kleinen Hintern haben)
- känn Aasch in da Bùggs hònn
(w.: keinen Hintern in der Hose haben; i.ü.S.:
ein sehr kleines Gesäß haben)
- nìggsich sìnn
(etwas zu klein und zierlich sein)
- e rìchdìchi Bohne|schdòng sìnn
(w.: eine richtige Bohnenstange sein;
i.ü.S.: sehr dürr sein)
- wie e Vòchel|schäich uss|sìehn
(w.: wie eine Vogelscheuche aussehen; i.ü.S.:
dürr und abgerissen aussehen)
- grad bis òn de Nawwel gehn
(w.: gerade bis zum Nabel
gehen; i.ü.S.: gerade mal bis zum Nabel reichen; also sehr klein sein)
- ònna|talb Kobbs klänna sìnn
(w.: anderthalb Kopf kleiner sein; i.ü.S.: ca.
40 cm kleiner sein)
Die Geschlechtsmerkmale haben besonders viele Redewendungen und
Ausdrücke angeregt, allerdings vor allem für die weiblichen Attribute wohl, weil
die "männliche Vorstellungskraft" sie hervorgebracht hat:
- e diggi Brùschd hònn
(w.: <derb> eine dicke Brust haben; i.ü.S.: einen
großen Busen haben)
- so
e Bruschd hònn (w.: <derb> solch eine Brust haben; i.ü.S.: einen
Riesenbusen haben) ð meist mit einer entsprechenden Geste
unterstützt
- so
e Kòffa hònn (w.: solch einen Koffer haben; i.ü.S.: einen Riesenbusen
haben) ð ebenfalls meist mit einer
entsprechenden Geste unterstützt
- e Mords|kòffa hònn
(w.: einen Riesenkoffer haben; i.ü.S.: einen Riesenbusen
haben)
- Mords|mämme hònn
(i.ü.S.: <sehr derb> einen Riesenbusen haben)
- zwei so Abbe|raade hònn
(w.: zwei solch große Apparate haben; i.ü.S.:
einen Riesenbusen haben) ð meist mit einer
entsprechenden Geste unter-stützt
- e Hùffe Hols vòòr da Dìer hònn
(w.: einen Haufen Holz vor der Türe haben;
i.ü.S.: einen großen Busen haben)
- e Brùschd hònn fa zwei
(w.: eine Brust haben für zwei; i.ü.S.: einen
Riesenbusen haben, der eigentlich für zwei Frauen ausreichen würde)
- Pidd|cha hònn wie e Kibbe
(w.: <derb> Brustwarzen haben wie eine
Zigarettenkippe; große Brustwarzen haben)
- Pidd|cha hònn wie e Fìnnef|maag|schdìgg
(w.: <derb> Brustwarzen haben
wie eine Fünf-DM-Münze; i.ü.S.: einen großen Vorhof haben)
- flach sìnn wie e Brädd
(w.: flach sein wie ein Brett; i.ü.S.: keinen oder
keinen großen Busen haben; einen knabenhaften Busen haben) ð
"Also, Sebb, ich kùmme gaa nìdd medd, wass du òm Rächien hasch(d); dass ìsch
doch flach wie e Brädd!" (Also, Josef, ich weiß gar nicht, warum dir Regina so
gut gefällt; die hat doch gar keinen Busen!)
