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Home / Die Ensheimer Geschichte im Überblick / Ensheim unter der Herrschaft des Klosters Wadgassen (1435-1792) / Ensheim in der Zeit vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution (1648 - 1789) /


5. Konflikte zwischen dem Kloster Wadgassen und den Grafen von Saarbrücken

Nach dem Frieden von Rijswijk begann für die Bevölkerung im Saarraum trotz weiterer Kriege im 18. Jahrhundert (Spanischer Erfolgekrieg 1701 - 1714; Österreichischer Erbfolgekrieg 1740 - 1748; Siebenjähriger Krieg 1756 - 1763) eine längere "Friedensperiode". Aber wie Tritz, op. cit., 120 f berichtet, unternahm der Saarbrücker Graf Ludwig Kraft von Saarbrücken vor allem während des Spanischen Erbfolgekrieges mehrfach den Versuch, die Abtei Wadgassen  in seinen Besitz zu bringen. Am 3. März 1705 etwa gab Abt Peter Marx eine notariell beglaubigte Erklärung ab, daß am 6. Februar eine "Husarenpartei ins Kloster gekommen, seine Person gefährdet gewesen (sei) und (er) ... sich an einen Neutralität genießenden Ort (habe) begeben müssen" (Tritz, ebda.) Zudem sei das  Kloster "gräßlich gebrandschatzt" worden. Auch Ensheim habe schwer unter den Saarbrücker Machtansprüchen zu leiden, müsse Jagdfrohnden und die Appellation nach Saarbrücken leisten. Im gleichen Jahr wurde die Abtei von Reichstruppen unter dem Grafen von Weilburg (wohl auf Veranlassung der mit diesem  verwandten Saarbrücker Grafen) besetzt und sollte 8.000 Gulden Kontribution zahlen. Der Abt Peter Marx überlebt diese Aufregungen nicht: er stirbt noch im Jahre 1705.

Als die Wadgasser der Kontributionszahlung nicht nachkamen, nahmen 80 kaiserliche Husaren den frischgewählten neuen Abt gefangen und erpreßten so die Zahlung der Kontribution. Drei Tage später wiederholte sich das "Spielchen", jetzt allerdings waren es Franzosen, die den Abt zu einer Kontribution zwangen. Es sollte nicht die letzte Kontribution gewesen sein, wobei mal die Soldaten des Kaisers, mal die Franzosen die Hand aufhielten...

In dieser Zeit kommt es andauernd zu Konflikten zwischen dem Kloster Wadgassen und den Saarbrücker Grafen, wobei es meist um Kompetenzgerangel ging. Nachstehend eine kleine Auswahl (alle aufgeführt bei Tritz, op. cit. 124 ff):

Das Reichskammergericht in Wetzlar wird zwischen 1727 und 1729 gleich mehrfach von den Kontrahenten um Schlichtung der Auseinandersetzungen gebeten, worauf es nach verschiedenen Urteilen zwischen Wadgassen und den Saarbrücker Grafen 1729 zu einem Vertrag kommt, der die Konflikte endgültig beseitigen soll. Allerdings hielt die Eintracht nicht lange: Bereits 1736 gibt es erneute Streitigkeiten zwischen den beiden Kontrahenten - offenbar eine never ending story...


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Last update: 13.11.2004            © Paul Glass 1997 - 2004 ff