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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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44.  Einkaufen & Verkaufen & Dienstleistungen

In der Geschichte der zwischenmenschlichen Beziehungen haben Einkaufen und Verkaufen schon immer eine wichtige Rolle gespielt. In unserer Mundart haben sich eine Reihe von Begriffen zu diesem Thema erhalten:

·      ins Dorf gehn (1. sich nach Ensheim-Mitte begeben; 2. einkaufen gehen) ðWo ìschen die Mòmme hìengòng?“ - „Ei, ins Dorf!“ (Wo ist denn Mutter hingegangen? - Zum Einkaufen in das Geschäftsviertel von Ensheim.)

·      zùm Flori gehn (w.: zum Florian gehen; i.ü.S.: 1. zur Bäckerei Engel gehen; 2. ins Café Engel gehen)

·      in Haadse gehn (zur Bäckerei Lagaly gehen)

·      (in Schnaawels / Haadse / zum Flori) Breedcha kaafe gehn (<bei der Bäckerei Schnabel / Lagaly / Engel> Frühstückbrötchen kaufen gehen)

·      Mariche, wännde nòhde in Haadse gesch(d), kìnnsche|ma fìnnef Kimmel|wegg meddbringe, oLLa?“ (Maria, wenn du nachher zum Ein-kaufen in die Bäckerei Lagaly gehst, könntest du mir fünf Kümmelbrötchen mitbringen, nicht wahr?)

·      zùm Wònne|macha gehn (zum Einkaufen in das Lebensmittelgeschäft Wannemacher gehen) ðDa, Bùùb, hasche fìnnef Maag: geh dabba zùm Wònne|macha ùnn kaaf ma frìsche Mies|ehrcha, so schdìgga zwei|hùnnadd Gròmm!“ (Hier hast du fünf Mark, meine Junge. Lauf’ schnell zum Lebensmittelgeschäft Wannemacher und kauf’ ungefähr 200 g frischen Feldsalat!)

·      „Noch äbbes!“ (w.: Noch etwas. I.ü.S.: Darf es noch was sein?)[1]

·      ins In gehn (zum Einkaufen in den Lebensmittelmarkt In gehen)

·      ins Konsùmm gehn; ins Asko gehn (zum Einkaufen in den Konsumladen bzw. das Lebensmittelgeschäft Asko gehen)[2]

·      innkaafe gehn (einkaufen gehen)

·      in Paulusse (Fìggingasch) gehn (zum Einkaufen in das Textilbekleidungsgeschäft Paulus bzw. Fickinger gehen)[3]

·      in Fäächasch gehn (i.ü.S.: in das Schreibwarengeschäft Kautz gehen)[4]

·      in die Medds gehn (in die Metzgerei gehen) ðDa, Bùùb, hasche zeh Maag! Geh mòòl dabba in die Medds ùnn hòll e Vierdelpund Liona fa de Babbe!“ (Hier, mein Junge, hast du zehn Mark. Geh bitte schnell in die Metzgerei und kaufe ein Viertelpfund Lyoner für unseren Vater!)[5]

·      in Peedasch (Maiasch; Bräiasch) gehn (zum Einkaufen in die Metzgerei Bauer, Mayer bzw. Breuer gehen)

·      „Ich hädd gäär e Vìrdel Kalbs|läwwa|wurschd, awwa vùmm ei’ene!“ (Ich möchte 125 g Kalbsleberwurst, aber von der Sorte, die Sie selber herstellen!)

·      die Neddstasch meddhòlle (i.ü.S.: ein Einkaufsnetz mitnehmen) ðBùùb, ich brichd noch e Kilo Grùmbìere, e Päggelche Mairoon ùnn e Pùnd Zìwwele. Da, hòll die Neddstasch medd ùnn laaf dabba! Ich macheda aa morje dinn Ladds|ässe!“ (Junge, ich brauche noch 1 kg Kartoffeln, ein Päckchen Majoran und 1 Pfund Zwiebeln. Komm, nimm‘ das Einkaufsnetz mit und lauf‘ zu. Ich koche dir morgen auch dein Lieblingsgericht!“

·      Millich hòlle gehn (w.: Milch holen gehen)

·      die Bedd|dìecha in die Mòng bringe (w.: die Betttücher in die Mangel bringen)[6]