- klääne Gnoschbe hònn
(w.: kleine Knospen haben; i.ü.S.: einen knabenhaften
Busen haben)
- e flaches Brädd sìnn medd zwei Gnoschbe
(w.: ein flaches Brett sein mit zwei
Knospen; i.ü.S.: einen knabenhaften Busen haben)
- iwwa|haabd känn Brùschd hònn
(i.ü.S.: Null Busen haben)
- e Mords|rieme (Mords|pìmmel) hònn
(w.: <derb> einen Mordsriemen haben;
i.ü.S.: einen großen Penis haben)
- e kläänes Schbäddsje hònn
(i.ü.S.: einen kleinen Penis haben)
Viele Wendungen widmen sich auch dem Kopf bzw. dem Gesicht
der Mitmenschen:
- e Kobb hònn wie e Raaschee
(w.: einen Kopf haben wie eine Runkelrübe; i.ü.S.:
einen sehr großen, dicken und unförmigen Kopf haben)
- uss|sìehn wie geschess
(w.: <derb> aussehen wie geschissen; i.ü.S.: sehr
häßlich aussehen)
- uss|sìehn wie gekoddsd
(w.: <derb> aussehen wie Erbrochenes; i.ü.S.:
sehr häßlich und unappetitlich aussehen)
- digge Läschbe hònn
(w.: dicke Lippen haben)
- rìddsich rooLe Läschbe hònn
(i.ü.S.: knallrote Lippen haben)
- e rooLi Schnìss hònn wie e Hòhne|gried
(w.: einen
Mund haben so rot wie die Kreide eines Hahns; i.ü.S.: knallrot geschminkte Lippen haben)
- sich die Läschbe va|mòòle
(pej.: sich die Lippen schminken) ð "Oh, geh ma fùrd! Dass Soufärgel meechd ich nìdd
schmùddse; dass dùdd sich jòò imma so die Läschbe va|mòòle!"
- e läbbsch Gesichd mache
(ein missmutiges Gesicht machen)
- lääLich sìnn
(w.: leidig sein; i.ü.S.: einen leidenden und freudlosen
Gesichtsausdruck haben)
- e dummi Fradds mache
(i.ü.S.: ein dummes Gesicht machen)
- e Gesichd mache wie e Kùh, wònns dimmeld
(w.: ein Gesicht machen, wie
eine Kuh, wenn es blitzt und donnert; i.ü.S.: ein verschrecktes, freudloses, auch
überraschtes Gesicht machen)
- Glubbsch|aue hònn
(i.ü.S.: hervorstehende Augen <Froschaugen> haben)
- längs ùnn dabbich sìnn
(blöd sein; ~ aussehen)
Auch ganz bestimmte Eigenschaften oder vermeintliche oder tatsächliche
körperliche Unzulänglichkeiten standen Modell für entsprechende Redewendungen:
- e Schdimm hònn wie e Rabb|iese
(w.: eine Stimme haben wie ein Reibeisen;
i.ü.S.: eine sehr rauhe, wenig angenehme Stimme haben)
- e (Mords|)Schdrùss òm Kobb hònn
(eine unangenehm laute Stimme haben)
- Elb|kähn hònn; Schùh wie e Kòhle|kaschde hònn
(w.: Schuhe haben so groß
wie ein Kahn auf der Elbe oder wie ein Kohlenkasten; i.ü.S.: sehr große Füße haben)
- Kääs|gwònde hònn
(i.ü.S.: Schweißfüße haben)
- e schlächdi Hudd hònn
(w.: eine schlechte Haut haben)
- e gòns schrùmbelichi Hudd hònn
(i.ü.S.: viele Falten haben)
- Schrùmbele hònn
(i.ü.S.: viele Falten haben)
- e Mords|gùmma im Gesichd hònn
(w.: eine Riesengurke im
Gesicht haben; i.ü.S.: eine sehr große Nase haben)

Auffallend viele Ausdrücke gibt es auch für die Versprachlichung
eines wie auch immer gearteten ungepflegten Aussehens:
- ùùn|rònnschierd uss|sìehn
(ungepflegt aussehen)
- e alda Drägg|schbadds sìnn
(i.ü.S.: ungepflegt, dreckig aussehen)
- e rìchdìcha Kääs|babbel sìnn
(i.ü.S.: ungepflegt, schmierig aussehen)
- gòns lònge Gròòbe hònn
(i.ü.S.: lange Fingernägel haben)
- "Dämm sinne Gròòbe hònn Truur!"
