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Home / Die Ensheimer Geschichte im Überblick / Ensheim unter der Herrschaft des Klosters Wadgassen (1435-1792) / Ensheim in der Zeit vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution (1648 - 1789) /


4. Wiederbesiedelung, Zuwanderung und Anwachsen der Bevölkerung

Neben der Rekatholisierung gab es für die Beamten der Saarprovinz noch eine weitere zentrale Aufgabe: die Wiederbesiedelung der durch den 30jährigen Krieg und danach verheerten Landstriche bzw. die Vermehrung der noch vorhandenen Bevölkerung. So warb ein im Oktober 1680 publiziertes königliches Edikt um den Zuzug von Siedlern aus anderen, übervölkerten Landstrichen, wobei den Neusiedlern als Anreiz völlige Abgaben- und Lastenfreiheit auf zehn Jahre zugesagt wurde. Diese Bevölkerungspolitik war außerordentlich erfolgreich und führte zu einer starken Zuwanderung sowohl aus den französischen Provinzen, vor allem aus Lothringen, aber auch aus den übervölkerten deutschsprachigen Alpenregionen (Schweiz, Vorarlberg, Tirol) oder Gebieten wie Luxemburg oder der Eifel, die von den Kriegen der letzten Jahrzehnte mehr oder weniger verschont geblieben waren.

Neben dieser grundsätzlichen Bevölkerungspolitik der Franzosen war es schon zuvor der Initiative des Wadgasser Abtes Philipp Gretsch  (1636 - 1667) zu verdanken, daß das zerstörte und verwüstete Ensheim wiederaufgebaut und wiederbesiedelt wurde. So holte der Abt, der selber jahrelang auf der Flucht gewesen war und erst um 1644 nach Wadgassen zurückkehrt war, nach dem Westfälischen Friedensschluß nach und nach Neusiedler ins Land, nachdem viele der früheren Bewohner nicht mehr am Leben oder von ihrer Flucht in die Eifel oder nach Holland nicht zurückgekehrt waren.

Die neuen Bewohner Ensheims, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zuwanderten, kamen wohl überwiegend aus der Schweiz, aus Tirol und Vorarlberg, aus der Eifel und Luxemburg, aus Lothringen und anderen Teilen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Für das Jahr 1702, dem Jahr, in dem die erste Einwohnerliste angefertigt wurde, wurde die Bevölkerung auf ca. 400 Personen geschätzt, Gemeindeglieder, Hintersassen, Haushaltsvorstände, Frauen und Kinder, Mägde und Knechte sowie Dienstboten eingerechnet.

Ein neuer Zuzug setzte nach dem Ende der Kriegswirren (1714) ein und führte relativ rasch zu einem weiteren Anstieg der Bevölkerung in Ensheim. Bis zum Ende des Jahrhunderts verdoppelte sich die Bevölkerung auf 802 Personen. Zu der Bevölkerungszunahme dürfte nicht zuletzt auch die Einführung der Kartoffel um 1690 / 1700 beigetragen haben, die ertragreiche Ernten und damit die Sättigung vieler "Mäuler" versprach.

Die Attraktivität Ensheims für Zuwanderer nahm noch enorm zu, als nach dem Beginn der Dosenproduktion auch ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte, der paradoxerweise gerade in der Zeit der Französischen Revolution und der nachfolgenden Herrschaft Napoléons seinen Höhepunkt fand.

 

Eine genaue Untersuchung der Herkunft der Zuwanderer steht noch aus, dürfte aber teilweise nur mit großen Abstrichen zu leisten sein, weil

So bleibt leider viel Raum für Spekulationen, was die Aufdeckung der historischen Wahrheit natürlich ungemein erschwert, wenn nicht sogar - wie im Falle der Ensheimer Zuwanderung - unmöglich macht.


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Last update: 13.11.2004            © Paul Glass 1997 - 2004 ff