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Ensemma Schbrìch

Redensarten, Ausdrücke und Sprüche

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8. Ehrlichkeit & Unehrlichkeit

Ehrlichkeit ist heutzutage eine Tugend, die nicht mehr viel wert zu sein scheint. Schüler belügen und betrügen ihre Lehrer, Ehefrauen ihren Partner und umgekehrt, Politiker ihre Wähler, Steuerflüchtlinge den Finanzminister. Es sieht so aus, als ob die Unehrlichkeit immer weiter auf dem Vormarsch ist.

·      Däär lìed wie gedrùggd!“  (w.: Der lügt wie gedruckt! I.ü.S.: Dieser Typ lügt ständig und ohne Hemmungen!)

·      Wänn däärsäll ‘s Mull ùffmìchd, haLLa schùnn gelòò! (w.: Wenn der das Maul aufmacht, hat er schon gelogen. I.ü.S.: Egal, was der sagt: er lügt immer. Er ist ein notorischer Lügner!)

·      jemònde die Sägg voll|lìe'e (w.: jdm. die Säcke volllügen; i.ü.S.: jdn. ganz gehörig anlügen)

·      nìdd die Wòòredd sòòn (w.: nicht die Wahrheit sagen)

·      e alda Lìena / e ald(i) Lìenasch sìnn (i.ü.S.: ein notorischer Lügner / eine notorische Lügnerin sein)

·      jemònde in de Aasch ninn|grawwele (w.: jdm. in den Hintern kriechen; i.ü.S.: ein Schleimer sein, der sich andient)

·      sich in de Finga schniLLe (w.: sich in den Finger schneiden; i.ü.S.: 1. sich verrechnen; 2. erleben, wie aus einem scheinbaren Vorteil ein Nachteil wird)

·      Dòò hasch(d)e dich awwa geschnied!“ (w.: Da hast du dich aber geschnit-ten! I.ü.S.: Da hast du dich aber verrechnet!)

·      Dòò hasch(d)e dich awwa geschnärrd!“ (i.ü.S.: Da hast du dich aber verrechnet!)

·      e va|drääda Massigg sìnn (i.ü.S.: 1. unehrlich sein; 2. hinterhältig sein; 3. ein Trotzkopf sein)

·      e va|drääda Hùnd sìnn (i.ü.S.: 1. unehrlich sein; 2. hinterhältig sein; 3. ein Trotzkopf sein)

·      medd zwei Milla schwäddse (w.: mit zwei Mäulern reden; i.ü.S.: mal so und mal so reden)

·      de Scheene mache (w.: den Schönen machen; i.ü.S.: seine wahren Absichten hinter einem freundlichen Gesicht verbergen)

·      e Schiggòòna sìnn (i.ü.S.: 1. verschmitzt sein; 2. durchtrieben sein)

·      voll Schiggòòne sìnn (w.: voller Schikanen sein; i.ü.S.: voller List sein)

·      sich medd frimde FäLLarre schmìgge (w.: sich mit fremden Federn schmücken; i.ü.S.: die Verdienste anderer als seine eigenen ausgeben)

Mit der Ehrlichkeit scheint es den Ausdrücken nach nicht sehr weit her zu sein – es gibt davon nur wenige:

·      nìdd ùùn|äwe sìnn (i.ü.S.: 1. gerecht, fair sein; 2. nicht schlecht sein; 3. nicht kleinlich sein)

·      nìdd va|kehrd sìnn (w.: nicht verkehrt sein; i.ü.S.: 1. in Ordnung sein; 2. ein guter Mensch sein; 3. ehrlich sein)

·      Zù gùdd ìsch e Schdìgg vùnn de LiLLarich|kääd! (w.: Zu gut ist ein Stück von der Liederlichkeit. I.ü.S.: Wer zu gutmütig und gutherzig oder spendabel ist, riskiert, dass er irgendwann einmal auch zum Gauner werden könnte.) Man gebraucht diese Redensart, um jemanden davor zu warnen, zu grosszügig zu sein: zuviel Großherzigkeit kann jemand durchaus an den Bettelstab oder gar auf die schiefe Bahn bringen.

·      vùnn da Lùng ùff die Zùng sìnn (w.: von der Lunge auf die Zunge sein; i.ü.S.: 1. offen, ehrlich sein; 2. direkt sein)

·      „Ich bliwwe debäi, ùnn wännde Däiwel ùff Schdelse kimmd!“ (w.: Ich bleibe dabei, auch wenn der Teufel auf Stelzen kommt! I.ü.S.: Ich bleibe bei meiner Meinung, komme, was da wolle!)

·      känn Bladd vòòrs Mull hòlle (w.: kein Blatt vor den Mund nehmen; i.ü.S.: offen und ehrlich seine Meinung sagen).

·      die Wòòredd sòòn (w.: die Wahrheit sagen; i.ü.S.: ehrlich sein)  

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© Paul Glass 2000-2001