(w.: "Die Fingernägel dieser
Person haben Trauerränder!" I.ü.S.: Sagt man, wenn jemand Dreck unter den
Fingernägeln hat)
- schnäiLich uss|sìehn
(w.: schneidig aussehen; i.ü.S.: unvorteilhaft gekleidet
sein; komisch aussehen)
- vòòr Drägg schdehn
(w.: vor Dreck stehen; i.ü.S.: sehr dreckig sein;
ungewaschen aussehen)
- e Schnùddel|naas hònn
(i.ü.S.: den Nasenschleim aus der Nase herauslaufen
lassen)
- e Schnùddel|ginggel hònn
(i.ü.S.: den Nasenschleim aus der Nase heraus-laufen
lassen)
- die Schnùddel|ginggel ùff de Ärmel schmeere
(den Nasenschleim am Ärmel
abwischen)
- aarich va|mòòld sìnn
(w.: arg bemalt sein; i.ü.S.: zu stark geschminkt sein)
- gnuschdich sìnn
; vòòr ludda Gnuschd schdehn (dreckig, ungepflegt
aussehen) ð "Dämmsäll sinne Bänsele dùnn vòòr
ludda Gnuschd schdehn!" (Seine Haare stehen vor lauter Dreck aufrecht!)
- gòns va|lassìerd sìnn; ~ va|wòòd ~ ; ~ va|laddsd ~
(i.ü.S.: ungepflegt
sein) ð "Ä! Wie kòmma nùrre so va|wòòd
dòòrùm|laafe!?"
- e Kobb wie e Hääd hònn
(w.: einen Kopf wie ein Heide
/ eine Heidin haben; i.ü.S.: eine ungepflegte Frisur haben) ð
"Also nää, Malche! So hòllich dich nìdd medd in die Mäss! Du haschòò e Kobb
wie e Hääd!"
- uss|sìehn wie e Hääd
(i.ü.S.: eine ungepflegte Frisur haben)
- ewägg|schdehn wie bees Gäld
(w.: wegstehen wie böses Geld; i.ü.S. bei
Haaren: abstehen; nicht am Kopf anliegen) ð "Ich
wääß gaa nìdd, wass häid wiLLa medd minne Hòòr loss ìsch: die schdenn ewägg wie
bees Gäld!"
- "Bessa e Gladds wie gaa känn Hòòr!"
(Besser man hat eine Glatze
als gar keine Haare!) Das ist eine scherzhafte Bemerkung, die man meist Glatzenträgern
gegenüber macht.
- e grùmma Schäädel hònn
(i.ü.S.: keinen geraden Scheitel gezogen haben)
- e schnäiLicha Schäädel hònn
(i.ü.S.: keinen geraden Scheitel gezogen haben)
- Flìgg|mähl ùffem Gnouse hònn
(i.ü.S.: Schuppen haben)
- uss|sìehn wie de leddschde Mänsch
(w.: aussehen wie
der letzte Mensch; i.ü.S.: ganz übel, schlecht aussehen)
- uss|sìehn wie e Gòmmla
(wie ein Gammler aussehen; ungepflegt ~)
- uss|sìehn wie de Maansen-Merrda
(w.: aussehen wie der
Mörder von Sharon Tate, Manson; i.ü.S.: wie ein Gammler aussehen)
- sich de Kobb wesche mìsse
(w.: sich den Kopf waschen müssen: i.ü.S.: sich die
Haare waschen müssen)
- dòòrùm|laafe wie e Schdrubb|hìnggel
(w.: umherlaufen
wie ein unge-kämmtes Huhn; i.ü.S.: ungekämmt sein; mit zerzausten Haaren durch die
Gegend laufen)
- dòòrùm|laafe wie e schdrubbich Rind
(w.: umherlaufen wie ein unge-kämmtes
Rind; i.ü.S.: ungekämmt sein; mit zerzausten Haaren durch die Gegend laufen)
- "Bäi dänne dehämm hònnse beschdimmd die Sääf va|schdeggeld!"
(w.: "Bei denen zu Hause haben sie bestimmt die Seife versteckt!" I.ü.S.: Sagt
man, wenn jemand sehr ungepflegt daherkommt.)