·      zùm Friseer gehn (zum Friseur gehen)

·      sich die Hòòr mache lònn (zum Friseur gehen, um sich frisieren zu lassen)

·      zùm Giedo gehn (zum Friseur Guido Breier gehen)

·      zu Asde|fienches gehn (ins Lebensmittelgeschäft von Josefine ... gehen)

·      ùff die Kass gehn (zur Sparkasse gehen, um Bankgeschäfte zu erledigen)

·      e Òònzeich ùff|gänn (w.: eine Anzeige aufgeben)

·      zùmm Noodäär gehn (w.: zum Notar gehen)[7]

·      nòh (ùff) Dingmadd fahre (nach St. Ingbert fahren)

·      nòh (ùff) Zwääbrìgge fahre (nach Zweibrücken fahren)

·      in die Schdadd gehn (<zum Einkaufen oder für andere Erledigungen> nach Saarbrücken gehen)

·      nùrre Schòmmass hònn (i.ü.S.: nur minderwertige Waren anbieten)

·      de leddschde Schòmmass va|kaafe (i.ü.S.: nur minderwertige Waren anbieten)

·      sich äbbes ùff|hängge lònn (1. sich minderwertige oder schlechte Ware andrehen lassen; 2. sich etw. aufschwatzen lassen) ð...ùnn lassda känn alde Breedcha ùffhängge!“ (die Mahnung vor dem Brötchenkauf, sich keine Brötchen von gestern andrehen zu lassen)

·      sich all Schissdrägg ùffhängge lònn (sich jeden Schund andrehen, auf-schwatzen lassen) ðOh, Bùùb, lassda doch nìdd ìmma all Schissdrägg ùffhängge; dänne Òndiewich dòò kònnich grad de Hìnggele gänn! Ma hängge doch nìdd voll, oLLa?“ (Ach, Junge, lass‘ dir doch nicht immer jeden Schund andrehen: diesen Endiviensalat kann ich gleich den Hühnern zum Fressen vorwerfen. Mensch, wir haben doch kein Geld zuviel!)

·      e dieres Plaschda sìnn (ein teures Pflaster sein, ein teurer Ort sein)

·      Präise wie in da Abbedeeg(d) hònn (w.: Preise wie in der Apotheke haben; i.ü.S.: hohe Preise haben)[8]

·      „Kòmma dass so grìen?“ (Kann man diese Ware kostenlos bekommen?)

·      ’S därf aa ruich äbbes kòschde!“ (w.: Es darf auch etw. kosten, I.ü.S.: Der Preis spielt keine Rolle!)

·      känn Mìns hònn (w.: keine Münzen haben; i.ü.S.: kein Kleingeld haben)

·      nùrre grooße Schinne hònn (w.: nur große Scheine haben; i.ü.S.: kein Kleingeld haben)

·      nùrre grooß Gäld hònn (w.: nur große Scheine haben; i.ü.S.: kein Kleingeld haben)



Anmerkungen

[1] Dieser Spruch dürfte allen Wannemacher-Kunden sehr vertraut sein...

[2] Dieses Geschäft existiert schon seit etlichen Jahren nicht mehr.

[3] Beide Geschäfte existieren mittlerweile nicht mehr.

[4] Auch dieses Geschäft existiert mittlerweile nicht mehr. Die Geschäftsgründung geht auf den legendären Fotografenmeister Carl Feger zurück, der wie kein zweiter Ensheim im Bild festgehalten hat. Siehe auch Kap. 49, Anmerkung 2!.

[5] Der Begriff Medds ist sicher die Kurzform von Metzgerei, was wiederum vom mittellat. matiarius <Wurstmacher> abstammen soll. Vgl. Seibicke, op. cit., 68.

[6] Die Mòng kommt vom süddt.  Mange <Rollvorrichtung zum Glätten der Wäsche>. Vgl. Seibicke, op. cit., 129.

[7] Hier stand das frz. notaire <Notar> Pate. Der Notar war in napoleonischer Zeit neben dem Bürgermeister der wichtigste Mann im Ort.

[8] Die Apotheken gelten allgemein als Hochpreiszonen, sicher vor allem wegen der teueren Medikamente.

 

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© Paul Glass 2000-2001