Das schlechte oder vermeintlich ungesunde Aussehen wird auch manchmal
mit einer Krankheit in Verbindung gebracht:
- uss|sìehn wie de Dood ùff Naach(d)schichd
(w.: aussehen wie der Tod auf
Nachtschicht; i.ü.S.: krank und bleich aussehen)
- wiss wie e Linn|dùùch ùss|sìehn
(w.: wie ein Leinentuch aussehen; i.ü.S.:
krank und bleich aussehen)
- gòns kääsich sìnn
(i.ü.S.: ganz bleich aussehen)
Ungepflegtes Aussehen ist meist mit entsprechenden strengen
Gerüchen verbunden:
- gòns vamässe mibbsele
(i.ü.S.: stark riechen; eine starke Ausdünstung haben)
- schdìngge wie de Bùgg òm Mìchelches|daa
(w.: stinken
wie ein Bock am Michaelistag; i.ü.S.: eine sehr unangenehme Ausdünstung haben)
- schdìngge wie e Zichäina uss da Bùggse|ladds
(w.: <derb> stinken wie
ein Zigeuner aus dem Hosenschlitz; i.ü.S.: eine sehr unangenehme Ausdünstung haben) ð "Du kìnnsch dich aa mòòl wiLLa wesche; du
schdingschòò wie e Zichäina uss da Bùggse|ladds!"
- schdìngge wie e Abdrìdd
(w.: stinken wie eine Toilette; i.ü.S.: sehr stinken)
ð "Du aldes Wuggel, wesch dich! Du schdingschòò
wie e Abdrìdd!"
- nòh Mìschd schdìngge
(w.: nach Mist stinken)
- wie widd schdìngge
(w.: wie weit stinken; i.ü.S.: sehr stark stinken)
- "Bìsch(d)e dehämm ins Pùùlloch gefall, dasse so schdìngsch(d) oLLa
hasch(d)e dich e paa Daa nìdd geweschd?"
(Bist du zu Hause in die
Jauchegrube gefallen oder hast du dich bloß ein paar Tage lang nicht gewaschen?)
- nòh Pùùl schdìngge
(nach Jauche riechen) ð "Buursch|kenn
dùnn s gòns häälich Jòhr nòh Pùùl schdìngge!" (Bauernkinder
stinken das ganze Jahr über nach Jauche!)
- nòh fulle Zänn schdìngge
(w.: nach faulen Zähnen stinken; i.ü.S.: starken
Mundgeruch haben) ð "Jedds schaff dich emòòl
zùmm Zòhnaadsd ùnn lass da die Zänn mache; du schdinggsch(d) gòns ääglich nòh
fulle Zänn!"
- nòh Gnowwe|loch schdìngge
(nach Knoblauch riechen)
- unna de Aame schdingge
(w.: unter der Armbeuge stinken)
- ussem Mull schdingge
(w.: aus dem Maul stinken; i.ü.S.: einen schlechten Atem
haben)
- grusslich schmiggsele
(i.ü.S.: eine starke Ausdünstung haben)
- schmiggsele wie e Kùh ussem Ärschloch
(i.ü.S.: <derb> eine starke
Ausdünstung haben)
Auch die nachlässige oder unangebrachte Form der Kleidung wird
in entsprechende Äußerungen umgesetzt:
- Roll|tuwwagg hònn
(Das sagt man, wenn die Strümpfe
heruntergerutscht sind.)
- wie e Halb|gehùngkna erum|laafe
(w.: wie ein nur zur Hälfte Gehenkter
herumlaufen; i.ü.S.: schlecht angezogen sein)
- s Hämmed uss da Bùggs hängge hònn
(das Hemd aus der Hose heraushängen
haben)
- s kläwwarich Läib|che òòn|hònn
(w.: das klebrige Leibchen tragen;
i.ü.S.: ein verschmutztes Leibchen tragen)
- flìgg òòn sìnn
(zu dünn angezogen sein)
Wenn jemand einen ungepflegten Eindruck macht, fehlt es
natürlich nicht an gut gemeinten Ratschlägen:
- "Däär kìnnd sich aa noch|emòòl wesche!"
(w.: "Der könnte
sich auch nochmal waschen!")
- "Däär kìnnd aa noch|emòòl e Trobbe Wassa òòn sich lònn!"
(w.:
"Der könnte auch nochmal einen Tropfen Wasser an sich heranlassen!" I.ü.S.:
Der könnte sich auch nochmal waschen!)
- "Dassäll kìnnd sich aa mòòl ònnaschd òòn|dùùn, s ìschòò
grusselich gepossd!"
(Die sollte sich mal besser anziehen; sie ist völlig
geschmacklos gekleidet.)

Positiv besetzt sind folgende Begriffe:
- jemònde wie ussem Gesichd geschnied sìnn
(w.: jdm. wie aus dem Gesicht
geschnitten sein; i.ü.S.: jdm. sehr ähneln)
- wie ussgeschbuddsd sinn Babbe sìnn
(wie sein Vater aussehen; seinem Vater sehr
ähneln)
- e Kobbs greeßa (klänna) sìnn als wie
(w.: einen Kopf größer sein als; ~
kleiner ~)
- uss|sìehn wie e Näächa
(w.: aussehen wie ein Neger; i.ü.S.: braungebrannt
sein) ð "JeeLes Jòhr sidd de Gìnda im Sùmma uss
wie e Näächa! Awwa zù dämm hònnse jòò imma gesaad de bruune Blagge vùnn
Fechinge!"
Auch auf die Kleidung bezogen gibt es eine ganze Reihe von Redensarten
und Ausdrücken, die sowohl positiv als auch negativ besetzt sind. Einen positiven
Eindruck hinterlassen Personen, die wie folgt beschrieben werden:
- ònna|talb Kobbs greeßa sìnn
(w.: ein und einen halben Kopf größer sein;
i.ü.S.: ca. 40 cm größer sein)
- härsch sìnn
(w.: herrisch sein; i.ü.S.: gestriegelt sein; vornehm sein)
- e gòns Härscha (Härsches) sìnn
(i.ü.S.: sehr gepflegt sein; auf gute
Kleidung Wert legen; eitel sein)
- schnadds sìnn; schnadds uss|sìehn
(i.ü.S.: fein und gestriegelt sein)
- e fäina Maggs sìnn
(w.: ein feiner Max sein; i.ü.S.: fein und gestriegelt
sein)
- suwwa|che lùùe
(i.ü.S.: sauber und adrett aussehen) ð "Ou, em Nìggel sinn noues Minsch dùdd richdich
suwwa|che lùùe!"
- gùdd in da Räih sìnn
(i.ü.S.: in Ordnung sein, gut aussehen; gesund sein)
- gòns mònnierlich uss|sìehn
(i.ü.S.: hübsch aussehen; sauber ~)
- sich piddschele
(i.ü.S.: 1. sich pflegen; 2. sich besonders herausputzen).
Dieser Begriff kann auch negativ gebraucht werden.
Auch alle Ausdrücke, die mit Körperpflege zu tun haben, sind positiv
belegt:
- sich rònnschìere
(w.: sich rangieren; i.ü.S.: sich
pflegen)
- zùmm HòòrschniLLa gehn
(w.: zum Haarschneider gehen; i.ü.S.: zum Friseur
gehen)
- sich schääre lònn
(w.: sich scheren lassen; i.ü.S.: zum Friseur gehen)
- sich die Bänsele schniLLe ~
(w.: sich die Fransen schneiden lassen; i.ü.S.:
zum Friseur gehen)
- sich die Hòòr schniLLe lònn
(w.: sich die Haare schneiden lassen; i.ü.S.:
zum Friseur gehen)
- sich schäddarre lònn
(i.ü.S.: zum Friseur gehen)
- de Schnùrres schniLLe
(w.: den Schnurrbart schneiden)
- sich de Schnùrres schniLLe lònn
(w.: sich den Schnurrbart schneiden lassen)
- sich die Näächel schniLLe
(sich die Finger- oder Zehennägel schneiden)
- sich die Gròòbe schniLLe (lònn)
(i.ü.S.: sich die Fingernägel schneiden; ~
lassen)
- sich degg die Zeewe|näächel schniLLe
(sich oft die Fußnägel schneiden)
- sich brause gehn
(duschen gehen) ð "Dùsche
dich noch brause vòòrm Ässe?" (Duschst du noch vor dem Essen?)
- "Ùnn dùdda de Schìssa gùdd abbùddse!"
(Wisch dir den Hintern gründ-lich ab!)
- glänse wie e Schbägg|schwaad
(w.: glänzen wie eine Speckschwarte; i.ü.S.:
blitzsauber aussehen)
Nicht immer ist ein gepflegter Mensch nur Lob ausgesetzt. Ist dies mit Eitelkeit
verbunden, dann bekommt er (sie) vielleicht zu hören:
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